traumImmer wieder muss der alte Sokrates herhalten, wenn es um das Unverständnis der Alten für die Jungen geht. Es handelt sich gewissermaßen um den Running-Gag der Generationsbeziehungen. Bekanntlich beklagte sich Sokrates bereits um 400 vor Christus wie folgt über die verlotterte Jugend: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Der letzte, der diesen Sokrates zitierte, um einer Veranstaltung den richtigen Spin zu geben, war Bundespräsident Gauck bei seiner Eröffnungsrede zum Zukunftsforum am 13. Oktober 2016 „#DE2036 – Wie soll es aussehen, dieses Land? Deutschland in 20 Jahren“. Er hielt die Rede vor Jugendlichen, die weder schwatzten noch Autoritäten missachteten (seine schon mal gar nicht), noch ihre Lehrer tyrannisierten. Die Eingeladenen waren sozial, politisch und gesellschaftlich engagierte Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren. Handverlesen. Das zeigt auch, dass immer wieder vergessen wird, Sokrates über die Entfernung der Jahrtausende der böswilligen Verallgemeinerung zu zeihen, wie das mit zeitgenössischen Vorwürfen aller Art stets und gern getan wird. Über die anwesenden Jugendlichen jedenfalls würde Sokrates sich gefreut haben. Und der Bundespräsident freute sich auch.

Nun gehört es gewissermaßen zur Arbeitsplatzbeschreibung eines Bundespräsidenten, motivierende Reden zu halten und sich auch an die Jugend zu wenden, und die Rede war eine gute. Die Träume dieser handverlesenen Jugendlichen zu selektieren und medial an die Öffentlichkeit zu zerren, überließ er dann aber willigen Medien, in diesem Fall dem Spiegel-Jugendmagazin bento.

Und was träumt die angepasste Jugend so, wenn sie 20 Jahre in die Zukunft schaut? Natürlich das, was politisch von ihr erwartet wird – deshalb fragt man ja auch nicht die renitente, sondern die angepasste Jugend. Hören wir also mal hinein in die Träume…

„2036 müssen hoffentlich nicht mehr so viele Menschen flüchten, ihre Schule wechseln und eine völlig neue Sprache lernen. Aber wenn Flüchtlinge zu uns kommen, dann integrieren wir sie viel schneller als heute. Vor allem, weil wir gar nicht mehr so viel darüber nachdenken.“

Nein, nachdenken ist nicht hilfreich bei der Integration. Schon gar nicht, wenn man die Hoffnung behalten möchte, dass weniger Menschen flüchten müssen oder auch nur wollen. Was nämlich das angeht, sieht es für die Zukunft mehr als düster aus. Allein schon deshalb, weil wir es unseren Politikern gestattet haben, im Wort „Flüchtling“ alle Menschen zusammenzufassen, die es über unsere Grenzen schaffen oder schaffen wollen und denen wir selbstlos zu helfen haben. Rechnet man noch die Panikszenarien der Grünen hinzu, die uns Abermillionen „Klimaflüchtlinge“ versprechen, sieht es ziemlich düster aus für diesen Traum. Vielleicht wäre es eine bessere Idee, noch viel mehr darüber nachzudenken.

„Ich wohne im Hamburger Stadtteil Billstedt, dort wohnen viele eher ungebildete und arme Menschen. Gerade bekommen wir noch ein Flüchtlingsheim, es bilden sich Ghettos. Die Menschen dort haben nicht die gleichen Chancen wie in anderen Stadtteilen. 2036 ist mein Stadtteil viel durchmischter und jeder kann endlich die Ziele erreichen, die er sich setzt. Niemandem wird das Medizinstudium verwehrt, nur weil er es sich nicht leisten kann, zu studieren. Niemand sucht vergebens nach einem Arbeitsplatz, nur weil er keine guten Kontakte hat. Auch Menschen, die noch kein Deutsch sprechen, wissen, welche Chancen sie hier haben – weil wir genug Menschen beschäftigen, die sich um sie kümmern.“

