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Unverfroren oder aufgetaut? Deutsche Amtskirchen und ihre Obergrenzen

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Es gab eine Zeit, als deutsche Leitmedien neidvoll nach Frankreich blickten und voller Verzückung den dortigen Laizismus mit den halbstaatskirchlichen Zuständen zwischen Rhein und Oder verglichen. Oh wie fortschrittlich sei Frankreich, wie geknebelt die deutschen Lande, wo Kirchensteuer vom Fiskus eingetrieben und das Bet-Personal der großen Kirchen bis hin zu deren üppigen Pensionen vom Staate alimentiert würde. Die von Ewigkeit zu Ewigkeit anhaltenden Entschädigungen für vor über 200 Jahren stattgefundene Enteignungen durch den Reichsdeputationshauptschluss sollte längst gesetzlich neu geregelt werden, aber immer wenn das Thema wieder mal von der Öffentlichkeit aufs Tapet gehoben wurde, verschwand es klamm und heimlich wieder, noch ehe es in die Nähe der heißen Schmiedeöfen der Parlamente kommen konnte. Doch dann kamen die Austrittswellen in beiden großen Kirchen, Missbrauchs-Skandale, Streit um die Schwangerschaftsberatungsstellen der Kirchen, ein Bischof, der als Made im Limburger Katholikenspeck lebte, Zölibatsdiskussion, Nachwuchsprobleme, Finanzskandale, Diskussionen um Kreuze in Schulen und Krankenhäusern, die Trunkenheitsfahrt einer Bischöfin, Kardinal Meißner als gern gesehener Gast auf Karnevals-Motivwagen und Papst Benedikt, der einen byzantinischen Kaiser korrekt zitierte und damit Empörung – auch unter Christen – auslöste. Letzteres Beispiel zeigte, dass die Kirchenfürsten es dem Bürger nicht einmal dann recht machen konnten, wenn sie nichts Falsches sagten.

Kurz, die Amtskirchen in Deutschland befand sich in der Defensive, führten seit langem Rückzugsgefechte, ihre Lobby schwand wie Schnee in der Sonne und ihr Einfluss auf gesellschaftlich relevante Themen wurde immer weniger sichtbar. Wer selbst bis zum Kollar in der Sünde steckt, kann schwerlich Reinheit predigen. Es wurde stiller um die großen Amtskirchen.

Das Säkulare war auf dem Vormarsch, der Atheismus blühte, die vielzitierte Aufklärung, deren Mangel dem Islam so oft und zurecht vorgeworfen wird, war ja schließlich nichts anderes, als die Emanzipation des Menschen von den Dogmen des Glaubens und seinen Institutionen, also den Kirchen. Lang vorbei die Zeiten, zu denen Unglaube noch staatlich sanktionierte Sünde war. Stattdessen kamen Themen in der Gesellschaft auf Entscheidungsebene, bei denen sich die Kirchenvertreter aller Konfessionen die Fingernägel abkauen mochten. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften, „Homo-Ehe“, Emanzipation – wo sollte das nur alles hinführen! Der Leibhaftige verbreitete Zweifel und Atheismus unter den Lämmern und die Hirten bliesen vergeblich in ihre Kehret-um-Pfeifen. Besonders dringend war es ja eigentlich noch nicht, solange die schweigende Mehrheit der Christen in diesem Land zwar nicht regelmäßig in die Gottesdienste geht, dafür aber regelmäßig ihre Kirchensteuer entrichtet.

Man brauchte dringend einen neuen Verbündeten, denn der Staat war unter diesen Umständen nur noch ein unsicherer Kantonist, der Spruch „so wahr mir Gott helfe“ beim Amtseid der Mandatsträger häufig nur noch eine Floskel.

Haben die Kirchen überhaupt noch Verbündete in der politischen Landschaft der Bundesrepublik? Die Parteien mit dem großen C vielleicht? Inhaltlich ging es in den letzten drei Jahren ja eher stramm in Richtung Grün und Links. Auch wenn das die CDU/CSU sicher anders sehen möchte. Die SPD kann man auch vergessen, die Genossen liegen verzückt zu Füßen ihres neuen Messias Schulz und rufen im zu, „Martin, erzähl uns etwas mit Gerechtigkeit“.  Tummelte sich bei den Grünen zumindest noch die eine oder andere abgebrochene Theologin, war vom linken Rand und dem dort ansässigen Postmarxistengelichter für Kirchens nichts Gutes zu erwarten. Aber da gab es ja noch eine Gruppe außerparlamentarischer, glaubensfester Mit- und Neubürger, die schon lange und bisher vergeblich für das kämpften, was die christlichen Kirchen an Privilegien längst hatten: Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Genau, die Islamverbände! Die Islamverbände sahen sich als Opfer der Moderne, als Opfer von Rassismus und Islamophobie, den Islam als missachtete Religion und ihre eigene Aufgabe darin, möglichst in jeden Bereich des Lebens einen Pflock des Propheten einzuschlagen. Hauptsache gläubig, sagte man sich in den Kirchen, Pflock ist Pflock. Lasst doch einfach die Muslime die Glaubenskämpfe der Kirchen führen! Doch wie fängt man das an?

Glaube sei Bürgerpflicht

Ist Ihnen eigentlich auch schon aufgefallen, dass die publizistischen Auseinandersetzungen dieser Tage, immer wenn es um Krieg, Vertreibung, Flüchtlinge, Migration und Zukunft geht, immer entlang der Begriffe muslimisch und christlich verlaufen? Unvergessen ist mir der Spruch von Frau Käßmann, die vom moralischen Feldherrenhügel aus rief „Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben“. Man könnte der Generalin der Lutheraner entgegenschleudern, dass ihr diese Worte am einem Sonntag vor einer koptischen Gemeinde in Kairo wohl etwas kleinlauter von den Lippen gehen würden, aber bleiben wir argumentativ ruhig erst mal in Deutschland.

Denn dort sind es ausgerechnet die Konfessionslosen, Ungetauften, Ausgetretenen, vom Glauben zum Wissen konvertierten, Drei-Tage-Juden und Weihnachtschristen die in diesem Land die Mehrheit bilden – warum sollten die sonntags in die Kirche gehen?

