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Die „Via Dolorosa“ zieht weiter!

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Wer Jerusalem besucht hat, und sich eine Weile in der Altstadt aufhielt, dem laufen zwangsläufig die frommen Touristen über den Weg, welche die 14 Stationen des Kreuzwegs, des Martyriums Christi ablaufen. Die „Via Dolorosa“ wurde zwar – wie viele Orte mit Ausnahme des Tempelberges – erst sehr viel später definiert, aber es ist der Gedanke, der zählt. Wenn man sich in der Nähe von Station eins ein Kreuz leihen und dann bis zur Grabeskirche tragen möchte, hilft das der frommen Seele auf. Denn wo kann man in der satten, sicheren Wohlstandswelt des Westens von heute noch die Qualen der ersten Christen nachempfinden und sich durch Leiden und Verzicht das Himmelreich sichern? Doch es soll heute „Christen“ geben, die einfach nicht begreifen wollen, wie förderlich es für ihr Seelenheil sein kann, wenn sie sich oder ihre Kinder in Gefahr bringen. Kreuzigungen sind aber nach dem Ende des römischen Reiches gänzlich aus der Mode gekommen, steinigen, häuten oder in siedendem Öl braten…all das bleibt dem frommen Christenmenschen von heute leider versagt, wenn er sich nicht mit offenen Armen und Hosianna-Gesängen nach Rakkah begibt. Umso unverständlicher war es der ev. Kirche in Schleswig-Holstein, als sie vor einigen Monaten in Flintbek unterhalb des von der Gemeinde betriebenen Kindergartens immer wieder Flüchtlinge im Kirchenasyl unterbrachte, dass die Eltern der Kinder dies nicht als willkommene Möglichkeit ansahen, in näheren Kontakt zu Jesus zu gelangen. Ein jeder trage gefälligst ein Kreuz! Ob er will, oder nicht – ob es seines ist, oder nicht!

Infolge der Renitenz der Eltern, ihrer Dienstaufsichtsbeschwerden, ihrer Klagen, ihrer Kirchenaustritte und der allgemeinen Empörung vor Ort (ich berichtete) haben die Eltern der Käfergruppe der Gemeinde Flintbek nun aber wirklich das Nachsehen! Denn die Chance zum Martyrium schlägt man nicht ungestraft aus. Es gibt keinen Flüchtling mehr im Keller der Kita in Flintbek, weshalb das gleißende Licht der Gnade auch flugs 40 Kilometer weiter gezogen ist. Nach Bünsdorf!

Dort dürfen sich die Eltern der Kindergartenkinder der Kirchengemeinde nun über Tuberkuloseverdacht freuen, während die Eltern in Flintbek nur noch neidisch gucken können. Ein Weiser aus dem Morgenland, genauer aus dem Jemen, der in der Kirchengemeinde Bünsdorf Kirchenasyl genießt, hatte außer Myrre, Weihrauch und Gold auch Tuberkulose dabei, und weil er als „Bekannter Besucher“ Kontakt zu den Kindern hatte, dürfen sich diese nun vorsorglichen Untersuchungen, Röntgen und anderen Behandlungen unterziehen. Hosianna, Hosianna!

Pech gehabt, Flintbek! Bünsdorf ist nun die 15. Station der Via Dolorosa! Ihr könnt nur noch versuchen, ins Geschäft mit dem Verleih von Kreuzen einzusteigen.

„I will fix it“ oder wie der WDR in die eigene Falle tappte

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Foto: WDR

Wie nennt man das, wenn man versucht, eine kaputte Sache zu reparieren, und dabei alles nur noch schlimmer macht? Es gibt nur eine Sprache, in der es dafür ein Wort gibt, die Deutsche: verschlimmbessern. Und Deutschland ist auch das einzige Land, das sich zu diesem Zweck ganze Sender leistet – ganz vorneweg der WDR.

