Nichts liegt mir fern­er als jeman­den davon abzuhal­ten, zur Wahl zu gehen. Doch weigere ich mich aus Prinzip, Wahlempfehlun­gen abzugeben und dies­bezügliche Nach­fra­gen von Fre­un­den beant­worte ich meist auswe­ichend. Irgend­wie muss ich aber einen schlecht­en Ein­fluss auf meine Umge­bung haben, denn jed­er ist eifrig bemüht mir zu ver­sich­ern, dass man selb­stre­dend niemals die Grü­nen wählen werde! Und weil meine Nach­frage, welche der vie­len grü­nen Parteien gemeint sei, nur Ver­wirrung stiftet, lasse ich es meist gle­ich bleiben mit der Ironie. Mach was du willst, Fre­und, es ändert ohne­hin nichts. Ich bin, meine Leser wis­sen es, mit der Gesamt­si­t­u­a­tion unzufrieden.

Dass sich die Grü­nen mit ihren 14,5% in Nieder­sach­sen ger­ade als Wahlsieger gerieren, sieht auf den ersten Blick nach Größen­wahn aus, ist auf den zweit­en Blick jedoch völ­lig kor­rekt. Denn die poli­tis­che Agen­da wird in den näch­sten fünf Jahren von eben dieser Partei geset­zt wer­den. Für das Kernkraftwerk Ems­land etwa sieht es jet­zt noch düster­er aus als vor der Wahl ohne­hin schon. Noch grund­sät­zlich­er dürfte für die neue Lan­desregierung jedoch das Behar­ren auf dem „Nein“ zur Gas­förderung in Nieder­sach­sen ausfallen.

Ich würde einen Batzen Zen­tral­bankgeld darauf wet­ten, dass auf der Ange­bots­seite der Energiev­er­sorgung Entspan­nung nicht mal mehr denkbar ist, weil kein Befehl Habecks die Ablehnung des Lan­des zum Frack­ing über­stim­men kön­nte. Ganz abge­se­hen davon, dass kein Unternehmen so selb­st­mörderisch sein wird, unter dem Damok­less­chw­ert grün­er Dekar­bon­isierungspläne Investi­tio­nen in Bere­ichen zu täti­gen, die zum baldigen Abschuss freigegeben sind. Kohle, Gas und Atom sind in Nieder­sach­sen seit Son­ntag zum Tode verurteilt, denn weit­ere fünf Jahre auf diesem Pfad sind nun gewiss. Wobei schon in weni­gen Wochen oder Monat­en die Klip­pen erre­icht sein könnten.

Deutschland und die absolute Idee

Von Friedrich Sieburg, dem man seine zeitweilig geistige Nähe zum NS-Regime nicht verzei­hen muss, um ihn den­noch für einen der let­zten großen Stilis­ten der deutschen Sprache zu hal­ten, stammt fol­gen­der schau­rige Satz: „Ein Volk muss von Zeit zu Zeit der Abso­lutheit ein­er Idee unter­wor­fen wer­den.“ Er schrieb dies 1935 in seinem Buch „Robe­spierre“ und hat­te dabei neben dem Ter­ror der Jakobin­er sich­er im Sinn, dass Deutsch­land sich zu dieser Zeit selb­st ger­ade mal wieder im Würge­griff ein­er solchen „absoluten Idee“ befand. Bedenkt man den Aus­gang der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion und den des Drit­ten Reich­es, beste­ht kein Zweifel an der Gefahr jed­er solch­er absoluten Ideen. Eben­so daran, dass sich Deutsch­land – das wohl beson­ders anfäl­lig zu sein scheint für den Abso­lutismus – längst wieder ein­er solchen Idee unter­wor­fen hat. Nach der braunen und roten Idee fol­gt dieses Land nun der grü­nen und wird dies bis in den näch­sten Unter­gang weit­er tun.

