Der demokratische Insel-Sozialismus von Corbyn und Blakeley

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Eines der ver­stö­rends­ten Inter­views, die ich seit langem lesen durfte, steht in der ZEIT. Grace Bla­keley, eine 26 Jahre alte Öko­no­min aus Groß­bri­tan­nien und „Ver­fech­te­rin des demo­kra­ti­schen Sozia­lis­mus“, faselt darin von der Rettung der Briten durch eine Labour-Regie­rung. „Der Kapi­ta­lis­mus ist am Ende“, so Bla­keley. Nun, als Mit­glied im Natio­nal Policy Forum der Labour-Partei, die einst unter Blair zu „New Labour“ wurde und unter Corbyn gern wieder zu „Old Labour“ werden will, muss sie wohl so reden. Dass es Men­schen gibt, die so denken, ist auch nicht weiter bemer­kens­wert. Schließ­lich befasst sich auch in Deutsch­land ein ganzes Par­tei­en­spek­trum mit sozia­lis­ti­schen Träu­me­reien vom digi­ta­li­sier­ten Arbei­ter- und Bau­ern­pa­ra­dies. Erstaun­lich ist jedoch, dass es aus­ge­rech­net immer extrem pri­vi­le­gierte Men­schen zu sein schei­nen, die sich der kom­mu­nis­ti­schen Welt­ge­stal­tung ver­pflich­tet fühlen. Hier einige Ent­geg­nun­gen auf Bla­keleys Kern­ge­dan­ken: weiter lesen

Souvenirs, Souvenirs – das ZPS verkauft ein Stückchen Holocaust

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Zentrum für politische SchönheitEs gibt zwei Mög­lich­kei­ten, sich in Deutsch­land anstren­gungs­los ins mora­li­sche Recht und das Gegen­über ins mora­li­sche Unrecht zu setzen. Man bezeich­net den Anderen einfach als Nazi, wirft ihm Macht­er­grei­fungs- und Mas­sen­mord­phan­ta­sien sowie man­gel­haf­tes Demo­kra­tie­ver­ständ­nis vor, worauf dieser zer­knirscht in sich gehen möge. Diese nukleare Option anzu­wen­den gibt es längst keine Hem­mun­gen mehr, weshalb die Öffent­lich­keit sich irgend­wie daran gewöhnt hat. Das Fatale daran ist, dass Ideo­lo­gie und Ver­bre­chen der echten Nazis so ver­harm­lost werden und die Debatte in der Gegen­wart einen sur­rea­len Zug erhält. Wer nimmt denn heute noch ernst und fühlt sich getrof­fen, wenn er so beschimpft wird? Da die Keule durch häufige Benut­zung ihren Schre­cken ver­lo­ren hat – und sich deshalb auch echte Wasch­brett­hirne wieder ans Licht wagen – wird nun die nächste Eska­la­ti­ons­stufe gezün­det: Man spannt die Opfer des faschis­ti­schen Regimes, beson­ders die Mil­lio­nen ermor­de­ten Juden, vor den Wagen des eigenen Bedeu­tungs­ge­winns. Gefragt hat man weder Opfer noch Über­le­ben­den oder deren Kinder und Enkel. weiter lesen

Endspurt 2019

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Seit fünf Jahren gibt es diesen Blog nun schon. Vor zwei Jahren schrieb ich als Schluss­satz in meiner „Neu­jahrs-Anspra­che“: „Ziehen Sie sich warm an, das nächste Jahr wird sicher heftig.“ – das könnte ich mitt­ler­weile als Motto über jede Tür schrei­ben, denn immer wenn ich denke, irrer könne es nicht mehr werden, kommt irgend­was oder irgend­wer daher und sagt „Wetten, dass doch?“

Unsere Welt ist weder besser noch ver­nünf­ti­ger gewor­den seit 2017, aber sie steht noch – was nicht heißt, dass man nicht ver­sucht hätte, alles abzu­räu­men und nie­der­zu­rei­ßen, was ver­meint­lich dem Fort­schritt im Weg steht. Aber die Briten wollen immer noch raus aus der EU, Trump ist immer noch drin im Weißen Haus und das Klima ist noch immer nicht geret­tet – alles Umstände, an denen die deut­sche, wohl­mei­nende Presse nach Kräften gezerrt und mit ihrer Agenda versagt hat. weiter lesen

Der Planet kippt just in time

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Der Schelm Hans Joachim Schelln­hu­ber hat pünkt­lich zur nächs­ten Kli­ma­kon­fe­renz in Madrid (2. bis 13. Dezem­ber) einen Kipp­punkt ent­deckt. Kurz vor Kli­ma­kon­fe­ren­zen ist das Klima tra­di­tio­nell beson­ders insta­bil. „Kipp­punkte werden früher erreicht: For­scher warnen vor pla­ne­ta­rem Not­fall­zu­stand“, titelt bei­spiels­weise Focus-Online und fügt hinzu: „Erd­er­wär­mung immer schlim­mer“.