Und dann fällt plötzlich das Licht der Erkenntnis auf Kirchturm und Minarett! Der Islam ist taktisch nützlich für die Kirchen, denn er verfügt über Zähne, die den christlichen Kirchen längst ausgefallen sind, oder die ihnen bereits in der Zeit der Aufklärung gezogen wurden. Des einen verhaltenes Bauchgrummeln ist des anderen Folklore. Apostasie oder Homosexualität werden im Islam nicht toleriert, sondern exekutiert. Das mittelalterliche Weltbild, das in den meisten islamischen Ländern zementiert ist, wird in großem Stil nach Europa importiert und soll hier, so wollen es die Kirchen, auf maximale Toleranz und Nächstenliebe treffen. Sollen doch die Muslime die Kämpfe mit der säkularen, gottlosen Gesellschaft führen, zu denen die Kirchen nicht mehr in der Lage sind. Und wäre es nicht toll, werden sich die Kleriker denken, wenn Blasphemie wieder etwas wäre, das man sich nicht nur gegenüber dem Islam und seinem Propheten lieber nicht traut? Doch ich fürchte, wenn es in dem Ausmaß weiter geht, wird auf den Trümmern unserer Gesellschaft leider nicht gut kirchenbauen sein, weil nach dem Ende der „säkular-dekadenten“ Gesellschaft keine Dividende an die nützlichen Idioten der islamverstehenden Kirchen ausgezahlt wird. Dann wird es heißen Schahāda, Dhimmi oder Tod. Da sage noch jemand, man hätte keine Wahl.

Mehr Monstranz als Substanz – der Kardinal und die Obergrenze

Kardinal Woelki, der Oberhirte des Erzbistums Köln, sendet über domradio.de regelmäßig frohe Botschaft an die Gemeinde. Am 19.3.2017 ging es um eine „Obergrenze“.

Dass ein römisch-katholischer Kardinal ein Gleichnis aus dem Verkehr bemüht, um seinen Kokolores zu bebildern, übersehen wir im Sinne einer sachlichen Debatte mal eben*, auch wenn mir die Androhung eines Bußgeldes wegen Geschwindigkeitsüberschreitung als Vergleich mit einer Obergrenze für Flüchtlinge absurd erscheint. „Gottes Wort fordere eindeutig eine Obergrenze – du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Das klingt auch nach Untergrenze und nach Mittelding, ist also ein alberner Vergleich. Das bedeutet, so der Bischof, „wenn ich hier in Freiheit und Sicherheit lebe, muss ich diesen Wunsch nach Freiheit und Sicherheit auch den Menschen ermöglichen, die bei uns Schutz suchen – wenn ich ein gutes Dach über dem Kopf habe und immer genügend zu essen, dann muss ich mich dafür einsetzen, dass auch für Flüchtlinge das gilt. Wenn ich will, dass meine Kinder zur Schule gehen, dann darf ich mich über Flüchtlingskinder in der Klasse meiner Kinder nicht aufregen.“

Darf man einen Kardinal korrigieren –  oder sagen wir vorsichtiger: ergänzen, wenn er aus der Bibel zitiert? Ach, was habe ich schon zu verlieren – er ist ja kein Imam und kann nicht mit Fatwas um sich werfen. Also, Eminenz, die Sache mit der Nächstenliebe ist ja wirklich eine tolle Sache und auch sehr zentral, das muss ich zugeben. Die Idee ist sogar schon sehr sehr alt. Diese findet sich nämlich bereits im dritten Buch Mose, (19.18) und lautet vollständig: „Du sollst nicht rachgierig sein noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Nun bedeutet die Einschränkung „gegen die Kinder deines Volkes“ natürlich nicht, dass man andere einfach totschlagen solle oder dürfe. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ haben wir schließlich 2006 geübt und uns in das tolle Gefühl des Gemochtwerdens verknallt.  Aber die Attitüde, mit der feine Herr Kardinal fordert, dass wir Freiheit und Sicherheit auch anderen ermöglichen müssen, wenn wir sie selbst genießen, verstößt gegen den Rechtsgrundsatz „ultra posse nemo obligatur“ – niemand ist über seine Möglichkeiten hinaus verpflichtet.

Und wenn der Kardinal der fettesten Diözese der Welt sich vor eine Kamera stellt, um der Welt mitzuteilen, es genüge nicht, abgetragene Hemden in die Container der Caritas zu stopfen. Wenn er erklärt, man müsse ja nicht sein letztes Hemd geben, was bedeutet, das vorletzte dürfe es ruhig sein. Wenn er erklärt, auch ihm falle das „nicht immer leicht“, dann kommen mir biblische Pharisäer-Gleichnisse in den Sinn. „Ein gutes Dach über dem Kopf und immer genügend zu essen“ hat der Kardinal jedenfalls – selbst in der Fastenzeit.

Vielleicht fällt es ihm ja wirklich schwer, in seinem kleinen Kellerswimmingpool seine Runden zu drehen, weil ihm dabei die Schlauchboote in den Sinn kommen, die auf dem Weg über’s Mittelmeer sind, um ein Hemd von Kardinal Woelki zu ergattern. Vielleicht denkt er auch an die Untergrenze, die es für die Flüchtlinge in ihren Heimatländern gibt, weil es eben nicht die ärmsten der Armen sind, die sich auf den Weg machten und machen – diese können sich die Kosten für die Schlepper gar nicht leisten. Vielleicht denkt er an die Obergrenze dessen, was ein Land an Exodus verkraften kann, bevor es völlig und endgültig kollabiert? Ob Herr Woelki seine protestantische Kollegin Käßmann in sein Obergrenzengebet einschließt, obwohl diese zur Begrüßung des Reformationsjahres zur Datums-Obergrenze jettete, wo sie wie eine keltische Druidin die neue Sonne begrüßte? Vielleicht denkt der Kardinal aber auch daran, dass die Nächstenliebe der Katholischen wie auch der Lutherischen Kirche sehr wohl eine Obergrenze kennt, weil nämlich beide keine Nächstenliebe für AfD-Anhänger haben wollen, und stünden sie ihnen noch so nahe. So weit mag man in Sachen Nächstenliebe nämlich nicht gehen, dass man es mit diesen Aussätzigen hält! Ob es daran liegen könnte, dass die AfD keine Regierungsverantwortung hat? Macht muss wohl doch einen gewissen Sexappeal haben, denn derlei Berührungsängste hatten die Kirchen mit der SED nicht. Und zumindest die Lutheraner auch nicht mit der NSDAP.

