Die Lage ist hoff­nungs­los, aber nicht ernst.
(Wiener Sprich­wort)

Es ist ein poli­tis­ches Naturge­setz: Immer, wenn der Wei­h­nachts­baum leuchtet, tritt die im Schloss Belle­vue sta­tion­ierte Phrasen­schleud­er vor die Kam­era und dankt den Bürg­ern dafür, dass sie der Regierung halfen, die Sonne ein weit­ers Jahr von Ost nach West zu brin­gen.

„Ich bin stolz auf unser Land, in dem so viele Men­schen anpack­en – nicht, weil sie müssen, son­dern weil sie Ver­ant­wor­tung empfind­en für andere und für die Gemein­schaft.“

Seit vie­len Jahren schon tue ich mir die Wei­h­nach­tansprache nicht mehr an und da ich das Fernse­hen mei­de, komme ich nicht mal mehr verse­hentlich in den Genuss. Die Samm­lung der „best of“ Sprüche in den Medi­en genügt mir schon.

„Wir sind kreativ, fleißig und sol­i­darisch. Und daraus kön­nen wir die Kraft und die Hoff­nung schöpfen für das neue Jahr.“

Lässt man das „kreativ“ weg, hat man den vere­in­nah­menden Teil des Gelöb­niss­es der Jun­gen Pio­niere, aber es ist wohl müßig, im Phrasen­stroh solch­er Reden nach wirk­lichen Infor­ma­tio­nen zu suchen. Oder ist da doch was, vielle­icht in Bezug auf die Ukraine?

„Aber dieser Friede ist noch nicht greif­bar. Und es muss ein gerechter Friede sein, der wed­er den Lan­draub belohnt noch die Men­schen in der Ukraine der Willkür und Gewalt ihrer Besatzer über­lässt.“

Es ist eigentlich nicht an Deutsch­land, Ziele in diesem Krieg zu definieren oder dem Bun­de­spräsi­den­ten, diese als für und alle gel­tend zu for­mulieren. Alles unter­halb der voll­ständi­gen Zurück­drän­gung der Russen – auch aus der Krim – kann nach sein­er Äußerung jeden­falls nicht als akzept­abel gel­ten. Ver­hand­lun­gen gle­ich welch­er Art schließt das selb­stre­dend aus. Das klingt nach reich­lich Ent­behrung und Kosten für 2023 und Stein­meier wäre nicht der Präsi­dent der Herzen, wenn er nicht einige sal­bungsvolle Worte der Hoff­nung fände für uns und die vor dem Krieg geflo­henen Ukrain­er.

„Auch damit set­zen wir im Dunkel des Unrechts ein Licht der Hoff­nung.“

Vom Licht der Hoff­nung zu sprechen, jet­zt, da das Licht auf­grund dieses anderen Krieges, dem gegen die Physik, den wir seit Jahren führen, jed­erzeit aus­ge­hen kann, ent­behrt nicht ein­er gewis­sen Komik. Ich bezwei­fle näm­lich, dass die Physik sich mit dem Wort „Gerechtigkeit“ zur Ein­sicht brin­gen lässt. Bei allem Kampf in der Ukraine dürften wir den Kampf gegen den Kli­mawan­del näm­lich nicht vergessen, so sal­badert Stein­meier nur für den Fall, dass Sie oder Sie da hin­ten das mal wieder vergessen haben. Rus­s­land und Kli­ma – unter einem Zweifron­tenkrieg macht es Deutsch­land ein­fach nicht. Die Kehrtwen­den, die es dazu beispiel­sweise für den Grü­nen Teil der Ampel braucht, sind atem­ber­aubend. Bin­nen eines Jahres sind die von „Keine Waf­fen in Kriegs­ge­bi­ete“ und „Wir brauchen wed­er Kohle noch Atom noch Gas“ zu schwim­menden LNG-Ter­mi­nals und offe­nen Waf­fen­liefer­un­gen an eine Kriegspartei gelangt, ohne dass deren Zuver­sicht, auf der richti­gen Seite der Geschichte zu ste­hen, auch nur einen Kratzer abbekom­men hätte. Das ist wider­spruch­slos­es Dop­peldenk wie aus dem Lehrbuch.