Es ist mitt­ler­weile erstaun­lich, dass For­scher aus­ge­rech­net im Vorfeld einer Kli­ma­kon­fe­renz von neuen „immer schlim­me­ren“ Erkennt­nis­sen heim­ge­sucht werden und ominöse „Kipp­punkte“ ent­de­cken. weiter lesen

Unsinn gegen Sinn – Ingrid Nestle erklärt die Energiewende

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Neue Verwendung für Leuchtmittel nach der Energiewende nach Art Ingrid Nestle?Hans-Werner Sinn ist Volks­wirt und Sozi­al­de­mo­krat, was wie ein Ana­chro­nis­mus klingen mag, bedeu­tet letzt­lich, dass wenn man ihn von den Vor­tei­len der Ener­gie­wende über­zeu­gen könnte, welche ja die all­ge­meine und all­um­fas­sende Kli­ma­ge­rech­tig­keit auf Erden bringen und Mutter Natur ein Wohl­ge­fal­len sein soll, dann sollte er doch zu über­zeu­gen sein, oder? Warum nur klappt das nicht, wo doch alles „durch­ge­rech­net“ ist und alle Pro­bleme längst „weg­ge­lä­chelt“ sind? Klima retten, Öko­no­mie auf nach­hal­tig drehen, Armut bekämp­fen – das klingt wie Kin­der­über­ra­schung und drei Dinge auf einmal, also warum sträubt sich aus­ge­rech­net Pro­fes­sor Sinn, den Plänen der Grünen Welt­ver­ste­her und ‑ver­bes­se­rer sein Plazet zu ertei­len? In der Phoenix-Sendung „Unter den Linden“ und im Gespräch mit der Spre­che­rin der Grünen im Bun­des­tag in Sachen Ener­gie­wirt­schaft, Ingrid Nestle, wird das sehr klar. Ich muss Sie warnen, liebe Leser. Diese Sendung ist nicht leicht zu ertra­gen und ich muss Pro­fes­sor Sinn für seinen Langmut den Orden „Floh­zir­kus­di­rek­tor erster Klasse“ ver­lei­hen. Der Text, der nun folgt, fordert Ihren Langmut. weiter lesen

Claudia Kemfert als Herold der Heruler

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Im DIW-Büro von Claudia Kemfert brennt noch Licht...Das Kapital ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Nicht nur das negativ ver­zinste auf der Bank, auch das gedruckte Journal, dass sich „Capital“ nennt und aus­ge­rech­net Wan­der­pre­di­ge­rin­nen unge­hemm­ter staat­li­cher Sub­ven­ti­ons­ver­schleu­de­rung für die Ener­gie­wende wie Claudia Kemfert vom DIW einen langen Artikel schrei­ben lässt.

In diesem Artikel räumt Kemfert mit „Mythen“ auf, die angeb­lich die wun­der­schöne Ener­gie­wende kaputt machen wollen. Diese Mythen werden ver­brei­tet von Spöt­tern und Skep­ti­kern und weil auch aus einer Lüge durch sie­ben­ma­lige Wie­der­ho­lung eine geglaubte Wahr­heit werden kann, wie­der­holt sich Frau Kemfert gern. Mythen, Mythen…alles Mythen. Geis­ter­strom gibt es nicht, es müsse korrekt „Aus­fall­prä­mien” heißen und daran sind nur Kern­kraft und Kohle schuld. Dun­kel­flaute? Nichts als eine böse neue Wort­schöp­fung! weiter lesen

Auf der La Vagabonde: Greta, eine von uns

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Ich bin so froh und erleich­tert, dass sie offen­bar doch „eine von uns“ ist, die Greta. Mit „eine von uns“ meine ich natür­lich nicht Akti­vis­ten und Kli­ma­ret­ter oder deren ver­leum­de­tes Gegen­teil, ich meine die große, ja über­wie­gende Mehr­heit der Mensch­heit, für die das täg­li­che Leben einen per­ma­nen­ten Kom­pro­miss dar­stellt. Ein Kom­pro­miss zwi­schen dem Willen zur Revo­lu­tion und dem inneren Schwei­ne­hund, zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit, zwi­schen Zweifel und Gewiss­heit, zwi­schen Monats- und Geld­ende. Denn wer kennt das nicht: man möchte die paar Meter zu Fuß gehen und nur weil es regnet, nimmt man das Auto. Oder dieses letzte Stück Scho­ko­lade, die auf­ge­scho­bene Haus­ar­beit, die unnö­tige Flug­reise, die zwei Grad zu warme Heizung, der zweite Löffel Zucker im Kaffee…sie wissen, was ich meine und können die Auf­zäh­lung durch per­sön­li­che Mikro-Kor­rup­tio­nen jeder­zeit ergän­zen. weiter lesen

Wir sind Rechtsstaat – sind wir Rechtsstaat?