Wo soll man beginnen um das zu beschreiben, was gestern bei der Ausstrahlung des Films „Auserwählt und Ausgegrenzt“ und der Diskussionsrunde danach geschah? Zunächst etwas wirklich Positives: In der Fassung, die die „Bild“ den Zuschauern gezeigt hatte, fehlten die deutschen Untertitel unter den Einblendungen von arabischen TV-Ausschnitten. Vermutlich, weil „Bild“ eine Rohfassung gesendet hat. Wenn Sie aber glauben, das wäre einer der „handwerklichen Mängel“ gewesen, die der WDR gefunden hatte, muss ich Sie enttäuschen. Die Stelle fand auch keine Entsprechung in den 29 Thesen des „Faktenchecks“, die der WDR als Handreiche zusammengestellt hatte. Deren Zweck ist es nämlich vor allem, an der Glaubwürdigkeit der im Film interviewten Personen zu kratzen, wenn diese etwas zugunsten des Films beitrugen.

Man stelle sich nur mal vor, „Prof. Gerald M. Steinberg ist Gründer von NGO Monitor. Diese Organisation lieferte einen großen Teil der Daten, auf die sich dieser Film stützt. Der Film offenbart jedoch nicht, dass Prof. Dr. Gerald M. Steinbergs Organisation NGO Monitor keine unabhängige Organisation ist. Steinbergs NGO Monitor wird von amerikanischen Privatpersonen und Stiftungen finanziert. Mitgründer war die Wechsler Family Foundation.“

Merken Sie was? Steinbergs „NGO-Monitor“ ist keine „unabhängige Organisation“, denn sie wird aus Amerika finanziell unterstützt, noch dazu von Juden! Denen kann man also schon mal nicht glauben. Und es kommt sogar noch besser! Der WDR hat herausgefunden, dass Steinbergs Organisation „eng verbunden“ sei mit „…[dem] Institute for Zionist Strategies und hat einen Unterstützerkreis in den USA. Von dort engagieren sie sich für die Besiedlung der 1967 erkämpften Gebiete im Westjordanland durch jüdische Siedler und haben deshalb eine politische Agenda.“ Eng verbunden, na da schau her! Wenn wir jetzt noch feststellen, dass Steinberg sein Brot beim selben Bäcker kauft, wie Netanjahu, ist er als Experte komplett diskreditiert. Juden, die noch dazu eine „politische Agenda“ haben, das geht schon mal gleich gar nicht! Gut dass wenigstens in der anschließenden Talkrunde bei Maischberger ausgewiesene Experten des Themas wie Norbert Blüm saßen.

Hier sind genau die „drei D“ am Werk, die Michael Wolfssohn im Gespräch nach dem Film erwähnte: Delegitimierung: Denn mit den Worten von Prof. Steinberg befasste sich der „Faktencheck“ nicht, man versucht lediglich, ihm was ans Zeug zu flicken durch „eng verbunden“ und „Geld aus den USA“. Doppelstandards: Dass „NGO Monitor“ Geld braucht, um arbeiten zu können, das ist offenbar nur problematisch, wenn es um pro-israelische NGO’s geht, während alle anderen NGO’s laut Gemma Pörzgen pauschal und prinzipiell „gute und wichtige Arbeit leisten“. Desinformation: Da man nun erfolgreich orakelt hat, dass die Juden eine „politische Agenda“ haben, muss man sich mit der politischen Agenda der Hamas oder der NGO’s, die die Hamas so bereitwillig unterstützen, nicht befassen.

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat dem WDR einen Bärendienst erwiesen, als er glaubte, mit windigen, ablenkenden Kritteleien wie im angehängten „Faktencheck“ eine qualitative Messlatte herbeizuzaubern, um die sich der Sender außer in diesem einen Fall einen feuchten Dreck schert. Als vor kurzem im WDR eine Dokumentation über Geerd Wilders gesendet wurde, gab es diese Messlatte offenbar noch nicht. Man änderte erst nach Druck von außen einige Punkte, ließ allerdings die nötige Transparenz dabei vermissen. Faktencheck? Journalistische Standards? Fehlanzeige!