Führen ohne Machtergreifung

Verblüfft wird fest­gestellt, dass die „Abstra­fung“ der Berlin­er Ampel zwar in Nieder­sach­sen die SPD reduziert und die FDP hal­biert hat, die Grü­nen, die ja auch Teil der Ampel sind, jedoch Zugewinne verze­ich­nen kon­nten. Und dies, obwohl es die grüne Energiepoli­tik ist, deren Fol­gen dieses Land ger­ade in Form von Dein­dus­tri­al­isierung und Energie­man­gel an den Rand des Abgrun­des treibt. Und doch hal­ten die Wahl-Lem­minge offen­bar an der Vorstel­lung fest, dass es nicht die Grü­nen sind, die die Poli­tik maßge­blich gestal­ten. Stellt nicht die SDP den Kan­zler wie auch den Min­is­ter­präsi­den­ten von Nieder­sachen? Ist nicht die SPD die Partei der kleinen Leute, der Arbeit und des sozialen Aus­gle­ichs? Die durch­grünte Poli­tik der Genossen ist jedoch Gift für alles, wofür die SPD einst stand und selb­st die ger­ade anrol­lende massen­weise Ver­nich­tung von Arbeit­splätzen weckt die alten Reflexe nicht mehr. Müde wie die Gew­erkschaften sehen die Genossen dem grü­nen Treiben taten­los zu und nick­en eifrig ab, was in grü­nen Ober­stübchen aus­ge­brütet wird. Die Hell­grü­nen exeku­tieren die Poli­tik der Dunkel­grü­nen und wenn es schief geht, waren die Hell­grü­nen eben nicht grün genug.

Unter­dessen arbeit­et sich ein ander­er Grün­er, der Oppo­si­tions­führer und Vor­sitzende der noch etwas hell­grüneren CDU, an der Restop­po­si­tion ab. Dabei geht die von ihm richtig prog­nos­tizierte Desta­bil­isierung der Demokratie nicht von den Schwe­fel­buben aus, die auch mit 10 oder 20 Prozent noch poli­tisch bedeu­tungs- und ein­flus­s­los bleiben wer­den, son­dern von den Grü­nen und ihrem Kampf gegen die Physik.

Für Nieder­sach­sen bedeutet der Wahlaus­gang eine stärkere Gän­gelung der Land­wirtschaft und noch mehr Win­dräd­chen. Für Deutsch­land, die vielle­icht let­zte Chance ver­passt zu haben, das Rud­er in Sachen Energiesicher­heit noch ein­mal herumzureißen. Und für die Demokratie ganz all­ge­mein? Churchill wird die Aus­sage zuge­sprochen, dass die Demokratie die schlecht­este aller Regierungs­for­men sei – mit Aus­nahme aller anderen, die noch schlechter seien. Die offen­sichtliche Unfähigkeit, in diesem Land mit­tels demokratis­ch­er Wahlen vor der Klippe halt zu machen und über­lebenswichtige poli­tis­che Kursko­r­rek­turen zu vol­lziehen, lässt mich jedoch ver­muten, dass sich Deutsch­land bere­its in ein­er Art Spät­phase der Demokratie und im Über­gang zu etwas anderem befind­et. Hier einige Merk­male, die ich vor­sichtig als The­sen beze­ich­nen möchte.

1) Statt das Mit­tel zur Her­stel­lung von Repräsen­ta­tion zu sein, dient Demokratie in ihrer aktuellen Aus­prä­gung dazu, der Exeku­tive einen Blankoscheck der Recht­fer­ti­gung und dem Wäh­ler ein Blankover­bot prinzip­ieller Kri­tik zu verschaffen.

2) Deshalb ist eine Wahl auch nicht der Anfang ein­er Leg­isla­tive, son­dern das vor­weggenommene Ende derselben.

3) Das Ergeb­nis von Wahlen ist somit keine Leg­isla­tive im eigentlichen Sinne, son­dern die Sich­er­stel­lung der Legit­im­ität von Machtausübung.

4) Das „gewählt wor­den sein“ in dieser…nennen wir es „späten Demokratie“ ent­bindet von jed­er Haf­tung und Ver­ant­wor­tung und ähnelt somit eher dem „auser­wählt sein“ monar­chis­ch­er Tradition.