Ghettos bilden sich meist ohne Zutun, ihre Abschaffung ist da schon deutlich schwieriger. Der New Yorker Stadtteil Harlem war z. B. einst das Armenhaus der Stadt. Seit einigen Jahren „durchmischt“ sich die Gegend, besonders infolge der Gentrifizierung. Folge dessen sind steigende Immobilienpreise und die verstärkte Abwanderung der Armen, die sich die steigenden Mieten einfach nicht mehr leisten können. Das neue Flüchtlingsheim in Billstedt wird dem Stadtteil wohl aber nicht gerade zu mehr Attraktivität verhelfen und die meisten Menschen, die den sozialen Aufstieg schaffen (auch Migranten), werden sich nach besseren Wohngegenden umsehen – es sei denn, man hindert sie daran. Wie das vonstatten gehen soll, mag ich mir aber gar nicht vorstellen. Wahrscheinlicher ist also, dass die Jugendliche aus Hamburg-Billstedt nach ihrem geschenkten Medizinstudium eine Praxis in Hamburg-Blankenese übernehmen und sich künftig fürchterlich darüber aufregen wird, dass ihre horrend steigenden Steuern für Sozialarbeiter, Integrationsbeauftragte, Polizisten und Deutsch-Intensiv-Lehrer ausgegeben werden müssen, von denen man Jahr für Jahr mehr brauchen wird. Leider bleibt so kein Geld übrig, um in benachteiligten Stadtteilen für ausreichend „Durchmischung“ zu sorgen.

„Einwanderer werden 2036 ein ganz anderes, weltbürgerliches Deutschland erleben: Deutsche und Einwandererfamilien feiern zusammen Weihnachten und später zum Ende des Ramadan auch das Zuckerfest. In 20 Jahren sitzen wir gemeinsam an einem Tisch – und sind viel stärker noch füreinander da als derzeit. Die Kulturen haben sich vermischt – und wir lernen endlich voneinander.“

Dieser Satz hätte das Ende eines evangelischen Gottesdienstes bilden können, wenn da nicht das „Amen“ fehlen würde. Vielleicht hat der Verfasser aber auch vom „House of One“ gehört, einem eher schleppend voranschreitenden interreligiösen Projekt, ein gemeinsames Gotteshaus für Juden, Christen und Muslime in Berlin, das all dies leisten soll. Mal ganz abgesehen vom mäßigen Fortschritt des Projektes und der Frage, welche muslimische Gemeinschaft eigentlich unter dieses gemeinsame Dach ziehen soll… kann das prinzipiell klappen? Liegt der Weg zum friedlichen Zusammenleben wirklich im Zusammenwerfen alles Religiösen, anstatt das Religiöse aus dem gemeinsamen Alltag herauszulösen? Ist es notwendig, dass eine evangelische Gemeinde das Zuckerfest oder Mohammeds Geburtstag feiert? Erwartet ein Christ von seinem muslimischen Kollegen zu Ostern die Grußformel „Der Herr ist auferstanden“? Führt sich eine Religion nicht ad absurdum, wenn man ihre Dogmen zu kulturellen, austauschbaren Petitessen von allgemeinem Interesse erklärt, anstatt zur ausschließlichen Privatangelegenheit unter Gleichgesinnten? Die Religionen ergänzen sich nicht, sie schließen einander aus. Dass sie sich gegenseitig ertragen lernen ist das Ziel – und dass sie nicht-religiösen Menschen nicht zu sehr auf die Nerven gehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Deshalb ist es unumgänglich, jeder Religion klar ihre Grenzen aufzuzeigen, anstatt sie integrativ aufzuladen und aufeinander zu hetzen, in der Hoffnung, dass sich alle schon irgendwie vertragen werden. Es geht immer um individuelle Persönlichkeitsrechte – und die dürfen in keiner Weise von Religionen abhängen.

