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Die Bahn kommt nicht!

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Und es ist mir persönlich komplett wurscht! Ich lebe auf dem platten Land und mein einziger Kontakt zum ÖPNV besteht in einem freundlichen „Hallo“ zu meinem Nachbarn, der als Busfahrer arbeitet. Jeder Ort, den ich nicht zu Fuß erreichen kann oder mangels Zuladekapazität oder Zeit will, wird von mir auf umweltschädliche Weise per Auto oder Flugzeug angesteuert. Solange es gesellschaftlich noch geduldet wird, dass es Menschen wie mich gibt, die weit weg von U-, S- und DieBahn leben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten aber in die große weite Stadt und Welt hinaus müssen, werde ich mich dessen auch nicht schämen. Ich schaffe es, meine Wege per Auto so genau zu timen, dass mir auch Staus, Streiks, Frost, Hagelschlag und Masernepedemieen nicht den Tag vermiesen können – was natürlich nicht bedeutet, dass ich immer und überall pünktlich bin. Wer will das schon!

Trotz der lästigen Fahrerei komme ich immer noch entspannter an als viele meiner Mitmenschen, die sich mit verspäteten Zügen, defekten oder unverständlichen Fahrkartenschaltern, unfreundlichem Bahnpersonal, knappen Umsteigezeiten, Meilen voneinander entfernten Bahnsteigen, undurchsichtigem Preisgefüge, wechselnden Fahrplänen, Schienenersatzverkehr und wahlweise zu kalten oder heißen Waggons herumplagen müssen. Ich bedauere natürlich all die Menschen, die auf die Schiene angewiesen sind, aber die Bahn und ihr streitbarer Chef-Karussellbremser mit seinen Streik-Kapriolen gehen mir links an Gurtschloss und Seitenairbag vorbei.

Gas ist rechts und die Musik so laut wie ich will!
Bahn, GDL: Ihr könnt mich mal!

Die Nachtwölfe und die nicht genutzte Chance

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Putins Biker werden am 9. Mai vermutlich nicht durch Berlin knattern, um der gefallenen Rotarmisten des zweiten Weltkrieges zu gedenken und ihre „Siegesfahrt“ zu krönen. Schade, dabei hätte das ein echter Spaß werden können. Man hat es von russischer Seiten aber auch wirklich ungeschickt vorbereitet: Einfach mal so durch Polen fahren? Wie unsensibel! Warum nicht stattdessen eine gemeinsame Sternfahrt mit einen deutschen Rockerclub nach Warschau um dort des unseligen Hitler-Stalin-Paktes zu gedenken, der den Polen im September 1939 einen überraschenden Zweifrontenkrieg samt anschließender Aufteilung bescherte? Stattdessen wählt man die Route so, dass man unweigerlich an eine Reihe von Dominosteinen denkt, die vor 70 Jahren einer nach dem anderen unter Sowjetische Vorherrschaft gerieten – und es für viele Jahre der „brüderlichen Freundschaft“* auch blieben.

Aber Berlin, diese kirre Stadt, die jeden Trend mitmacht und viele sogar initiiert. Diese Stadt hätte den russischen Rockern, die Orden erhalten weil sie für Putin „Dinge erledigen“, einen warmen Empfang bereiten können. Die Polizei würde Alexander Zaldostanow beim Grenzübertritt auf die Helmpflicht in Deutschland hinweisen und auf deren Einhaltung drängen. Ausreichend Helme werden gestellt, gesponsert und bemalt von der Milka-Schokoladenkuh. Zeitgleich mit dem Eintreffen der Biker in Berlin hätte ein ausgelassenes schwul/lesbisches Stadtfest für den passenden Rahmen gesorgt, Vertreter der christlichen, muslimischen und jüdischen Gemeinden Berlins hätten im vollen Ornat Brot & Salz und Tee aus dem Samowar kredenzt. Man hätte ihnen Quartier machen können im ehemaligen Hauptquartier des KGB in Ostberlin oder auf einem ehemaligen sowjetischen Militärgelände in Brandenburg und BMW-Techniker aus München hätten sich um die Motorräder der Gäste gekümmert. Die TAZ und BZ hätten auf ihren Titelseiten Bilder und O-Töne von Frauen drucken können, die 1945 von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt wurden – inclusive der Zeile „Diese Versöhnungsfahrt von Moskau nach Berlin war eine gute Idee. Berlins Töchter begrüßen Moskaus Söhne“.
Leider überlassen wir es mal wieder dem Staat, eine (un)passende Antwort auf die imperialen Phantasien unseres großen östlichen Nachbarn zu geben. Die Zivilgesellschaft hätte da bessere, schärfere Möglichkeiten. Diese Chance zum Dialog wurde vertan.

