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Ein Buch, ein Problem – kein Buch, ein Skandal

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Die Liste bei „Thalia“

Papiertaschentücher sind „Tempos“, glutamatverranzte Speisewürze heißt „Maggi“ und wer wissen will, wie sich ein Buch verkauft, nutzt den jahrzehntealten Goldstandard für Bestsellerlisten: die des Spiegels. Bisher zumindest war das so. Aber dann klaffte aktuell an Platz 6 der Online-Version der Hardcover-Sachbuch-Bestseller plötzlich eine unerklärliche Lücke, ein White-Out und man überlegt, warum der Seitenzimmermann hier wohl ein Loch gelassen hat. Bis man dahinterkommt, dass es da ja dieses eine Buch gibt, das nach seiner versehentlichen Empfehlung durch einen Spiegel-Redakteur, der sich erdreistete, eine eigene Meinung zu haben, in den Blick der Öffentlichkeit gelangte. Ein Buch, so schlimm und ungezogen, dass es in Deutschland kluge Menschen gibt, die behaupten,

Spiegel-Bestsellerliste bei Amazon

Meinungsfreiheit sei ja ganz nützlich, aber hier werde sie „missbraucht“ – dabei waren nicht mal Zeichnungen von Mohammed drin! Empörte Leser und Kunden von Amazon beschwerten sich über die „Lücke“, in der den Zahlen nach eigentlich eben dieses Buch, nämlich „Finis Germania“ stehen müsste, worauf der Seitenzimmermann die Liste so zu spachteln begann, dass es verschieden große Lücken gab und der ausgefallene Platz 6 nicht mehr so auffallen musste. Na sowas, denkt der Leser. War da nicht was? Fehlt da nicht was? Nun ist es so, dass die Spiegel-Liste an vielen Orten im Netz rezipiert wird. Amazon wird die Werke selbstredend mit den eigenen Artikeln verlinken, andere Online-Händler tun das mit ihren. Und so kam es, dass die Liste noch an einem Ort unverfälscht zu finden war, nämlich bei Thalia. Überall sonst hat man der Wahrheit ein klein wenig „nachgeholfen“. Ein Vorgehen, das wir aus der Zeit stalinistischer Säuberungen kennen, als gewissen in Ungnade gefallene Genossen aus Bilder und Dokumenten getilgt und gelöscht wurden. Damnatio memoriae!

…und bei SPON direkt

Wir tolerieren in diesem Land Leute, die an Chemtrails glauben oder dass Elvis noch lebt oder dass die Linke eine demokratische Partei ist – aber für ein unbequemes Buch aus einem zur Paria erklärten Verlag müssen wir zu Lüge und Fälschung greifen? Wo sind wir hier nochmal? In einem Land, in dem Zensur nicht stattfindet? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, das Buch zu besprechen, es zu loben oder zu verreißen ist Teil des liberalen Betriebssystems unserer Gesellschaft – oder sollte es zumindest sein. Niemand muss es kaufen und es gibt für die meisten Menschen sicher fast keinen Grund, dies zu tun. Aber Zahlen fälschen? Warum? Für den guten Zweck, das höhere Wohl? Zum Wohle der Allgemeinheit oder die Reinhaltung der Literatur? Die Spiegel-Bestseller-Liste war eine Institution, eine Instanz, die nur auf harten Zahlen basierte. Zuverlässig, weil unbestechlich und unbeeinflussbar – außer durch Absatz von Büchern oder eben dessen Ausbleiben. Das ist nun vorbei. Auch dieses letzte Fünkchen von Objektivität der Presse reiht sich ein in die Doktrin einer selbsternannten Meinungselite, wie sie Jean-Claude Juncker trefflich definiert hat: „Wenn’s drauf ankommt, muss man lügen.“

Finis Germania – die These ist nur das Vorzimmer der Gewissheit

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Ein gestandener Veterinär verriet mir vor Jahren auf einer Party anlässlich seiner Pensionierung, dass er in seiner beruflichen Laufbahn nur vor zwei Arten Tieren wirklich Angst hatte. Ich tippte natürlich sofort auf wilde Hengste und Elefanten mit Zahnweh, doch er winke nur ab: kleine Hunde und Schweine, das seien seine gefährlichsten Patienten gewesen!