Mit Fakten zum Film „Auserwählt und Ausgegrenzt“ ist man dagegen großzügig zur Stelle. Und es sind humoristische Perlen darunter, das muss ich den Machern lassen. Frage: „Ist es wahr, dass die EU das Mausoleum Arafats mitfinanziert hat?“ Antwort: „Das ist nicht belegbar. Die EU bezahlte dabei unter anderem die Gehälter“. Na wenn die EU nicht die Steine bezahlt hat sondern nur die Bauarbeiter, wäre es natürlich grundfalsch, von Mitfinanzierung zu sprechen! Aber der Faktencheck bietet nicht nur Possen, sondern wartet mit Behauptungen auf, deren Perfidie nicht sofort auffällt. So finden wir zu den Auslassungen von Annette Groth bezüglich der israelischen Vergiftung des Wassers Folgenden Hinweis:

„Frau Groth spricht die Verunreinigung des größten Trinkwasserreservoirs, des coastal aquife, an. Diese ist ein großes Problem für Gaza, allerdings hat diese Verunreinigung u.a. mit Überpumpung des Grundwassers zu tun, die schon vor der Besetzung Gazas durch Israel begann.“

Richtig ist, dass es keine „Vergiftung“ gibt, sondern eine Überpumpung – und zwar nicht nur „unter anderem“. Doch womit hat Israel denn in diesem Zusammenhang „begonnen“? Mit der Überpumpung, oder damit, Brunnen in Gaza zu nutzen? Gaza war an das israelische Wassernetz angeschlossen und Überpumpung gab es bis 2005 nicht. Diese Dummheit begann erst mit der Hamas, weil diese sich dazu entschloss, den bösen Juden kein Wasser mehr abzunehmen, wenn sie es bezahlen müsste. Man sieht also: Der WDR schreibt die Wahrheit, suggeriert aber, dass dennoch die Juden an allem Schuld seien. Wo die „Tonnen, tausende Tonnen…!!“ von Chemikalien geblieben sind, von denen Groth faselte, sagt der Faktencheck übrigens nicht.

In dem Stil geht es weiter, eine Nebelkerze folgt auf die andere. Was sie jedoch alle zusammen nicht schaffen ist, dass die verstörenden, erschreckenden Fakten, die Gespräche, Rap-Songs und der latente Antisemitismus in Europa leider keine Phänomene sind, die allein im dumpfbraunen Nazimilljöh vorkommt. Der Antisemitismus hat seine politische Heimat ebenso im Islam und in der politischen Linken, wo er sich als Antizionismus tarnt. Der ursprüngliche Hauptvorwurf gegen die Filmemacher, die man übrigens nicht einlud, „weil die ja sowieso nur eine Stunde lang über ihren Film reden würden“, war aber gerade, dass er sich nicht genug mit dem Thema Antisemitismus an sich befasse, sondern seinen Blick zu sehr auf Israel, Gaza und den Nahostkonflikt richte. Warum das leider gar nicht anders sein kann, bewies die anschließende Runde bei Maischberger, in der es nämlich um nichts Anderes ging, als um Israel.

Fazit: Der kritisierte Film wäre viel preisgünstiger zu produzieren gewesen. Wozu nach Frankreich reisen oder nach Israel und Gaza, wenn die Antisemiten in den Fluren des WDR sitzen, wo man eine ganze Serie von Dokus drehen könnte. Als Titel schlage ich vor: „Der-Antisemit vom WDR, der von nichts wusste.“ – Natürlich begleitet von einem ausführlichen Faktencheck!

Morgen bei Maischberger: natürlicher Antisemitismus in Gaza?

