Ein Jahr Trump – das Feuilleton berichtet aus dem Lande Mordor

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Die ARD und das Erbe Karl-Eduard von Schnitzlers

Es muss in der DDR Menschen gegeben haben, die glaubten, dass Sendungen wie „Der schwarze Kanal“ tatsächlich funktionieren. Sonst hätte man dem „Sudel-Ede“ nicht gestattet, jahrzehntelang Woche für Woche über die Mattscheibe zu flimmern. Ausgestattet mit einer Brille, die die Probleme des „Klassenfeindes“ größer, Edes Augen für den Zuschauer aber wie die eines Maulwurfes erscheinen ließ, wühlte er sich wie Gopher durch seine Wortgirlanden, die er an seinem überlegenen moralischen Partei-Standpunkt festgezurrt hatte. Hate-Speech war das natürlich nicht, weil Hass auf den „Klassenfeind“ zum antrainierten Betriebssystem des „klassenbewussten DDR-Bürgers“ gehörte, oder zumindest gehören sollte. Zweck war es natürlich, die permanent Westfernsehen schauenden Arbeiterparadiesbewohner nicht mit der Meinungsbildung allein zu lassen, weshalb Schnitzler die Fäden so zog, dass sie auf eine verdrehte und verfälschte Art Sinn ergeben konnten. Natürlich nur, wenn man ihm glaubte, was jedoch nur die wenigsten taten. Eine Lüge hier, eine Auslassung dort, noch ein günstiger Schnitt – schon war die Propaganda gemessen an ihren DDR-Möglichkeiten perfekt. Das ist vorbei, dachte ich. Solche offensichtliche Staatspropaganda könnte es heute nicht mehr geben, dachte ich. Doch ich lag falsch. Der schwarze Kanal feiert in der ARD seine Auferstehung in berichten über Präsident Trump. weiter lesen

Die Bundeswehr und ihr Problem, eine Armee zu sein

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Jahr für Jahr findet im Bundestag ein gut eingeübtes Ritual statt: die Debatte um die Verlängerung der Mandate der diversen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Die Regierung unterstreicht bei dieser Gelegenheit die bedeutende Rolle, welche die deutschen Soldaten in Mali, Afghanistan oder Kleinpusemuckel bei der Erhaltung des Friedens, dem Bau von Schulen oder dem bohren von Brunnen spielten. Die Opposition hingegen verweist auf unsere ach so friedliche Welt, möchte den Verteidigungshaushalt am liebsten auf das Niveau der Vereinskasse des Schützenvereins Wolfratshausen herunterschmurgeln und aus der Nato austreten. Am besten sofort. Übers Jahr verteilt kommen zahlreiche Anfragen und Presseberichte zu den verschiedenen ambitionierten Rüstungsprojekten, bei denen Geld verbrannt wird wie bei einem ganzjährigen Osterfeuer, zu dem Schluss: mit dieser Armee, diesem Verteidigungsministerium und dieser planlosen Politik ist kein Staat zu machen. Das Problem ist, dass unsere Verbündeten das genauso sehen. weiter lesen

Integration in Deutschland: Migration mit Kalkül statt Flucht auf Raten

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Screenshot KiKa, Malvina und Diaa und die umgekehrte IntegrationEs ist kein Zufall, dass ausgerechnet der gemeinsame Spartenkanal von ARD und ZDF mit der Zielgruppe „Kids“, KiKA, Ende November und erneut am 7.1.2018 eine Dokumentation über eine arabisch-deutsche Liebesbeziehung zeigte. Integration ist schließlich ein Thema, das man in die Hirne pflanzen muss, solange sie noch weich sind und das deutsche Bezahlfernsehen ist dem nicht ergebnisoffenen Multikultigesäusel herzlich zugetan. Formate, die sich an Kinder und Jugendliche wenden, fallen in Deutschland zudem seit Jahren durch ungenierte erzieherische Indoktrination auf – man denke nur an die zahlreichen unsäglich bevormundenden Artikel im Kinderspiegel „bento“. KiKA erzählt in der Doku die Liebesgeschichte der 16-jährigen Deutschen Malvina und des Syrers Diaa, dessen Alter mit 17 angegeben wird. Hoffen wir, dass nie ein Gericht diese Angabe überprüfen muss und ich mit meiner eigenen Schätzung zu hoch liege. Abgesehen von der „Bravo love-story“, die uns hier verkauft wird, wirft der Film unabsichtlich unangenehme Schlaglichter auf einige der fundamentalen Probleme solcher Beziehungen einerseits und des grundlegenden kulturellen Missverständnisses andererseits auf. Denn Diaa macht klar – dafür reicht sein brüchiges Deutsch locker aus – dass er seine Kultur und Religion für nicht verhandelbar hält – in meinen Augen ein Hinweis darauf, dass sein Aufenthalt in Deutschland nichts mit Flucht zu tun hat. weiter lesen