„Frauen werden 2036 nicht mehr benachteiligt. Sie bekommen den gleichen Lohn wie Männer. Frauen können Karriere machen, wenn sie wollen – dann bleibt halt der Mann zu Hause. Niemand hält eine Frau mehr für eine Hilfskraft, obwohl sie die Chefin ist. Gleichberechtigung ist Normalität geworden.“

Durch den unmittelbar bevorstehenden verstärkten Familiennachzug wird sich der Trend zur Gleichberechtigung für absehbare Zeit zunächst einmal umkehren. Gerade bereiten die großen Parteien durch Diskussionen über Kinderehe, Polygamie und Burkaverbot den Boden für eine Zweiklassengesellschaft für Frauen vor. Die Toleranz einfordernden Stimmen gegenüber solchen Praktiken werden immer lauter und der politische und gesellschaftliche Wille, dies zu stoppen, ist eher schwach ausgeprägt und wird von manchen Gerichten bereits unterlaufen. Lieber appelliert man an unsere eingebaute Toleranz des eigentlich Untolerierbaren. Wir werden also einfach wegsehen, so wie wir das heute mit einem Bettler machen oder in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit unseren jüdischen Mitbürgern. Nichts sehen, nichts hören und anschließend von nichts gewusst haben.

Auf der einen Seite wird es also die Frauen geben, die sich erfolgreich im Job durchsetzen, selbstbestimmt leben, spät wenige Kinder haben und gleichberechtigt sind. Auf der anderen Seite dann die Frauen, die in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung treten werden, sich verschleiern, nicht arbeiten, früh heiraten und viele Kinder haben. Wir werden dies fälschlicherweise für eine etwas seltsame Art der Selbstbestimmung halten, uns damit abfinden und sogar Einrichtungen und Prozeduren dafür schaffen, um uns einreden zu können, dass uns das Schicksal dieser Frauen nicht gänzlich egal ist. Gleichberechtigung wird also nicht normal sein, weil wir es zulassen werden, dass viele der Menschen, die hier leben, diese Gleichberechtigung ablehnen.

„Wer in 20 Jahren nach Europa flüchten muss, wird innerhalb von zwei Wochen in ein europäisches Land gebracht, in dem er auch bleiben darf, weil die Mitgliedsstaaten sich auf Quoten geeinigt haben. Er kann sofort einen Sprachkurs machen und lernen, welche Werte im neuen Heimatland wichtig sind. Menschen helfen ihm, mit der Bürokratie klarzukommen: Er weiß, wie sein Schicksal aussehen wird und hat eine faire Chance, Staatsbürger zu werden.“

Lieber Martin Schulz, haben Sie das geschrieben? Oder diktiert? 23 Jahre alt ist der Verfasser dieser Zeilen und es ist eigentlich kaum zu glauben. Man stelle sich solch einen Automatismus nur mal vor, der es so leicht und sicher macht, seine Heimat zu verlassen und das auch noch mit Geling-Garantie und „Wünsch-Dir-was“ dabei – ich hatte solch ein Szenario schon mal für Afrika entworfen und es macht wirklich keine Freude, darüber länger nachzudenken. Und bevor die EU-Mitgliedsstaaten sich auf eine solche Quotenregelung einigen, geht wohl eher die ganze EU den Bach runter. Denn leider funktioniert eine solche Regelung nicht. Die wenigen – christlichen – Flüchtlinge, zu deren Aufnahme sich beispielsweise Polen bereit fand, haben sich längst über die Grenze nach Deutschland abgesetzt. Quote hin oder her. Man hätte sie wohl mit EU-Recht festbinden müssen.

