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Der Weg in die kritikbefreite Mehrheitsgesellschaft mit islamischem Antlitz

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Imad Karim, auf Facebook verstummt.

Die Neigung der Deutschen Sprache, Worte zu Girlanden zusammenzuziehen, die Nichtmuttersprachlern kaum noch über die Zunge wollen, ist legendär. Besonders kreativ wird man, wenn es gilt, Gesetze so zu benennen, dass schon im Namen klar ist, wo der Frosch die Locken hat. Mein bisheriger Favorit war ganz klar das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Bisher! Denn nun gibt es das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“. Ein Gesetz, das zudem das Potenzial hat, mir sehr viel näher zu kommen, als mein bisheriger Favorit. Das mit dem schnelleren Wachstum wollte bei mir nicht so recht klappen, aber dass Maas und die von ihm beauftragten Schergen bei mir und anderen etwas durchsetzen werden, scheint ausgemacht. Das Wort kommt mir zwar noch locker über die Zunge, würde aber gern meine Lippen verschließen.

Maas le vult!

Das Problem der Verfechter der Meinungsfreiheit ist, dass sie im Netz nicht mit denselben Waffen kämpfen können, wie ihre Gegner. Das drücken des „Melden“-Button ist für einen Anhänger der Meinungsfreiheit längst nicht so selbstverständlich, wie für deren Feinde. Nun wird das Netzwerkdurchsetzungsgesetz durchgepeitscht und dessen Wirkung treibt bereits hässliche Blüten. Waren es früher oft einfache Schlüsselworte oder Bilder, die zur Sperrung von Usern auf Facebook, Twitter oder YouTube führten, werden ab sofort bestimmte Haltungen hart bestraft. Dabei ist auffällig, dass insbesondere zwei Aussagen, wenn sie in einem einzelnen Post oder allgemein in den Beiträgen eines Users vorkommen und logisch verknüpft sind, zu Löschung, Sperrung oder sogar der Löschung des ganzen Accounts führen können: Regierungshandeln der SPD und den von ihr geführten Ministerien sowie dem Islam und der fortschreitenden Islamisierung Deutschlands und Europas. Cahit Kaya zum Beispiel schrieb einen kurzen aber sachlichen Beitrag, in welchem er die offensichtliche Affinität der Genossen zum Islam anhand einiger konkreter Beispiele aufzeigte. Folge: Beitrag gelöscht, 30 Tage Redeverbot! Dabei dürfte es selbst dem Anwalt von Al Capone schwer fallen, den Paragraphen in den „Facebook-Gemeinschaftsstandards“ aufzuzeigen, gegen die Kaya verstoßen haben soll. Legt man aber die neuen Doktrinen des Justizministers als Maßstab daneben, wird klar, wer hier warum zum Schweigen gebracht werden soll: Aufwiegler, Unruhestifter, Abweichler, Nestbeschmutzer…kurz, Kritiker!

Durch das neue Gesetz maßt sich der Staat an, sich nicht nur scharfe Waffen zu definieren, Soziale Medien inhaltlich und finanziell zu erpressen, er drückt diese Waffen sogar anderen Privatunternehmen in die Hände, die in seinem Auftrag auf Hexenjagd gehen – und wenn genug Geld für das Brennholz da ist, hat sich noch immer eine Hexe finden lassen, die es zu rösten galt! „Kann mir nicht passieren“, denken Sie? Können Sie zum Beispiel folgenden Facebook-Post an „Provokation“ oder „Diskriminierung“ noch unterbieten? „Nein, die Kriminalität is nicht gestiegen. Indianerehrenwort!“. Auch dieser Beitrag wurde entfernt. Gemeinschaftsregeln, sie ahnen es. Sind Sie jetzt unsicher, was Sie noch dürfen und was nicht? Perfekt! Denn genau das ist die Absicht hinter der Aktion. Solange Sie vor Angst zittern, etwas falsches oder gar verbotenes zu sagen, äußern Sie sich wahrscheinlich lieber gar nicht.