Doch genug den Grü­nen und dem Stein­meier, der wie alle unsere an der Macht befind­lichen Poli­tik­er ver­langt, den Teig der Leis­tungs­fähigkeit des Lan­des noch dün­ner auszurollen, auf dass er noch die let­zten Prob­leme auf der Welt bedeck­en kann. Bei all den Appellen zum Anpack­en, Mithelfen und Unter­hak­en – oder im Bedarfs­fall auch nicht anfassen, allein lassen, Ärmel hochkrem­peln – stellt sich doch die Frage, ob die Poli­tik­er nicht wis­sen, dass es so nicht geht. Dass sie die Bürg­er über­fordern und ihnen Ziele einre­den, die nicht die ihren sind und dass sie es eigentlich bess­er wis­sen müssten. Man sucht nach dem Ziel hin­ter dem Ziel und muss immer wieder fest­stellen, dass da nichts ist außer dem Glauben, durch Worte Materie zu bewe­gen und Naturge­set­ze zu ändern. Wir leben im Zeital­ter des Dop­peldenk und wer „1984“ aufmerk­sam gele­sen hat, weiß, dass dieses Denken von oben nach unten aus­gerollt wird. Die „Partei“, also im weitesten Sinne die an der Macht befind­liche Kaste, ist die Quelle des Dop­peldenk, dort entste­ht es, wird per­fek­tion­iert und sank­tion­iert. Die Akzep­tanzprob­leme, mit denen diese Denkungsart zu kämpfen hat, entste­hen viel weit­er unten, bei Ihnen und mir, liebe Leser. Ange­wandt auf die im Jahr 2022 beson­ders zahlre­ichen Volten find­et sich Dop­peldenk an so vie­len Stellen, dass man verblüfft sein muss. Hier zur Erin­nerung eine prak­tis­che Def­i­n­i­tion für Dop­peldenk aus dem Buch:

„Absichtlich Lügen zu erzählen und aufrichtig an sie zu glauben; jede beliebige Tat­sache zu vergessen, die unbe­quem gewor­den ist, und dann, falls es wieder nötig ist, sie aus der Vergessen­heit zurück­zu­holen; so lange wie nötig die Exis­tenz ein­er objek­tiv­en Real­ität zu leug­nen und gle­ichzeit­ig die Real­ität zu akzep­tieren, die man ver­leugnet.“

Nach­fol­gend möchte ich Ihnen einige Beispiele vor Augen führen, wie die west­liche Welt im All­ge­meinen und Deutsch­land im Beson­deren das Dop­peldenk im Jahr 2022 per­fek­tion­iert haben.

Covid-Doppeldenk

Als erstes kommt uns da sich­er der Umgang mit den Covid-Impf­stof­fen und anderen Maß­nah­men in den Sinn. Am Anfang stand die aufrichtig geglaubte Lüge von der Wirk­samkeit. Zu 100% ver­hin­dere die Imp­fung Über­tra­gung und Erkrankung. Na ja, sagen wir 90%…70%…30%…10%? Pfiz­er wusste von Anfang an, dass es eine Lüge war und doch glaubten viele aufrichtig daran und tun es bis heute. „Die Wis­senschaft“ war in dieser Angele­gen­heit auch nicht ger­ade hil­fre­ich. Ein beson­ders schönes Beispiel für Dop­peldenk ereignete sich erst vor weni­gen Tagen, als Tanya Lewis, Senior Edi­tor für den Bere­ich „Gesund­heit und Medi­zin“ beim Mag­a­zin „Sci­en­tif­ic Amer­i­can“ über ihren ersten pos­i­tiv­en Covid-Test berichtete. Da hat­te sie es fast drei Jahre lang geschafft, dem Virus aus dem Weg zu gehen und es am Ende doch bekom­men.

In einem lan­gen Twit­ter-Thread schildert Lewis haarklein, wie streng und kon­se­quent sie all die „von der Wis­senschaft“ geforderten Maß­nah­men umge­set­zt hat, wie sie sich isolierte, Maske selb­st dann noch trug, wenn sie allein war. Sie beschaffte sich einen mobilen Luft­fil­ter, nahm jeden Boost­er mit und hat­te am Ende „vielle­icht ein­fach Pech“, weil sie dem Virus den­noch nicht entkam. Die Karawane der Argu­men­ta­tion ist allerd­ings längst weit­erge­zo­gen, heute geht es offiziell nur noch um „schwere Ver­läufe“ und man begin­nt bere­its zu behaupten, nie etwas über die Ver­hin­derung der Über­tra­gung gesagt zu haben. Lewis ist eine Meis­terin im Dop­peldenk, leugnet die Exis­tenz ein­er objek­tiv­en Real­ität (hier: keine der getrof­fe­nen Maß­nah­men ver­hin­dert die Über­tra­gung, auch die Imp­fung nicht) und akzep­tiert gle­ichzeit­ig die neue Real­ität (hier: ich hat­te wohl ein­fach Pech).

Aber wir müssen gar nicht über den Teich guck­en, um 2022 als das Jahr des Dop­peldenk zu beze­ich­nen. Da wäre die neue Kam­pagne zur Boost­er-Imp­fung, die in Wien ger­ade für Kopf­schüt­teln sorgt. Auch hier gilt: Dop­peldenk wirkt bei den Mach­ern der Kam­pagne namens „Boos­ta“ per­fekt, bei den Adres­sat­en hinge­gen nicht so gut.