* Ein alter Witz aus DDR-Zeiten illustriert diese Brüderlichkeit gut: Ein Russe und ein Deutscher gehen spazieren und finden einen Goldklumpen. „Wir teilen brüderlich“ sagt der Russe. „Nee, wir machen lieber halbe halbe, sagt der Deutsche“.

Teurer Freund und billige Polemik

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Teurer Freund und billige Polemik

Selbst wenn Nachkriegskonferenzen, Gerichtsurteile, freiwilligen Zahlungen, Formulierungstricks und bilateralen Vereinbarungen zwischen Griechenland und Deutschland die Reparationsfrage als erledigt zurücklassen finde ich es geschmacklos, die aktuellen Schulden mit diesen Forderungen zu verknüpfen. Zugegeben: Von Seiten der Bundesregierung hört man derlei Verquickung nicht. Aber die Blogs und Foren hierzulande sind voll mit Gehässigkeiten, die man höchstens oberflächlich nachvollziehen kann. Ich möchte gern etwas tiefer graben und auch unsere griechischen Freunde einladen, etwas genauer hinzusehen.

Die Fakten in Griechenland

Griechenland ist so hoch verschuldet, hat so viele Defizite in Sachen Verwaltung, Finanzen, Investitionen und (ja, auch) Demokratie, dass ein Ausweg ohne völligen Zusammenbruch kaum mehr möglich erscheint. Die deutsche Bevölkerung beobachtet mit einer unangenehmen Mischung aus Staunen, Entsetzen, Häme und Wut, was in Athen vor sich geht. Die griechische Regierung nimmt als Ursache ihrer katastrophalen Lage nicht etwa das jahrzehntelange versagen ihrer Eliten, sondern das Verhalten ihrer Geldgeber EZB, IWF, EU und Deutschlands im Besonderen wahr. Nun hat die Regierung Tsipras eine Expertenkommission aus über 50.000 Seiten historischer Dokumente eine Zahl destillieren lassen: 278 Mdr. Euro schuldet Deutschland angeblich den Griechen. Eine weitere Expertenkommission befasst sich gerade intensiv mit den Ursachen „…der Schuldenkrise von 2009„. Der ersten Kommission sei empfohlen, jetzt nach getaner Arbeit schnellstens die wenigen Seiten der Lagarde-Liste (am besten das Original nochmal anfordern) von 2010 durchzurechnen – dort ist wirklich was zu holen. Der zweiten Kommission wünsche ich viel Erfolg und hoffe, es werden die Ursachen untersucht, wie es zur Krise 2009 kam und nicht, was danach zur Vermeidung eines Kollaps unternommen werden musste und wem man dafür die Schuld in die Schuhe schieben kann. Leider deutet die entsprechende Pressemeldung auf letzteres hin. Wär ja auch noch schöner, wenn Griechenland für die Misere selbst verantwortlich wäre!

Die Fakten in Deutschland

Reparationen sind über viele tausend Jahre üblich gewesen. Der Besiegte zahlt die Zeche, denn Sieger zahlen niemals Reparationen. Rom wurde so zur Supermacht der Antike, Karl der Große verfuhr so mit Sachsen und Langobarden, die Heere Tillys und Wallensteins im dreißigjährigen Krieg und Ludwig der XIV. mit der Pfalz. Dazu kamen dann gern noch Kosten für die Besetzung des besiegten Landes. Spätestens seit dem Versailler Vertrag wissen wir aber, wohin das führen kann. Insbesondere wenn man in die Rechnung noch eine gewisse „Nachhaltigkeit“ einbaut, um dem besiegten Gegner auch in der Zukunft die Luft zum Atmen zu nehmen. Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Sieger klüger. Manche zumindest. Das Ergebnis war jedoch auch, dass Deutschland im Osten große Gebietsverluste hinnehmen musste. Ostpreußen, Pommern und Schlesien gingen an die Sowjetunion und Polen. Die Sowjetunion verzichtete zudem keineswegs auf Reparationen und bediente sich kräftig und langfristig in der DDR.