Ein Kritiker, ein Problem – kein Kritiker, kein Problem

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist so gestrickt, dass es auf der Seite der von Löschung und Sperrung betroffenen Nutzer nach wie vor einen fast undurchdringlichen und langwierigen Weg der Zivilklage vorsieht, während auf der anderen Seite mit Willkür und Standgerichten gearbeitet wird. Das ist selbst für juristische Laien klar als eklatante Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes zu erkennen. Denn während den Betreibern der Netze wegen versäumter Löschungen empfindliche Strafen drohen, gibt es für unberechtigte Löschungen das ministerliche Plazet. Kein Einspruch, keine Unschuldsvermutung, keine bürgerlichen Rechte mehr. Von informationeller Selbstbestimmung kann auch keine Rede mehr sein. De Facto bedeutet dieses Gesetz und seine praktische Anwendung den Anfang vom Ende der Meinungsfreiheit in diesem Land. Getreu dem Motto der ersten Kreuzritter bei der Eroberung Jerusalems im Jahr 1099 „erschlagt sie alle, Gott wird die seinen schon erkennen“ dürfen die Söldnerheere von Minister Maas heute mit langen Sensen durch die Reihen der Kritiker gehen. Und wenn dabei der eine oder andere Komiker, Spötter, Spinner oder auch komplett Unbeteiligte hopsgehen – was suchen sie auch die Gesellschaft der Kritiker! Warum lesen und kommentieren sie dort, anstatt brav den Verlautbarungen und Jubelmeldungen des Ministers zu lauschen?

Nutznießer dieser ministeriellen Kriegserklärung ist der politische Islam, der sich nicht nur ganz allgemein in Deutschland immer mehr Gehör verschafft, sondern insbesondere in der SPD Fuß gefasst hat. Genau deshalb zielt die erste Welle der Löschungen und Sperrungen auch direkt auf die glaubwürdigsten Gegner des politischen Islam in Deutschland, Menschen also, die sich im Bedarfsfall anders als ihre biodeutschen Mitstreiter nicht einfach mit der Nazi-Keule erschlagen lassen. Das erste prominente Opfer ist Imad Karim, dessen Facebook-Account komplett gelöscht wurde. Karim, der erklärtermaßen ein Freund und Bewunderer der Deutschen und Europäischen Aufklärung und Kultur ist, der als Halbsyrer/Halblibanese und arabischer Muttersprachler genau weiß, wovon er spricht, wenn er die fortschreitende Kapitulation der deutschen Gesellschaft vor dem Islam beklagt und als Autor und Regisseur diesen Bedenken auch Ausdruck verleihen kann, einer, der das Gift der Unfreiheit und dessen Wirkung kennt – ausgerechnet dieser Mann, der die Meinungsfreiheit immer verteidigt hat und in dieser Freiheit die größte Errungenschaft Europas erblickt, darf seine Meinung nicht mehr frei äußern.

Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen einen imaginären, abstrakten Feind, dessen Wirken herbeigeredet und überhöht dargestellt wird, schaltet der Staat heute wieder private Meinungen ab, unterdrückt sie, erklärt sie für unerwünscht, beleidigend und illegal. Minister Maas glaubt heute, den „Hass“ und die „Islamophobie“ bekämpfen zu müssen. Finden sich da Parallelen in der Geschichte? Mir schaudert! Und da heute Karfreitag ist und der Blick auf die Uhr mir sagt, dass zu dieser Zeit dereinst berühmte Worte der Verzweiflung und Hoffnung gesprochen wurden, möchte ich mich derer, leicht abgewandelt, bedienen – und dabei an Heiko Maas denken: „Herr, vergib ihm nicht, was er der Meinungsfreiheit angetan hat.“

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus“. Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus“– Ignazio Silone

Nachtrag: Das mit der Sperre beim „Indianerehrenwort“, das kann doch unmöglich so passiert sein, so schrieb man mir. Doch, ist es. Ich hätte die Quelle gleich angeben sollen, das hole ich nun nach. Siehe hier. Außerdem, das sei auch nachgetragen, bezog sich die Löschung des Accounts von Imad Karim meines Wissens nicht auf einen bestimmten Beitrag, sondern hat diesen total überrascht. Wobei ich mir bei dessen Beiträgen auch ehrlich nicht vorstellen kann, was auch nur eine seiner bisherigen Sperrungen auch nur ansatzweise gerechtfertigt hätte.