Eine ran­dalierende Riesen­spritze, die Com­put­er von Schreibtis­chen wis­cht, Par­tys sprengt, Leute an den Ohren zum Impfzen­trum schleift oder ihnen Taschen über die Köpfe stülpt. Hier ist der näch­ste Abstrak­tion­s­grad des Dop­peldenk erre­icht, weil man nicht mal mehr Argu­mente braucht, und seien es auch nur erlo­gene. Es ist die pure, selb­ster­mächtigte Gewalt des „großen Brud­ers“, dessen Motive nie in Frage ste­hen, denn er ist ja gewählt/Revolutionsführer/die Wis­senschaft (nichtzutr­e­f­fend­es bitte stre­ichen). Da jede aus­gere­ichte Real­ität bis zur Aus­re­ichung der näch­sten gilt und akzep­tiert wird, muss sich die Macht nicht mal mehr erk­lären. Jede Logik oder Empirie ist aus­geschal­tet. Wieviele Fin­ger sehen sie, Win­ston?

Energiewende-Doppeldenk

Hier­für holen wir etwas „aus der Vergessen­heit“ und akzep­tieren gle­ichzeit­ig die Real­ität, die wir ver­leug­nen. Meis­ter dieses Dop­peldenk ist natür­lich Min­is­ter Habeck, der, nach­dem bil­liges rus­sis­ches Gas nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­ht, die Kohlekraftwerke auf Voll­dampf laufen lässt. Das ret­tet unsere Energiev­er­sorgung zwar nicht langfristig, denn nach Stein­meiers Imper­a­tiv „kein Frieden, solange ukrainis­che Gebi­ete beset­zt sind“ wer­den wir lange auf dieses Gas verzicht­en müssen. Doch hin­dert die Fak­ten­lage Habeck nicht daran, eine Rück­kehr zur Kernkraft nach ein­er kleinen Ver­längerung bis April nun gän­zlich auszuschließen. Dass die Kohle deshalb ger­ade eine Renais­sance erlebt und wir gle­ichzeit­ig am Ausstieg auch aus der Kohle fes­thal­ten, dieser Wider­spruch lässt sich auch nur unter der Prämisse des Dop­peldenk aushal­ten. In früheren Zeit­en waren Poli­tik und Gesellschaft kom­mu­nizierende Röhren und die Geset­zmäßigkeit­en von Aktion und Reak­tion waren bekan­nt und geachtet.

Im Deutsch­land des Jahres 2022 jedoch kappt Dop­peldenk die Verbindung der Röhren. So kön­nen wir gle­ichzeit­ig eine Ange­bot­sknap­pheit beim Strom und das Propagieren von E‑Autos und Wärmepumpen haben. Wir schaf­fen es, Kohlekraftwerke wieder einzuschal­ten und gle­ichzeit­ig aus der Kohle auszusteigen. Auch hal­ten wir an unseren Verpflich­tun­gen aus dem Paris­er Abkom­men fest und schal­ten die einzi­gen CO2-neu­tralen Kraftwerke ab, die wir haben. Wir soll­ten uns deshalb von dem Gedanken ver­ab­schieden, da stecke ein geheimer Plan zur Dein­dus­tri­al­isierung Deutsch­lands oder wom­öglich das WEF und der Schwab dahin­ter. Der Habeck glaubt wirk­lich, dass sein Plan gelingt, dieses Land durch Luft und Licht mit Energie zu ver­sor­gen, die auch immer bil­liger und zuver­läs­siger wird. Gefan­gen im Dop­peldenk kann er die Wider­sprüche müh­e­los aus­blenden. Es wird gelin­gen, weil er sagt, dass es gelingt.

Nichts was wir ihm sagen, keine Berech­nung von Gle­ichgewicht­en zwis­chen Ange­bot und Ver­brauch und keine Dunkelflaute kann ihn davon überzeu­gen, dass er falsch liegt. Ger­adezu müh­e­los, so meine Prog­nose, würde er auch im Fall eines umfassenden Black­outs argu­men­tieren, dass wir ein­fach bis zur Erre­ichung ein­er neuen Real­ität so weit­er machen müssen wie bish­er. Er akzep­tiert die Real­ität und kommt deshalb in Talk­shows immer so ratio­nal rüber, kann sie aber gle­ichzeit­ig leug­nen und Kernkraftwerke abschal­ten.

Twitter-Doppeldenk

Schlag auf Schlag kamen die Enthül­lun­gen intern­er Twit­ter-Kom­mu­nika­tion in den let­zten Wochen. Mit­tler­weile sind wir bei Num­mer acht ange­langt, zuzüglich einiger ergänzen­der Infor­ma­tio­nen durch die Autoren und ein Ende ist nicht in Sicht. In Teil sechs beschrieb Matt Taib­bi, wie willfährig Twit­ter als qua­si Tochter­fir­ma des FBI agierte und sich für das Sper­ren und Löschen von Benutzern bezahlen ließ. Die Ver­stöße gegen den ersten Ver­fas­sungszusatz und die Zahlun­gen in Mil­lio­nen­höhe sind gut belegt, doch das FBI beste­ht darauf, dass es ich nicht um Rechts­beu­gung und Bestechung, son­dern um ganz nor­male Vorgänge und Aufwand­sentschädi­gun­gen han­delt. Man ver­langte also die Löschung von Accounts, dies geschah und das FBI schick­te Geld. Für mich sieht das wie ein klas­sis­ch­er Geschäftsvor­gang aus, beste­hend aus Leis­tung und Bezahlung. Aber was weiß ich schon. In Teil acht berichtet Lee Fang über die Unter­stützung, die das Pen­ta­gon für verdeck­te Oper­a­tio­nen von Twit­ter erhal­ten hat. Man bastelte sich spezielle Accounts und bat Twit­ter darum, diese in der Ver­bre­itung von Inhal­ten zu bevorzu­gen oder auf die „weiße Liste“ zu set­zten, was sie vor Mel­dun­gen und „Fak­tencheck­ern“ schützte. Der Ver­dacht, Regierun­gen ver­schafften sich Zugang zu sozialen Net­zw­erken über Seit­ene­ingänge und Twit­ter würde vol­lum­fänglich und noch dazu freudig mit Geheim­di­en­sten und dem Mil­itär kooperieren, wur­den vol­lum­fänglich bestätigt.