Problem-Söhnchen Mannheims – Kriminalität und Migrationsforschung

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Der Oberbürgermeister von Mannheim hat einen Brief geschrieben. Einen Brief, der zur Kategorie „Notruf Rütli-Schule“ gezählt werden darf, spricht er darin doch von unhaltbaren Zuständen und sogar von Staatsversagen wegen Kriminalität in der Kurpfälzischen Idylle. Der SWR berichtete mit Studiogast und Reportagen vom Mannheimer “Ground Zero” in der Sendung „Zur Sache! Baden-Württemberg“ am 7.12.2017 über den Brief und das, was den Bürgermeister ans Schreiben brachte. Was war geschehen? Die Stadt hat ein „Großes Problem“ mit einer Gruppe minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge, welche die Stadt offenbar durch diverse gut eingeübte Techniken des Eigentum-Transfers bereichern. Die Stadt Mannheim wird um eine Kulturtechnik bereichert, sich selbst bereichern die Buben materiell durch das klauen von Handtaschen, besonders gern aus Fahrradkörben, und andere lustige Streiche. weiter lesen

Opportunismus – der Pfadfinderverein und die Abzeichenprüfung

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Dies ist ein freies Land, so heißt es. Man kann verklagen wen man will und aus welchem Grund auch immer. Etwas anders ist es mit Delikten, die das Auftreten eines Staatsanwaltes erfordern, hier muss man, falls die Staatsanwaltschaft nicht von sich aus aktiv wird, in gewisser Weise um Prüfung bitten. Dies tat auch Bettina Jung, die Vorsitzende der Partei ETHIA, in diesem Fall bezüglich ihres Verdachts auf Volksverhetzung wegen Äußerungen der AfD-Frontfrauen von Storch und Weidel auf Twitter. Diese hatten der Polizei nach deren Neujahrs-Gruß auf Arabisch einige freche Fragen nach Präferenz und Dienstsprache gestellt, was wohl nicht jedem gefallen hat. Gut, sei’s drum, Opportunismus ist erlaubt in einem freien Land und wer vorlaut ist, findet sich eben mitunter vor Gericht wieder. Unsere Gerichte haben ja auch viel Zeit für sowas. weiter lesen

Ein mittelalter Mann und das Medienmeer – eine Blogger-Zwischenbilanz

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Mein drittes Bloggerjahr ist vorüber und deshalb ist es Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen. Fast 250 Artikel sind es bislang insgesamt geworden und allein in diesem Jahr haben sich täglich 1.000 oder manchmal auch fast 10.000 Besucher die Mühe gemacht, mein Blog zu besuchen. Fast 500.000 Seiten wurden 2017 aufgerufen. Es gibt Lokalzeitungen, die sind schlechter dran! Das macht mich ein klein wenig stolz auf meine Leser, die zudem immer wieder kommen. Die meisten meiner Artikel erscheinen ja auch auf Achgut, wo sie sogar noch größere Aufmerksamkeit erfahren – auch dafür: Danke. Aber dies hier, dieses Schiffchen „unbesorgt“, ist eben meine digitale Heimat, auf der ich selbst dann noch ungestört senden kann, wenn Facebook oder Twitter mit ihrer Zensur so weitermachen. Sehe ich mir die „Gründe“ an, aus denen Freunde und Autorenkollegen gesperrt wurden, kann es bei mir auch längst einen solchen NetzDG-Trigger in der Timeline geben. Bei Facebook ist man heute ganz in Heikos Hand und noch nicht gesperrt wurde nur, wer noch nicht ausgiebig geprüft wurde oder nichts zu sagen hat. Ich hoffe dann also auf Ersteres. weiter lesen