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UPDATE

Imad Karim ist wieder online. Facebook hat sein Konto erst ohne Begründung gelöscht und genauso kommentarlos auch wieder hergestellt. Digitale Wiederauferstehung am Ostersonntag, wenn das nicht ein Zeichen ist. Aber wofür eigentlich? Für die  Tatsache, dass es jeden treffen kann, egal, ob er ein „Hater“ oder „Kritiker“ ist? Dafür, dass es keine Begründung braucht, um jemanden zum Schweigen zu bringen? Oder dafür, dass die Gesellschaft noch nicht „reif“ ist, zugunsten des „höheren Wohls“ auf bestimmte Freiheiten zu verzichten? Imads Bekanntheitsgrad war den Zensoren womöglich im Wege. Oder man unterschätzte die Solidarität, die ihm zuteil wurde. Es gibt noch keine Stellungnahme von Facebook und  vielleicht werden wir auch nie eine hören. Sehr wahrscheinlich werden wir auch nie erfahren, wer die Löschung veranlasst hat und warum. Dass das alles nur ein Versehen gewesen sein kann, glaube ich allerdings keine Sekunde – und so gesehen war nicht nur die Löschung ein Akt der Willkür, die Wiederherstellung des Kontos ist es auch. Facebook und die Löschkommandos heben und senken den Daumen nach Gutdünken, User können sich nur noch gegen diese Willkür wehren, indem sie möglichst laut aufschreien. Nicht gerade ein rechtsstaatlicher oder demokratischer Vorgang. Denn ob hier Recht oder Gnade am Werk waren, ist unklar.

Störe meine Kreise nicht – Berliner Schule mit Nahostkonflikt

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„Störe meine Kreise nicht“– das waren der Legende nach die letzten Worte des griechischen Gelehrten Archimedes von Syracus, bevor ihn ein römischer Soldat erschlug. Es ist leider nicht überliefert, in welchen geistigen Sphären der Gelehrte gerade geflogen war, als er so unsanft in der Realität aufschlug. Sein Aufenthalt dort dauerte jedoch bestenfalls noch einige Sekunden. Die Elternschaft und das Lehrerkollegium der Friedenauer Gesamtschule müssen „nach einem antisemitischen Vorfall“ schon einige Tage am Boden bleiben, bemühen sich aber sehr, wieder Wind unter die Flügel zu bekommen.

Der „Vorfall“ betraf einen 13-jährigen in jüdischen Schüler, für den sich seine Eltern eine als besonders multikulturell geltende Schule in Berlin ausgesucht hatten. Was dieser dort erlebte, ist mit Mobbing nur sehr euphemistisch umschrieben. Das Spektrum der „Aufmerksamkeiten“ seiner Mitschüler reichte von Beleidigungen über „ich kann nicht dein Freund sein, weil du Jude bist – Juden sind Mörder“ bis zu körperlicher Gewalt. Die Eltern mussten ihren Sohn von der Schule nehmen. Schlimm genug, dass solche Vorfälle an unseren Schulen längst keine Einzelfälle mehr sind, ist es hier jedoch die Reaktion der Schule, die aufhorchen lässt. Man zeigte sich pflichtschuldigst entsetzt über das Verhalten der Mitschüler des angegriffenen Jungen und kann doch gleichzeitig gar nicht begreifen, wie es soweit kommen konnte. Schließlich nähme man doch erfolgreich am Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teil und fast alle Lehrkräfte und Schüler hätten sich den ehrenvollen Zielen dieser initiative verschrieben! Aber es ist wohl mit solchen Initiativen nicht viel anders als zu DDR-Zeiten mit den Losungen zum 1. Mai, unter denen sich die Werktätigen Massen lächelnd und innerlich murrend versammelten, weil man ihnen einen freien Tag durch sinnloses Jubeln und marschieren verdarb: Es steckt nichts Substanzielles dahinter. In der DDR profitierten zumindest die Plakatmaler von der ideologischen Sülze, in der Bundesrepublik des Jahres 2017 deutet die Bezeichnung der Initiative auf eine viel umfangreichere und professionalisiertere Art der „Initiativwerdung des Geldes“ hin.

Denn wen finden wir als Förderer hinter dem klangvollen Namen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“? Na klar, „Demokratie leben“ also das Familienministerium von Frau Schwesig. Ein Wunder eigentlich, dass das Bildungsministerium nicht unter den Förderern ist, aber wahrscheinlich wäre es gar nicht gut angekommen, wenn wir zwar einerseits marode Schulen, zu wenig Lehrer und miserable Ausstattungen an den Schulen haben, aber andererseits jede Menge Geld für politische Indoktrination vorhanden ist. Nein, für solche Dinge hat Frau Schwesig schließlich einen fetten Fördertopf, der mit 105 Millionen Euro gut gefüllt ist.