Manche Dinge waren natür­lich zu erwarten. Etwa, dass Regierun­gen und Geheim­di­en­ste jede Plat­tform für ihre Zwecke nutzen. Es war jedoch ein Fehler zu glauben, dass sie nach densel­ben Regeln spie­len wie alle anderen. Die Manip­u­la­tion ist umfassend und all­ge­gen­wär­tig und erstreck­te sich im Fall der Zusam­me­nar­beit Twit­ters mit dem FBI selb­st auf Accounts mit ein­er Hand­voll Lesern und offen­sichtliche Satire. Man sollte also meinen, dass die Enthül­lun­gen und die Beendi­gung dieser klammheim­lichen „Part­ner­schaft“ mit Geheim­di­en­sten und Regierungs­be­hör­den dazu führten, dass sich die Benutzer – ger­ade wenn sie poli­tisch oder jour­nal­is­tisch aktiv waren – freier fühlten als zuvor und die Beendi­gung dieser unstrit­tig ille­galen Prak­tiken begrüßten. Doch das Gegen­teil ist der Fall. Man sehnte sich nach der unsicht­baren Hand zurück, kaum dass sie abgeschüt­telt war.

Wir erin­nern uns: „Twit­ter ist ein pri­vates Unternehmen, die kön­nen machen, was sie wollen und Twit­ter set­zt nun mal seine Gemein­schafts­stan­dards durch. Wer dage­gen ver­stößt, muss sich doch nicht wun­dern“ war die Stan­dar­d­ant­wort auf zwei Vor­würfe. Erstens: Twit­ter lösche mit Vor­satz und poli­tis­ch­er Schlag­seite. Zweit­ens: staatliche Stellen nutzten Twit­ter (und andere Kanäle) qua­si unter der Hand, um jene Zen­sur zu betreiben, die ihnen die Ver­fas­sun­gen der meis­ten west­lichen Demokra­tien ver­bi­eten.

Wie aus­gewech­selt erleben wir die Argu­men­ta­tion nach der Über­nahme durch Elon Musk. Nicht nur Sawsan „Elon Musk ist gefährlich“ Chebli zeigte sich fas­sungs­los, als Musk einige Jour­nal­is­ten für sieben Tage sper­rte. Nun darf man nicht glauben, dass das Argu­ment von Vorgestern, dass Twit­ter ein pri­vates Unternehmen sei, welch­es machen könne, was es wolle und die Tat­sache, dass die fraglichen Jour­nal­is­ten tat­säch­lich gegen eine der Twit­ter­regeln (Doxxing) ver­stoßen hat­ten, noch Gültigkeit hätte! Gefan­gen im Dop­peldenk, kann man jede beliebige Tat­sache vergessen, wenn sie unbe­quem ist und dazu gehören immer auch die Prinzip­i­en von gestern oder die richtige Antwort auf die Frage, wie viele Fin­ger jemand hochhält.

Ein­er der Kom­mentare unter Cheb­lis Tweet (ja, man twit­tert noch), brachte sog­ar die alte Idee eines „Bun­dest­wit­ter“ ins Spiel. Es sei ein­fach eine schlechte Idee, dass „qua­si-infra­struk­turelle öffentliche Räume“ von frag­ilen Egos wie Elon kon­trol­liert wür­den. Was die bere­its beste­hen­den Mono­pole über andere öffentliche Räume ange­ht, seien es nun Infra­struk­tur oder Medi­en, macht man sich hinge­gen keine Sor­gen. Dop­peldenk also auch hier, wo man Twit­ter ein­er gemein­schaftlichen All­mende zuschla­gen möchte, weil sich der Staat ja auch schon so gut um die beste­hende Allende aus Straßen, Brück­en, Net­zen, Gren­zen und vie­len anderen materiellen und imma­teriellen Din­gen küm­mert.

