Saures statt Süßes: Klima, Kabeljau und Koralle

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Im Märchen ist die Sieben eine magi­sche Zahl. Ebenso im Mar­ke­ting, wo man pos­tu­liert, dass durch pene­trante aber min­des­tens sie­ben­fa­che Wie­der­ho­lung einer Bot­schaft Kauf­ent­schei­dun­gen beein­flusst werden können. Die Nach­richt dringt irgend­wann ins Unter­be­wusst­sein und ist abruf­bar, sei sie auch noch so ver­fälscht. Wichtig ist nur, dass die Bot­schaft simpel und impul­siv ist. Schon deshalb, um sich leich­ter akti­vie­ren zu lassen. Nicht nur die Werbung, auch die Politik liebt ein­fa­che Bot­schaf­ten, wenn es um die Steue­rung des Ver­hal­tens der Bürger geht. Man koppelt sie mög­lichst mit nega­ti­ven Emo­tio­nen. Man denke nur an Begriffe wie „Nazi“ oder „Kli­ma­l­eug­ner“, die, wirft man sie jeman­dem an den Kopf, reflex­hafte und wort­rei­che Abwehr­re­ak­tio­nen her­vor­ru­fen, weil es an ein­gän­gi­gen Gegen­pa­ro­len mangelt. Dass man beim Kli­ma­wan­del nicht mehr genau erken­nen kann, wo Wis­sen­schaft aufhört und Politik anfängt, macht die Sache noch bri­san­ter. Ihnen ist sicher auch schon auf­ge­fal­len, dass gerade die Gruppe Kli­ma­for­scher, die das For­schen noch nicht ein­ge­stellt hat, sich mit einer grif­fi­gen Selbst­be­zeich­nung so viel schwe­rer tut als ihre poli­tisch oppor­tu­nen Gegen­spie­ler. weiter lesen

EcoVadis – je schlechter das Klima umso besser die Geschäfte

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Stellen Sie sich vor, Ihr Lebens­traum wäre es, einen Eis­la­den auf­zu­ma­chen. Der per­fekte Stand­ort ist gefun­den, der Busi­ness­plan aus­ge­ar­bei­tet und die Bank hellauf begeis­tert. Sie haben krea­tive Rezepte am Start, moti­vier­tes Per­so­nal, alle fach­li­chen und gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfül­len Sie. Natür­lich kennen und beach­ten Sie jede noch so stumpf­sin­nige Eis­ab­ga­be­durch­füh­rungs­ver­ord­nung der EU, das neue Gutes-Eis-an-der Waffel-Gesetz der Bun­des­re­gie­rung und der Bio­bauer aus ihrer Nach­bar­schaft bringt die benö­tigte Milch jeden Morgen mit dem Elek­trorol­ler vorbei. Sie legen also los, der Laden brummt, Sie bezah­len Ihre Ange­stell­ten, den Finanz­mi­nis­ter, die GEMA für das Gedudel im Laden, die Berufs­ge­nos­sen­schaft, die IHK, die Wer­be­ge­mein­schaft und noch ein wei­te­res halbes Dutzend Ver­si­che­run­gen und Behör­den. Und wenn Sie nicht gestor­ben sind oder vom Markt ver­drängt wurden – oder Ihre Gäste an Sal­mo­nel­len ver­en­den –, könnte das eine ganze Weile so wei­ter­ge­hen. Doch dann kommt jemand und macht Ihnen ein Angebot. Ein Angebot, dass Sie nicht anleh­nen können. weiter lesen