Kann man das menschliche Leid, den immensen wirtschaftlichen Schaden und den Schaden in den Köpfen der Menschen ermessen, in Zahlen fassen, auf ein Konto überweisen und damit Schuld tilgen? Sicher nicht. Schon deshalb nicht, weil sich Leid kaum in Geld ausdrücken lässt. Haben die Griechen im Krieg gelitten? Ja, erst unter den Italienern, dann in noch größerem Maße unter der deutschen Besatzung. Auch wenn es völkerrechtlich keinen Anspruch auf Reparationen geben mag finde ich die Art und Weise, wie zum Beispiel das auswärtige Amt mit einzelnen Anfragen Überlebender aus Griechenland umging, einfach beschämend! Es stünde uns gut zu Gesicht wenn wir für solche Fälle – eine menschlichere Betrachtungsweise an den Tag legen würden. Zumal Zuwendungen DIREKT an betroffene Menschen gehen würden und nicht dem löchrigen Regierungsapparat Griechenlands in die Hände fallen könnten. Hier gilt: Grieche vor Griechenland! Ich reden hier nicht von Reparationen, sondern von Anerkennung persönlichen, unverschuldeten Leids. Das ist ein großer Unterschied.

Die Büchse der Pandora

Aber sei’s ‚drum, fangen wir mal spaßeshalber dennoch an zu rechnen. Tun wir so, als gingen wir zu Kasse und Deutschland bekommt nun die Quittung für die Gräuel des 70 Jahre zurückliegenden Krieges. Alle warten gespannt auf die Gelder, die nun sprudeln werden. Wir können mit Zins und Zinseszins ordentlich was zusammenphantasieren. Aber ich mache mir die Sache mal etwas einfacher. Gehen wir mal davon aus, die Griechen haben richtig gerechnet, runden die Sache aber der Einfachheit halber auf 250 Mrd. Euro ab. Gehen wir weiterhin davon aus dass der Schaden den Wehrmacht und SS angerichtet haben, in etwa proportional zur Bevölkerungszahl des überfallenen Landes wächst, was bei Griechenland heute ungefähr 10 Millionen Menschen sind, und fangen mal an zu rechnen: Man möge mir verzeihen wenn die folgende Aufzählung nicht vollständig ist. Deutschland stand mit so vielen Ländern im Krieg, dass ich sicher einige vergessen habe. Die größten Posten sind aber die folgenden:

Polen 950, Tschechien 250, Slovakei 125, Serbien 175, Slovenien 50, Griechenland 250, Belgien 275, Niederlande 400, Frankreich 1650, Dänemark 125, Großbritannien 1500, Norwegen 125, Sowjetunion 6250, Libyen 150…alle Angaben in Mrd. Euro.

Macht zusammen:

12.275.000.000.000 Euro

(Zwölfbillionenzweihundertfünfundsiebzigmilliarden)

 

Wer nun glaubt, diese Phantastilliarde wäre vollkommen an den Haaren herbeigezogen, der irrt! Das könnte in etwa die Forderung sein auf die wir uns einstellen können, wenn unsere Bundesregierung auch nur in Erwägung zieht, in dieser Sache mit der griechischen Regierung zu verhandeln. Mit welchem Recht könnten wir anderen Völkern Zahlungen verweigern? Konsequenz: Unsere Insolvenz!

All unsere Verbindlichkeiten können nicht mehr bedient werden, Bundesbank und EZB stehen vor einem riesigen Scherbenhaufen. Unsere Mitgliedsbeiträge zur EU können wir nicht mehr bezahlen und treten aus der EU aus, …eine Kettenreaktion. Wir führen quasi über Nacht die D-Mark als eine Art „Notgeld“ wieder ein, der Euro stürzt ins Bodenlose. Von Krediten am internationalen Finanzmarkt können wir uns erst mal verabschieden, aber unsere 86% Staatsverschuldung sind auch weg. Dank Schäubles „schwarzer Null“ und massiven Eingriffen ist Steuer- und Sozialsysteme kommen wir gerade so klar. Es liegen 15 verdammt harte Jahre vor uns. Vor Griechenland und dem Rest Europas übrigens auch.