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„Al Mashtal“, Gaza

Ob es in den Redaktionen wohl Telefonlisten mit Experten gibt, die man im journalistischen Notfall durchgehen kann, wenn ein O-Ton zu Spezialgebieten gefordert ist? Gibt es Erdbeben-Experten, Lebensmittelskandal-Experten, Oktoberfest-Experten? Sicher, aber die Listen dazu sind wohl recht kurz. Noch kürzer dürfte nur die Liste der Dokumentarfilmexperten sein, die man durchgehen könnte, um eine Erklärung für „handwerkliche Mängel“ in einer zurückgehaltenen Doku über Antisemitismus zu erhalten. Deshalb schaut man lieber gleich in der längsten Liste der Redaktion des Deutschlandfunks nach – in der für Nahostexperten. Als solche stand Gemma Pörzgen dem Sender am 15.6.2017 für ein Interview zur Verfügung. Zwar hat Frau Pörzgen zum letzten Mal vor 11 Jahren aus Israel und den Autonomiegebieten berichtet – und das auch nur knapp zwei Jahre lang. Außerdem gilt sie eigentlich als Expertin für den Osten, also für die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Egal, Osten…Naher Osten…was macht das schon für einen Unterschied! Frau Pörzgen wurde als Expertin vorgestellt, das muss reichen. Was ist ihr denn nun aufgefallen, als sie den Film „Auserwählt und Ausgegrenzt“ gesehen hat? 

Ich habe mir natürlich auch neugierig diesen Film angeguckt nach der ganzen Debatte und war dann doch sehr erschreckt, dass er noch viel schlechter ist, als ich es ursprünglich gedacht hatte. Er hat einfach eine sehr klare propagandistische Linie und zeigt aus meiner Sicht eben diese ganze Thematik sehr einseitig, indem er sehr gezielt bestimmte Gesprächspartner auswählt, andere weglässt und eben eine ganz klare Zielrichtung hat.“

Was bedeutet wohl die Phrase „viel schlechter als gedacht“, wenn sie aus dem Munde einer „unabhängigen Journalistin“ und „Nahostexpertin“ kommt? Und was bedeutet es ihrer Meinung nach, wenn „diese ganze Thematik einseitig ist“? Es stimmt schon, Arte wollte die „Ursachen des Antisemitismus“ erforschen, weil man offenbar davon ausging, dass es da etwas gibt, das der Jude macht, weshalb man ihn nicht so doll mag. Ursache halt. Und doch kommen die Autoren zur „steilen These“, dass am Antisemitismus letztlich nur die Antisemiten schuld sind und wie bei der Suche nach den Quellen des Nils gingen die Autoren gegen die Strömung zurück zum Ursprung. Was wir heute an antisemitischen Ausschreitungen in Europa – speziell in Frankreich und Deutschland – erleben, die Morde, die Überfälle auf Synagogen, Prügel und Beleidigungen…nutzen als Projektionsfläche den Konflikt zwischen Israel und palästinensischen Arabern und tarnen sich nur zu gern als Antizionismus. Man gelangt also zwangsläufig nach Gaza. Und nach Berlin, wo am 23.Juni 2017 übrigens der jährliche „alQuds-Tag“ (Jerusalem-Tag) stattfinden wird, auf dem Jahr für Jahr die „Befreiung Palästinas von den Besatzern“ gefordert wird – und da machen die keine halben Sachen, ganz Palästina inclusive Israel ist gemeint. In diesem Jahr steht die Veranstaltung übrigens unter dem Motto „Gegen Antisemitismus und Zionismus“, was angesichts der Vorliebe vieler Demonstranten für Flaggen und Sprüche von antiisraelischen Terrororganisationen nichts anderes als ein perfider Scherz sein kann.