An diese Episode musste ich denken, als ich mit mehreren Wochen Verzögerung vor einigen Tagen ein Buch in den Händen hielt, dass diese veterinären Phobien angeblich wie kein zweites in sich vereinen könnte. Zunächst einmal ist es klein. Sehr klein. 104 postkartengroße Seiten. Und dann soll es, glaubt man dem Feuilleton, auch noch ein richtiges Schwein sein. Ein antisemitisches Schwein! „Finis Germania“ heißt es und stellt gewissermaßen das Vermächtnis des Historikers Rolf Peter Sieferle dar, der das Manuskript vor seinem Freitod so auf seinem Computer platzierte, dass kein Zweifel daran bestehen kann, dass er es veröffentlicht haben wollte.

Der Wirbel und die Skandälchen, die dieses Büchlein ausgelöst hat, stehen in krassem Missverhältnis zu seinem Umfang, weshalb ich mir fest vornahm, es gründlich zu lesen und meine unbedeutende Meinung dazu aufzuschreiben, wenn ich es denn einst in die Finger bekomme. Die paar Seiten, dachte ich, lesen sich schnell weg. Doch das erwies sich als gar nicht so einfach. Das Buch besteht größtenteils aus Splittern und Konzentraten, die mit Fallbeispielen oder eingehenderen Betrachtungen zu versehen Sieferle entweder nicht für nötig hielt – was bedeuten würde, dass er beim Leser ein sehr hohes Maß an Abstraktionsvermögen vorausgesetzt hat. Oder, sehr viel wahrscheinlicher, für die ihm einfach keine Zeit blieb. Ausgerechnet den Schlüssel zum Buch findet man zudem erst auf den letzten Seiten: „Welche Möglichkeiten hat eigentlich Ikarus, wenn seine Flügel schmelzen und er in die Tiefe abstürzt? Er kann die Augen schließen und so lange schreien, bis ihn die See verschlingt. Er kann aber auch die Augen geöffnet halten und die erhabene Aussicht genießen, solange sie sich bietet. Das Ergebnis ist in beiden Fällen das Gleiche; der Weg ist aber ein völlig gegensätzlicher.“

Sieferle betrachtet Deutschland aus der Warte eines Insektenforschers, der auf ein verhaltensauffälliges Bienenvolk trifft. Er schreibt nicht als Außenseiter, sondern als Draußenseiter und greift für seine Beschreibungen zum Zynismus als – wie er es ausdrückt – „Hochmut des Unterlegenen“. Solch eine Position außerhalb der wohlmeinenden Gemeinschaft einzunehmen, dürfte den meisten Menschen unendlich schwerfallen und auch Sieferle scheint sich in der Rolle des „Alien“ nicht sonderlich wohlgefühlt zu haben, was ein weiterer Grund dafür sein könnte, dass er in seinem Buch manches anriss, einiges zu beweisen versuchte aber letztlich das meiste als zugegebenermaßen brillante Thesen einfach in den Raum stellte. Leicht macht er es seinem Leser jedenfalls nicht und seine Thesen setzen beim Leser einiges an Kenntnis voraus. Selten musste ich bei der Lektüre so oft auf die fachkundige Hilfe von Wikipedia bauen.