Die Medien wandten sich längst wieder wichtigeren Dingen zu und der hässliche kleine „Vorfall“ rückte wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Aber das adenauersche Aufmerksamkeitserhaltungsgesetz (Es ist zwar schon alles gesagt worden, aber nicht von Allen) wirkte auch hier, denn nun meldeten sich nach dem Schulleiter und der der Politik auch die Eltern der Schule zu Wort. In einem Leserbrief an den Tagesspiegel. „Störe meine Kreise nicht“ wäre eine schöne Betreffzeile in diesem Brief gewesen. Man formulierte aber lieber etwas umständlicher.

Natürlich sei man bestürzt über die Angriffe auf den Jungen und fühle mit der Familie. Man sehe die Schule aber als Vorreiter durch zahlreiche Projekte, in denen zu Toleranz und friedliches Miteinander aufgerufen werde. Kommt nun also einfach eine weitere „Vorreiterrolle“ hinzu? Ja, die Situation an der Schule sei schon sehr speziell, es gäbe einen hohen Anteil an Migrationshintergründen, die sich offenbar schon soweit in den Vordergrund gedrängt haben, dass die Eltern „gutbürgerlicher“ Kinder nichts unversucht lassen, um ihre Sprösslinge lieber auf eine der beiden anderen Schulen im Kiez zu schicken. Dass diese Tatsache nicht mit den „Erfolgen“ zusammenpasst, die man als „Schule ohne Rassismus“ zu erringen glaubt, muss im Moment der Niederschrift des Briefes wohl auch den Eltern klargeworden sein. Denn schon im nächsten Satz präsentierte man den wahren Schuldigen an der Situation in der Schule:

„Seit Jahrzehnten existiert im Nahen Osten ein nicht enden wollender Konflikt zwischen Arabern und Juden. Eine Stadt wie Berlin [..] kann von den Auswüchsen internationaler Konflikte, wie des Nahostkonflikts, nicht verschont bleiben. Wie kann also eine Schule mit einer Schüler_innenschaft, die sich aus vielen Nationen zusammensetzt, davor gefeit sein, dass es zu religiös motivierten Auseinandersetzungen zwischen Schülerinnen und Schülern kommt?“

Na da hätten wir aber auch alle von selbst drauf kommen können! Der Nahostkonflikt ist schuld! Und da Multikulturalität bei uns moralischen Verfassungsrang besitzt, kann man wohl kaum etwas dagegen sagen, wenn sich internationale Konflikte im „Dialog der Schüler“ an deutschen Schulen fortsetzten. So sind sie halt, die Araber und die Juden, da machst nix dran. So gesehen müssen wir auch großes Verständnis in Deutschland dafür aufbringen, wenn Türken die Kurden über die Schulhöfe jagen, Ukrainer die Milch ihrer russischen Mitschüler vergiften, Araberjungs Jesidinnen als heidnische Huren beschimpfen und Sunniten „ein Problem“ mit Schiiten haben. In Zeiten der folgenlosen Grenzüberschreitung ist es selbstredend auch unmöglich, Schülern das Überschreiten der Grenze der Persönlichkeitsrechte andere Schüler zu verbieten. Und selbstverständlich trage jeder Schüler den Rucksack der Konflikte, Vorurteile und Lügen der Gruppe, der er zugeschrieben wird und rechtfertige sich dafür! Hat die Elternschaft nun eine Idee, wie es besser laufen könnte? Aber hallo! Kritik an dem „Vorfall“ ist schon mal gar keine gute Idee:

Die Lösung liegt nicht darin, dies anhand eines tragischen Vorfalls zu bemessen und den Ruf einer engagierten Schule nachhaltig zu schädigen. Die Lösung läge darin, eine Schule wie die Friedenauer Gemeinschaftsschule in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu bestärken – z.B. durch zusätzliche finanzielle Ressourcen, durch zusätzliches Personal und zu guter Letzt durch einen Journalismus, der nicht voreilig verurteilt. Das tut der Tagesspiegel leider nicht, wenn er mit seiner Berichterstattung zum einen dem bildungsbürgerlichen Trend der Abschottung vor dem vermeintlich Anderen, dem Fremden, Vorschub leistet und zum anderen Wasser auf die Mühlen derer gießt, die den Islam fürchten oder gar islamfeindliche Tendenzen verfolgen.  