Vielleicht geht mich der devote und servile Grundton der Kirchenoberhäupter dieses Landes in Bezug auf den Islam ja absolut nichts an, aber ich anerkenne nun mal die Impulse sehr, die das Christentum in der Kunst, der Musik, der Sprache, der Architektur und der Literatur dieses sogenannten „Abendlandes“ gegeben hat – nicht immer freiwillig und meist mit dem Hintersinn der Prachtentfaltung, der Alleinherrschaft und der Kontrolle über andere Menschen. Aber ich würde diese kulturellen Aspekte sehr vermissen, wenn sich das Christentum weiter in Richtung eines Dienstleisters und Leibwächters des Islam in Europa entwickelt – und mal so ganz nebenbei bemerkt gleichzeitig im Nahen Osten (außer in Israel) im Verschwinden begriffen ist. Diesen Euphemismus ziehe ich sofort zurück und benutze ein treffenderes Wort: sie verschwinden nicht, das klingt viel zu schicksalhaft. Sie werden vernichtet – und zwar auch von dem Islam, dem Kardinal Woelki in Deutschland keine Obergrenzen auferlegen will.

Bei jeder Gelegenheit werfen sich die Amts- und Würdenträger, katholische wie protestantische, wie die Bodyguards hin und her, um noch die kleinste Herabsetzung des Islams zu verhindern. Glaube sei Glaube, da dürfe man kein Ressentiment zulassen. Ich habe Christen kennengelernt, denen vor Verzückung Tränen der Rührung in den Augen stehen, wenn sie erfahren, dass Jesus und Maria auch im Islam verehrt werden. Es ist, als würde sich ein Ausgeraubter darüber freuen, dass seine Bilder sich hübsch an den Wänden des Diebes machen, obwohl er sie falsch herum aufgehängt hat.

Ich will hier nicht die ganze Geschichte der „Prophetwerdung“ Mohammeds aufarbeiten, von den anfänglichen Versuchen, durch Speiseregeln und Gebetsrichtung Jerusalem die Juden auf seine Seite zu bringen oder durch die Verehrung Marias die Christen von seiner Rechtmäßigkeit als Prophet zu überzeugen. Das sind theologisch Details, um die sich Historiker und Theologen kümmern mögen. Was ich sehe und kritisiere ist die heutige institutionalisierte christliche Servilität gegenüber muslimischer Gewalt, Gewaltbereitschaft, religiöser Intoleranz und der muslimischen Art, Frauen- und Minderheitenrechte zu „interpretieren“. Als bislang schönster weil augenfälligster Beweis dieser Dienstfertigkeit darf der Besuch der beiden deutschen Kirchenfürsten Marx und Bedford-Strohm auf dem Tempelberg gelten, bei dem sie ihre Kreuze ablegten. Dem Hahn aus der Petrusgeschichte wäre das dreimalige Krähen sicher im Hals stecken geblieben, pikanterweise soll diese Geschichte ja nicht weit entfernt vom Tempelberg stattgefunden haben.

Genauso peinlich verlaufen auch immer wieder die diversen interreligiösen Aktivitäten, bei denen es immer nur die christliche Seite ist, die auf die islamische zugeht und von Toleranz und monotheistischer Brüderlichkeit phantasiert. Als am 15.3.2016 der kairoer Großimam Ahmad Mohammad al-Tayyeb im Bundestag sprach, erntete er großen Applaus für seine Rede, welche die anwesenden Abgeordneten dem kulturellen „Dialog“ zurechneten. Dabei hatte der Imam rein gar nichts gesagt, was diese Annahme untermauerte. Sein Tenor: Islam, das bedeutet Frieden und Menschenrechte. Ja, das glaube ich auch. Friede nach der Unterwerfung und Menschenrechte, wie sie die Scharia definiert. Zu blöd, dass man sich im Falle ihres Eintreffens diese Zukunft nicht mal mehr „schön saufen“ könnte.

Die ausgestreckte „christliche Hand“ bleibt in der Luft hängen, zieht sich ungeschüttelt zurück, wird aber zum Zeichen der Dialogbereitschaft im Selbstgespräch erklärt. Die Kirchen schaffen es nicht, klare und unverhandelbare Standpunkte gegenüber dem Islam zu formulieren. Wäre das wirklich ein Problem? Bestünde anderenfalls die Gefahr, dass die Schäflein der Gemeinden spontan „das Kreuz nehmen“, „Deus le vult“ brüllten und sich auf den Kreuzzug begeben würden? Bedeutet „Dialog auf Augenhöhe“ nicht gerade, dass man genau weiß, wo man steht und das auch klar formulieren kann? Ist das Gegenteil von „unreflektiert rumkuscheln“ wirklich Abgrenzung und Hass? Ich glaube nicht.

Ok, wenn ein Heide wie ich sowas sagt, erscheint das natürlich nicht sehr belastbar. Aber ich könnte Jesus zitieren und dessen Wort soll ja in der Christenheit immer noch ein gewisses Gewicht haben. „Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias!, und sie werden viele irreführen. Ihr werdet von Kriegen hören und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen.“ (Matthäus 24:3­8.)

Wie wäre es mal mit diesem Zitat bei einer interkulturellen Begegnungsrunde des evangelischen Häkelkreises Buxdehude anlässlich des Geburtstages des Propheten? (Notiz an mich: am 19. April Glückwünsche zum 90. Geburtstag an Joseph Aloisius Ratzinger senden.)

Religionen in Deutschland und die Zumutungen der Moderne, ein Versuch der Desensibilisierung

Gerade las ich von einer Untersuchung, bei der die Frauen unter den Flüchtlingen nach ihrer Lage befragt wurden. Besonders sie Syrerinnen äußerten Angst vor Kulturverlust – eine „Phobie“, die jeder, unabhängig vom Herkunftsland und seinen persönlichen Präferenzen sehr gut nachvollziehen kann. (Übrigens ein Grund dafür, warum sich eine Verteilung von Flüchtlingen über die EU bei gleichzeitig offenen Binnengrenzen nicht machen lässt. Doch das nur am Rande.) Vielleicht sollten wir den Migranten nicht nur durch Deutschkurse, kostenlose medizinische Versorgung und sozialen Zuwendungen zeigen, was ihnen winkt, sondern auch, was ihnen blüht, indem wir ihnen klarmachen, dass sie ihren Glauben auch ablegen oder wechseln dürfen, offen zu ihrer Homosexualität stehen oder unverheiratet bleiben können. Unsere Zeitungen sollten empört auf rassistische oder unzureichend gegenderte Predigten in Moscheen reagieren und öffentliche Entschuldigungen von den Imamen fordern. Wir brauchen Queerness-kompatible Toiletten in Moscheen und Frauenquoten von 30% in Moscheevorständen – ganz zu schweigen von einer Kampagne „Meine Moschee braucht eine Imamin“ zu der das Familienministerium gefälligst die Mittel bereitstellen soll. Außerdem wäre da ja noch der Bedarf an traditionell vor dem Imam geschlossenen muslimischen Ehen von Schwulen und Lesben. Das alles sind Kämpfe, mit denen sich die Bewohner dieses Landes seit einiger Zeit die Langeweile vertreiben und als Religion in Deutschland steht man natürlich mittendrin in diesen Debatten. Da können wir für den Islam keine Ausnahme machen, weil wir diese den Kirchen auch nicht gewähren.