Die Bilder, die der Autor bei oberflächlichem Lesen in den Köpfen entstehen lässt, löst er zwar stets als Gedankenexperimente auf, aber da ist einem der Schrecken schon in die Glieder gefahren und der Beweis von Denkverboten, Selbstzensur, Mythologisierung der Geschichte und Projektion aktueller Probleme in die Vergangenheit ist längst erbracht und der Leser bleibt beschämt zurück. Bücher wie dieses, die den Leser nicht in einer sicheren Welt des Optimismus und einer prinzipiell auf Fortschritt und Verbesserung gerichteten Idee fesseln, sind selten. So schreibt Sieferle: „Die Erfahrung von Differenz wirkt unter den Deutschen skandalös. Sie können es nicht ertragen, wenn es irgendwo anders ist, als bei ihnen selbst. Deshalb werden sie auch die letzten und eifrigsten Anhänger des Projekts der Modernisierung, vielleicht sogar des Projekts Sozialismus sein. Bislang glauben sie noch, es seien grundsätzlich nur Nivellierungen nach oben möglich; vielleicht wird sie eine Wirklichkeit, die nur noch Nivellierungen nach unten gestattet, schließlich eines Besseren belehren?“. Der Autor diagnostiziert in der deutschen Gesellschaft als zentrales Merkmal einen fundamentalen „Sozialdemokratismus“, dem Differenzen aller Art schlicht als unerträglich gelten – eine Diagnose, die ich teile.

Sieferles komprimierte Gedanken injizierten sich dabei wie Soda in das stille Wasser so manches Feuilletonisten, aus denen es deshalb vernehmlich und unversöhnlich blubberte. Doch haben wir nicht gerade „Reformationsjahr“? Waren es nicht 95 Thesen, die Luther an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug? 95 Beweise waren es jedenfalls nicht und mussten es auch nicht sein, weil es eben Thesen waren. Ist es heute verwerflich, eine These in den Raum zu stellen und deren induktiven Beweis oder Gegenbeweis anderen zu überlassen? Demokrits These hielt das Atom für etwas Unteilbares. Der moderne Gegenbeweis schmälert sein Werk keineswegs.

Begriffliche Unschärfen

Wenn es so etwas wie einen „roten Faden“ in „Finis Germania“ gibt, dann ist es Sieferles Urteil über die Liederlichkeit, mit der viele Begriffe und deren Bedeutungen im politischen Alltag behandelt werden und in diesem Punkt stimme ich voll mit ihm überein. So werde beispielsweise „Verantwortung“ heute als etwas deklariert, was man eigenständig abstrakt übernehmen könne, obgleich sich doch gerade dieser Begriff immer auf eine Instanz bezöge, der gegenüber man eine Verantwortung übernähme und zur Rechenschaft verpflichtet sei. Und er legt eines der Grundübel unserer Gesellschaft offen, wenn er feststellt, dass diese Rechenschaftsinstanz der Verantwortung in die Vergangenheit projiziert wird. Ganz so, als würden Millionen Opfer des Nationalsozialismus nur darauf warten, dass ihr Tod nachträglich verhindert würde. Mit der Verantwortung für die gesellschaftlichen Verwerfungen in der Gegenwart gehe man hingegen sehr viel sparsamer um. Hier hätten sich einige Beispiele aus der Gegenwart angeboten, die der Autor aber, vermutlich aus den genannten Gründen, weggelassen hat.

Auschwitz, ein Mythos?

Wenn man schon einige von Sieferles Gedankenexperimenten gefolgt ist und weiß, wie der Autor seine Beweise aufbaut, kann man sich auch dem Kapitel „Der ewige Nazi“ zuwenden. Es braucht fast drei Seiten, bis sich herauskristallisiert, auf was die Argumentation eigentlich hinausläuft. Seiten, auf denen von Schuld, Wahrheit, Rechtfertigung und Tabus die Rede ist. Es wird versucht, ein Gedankengebäude zu zerpflücken, das im Deutschland der Nachkriegszeit zu einem geradezu unerträglichen Sündenstolz geführt hat. Die Diagnose ist richtig und ich möchte ergänzen, dass meine Landsleute diesen Sündenstolz insbesondere in ihrem Umgang mit Israel einfach nicht aus den Köpfen bekommen. Sie bestehen vielmehr darauf, etwas „aus Auschwitz gelernt“ zu haben und können es nicht ertragen, dass die Juden andererseits nicht gewillt sind, brav die ihnen zugewiesene Opferrolle in diesem perversen Lernspiel einzunehmen. Die Deutschen reflektieren die Gräueltaten der Täter und erwarten, dass die Juden mit der Duldsamkeit der Opfer dasselbe tun. Die einzigen, die aus Auschwitz aber wirklich etwas gelernt haben, sind die Juden – wie sie es aller Welt mit der Staatsgründung Israels bewiesen haben.