Die Friedenauer Gemeinschaftsschule überzeugt mit einem innovativen Schulkonzept und engagierten Lehrer_innen. Es ist bedauerlich, dass die Energie und die fantastische Arbeit der Pädagog_innen sowie die an der Schule laufenden Projekte zur kulturellen Verständigung kaum eine Erwähnung in Ihrem Artikel finden. Wir befürchten, dass die Schule in ein völlig falsches Licht gerückt und der Ruf, den sie sich gerade hart erkämpft, zunichte gemacht wird. Leidtragende sind dabei in erster Linie die Kinder der Schule! Wir als Eltern wenden uns entschieden gegen Antisemitismus, Antiislamismus, Rassismus und Gewalt und werben für ein offenes Miteinander in der Gesellschaft, das nur funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Na so überzeugend wird das „innovative Schulkonzept“ der Friedenauer Gesamtschule wohl nicht sein, wenn die Eltern „mit den Füßen abstimmen“ und ihre Kinder lieber woanders hin schicken und „zusätzliche finanzielle Ressourcen“ – ein schöner Euphemismus für „mehr Geld“ – müsste wohl am besten in den Bau einiger weiterer Schulen und die Einstellung neuer Lehrer und Sicherheitspersonal fließen, als in Projekte mit tollem Namen, die nachweislich nichts anderes machen, als bunte Pflaster auf die Wunden zu kleben, welche gewisse Schüler anderen Schülern zufügen.

Aber sicher werden Schule, Lehrerschaft und engagierte Eltern in Zukunft zumindest im Kampf gegen den Antisemitismus große Erfolge feiern. Denn wenn es keine jüdischen Schüler mehr an der Friedenauer Gesamtschule gibt, müssen die Araber an dieser Schule nicht mehr „Nahostkonflikt“ spielen. Uns so kann die Elternschaft weiter von erfolgreichen Projekten der Verständigung und Völkerfreundschaft träumen, während die Schüler auf dem Schulhof Fakten schaffen.

Unbequeme Wahrheiten über ein verkorkstes Großprojekt

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Alexander Wendt, Der grüne Blackout (Hörbuch)

„Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass die Energiewende alternativlos ist“ las ich kürzlich in einer nicht näher zu nennenden Zeitung. In dem Satz liegt etwas Flehendes, Verzweifeltes. Denn alternativlos ist an der deutschen Energiepolitik wohl nur, dass man es nicht schlechter hätte einfädeln können. Der Autor belegt nicht nur anhand von klaren Zahlen und überprüfbaren Fakten, dass der von Deutschland eingeschlagene Sonderweg in die Katastrophe führen wird, er nennt auch Gewinner, Mitläufer, Propagandisten und Verlierer dieses Wahnsinns. Die Wette auf die Zukunft von Deutschlands Energieversorgung muss wohl lauten, ob uns zuerst die Kosten oder die gesicherte Versorgung in der Fläche um die Ohren fliegen wird. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, macht die Bundesregierung mit Parolen wie „Elektromobilität“ und „Decarbonisierung“ noch zwei weitere Fronten auf, die jeden dieser negativen Prozesse noch verstärken. In Deutschland ist ein energetischer Homunculus entstanden, der von Jahr zu Jahr schneller wächst, sich von gigantischen Subventionen ernährt und jedes Jahr mehr davon braucht, um am Leben zu bleiben. Und es ist unser aller Monster, dessen Alimente wir Monat für Monat in Form immer schneller steigender EEG-Umlagen auf unserer Stromrechnung entrichten.

Ich hatte mich im letzten Jahr dem Feld „Decarbonisierung“ und „Energiewende“ in zwei Artikeln auf empirische Weise genähert (hier und hier), ohne so viele Daten und Fakten zur Verfügung zu haben, wie Alexander Wendt. Waren die Schlussfolgerungen aus meinen dilettantischen Rechenexempeln schon besorgniserregend, kann man die Schlussfolgerungen von Alexander Wendt nur als verheerend bezeichnen.