Da sind wir doch sicher einer Meinung, Herr Woelki!

* Ich verkaufe bessere Vergleiche für drei Pater noster, vier Ave Maria und fünf Euro. Beim nächsten mal einfach per Mail anfragen.

Die Partei des schlechten Gewissens

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Aus der Reihe „Parteien zur Bundestagswahl“
Teil 1: Die Grünen

© Grüne Bundestagsfraktion / Friederike Schwebl

„Wir müssen reden, liebe Grüne“ – diese Worte verheißen in einer Beziehung selten Gutes und wenn die deutschen Wähler eine ihrer Parteien zum „Gespräch“ bitten, kommt es meist knüppeldick. Die Kurve der Umfragewerte der Grünen zeigt seit Monaten nur in eine Richtung, nach unten. Gleichzeitig ist jede Aktion, jede Äußerung der Frontgesichter eher geeignet, einen Plüschsattel auf ein Einhorn zu legen, als sich mit der Lebenswirklichkeit in diesem Land auseinanderzusetzen. Keine Peinlichkeit wird ausgelassen, keine Idee ist zu abwegig, wenn es darum geht, Wähler zu vergraulen. Und so wird die Parteispitze also das rosa Einhorn besteigen, die Pussy-Mütze tief über die Augen ziehen und in den Sonnenuntergang reiten, der vielleicht auch nur der Untergang der Partei sein wird. Als vor vier Jahren die FDP – aus gutem Grund – auf die Couch gebeten wurde, hieß es beim Wähler vorher „wir müssen lachen“. Das Ergebnis ist bekannt, der Kombination aus Verrat und Unkenntnis liberaler Werte und irrlichterndem Personal war einfach keine Notwendigkeit mehr abzupressen, ein Tortenstück Einfluss in Form von Sitzen im Bundestag dafür zu verschwenden. Nun wird es Zeit, mal einen genaueren Blick auf die Grünen zu werfen, bei dem man leicht ans Heulen kommt. Wir müssen reden.

Um gleich eines ganz klar zu machen: Ich habe euch nie gewählt und werde dies mit großer Sicherheit auch nie tun, weil ich euch für eine klassische marktfeindliche Klientelpartei halte, die vor allem an Verteilung, Regulierung und Bevormundung interessiert ist und gleichzeitig an keinem Subventions-Fleischtopf vorbei gehen kann. Mit dem Begriff Freiheit verbinde ich im Gegensatz zu euch nicht in erster Linie die Abwesenheit von Genfood, Fleisch überhaupt, CO2 oder Laktose, sondern mit der Freiheit der Entscheidung und der Abwesenheit von Bevormundungen und Denkverboten. Nein, vermissen würde ich euch sicher nicht in den Parlamenten dieser Republik. Aber es gab in der Vergangenheit wichtige Impulse von euch, die erst ein Bewusstsein für den Umweltschutz geschaffen haben. Euer Problem mit der Eigenwahrnehmung entstand genau zu dieser Zeit. Denn irgendwie ist auch einer guten Idee eine komplexe Religion geworden, in der eure Führungskräfte wie Hohepriester agieren: Sie teilen die Taten der Menschen in gut und schlecht ein, entdecken überall Sünde, rufen „Tuet Buße“ und betreiben Ablasshandel. Dabei stellte der Spiegel unlängst fest, dass es insbesondere die Wähler und Sympathisanten der Grünen sind, die so häufig CO2-affine Flugreisen unternehmen, wie sonst niemand im Land.

Passt nicht zusammen, denken Sie, liebe Leserinnen und Leser? Doch, sehr gut sogar. Denn die Grünen sind eine Partei, die vom schlechten Gewissen zusammengehalten wird. Ablasse lassen sich nur verkaufen, wenn das Gewissen vorher ordentlich gezwickt hat. Und da die Möglichkeiten zur Sünde proportional zum Einkommen steigen, nützen der Partei die arme Schlucker nichts, die sich sowieso nie im Leben eine Flugreise leisten können. Die sind in dieser Hinsicht gewissermaßen Umweltschützer wider Willen. Von Verzicht träumen kann nur, wer etwas hat.

Ein besonderes Schlaglicht auf das politische Irrlichtern der Grünen war deren Entscheidung, am 10.3.2017 im Bundesrat dafür zu sorgen, dass die Maghreb-Staaten nicht auf die Liste der sicheren Herkunftsländer gesetzt werden konnten, was zahlreiche Abschiebung erheblich beschleunigt und geholfen hätte, die damit beauftragten Behörden und die Polizei zu entlasten. Die Wahrscheinlichkeit etwa für einen Marokkaner, in Deutschland Asyl zu erhalten, liegt dennoch ziemlich genau bei Null. Auch gibt es seit 1998 bereits ein Rückführungsabkommen mit Marokko, es ändert sich also durch die Ablehnung der Grünen nichts an der Tatsache, dass die Marokkaner wieder nach Hause geschickt werden. Es dauert nur länger, kostet mehr und geht zulasten der Menschen, deren Anträge auf Asyl wirklich Substanz haben. Aber Frau Göring-Eckhardt möchte die geschenkten Menschen nicht wieder hergeben, weshalb sie zum Beispiel Marokko kurzerhand für unsicher und gefährlich erklärt. Dabei sehen das nicht alle Deutsche so. Wenn man will, kann man schon morgen im Flieger nach Marokko sitzen und dort ein paar wunderbare Urlaubstage verbringen.

