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Kriminelle Banden „protestieren“ gegen Polizeigewalt

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Erstaunlich still ist es im deutschen Blätterwald angesichts der Gewaltwelle, die gerade durch Frankreich rollt. „Proteste gegen Polizeigewalt“ so euphemistisch kann man die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die Frankreich gerade erschüttern, natürlich auch nennen – sofern man überhaupt darüber berichtet. Der Deutschlandfunk war redlich bemüht, ausreichend „einerseits und andererseits“ in seiner Sendung „Europa Heute“ vom 16.2.2017 zu verbreiten und „die Proteste“ klingt ja auch viel fortschrittlicher und europakompatibler als No-Go-Areas oder Bandenkriege. Versagt hat ja eigentlich nur die Regierung, weil sie es entgegen Präsident Hollandes Versprechungen eben nicht geschafft habe, der ausgegrenzten muslimischen Migrantenjugend neue Perspektiven zu bieten. Mit anderen Worten: Es wurde nicht genug SchutzFördergeld gezahlt – und dann ist Gewalt unvermeidlich, wie jeder Bauunternehmer zum Beispiel in Kalabrien oder Sizilien weiß.

Doch dann kommt doch noch etwas Klarheit in den Lack des Staatsversagens, mit dem die Reportage die „schon länger dort lebenden Franzosen“ überziehen möchte. Ein Jugendlicher aus einer Vorstadt im Norden von Paris spricht ins Reportermikrofon:

„Wenn uns andere, rivalisierende Banden angreifen…man weiß nie, ob die Polizei einem helfen wird. Wenn ich ein Problem hätte, wenn mir jemand was tut, ich schwöre es ihnen, ich würde nie jemanden anzeigen, nie! Weil ich überhaupt kein Vertrauen habe. Ich würde das alles selber regeln.“

Cum grano salis, wie man sagt. „Andere“ Banden bedeutet ja wohl, als dass man selbst zu einer gehört – was den Protest gegen Polizeigewalt doch irgendwie ad absurdum führt und den Blickwinkel der Reportage zur politischen Kapitulation vor den Fakten macht. Es sei denn, man deklariert das knuffige Bandendasein zur integral muslimischen Lebensform, die es zu schützen gilt. Und da die Polizei der einen Bande nicht gegen die andere helfend zur Seite stehen will, soll sie sich gefälligst ganz raushalten, das regeln die Beteiligten lieber untereinander.

Die Limburger Glockenposse und andere böse Märchen

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„Sowas Verrücktes gab‘s doch früher nicht!“ sagte ein Bekannter, als er von der Limburger Glockenposse erfuhr. Das Glockenspiel im Rathausturm der Limburger Innenstadt wird vorerst nicht mehr das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ spielen. Der Bürgermeister von Limburg wolle damit einer veganen, tierschützenden Mitbürgerin bloß einen Gefallen erweisen, weil die Tierschützerin sich an der Liedzeile „Sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr“ störte und deshalb Protest eingelegt hatte.

Wie könne überhaupt jemand auf die Idee kommen, fragt mein Bekannter, sich von einem Kinderlied, das schon seine Urgroßeltern von deren Großeltern vorgesungen bekamen, plötzlich verletzende und anstößige Textzeilen aufweise! Mit „früher“ meine er übrigens nicht ganz so weit in der Vergangenheit, dass aus bunt schon wieder braun wird, nur ein oder zwei Jahrzehnte zurück, weiter müsse man gar nicht reisen. Es hat natürlich schon immer das Ansinnen kleiner Gruppen oder auch einzelner Personen gegeben, die eigene Weltsicht zum Maßstab der Zeitläufte machen zu wollen. Gerichte wurden bemüht, Petitionen verfasst, Protest und Wut schwollen an. Doch am Ende wurden die Pläne meist als das enttarnt, was sie waren. Erpressungsversuche an der Gemeinschaft und der Wille, sich selbst mit möglichst viel Bedeutung aufzuladen und wichtiger, klüger, moralischer und besser dastehen zu können, als diejenigen, gegen die man seinen Angriff startete.

Abgelehnt! Lautete meist das Urteil, ob nun von Regierungen, Hausgemeinschaften oder Gerichten. Nur die Wenigsten dieser Versuche wurden schließlich kanonisiert. Man könnte als Beispiel aus der Vergangenheit die katholische Kirche und deren Umgang mit Marienerscheinungen und anderen Wundern heranziehen. Es dauert meist lange, nein laaaaange, bis die Institutionen, welche sich mit der Prüfung solcher Ereignisse befassen, zu einem abschließenden Urteil gelangen. In vielen Fällen versucht der Vatikan vielleicht sogar mit Bedacht, die Zeugen eines „Wunders“ durch geduldiges Warten auf deren Ableben daran zu hindern, aus ihrer Entdeckung selbst Kapital schlagen zu können. Da sage noch einer, die Katholischen seinen nicht zu Pragmatismus fähig!

Zurück zur Gegenwart, zurück nach Limburg. Die Autorität, die der Bürgermeister von Limburg qua Amt hat, hätte genügt, um der Tierschutzveganerin in aller Deutlichkeit klar zu machen, dass sie sich hier in einer Weise verrennt, dass es nur peinlich für sie enden kann. Tat er aber nicht. „Um des lieben Friedens willen“ ist bequemer Ersatz für das einst klare aber oft unbequeme „Abgelehnt“ – was macht es schon, wenn man ein Kinderlied aus dem Programm nimmt, ist doch nicht so wichtig.