„2036 fühlen wir uns als Weltbürger und Europäer. Eigentlich müsste es ein europäisches soziales Jahr geben. Vor dem Schulabschluss oder direkt danach fahren junge Menschen durch Europa – und danach können sie sich entscheiden, wo sie studieren oder arbeiten wollen. Wie können wir denn von Europa reden, wenn wir in Frankreich und Spanien niemanden kennen? Wenn wir nicht wissen, wie es sich dort lebt? Wenn ich die Kultur woanders schöner finde, kann ich dort leben. Ohne Probleme, ohne Pass, einfach so.“

Da hat offenbar jemand von der Idee der EU-Kommission gehört, jedem 18-jährigen EU-Bürger ein Interrail-Ticket zu schenken und ihn durch die EU zu schicken – aber abgesehen davon, lieber Träumer, ist dein Traum längst Realität! Das haben wir schon, Schengen, kein Pass nötig und so! Was hindert dich also daran, dich in die Kultur Spaniens, Frankreichs oder Portugals zu verlieben und dort zu bleiben? Vermutlich die Neigung zur „Ghettoisierung“, die deine Mitträumerin aus Hamburg-Billstedt als zu überwinden und Problem darstellt. Es entspricht aber der Natur des Menschen, sich dort niederzulassen, wo er Familie, verwandte Sprache und Kultur vorfindet. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber das war auch schon immer so.

Genug geträumt

Warum befasse ich mich mit den positiv-naiven Aussagen einer Handvoll Jugendlicher, die unserem scheidenden Bundespräsidenten nach dem Mund reden? Weil die Auswahl der Aussagen, die erst das Bundespräsidialamt und dann bento getroffen haben, in eine ganz bestimmte Richtung zeigt – und die gefällt mir nicht. All diese „Träume“ wirken auf eine Institutionalisierung der Konflikte der Gegenwart hin und auf deren endlose Verlängerung in die Zukunft. Es ist eine starke Suggestion zu erkennen, die Probleme der Welt genau so lösen zu können, wie unsere aktuelle Bundesregierung dies seit Jahren versucht: mit bedingungslosen, automatisierten Programmen, die dem Bürger das Nachdenken ersparen und vor allem immer mehr und mehr Geld verschlingen. Es geht stets nur um staatliches Handeln, geschaffene Bedingungen und das Wohlwollen der Macht – nie um Eigeninitiative, persönliche Ziele oder einfach auch mal nur familiäres Glück. In der amerikanischen Verfassung ist das Streben nach Glück als Staatsziel definiert, die Jugend Deutschlands wird hingegen auf ihre Rolle in Europa und der Welt vorbereitet. Von niemand anderem erwarten wir solche Selbstaufopferung. Niemand anderes muss das Gewicht der Welt auf den Schultern tragen. Ich finde, das ist Hybris und ich erkenne darin sozialistische Tendenzen. Die Aussagen erinnern auf peinliche Weise an den Eid, den Jungpioniere in der DDR auswendig lernten. Dabei wette ich, dass all die hier zitierten Jugendlichen durchaus persönliche Ziele haben und viele dies auch formulierten. Aber Ort und Anlass ließen diese „kleinen“ Ziele wohl hinter dem „großen und erhabenen Projekt Weltfrieden“ verschwinden. Daran ist ja an sich nichts Schlechtes – zumindest, wenn man „Miss America“ werden will.

Und noch eines wird deutlich durch solche Antworten auf Fragen, die sich so nicht stellen: Alle Jugendlichen gehen davon aus, dass auch in den nächsten 20 Jahren und darüber hinaus der Druck durch die Zuwanderung unvermindert anhalten wird. Ob es unter dieser Voraussetzung in 20 Jahren aber überhaupt noch ein so vitales und solventes Europa geben kann, von dem sich unsere Jugend die Lösung aller Probleme verspricht, ist mehr als fraglich.

Epilog

Für jemand Anfang zwanzig ist 20 Jahre in die Zukunft zu schauen eine schwere Aufgabe. Man könnte es als intellektuelle Fingerübung betrachten, jemandem in diesem Alter dämliche Fragen zu Deutschland in 20 Jahren zu stellen. Oder als Abwandlung der berühmten Kennedy-Rede „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag, was du für dein Land tun kannst“. Oder für den Beweis dafür, dass das Verständnis für Wirtschaft und Zahlen ganz allgemein in Deutschland auf dem Rückzug ist.