„Wenn man mit Kollegen spricht, die vor Ort ein bisschen mitbekommen haben, wie diese Dreharbeiten gelaufen sind, bestätigt sich dieser Eindruck.“

Frau Pörzgen hat also Kollegen vor Ort, die „ein bisschen mitbekommen haben von den Dreharbeiten“ und das bestätigt uns jetzt was? Dass der Kameramann sein Hummus mit den Fingern aß? Die Kunst, wie man aus Andeutungen und Verdacht Gerüchte zimmert? Durch Hörensagen nämlich und durch Leute, deren Aussagen und Einschätzungen den Film wie in den Augen von Frau Pörzgen schon vor dessen Kenntnis in schlechtem Licht sehen wollten.

„Und stattdessen sind sie eben mitten hinein in den Nahostkonflikt gefahren, irgendwie auch noch nach Gaza, wo natürlich der Hass hochkocht und wo man natürlich sich sehr leichttut als Journalist, Antisemitismus zu finden, weil er ist natürlich da, er ist Teil sozusagen auch des palästinensischen Narrativs in diesem sehr aufgeheizten Konflikt.“

Wir lernen also, dass Antisemitismus in Gaza eine natürliche Ressource sei. Doch wenn es so leicht ist, den zu finden, warum berichtete Frau Pörzgen dann nie darüber, als sie noch vor Ort war? Zum Teil des „palästinensischen Narrativs“ wird er aber erst in den Reden der Politiker der Hamas. Oder in der Rede von Abu Masen vorm EU-Parlament. Die Narrative stimmten – und stimmten leider auch schauerlich überein mit denen des im Parallelschnitt gezeigten Julius Streicher, der auch von einer friedvollen Welt schwadronierte, wenn erst das Problem mit den Juden gelöst sei. Diese Szene stieß besonders denjenigen sauer auf, die lieber nicht so genau hinsehen möchten, wenn es um die erklärten Ziele von Hamas und Fatah geht und es für „irgendwie logisch“ halten, wenn Palästinenser es keinem Juden erlauben, in ihren Gebieten zu leben und zu arbeiten. Warum gibt es zwar Millionen arabische Israelis, jedoch keinen einzigen jüdischen Palästinenser?

„Aber wenn man auf der israelischen Seite gefragt hätte, hätte man auch dort sehr viel Hass gegen Palästinenser geerntet.“

Das war zwar nicht die Frage, die der Film beantworten sollte, und klingt doch sehr verdächtig nach dem Versuch, Antisemitismus zu rechtfertigen. Man kann sowas ja einfach mal behaupten, da es sowohl richtig als auch falsch ist. Doch das dumme am Relativismus ist, dass er nur in der isolierten Betrachtung funktioniert. Verschiebt man die Perspektive, rutscht man ins Absurde: Denn sicher hätten sich 1938 auch Juden finden lassen, die ihrem Hass auf die Faschisten gern Ausdruck verliehen hätten. Sagt das etwas über die Rechtfertigung oder gar Begründung der Aktivitäten der Nazis aus? Wohl kaum! Ist das vielleicht Pörzgens Vorstellung von „Ausgewogenheit“? Hätte der Film so eine Art runder Tisch zwischen Schulhofschlägern und ihren Opfern werden sollen, weil ja beide den Schulfrieden stören – der eine durch sein Betragen, der andere durch seine Schreie? Aber auf solch alberne Ideen kommen Journalisten nur, wenn es um Israel geht. Eine kleine Mathe-Textaufgabe würde ihr vielleicht helfen, die „Narrative“ geradezurücken: Wieviele Juden leben in Ramallah und Gaza, wieviele Araber leben in Jerusalem und Haifa?