 Das Grundproblem unserer Zeit ist nicht, dass wir vergangene Konflikte nicht gründlich genug „abgerechnet“ haben, sondern zukünftige Konflikte nicht sorgfältig genug zu verhindern in der Lage sind.


Wohlverhalten und Schuldenschnitt

In Deutschland gibt es ein Insolvenzrecht für Firmen und Privatpersonen, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Insolvente Firmen (sofern Kapitalgesellschaften) werden meist abgewickelt und deren Masse veräußert, um Gläubiger zu bedienen. Die Gesellschafter stehen je nach Gesellschaftsform in der Haftung und müssen womöglich auch straf- und zivilrechtlich Konsequenzen fürchten. Am Ende ist die Bude zu oder es steht ein anderer Name an der Tür. Einem Land steht dieser Weg nicht offen, schon weil es im eigentlichen Sinne keinen Eigentümer gibt. Eine überschuldete Privatperson hat da andere Möglichkeiten – die allgemeinen Menschenrechte verbieten naturgemäß eine „Abwicklung“, hier geschieht anderes. Zunächst einmal einen Strich unter die ganzen Zahlen, dann ein Blick auf das, was dem an „Masse“ gegenüber steht. Die Masse wird den Gläubigern proportional als Ausgleich angeboten, was diese oft ablehnen.  Die Insolvenz wird festgestellt und nach einer sogenannten Wohlverhaltensphase von mehreren Jahren erfolgt ein Schuldenschnitt. Diese Phase dient dazu festzustellen, dass der Schuldner ein gesundes Gleichgewicht an Einnahmen und Ausgaben erzielen und beibehalten kann. Bei Staaten ist es etwas komplizierter. Wer sich zum Beispiel an Institutionen wie den IWF um Hilfe wendet muss wissen, dass denen bei der Rückzahlung der Kredite die wirtschaftliche Lage des Nehmerlandes komplett wurscht ist. Zahltag ist Zahltag. Der IWF hat deshalb in etwa den Ruf einer der Kreditfirmen, von denen man Nachrichten der Art „Kredit ohne Schufa“ im Spam-Ordner findet.

Im Prinzip ist in Griechenlands folgendes passiert: 2010 wurden Griechenlands Kredite so gestellt, dass sie sich mit den Hilfszahlungen aus den Rettungsfonds bedienen lassen. Alles was darüber hinaus ging, wurde gekappt. Haircut nannte man das. Es fand außerdem eine Umlagerung der Risiken statt, indem die Kredite aus privater in öffentliche Hand gelangten. Das Risiko des Ausfalls tragen nun größtenteils die europäischen Steuerzahler. Für Griechenland hat das nur Vorteile: Denn Staatsanleihen z. B. in den Händen eines gewissen Herrn Paul Singer wären ein unkalkulierbares Risiko (siehe aktuell Argentinien). Was nun von Griechenland erwartet wurde war nichts anderes als eine mehrjährige Wohlverhaltensphase. Griechenland sollte sich selbst finanzieren und musste dazu genau die Maßnahmen ergreifen, auf die wir alle noch immer vergeblich warten. Ich wette darauf, nach sechs bis acht Jahren hätte man dann einen schrittweisen Schuldenschnitt durchgezogen. Still und leise. Aber einen Schuldenschnitt kann es immer erst NACH der Wohlverhaltensphase geben! Die aktuelle griechische Regierung hätte es gern anders herum, worauf sich die Gläubiger nicht einlassen wollen.