Zur Sache kommt Sieferle dann auf Seite 66, als er den Begriff der Buße anhand eines religiösen Vergleiches erklärt, zu dem er mehrere Seiten lang ausholte: „Aus der Kollektivschuld der Deutschen, die auf Auschwitz zurückgeht, folgt ebenfalls der Aufruf zur permanenten Buße, doch fehlt in dieser säkularisieren Form der Erbsünde [im Gegensatz zur Erbsünde Adams, Anm. d. Autors] das Element der Gnade und der Liebe vollständig. Der Deutsche ähnelt daher nicht dem Menschen, dessen Schuld durch die Liebe Gottes zwar nicht revidiert, aber kompensiert wird, sondern dem Teufel, dem gestürzten Engel, dessen Schuld niemals vergeben und der für alle Zeiten in der Finsternis verharren wird. Allerdings hat auch der Teufel eine Funktion innerhalb der Ökonomie Gottes. Er bildet die Negativfolie, vor welcher sich die Güte Gottes positiv abheben kann […] Der Deutsche, oder zumindest der Nazi, ist der säkularisierte Teufel einer aufgeklärten Gegenwart.“

Der Beweis ist zugegeben brillant, hinkt aber meiner Meinung nach gewaltig, weil er der Praxis nicht standhält. Das angebliche Nichtvergeben der Nazigräuel kontrastiert nämlich stark mit dem Verhalten der nachgekommenen Generationen von Juden, die im Deutschland von heute längst nicht mehr dasselbe sehen, wie ihre Eltern und Großeltern – oft sogar zurecht. Wo Sieferle aber richtig liegt, ist das Bild von der Negativfolie „Nazi“, vor der heute mangels Größe oder Ideen viele politische Akteure versuchen, sich selbst in einem viel helleren Licht darzustellen, als es ihrer tatsächlichen Bedeutung zukommen würde. Die Diffamierung des politischen Gegners als Rechtsextremist oder Nazi ist da ein probates Mittel. „Man braucht nur post festum ein guter Antifaschist zu sein, und schon ist die eine Hälfte des 20. Jahrhunderts moralisch gebannt“, fasst der Autor fast schon aphoristisch zusammen.

Der Weltmensch

Sieferle sieht einen weltweiten Trend, der sich aus dem seiner Meinung nach allgegenwärtigen Sozialdemokratismus und seiner Intoleranz aller Differenz ergibt. Es handele sich um einen Trend, den niemand bewusst herbeiführt, der nicht zu einem propagierten Ziel, sondern zu einem logischen Ziel führen werde: dem unterschiedslosen Weltbürger, der frei von Individualismen ist, keine Nation oder Ideologie kennt und ebenso austauschbar wie Eigenschaftslos ist. Viele Probleme erledigten sich dadurch wie von selbst. Zum Beispiel würden alle Wanderungsbewegungen auf diesem Planeten enden, weil es sich überall gleichermaßen schlecht leben lässt – denn dass die Gleichmacherei zu einem Zustand führen wird, der sich unter dem heutigen in den entwickelten Industriestaaten befindet, scheint sonnenklar. Der Advocatus Diaboli hat jedoch zwei Völker ausgemacht, die über Eigenschaften und Selbstdefinitionen verfügen, die die Anpassung an das erstrebte Weltbürgertum unmöglich machen und beide sind nach seiner Meinung außerdem schicksalhaft miteinander verbunden: Die Deutschen und das jüdische Volk. Sein Fazit: da die Juden nicht von ihrer Auserwähltheit lassen können und die Deutschen nicht von ihrer Verbrechersingularität, werden beide im Anpassungsprozess notwendigerweise untergehen – finis Germania. Ob die Welt den Weg zum Weltbürgertum, den ihre Eliten eingeschlagen haben, jedoch wirklich blind weitergehen wird, bezweifle ich. Ein Blick auf die Verwerfungen innerhalb der EU, den Brexit oder die Renitenz der osteuropäischen Staaten in Bezug auf gewisse Pläne aus Brüssel und Berlin lassen mich vermuten, dass das Ende der Nationalstaaten, der Nationen, Sprachen und unterschiedlichen Kulturen noch längst nicht ausgemachte Sache ist. Auch hier kann ich die zynisch/pessimistische Sicht Sieferles nicht teilen, wenn ich auch die Mechanismen am Werk sehen, die versuchen, die Menschheit in die Vereinheitlichung und Gleichmachung zu schubsen.