Die Spur der Scheine und die „hassle barrier“

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Die Spur des Geldes und die hassle barrierSpricht man am Rande der Klima-Demos mit Teil­neh­mern, ist man oft über­rascht von der inhalt­li­chen Ahnungs­lo­sig­keit und Nai­vi­tät. Haltung und Moral sitzen zwar perfekt, sind jedoch bis obenhin gefüllt mit Phrasen, Über­trei­bun­gen oder gar absur­den Ideen von der völ­li­gen Abschaf­fung des CO2. In gewis­ser Weise beneide ich die Teil­neh­mer. Denn während ich den ganzen Tag mit Zwei­feln und Beden­ken kämpfe, ist ihr Tag ange­füllt mit Gewiss­hei­ten. Es geht eben nichts über ein klares Feind­bild. Nichts von all dem, was Vor­red­ner und Ein­peit­scher ihnen vor­ge­ben, stellen sie in Frage. Ande­rer­seits leben sie natür­lich in der unbe­que­men „Gewiss­heit“, dass in elf Jahren die Welt unter­ge­hen wird, woran ich natür­lich auch so meine Zweifel habe. Das macht mir den Blick nach vorn ange­neh­mer, lässt mich aber an der Gegen­wart ver­zwei­feln. Es ist natür­lich sinnlos, sich mit den Demons­tran­ten in ihrem Habitat, an Frei­ta­gen auf der Straße unter Schil­dern mit CO2-Kil­ler­mo­le­kü­len und wei­nen­den Eis­bä­ren inhalt­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Kinder sind nur das lau­teste Glied in einer ganzen Kette von Akteu­ren und ihre Jugend ist ein per­fek­ter Schutz­schild gegen Kritik. Ein Blick hinter die Kulis­sen, dorthin, wo die Ängste der Kinder gepäp­pelt werden, wo man ihnen den Weg frei macht und für ange­mes­sene mediale Auf­merk­sam­keit sorgt, ist deshalb loh­nen­der. Folgen wir also dem Geld und den Argu­men­ten, mit denen die Skep­ti­ker zum Schwei­gen gebracht werden sollen. weiter lesen

CO2-Strategien im Vergleich – schreien, totstellen oder schwimmen

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Es wird tat­säch­lich wärmer in Deutsch­land. Gewis­ser­ma­ßen „ofen­warm“, wenn schon „gut situ­ierte“ Bürger in Hamburg sich nicht ent­blö­den, einen SUV-Fahrer zu innerer Einkehr in Schande zu nötigen, indem sie ihn aus­la­chen, während er von zu jedem Stand­rechts­ur­teil berei­ten CO2-Findern nie­der­ge­macht wird. An was erin­nert mich das nur? Ich glaube, die Gleich­nisse lasse ich vor­sichts­hal­ber unaus­ge­spro­chen. Es hätte ohnehin keinen Sinn, denn solche Par­al­le­len sind unzu­läs­sig. Zumin­dest hört man es so von Seiten der Akti­vis­ten. Heute kämpfe man schließ­lich für einen höheren Zweck („Kli­ma­ret­tung“), während damals natür­lich allen klar gewesen sein musste, dass man für einen ver­ach­tens­wer­ten Zweck („Volks­ge­sund­heit“) Ver­bre­chen beging. Was fragt da der weiße alte Mann? Ob sich diese Ein­schät­zung nicht erst aus der kom­pres­si­ven, wert­ver­än­der­ten Sicht spä­te­rer Genera­tio­nen ergebe? Ach was! Ende der Debatte! For­schung fertig! Matter sat­te­led! Schließ­lich sagen die Medien, die Par­teien und die Kli­ma­ak­ti­vis­ten alle das­selbe (was man früher Gleich­schal­tung nannte). Was kann da schon schief gehen! Und wehe, es ver­greift sich jemand argu­men­ta­tiv an den Front­fi­gu­ren der Hys­te­rie Bewe­gung! weiter lesen