Kandel und kein Wandel – Kulturrelativismus auf dem Vormarsch

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Es wäre zynisch und unangemessen, einen direkten Bezug zwischen dem Mord an einem 15-jährigen Mädchen in Kandel mit einigen politisch-kulturellen Aktivitäten im selben Landkreis herzustellen. Oder etwa doch nicht? Die positive Stimmung, die von den verantwortlichen Politikern dort gegenüber „Asylbegehrenden und Flüchtlingen“ gefördert und herbeigeschrieben wurde, basiert jedenfalls nachweislich auf dem Grundübel der Selbstverleugnung, das wie ein Hefeteig dick und dämpfend über dem ganzen Land liegt: dem mittlerweile institutionalisierten Kulturrelativismus. weiter lesen

Das Schlimmste erwarten, das Beste hoffen – Steinmeier spricht über Deutschland

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Zweimal im Jahr beglücken uns unsere höchsten Politlenker mit einem großen Löffel Baldrian. Den Löffel zum Fest verabreicht uns traditionell der Bundespräsident bei seiner Weihnachtsansprache, für die Dosis der Kanzlerin müssen wir uns noch bis Neujahr gedulden. Waren die Ansprachen des Pastors Gauck noch Satzgebäude, die reich an klebrigem Pathos und vor allem Substantiven waren, baut Steinmeier seine Wortgirlanden vor allem aus dem liebsten Bestandteil des modernen Politsprech, der Floskel. Das tut er natürlich mit Bedacht, denn er hofft, so die Halbwertzeit seiner inhaltsleeren Rede zu verlängern. Wo keine Inhalte sind, können sie auch nicht verloren gehen. Legt man die Weihnachtsansprache jedoch neben andere Meldungen vom Tage, bekommt die präsidiale Absicht einen Dreh in Richtung Irrsinn. Wenn Steinmeier sagt, „Wir leben in einer Zeit, die uns beständig mit Unerwartetem konfrontiert“ wird die 16-jährige aus Darmstadt ihrem Präsidenten sicher begeistert zustimmen – wurde sie doch ziemlich unerwartet von ihrem 17-jährigen Ex-Freund, einem Flüchtling, niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Vorfälle wie dieser könnten allein im Dezember einen ganzen Adventskalender füllen, sofern man sich die Mühe macht, den Elfenbeinturm von SZ, Spiegel, Zeit und Taz zu verlassen, um in den ausgetrockneten Sümpfen der Lokalpresse Türchen zu öffnen. weiter lesen

Parlamentarismus in London – Opportunismus in Berlin

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Die deutsche Medienlandschaft ist derzeit führerlos, ihr fehlt die offizielle Regierungsagenda, an der entlang sie senden und schreiben könnte. Stattdessen kapriziert man sich immer auf’s neue auf die drei Eckthemen, die noch unter der letzten Regierung zur gemeinschaftlichen Züchtigung freigegeben wurden: Trump, AfD und Brexit. Das geht immer, da machst nix falsch – und ausgerechnet die Macht des demokratischen Parlamentarismus kommt in dieser Art der politischen Betrachtung leider nicht gut weg. weiter lesen

Jerusalem und die Angst des Westens vor einer alten Bedrohung

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Die Ankündigung Trumps, er wolle die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen, ist seit vielen Jahren der erste tatsächliche Schritt, den irgendwer auf dieser Welt im Nahostkonflikt unternimmt. Auf der ganzen Welt wird nun gejammert, dies würde den Friedensprozess beenden (als stünde dieser kurz vor dem Durchbruch) und man zittert vor der Ankündigung, es würden nun „Tage des Zorns“ folgen (als gäbe es andere Tage für Fatah und Hamas). Von welchem Friedensprozess wird denn da gefaselt und wie bitte soll man einem Jahr, das bereits 365 zornige Tage hat, noch weitere hinzufügen? Geht es wirklich um die Verlegung der US-Botschaft? Warum demonstrieren Hamas und Fatah dann nicht vor US-Einrichtungen und rufen stattdessen zum Generalstreik gegen Israel auf und wen interessiert eigentlich, was eine Terror-Organisation wie die Hamas für richtig oder falsch hält? weiter lesen