Auszug aus einem Marrakesch-Urlaubsangebot: „In den traditionellen Riads, bunt geschmückten, reich verzierten Stadthäusern, die heutzutage von ihren Besitzern an die vielen Besucher Marrakeschs vermietet werden, dürfen sich auch Besucher der Stadt fühlen wie die berühmte Prinzessin aus Tausendundeiner Nacht. Doch während Sheherazade mit gewandter Zunge um ihr Leben redete, dürfen moderne Bewohner ganz ungetrübt die Freuden orientalischen Luxus genießen. Marrakesch, die Stadt der Berber und Nomaden, gilt vielen als die schönste Stadt des ganzen Landes. Spätestens wenn der abendliche Ruf des Muezzin über die blauen Kuppeln schallt, wenn die Sonne hinter der atemberaubenden Kulisse des Hohen Atlas‘ untergeht und die Kühle der Nacht sich allmählich in den Gassen der quirligen Stadt ausbreitet, nimmt der Zauber der morgenländischen Schönheit jeden Neuankömmling gefangen.“

Und über Agadir an der Atlantikküste weiß der Reiseprospekt: „Westorientalisches Flair erlebt man gleich im Hinterland: Fes, Meknes und Marrakesch, die Königsstädte im Landesinnern, sind von der Küste aus leicht zu erreichen. Agadir empfiehlt sich als Ausgangspunkt für Ausflüge in die fruchtbare Sous-Ebene mit ihren wohlhabenden Städten Taoudannt, die „kleine Schwester“ Marakeschs, und Tiznit, die Stadt der Silberschmiede. Wer sich noch weiter in den Süden wagt, erlebt die wilde Felslandschaft des Anti-Atlas und das Karawanenzentrum Guelmin in der West-Sahara.“

Die leichte Erreichbarkeit der kulturellen Angebote in Marokko ist schon deshalb garantiert, weil man sich für etwa 100 Euro pro Woche ein Auto mieten kann, um sich damit frei im Land zu bewegen, was wohl ein Merkmal unsicherer Herkunftsstaaten sein muss.

Aber vielleicht ist es deutschen Urlaubern zumutbar, in „gefährliche Länder“ zu reisen, während den Einheimischen nicht zugemutet werden kann, dorthin zurückzukehren. Das Außenministerium vermerkt in seinen Reisehinweisen lakonisch: Marokko ist ein politisch stabiles Land mit guter touristischer und sicherheitspolitischer Infrastruktur. Es gibt aber auch in Marokko Gefahrenelemente.“ Vom Urlaub machen möchte man aber niemanden abhalten – auch die Parteispitze der Grünen möchte weiterhin liquide Europäer nach Marrakesch schicken. Nur für Einheimische ist es dort zu gefährlich.

Als übrigens im letzten Jahr ausgerechnet in Marrakesch die UN Klimakonferenz stattfand, konnten die Grünen daran nichts Schlechtes finden, auch die Sicherheitslage dort schien für die Klimaretter und deren Entourage nicht problematisch zu sein. Nur Einheimische, die sollten sich besser auf den Weg nach Deutschland machen. Vielleicht hört man ja aber schlimmes aus dem Umfeld des jährlich stattfindenden internationalen Filmfestivals in Marrakesch? Schon wieder Fehlanzeige! Das heißt, auch hier müssen wir die Einheimischen natürlich gesondert betrachten. Wenn ein Land oder eine Stadt auch vom internationalen Jetset frequentiert wird, heißt das noch lange nicht, dass es dort sicher ist. Ist das nun ein Wahrnehmungsproblem des Jetsets, zu dem auch das grüne Spitzenpersonal gehört, oder eine Frage der mangelhaften Sicherheit? Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es einfach eine Frage des Opportunismus ist und was als Argument grad besser passt.

Aber aus Sicht der Grünen ist wahrscheinlich nicht mal die Schweiz ein sicherer Ort, weil dort Muslime keine Minarette bauen dürfen. Das mag jetzt etwas spitzfindig klingen, aber wenn man erst einmal anfängt, in den Gesellschaften anderer Länder Unzumutbarkeiten für grüne Parteikader zu suchen, lassen sich tausende Sachverhalte finden, die für Grüne als Hinderungsgrund der Abschiebung herhalten können. Wer denkt schon darüber nach, wie dürftig das Angebot an Bio-Gemüse auf den Märkten in Islamabad ist!

(Selektive) Fakten gegen Parolen

Wahlkampfzeiten sind Zeiten, in denen Parteien einfache Antworten auf komplizierte Fragen haben. Besonders auf die Fragen des politischen Gegners. Und alles, was nicht grün ist, wird dem Rechtspopulismus zugeschrieben. Sieben Behauptungen, wie sie natürlich nur Rechtspopulisten vertreten können, versuchen die Grünen, ihre Totschlag-Antworten entgegen zu schleudern. Die Seite ist jetzt übrigens ein Jahr alt und zeigt sehr anschaulich, wie schnell die Argumente der Grünen welken. Was dies über die Fähigkeit der Grünen aussagt, die Zukunft dieses Landes mitzugestalten, mag sich jeder selbst beantworten.

Übrigens, wem die Grünen Antworten zu arg verkürzt erscheinen oder doch mal noch eine Frage dazu hat, bekommt am Ende der Seite einen weiterführenden Link, möglichst auf einen Gesetzestext oder eine andere möglichst regierungsamtliche Quelle der möglichst komplexen und unverständlichen Art. Vielleicht hofft man darauf, dass der Leser bei seinen Nachforschungen einschlafen möge oder daran verzweifelt, wenn er die grünen Schlussfolgerungen anhand der Quellen nicht nachvollziehen kann. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Der Leser soll nur wissen Diese rechtspopulistischen Parolen können wir mit einfachen Fakten entlarven. Einfach auf die Parole klicken und die grüne Antwort auf Fremdenhass erfahren!“

Einfach ist immer gut! Klicken wir also mal auf das, was sich hinter den verkürzten und den Rechtspopulisten zugeschriebenen Parolen an grüner Antwort verbirgt und ob die Antworten wirklich „einfach“ oder doch nur simplifizierend, irreführend und dämlich sind.

1) Wir können nicht alle aufnehmen. Antwort der Grünen: „In Libanon kommt auf Sechs Einheimische ein Flüchtling, in Deutschland einer auf 80 Einwohner.“ Ja, das war schon die Antwort. Zumindest soll dies als Argument genügen. Die Grünen meinen also, wir sollen uns mal nicht so haben, den Libanesen geht es wegen der Flüchtlingsbewegungen viel schlechter. Das stimmt sogar. Nur, ist das ein anstrebenswerter Zustand? Hatte der Libanon Mittel und Wege, die Fluchtbewegung aus dem Nachbarland zu steuern? Nein! Versorgen heute drei Libanesen einen syrischen Flüchtling? Nein. Entweder tut dies das UNHCR oder die Flüchtlinge versuchen selbst, irgendwie klar zu kommen. Man spricht Arabisch, was es sehr viel leichter macht, im Nachbarland zu überleben. Möchten die syrischen Flüchtlinge im Libanon bleiben? Nein! Sie möchte entweder weiter, oder zurück. Die grüne Antwort suggeriert, dass Deutschland erst dann „voll“ sei, wenn auch bei uns das Zahlenverhältnis von 1 zu 3 hergestellt ist, wofür weitere 25 Millionen Flüchtlinge benötigt werden. Dafür reicht Syrien allein nicht aus, weshalb man bei den Grünen den Blick hin zu anderen Ländern schweifen lässt, in denen es nach grüner Logik ebenfalls nicht rund läuft.

2) Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen. Hier stellen die Grünen den Hartz IV-Betrag dem gegenüber, was das Asylbewerberleistungsgesetz an die Flüchtlinge ausschüttet – und das ist nominell tatsächlich weniger. Doch erstens sind dies nicht die tatsächlichen Kosten die für Unterbringung, Verpflegung und gesundheitliche Versorgung entstehen und zweitens muss man sich seit Jahren besonders von den Grünen anhöre, wie arm die dritte Welt ist und wie gering das Einkommen dort. Es wird dann immer wieder gern verglichen mit dem, was in Deutschland zur Verfügung steht. Wer behauptet, die Leistungen des deutschen Sozialstaates hätten keinerlei Sogwirkung, der behauptet, dass Kleinvieh keinen Mist macht. Aus der Entfernung sieht das, was man in Deutschland zu bekommen hofft, zudem deutlich verlockender aus als das, was dann tatsächlich an Geld fließt. Die Israeliten zogen aus Ägypten in der Hoffnung fort, das Land zu finden, in dem Milch und Honig fließen – als sie es fanden, war da aber kaum mehr als Wüste. Ähnlich ist es heute mit den Märchen und Legenden über das reiche Europa, die in der Heimat der Flüchtlinge kursieren. Der Realität hält das nie stand – und das ist einer der Gründe, warum sich die Identität einiger Flüchtlinge in Deutschland vervielfacht. Allein die Tatsache, dass die Flüchtlinge oft tausende Euro für Schlepper bezahlen, zeigt doch, dass sie sich meist unter völlig falschen Vorstellungen der Möglichkeiten in Europa auf den Weg machen. Vorstellungen, die zerplatzen müssen, wenn sie mit der Realität in Europa konfrontiert werden.

3) Das sind nur Wirtschaftsflüchtlinge. Es spielt im Grund keine Rolle, warum jemand nach Deutschland auf den Weg macht, es sei denn, er/sie wird politisch verfolgt. Militärdiktatur oder Bürgerkrieg, Korruption oder organisiertes Verbrechen sind keine Asylgründe, so traurig das auch klingt. Ihr müsst das Grundgesetz nicht als Monstranz benutzen, sondern auch mal lesen, liebe Grüne. Den Begriff Wirtschaftsflüchtling könnt ihr getrost vergessen, weil es im Grunde nur Asylbewerber und Migranten gibt. Ich erinnere auch nochmal daran, dass Asyl laut Dublin III nur in dem Land beantragt werden kann, dass man in der EU als erstes betritt. Eine Weiterreise in ein Land seiner Wahl sehen die EU-Verträge nämlich nicht vor. Wer also nicht mit dem Schlauchboot auf Langeoog ankommt…aber was sind EU-Verträge heute schon noch wert.

Neben den Asylsuchenden gibt es Migranten. Und hier endet die Freizügigkeit, hier ist Schluss mit der Willkommenskultur. Jeder souveräne Staat darf selbst entscheiden, wen er warum ins Land lockt oder einlässt. China und Japan lassen zum Beispiel niemanden rein, die USA haben das Greencard-System und restriktive Einwanderungsregeln, Kanada und Australien ein Punktesystem. Was all diese klassischen Einwanderungsländer gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie die legale Einwanderung fördern und steuern! Man schaut, wen man braucht! Man sucht Fachkräfte. In Australien gibt es auch den Weg, über eine große Direktinvestition an die Staatsbürgerschaft zu kommen. Nur Deutschland und Schweden gingen den Weg der Beliebigkeit, nur Deutschland geht diesen Weg auch weiter.

4) Flüchtlinge sind viel zu teuer. Wie es sich für lupenreine Relativisten gehört, stellt man den Kosten für Flüchtlinge die Kosten für Steuerflucht und Steuerhinterziehung gegenüber. Und was sind schon 9 Mrd. Euro angesichts der 100 Mrd. Euro, die dem Fiskus jährlich gestohlen werden! Peanuts! Nur sollte, wer Steuerflucht vermeiden will, an der Steuergesetzgebung drehen, Staatsausgaben drosseln und Verschwendung von Steuergeldern eindämmen, um die Steuern senken zu können, anstatt das genaue Gegenteil zu versuchen. Der Vergleich ist irrsinnig, man hätte auch die Kosten für das Apollo-Programm zum Vergleich heranziehen können. Es ist, als würde man beim exzessiven Shopping eine Kreditkarte ans Limit fahren und dann schulterzuckend mit der nächsten weitermachen. Ich will mich auch nicht unnötig an der Steuerflucht abarbeiten, mich interessiert die Vergleichszahl von 9 Mrd. Euro. Freundlicherweise haben die Grünen hier nämlich nur die Ausgaben des Bundes herangezogen, was beweist, dass Grüne entweder nicht rechnen können, oder wollen. Die Ausgaben von Ländern und Kommunen sind in dieser hübschen kleinen Zahl nämlich nicht enthalten. Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit liegen die Kosten pro Jahr bei 20 – 30 Milliarden Euro. Nun stammen die Zahlen der Grünen aus dem Jahr 2015 und beruhten demnach auf sehr groben und freundlichen Schätzungen. Belastbare Zahlen liegen heute jedoch längst vor und diese strafen den grünen Optimismus jetzt schon Lügen. In einem Land, in dem sich selbst Bauherren von Opernhäusern, Bahnhöfen und Flughäfen gern mal um einige Zehnerpotenzen verschätzen, sollte man die Zukunftsprognosen der politischen Parteien nur zum Feuer machen verwenden. Über die Langfristigen Kosten wird noch zu reden sein. Aber hey, was soll’s, ist doch nur das Geld anderer Leute!