Holen wir uns die Realität zurück

Ich breche hier ab, liebe Leser, sie wer­den selb­st viele weit­ere Beispiele dafür ken­nen, dass 2022 tat­säch­lich der bish­erige Höhep­unkt in der Ver­bre­itung von Dop­peldenk im besten orwell’schen Sinne ist. Lei­der ist anzunehmen, dass sich vielle­icht die Aus­bre­itung stop­pen lässt, für die Betrof­fe­nen jedoch, für all die Habecks, Fae­sers, Lauter­bachs, Scholzens, Fauchis oder Bidens jede Hil­fe zu spät kommt. Wir wer­den sie nicht ändern, es würde genü­gen, sie nicht mehr zu wählen, rechtzeit­ig auszu­tauschen oder ihnen min­destens die Aufmerk­samkeit zu entziehen.

Matt Taib­bi sprach in seinem let­zten Newslet­ter vor Wei­h­nacht­en davon, dass er ger­ade an Doku­menten sitze, die auch die Rolle von anderen Unternehmen im Sil­i­con Val­ley, also Apple, Face­book, Microsoft, LinkedIn und sog­ar Wikipedia betr­e­f­fen. „Es stellt sich her­aus, dass dies die neuen wichtig­sten Geheim­di­enst-Außen­posten des amerikanis­chen Imperi­ums sind.“

Und weit­er beschreibt er seine Gemüt­slage der let­zten Jahre, die mir sehr ver­traut ist, weil ich genau­so emp­fand:

„Irgend­wann im let­zten Jahrzehnt fühlten sich viele Men­schen – so auch ich – durch etwas, das wir nicht definieren kon­nten, ihres Gefühls von Nor­mal­ität beraubt. […] Die Reak­tio­nen der Öffentlichkeit auf ver­schiedene Nachricht­enereignisse schienen schief zu sein, entwed­er viel zu inten­siv, nicht inten­siv genug oder ein­fach unglaub­würdig. Man las, dass schein­bar alle Men­schen auf der Welt der Mei­n­ung waren, dass eine bes­timmte Sache wahr sei, nur dass sie einem selb­st lächer­lich vorkam, was einen in eine unan­genehme Lage gegenüber Fre­un­den, Fam­i­lie und anderen brachte. Soll­ten Sie etwas sagen? Sind Sie der Ver­rück­te? Ich kann nicht der Einzige gewe­sen sein, der in dieser Zeit psy­chis­che Prob­leme hat­te.

Deshalb waren diese Twit­ter-Dateien ein solch­er Bal­sam. Da ist die Real­ität, die sie uns gestohlen haben! Sie ist abstoßend, erschreck­end und dystopisch, eine grausame Geschichte ein­er Welt, die von Men­schen­fein­den regiert wird, aber das ist mir alle­mal lieber als das abscheuliche und belei­di­gende Fak­sim­i­le der Wahrheit, das sie uns verkauften. Ich per­sön­lich habe mich zum ersten Mal seit sieben oder acht Jahren entspan­nt, als ich sah, dass diese reißerischen Doku­mente [die Twit­ter-Files, Anmerkung d. Autors] als Weg­weis­er zurück in die Real­ität dienen kön­nten ­– ich war mir bis diese Woche nicht sich­er.“

Ein Schleier ist wegge­zo­gen wor­den von der Real­ität. Wir haben recht behal­ten, sind nicht ver­rückt gewor­den oder hän­gen Ver­schwörungs­the­o­rien an und ließen uns auch nicht in irgendwelche Eck­en drän­gen, wo man uns leichter erledi­gen kann. Und das wer­den wir auch im näch­sten Jahr nicht zulassen, wir wer­den weit­er ihre Lügen pro­tokol­lieren und wir wer­den das tun, was ihnen am meis­ten schmerzt: sie zitieren, ihre Volten kom­men­tieren und ihr Dop­peldenk sezieren.

Allen Lesern und Unter­stützern von achgut.com und unbesorgt.de wün­sche ich ein fro­hes Wei­h­nachts­fest und all das, was Sie sich für das näch­ste Jahr wün­schen und vornehmen. „Irgen­det­was sagt mir, dass das kom­mende Jahr ein besseres Jahr wer­den wird“, schreibt Matt Taib­bi. Ich hoffe für Sie und für mich, liebe Leser, dass er recht behält.

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10 Kommentare

  1. Ich weiß, es ist albern, aber kon­se­quent gedacht hat­te Trump ein­fach nicht genug Ver­wandte, um den Behör­den­zirkus unter Kon­trolle zu brin­gen. Wir müssen im Par­al­lelu­ni­ver­sum nach der Anti-Ursu­la-von-der-Leyen suchen und sie durch ein Wurm­loch zer­ren. Das klingt erst mal schwierig, ist aber tat­säch­lich ein­fach­er als ein Feld zwis­chen Ricar­da Lang und ein­er Sah­ne­torte aufzubauen.
    Dann wün­sch ich schon mal ein fro­hes neues Jahr und einen guten Rutsch!

  2. Sehr geehrter Herr Letsch,

    ich danke Ihnen für Ihre Worte, die mir aus der Seele sprechen.
    Ohne lange herum zu disku­tieren: Sie haben m.E. mit “Dop­pel­sprech” / Orwell’sche “1984” das deutsche Mal­heur auf den Punkt gebracht.

    Ich wün­sche Ihnen alles Gute im Neuen Jahr!