Doch, ist es. Es sind nämlich immer die alten, schwachen und unbeschützten Kettenglieder der Meinungsfreiheit, die den Bolzenschneidern der political Correctness als erstes zum Opfer fallen. Ein Kinderlied weniger, wen kratzt das schon! Natürlich hätte die Tierschützerin sich auch nackt an die Anhängerkupplung eines Limburger Jägers anketten können, aber ein literarisches „Schießgewehr“, das nach Vorderlader und Ladestock klingt, ist ein viel dankbarerer Gegner, weil er nichts zu seiner Verteidigung vorbringen kann.

Dabei ist diese Aktion nur der Kollateralschaden der immer schlimmer werdenden Übergriffigkeit der politischen Kaste in möglichst jede private Lebensäußerung der Bevölkerung hinein. Es wird geregelt und normiert, was das Zeug hält. Es gibt Kampagnen für gesundes Essen, CO2-Reduktion ist heute das 11. Gebot und die Schockbilder auf Tabakwaren sind gutmeinende optische Körperverletzung schon für Kinderaugen an der Supermarktkasse. Kein Minister – von dem der Finanzen einmal abgesehen – kann heute die Finger von der moralischen Bevormundung lassen, überall lauert Norm, Konformismus und Opportunität. Jede TV-Talkshow ist voll von selbsternannten Alltagsexperten, um die Hirne der Zuschauer gemäß der Losung der Woche stets aufs Neue zu formatieren. Der Zuschauer oder Leser, überladen mit Gigabytes aus Nullsätzen und Phrasen, sucht nach Schlüsselbegriffen in dem Datenbrei, bei denen er sich immer auf der sicheren Seite wähnt. Alles andere ist schlecht und soll verworfen werden. Er braucht nichts weiter als weiße und schwarze Kugeln und um letztere überall sicher zu erkennen, hat der liebe Gott den Blockwart erfunden. Wer heute politisch aktiv sein will, aber zu bequem ist, sich über grundsätzliche Begriffe wie Freiheit oder Demokratie wirklich Gedanken zu machen, der wechselt auf eines der sicheren Felder, die garantiert frei von Tretminen und Widersprüchlichkeiten sind und macht eine Religion mit dualistischer Weltsicht und Heilsversprechen daraus.

Das Ergebnis ist ein genderoptimierter veganer Tierschützer, der das Klima rettet. Mindestens! Die Übergriffigkeit des Staates ins private schlägt hier in eine immer militanter werdende freiwillige Selbstzensur über. Und wer mit der Selbsterziehung fertig ist, hat in satten Zeiten wie diesen noch genug Energie und Tageszeit übrig, um sich der Erziehung des Nachbarn und des Bürgermeisters zu widmen. Ehrenamtlich und für Gotteslohn versteht sich. Erste Opfer dieser kollektiven Moralschübe waren Worte, die negativ konnotiert waren. Zigeuner gibt es heute nur noch als Schnitzel, als Volksgruppe haben den Sinti und Roma Platz gemacht. Zwar änderte das nichts an den Vorurteilen an sich, aber wegen solcher Kleinigkeiten wie der nachweislichen Ergebnislosigkeit des Begriffeverschiebens lassen wir uns nicht aufhalten! Kleine Posse am Rande: es gibt noch einen Ort, wo der Begriff „Zigeuner“ überlebt hat. Ausgerechnet im „Antiziganismus“ nämlich. So lautet die wissenschaftliche Bezeichnung für Zigeunerfeindlichkeit. Man hat wohl ganz vergessen, dass diese Form der gruppenbezogenen Abneigung eigentlich Antisiniromanismus heißen müsste. Eine unaussprechliche Nachlässigkeit, die nach einer sofortigen weltweiten Konferenz der Vereinigung der Antiziganzismusforscher führen sollte. Irgend eines der vielen deutschen Ministerien für Volkserziehung wird dafür schon Mittel locker machen.

Die nächsten Opfer der endogenen deutschen Moralschübe können sich selbst leider nicht mehr wehren, weil sie längst tot sind und nur noch ihr Werk fortbesteht. Dichter, Buchautoren, Liedermacher, Bänkelsänger und all die anderen Denker, Gaukler und Großeltern, die sich Geschichten ausdachten, Lieder schrieben, Bilder malten. Von Astrid Lindgren über Wilhelm Busch bis hin zu Grimms Märchen und den vielen Kinderliedern und Gedichten unbekannter Provenienz, die Ausdruck und Spiegel ihrer Zeit sind. Einschließlich böser Wölfe, rachsüchtiger Zwerge, gefressener Großmütter, Negerkönigen und Schießgewehren. Der Dichter von „Hänschen klein, ging allein“ darf nie wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, „Hans im Glück“ nicht wegen Steuerhinterziehung angeklagt werden, weil er den Goldklumpen, immerhin Lohn für sieben Jahre Arbeit, nicht bei der Einkommenssteuer angegeben hat. Anders herum kann Rotkäppchen kein Argument dafür sein, das Kopftuch gehöre von je her zu Deutschland.

Man kann das Holz historischer Texte und Lieder nicht mit den Messern der Neuzeit auf Korrektheit, Sanftheit und Gleichheit schnitzen. Sonst wird irgendwann der/die/das Eva den Bio-Apfel vom Baum der Korrektheit pflücken und der/die/das Adam davon nicht essen wollen, weil sich der ganze folgende Ärger wohl für die Erkenntnis, keinesfalls jedoch für die Korrektheit lohne.