5) Flüchtlinge beklagen sich über zu wenig Geld, haben aber teure Smartphones. Die Grünen meinen, sowas bräuchte man halt für die Flucht. Wie soll man sonst Kontakt halten zu denen, die einen losgeschickt haben? Wie den Weg finden? Das stimmt natürlich, zeigt aber lediglich, dass es eben nicht die Ärmsten und Bedürftigsten sind, die sich auf den Weg gemacht haben und deren ganzes Vermögen steckt eben nicht in den Smartphones, die sie bei sich haben. Es müssen für den Kontakt nach Hause auch dort Smartphones vorhanden sein, wie sollte man sonst den Kontakt halten? Aber eigentlich ist das Argument mit den Smartphones einfach nur albern. Das sich zahlreiche Flüchtlinge über zu wenig Geld beklagen – oder darüber, dass sie immer noch keinen gut bezahlten Job haben, der ihnen versprochen wurde – ist allerdings richtig.

6) Die nehmen uns die Jobs weg. Nein, zunächst schaffen sie mal welche. In der Asylindustrie rund um Betreuung und Unterbringung, Bauwirtschaft, NGO’s, Sicherheitsdienste, Verwaltung und Polizei sind zahlreiche neue Jobs entstanden – und noch weitaus mehr werden gebraucht. Das Schaubild der Grünen erinnert uns jedoch an den Fachkräftemangel in der Pflege und das wir schon deshalb dringend Zuwanderung brauchen. Aber geht diese Rechnung auf? Sind die Neuankömmlinge unsere Pflegekräfte von morgen? Wie sieht es mit der Behauptung aus, die jungen, kräftigen Männer würden später auch mal die Rente der vermehrungsunwilligen Deutschen zahlen? Auch hier steckt leider ein Rechenfehler, der uns noch teuer zu stehen kommen wird. Schauen wir mal genauer hin. Der Bildungsstand der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea ist durchschnittlich miserabel, die Analphabeten-Rate ist hoch, zwei Drittel können kaum lesen und schreiben.

Das bringt erhebliche Probleme bei der Vermittlung der deutschen Sprache, weil viele diese nicht einmal über das Verständnis ihrer Muttersprache, meist arabisch, erlernen können. Eigentlich müsste man vielen Flüchtlingen zunächst Arabisch beibringen, damit sie über diese Brücke ins Deutsche kommen können. Unter diesen Voraussetzungen braucht es sicher zwei bis drei Jahre, bis die Neuankömmlinge eine elementare sprachliche Kompetenz haben, um im nächsten Schritt die schulischen Kompetenzen zu erwerben, die man hierzulande für eine Ausbildung braucht. Die Flüchtlinge kommen hier mit Anfang Zwanzig an, brauchen 3-5 Jahre, um unsere Sprache zu erlernen und die Ausbildungsreife zu erlangen. Dann sind sie mit Anfang dreißig mit der Ausbildung fertig, wenn alles gut läuft. Sie haben also gegenüber ihren deutschen Kollegen mindestens zehn Jahre Rückstand, auch was die Rentenansprüche anbelangt, die sie ansammeln. Zudem wird es sich in den meisten Fällen nicht um bestbezahlte Jobs handeln, die ihnen dann offen stehen, was den Zweifel nährt, die Flüchtlinge werde sich langfristig nicht als Segen, sondern als Fluch für unsere Sozialsysteme erweisen.

Es ist aber typisch für die Grünen, die „Menschengeschenke“ als Zuwachs besonders für die Pflegeberufe zu deklarieren, denn wenn aufgrund mangelnder Attraktivität dieser Sektor nicht von den Wählern der Grünen besetzt wird, sollen eben die Geschenke den Rollstuhl von Frau Göring-Eckhardt schieben. Wir mögen auf Zuwanderung angewiesen sein, liebe Grüne, aber auf qualifizierte. Am besten wäre es auch, wenn die Zuwanderer ein wenig besser in Mathe sein könnten, als ihr. Dann stünde einer steilen Karriere in der Grünen Partei hoffentlich nichts im Wege.

7) Deutschland ist nicht das Sozialamt der Welt. Auch hier wird uns wieder ein nichtssagender Vergleich als „einfache grüne Antwort“ verkauft. 476.000 Asylanträge gab es 2015 in Deutschland, dem stellt man 60.000.000 Menschen gegenüber, die 2015 weltweit auf der Flucht sind. Vergessen wir kurz, dass es 2016 bereits 722.000 Anträge waren, die Frage jedenfalls wurde nicht beantwortet. Die Grünen möchten jedenfalls, dass die Zahl der Asylanträge möglichst stark weiter wächst, was die Frage aufwirft, was die Grünen als zumutbar oder sogar opportun erachten. Nun, diese Frage wurde, womöglich unbeabsichtigt, bereits unter Punkt 1 beantwortet.

„Zukunft wird aus Mut gemacht“

Das ist der Slogan für den Bundestagswahlkampf der Grünen. Katastrophen kann man aus Mut übrigens auch machen, denn es gibt nicht nur die „blinde Wut“, die ihr den „rechten“ so gern unterstellt, es gibt auch den „blinden Mut“, die Tollkühnheit, den Leichtsinn und die Kurzsichtigkeit von Hasardeuren, die durch mutige aber falsche Entscheidungen die Zukunft eines ganzen Landes am Roulette-Tisch auf eine Zahl setzen möchten. Nein, liebe Grüne, so wird das nichts mit dem Wähler und euch. Aber vielleicht werden euch vier Jahre Pause für einen Selbstfindungstrip mal ganz guttun? Nun, verliert die Hoffnung nicht, wir arbeiten daran.

Nachtrag: Es ist sicher Zufall, dass der Slogan der Grünen fatal an einen Songtext von Nena erinnert:
Liebe wird aus Mut gemacht
Denk nicht lange nach
Wir fahr’n auf Feuerrädern
Richtung Zukunft durch Nacht.

Gib mir die Hand
Ich bau dir ein Schloss aus Sand
Irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Aber treffender kann man grüne Politik wohl nicht zusammenfassen.

Herkunft ist alles

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Wenn es um Israel geht, können unseren Journalisten die Herkunftsbezeichnungen nicht genau genug sein. Hergestellt in Jerusalem? Na da wollen wir aber schon wissen, ob damit nicht „Ost-Jerusalem“ gemeint ist, wo die bösen Besatzer hausen!