  3. Ich will nicht die Qual­ität Ihrer Analy­sen infrage stellen — im Gegen­teil: ich habe mal wieder einiges gel­ernt. Aber eine Sache im Twit­ter-Dop­peldenk ist irgend­wie unstim­mig und macht mich mis­strauisch gegen diesem allzu gefäl­li­gen Bild, das Sie zeich­nen.
    Sie schreiben: “Der Ver­dacht, Regierun­gen ver­schafften sich Zugang zu sozialen Net­zw­erken über Seit­ene­ingänge und Twit­ter würde vol­lum­fänglich und noch dazu freudig mit Geheim­di­en­sten und dem Mil­itär kooperieren, wur­den vol­lum­fänglich bestätigt.” und wenig später “Manche Dinge waren natür­lich zu erwarten. Etwa, dass Regierun­gen und Geheim­di­en­ste jede Plat­tform für ihre Zwecke nutzen.” .… das Prob­lem ist, dass die Regierung in der fraglichen Zeit von Trump geleit­et wurde und er das Kom­man­do über FBI und Kon­sorten hat­te.
    Klar, der poli­tis­che Grob­mo­torik­er kön­nte dur­chaus Feinde im Geheim­di­enst gehabt haben. Das, so wird ja immer noch gemunkelt, kön­nte auch Kennedys Pech gewe­sen sein. Aber ger­ade wenn das so wäre, müsste man das Strick­muster, dass die Regieren­den sich selb­st und das Volk in ein­er Art intellek­tuelle Schiz­o­phre­nie in eine irreale Schein­wirk­lichkeit ein­wick­eln, angezweifelt wer­den. Nicht die Regieren­den son­dern was weiß ich was für fin­stere Mächte, wären dann ver­ant­wortlich. Satire an: Mir kommt ein Ver­dacht: Klaus Schwab passt immer! Ob er sich wohl solch­er Ehren bewusst ist?

    • Nur soviel: das FBI hat schon in der Zeit von Trump aktiv gegen ihn gear­beit­et, nicht für ihn. Am Schluss sind diesel­ben Leute, die beim FBI die soge­nan­nte “russ­ian col­lu­sion” erfun­den und propagiert haben, zu Twit­ter gewech­selt, um dort gegen eben jene “col­lu­sion” vorzuge­hen. Man hat die Auf­blähung des Sicher­heit­sap­pa­rates ab 2016 mal mit 9/11 ver­glichen, nur dass es 2001 eine ECHTE Bedro­hung gab, die zur Grün­dung des Heimatschutzmin­is­teri­ums führte, während die “russ­ian col­lu­sion” nur eine erfun­dene Bedro­hung war. Trump hat es nie geschafft, dass sich der Regierungsap­pa­rat in Wash­ing­ton ihm beugt. Alle Ver­suche, den Appa­rat zu besän­fti­gen — indem er etwa den unsäglichen John Bolton zum nationalen Sicher­heits­ber­ater machte — scheit­erten. Das war auch ein­er der Gründe, warum er am Ende so oft auf die eigene Fam­i­lie zurück­griff, weil er sich da der Loy­al­ität sich­er war. Aber zu diesen Zusam­men­hän­gen gäbe es so viel zu entwirren, das muss ich mir wohl für einen weit­eren Text auf­s­paren.

      • Na ja, also Herr Trump ist vielle­icht auch ein klitzek­l­itze-klein-biss­chen Vet­tern­wirtschaftler. Die Jared-Kush­n­er-Ernen­nung würde ich nicht vertei­di­gen wollen. Der Grund, weshalb die Medi­en darüber nicht her­fie­len, ist ein­fach, dass die ein kom­plett gestörtes Ver­hält­nis zur Moral haben. Zum einen erin­nern sich Leute noch an Hillary Clin­tons Ein­mis­chun­gen im Weißen Haus als ihr Ehe­mann Pres­i­dent war und die Medi­en hät­ten da also eine moralis­che Flanke. Wichtiger ist aber, dass man dort Kor­rup­tion und Vet­tern­wirtschaft für so nor­mal hält wie Leuten dauernd in die Fressen zu lügen. Zum Skan­dal wäre es erst gewor­den, wenn Jared Kush­n­er ein­er Schwan­geren Geld aus seinem Pri­vatver­mö­gen gegeben hätte, damit sie nicht abtreibt.