5) Dies kor­re­liert auf­fal­l­end mit dem Weg­fall jedes mer­i­tokratis­chen Prinzips, das durch ide­ol­o­gis­che „Abstam­mung“, also durch Gesin­nung und Treue zur abso­lutis­tis­chen Idee, erset­zt wird.

6) Wo zur Her­stel­lung von Legit­im­ität die Gesin­nung nicht genügt, wird – ähn­lich wie in der Monar­chie – eine der Masse nicht zugängliche Instanz bemüht. Die Monar­chie bezog sich hierzu auf Gott, die „späte Demokratie“ bezieht sich auf „die Wissenschaft“.

Ich kann wed­er sagen, dass mir gefällt, was sich da entwick­elt, noch weiß ich, ob meine The­sen das Prob­lem über­haupt richtig erfassen. Es sind meine Beobach­tun­gen, Andere mögen zu anderen kom­men. Doch finde ich es auf­fal­l­end, dass es der deutschen Poli­tik nie an Legit­imierung man­gelt. Die lässt sich durch Wahlen immer noch müh­e­los her­stellen – wenn man mal von Berlin absieht. Jedoch kommt durch Wahlen offen­bar keine Kom­pe­tenz mehr zus­tande, die Prob­leme des Lan­des zu lösen und weil in der Poli­tik nichts ohne einen Zweck geschieht, muss dieser ein ver­bor­gen­er sein, der im Grundge­setz jeden­falls nicht zu find­en ist.

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22 Kommentare

  1. …an Her­rn Goldstein,
    wer­den Sie doch ein­mal konkret, zuviele Worte vernebeln den Sinn!
    …ihr sub­vokales AfD-Bash­ing ist doch unüber­hör­bar, erk­lären Sie uns das doch ein­mal… kläglich, erträglich, und vielle­icht kann ja Herr Letsch auch ein­mal etwas dazu sagen?