Bei der Herkunft unserer Attentäter hingegen reicht hingegen eine ungefähre Richtungsangabe, nicht dass die Leute sich da noch irgendwas zusammenreimen – Teile der Information könnten die Menschen, die schon länger hier leben, verunsichern. Die Berichterstattung im Fall des Axtschwingers von Düsseldorf kann man denn auch nur als grotesk bezeichnen. Er sei psychisch labil gewesen, das stand für alle Kommentatoren schnell fest. Auch wenn zu dem Zeitpunkt die einzigen verlässlichen Informationen von den Einsatzkräften vor Ort kamen und noch kein Psychologe einen Blick auf den Attentäter werfen konnte. Mal abgesehen davon, dass man in keinem denkbaren solchen Fall von robuster geistiger Gesundheit und Resilienz beim Täter ausgehen kann, ist eine solche Ferndiagnose für Journalisten wie Polizisten eine gewagte Sache. Aber nachdem man bereits Präsident Trump immer und immer wieder vernichtende Ferndiagnosen ausgestellt hat, scheint man sich in der Zuschreibung von Störungen aller Art eine gewisse Expertise angefressen zu haben.

Das Erstaunlichste jedoch war die Herkunftsbenennung des Täters als aus dem „ehemaligen Jugoslawien“ kommend. Donnerwetter, das nenne ich mal begriffliche Wiederauferstehung! Falls Sie Anfang 20 sind, wissen Sie jetzt vielleicht überhaupt nicht, was das sein soll: Jugoslawien. Haben eigentlich alle Slowenen, Kroaten, Bosnier, Serben, Mazedonier und Kosovaren irgendein geheimes gemeinsames Merkmal, ein drittes Auge vielleicht oder einen Sprachakzent, der es ermöglicht, einen Menschen zwar dem gesamten „ehemaligen Jugoslawien“ zuzuordnen, jedoch keinesfalls einem der Nachfolgestaaten? Oder ist es nicht vielmehr so, dass man überhaupt erst auf die Idee mit dem „ehemaligen Jugoslawien“ kommen kann, wenn man sicher weiß, dass der Täter entweder aus Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Mazedonien oder dem Kosovo kommt? Warten wir also mal ab, was die Ermittler über den Wuppertaler Fatmir H. aus dem „ehemaligen Jugoslawien“ noch herausfinden werden. Um die Spekulationen aber in Zukunft noch etwas weiter auseinanderzutreiben, empfehle ich statt des Begriffs „ehemaliges Jugoslawien“ die Verwendung von „ehemalige österreichisch/ungarische Kronlande“ oder „römische Provinz Dalmatia“. Oder besser gleich „von irgendwo auf Pangäa“, das schränkt die Möglichkeiten nicht so stark ein.

Neues vom Postillon

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Hannover (ub) –  Klaus-Peter B. reagierte erleichtert auf die Ankündigung der Satireseite „Der Postillon“, sämtliche Artikel ab sofort auch in leichter Sprache anzubieten. „Das konnte ja so nicht weitergehen“ sagte B. „Ich hab’ den Quatsch zwar nie gelesen aber stellen sie sich doch mal vor, welche Gefahr von solcher Satire ausgeht, wenn das mal einer nicht sofort als Spaß erkennt! Man kann doch heutzutage keine Scherze machen, wenn man nicht gleich dranscheibt, dass das nur Spaß ist. Gut, dass die vom Ministerium da jetzt mal genauer hinschauen.“ Der ziemlich zerknirscht wirkende Stefan Sichermann, der seit 1845 Herausgeber des Postillons ist, erklärte dazu: „Wir konnten das Ministerium für Wahres und Gutes nur mit Mühe davon überzeugen, dass es technisch nicht machbar ist, analog der Cookie-Warnung auch eine Satire-Warnung auf unserer Seite anzubringen, zumal diese auch noch nicht wegklickbar sein sollte. Für eine Übergangszeit bis Ende 2017 ist es uns noch gestattet, Satire ohne Kennzeichnung zu verbreiten, solange „Der Postillon“ als Quelle genannt wird. Außerdem bieten wir auf Drängen des Ministeriums unsere Seite ab sofort zusätzlich in „leichter Sprache“ an, das heißt, wir sagen den Besuchern, wo sie lachen sollen, dass alles nur Spaß ist und sie sich um nichts Sorgen müssen, weil das Ministerium für Gutes und Wahres für sie arbeitet und aufpasst, dass wir unsere Leser nicht überfordern.“

Auf unsere Frage, was es mit der „Übergangszeit“ auf sich habe, antwortet Sichermann mit einem Seufzer. „Ab 2018 wird „leichte Sprache“ bundesweit verpflichtend als allgemeine Verkehrssprache bei Behörden, Schulen, Medien, Ministerien und im Internet. Das heißt, sobald die Arbeitsgruppe aus Innen-, Justiz-, Bildungs- und Familienministerien das Problem der Gendergerechtigkeit gelöst hat, dass sich bei der Verwendung „einfacher Sprache“ ergibt.“

Wie aus gut unterrichteten Kreisen im Bildungsministerium berichtet wird, plant man dort unter dem Arbeitstitel „simplify mind“ seit längerem schon an der Abschaffung des Fragezeichens und des Konjunktivs. Stand dem bisher jedoch die traditionelle Berufsauffassung insbesondere der Journalisten im Weg, schwindet deren Widerstand jedoch in dem Maße, wie sie in den Einfluss von staatlich alimentierten Stiftungen, Ministerien und sogenannter „systemrelevanter Medien“ geraten. „Wer trauert schon dem Konjunktiv nach, wenn er im spanischen Golfressort sein Handycap verbessern kann?“ grölte der Leiter des Arbeitskreises „simplify mind“, wie unsere Zeugen übereinstimmend berichten. Fragen werden ab 2018 nicht mehr gestellt, weil sich vorgefertigte Antworten im Feldversuch als wirksam erwiesen haben und der Konjunktiv, der die Bildung von Meinungen fördert und Gewissheiten anzweifelt, wird dann ebenfalls nicht mehr benötigt. Wenn alles nach Plan verlaufe, so unsere Quelle, sei Deutschland spätestens im Jahr 2018 ein besserer, harmonischerer Ort aus Subjekt, Prädikat und Objekt.

Dieser Text wurde vom Ministerium für Wahres und Gutes geprüft. Der Text ist frei erfunden. Glauben Sie kein Wort. Wir ermitteln noch, ob es sich um Satire oder Fake-News handelt, weil Satire über Satire bei unseren Algorithmen derzeit nur den Fehler „Division by Zero“ auslöst. Wir empfehlen, diesen Beitrag nicht zu lesen, bis der Absch(l)ussbericht der Kommission für verwirrendes Schreibverhalten vorliegt. Bitte bleiben Sie ganz links, wir informieren Sie, wenn die Gefahr vorüber ist.