Und was den Fuchs, die Gans und den Jäger mit Schießgewehr in Limburg angeht…

Wem der Text zum Kinderlied nicht passt, der soll sich doch bitte gehackt legen, aus Limburg wegziehen oder sich vielleicht etwas Passenderes zum Klang der Glocken denken. Ich hätte da einen Vorschlag:

Finger weg von Kinderliedern,
fällt es euch auch schwer,
fällt es euch auch schwer,

Sonst soll Dich der Teufel holen,
Tierschütz-Ve-ga-ne-he-her,
Sonst soll Dich der Teufel holen,
Tierschütz-Ve-ga-neeeer.

Nachtrag

Als ich vor etwa einem Jahr einen satirischen Artikel über die geradezu religiösen Allüren mancher Tierschützer schrieb, spielte ich mit dem irren Gedanken, deren Aktionsfeld könne sich eines Tages auf Worte ausweiten. Ich konnte ja nicht ahnen, wie recht ich hatte.

Die Feder der Islamischen Revolution und die „israelische Frage“

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Hält man als Reporter eines englischsprachigen Mediums ein Mikrofon unter die Nase eines Fatah-Führers und fragt nach Israel, kann man ohne Zweifel lange Reden über Besatzung, Rückkehrrecht, Apartheid und andere Nettigkeiten mitschneiden. Wenn das Mikrofon ausgeschaltet ist, wäre die Zurückhaltung auf Seiten des Interviewten sicher kleiner, die er sich bei der Frage nach dem Existenzrecht Israels auferlegen würde. Klar, der Hamas wäre es sogar egal, ob jemand mitschneidet, aber im Großen und Ganzen wissen die arabischen Palästinenser, wo das Geld herkommt, das in den schicken Häusern und fetten Limousinen ihrer Führungskaste steckt, da möchte man nicht ehrlicher sein als nötig. Denn irgendwie reagieren die Europäer immer wieder verstört, wenn sie von den Objekten ihrer Fürsorge erfahren, dass diese nicht nur einen eigenen Staat haben wollen, sondern den des Nachbarn Israel am liebsten gleich mit.

Es gibt aber Politiker eines Staates, die sich noch weniger als die der Hamas zurückhalten, wenn es um die Frage geht, welches Land sich zwischen Jaffa und Jordan erstreckt. Israel – so meint man dort – selbstverständlich nicht, da ist sich die Staatsführung des Iran sicher! Das war nicht immer so. Bis 1979 gab es eine gut frequentierte Fluglinie Tel Aviv – Teheran und vielleicht erinnert sich auch noch der eine oder andere an die helle Aufregung aus dem Jahr 2010, als man via Google Earth einen Davidstern auf einem Dach eines Flughafengebäudes in Teheran entdeckte, das einst mit Hilfe israelischer Ingenieure errichtet wurde. Nun, die guten Beziehungen endeten bekanntlich im Jahr 1979, als die „Islamische Revolution“ ihren Lauf nahm, deren Ziele Chomeini in insgesamt neun Punkten zusammenfasste:

  1. Rückkehr Chomeinis aus dem Exil (das hat ja schon mal geklappt)
  2. Freilassung aller politischen Gefangenen (es war nie die Rede davon, diese nicht gegen neue politische Gefangene auszutauschen, falls man sich damit aufhielt, welche zu machen)
  3. Wiedereröffnung aller Religionsschulen (check)
  4. Uneingeschränkte Redefreiheit (nicht uneingeschränkt und frei auch nicht)
  5. Verbot der Pornographie (aus heutiger Sicht gescheitert, wenn man Google fragt)
  6. Recht der Frauen, den Tschador zu tragen (welches man umgehend in eine Pflicht umwandelte)
  7. Unterstützung der Armen (indem man daran arbeitet, das ganze Land in Armut zu stürzen, check)
  8. Unabhängigkeit vom internationalen Kapitalismus und Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel (ersteres möchte man heute gern rückgängig machen und bei letzterem wissen wir, dass es nur das Nahziel war)
  9. Abschaffung der neuen, nach der 2500-Jahr-Feier eingeführten Jahreszählung und Rückkehr zum islamischen Kalender. (Geschenkt. Mag jeder nach dem Kalender leben, den er für den richtigen hält.)

Warum belästige ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mit diesem Exkurs zu Chomeinis Wunschzettel? Weil er in Deutschland gerade wieder sehr aktuell wird und sich zu diesem Zweck gewisse Organisationen in Stellung bringen. Dabei gibt sich der Islamismus von der schiitischen Seite einen ganz anderen, geradezu demokratischen Anstrich. Er flüstert, statt zu brüllen. Er lächelt, wenn er belehrt. Er bombt nicht, sondern bohrt. Und er stellt durch seine Flexibilität und Eloquenz ein intellektuelles Problem für unsere Medien dar.

„Die Feder“

Das ist der Name einer selbsternannten „NGO“, auf deren Internet-Startseite bereits neben sehr wenig Text das Portrait des aktuellen iranischen Revolutionsführers und de facto Staatschefs Ali Chāmene prangt. Das „N“ für „nicht“ in NGO kann man also schon mal ersatzlos streichen. Erklärend fügt man bei der „Feder“ hinzu:

„Wir sind eine religiös-politische Organisation und haben unsere eigene Sicht auf die Gesellschaft in Deutschland. Wir beobachten, analysieren und kritisieren die Geschehnisse in unserer Gesellschaft aus muslimischer Sicht.“

Das kann man machen, o.k., solange ich nicht mitmachen muss und der „kritische Blick“ dem des Grundgesetzes standhält. Weiter im Text heißt es aber:

„Wir stehen für eine visionäre und spirituelle Erneuerung des Bewusstseins und sind Anhänger der Islamischen Revolution.“

Das steht da nicht auf Persisch, sondern auf Deutsch. Es geht also um die Islamische Revolution in Deutschland – und spätestens jetzt sollte man doch etwas misstrauischer werden und sich mit den Ansichten und Aktionen dieser „Feder“ befassen.