Neues vom Märchenonkel aus Kiel – Kohleausstieg und Mojib im Glück

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Schlechten Argumenten begegnet man am besten dadurch, dass man ihre Darlegung nicht stört – diese Regel beherzigend machte Mojib „Kein Schnee mehr in Deutschland“ Latif, der Vorsitzende des „Deutschen Klimakonsortiums“ (ein schöner Begriff, weil man die Beteiligten eines Konsortiums als „Konsorten“ bezeichnen darf), bei SPON deutlich, wohin die Reise in Deutschland gehen müsse. Und zwar schnell! Abschalten, abschalten, sofort alle abschalten – er meint natürlich die Braunkohlekraftwerke. Der gute Ruf Deutschlands als Vorreiter in Sachen Klimaschutz stehe auf dem Spiel! Dass Klimaschützer ihre Agenda für alternativlos richtig halten, stellen sie ja immer wieder gern unter Beweis. Es lohnt sich allerdings, immer wieder sehr genau hinzuhören, wenn einer ihrer umtriebigsten Propheten – und als solcher ist Latif dauerhafter Talkshow-Gast – die Schritte und Maßnahmen beschreibt, mit denen der Wandel in der Gesellschaft vollzogen werden soll. Also, halten sie sich gut fest! weiter lesen

Keine Minderheitsregierung, weil Deutschland wichtiger als Dänemark ist?

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Die reflexhafte Abwehr fast aller CDU-Politiker, sobald die Sprache auf die Möglichkeit einer Minderheitsregierung kommt, geht mir gewaltig auf die Nerven! Jeder freche Frager wird mit einer Antwort abgespeist, in der alle Argumente, die eigentlich genau für eine solche Minderheitsregierung sprechen, zu einem „unmöglich“ erstarrt sind. Nachfragen unerwünscht. Wer Erklärungen fordert, hätte einfach den Ernst der Lage nicht begriffen. Da ist zunächst der Hinweis auf die Niederlande oder Skandinavien – besonders gern Dänemark – wo so etwas ja vielleicht recht gut funktionieren mag. Hier holen Abwehrspieler der Union wie Klöckner und Laschet gern zu einer Erklärung aus, die, nimmt man sie wörtlich, vor Arroganz nur so trieft: Deutschland sei zu groß und zu wichtig für sowas und brauche stattdessen eine stabile Regierung! Da stecken Selbstlob und Größenwahn in hoher Dosierung drin! Pech für das kleine Dänemark, das sich solche Regierungsspielchen eben nur leisten kann, weil es nicht so wichtig sei und Stabilität in der dänischen Regierung keine so große Rolle spiele. Deutschland hingegen habe Weltverantwortung und sei wichtig, wichtig, wichtig! Für Europa, für die Welt, für’s Ego! Heißt es nicht immer, diese Art völkischer Standesdünkel und „Germany first“ sei eine Domäne der AfD? Es ist aber egal, wie man es formuliert, es bleibt gerade in Bezug auf die EU kompletter Kokolores. Dort, wo in der EU Einstimmigkeit gefordert ist, ist Dänemark so wichtig wie jedes andere Mitgliedsland. Wo es diese Einstimmigkeit nicht braucht, muss sich Deutschland wie jeder andere Akteur Mehrheiten suchen, in Dänemark zum Beispiel. Dänemark hat es im Unterschied zu Deutschland bisher hinbekommen, ein einigermaßen friedliches Zusammenleben im eigenen Land sicherzustellen, wie gerade jeder sehen kann: Nicht das „Lego“-Mutterland Dänemark, sondern Deutschland stellt seine Innenstädte in der Vorweihnachtszeit mit Beton-Legos zu – aus Gründen übrigens, die in einer parlamentarisch gut kontrollierten Minderheitsregierung wohl niemals entstanden wären. weiter lesen

Mit Speck fängt man Mäuse, mit Mäusen den Wettbewerb

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Dass alle Dinge und Dienste im marktwirtschaftlichen Wettbewerb prinzipiell, überall und immer viel zu teuer seien, ist eine Binsenweisheit und Grundeinstellung von Verbrauchern, und das ist auch richtig so. Und wenn die Theorie in der Praxis nicht durch Marktabsprachen, Subventionsgießkannen oder andere kriminelle Machenschaften überlistet wird, nennt man das, was sich als Gleichgewicht zwischen „ich will all dein Geld“ und „ist mir viel zu teuer“ überall einstellt, einen Marktpreis. Jeder BWL-Student im ersten Semester könnte das sicher besser und wortreicher erklären, aber vereinfacht gesagt, sollte das so passen. Wie sich Marktpreise nach Erschütterungen des Wettbewerbs wieder einpendeln, kann man immer dann wunderbar beobachten, wenn in einem gesättigten Markt, in dem es ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage gibt, ein großer Player wegfällt. Schwächelt die Abnehmerseite, sinken die Preise, fällt ein Anbieter weg, steigen sie. Eigentlich logisch. weiter lesen