Fazit

Abschließend stellen sich mir vier Fragen, die es zu beantworten gilt. Erstens: war Sieferle ein Antisemit und sein posthumes Werk damit ein antisemitisches? Ich denke, nicht. Es ist aber so voll von Gedankenspielen und befasst sich so intensiv mit tabuisierten Modellen, dass man diesen Eindruck gewinnen kann, wenn man die Gedankengebäude des Autors zu früh empört verlässt. Tut man das nicht, gelangt man in genau die Spiegelwelt, in der Sieferle den Leser haben will, außerhalb des Systems, außerhalb von Verantwortlichkeiten und historischen Betrachtungen. Es ist kalt dort und man mag sich nicht lange in diesen Sphären aufhalten, schon weil die Aussicht auf Deutschland und die Welt von dort deprimierender nicht sein könnte. Dies mag erträglich sein, wenn man wie der zum Tode verurteilte Marquis aus der französischen Legende nur den Weg zum Schafott hin bewältigen muss – der Leser muss aber den Weg zurück auch noch antreten. Zweitens: stand das Buch zurecht auf der Empfehlungsliste für Sachbücher? Auch hier ein klares „Ja“, wobei ein Hinweis auf das unter Punkt eins genannte hilfreicher gewesen wäre, als die aufgeregten Warnhinweise, mit denen sich die Autoren der Liste von Sieferles Buch distanzierten. Drittens: verdient Sieferle die posthume Schmäh und Prügel, mit der das Feuilleton in so großzügig eindeckt? Die Person sicher nicht, denn wer wie er freiwillig und friedlich aus dem Leben scheidet, ist verletzenden Anwürfen entzogen. Dem Autor hingegen ist vorzuwerfen, dass er mit „Finis Germania“ nur ein Fragment abgeliefert hat, mit dessen Ausarbeitung und Interpretation die Nachwelt offensichtlich vollkommen überfordert ist. Und die vierte Frage? Diese sollte eigentlich die einzige sein, die man sich bei einem Buch stellen sollte, dessen Autor um einiges intelligenter, mutiger und sachkundiger ist, als man selbst: Sollte man es lesen, dieses kleine bissige, unbequeme, verstörende, nihilistische Büchlein? Diese Frage kann ich nur mit „Ja“ beantworten.

„Finis Germania“, Rolf Peter Sieferle, Verlag Antaios, isbn 978-3-944422-50-3

Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Vers gebracht!

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Es ist noch nicht mal eine Woche her, dass Hamburg den größten Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik überlebte. Während des G20-Gipfels war das Entsetzen groß und es war nicht sehr schwierig, die Verwüstungen in der Hansestadt den kranken Auswüchsen ganz praktisch einer sehr bestimmten Ideologie zuzurechnen, gerade weil die Täter es in gewissen Hamburger Quartieren leicht hatten, sich in einer indifferenten Masse aus Unterstützern, Tolerierern und Bewunderern zu bewegen, wie der berühmte Mao’sche Fisch im proletarischen Fruchtwasser.