Was machte die „Troika“ nur für Sachen

Ich bin von Natur aus zwar Pessimist, glaube aber auch, dass es auf dieser Welt nur wenige Menschen gibt die morgens mit dem Ziel aufstehen, anderen Menschen möglichst umfassend zu schaden. In Griechenland sind nach meiner Meinung also nicht irgendwelche Revolvertypen mit bösem Blick einmarschiert, die nur mit einem Knurren Fetakäse zum schmelzen bringen, sondern Brüsseler Bürokraten. Wie funktionieren solche Typen? Ganz einfach: Wie in einem Uhrwerk. Formell, eingebettet zwischen Input und Output. Quasi als Über- oder Untersetzung dessen, was an ihnen dreht. Tsipras wirft der Troika vor, u. a. das Gesundheitssystem zerstört zu haben, vergreift sich aber heute selbst an den Reserven der Renten- und Krankenversicherungen – soviel Chutzpe muss man erst mal aufbringen!

Die Griechischen Regierungen kooperieren seit 2010 mit ihren Gläubigern in etwa mit solcher Verve wie ein chronischer Messi, dem Frau Saubermann etwas über den Sinn des Putzen erzählt. Man lässt sich nur ungern in die Karten schauen und beim Geld ausgeben stören. Die griechische Verwaltung: Aufgebläht, teuer und ineffizient. Die griechische Armee: Modern und bis an die Zähne bewaffnet – und ähnlich wie Deutschland von Nato-Partnern umzingelt. Die Lohnstückkosten sind im europäischen Vergleich seit 1995 nirgends so stark gestiegen wie in Griechenland. All diese geliebten Schafe mag man aber nicht scheren. Also präsentierte man den Brüsseler Bürokraten die Sozialsysteme zum verbeißen und zeigt dann mit Tränen in den Augen auf die Bisswunden – und nun sind da auch noch die 70 Jahre alten Wunden darunter wieder zum Vorschein gekommen.

Alles in einen Topf, alles auf eine Karte. Man verlangt Solidarität von Europa, verrät Europa aber beim Schachern mit Russland. In Moskau beschwört man orthodoxe Gemeinsamkeiten und Wurzeln und spielt die Hitler-Karte (das ist immer der schwarze Peter, falls jemand das Spiel nicht kennt), hat aber keine Skrupel, damit zeitgleich den ebenfalls orthodoxen Bruder Ukraine feige zu verraten. Man stelle sich vor, vor 2500 Jahren hätte Athen die Spartaner an die Perser verkauft. Für ein paar Schuldscheine und etwas Gas. So etwa fühlt sich das an. Wiege der Demokratie? Am Arsch! Man empört sich darüber, dass die internationalen Partner den Kurs der neuen Regierung in Athen kritisieren, verweist gern auf den demokratischen Akt der Wahl und die Umsetzung von „Volkes Wille“ und wirft sich im nächsten Augenblick in die Arme eines autokratischen Staates, der sich mit schöner Regelmäßigkeit am Staatsgebiet seiner Nachbarn bedient. Wie eng der Horizont der griechischen Regierung wurde, wie einseitig ihre Forderungen nach Solidarität sind, ist erschreckend.

Die Stunde der Demagogen

Immer wenn die Not am größten ist, wenn es scheinbar keinen Ausweg aus einer verfahrenen Situation gibt, schlägt die Stunde für die Demagogen. Viele Menschen gehen deren Versprechungen auf den Leim, selbst wenn sie bereits ahnen, dass im Wahlkampf nur Luft bewegt wurde. Die Regierung Tsipras agiert ganz so, als hätte sie mit den Vorgängen der letzten 20 – 30 Jahre nicht das geringste zu tun, als sei Griechenland jetzt per Votum ein neues, besseres, anderes Land! Das mag auf das neue Führungspersonal formal zutreffen, aber alles leugnen hilft nicht: Es handelt sich immer noch um dasselbe Land mit denselben Problemen und denselben Ursachen.

Mein Eindruck von Griechenland im Jahr 2015 ist der, dass um das ganze Land herum ein gewaltiges „Reality distorting field“ entstanden ist, welches weder der aktuellen Regierung noch der Mehrheit der Bevölkerung erlaubt, Tatsachen zu erkennen, zu akzeptieren und zu ändern. Steve Jobs sagte man ein solches Feld nach. Ihm ermöglichte es, verbissen an Projekten festzuhalten und einen geradezu übermenschlichen Perfektionismus zu entwickeln. Griechenland lässt dieses Kraftfeld in einer Opferhaltung erstarren. Gestern stand Griechenland schon am Abgrund. Ich fürchte, heute ist man schon einen Schritt weiter.