Das Migrationsproblem, über das man nicht spricht

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Vom 20.-24.11.2017 sendete der Deutschlandfunk eine fünf Teile umfassende Radio-Doku mit der Überschrift „Gewalt in Malmö“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5) und es darf als Meisterstück der Vernebelung gelten, so lang und umfangreich über zerschlagenes Porzellan zu reden, ohne den verursachenden Elefanten auch nur beim Namen zu nennen. Fünf Tage musste ich deshalb warten, bis ich diesen Artikel endlich beenden konnte. Dabei ist mir das Warten schon am ersten Tag unendlich schwergefallen. Die Autoren wollten einfach nicht mit der Wahrheit heraus, dass nämlich eine grandios gescheiterte “Willkommenskultur” Schweden genau dorthin gebracht hat, wo es heute ist: in gewissen Schwierigkeiten. Dieses „um den heißen Brei herum reden“ in „Gewalt in Malmö“ ist also beabsichtigt und meine Hoffnung, in der letzten Folge werde man alle Fragezeichen mit einem Knall auflösen – es werde gewissermaßen einen „Lost“-Moment geben – schwand von Tag zu Tag. Wenn es einen solchen Moment am heutigen letzten Sendetag gab, dann war es einer aus der Kategorie „Lost in Translation“. weiter lesen

Sondieren, bis die Einheitspartei steht?

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“Jamaika” ist gescheitert, das hatte ich erwartet. Politiker, denen nach vergeigten Wahlen nie die Worte ausgehen, welche sie dem Wähler vor der Wahl angeblich versehentlich vorenthalten hatten – „wir haben unsere Politik nur nicht richtig erklärt“ – genau diese Politiker müssen nun also feststellen, dass all ihr Eifer, all ihre Volten und Kuhhandel, all ihre selbstgeglaubten Gewissheiten an ihresgleichen abprallen, wenn es um echte Überzeugungen und inhaltliche Unvereinbarkeiten geht. Politikerkollegen erweisen sich in der Realität oft als genauso störrisch, wie die Wähler. Es scheint ihn also doch nirgends zu geben, diesen fabelhaften „Nullpunkt der Ablehnung“, den man nur lange genug mit Wortgirlanden, Glaubenssätzen und „Zukunft, Zukunft“-Rufen bombardieren muss, um aus Ablehnung und Zweifel am Ende zwangsläufig Zustimmung und Gewissheit zu machen. weiter lesen

Plädoyer für ein Molekül – Freispruch für CO2 gefordert

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Als das ZDF am 30.10.2017 „alarmierende“ CO2-Werte meldete, war es nur noch eine Woche bis zum Weltklimagipfel COP23 in Bonn. Da kann es nicht schaden, die öffentliche Stimmung schon mal kräftig in Richtung Panik zu drücken. Denn der Feind, den es beim Klimawandel zu bekämpfen gälte, sei CO2. Immer wieder hört man dies in Talkrunden und Nachrichten. Den Menschen wird seit Jahren durch apokalyptische Bilder von Wirbelstürmen und Überschwemmungen suggeriert: das hat CO2 gemacht! CO2 erwärmt das Klima! CO2 ist unser Problem! Eine ganze Industrie baut mittlerweile auf dieser Behauptung auf. Da wäre es doch toll, wenn sie auch zutreffen würde – schließlich liegt jede Menge Geld auf dem Tisch und besonders Deutschland möchte am liebsten alles auf eine Karte setzen und besser heute als morgen aus der fossilen Energie raus, während Länder wie China und Indien dies nicht vorhaben. Das deutsche Weltenretter-Gen hält uns derzeit trotz steigender Energiekosten noch bei der Stange und damit wir die Assoziation CO2 = Klimawandel auch weiterhin im Kopf behalten, tagen Jahr für Jahr Zehntausende Aktivisten des Klimaschutzes, die alle nur unser Bestes wollen – unser Geld.