„Man hat natürlich Luxushotels [in Gaza], es gibt Sushi-Bars, aber es gibt eben auch sehr viel Elend.“

Richtig, und in diesem Film kommt im Gegensatz zu anderen Berichten beides vor. Von Luxushotels und Sushi-Bars hört der deutsche Fernsehzuschauer von Arte und WDR allerdings zu ersten mal, auch Frau Pörzgens hielt es in ihrer Zeit als „Nahostexpertin“ nie für nötig, ein ganzes Bild von der Lage dort zu zeichnen. Zwischen all den „Freiluftgefängnis“, „menschenunwürdige Zustände“ und „eingepfercht“ wäre mir so ein Luxushotel schon mal aufgefallen, denke ich. Passte wohl nicht ins „Narrativ“. Und dann kommt so ein Film daher und zeigt, dass all diese gut bezahlten Journalistendarsteller jahrelang nur eine sehr einseitige Sicht der Dinge verbreitet haben. Wo sind denn die „kritischen Artikel“ aus dem Gazastreifen, in denen es um Finanzen (oder „natürliche Korruption“) geht? Wann stand zuletzt ein ARD-Reporter vor einem der Luxushotels in Gaza und warum benutzen die einen Reporter Hamas-Tunnel, während andere durch Türen gehen?

Pörzgen wirft sich zudem pauschal schützend vor die „gute Arbeit“ der NGO’s in Israel oder Gaza. Und sicher, gibt es diese gute Arbeit auch. Zum Beispiel bewahren „gute NGO’s“ die Palästinenser davor, mit den „bösen Zionisten“ Geschäfte zu machen und falls dies doch einmal geschehen sollte, kann es seitens der Hamas für den betreffenden Palästinenser tödliche Konsequenzen haben. Aber es gibt eben auch noch Andere und sowohl Hamas als auch Fatah haben großes Talent dafür, Gelder aus dem NGO-System abzuzweigen. So erst letztes Jahr im Fall von WorldVision aufgedeckt, einem nicht gerade kleinen Anbieter in dem Bereich des guten Gewissens. Doch niemand kümmert das, weil es niemand kontrolliert und niemand so genau wissen will, was mit all dem Schutzgeld passiert, dass EU, Deutschland und große NGO’s und Stiftungen überweisen. Und sollten doch einmal bohrende Fragen kommen, werden sie am Ende einfach lächelnd ignoriert, wie uns im Film der UNRWA-Mitarbeiter in Gaza exemplarisch vorführte.

Morgen wird Frau Pörzgen also bei Maischberger sitzen und mitdiskutieren über einen Film, den sie schon verurteile, bevor sie ihn gesehen hatte. Vielleicht sollte sie sich stattdessen als „Nahostexpertin“ Geld von Arte holen um einen „ausgewogenen“ Film über „Natürliche Korruption und Antisemitismus als Narrativ der Hamas in Gaza“ zu machen. Oder über Sushi-Bars. Sie könnte Jürgen Todenhöfer mitnehmen, damit sie einen dramatischen Auftritt als Maulwurf hinlegen kann und sie einen Filmpartner hat, dessen „Narrativ“ sie offenkundig teilt.

Anmerkung: Wer Lust hat, die Behauptungen der „Nahostexpertin“ Punkt für Punkt widerlegt zu sehen, der lese diesen offenen Brief an den Deutschlandfunk, auf den der Verfasser leider nie eine Antwort erhielt.

Notiz an mich, Vorschläge für das „Unwort des Jahres“:
3) Propaganda
2) Narrativ
1) Nahostexperte

Der neue, alte, ewige, unveränderliche Antisemitismus

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Noch toben die Zorngewitter der Nationalen Pressefront angesichts des Coups der BILD-Zeitung, einen Film zu zeigen, den das qualitätsbewusste Kulturprogramm von Arte als handwerklich unzureichend abtun wollte, und weil dessen Aussagen zu einseitig seien und darin der der gescholtenen Partei der Antisemiten, Israelnichtgutfinder und Palästinasolidaritätskomitees nicht genügend Raum gegeben sei, ihrem mühsam umfloskelten Judenhass eine Garnitur von rationaler Petersilie beizulegen. Dies besorgten aber die Autoren, die den Finger ausreichend tief in den braunen Lehm aus „Bilderberg“, „Protokollen“, „Rothschild“ und „Weltverschwörung“ steckten, und in einer kurzen Einlassung hinreichend zusammenfassten. Mehr von dieser schlaffen Petersilie braucht es nun wirklich nicht auf dem Teller. Wer dergleichen mag, wird seit Jahren bestens bedient mit den üblichen 15-Sekunden-Berichte in ARD und ZDF, in denen von „Genozid“, „Massenmord“, „Geiselhaft“ und „Freiluftgefängnis“ die Rede ist, wenn es um Gaza geht oder die mit den Worten „illegale Siedler“ oder „militante Siedler“ beginnen, wenn von den „besetzten Gebieten“ die Rede ist.