Die Bilder von erschöpften Polizisten, die in Treppenhäusern und Fluren auf dem Boden lagen, um zwischen ihren 30-Stunden-Einsätzen mal eine Mütze Schlaf zu finden, verblassen langsam. Die Anwohner, die diese Polizisten mit Kaffee und Tee versorgten, weil sie genau wussten, wer noch als ultima ratio zwischen ihnen und der Plünderung ihrer Läden und dem Fackeltod ihrer Fahrzeuge stand, die ja „nur Dinge“ waren, pflasterten nach den Straßenkämpfen ihre Gehwege selbst neu und räumten die noch rauchenden Trümmer weg. Doch hinter den vermummten Tätern aus allerlei Herren Länder stehen die freundlich lächelnden Krawatten- und Amtsträger aus gewissen Parteien und Medien, die nun beschwörend die Hände über die Kristallkugeln halten und erschnopern, wer tatsächlich Schuld hat an dem aufgerissenen Asphalt, der als schwärende Wunde Hamburg durchzieht. Die Edeldame Ditfurth schaffte es bereits, einen mit allen Abwässern gewaschenen Polit-Soldaten namens Bosbach mit sticheln, murmeln, fächern und verbalen Fürzen aus dem Maischberger-Ring zu treiben und die TAZ weist ultimum probationem auf den infraroten Unterschied zwischen einem Molotov-Drink und bloßem harmlosen Pyrogeknister hin, um der Polizei nachzuweisen, dass sie sich unverhältnismäßig selbst verteidigt hat – ein Vergehen übrigens, dessen bislang außer der deutsche Polizei nur Israel in totius schuldig werden konnte, weshalb die deutsche Polizei logischerweise nun auch von denselben Friedensfreuden Prügel bezieht, die Israel schon seit Jahren mit Vorwürfen schlagen. Ein Schelm, der da politische Lager selektieren und Unheil kommen sieht.

Lang kann’s nicht mehr dauern, bis die Linke die uneingeschränkte Lufthoheit über den Diskurs wiedererlangt, um dann endlich, als Lehre aus dem Hamburger Feuersturm, eine Lichterkette gegen rechts zu organisieren, bei der Oberbürgermeister Scholz erhobenen Hauptes an erster Stelle laufen wird. Lächelnd, weil ihm am geteerten Rücken die Lunte der (selbst)gerechten Revolution der Ultima Iustitia zu brennen droht.

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
und wer über sein Schicksal wacht,
…dann bin ich um den Vers gebracht!

Einfach mal „Danke“ sagen

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Liebe Polizistinnen und Polizisten, es ist an der Zeit, dass sich die Bürger dieses Landes bei Euch bedanken, was ich hiermit, Stellvertretung anmaßend, einfach mal tun möchte. Danke, dass ihr uns unter Einsatz eurer Gesundheit beschützt, auch wenn eure Arbeit uns kaum 2.000 Euro pro Monat wert ist. Danke, dass ihr Zig-Millionen Überstunden vor euch herschiebt, weil wir euch einfach nicht genügend Kollegen an die Seite stellen wollen. Danke auch, dass ihr trotz mangelhafter Ausrüstung auch dorthin geht, wo es „weh tut“ – und zwar meistens euch selbst. Danke dafür, dass ihr wahlweise die Vorwürfe ertragt, entweder zu hart vorzugehen oder nicht genügend Härte zu zeigen. Danke auch dafür, dass die Presse euch abwechselnd die Schuld für „Polizeistaat“ oder „No-Go-Areas“ zuschieben darf und ihr euch nicht beklagt. Zudem müssen wir euch für die Geduld danken, mit der ihr ausgerechnet die linken Chaoten in Schach zu halten versucht, deren „Skills“ von den Ministerien gefördert und finanziert werden, die euch dann an die Brennpunkte schicken. Abschließend auch noch danke dafür, dass ihr in einer gigantischen Sisyphusarbeit ebensolche Chaoten der Justiz übergebt, welche sie dann meist ungestraft wieder frei und erneut auf euch loslässt. Danke, danke, danke!