Hannover machte am Samstag, den 21.1.2017 Bekanntschaft mit der Agenda der „Feder“, als diese einen „Infostand“ – wie die Tageszeitung „Neue Presse“ dies nannte – in der Fußgängerzone aufstellte, um den Passanten die Aussage „Israel ist illegal“ um die Ohren zu schlagen. Auf dem Tisch gab es zwei Wahlurnen, beschriftet mit „pro“ und „kontra“, in welche die Passanten schwarze Chips einwerfen sollten. Als ob Passanten in Hannover darüber „abstimmen“ könnten, ob Israel das Recht hat, ein Staat zu sein. Man kann ja auch nicht sinnvoll darüber abstimmen, ob die Erde eine Kugel oder Wasser wirklich nass ist.

Die Schlagzeile in der NP zeigt, dass man von dieser neuen Art der Propaganda völlig überrumpelt wurde. Denn von einem Infostand konnte man schlecht sprechen, Informationen wurden dort nicht verteilt. Gespräche waren das Mittel der Desinformation, Provokation das Ziel. Klingelt die Münze im „richtigen“ Kasten, ist ein Bruder oder eine Schwester im Geiste gefunden. Man bedient sich scheinbar des demokratischen Werkzeugs „Wahl“, um seine Vernichtungsphantasie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Interessantes Detail: ein wütender Bürger stieß den „Wahltisch“ um, was die federführende „Feder“ Hassan Mohsen zu der Feststellung auf seiner Webseite veranlasste, „randalierende Zionisten“ wären am Werk gewesen, worauf man die Polizei hätte rufen müssen. Nun, die Polizei kam tatsächlich, interessierte sich aber weniger für randalierende Zionisten und die Israelfahnen schwenkenden Gegendemonstranten samt SPD-Landtagsabgeordnetem Michael Höntsch, sondern für die Aktion der „Feder“, gegen deren Initiator Mohsen sie nun wegen Ordnungswidrigkeit ermittelt. Höntsch bezeichnete die „Abstimmung“ als „widerlichen Antisemitismus“. Dem kann ich nur beipflichten.

Die Kuschelfront der Islamisierung

Hassan Mohsen, der die „Feder“ bereits 2007 gegründet hat, verdankt die Chance, sein Studium als Doktor der Gerontologie beenden zu können, übrigens diesem Land hier. Da er dennoch ein großer Freund der „Islamischen Revolution“ ist, schauen wir uns seine nicht gerade wenigen Publikationen im Internet mal etwas genauer an. Abgesehen davon, dass das Web voll ist mit seinen Aphorismen, die nach dem Bauplan „Mehr vom Selben ist weniger vom Gleichen“ gestrickt sind („Mit Kindern spielen, ist kein Kinderspiel“ oder „Mehr Menschenrechte statt mehr rechte Menschen“ – wie erhebend!), ist Hassan Mohsen in Delmenhorst sehr aktiv. Dort ist er Vorsitzender der Partei MDU (Muslimisch Demokratische Union), von der Niedersachsens Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Werner Wargel sagte, dass sie „die Demokratie mit den Mitteln der Demokratie bekämpfe“. Eine Aussage übrigens, die Hassan Mohsen als diffamierende Unterstellung zurückweist. Das würde ich an seiner Stelle auch tun.

Offenkundiges?

Auf der publizistischen Seite der Feder, die die Namen „Offenkundiges“ bzw. „Die Geprüfte“ trägt – ein bisschen Geschlechtertrennung muss sein – gibt es denn auch erstaunliches zu lesen. Man vermisse zum Beispiel in der Liste der acht reichsten Männer der Welt die Namen Rothschild und Rockefeller.

„Bei den Rothschilds geht man davon aus, dass sie zwischen 300 Milliarden und eine Billion Dollar besitzen. Also sie alleine besitzen etwa so viel bis drei Mal so viel wie die Hälfte der Menschheit. Bei den Rockefellers sieht es ähnlich aus. Allein John D. Rockefeller Senior besitze über 300 Milliarden und auch sein Bruder gehört zu den Steinreichen.“

Mit dem „Geprüft“ kann es schon mal nicht weit her sein, wenn man von John D. Rockefeller Senior im Präsens spricht, obwohl er seit 1937 tot ist. Woher „man“ diese Informationen überhaupt hat und wie es passieren konnte, dass ausgerechnet diese Schwergewichte durch die Maschen der Forbes-Liste gefallen sein sollen und warum König Midas dort auch nicht auftaucht (was der wohl gerade mit seinem Reichtum macht), steht da leider nicht. Allerdings weht der Geruch der „jüdischen Weltverschwörung“ durch die Zeilen wie der Duft von Kardamom in einem arabischen Kaffeehaus.

Da Hassan Mohsen Fan des iranischen Revolutionsführers ist, schreibt er natürlich auch darüber, wie so eine richtige Revolution aussehen muss und entdeckt dabei erstaunliches: „2011 revoltierten Muslime in einigen arabischen Ländern gegen ihre Herrscherelite. Grund dieser Revolution war die immer deutlichere Unterstützung der arabischen Diktatoren für Israel. […] Imam Chamenei bezeichnet diese Revolutionen der muslimischen Bevölkerung in arabischen Staaten als „Islamisches Erwachen“.