Die Verteidigungselegien der Presse arbeiten sich im aktuellen Fall jedoch genau an dem ab, was als Blitzableiter vom eigentlichen Kern des Problems ablenken soll und das ist beabsichtigt. Man geißelt den Diebstahl geistigen Eigentums durch BILD und die rechtlich fragwürdige Veröffentlichung eines mit Gebühren finanzierten Films durch die Feinde des planwirtschaftlichen öffentlich/rechtlichen Rundfunks, durch ein privates Presseunternehmen. Anja Reschke vom NDR nennt das dann „frech“. Reschkes Empörung erscheint dabei so echt wie ihre Arroganz. Denn betrachtet man den Fall allein vom Urheberrecht aus, schafft man es mühelos, die Empörung warm zu halten, obgleich die Einschätzung des „Frechheitsgrades“ hier doch eher Anwälten obliegt als Frau Reschkes bescheidener Meinung. Und die Anwälte sind untypisch ruhig, angesichts einer so lukrativen Möglichkeit, die BILD-Zeitung zu verklagen.

Frech war aber auch die Entscheidung von Arte und dem WDR, eben diese ausgegebenen Gebührengelder, die Reschke so heldenhaft gegen BILD verteidigt, einfach abzuschreiben, anstatt auf Erfüllung und Lieferung zu bestehen, zumal der Film bereits abgenommen war. Eine Ebene unter „frech“ und Urheberrecht streitet man sich über die Qualität des Gewebes, aus dem der Film genäht wurde, attestiert ihm handwerkliche Fehler und verweigert das Qualitätssiegel der heiligen Hallen des Staatsfernsehens, wo sonst all überall nur Poesie und edle Wahrheit wohnen. Aber auch diese unbedeutenden Scharmützel sind auszuhalten für Arte und WDR und es wäre nicht die erste Produktion gewesen, die aus solch fadenscheinigen Gründen entweder die Abnahme gar nicht erst schaffte, oder für die sich anschließend wie durch Zauberhand einfach keinen Sendeplatz finden ließe. Über Kunst lässt sich ja nicht –  oder trefflich – streiten. Vor allem aber lang und ergebnislos.

Doch da ist noch eine dritte Ebene, auf der die frechen Rufer und „über Kunst Streiter“ bisher keinen Pieps von sich gegeben haben. Den Inhalt. Und ich rede hier nicht von den Protagonisten, des Films, die ihr Halbwissen und nachgeplapperte Lügen mit großer Verve der Kamera zu Protokoll gaben. Wie Annette Groth von den Linken zum Beispiel, die von „ganz gezielten Vergiftungen“ sprach und die „Lebensgrundlage in Gaza“ als geradezu inexistent bezeichnete. Solche Aussagen belasten ja den Sender nicht direkt, sondern zeigen nur die Uninformiertheit in Europa und beweisen, wie gut die Propaganda von Hamas und Fatah selbst bei Bundestagsabgeordneten funktioniert, die sich doch selbst so gern eine überlegene Moral attestieren und bei jeder Gelegenheit Tränen für Juden verdrücken, sofern diese bereits tot sind.