        Die Mora­lent­frem­dung der Medi­en erk­lärt auch, weshalb die Komö­di­antin Kathy Grif­fin im Stich gelassen wurde. Sie hat­te eine Ketchup-Maske bei einem Fototer­min so hochge­hal­ten, dass das Foto wie einen ISIS-Enthaup­tung aus­sah. Ihre Augen hat­ten dabei einen “Hoppla”-Blick. Also ein witziges Bild­chen. Für Monate wurde sie vom FBI unter­sucht und an jedem einzel­nen Flughafen stun­den­lang gefilzt und ver­hört. Die Treiber waren höchst­wahrschein­lich nicht “Trump-Leute” wie Grif­fin ver­mutet, son­dern ein­fach elitäre Kreise, die alle­samt ein Motiv hat­ten, die Tratschtante einzuschüchtern. Man hätte denken kön­nen, dass die Medi­en daraus einen riesi­gen Aufriss machen. Stattdessen hat­ten sich ihre ganzen linken “Fre­unde” wie z.B. der CNN-Mod­er­a­tor Ander­son Coop­er von ihr dis­tanziert. Es wäre ein Skan­dal, wenn man die Instru­men­tal­isierung von Sicher­heit­sap­pa­rat­en zur Ein­schüchterung von Bürg­ern schlimm fände. Aber find­en Linke das schlimm? Ich weiß bis jet­zt noch nicht, worin die Umsturz­pla­nung der Rich­terin Bir­git Mal­sack-Winke­mann bestand und ob der ver­fas­sungsrechtliche Grund­satz der Ver­hält­nis­mäßigkeit noch zählt. Ich weiß auch nicht, welche Gelder der Quer­denker­grün­der Michael Ball­weg verun­treut haben soll und ob die in irgendwelchen Immo­bilien auf­taucht­en oder ob sie nur auf aus­ländis­che Kon­ten ver­schoben wur­den, um sie vor dem Zugriff vom immer weniger ver­trauenswürdi­gen deutschen Staat zu schützen. Ich weiß nur, dass über­zo­gene Ankla­gen der typ­is­che Modus der Oppo­si­tions­bekämp­fung in Län­dern des ehe­ma­li­gen Ost­blocks sind. Aber find­en auch Linke solche Unver­hält­nis­mäßigkeit­en schlimm?

        Mich stört die Ernen­nung Kush­n­ers, auch wenn sich Linke an solchen Sachen nicht stören.

        • Kush­n­er als Nicht-Poli­tik­er ist es immer­hin gelun­gen, die Abra­ham-Accords einzufädeln. Etwas, das die Bilanz von Trump schon im Allein­gang übe die der let­zten vier Präsi­den­ten hebt. Und Etwas, was Nur-Poli­tik­ern nie gelun­gen war, weil sie nicht über den Teller­rand guck­en kon­nten oder woll­ten.

        • @Herr Letsch Japp, ich bin mit sein­er Israelpoli­tik auch zufrieden. Mit sein­er Jus­tizre­form schon nicht mehr. Es hät­ten sich sich­er auch andere gefun­den, die diesen außen­poli­tis­chen Kurs gegan­gen wären. Die Nahost-Poli­tik Trumps hätte so oder so diese Hand­schrift gehabt. Dafür muss man nicht Ver­wandte ins Weiße Haus holen.

          Die eigentlich inter­es­san­tere Frage ist, ob er als Präsi­dent nicht deut­lich mehr Leute aus der Ver­wal­tung hätte feuern müssen, um sie mit Leuten zu erset­zen, denen er ver­trauen kann. Und die Frage ist auch, inwieweit Nan­cy Faeser mit ihrem Ansin­nen recht hat. Will man eine bock­ige, hin­ter­triebige Ver­wal­tung (inklu­sive Sicher­heits­be­hör­den) oder eine, die auf Lin­ie ist? Vielle­icht will man eine, die hin­ter einem gewählten Vertreter auf Lin­ie gebracht wird, aber mehr direkt wählbare Vertreter, die nicht zu viel Macht auf sich konzen­tri­eren. Und vielle­icht sollte das Par­la­ment starke Kon­trollmöglichkeit­en haben und Ämter auflösen oder Neuwahlen ein­leit­en kön­nen, wenn ein Amtsin­hab­er seine Macht miss­braucht, um Bürg­er­rechte zu schleifen.

        • Wie schon gesagt: Ver­wandte holst du dann, wenn du merkst, dass du nie­man­dem mehr trauen kannst, weil alle gegen dich arbeit­en. Auf diese Weise ist die Oba­ma-Admin­is­tra­tion schon vor Trumps Amt­santritt dessen wichtig­sten außen­poli­tis­chen Berater los­ge­wor­den.

  4. Was wir bei der Anwen­dung des «Zwiedenkens» sowohl in der Poli­tik als auch in der Geschäftswelt erleben, ist der Ersatz der physis­chen Aggres­sion durch moralis­che Aggres­sion, und im öffentlichen Leben tritt der moralis­che Ter­ror­is­mus an die Stelle der physis­chen Ein- schüchterung. Das «Zwiedenken» weist zwei Aspek­te auf, einen posi- tiv­en und einen neg­a­tiv­en, von denen der erste die Aggres­soren und der zweite die Opfer bet­rifft. Die erste und ein­fach­ste Anwen­dungsstufe der Kun­st — um mit Orwell zu sprechen — kann sog­ar kleinen Kindern beige­bracht wer­den und wird im «Neusprech» als «Ver­brech­stop» beze­ich­net. Darunter ver­ste­ht man die Fähigkeit, gewis­ser­massen instink­tiv an der Schwelle irgen­deines gefährlichen Gedankens innezuhal­ten. «Ver­brech­stop» umfasst die Fähigkeit, Analo­gien nicht zu begreifen, logis­che Irrtümer nicht zu erken­nen und selb­st die sim­pel­sten Argu­mente nicht zu erfassen, wenn sie der herrschen­den Ortho­dox­ie wider­sprechen. Orwell sprach von «schützen­der Dummheit».