Vielleicht ist es ja aber auch sehr schlau, auf diese Weise für Ablenkung zu sorgen. Denn bei Fragen, welche die Jugend sehr viel unmittelbarer betreffen, wird sie nicht gefragt. „Träumt ihr mal schön von übermorgen und überlasst die Gegenwart uns Politikern“. Jugendliche, die sich heute über die mangelnde Qualität der Schulbildung, überlastete Lehrer, zu große Klassen und Kostendruck auf Studenten beklagen, könnten sonst auf die Idee kommen zu fragen, warum die von Merkel postulierte „Bildungsrepublik Deutschland“ nicht ihnen, sondern erst ihren Kindern in 20 Jahren zugutekommen soll. Fallen die Kids etwa auf die alte „unsere Kinder sollen es mal besser haben“-Masche herein, mit der Regierungen aller Zeiten ihr Volk auf besonders große Härten einstellten? Ist ein Blick in die weit entfernte Zukunft nicht viel unverbindlicher als ein Blick ins nächste Jahr, auf den guten Uni-Abschluss oder einen guten Job? Aber womöglich kann man es als geistigen Kollateralschaden der linksgrünen Bildungspolitik der letzten Dekade betrachten, dass unsere Jugend den Blick in die unmittelbare Zukunft, in ihre eigene Zukunft, verlernte, weil sie vom Leben in einer klimageretteten, elektromobilisierten, decarbonisierten und maximal 2°C wärmeren Welt im Jahr 2100 träumt.

Die Jugend soll träumen, denn es gibt keine bessere Zeit für Träume. Es grenzt allerdings an vorsätzliche Verarschung, wenn man der Jugend durch verkorkste politische Entscheidungen in der Gegenwart genau die Chancen verbaut, von denen man sie dann öffentlichkeitswirksam träumen lässt. Die Politik der EU und der deutschen Bundesregierung setzen seit einiger Zeit all die Errungenschaften aufs Spiel, die der Jugend heute als so gottgegeben und selbstverständlich erscheinen, dass sie sich eine Zukunft ohne diese Errungenschaften nicht mal vorstellen kann. Dabei liegt die Zukunft unserer Jugend längst als Wetteinsatz auf dem Tisch und es darf bezweifelt werden, dass Merkel & Co so gute Karten haben, dass sie das Spiel gewinnen werden. Gefälschte Pässe, gefälschte Karten – der Gegner hat nichts zu verlieren, warum sollte er also fair spielen? Sollten wir lernen, gute Verlierer zu sein?

Zum Schluss ein kleines Gedankenexperiment

Reisen wir kurz 100 Jahre in der Zeit zurück. Wir haben das Jahr 1916, Sie sind gerade im Schulalter der bento-Träumer. An der Westfront des deutschen Reiches läuft es gerade nicht so gut, aber Sie schließen den Kaiser und dessen Waffenglück noch in jedes Ihrer Tischgebete ein. Der Kaiser besucht Ihr Gymnasium in Berlin und lässt seine jungen Untertanen einen Blick 20 Jahre in die Zukunft werfen. Zugegeben, so etwas fällt uns aus heutiger Sicht nicht leicht, zumal man das Wissen um die Zeit zwischen 1916 und 1936 nicht einfach ausblenden kann. Aber was glauben Sie? Würde Ihre Analyse als Schüler im deutschen Kaiserreich die aktuelle, komplett verfehlte deutsche Politik in die Prognose mit einbeziehen? Würden Sie aus der Sicht von 1916 den Untergang 1918 bereits erkennen können oder sogar sehen, dass man sich 1936 schon auf den nächsten, noch viel umfassenderen Untergang zubewegte? Und sah die Zukunft, vom Jahr 1936 aus betrachtet, für so manchen Deutsche zunächst nicht wirklich ganz großartig aus? Ich überlasse Sie dann mal Ihren eigenen Schlussfolgerungen. Machen Sie was draus, der Kaiser zählt auf Sie! Und Herr Gauck auch.

Notiz an mich: 2036 auf Wiedervorlage.

Auch erschienen auf achgut.com

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