Was der Imam dabei ganz vergessen hatte, war die Tatsache, dass diese Revolution bereits 2009 begann. Und zwar ausgerechnet im Iran und dort gewaltsam niedergeschlagen wurde. Ein Widerspruch? Nicht für einen Gerontologen!

„Denn eine wahre Revolution ist erst dann eine Revolution, wenn sie sich gegen den herrschenden Unterdrücker richtet.“

So sieht er im Fall Syriens auch nicht die Aufständischen als die Revolutionäre, sondern Assad:

„Da Assad, Russland, Iran und die Hisbollah den Kampf um Syrien gewonnen haben, hat der Einfluss der USA abgenommen. So sind nur jene als Revolutionäre zu bezeichnen, die auf Seiten Assads kämpften.“

So einfach ist das mit den Revolutionen, wenn man im Nachhinein definieren kann, wer wen unterdrückt hat. Überflüssig zu erwähnen, auf welcher Seite Hassan Mohsen in seinen windschiefen Machtphantasien den IS sieht…natürlich auf der Seite Israels!

Wie man Weihnachten richtig feiert und warum man sich integrieren soll

Wer schon einmal sah, mit welcher verbalen Gewalt und Lautstärke Salafisten wie Pierre Vogel „Da`wa machen“, erkennt meist sofort, dass die hier stattfindende Übergriffigkeit nicht die eines sanften Einflüsterers ist, sondern die Kampfrunden eines Ex-Boxers sind. Mohsen und seine Federfreunde kommen mit anderem Geschütz daher. Keine Fausthiebe, keine moralischen blauen Flecke, sondern winzige Einstiche, die für Zweifel sorgen. Ahmad Abbas schreibt sich in seinem Artikel „Frohe Weihnachten“ ganz langsam an das Thema heran, beschreibt den typischen Vorweihnachtstress und das festliche Ambiente. Schön. Doch jetzt kommt die Nadel und die Vorwürfe werden langsam in die Blutbahn gepresst:

Neben dem Weihnachtsbummel kommt die konventionelle Adventsmahlzeit auf den Speiseplan. […] Das typische Fastengericht […] gehört zum Weihnachtsmenü vieler Christen dazu. So nutzte man einst die Adventstage, um den Magen von der schweren Kost zu entlasten. Die Fastenzeit endete für gewöhnlich am 1. Weihnachtstag mit einem deftigen Essen zur Belohnung für den schweren Verzicht. Das Fasten an Weihnachten ist heute so gut wie verschwunden. Nur wenige Christen entsagen der nahrhaften Kost und nutzen die Zeit für eine seelisch-körperliche Läuterung.“

Aha, daher weht der Wind! Die Christen feiern ihre Feste nicht mehr richtig, haben das traditionelle Weihnachtsfasten vergessen und müssen sich von Muslimen darüber belehren lassen.

„Auch die Lehren und Weisheiten des ehrwürdigen Propheten Jesu verschwanden aus dem Gedächtnis und haben für das Weihnachtsfest so gut wie keine Bedeutung mehr.“

Ich erspare Ihnen weitere Zitate, denn der ganze Text zielt darauf ab, dass die Christen im Gegensatz zu den Muslimen nicht das tun, was ihnen „ihr Prophet“ aufgetragen habe. Alles freundlich und eloquent verpackt, so dass sicher nicht einmal der Verfassungsschutz daran Anstoß nehmen würde. Ein anderer Text „Warum wir uns integrieren müssen“ lässt bereits in der Headline Hoffnung auf ein harmonisches Zusammenleben aufkeimen. Aber zwischen all den wohlformulierten Mitmenschlichkeiten, zu denen fast jeder vorbehaltlos nicken würde, verstecken sich Absätze wie dieser:

„Gibt es im Kindergarten unserer Kinder einen Elternrat, der über ein pädagogisches Konzept entscheidet? Engagieren wir uns dabei, es kindgerechter zu gestalten! Was nützen uns sonst die vorbildhaften pädagogischen Konzepte der Ahlulbayt, wenn wir nicht versuchen, sie bei der Erziehung unserer und anderer Kinder mit einfließen zu lassen?“

Wenn ich im Jahr 2017 lese, dass man die pädagogischen Konzepte der Ahlulbayt, also des inneren Kreises um Mohammed, nicht nur auf die eigenen, sondern auch auf andere Kinder anwenden solle, widerspreche ich so laut wie ich nur kann. Nein danke! Für derlei ist in den pädagogischen Konzepten unserer Kindergärten kein Platz.

„Will unser Land ein Freihandelsabkommen mit den größten Verbrechern auf der Erde abschließen? [..] Was nützen mir sonst der elfte und der zwölfte Vers der zweiten Sure des Qur’an, wenn ich nichts dagegen tue, dass unsere Regierung noch intensivere Geschäfte mit den größten Unheilstiftern auf Erden anstrebt?“

Mit den „größten Verbrechern“ sind im Text selbstredend die Vereinigten Staaten gemeint und mit den „größten Unheilstiftern“ ausdrücklich nicht der Iran. Noch eine Einschätzung, der ich mich nicht anschließen kann und die mich an der Tatsache zweifeln lässt, dass Herr Mohsen auch nur mit einem Fuß auf dem Boden des Grundgesetzes steht – seine Standpunkte klingen doch sehr viel mehr nach Scharia und Da`wa.