Wir werden euch nicht davonkommen lassen

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Zum Auftakt des UN-Kli­ma­gip­fels in New York hielt Greta Thun­berg eine Rede, die ich nicht wie manche als beein­dru­ckend, sondern als beängs­ti­gend bis ver­stö­rend bezeich­nen würde. Ich bin kein Psy­cho­loge, aber gerade diese Exper­ten sollten endlich mal fragend die Hände erheben. Denn was da heute in New York zu hören und zu sehen war, hatte jedes Maß ver­lo­ren. Dabei bin ich mir sicher, dass die anwe­sen­den Poli­ti­ker in toto jede Schelte ver­dient haben, wenn ich auch in Bezug auf die For­de­run­gen Gretas anderer Meinung bin. Total­ver­sa­ger, alle­samt! Der Vorwurf trifft, ver­letzt aber sicher keinen der Anwe­sen­den. Ich kann sogar die Eltern Gretas ein Stück weit ver­ste­hen, die froh waren, dass sich die Abkap­se­lung ihrer Tochter ein Ventil nach außen ver­schafft hat und ihre ganze Wut sich nicht mehr gegen deren Hilf­lo­sig­keit, sondern auf ein exter­nes Problem rich­tete, dass ohnehin viel zu theo­re­tisch und rie­sen­groß war, um an den Faust­schlä­gen einer 16-Jäh­ri­gen Schaden zu nehmen: ‚Sie will gegen CO2 kämpfen? Soll sie doch!‘ Die Ausmaße, die Wort­wahl, die Mimik und Gestik, die Tränen bei der Rede von heute jedoch…das war alles völlig über­stei­gert, über­dreht und von media­ler Über­auf­merk­sam­keit gera­dezu kari­kiert. weiter lesen

Mobilitätswende – wohin eigentlich?

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Zur Eröff­nung der mut­maß­lich vor­letz­ten IAA in Frank­furt gab Green­peace-Ver­kehrs­ex­perte Tobias Austrup dem DLF ein Inter­view, in welchem er eine „radikal andere Ver­kehrs­po­li­tik“ und die Mobi­li­täts­wende for­derte. Konkret monierte er, dass gerade mal ein Viertel der gezeig­ten Modelle Elek­tro­au­tos seien. Ich halte das ja – ange­sichts des gerin­gen Markt­an­teils – schon für ziem­lich viel, aber Austrup fordert ja den „schnel­len radi­ka­len Wandel“ und das ist er zwei­fels­frei nicht. DLF-Mode­ra­tor Hein­lein wendet ein, dass die Kunden eben lieber weiter Diesel und Ben­zi­ner kaufen wollten und dass man dies den Kon­zer­nen ja kaum vor­wer­fen könne. Aus­trups Antwort ist es wert, in künf­ti­gen Mar­ke­ting-Hand­bü­chern als Bei­spiel für abso­lu­tes Unver­ständ­nis der Kom­ple­xi­tät mensch­li­cher Ent­schei­dun­gen zu dienen. weiter lesen

Forscht die Klimawissenschaft ergebnisoffen?

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Nicht wenige Men­schen haben die Vor­stel­lung, Natur­wis­sen­schaft­ler seien Team­player, die ihr ganzes Leben lang völlig unei­gen­nüt­zig nach neuen Erkennt­nis­sen suchen, ori­gi­nelle oder noch unge­dachte Ideen und Arbei­ten mühelos ver­öf­fent­li­chen können und es freudig begrü­ßen, wenn andere Wis­sen­schaft­ler eines Tages den Beweis führen, dass ihre Arbeit wahl­weise völlig nutzlos war oder so gra­vie­rende sys­te­ma­ti­sche Fehler enthält, dass sie dadurch eben­falls nutzlos ist. Ganz gleich, ob einem das am Beginn oder am Ende einer aka­de­mi­schen Kar­riere pas­siert – es ist ver­hee­rend. Nicht nur in der Kli­ma­wis­sen­schaft. Und spä­tes­tens an dieser Stelle wird man fest­stel­len müssen, dass auch Kli­ma­wis­sen­schaft­ler nur Men­schen sind und zutiefst mensch­lich reagie­ren. Mit Ableh­nung, Ver­drän­gung, Empö­rung und sogar mit Gegen­an­grif­fen. Sie holen ihre „großen Brüder“ zu Hilfe, ver­su­chen sich Mehr­hei­ten zusam­men­zu­trom­meln und schre­cken manch­mal sogar vor Trick­se­reien, Ver­leum­dung und Betrug nicht zurück. weiter lesen