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Rechtsstaat oder Propagandastaat?Betrach­ten wir mal fol­gen­des als „Regel der Ver­nunft“ im Mar­ke­ting: Man gibt nicht hun­dert­tau­sende Euro für eine Kam­pa­gne aus, wenn das bewor­bene „Gut“ so alter­na­tiv­los ist wie die Luft zum Atmen. Haben Sie jemals davon gehört, dass das Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rium für die Ver­wen­dung von Erde für den Acker­bau wirbt? Oder ein Was­ser­werk uns darum bittet, es beim Duschen doch mal mit Wasser zu ver­su­chen? Oder dass eine Kfz-Zulas­sungs­stelle mit „Zieh Dir da mal Eine“-Plakaten auf ihre War­te­num­mern hin­weist? Auf solche Ideen kann eigent­lich nur kommen, wer beden­ken­los das Geld anderer Leute aus­ge­ben kann, weil man es für einen nach­wach­sen­den Roh­stoff hält. So auch unsere geliebte Bun­des­re­gie­rung. Das Bun­des­mi­nis­te­rium für Justiz macht mit seiner Image­kam­pa­gne „Wir sind Rechts­staat“ nämlich genau das. Auf der Home­page des BMJV wird die Kam­pa­gne wie folgt ange­teasert:
Mit einer bun­des­wei­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kam­pa­gne wollen wir den Rechts­staat sicht­ba­rer und ver­ständ­li­cher machen und das Ver­trauen in den Rechts­staat stärken. Wir zeigen die Bedeu­tung, Vor­teile und Errun­gen­schaf­ten des demo­kra­ti­schen Rechts­staats für den Ein­zel­nen.“ weiter lesen

Corbins Werk und Thatchers Beitrag

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Royal MailDem Rugby sagt man nach, dass die Bru­ta­li­tät auf dem Rasen statt­finde, während auf den Rängen ein olym­pi­scher Friede herr­sche. Im Fußball sei es genau anders herum. Das ist natür­lich Käse und wie ich gerade merke, hilft mir dieses Bonmot eigent­lich über­haupt nicht, auf den Ursprung und die Bedeu­tung des Begrif­fes „Fair Play“ über­zu­lei­ten – denn sowohl Rugby als auch Fußball wurden in England erfun­den. Dabei ist der Gedanke des „Fair Play“ für mich sehr eng mit Groß­bri­tan­nien ver­bun­den, ver­mut­lich wegen meines ersten Eng­lisch­leh­rers. Der war 1945 in eng­li­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft geraten und fand es auf der Insel so toll und hatte die Briten ins­ge­samt als so „durch und durch fair“ erlebt, dass er blieb, in England stu­dierte und – zurück im Osten des geteil­ten Deutsch­land – Schü­lern die eng­li­sche Sprache bei­brachte. Fair, dieser Begriff mag im Alltag des heu­ti­gen Deutsch­lands gene­rell auf den Hund gekom­men sein. Viel­leicht wäre das sogar zu ver­kraf­ten, wenn alter­na­tiv die juris­ti­sche Ablei­tung „gerecht“ in Anwen­dung zu bringen wäre. Aber auch das ist nicht immer der Fall und viel­leicht war es das auch nie ganz. weiter lesen

Ablasshandel Klimawandel – von Bettelmönchen und Ablassverkäufern

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Alte Hand-DruckerpresseUm es gleich vorweg zu sagen: ich bin weder das eine noch das andere. Zum Bet­tel­mönch fehlt es mir an Glauben, für den Ablass­han­del an Skru­pel­lo­sig­keit und Geschäfts­sinn. Ich bin ein Fan der Ver­nunft und diese findet im Denken eines Franz von Assisi viel eher Anknüp­fungs­punkte als im Ablass­han­del spä­te­rer Tage. Fran­zis­kus for­derte Armut und Nächs­ten­liebe nicht von anderen, sondern lebte sie selbst vor. Nun kann man die Fröm­mig­keit des 13. Jahr­hun­derts nicht ohne Brüche ins 21. Jahr­hun­dert über­tra­gen, aber es fällt schon auf, dass per­sön­li­ches Bei­spiel und Kathar­sis den Wan­der­pre­di­gern heute nicht mehr selbst­ver­ständ­lich sind. Die Dif­fe­renz zwi­schen dem, was ehemals als mora­lisch erwünscht galt und der Lebens­wirk­lich­keit wurde schließ­lich zur uner­schöpf­li­chen Quelle der Berei­che­rung für die katho­li­sche Kirche, ange­trie­ben vom öffent­lich bestärk­ten schlech­ten Gewis­sen (Pre­dig­ten). Die Kli­ma­ret­ter stehen heute vor dem­sel­ben Dilemma. Das kuriose Ergeb­nis war und ist, dass mit der „Tugend” zwar schwung­haft (Ablass)Handel getrie­ben wurde und wird, ohne dass sich deren Prin­zi­pien als Vor­sor­ge­ge­danke (sündige nicht, spare Geld) in irgend­ei­ner Weise in der Praxis durch­setz­ten. weiter lesen