Fazit

Die Seite muslim-essay.de, auf der Mohsen früher erbauliche antisemitische Artikel verfasste, (Titelbeispiel: „Gehen Israel die Juden aus“) ist mittlerweile vom Netz, die Domain verschwunden. Es sieht ganz so aus, als hätte Mohsen den Hammer eingepackt und versucht nun, Israel und alle seine Unterstützer mit feineren Waffen zu bekämpfen. Antisemitismus? Ach was, nicht die Bohne! Nur gegen Zionisten, die überall und besonders in Deutschland – und vielleicht noch beim IS – lauern, gegen die kämpft der Gerontologe. Auffällig viele Studenten der Gerontologie folgen seinem Beispiel, wie man an den Autoren in seinem Umfeld sehen kann. Man darf annehmen, dass dies weniger mit dem Fach, als vielmehr mit den Einflüsterungen von Hassan Mohsen und seines Vorbilds Ayatollah Ali Chāmene zu tun hat. Betrachtet man die Wirkung und Stoßrichtung der Publikationen und Aktionen der „Feder“, wird schnell klar, wessen Tinte diese Plattform und ihr Gründer Hassan Mohsen bislang noch vorwiegend in Norddeutschland verspritzen: Es ist die Ideologie der iranischen Mullah-Gerontokratie, der schiitischen Form eines totalitären Gottesstaates. Israel das Existenzrecht abzusprechen ist dabei nur das augenfälligste Merkmal.

Der Verfassungsschutz hat „die Feder“ nach meinen Informationen bislang noch nicht auf dem Radar, in keinem Verfassungsschutzbericht Niedersachsens taucht der Name dieser Organisation auf. Nach den „Israel ist illegal“ Aktionen in Delmenhorst und Hannover sollte er jedoch darüber nachdenken, dies zu ändern. Schon allein um festzustellen, ob und in welcher Richtung und Absicht hier Gelder und Ideen fließen.

Wie sagte doch schon der Dichter Michael Beheim im 15. Jahrhundert: „Der furst mich hett in knechtes miet, ich ass sin brot und sang sin liet.“ – besser bekannt als „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“

Zuerst erschienen in „Jüdische Rundschau“, 2/2017


Quellen:

  • www.welt.de/politik/ausland/article11354531/Wie-kommt-der-Davidstern-auf-ein-Dach-in-Teheran.html
  • www.die-feder.org
  • www.israel-ist-illegal.de
  • de.wikipedia.org/wiki/Ali_Chamene%E2%80%99i
  • de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Revolution
  • www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-Israelfeindlicher-Infostand-in-der-City
  • www.weser-kurier.de/region/delmenhorster-kurier_artikel,-Muslimische-Partei-in-Delmenhorst-_arid,569809.html
  • madrasaoftime.wordpress.com/tag/hassan-mohsen
  • diegepruefte.wordpress.com/2017/01/20/die-8-reichsten-maenner-wo-bleiben-die-rothschild-s-und-rockefeller
  • archiv.offenkundiges.de/frohe-weihnachten
  • archiv.offenkundiges.de/warum-wir-uns-endlich-integrieren-muessen
  • archiv.offenkundiges.de/wann-ist-eine-revolution-eine-revolution

Ein unwissenschaftlicher Vergleich – und dann gab’s das Dritte Reich…

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Wann kann man eine gesellschaftliche Entwicklung als auf absehbare Zeit unumkehrbar bezeichnen? Gibt es im Vorfeld großer Zusammenbrüche den einen Moment, an dem erkennbar eine Weiche gestellt wird, deren eine Seite in Richtung Ungewissheit führt, während die andere Seite zwangsläufig in Richtung Abgrund weist? Historiker finden in der Geschichte zahlreiche Ereignisse, deren katastrophales Ende sie gern auf ein initiales Ereignis zurückführen, aus dem heraus die folgenden Handlungen geradezu automatisiert und folgerichtig abliefen. Als Beispiel sei hier nur das Attentat in Sarajewo genannt, das lange Zeit als „der Auslöser“ des Ersten Weltkrieges galt, von dem aus sich alles andere zwangsläufig entwickelt habe. Nun krankt die vergleichende Geschichtsforschung bekanntlich an der mangelhaften Infrastruktur für Zeitreisen, weshalb sie den endgültigen Beweis für derlei „Initial-Thesen“ stets schuldig bleiben muss. Sie kann nämlich nie den Gegenbeweis führen, indem sie eine Weiche in der Vergangenheit anders stellt und dann feststellt, was auch hätte passieren können.

Deshalb ist das, was ich jetzt zu tun beabsichtige unstatthaft, unwissenschaftlich, ungenau, unbeweisbar und dementsprechend reine Spekulation. Ich werde ein solches als „Initial“ betrachtetes Ereignis in die Gegenwart projizieren und behaupten, dass gerade wieder ein ähnlicher Zeitpunkt kurz bevor steht, an dem sich die Zukunft in zwei sehr unterschiedliche Richtungen entwickeln kann.

24. März 1933

Jeder, der sich auch nur ein Wenig in der Geschichte auskennt, wird mit dem Begriff „Ermächtigungsgesetz“ etwas anfangen können. Er steht synonym für die wohlbegründete und erfolgreiche Selbstentmachtung des Deutschen Parlaments und damit am Ende des Endes der Demokratie der Weimarer Republik. Ab dem 25.3.1933 konnte Hitler damit beginnen, auch noch die letzten Reste der Demokratie in Deutschland zu beseitigen. Die parlamentarische Kontrolle war abgeschafft, das Parlament hatte sich per Gesetz selbst entmachtet.  Eine „große Koalition“ aller Parteien – mit Ausnahme der SPD, die geschlossen gegen das Gesetz stimmt und der KPD, die durch Verfolgung und Verbot an der Abstimmung nicht mehr teilnehmen konnte – stimmt mit „ja“ und sorgt für die nötige 2/3-Mehrheit zugunsten des Selbstmordes mit Ansage, dessen Titel „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ so gar nicht nach dem klang, was es eigentlich implizierte: Die Abschaffung jeder Opposition und die Möglichkeit für Hitler, alternativlos „durchzuregieren“. Die letzten Worte im frei gewählten Reichstag, die Otto Wels von der SPD sprach, kennt heute fast jeder. „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ Noch aufschlussreicher finde ich aber ein Zitat aus der Rede von Ludwig Kaas, der mit dem katholischen Zentrum für das Gesetz stimmte und vor Wels sprach:

„Die gegenwärtige Stunde kann für uns nicht im Zeichen der Worte stehen, ihr einziges, ihr beherrschendes Gesetz ist das der raschen, aufbauenden und rettenden Tat. Und diese Tat kann nur geboren werden in der Sammlung.“

Die „rasche, aufbauende, rettende Tat“ blieb indes aus, wie wir wissen. Die durch das Ermächtigungsgesetz legitimierte autokratische Herrschaft der NSDAP sorgte stattdessen binnen kürzester Zeit durch Ausschaltung jeder Opposition und Demokratie nur für rasche, zerstörende und mordende Taten – alles im Namen der Wahrheit und der Alternativlosigkeit. Das bittere Ende, das zwölf Jahre später als Rauch über Trümmern und Leichenbergen schwebte, war selbstredend nicht das, was sich Prälat Kaas in sicher guter Absicht von seiner Zustimmung erhofft hatte.

2017 könnte es wieder zu einer Situation kommen, die für lange Zeit die Weichen in diesem Land zu stellen vermag – ganz ähnlich wie 1933 würde vom Parlament auch heute nicht explizit die Abschaffung der Meinungsfreiheit verlangt. Nein, man wählt sich heute Fake-News und Hate-Speech als Ziel aus. Einmal abgefeuert könnte dieser Pfeil jedoch auch anderes Wild gleich mit erlegen.

Wir wissen noch nicht genau wie und wann, aber dass unsere Bundesregierung an der Errichtung eines wie auch immer genannten „Wahrheitsministeriums“ arbeitet, wissen wir. Denn der deutsche Politikbetrieb hat den Feind im eigenen Land entdeckt, der in schöner Regelmäßigkeit den Verlautbarungen der Regierungslautsprecher Wort für Wort folgt, nur um in diesen dann anschließend das Verhältnis der Inhaltsstoffe Fakten, Beruhigungs- und Aufputschmittel mittels Apothekerwaage zu bestimmen und die Ergebnisse ohne weiter Prüfung Online zugänglich zu machen. Ein Blogger in Hintertupfingen ist heute genauso schnell bei seinen Lesern, wie ein Regierungssprecher bei seinen Multiplikatoren befreundeter Medien.

2017 – das Jahr, in dem die Meinungsfreiheit verloren gehen könnte

Es gibt seit einiger Zeit eine erosive Stimmung im Land, die uns vorzuführen die regierungsnahen Medien nicht müde werden. Überall entstehen derweil private und halbstaatliche Organisationen, die sich dem Kampf gegen Rassismus, Rechts, Rechtspopulismus, Islamophobie, Ausländerfeindlichkeit und natürlich Faschismus verschrieben haben – am besten kämpft man gegen alles zusammen, am tapfersten ist man dort, wo keiner der deklarierten Feinde sein freches Haupt erhebt. Die „freien Radikalen“ stürzen sich wie Märchenprinzen von edlem Geblüt Gemüt auf all die bösen Gesinnungsdrachen, um ihnen die rechten Köpfe abzuschlagen. Allein, es scheint nicht zu fruchten, wenn sich selbst Bundesminister und Meinungsüberbringer wie Spiegel, Süddeutsche und Zeit immer wieder als Schild und Schwert der großen Koalition mit Begriffskeulen helfend auf die Drachen stürzen. „Elender Spalter!“ sind die Worte, die der Keil von der Axt zu hören bekommt, bevor deren Wucht auf ihn hernieder saust. Der Drache zieht sich indes in die sicheren Höhlen des Internet zurück, wo er für die braven Ritter kaum zu erreichen ist. Noch nicht.

Gleichzeitig vermitteln die Kämpfer für das ewig Gute den Eindruck der Erschöpfung, weil man all der Drachen, der falschen Meinungen, Satiren, Fake-News und der bösen fremden Mächte (Putin, China, Nordkorea, le Pen, Trump…ideologisch unpassendes bitte streichen) kaum noch Herr zu werden glaubt. Wenn man das Schwert der Wahrheit zu führen glaubt, sieht jedes Gegenüber wie die leibhaftige Lüge aus. „Zunehmender Rechtspopulismus“ steht dafür als symbolische Formulierung, um die Richtung der Debatte vorzugeben, die irgendwann nur noch einen Schluss zulassen soll: Man muss rettend eingreifen, bevor alles noch viel schlimmer wird und am Ende womöglich der edle Ritter die Schlacht verliert! Warum also nicht mit einem „Gesetz zur Behebung der Not Argumentationsnot von Volk Bevölkerung und Reich Europa“ dem Ritter das Schlachtfeld frei räumen?

Im Jahre 2017 sind es ausgerechnet die SPD und die von ihr geführten Ministerien für Justiz und Famile, von denen die größten Anstrengungen in dem Bemühen ausgehen, die Meinungsfreiheit an eine beliebig straffbare Kette zu legen, indem man möglichst unter dem öffentlichen Radar versucht, ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“ zu etablieren. Die willfährigen Landsknechte lässt man schon mal „auf Probe“ von der Leine, wie die Hensel-Aktionen „KeinGeldFürRechts“ und „Stop Hatevertising“ bzw. dem semiprofessionellen dafür aber doppelmoralischen „correctiv“ zeigten. Und sei es nur um zu testen, wie der vorlaute Pöbel reagiert und wie bereitwillig sich dessen frechste Vertreter in die Wüste jagen und die Reste der freien Wirtschaft von solchen Aktionen einschüchtern lassen.