    • @i am ei 

      Komisch, den gle­ichen Kom­men­tar liest man auch ständig unter den Artikeln von Achgut und Tichy. Man soll die Beschw­erde (“Bash­ing”) klar­er for­mulieren. An klar for­mulierten Kri­tikpunk­ten man­gelt es doch längst schon nicht mehr!
      — Die AfD ist zu ein­er Sek­te gewor­den, in der offen­sichtlich dumme Posi­tio­nen nicht mehr aus­geräumt werden.
      — AfD-Mit­glieder fle­hen die ganze Zeit unab­hängige Blogs an, doch ein­fach Parteipos­tillen zu wer­den. Da wütet man, dass dieser oder jene Antrag nicht als Artikel gewürdigt wird oder dass ein Video der heil­los über­schätzten Alice Wei­del nicht ein­fach auf die Web­seit­en gestellt werde. Und das, nach­dem man sich jahre­lang zurecht darüber aufgeregt hat, dass die Grü­nen und die SPD sich so benehmen! Man kann offen­bar gar nicht genug zeigen, dass man sich nicht bess­er benehmen werde als die derzeit­i­gen, für die Ablö­sung reifen Eliten.
      — Man sieht offen­bar den Wald vor Bäu­men nicht mehr. Nach­dem man jahre­lang zurecht bemän­gelt hat, dass die Linken nicht ein­mal zugeben kön­nen, dass das heutige Chris­ten­tum friedlich­er und bess­er daste­ht als der real-existierende Islam, behauptet jet­zt die AfD Rus­s­land schwebe auf dem Niveau des West­ens, wenn auch ‘nicht unbe­d­ingt vitaler’ ”. Wis­sen Sie, wo es noch mehr Jed­er-ist-ein-Nazi-Zirkus gibt als in den USA? In Rus­s­land. Wis­sen Sie, wo man sich dage­gen wehrt? In den USA. Wis­sen Sie, wo man sich nicht dage­gen wehren kann? In Rus­s­land. Idiotisch.
      — Ich seh doch jet­zt schon, dass die klügeren Köpfe wie Beat­rix von Storch oder Roger Beck­amp absprin­gen wer­den. Es gab mal eine Zeit, da sind die aufgescheucht­en AfD-Hüh­n­er mit der Rei­hen­folge von Frau von Storchs Mit­glied­sausweis und ein­er Parteipo­si­tion (sie war Grün­dungsmit­glied) auf sie los­ge­gan­gen. Alles wird auf per­sön­lich­er Ebene ver­hackt und Macht­spie­len unter­ge­ord­net. Der Bürg­er ste­ht eben nicht im Zen­trum. Die AfD wird in ihrer inter­nen Dynamik Partei-Mainstream.
      — Es gibt keine Fehlerkul­tur! Wenn ich noch ein­mal “Parteipro­gramm lesen” höre, werfe ich mich auf den Boden und beiße in die Auslege­ware. Das ist so unfass­bar steif. Es gibt einen vernün­fti­gen Mit­tel­weg zwis­chen der absoluten Beliebigkeit der CDU/FDP/SPD und dem Zieh-durch-was-mal-beschlossen-wurde der Grü­nen. Vorschläge bedür­fen ein­er beständi­gen Revi­sion und eines offe­nen Diskurs­es. Die Welt drumherum ÄNDERT sich näm­lich. Rel­e­vant ist, dass Erk­lärun­gen für Posi­tion­swech­sel für Bürg­er klar nachvol­lziehbar sind und sich Parteien nicht in Sprachregelungs­fetis­chis­mus erge­hen, wie es die Alt­parteien tun, die plump nach Umfra­gen regieren, die die Grü­nen mit ihrem medi­alen Ein­fluss gestal­ten. Wie unter­schei­det sich die AfD denn noch von den Grü­nen, die mit Ver­weis auf frühere Beschlüsse, ihre K*cke bis zum Stro­maus­fall durchdrücken?
      — Die Gefahren des Grup­pen­denkens wer­den bei Linken kri­tisiert und gle­ichzeit­ig kopiert. Es gibt auch noch Men­schen, die Ein­wände haben und nicht ein­fach nur von der ARD aufge­het­zt wur­den. Aber die AfD sieht sich längst von Fein­den umstellt. Herr Broder kriegt jet­zt ständig vorge­hal­ten, auch mal etwas Nettes über Frau Baer­bock gesagt zu haben. Wer ein Land führen und einen will, kann nicht jeden, der was Nettes sagt, als Ver­räter abkanzeln. Wir wer­den uns alle in den fol­gen­den Jahren vieles wech­sel­seit­ig verzei­hen müssen.
      — Und ich kön­nte wohl lange so weit­er schreiben. Der entschei­dende Punkt ist, dass das eben nicht kleine Sachen sind wie die Posi­tion zur Homoe­he, zu einzel­nen Steuer­sätzen oder was auch immer, an denen man sich leicht reiben kann, die man aber für Wichtigeres an die Seite schieben kann. Die AfD ist ein unfokussiert­er, aufgescheuchter Haufen, der ständig hys­ter­isch von einem Kleinkram zum näch­sten ren­nt statt die Details von Lösungsvorschlä­gen auszuar­beit­en (und mit alten groben Beschlüssen und Pro­gram­men ist es nicht getan).
      — Und meinen AfD-Leute über­haupt, was sie sagen? Ich sehe über­all gekränk­te, ver­let­zliche Mimosen, die sich auf­führen wie woke Stu­den­ten oder karikaturbelei­digte Moslems, und in den Kom­men­tarzeilen von Tichy und Achgut darum bit­ten, eine konkrete Kri­tik zu for­mulieren. An der man­gelt es aber ger­ade nicht. Es sind eben nicht mehr nur Leute unter­wegs, die schwammige Begriffe wie “extrem”, “radikal”, “rechts” oder was auch immer um sich wer­fen. Konkrete Kri­tik find­et doch statt! Aber ich wage zu behaupten, dass der von vie­len Kom­men­ta­toren vor­ge­tra­gene Wun­sch, einen konkreten Kri­tik­samm­lungsar­tikel auf der Achse oder auf Tichy zu lesen, nicht ernst gemeint ist. Ein solch­er Artikel würde eben jenen die Laune verderben.