Nein, das Problem ist, dass der Film all die bisherigen kleinen, absichtsvollen Einspieler, O-Töne und Kommentare der „Nahostkorrespondenten“ der öffentlich/rechtlichen Sender Lügen straft und das schöne Bild des geknechteten, unschuldigen Bewohners im „Freiluftgefängnis Gaza“, der von israelischen Soldaten gequält und ermordet wird, ad absurdum führt. Denn eines der Bilder kann ja nur stimmen – und die Fakten sprechen hier klar für Hafner und Schröder. Man entschied sich bei Arte aber für die Aufrechterhaltung jenes Bild, an dem man seit mindestens 20 Jahren hingebungsvoll gebastelt hat: ‚Israel ist an allem Schuld, warum nicht auch am Antisemitismus in Europa? Lasst uns dazu mal eine Doku machen!’ Nun, das ging voll daneben und der Film zeigt genau das, was leider die Wahrheit ist. Ich bin sonst vorsichtiger mit solchen Verabsolutierungen aber hier ist eine vonnöten: Nicht Israel oder der Zionismus sind der Grund für Antisemitismus in Europa – der Antisemitismus in Europa war der Geburtshelfer des Zionismus und der Grund für die Existenz Israels.

Und so werden auch alle Lamenti über „Frechheiten“ und „Webfehler“ nicht darüber hinwegtäuschen, dass Arte, WDR und all die anderen saturierten Spießgesellen der Medienelite inhaltlich nichts werden finden können, was in „Auserwählt und ausgegrenzt“ nicht der Wahrheit entspräche. Die hässlichen bis dümmlichen Sprüche sind so gesagt worden, die Sprechchöre riefen wirklich „Jude Jude feiges Schwein“, die Milliarden Euro, Dollar, Pfund und Kronen fließen tatsächlich, und tatsächlich weiss am Ende niemand, wohin. Das UNRWA existiert und die 1.500 NGO’s die durch Israel streifen, um den „bösen Juden“ dranzukriegen, sammeln das Geld dafür nicht zuletzt in deutschen Kirchen und beim deutschen Steuerzahler ein.

Und während zum Beispiel Nicola Albrecht 2015 für das ZDF aus Gaza den Bericht „Leben in der Falle – die vielen Gesichter Gazas“ brachte, zeigte sie doch in Wirklichkeit nur das eine Bild: das mitleidheischende, beutelöffnende, israelbeschuldigende Bild des unschuldigen, edlen Befreiungskämpfers aus Palästina, an das sich die Deutschen so gewöhnt hatten. Kommen ihnen doch angesichts der imaginierten Gräueltaten der IDF die tatsächlichen der eigenen Großväter nicht mehr so schlimm vor. Der Film von Hafner und Schröder, selbst wenn er der handwerklich schlechteste aller Zeiten wäre, bringt das über Jahre aufgebaute Lügengebäude der Öffentlich/Rechtlichen über die wirklichen Ursachen des europäischen Hasses auf Israel und die Ursachen des ungelösten Konflikts zwischen Arabern und Juden jedenfalls mühelos zum Einsturz: Diese Ursache ist der neue, alte, ewige, unveränderliche Antisemitismus in Europa, der den neuen, alten, ewigen, unveränderlichen Antisemitismus in der islamischen Welt nur zu gern füttert.

Update, 17.6.2017, 19:30: Hier stand bisher der Link zum Film, wie er auf YouTube zu sehen war. Da die Ausstrahlungsrechte des Films nun an den WDR übergegangen sind und der für Mittwoch, den 21.6.2017 die Ausstrahlung im Ersten Programm mit anschließendem Verriss bei Maischberger (technische Mängel, Polemik, nicht hilfreich, Verletzung von Persönlichkeitsrechten etc.) angekündigt hat, möchte man den Film, den mittlerweile die halbe Republik gesehen hat, nicht auf YouTube sehen. Ich respektiere das und warte mit meinem nächsten Artikel zum Thema geduldig bis Mittwoch. Hoffentlich hat bis dahin auch noch der letzte pensionierte „Nahost-Experte“ seinen Senf dazu der Presse in die Blätter geschmiert. Ich freue mich nämlich immer über Kartätschen für meine Kanonen.