So ist es um die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands bestellt
So ist es um die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands bestellt

Flüchtlingsgeschichten

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Flüchtlingsgeschichten

Es war einmal eine Mutter. Unschuldig am vergangenen Krieg, ihr Mann in eben diesem Krieg gefallen, flieht sie mit ihren drei kleinen Töchtern (5-10 Jahre alt) aus ihrer Heimat, als diese von der siegreichen Seite besetzt wurde. Sicher, ihr eigenes Land hat den Krieg begonnen – aber sie selbst war an der Entscheidung, die Nachbarvölker zu überfallen sicher nicht beteiligt. Alles Futsch, alles kaputt! Entwurzelt, verzweifelt, zu Fuß auf der Flucht. Nun wachsen die Töchter nach dem frühen Tod der Mutter in der Fremde heran. Allein, ohne Eltern, immer noch entwurzelt. In ihrer neuen Heimat spricht man wenigstens ihre Sprache, auch wenn der eigene Dialekt ein wenig befremdlich wirkt. Aber es mussten ja alle von dort fliehen und eine neue Heimat finden. Einige zogen 100 Kilometer, andere 1000 Kilometer oder weiter. Die Töchter werden größer und gründen Familien. Sie…

Stopp!

Ich muss gestehen, es handelt sich um ZWEI Geschichten, die nur bis hierher gleich abliefen. Ab jetzt muss ich die Geschichte, die sich auf der Welt in vielen tausend Jahren millionenfach immer wieder ereignet hat, anhand von zwei Beispielen weiter erzählen.

Erstes Beispiel: Mein eigenes

Es war meine Großmutter die wie oben beschrieben 1945 aus Pommern vertrieben wurde. Meine Mutter, eine ihrer drei Töchter, gründete wie ihre Schwestern in Deutschland eine Familie. Dass ich in der zweiten Nachkriegsgeneration ein Flüchtlingskind sein könnte, kann mir nur einfallen, wenn ich das zweite Beispiel weiter unten als Parallele betrachte. Im Gegensatz zu einigen nostalgisch-revanchistischen „Vertriebenen“, mit denen ich mich nicht im selben Raum befinden möchte, nenne ich Pommern heute nicht meine Heimat. Pommern ist Teil Polens. Ich bezeichne den Ort als Heimat, an dem ich aufgewachsen bin – und nicht etwa Stettin, den Geburtsort meiner Mutter. Das Ende der Geschichte lautet also im Fall meiner Familie: …wurden in ihrer neuen Heimat sesshaft und leben ihr Leben, froh, mit selbigem davon gekommen zu sein. 

Zweites Beispiel: Ein arabischer Palästinenser nach der Vertreibung aus Israel

Hier geht es häufig so weiter:…kommen aus ihrer provisorischen Situation als Flüchtlinge einfach nicht heraus. Viele leben mittlerweile in dritter und vierter Generation als „Geduldete“ in prekären Situationen und Lagern im Libanon, Jordanien und anderswo. Ihre Anführer bestehen immer noch darauf, in ihre frühere Heimat zurückkehren zu können.

Das Trauma der Großeltern wird so zur Erbkrankheit der Enkel. Natürlich gibt es Ausnahmen.

Woran liegt das, wer will das und warum?