  5. Ich weiß auch nicht, wie man aus Kernkraft und fos­silen Energi­eträgern gle­ichzeit­ig aussteigt, aber Herr Merz ver­bren­nt der­weil Christ­baumk­erzen, um die Woh­nung zu heizen. Das ist auch bil­liger. Im schumm­ri­gen Licht wird näm­lich der Styl­ist gün­stiger. Robert und Annale­na leg­en ja für Fotograf und Anklei­dedame ordentlich Geld auf den Tisch. Frau Merz wird kluger­weise auch an den Kerzen sparen und nur so viele zün­den, dass sich nicht Klaus Wow­ere­it ihrem Mann nähert.

    Zur Erin­nerung: Merz hat­te 2001 tat­säch­lich gesagt, dass ihm Wow­ere­its Homo­sex­u­al­ität egal sei, solange er sich ihm nicht nähere. Ich bin auch nicht homo­phob und als Kon­ser­v­a­tiv­er werde ich immer beto­nen, dass jed­er in der Pri­vat­sphäre seines Schlafz­im­mers tun und lassen kann, was er will, solange er nur Frauen has­st. Und das ist nicht nur ein Freib­rief für schwule Män­ner, son­dern mehr noch ein Freib­rief für schwule Frauen. Es ist mir abso­lut wurscht, wer mit Alice Wei­del im Bett liegt. Ich weiß ja, wer unter ihrem Bett lauert. Der böse Ami.

    Ich glaube, dass das Dop­peldenk, das George Orwell so gut beobachtet hat, im Wesentlichen aus drei Kom­po­nen­ten beste­ht.
    (1) Die Real­ität ist zu grausam. Dazu gehört, dass man im Moment sehr stark im Augen-zu-und-durch-Modus ist. Es wird ver­bal viel um unbe­grün­dete Hoff­nung gewor­ben, ohne etwas anzu­bi­eten.
    (2) Kog­ni­tive Kon­sis­tenz ist anstren­gend. Man muss sich tat­säch­lich an das vorher Behauptete in einem aktuellen Sprech­mo­ment erin­nern. Die Leute organ­isieren ihre Sprechak­te aber primär nach den sozialen Sit­u­a­tio­nen und nicht nach der Funk­tion.
    (3) Das meiste Han­deln und Reden ist rein rit­uell oder sym­bol­isch, selb­st wenn das Ergeb­nis einen funk­tionalen Sinn macht. Ein Denken über Kon­se­quen­zen ist eine Errun­gen­schaft der west­lichen Bil­dung. Die meis­ten Men­schen wür­den fünf Got­theit­en für die gle­iche Funk­tion anbeten, auch wenn die den Leg­en­den nach untere­inan­der spin­nefeind wären. Knie hier, ras­sel da, zünde Stäbchen in ein­er Ecke an, opfere Früchte in der anderen Ecke. Logis­ches Denken kommt vom Ein­studieren erkan­nter Muster von Ursachen und Wirkun­gen. Damit wer­den die Werkzeuge geschaf­fen, weit­ere rig­orose Struk­turen zu ergrün­den.

    Und wir haben Prob­leme, solche Banal­itäten wie die Ursachen des Dop­peldenkens zu erken­nen, weil wir zu empathisch sind. Wir denken, dass die anderen so denken wie wir. Meist machen sich ja Leute mit guter Bil­dung daran, die Gesellschaft zu beschreiben (so es sich denn bei ihnen um orig­inäre Erken­nt­nis­such­er han­delt und nicht nur um mit­telmäßige Akademik­er, die deren Ideen zusam­men­fe­gen). Und diese Leute suchen in den wirren Aus­sagen und Hand­lun­gen nach Struk­turen und Mustern. Die Wider­sprüche müssen solche Beobachter zur Verzwei­flung brin­gen, weil sie die ganzen Aus­sagen für von den Sprech­ern auch so gemeint hal­ten. Aber die Beobachteten sind nicht so kom­plex. Die sind nicht wider­sprüch­lich und ver­wor­ren und haben auch kein aus­ge­feiltes Sys­tem der Ratio­nal­isierung. Die sagen ein­fach mal so und mal so; unbe­hel­ligt von ihrer eige­nen Erin­nerung. Natür­lich gibt es aber auch das oppor­tunis­tis­che Ele­ment bei eini­gen “Vergesslichen”. Absicht und gen­uines Desin­ter­esse an den eige­nen Worten dürfte bei den meis­ten aber eine Mis­chung sein.

    Euch allen fro­he Wei­h­nacht­en! Auch Gre­ta Thun­berg sei im Geiste bei uns und wün­scht uns unter den wachen Augen der Kli­maendzeit­flügelfig­ur ein paar beschauliche, ruhige und geseg­nete Tage und Panik.

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