storchEigentlich müsste der Titel ja „Die Angst und DIE Storch“ lauten, denn es geht nicht um Adebar, der laut Legende irgendwas mit der menschlichen Reproduktion zu tun haben soll, sondern um Beatrix von Storch. Die ist nicht nur von Adel, sondern auch von der AfD und dort ein „ganz hohes Tier“, AfD-Adel gewissermaßen. Sie sitzt für ihre Partei im Europaparlament und gehört dem rechtskonservativen Flügel der AfD an. Angst hat Frau Storch eigentlich nur vor Überfremdung, dem „Zerfall der Familie“ und irgendwie mag sie auch „Multikulti“ nicht. Ich formuliere vorsichtig und zitiere sie in diesem Punkt nicht wörtlich, denn Frau Storch ist auch Rechtsanwältin und hat immer ein paar Klage-Pfeile im Köcher. Nun aber hat Frau Storch ein Problem mit der Angst an sich. „Fear“ heißt das Theaterstück, das Falk Richter an der Berliner Schaubühne inszeniert – Premiere war am 25. Oktober. Ein Stück, so grottenschlecht und ekelhaft, dass man sich eigentlich nicht näher damit befassen müsste. Wer einen Überblick braucht, kann einige der sehr fundierten Kritiken lesen (Welt, Deutschlandfunk, Frankfurter Rundschau, TAZ, …). Interessant sind indes die Reflexe, die das Stück ausgelöst hat. Und bei wem! Richter stellt sich in dem Stück klar als auf der „helldeutschen“ Seite stehend dar. AfD und die Pegiden sind „Dunkeldeutsch- und Zombiland“. Andersdenkende werden als Pöbel beschimpft, AfD’ler zombiesk überzeichnet, eine Hasstirade folgt auf die nächste. Mit anderen Worten: Richter benutzt dieselben Formulierungen, Anschuldigungen, Diffamierungen und Gewaltphantasien, welche die allgegenwärtige Front der Political Correctness – die „Helldeutschen“ also, der „Dunkeldeutschen“ Gegenseite aus Pegida, AfD und Mitmarschierern vorwerfen. Die Hasstiraden und das besinnungslose Schreien wird leider auf beiden Seiten zur Straftat, denn es brennen nicht nur Unterkünfte von Flüchtlingen, es brennen auch Autos von AfD und Pegiden. Nun ist eine Kugel im Kopf von Frau Storch in einem Theaterstück noch kein Mordaufruf, genauso wie ein Galgen für „Siegmar“ und Angela Merkel auf einer Pegida-Demo. Dies sah wohl auch das Gericht in Berlin so, als es die Klage von Frau von Storch gegen die Schaubühne als unzulässig ablehnte. Woher ich das weiß? Heute hielt Frau von Storch es für eine gute Idee, eine Rundmail zu verschicken, die auch in meinem Postfach landete. Darin heißt es:

„…Ein politisches Urteil anno 2015. Das Gericht in Berlin hat gestern meine Klage gegen die Schaubühne und deren angebliches „Theaterstück“ namens „Fear“ abgewiesen. Völlig überraschend hat es eine 180 Grad Wende vollzogen und nun doch rein politisch entschieden. Die Urteilsbegründung liegt mir noch nicht vor. Aber klar ist: Das Gericht ist vollständig eingeknickt. Die Schaubühne hat gestern den Gerichtssaal zur Schaubühne gemacht. Man hätte mich gar nicht gemeint mit „Zombie“. Und man hätte auch nicht gemeint, daß man mir in den Kopf schießen solle. Sondern nur meinen Gedanken. Es war unfaßbar. Sobald ich die Urteilsgründe kenne, werde ich weiter berichten. Heute weiß ich nur eines: Wir haben einen langen Klageweg vor uns. Ich habe meinen Anwalt bereits jetzt beauftragt, weiterzumachen. Ich kann es nicht hinnehmen, das in Deutschland anno 2015 politische Urteile gefällt werden. Dagegen m u ß ich vorgehen.“

Nun, Frau Storch, zunächst mal muss ich Sie hinsichtlich des „politischen Urteils“ korrigieren. Solange Sie die Urteilsbegründung nicht kennen, ist das eine Unterstellung. Warum nur glaubte Frau Storch, gegen die Aufführung eines Theaterstücks VOR GERICHT ziehen zu müssen? Noch dazu gegen ein so abgrundtief schlechtes, das es selbst Zuschauern davor graut? Warum schaltet sie nicht einen Gang zurück und tut das, was jedem Bürger in Bezug auf Kunst die ihm nicht gefällt zu Gebote steht: gegen sie zu polemisieren, in Talkshows das Wort ergreifen, offene Briefe an Tageszeitungen schreiben, um Polizeischutz bitten … Oder besser noch, um nicht noch für mehr Aufmerksamkeit für solch ein Machwerk zu sorgen: sie ignorieren!

Stattdessen glaubt Frau Storch gegen die Meinungsfreiheit klagen zu müssen, in deren Namen sie und ihre Parteigenossen Tag für Tag „Lügenpresse“ rufend durch die Straßen ziehen. Leider beweist Sie mit dieser Aktion genau dieselbe Meinungs-Intoleranz auf ihrer Seite, die sie den „Gutmenschen“ und „Flüchtlingsfreunden“ zu Recht vorwirft.

Kunst ist frei und muss frei bleiben, Frau von Storch! Sie ist manchmal verstörend, laut, ekelhaft, schreit, beleidigt, greift an und spielt unfair. Selbiges kann man aber ebenfalls über die AfD sagen, und die ertragen wir ja auch. Mir mag fast alles nicht gefallen, was Ihre Partei sagt und tut – aber solange Sie das Grundgesetz auf Ihrer Seite wissen, dürfen Sie weiterhin Sagen und Tun. Da sei die Demokratie vor dass eines Tages ein Gericht Sie und Ihre Partei vom Spielplan nimmt, weil ich Sie verklage.