ZDF-Neo und der gute Lobbyismus

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Zugegeben, ich hab’s ja generell nicht so mit deutschen TV-Serien oder Filmen. Dabei kann ich als Nicht-Cineast das prinzipielle Problem kaum angemessen beschreiben, welches ich mit den meisten unserer heimischen Produktionen habe. Sind es die albernen Plots, die teils hölzernen Dialoge oder die Tatsache, dass jede Szene – ich übertreibe sicherlich – wie für’s Theater inszeniert scheint? Dazu kommt in den letzten Jahren immer stärker der Wille der Regisseure und Produzenten, das Medium für dumpfhämmernde Volkserziehung oder fieses Nudging zu benutzen. Kein Tatort und nicht mal die „Lindenstraße“ kommt, wie man so hört, ohne artige Flüchtlinge und plattköpfig-depperte Nazis aus braunen Dresdner Sümpfen aus, die die heile Willkommenskultur stören. Wird das so bestellt? Nein, aber geliefert und bei den öffentlich-rechtbemittelten offenbar gern genommen, wo Unterhaltung, Kunst oder Einschaltquote schon mal Nebensache sein dürfen. Man hat’s doch! Und hat man’s mal nicht, gibt es die Filmförderung und jede Menge Stiftungen. Ist das Messer nicht wirklich heiß, sucht es nach weicher Butter. weiter lesen

Money for nothing, Grundeinkommen for free

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Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa, aber dort zeigt es sich besonders häufig und immer auf der sehr linken Seite des politischen Spektrums: Das bedingungslose Grundeinkommen. In der deutschen Linken hat es besonders in den fundamentalkommunistischen Kreisen ökonomisch mäßig begabter Vordenker (Nachdenker kann man sie ja unmöglich nennen) wie Katja Kipping ein heimeliges Zuhause. In einer ihr zuzuordnenden „Denkschrift“, die der cicero im Juli dieses Jahres zu Bit und Byte werden ließ, beschrieb sie die „linke Ideengeschichte“ zu diesem Thema. Es ist ein theoretisierendes, weltfremdes Manifest, wie es viele im Dunstkreis kommunistischer Utopien gibt. Man versucht, eine kritische Masse an Befürwortern und Verteidigern der Idee herbeizureden und nach der Methode “Aus viel Wort wird Wahrheit” ökonomische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen. Und wie alle diese Ideen benötigt auch die vom Grundeinkommen eine besondere Sorte von Mensch für die Realisierung, welche Kommunisten zu allen Zeiten immer dann zu entdecken glauben, wenn sie in den Spiegel blicken – den „neuen Menschen“, der das Gute stets ohne Zwang tut, das Böse stets ohne Zwang unterlässt, nie eigennützig denkt und handelt und im Kollektiv und im Heldenroman lebt. weiter lesen

Macht doch einfach das Licht aus!

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Dädalus warnte seinen Sohn Ikarus davor, mit der unvollkommenen Konstruktion auf seinem Rücken zu hoch aufzusteigen und konnte doch ahnen, dass dieser seine Warnung in den Wind schlagen würde. Ikarus glaubte an seine Kraft und an die Flügel aus Wachs und Federn auf seinem Rücken, die sein Vater gebaut hatte, und stieg und stieg und stieg. Die Ikarusse der Moderne treffen sich gerade in Bonn, wo sie sich für 70 Millionen Euro zwölf Tage lang gegenseitig der Festigkeit des Wachses in ihren Flügeln versichern. Journalisten, die neugierig und mit brennenden Fragen ihren Ideen und Flügeln zu nahe kommen könnten, mögen sie nicht. Jedoch glauben sie fest daran, fliegen zu können, wie hoch auch immer sie wollen. weiter lesen

Ab sofort bin ich „Menschenrechtsaktivist“!

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„Echt jetzt?“, werden sie sicher denken. „Wozu soll das denn gut sein? Gehört der jetzt etwa auch zu denen, die mit Pussy-Mützen, Hashtag-Schildern, Anti-Trump-Parolen und „Free-Palestine“-Postern in der Fußgängerzone stehen, um Passanten anzupöbeln, weil sie ihm nicht zuhören? Hat er den Verstand verloren?“ – ich kann sie beruhigen, nichts davon! Aber der kluge Mann sorgt vor. Zum Beispiel für den Fall, dass man im unfreundlichen Ausland unverhofft in die Mühlen der Staatsgewalt gerät und in der Folge auf die Hilfe der Diplomatie und der Medien des Heimatlandes angewiesen sein sollte. weiter lesen