Indes stehen neue Helden bereit, den in ersten Gefechten verschlissenen Rittern zur Seite zu springen. Und wenn Steffen Seibert mit seinem Anglerlatein erschöpft ist, schlägt die Stunde für Ranga Yogeshwar vom WDR.

„China behält eine gewisse Kontrolle darüber, welche Nachrichten ihr Land penetrieren. Das brauchen auch wir, um sicherzustellen, dass nicht das Betriebssystem unseres Landes gestört wird.“

Nun achtet China nicht nur darauf, welche Nachrichten das Land erreichen, sondern auch, welche es verlassen und welche innerhalb des Landes zirkulieren dürfen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die kommunistische Parteiführung die Kontrolle über das Internet und all die chinesischen und westlichen Drachen hat. Ein Traum für alle in Deutschland, die „systemnah“ beschäftigt sind, auch für den sonst so symphatischen Erklärbären vom WDR.

„Europa muss bei den Massenmedien eine gewisse Souveränität behalten.“

Wer ist in diesem Satz Europa und wessen Souveränität ist gemeint? Die der Konsumenten oder die Konstrukteure? Und was, wenn sich die Bundesregierung diese Souveränität in der Weise sichert, dass staatliche und staatlich Beauftragte Organisationen über Wahr und Falsch im Netz wachen dürfen wie in China? Was, wenn man nach ein paar zum Schweigen gebrachter ominöser Quellen, die sowieso jeder kennt, denkt, man könne ruhig noch einen Schritt weiter gehen? Was, wenn Teile der Wahrheit die Bevölkerung nur verunsichern könnten und man ihnen das aus Fürsorglichkeit lieber ersparen möchte? Was, wenn man dafür sorgen könnte, dass eine Demonstration, von der sowieso nur Ärger zu erwarten wäre, nie zustande käme, weil man die für das Zustandekommen nötige Kommunikation unterbindet? Was, wenn „kleinere“ Terroranschläge mit wenigen Opfern so lokal und unter dem Radar bleiben könnten, wie sie stattfinden? Die ARD hätte sich vielleicht nie erklären müssen, der Mord an Maria in Freiburg sei nur ein „lokales Ereignis“ ohne nationale Relevanz, weil es eben unwidersprochen ein lokales Ereignis geblieben wäre. Was, wenn gleichgeschalteten Staatsmedien, die direkt vom Politikbetrieb abhängig sind, ergänzt durch alimentierte private Restmedien – um den Schein der Meinungsvielfalt zu wahren – in der Lage wären, ein Scheinbild aus Harmonie und „good governance“ aufrechterhalten, während es in Wirklichkeit an allen Ecken knallt und zischt? Was wenn die Meldungen der Klebers und Gauses und all der anderen Vertreter der Plapper-Class nicht mehr hinterfragbar sind, weil sie unter dem Prüfsigel der „Correktiv-News“ Sakrosankt sind? Wird das der Beginn einer harmonischen und konfliktarmen Zeit sein, oder das Ende der bürgerlichen Demokratie bedeuten?

Die EU kann heute zwar Wassermalfarben und Buntstifte wegen deren Giftigkeit aus dem Verkehr ziehen und die maximale Leistungsaufnahme von Staubsaugern regeln, die innere Sicherheit jedoch ist als nationales Gut kaum zu verteidigen und daher aufzugeben, Terroranschläge gehören zum Restrisiko, was aber bitte niemanden dazu bringen sollte, seine Lebens- und Konsumgewohnheiten zu ändern.

Nur eine Frage

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die überfürsorgliche EU ausgerechnet Buntstifte für eine Gefahr hält, wo in Deutschland doch sonst die Kunterbuntheit als Wert an sich gepriesen wird.  Was passiert aber, wenn nach den Buntstiften die bunten Meinungen wegen vermeintlicher Giftigkeit aus dem Verkehr gezogen werden? Ob Herr Maas von der SPD eine Ahnung davon hat, dass es ausgerechnet das eigene Parteiorgan „Vorwärts“ war, das so soft wie kein anderes Medium in der Geschichte Deutschlands verboten wurde? Ob allen, die jetzt die ordnende Hand des Gärtners fordern, um die unkrautigen Meinungen auszureißen, die zwischen den vermeintlich sicheren Gehwegplatten der Leitmedien sprießen, wirklich klar ist, dass auch Heinrich Heine einst als Nestbeschmutzer galt, als der aus seinem Pariser Exil auf Deutschland schaute?

Deshalb meine Frage an die marginalisierte und opportunistische Opposition aus Grünen, Linken und ein bisschen CSU: Wenn es zum Schwur käme, wenn Artikel 5 des Grundgesetztes, welcher die Meinungs- Rede- und Pressefreiheit garantiert, eine neue ministeriale und gesetzliche Klammer bekommen sollte (zum Schutz, versteht sich), könnte es im Jahr 2017 ähnlich wie 1933 zu einer „raschen, aufbauenden, rettenden Tat“ kommen? Würde, die Mehrheit der Grünen und Linken die Hand zur Abschaffung „falscher Meinungen“ heben, weil „[..] diese Tat nur geboren werden kann in der Sammlung“ der Opposition und der Regierung?

Ich bin gespannt.