Sollten Sie also Zweifel haben, dass Deutschland in Sachen Energiepolitik auf einem guten Weg ist, finden Sie in diesem Buch jede Menge Belege für das erratische und kurzsichtige Handeln aller Beteiligten. Angefangen von den politischen Parteien, Bundes- und Landesregierungen, zahlreichen Medien, Herstellern und Vermarktern der grünen Energietechnik bis hin zu Energieversorgern, Erzeugergemeinschaften und Privatpersonen deren finanzielles Engagement in grünen Strom häufig mit Totalverlusten endet.

Falls Sie jedoch an die Versprechen der Politik glauben und die „grüne Energierevolution“ für machbar oder auch nur für sinnvoll halten, hören Sie dieses Buch erst recht! Versuchen Sie doch, die Argumente des Autors zu entkräften und ihm das Gegenteil zu beweisen – wie schwer kann das schon sein. Was haben Sie schon zu verlieren?

Buch, eBook oder Hörbuch gibts hier 

Kein Diskurs ohne selbsternannte Experten!

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Expertise ist etwas, um das in Deutschland gern und hitzig gestritten wird. Schließlich sind wir ein Land von 80 Millionen Bundestrainern. Doch in alltäglichen Dingen hören wir gern auf den Rat von selbsternannten Experten. Die Wetterfee erklärt uns den Wind von morgen, die Wirtschaftsweisen sagen uns, wie gut es uns gehen wird und wenn Bundespräsident und Kanzlerin zu Weihnachten und zum Jahreswechsel zu uns sprechen, wissen wir, worauf wir stolz sein dürfen. Nahostexperten, Nahverkehrsexperten, Technikexperten, Finanzexperten, Energiewendeexperten…egal. Experten werden kommen und Pflaster auflegen, wenn dumme Normalbürger zweifeln oder Nachrichten aus Quellen beziehen, die einfach nicht zur allgemeinen Doktrinen passen wollen. Aber manchmal ist man echt gekniffen, wenn man sich von Experten in ein Thema führen lässt. Man bekommt keinen Überblick, hält die Thematik für irrelevant und wendet sich gelangweilt ab. Jeder Physiker, dem zu einem bahnbrechenden Experiment in der Quantenmechanik ein paar Millionen Euro zum Glück fehlen, wird ein Lied davon singen können. „Sex sells“ und Grundlagenforschung ist für Lieschen Müller so gar nicht sexy! Praktiker in Soziologie oder Religion kennen dieses Problem eher nicht, die Empathie fliegt ihnen förmlich zu. Dafür müssen sie ihr Terrain umso stärker gegen Quereinsteiger verteidigen, die sich weniger um das heiliges Expertentum und dessen Abgrenzungen zum Pöbel sorgen, als vielmehr um die tatsächlichen Gegebenheiten im menschlichen Zusammenleben kümmern und sich fragen: Was hat das alles zu bedeuten?

Tief in ihrer Expertenehre verletzt fühlt sich denn auch Lamya Kaddor, als sie über die ARD-Reportage „Moscheereport“ auf Facebook schreibt: Wieso kann ein bisher geschätzter Journalist nicht 13 Moscheen besuchen und von seinen Eindrücken berichten und die Analyse dieser Ergebnisse Fachleuten überlassen? Soweit mir bekannt, ist Herr Schreiber kein Islamwissenschaftler, kein Sozialforscher und kein Islamischer Religionspädagoge. Mit welcher Expertise bewertet er diese Ergebnisse? Aus seinen Erfahrungen, das reicht zumindest für eine narrative Reportage. Aber es reicht nicht, um zu wissen, wie Moscheedidaktik funktioniert, es reicht nicht, um Islamische Strömungen zu kennen, es reicht nicht, um soziologische Prozesse zu beurteilen. Wieso hat man keinen einzigen muslimischen Theologen, Religionspädagogen, Soziologen befragt, der für eine sachliche Herangehensweise an dieses wichtige Thema steht?