Die UNO hat für die Probleme der Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt eine Organisation geschaffen, um sich um deren Belange zu kümmern: Das UNHCR. Eine Organisation? Nein, ein kleiner Teil der Araber im Osten des Mittelmeeres hat eine weitere, eigene UN-Organisation erhalten, die sich nur um dessen Belange kümmert. Das UNRWA! Es ist geradezu eine Industrie entstanden, die sich mit Hilfen für die vertriebenen Palästinenser befasst. Jedes Jahr fließen Millionen und Milliarden Dollar und Euro nur zu dem einen Zweck: Die Situation der Flüchtlinge zu konservieren. Es geht hier in keiner Sekunde um die betroffenen Palästinenser, deren Schicksal zementiert wird, um als moralische Waffe verwendet zu werden. Es geht einzig allein darum, Israel zu diskreditieren. Die politische Agenda der arabischen Welt wird auf dem Rücken der arabischen Palästinenser ausgetragen, deren Elend gehegt und gepflegt wird. Nicht FÜR Palästina sondern GEGEN Israel ist diese Politik gerichtet. Nun wird man sich vielleicht fragen, warum Europa und die USA da mitmachen. Ganz einfach: Wir zahlen Schutzgeld! Es käme eben nicht gut an wenn man in Saudi-Arabien mit dem Finger auf uns zeigen könnte um zu sagen „sie helfen euch nicht“. Womöglich kämen die Palästinenser dann ja auf die Idee, sich die Hilfe hier direkt abzuholen. Das möchten wir natürlich nicht, so wie es jetzt ist, ist es viel bequemer. Es ist auch viel leichter, auf einer Anti-Israel-Demo „Kindermörder Israel“ zu rufen, als zu Hause ein paar palästinensische Flüchtlinge aufzunehmen. Es ist auch viel gesünder, die israelische Politik oder die jüdische Religion für das Versagen der arabischen Nachbarstaaten verantwortlich zu machen. Noch nie hat hier in Europa ein Rabbi, der die Beschuldigungen nicht mehr ertragen konnte, zur Waffe gegriffen – europäische Muslime hingegen, die in ihrem ganzen Leben noch nie in Israel waren und über dieses Land NICHTS wissen…von solchen hat man allerdings mehr als nur „gehört“. Die möchte man dann lieber nicht in seiner Nähe haben. Wer kann schon sagen, was diese noch alles nicht ertragen können.

Gedankenspiel

Irgendwo zwischen Neubrandenburg und Greifswald sitzen sie nun alle fest. Die Nachkommen all der Flüchtlinge aus Pommern, Schlesien und Ostpreußen. Mittlerweile sind es 10 Millionen geworden und die Lager, in denen sie hausen werden vom „UNHOP“ mit Hilfsgütern und Lebensmitteln versorgt. Heimlich unterstützen bayerische und niedersächsische Firmen und Privatleute sowie Deutschland, Österreich und Luxemburg die Freischärler der „POMMAS“, der revolutionär protestantischen Untergrundbewegung, deren Satzung das polnische Besatzungsregime in Pommern bekämpft, Anschläge in Danzig und Stettin begeht und permanent Raketen nach Polen abfeuert. Man verlangt ein Rückkehrrecht aller Pommern und wird nicht eher Ruhe geben, bis die Polen in die Ostsee getrieben wurden. Überhaupt, Polen! Sie mögen im zweiten Weltkrieg Opfer gewesen sein, nun sind sie Besatzer und Täter…

Klingt absurd, ist es zum Glück auch!

Schon deshalb weil man sich kaum vorstellen kann, dass in Deutschland nach 1945 die Religion über den Pragmatismus die Oberhand erlangt und man sich unter Missachtung des Wohlergehens der eigenen Kinder und Enkel in einen absurden „heiligen Krieg“ stürzen könnte.

Aber im Fall der Palästinenser lässt sich die Weltöffentlichkeit seit vielen Jahren an der Nase herum führen. In Wirklichkeit geht es nämlich nicht um Siedlungen und nicht um die Gründung eines palästinensischen Staates. Es geht immer um Israel, diesen winzigen Staat der seit 1948 existiert und es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Bürger zu schützen – ganz gleich welche Religion diese haben. Es geht um einen Staat mit Infrastruktur, Bildungswesen, Kunst, Literatur, Wissenschaft, Industrie, Verwaltung und zivilem Leben, der existiert und FUNKTIONIERT! Das ist weit mehr als all die Nachbarn in den vergangenen 100 Jahren zustande bekommen haben. Dieses kleine Land, dessen Gründungsidee sich als tragfähig erwiesen hat und in dem sich – einmalig in der Region – eine funktionierende Demokratie durchsetzen konnte brennt als Beispiel so tief in den Gedanken der islamistischen Nachbarn, dass sie es kaum ertragen können.

Den Kreislauf durchbrechen?