Sticks and Stones – Kritiker keifen, das Publikum feiert

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Was Comedy und Kaba­rett angeht, geht es fürch­ter­lich öde zu in diesem Land. Mit wenigen Aus­nah­men. Nicht anders ist es in den Ver­ei­nig­ten Staaten. Dank Netflix tauchen beson­dere Comedy-Spe­cials wie Dave Cha­pel­les „Sticks and Stones” ja zeit­gleich auch bei uns auf und man kommt beim Ver­gleich zu fol­gen­dem Fazit: In Zeiten, in denen selbst­er­nannte Ver­tei­di­ger der Rechte von aller­lei Min­der­hei­ten mit Strich­lis­ten an jedem Spiel­feld­rand stehen, um unpas­sende, aus­gren­zende, belei­di­gende oder ver­all­ge­mei­nernde Aus­sa­gen zu ahnden, ist es fast unmög­lich, witzig zu sein. Sprach­re­ge­lun­gen und zu jeder Empö­rung ent­schlos­sene Kri­ti­ker ato­mi­sie­ren jede Über­ra­schung, jede sprach­li­che Wendung und fangen vor­aus­ei­lend selbst noch erdachte Krän­kung ihrer Schutz­be­foh­le­nen Ziel­gruppe mit reli­giö­sem Eifer ab. Überall lauern Fall­stri­cke. Die Liste der Tabu-Themen und ‑Ziel­schei­ben des Spotts ist auf beiden Seiten des Atlan­tiks mitt­ler­weile endlos. Klam­mert man Frauen, Schwarze, Aus­län­der, Alte, Junge, Behin­derte (Achtung: Tabu-Tabu, hier muss man von Benach­tei­lig­ten spre­chen), Muslime, Migran­ten, LGBTs, Dicke, Dünne, Dumme und Demo­kra­ten aus, bleiben in den USA am Ende nur noch Maga-Heads und Trump selbst als legi­time Ziel­scheibe des Spotts übrig – und Come­di­ans wie Dave Cha­pelle sollen liefern. Buhhh…boring! weiter lesen

Brexit – Deal or no deal und viele Fragen offen

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Kommt in Gesprä­chen dieser Tage die Rede auf den Brexit, liegen bei vielen Deut­schen die Nerven so blank, wie sie das angeb­lich in Brüssel tun. Doch sobald Sätze mit „Dieser Idiot Johnson…“ begin­nen, rate ich zu Tee, Jam, Scones und Pick­nick­de­cke, damit sich der Dampf ein wenig ver­zie­hen kann und man etwas klarer sieht. Denn trotz aller Fehler, welche bri­ti­sche Poli­ti­ker vor und nach dem Refe­ren­dum anein­an­der­ge­reiht haben, sollte man die Agenda Brüs­sels nicht aus den Augen ver­lie­ren. weiter lesen

Herr Dobrindt und die Kampfpreissteuer

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Manch­mal schaf­fen es Poli­ti­ker, ihre Ahnungs­lo­sig­keit, Inkom­pe­tenz und ihre Agenda gleich mit in einem Satz unter das ver­dutzte Volk zu streuen. Wenn dies münd­lich vor Kameras geschieht und nicht noch mal eben schnell ein Refe­rent für Nebel & Schleier drüber gucken konnte, ist es beson­ders ver­hee­rend. Alex­an­der Dob­rindt (CSU), seines Zei­chens CSU-Lan­des­grup­pen­chef im Bun­des­tag und ex-Bun­des­ver­kehrt­mi­nis­ter mit bösem Maut­aus­schlag, fordert eine Kampf­preis­steuer für Bil­lig­flüge und sagte fol­gen­den Ham­mer­satz in die Kamera der Tages­schau: weiter lesen