Na was haben wir denn da? Eine selbsternannte Islamwissenschaftlerin moniert, dass ein Journalist ihr den Schneid abkauft?  Oder ist es die Tatsache, dass ein deutscher Journalist, der ausschaut wie Ken aus der Barbie-Werbung und dummerweise perfekt Arabisch spricht, Milljöh-Berichte abliefert, wie man sie in Deutschland eher von Günter Wallraff kennt? Zur Erinnerung: Constantin Schreiber ist in Syrien aufgewachsen, spricht also fließend Arabisch und hat bereits für arabische TV-Sender gearbeitet, bevor er bei der ARD anheuerte. Für seinen „Moscheereport“ und sein aktuelles Buch besuchte er verschiedene Moscheen in Deutschland sprach mit Besuchern und Imamen und stellte fest, dass sein bekanntes Gesicht dafür sorgte, dass der Zuckerguss aus Harmonie und Frieden noch ein wenig dicker wurde, als er angenommen hatte. Bis er in cognito kam oder Mitarbeiter schickte. Dann war die Rede der Imame nicht mehr so harmoniebesoffen, dann war Integration plötzlich Sünde, westlicher Lebensstil abzulehnen und der Islam erschien plötzlich sehr viel weniger um Frieden bemüht.

Was Frau Kaddor jedoch so zornig macht ist die Tatsache, dass sie nicht konsultiert wurde. Niemand wollte wissen, wie sie als Pädagogin und Islamkennerin über das denkt, was Constantin Schreiber in seinen Recherchen herausgefunden hat. Niemand fragte sie, welchen Filter man einsetzen solle, um das gesehene und erlebte richtig und möglichst positiv zu interpretieren. Kaddor spricht Schreiber „Moscheedidaktik“ ab und man möchte aufspringen und fragen, was diese Didaktik taugt, wenn selbst fünf Schüler von Frau Kaddor sich dem IS in Syrien und Irak angeschlossen haben.

Man möchte fragen, was Frau Kaddor all die Jahre getan hat und wie es sein kann, dass in Moscheen in Deutschland heute noch solche Botschaften verbreitet werden und wir von ihr nie dergleichen erfahren haben und wozu es all die Dialogforen und Islamkonferenzen eigentlich gibt. Wo war all die Expertise von Frau Kaddor, ihre Islamwissenschaft, ihr Pädagogischer Weitblick und Sozialforschung, wenn es eines arabisch-sprachigen deutschen Journalisten bedurfte, um ans Licht zu bringen, was bisher als rassistisches Vorurteil galt: die gigantischen Anpassungsprobleme des Islam in Bezug auf eine freiheitliche westliche Demokratie.

Schreiber ist wie das Kind aus Andersens „Des Kaisers neue Kleider“, dass den stolzierenden kaiserlichen Gockel der Nacktheit zeiht, während sich dessen Lakaien bemühen, die Eleganz des Gewands zu preisen, das den Kaiser gar vorzüglich kleide. Allesamt Experten. Experten der Beschwichtigung und der Lüge, des Schmeichelns und der vorteilhaften Prophezeiung, des „Später, später…wird schon, wird schon“ und „Islam heißt Frieden“ – wenn da nicht solche Leute wie Schneider wären, die einfach das machen, was sie als Journalisten eigentlich auch tun sollten: Genau hinschauen, mitschreiben, berichten – auch voller Empathie aber nicht von ihr getrieben.

Ich möchte auch in Zukunft nicht erst einen Koran-Exegeten konsultieren müssen, um mir ein Urteil über eine Sache bilden zu dürfen, die mich direkt und unmittelbar betrifft. Deshalb halte ich mich auch zukünftig im Zweifel eher an die Beobachtungen von Menschen, deren Urteil und Sozialisierung eher der meinen entspricht, als einer selbsternannten Expertin zu vertrauen, deren Absichten mir so suspekt und zutiefst egoistisch erscheinen wie die von Frau Kaddor. Denn wenn der Islam, der in deutschen Moscheen gepredigt wird, von wohlmeidenden Exegeten vom Schlage Kaddors weichgewaschen und übersetzt werden muss, bevor ich von diesen Worten Kenntnis erhalten darf, ist er wohl kaum vereinbar mit der heiligen Schrift, die hierzulande für alle gilt: dem Grundgesetz.

Und als Antwort auf ihre Frage, Frau Kaddor, warum man die Beantwortung der Frage nach der Gefährlichkeit einer Moschee nicht den Experten überlässt, möchte ich ihnen eine einfache Gegenfrage stellen: Welchen Experten denn?