Was muss passieren, damit die Palästinenser aus Beispiel zwei endlich ein normales, selbstbestimmtes Leben führen können? Vielleicht sollten sich die Geldgeber (auch die heimlichen) an einen Tisch setzen und dann verkünden, dass es in zehn Jahren keine Direkthilfen mehr geben wird. Das UNRWA wird binnen 3 Jahren aufgelöst und die Geschicke der Palästinenser werden in ihre eigenen Hände und die der Gastländer gelegt, in denen sie schon seit 40 Jahren und länger wohnen. Die letzte Aufgabe der UNRWA wird es sein das zu tun, was das UNHCR seit Jahren macht: Hilfe bei dauerhafter Ansiedlung, Ausbildung und Jobsuche zu geben. Es lebt sich nämlich leichter, wenn man nicht als Spielball fremder Interessen ewig Flüchtling sein muss. Da das Geld dann langsam knapp wird, werden die Kämpfer der Hamas und Fatah vielleicht überlegen ob ein leerer Bauch gern kämpft und endlich in der Realität ankommen. In dieser Realität wird Israel immer noch Strom und Gas liefern, palästinensische Arbeitskräfte brauchen und Produkte kaufen und verkaufen. Es heißt dann, die Trümmer aus 60 Jahren verbohrter Ideologie und sinnlosen Kriegen wegräumen. Erst dann wird es die Möglichkeit geben, dass der Großvater seinen Urenkeln das Haus in Haifa zeigen kann, in dem er mal zur Welt kam – so wie ich mir das Geburtshaus meiner Mutter in Stettin ansehen kann. Ohne Groll, ohne Zorn, ohne Schuldzuweisungen, ohne Besitzansprüche. Ein Rückkehrrecht wird dann bedeutungslos sein.

Das ist leider nur eine Phantasie, das wird nie passieren. Die Regime in Syrien, Iran, Saudi-Arabien und anderswo BRAUCHEN den Nahost-Konflikt genauso wie er ist. Man stelle sich vor, eine Seite gewönne! Ein „Großpalästina“, das plötzlich nicht mehr kämpft und sich nicht mehr nur über seine Feindschaft zu Israel definieren kann. Ein religiöser Staat, der womöglich allein mit solch profanen Dingen wie Straßenbau, Bildung und Gesundheitswesen fertig werden muss… Oder im anderen Fall ein palästinensisches Volk, das seinen Frieden mit Israel macht und dort friedlich GEMEINSAM mit Juden lebt! So oder so eine Katastrophe für die Islamisten! Ersteren Fall konnte man gerade in Ägypten beobachten, wo die frei gewählten Muslimbrüder ihr sowieso schon kaputtes Land beinahe vollständig gegen die Wand gefahren hätten. Im zweiten Fall müssten sich die Despoten in Teheran oder Riad fragen lassen, warum sie den Konflikt all die Jahre mit solcher Hybris geschürt hatten und wie es sein kann, dass Israel eben doch nicht die Vernichtung der Palästinenser betreibt. Also hält man den Konflikt lieber am kochen – und die Flüchtlinge sowie deren „Rückkehrrecht“ sind ein wichtiger Bestandteil des Rezepts.

Haifa und Jerusalem gehören zu Israel, genauso wie Stettin und Danzig zu Polen gehören. Eine Rückkehr wird es hier wie da nicht geben. Punkt. Die Aufgabe der Palästinenser für die nächsten Jahre und Jahrzehnte wird es also sein, von der Speisekarte der arabischen Nachbarn auf deren Gästeliste zu kommen. Mit der Hamas wird das nicht gehen weil deren Souverän nicht das palästinensische Volk ist, sondern die geistigen Brandstifter z. B. in Teheran.

Als am 14. Mai 1948 Israel gegründet wurde und von seinen Nachbarn sofort mit Krieg überzogen wurde, beeilte man sich in diesen Ländern umgehend damit, jüdische Landsleute zu enteignen und zu vertreiben. Es ist bezeichnend, dass diese Menschen in Israel (und manche in Europa) eine neue Heimat fanden. Es wird Zeit, das dies auch für die arabischen Palästinenser in ihren neuen Heimatländern gilt. Lebt endlich euer Leben und nehmt euer Schicksal in eurer neuen Heimat selbst in die Hand. Und jagt zum Teufel, wer euer Elend konservieren will!