  2. @irgendwer
    Sie haben vol­lkom­men recht mit dem Stück­w­erk. Eine Brücke endet in ein­er anderen Brücke und die Brücke führt zu noch ein­er Brücke. Ich weiß, was sie sagen wollen, aber es sind Brück­en bis ganz hin­ten. Auf das 9‑Eu­ro-Tick­et fol­gt das 49-Euro-Tick­et. Auf “die Leute bekom­men immer Kinder” fol­gt “die Rente ist [ein­fach so] sicher”.

    Haben Sie die Taxis um die Kranken­häuser kreisen sehen? Von denen leben nun einige fast kom­plett von den Krankenkassen. Das ist das Pro­vi­so­ri­um für das Ausster­ben der Ärzteprax­en im ländlichen Raum. Es wäre ja auch zu ehrgeizig, irgen­dein Prob­lem ein­mal zu lösen. Das Helikoptergeld rieselt über die Infla­tion. Ein Pro­vi­so­ri­um? Unsere Poli­tik­er stellen sich stolz wie Bolle vor die Kam­era und erk­lären es zur Lösung. Kraftwerke, Gas, Öl, Kohle … das ist rechts und gestrig. Die Lösung ist das Verteilen und Umverteilen des Helikoptergelds!

    Angesichts all der Flickschus­terei kann man allerd­ings auch zu Fehlschlüssen kom­men. Ulrike Her­rmann von der Taz hat z.B. bei ihrer Bankaus­bil­dung nicht ver­standen, woher der Zins kommt. Das ist so ein typ­is­ches Prob­lem in linken Milieus. Der Kred­it wird ja mit mehr zurück­gezahlt als ver­liehen wurde. Und woher kommt dieses “mehr”? Vom Wach­s­tum! Damit braucht “der Kap­i­tal­is­mus” oder ihre Bank eben Wach­s­tum. Und dieser Wach­s­tum ist anrüchig. Jeden­falls in linken Kreisen. Und das hat etwas damit zu tun, dass die Dynamik so rekur­siv ist. Das diesjährige Wach­s­tum baut auf dem Wach­s­tum des Vor­jahres auf. Das Wach­s­tum der näch­sten Jahre baut auf dem aktuellen Wach­s­tum auf. Da wird einem ganz schwindelig. Eins ste­ht auf dem anderen, ste­ht auf dem weit­eren und so weit­er. Das klingt insta­bil. Ulrike Her­rmann spricht daher expliz­it davon, dass der Kap­i­tal­is­mus “insta­bil” sei. Dieses Wach­sen auf dem vorheri­gen Wach­sen des Brut­tosozial­pro­duk­ts hat den Flair von Pro­vi­so­ri­um über Pro­vi­so­ri­um. Die Erd­scheibe ruht auf ein­er Schild­kröte und die ste­ht auf ein­er anderen Schild­kröte und, ja, ja, ja, aber es sind Schild­kröten bis ganz unten.

    Allerd­ings ist die Wirtschaft­sleis­tung auch keine Rei­he von Brück­en oder ein Stapel Schild­kröten, son­dern zum einen die Leis­tungska­paz­ität ein­er Gesellschaft, die auch schlicht effizien­ter und Jahr für Jahr tech­nisch ver­siert­er arbeit­en kann, und zum anderen der Tausch von immer neuen Dien­stleis­tun­gen und Pro­duk­ten, für die sich die Mark­t­teil­nehmen wech­sel­seit­ig inter­essieren kön­nen. Steigt diese Wirtschaft­sleis­tung kön­nen mehr Kred­ite vergeben wer­den. Auch der Staat kann mehr Geld aufnehmen, wenn die Wirtschaft wächst. Die Ver­schul­dungs­fähigkeit hat aber natür­lich ihre Gren­zen und diese Gren­zen sind früher erre­icht, wenn die Währung nicht als Haup­tre­servewährung ander­er Zen­tral­banken dient. Und das sehen wir jet­zt als Infla­tion auf den Rech­nun­gen. Die Ver­schul­dung unter Hel­mut Schmidt oder Kohl mag unklug gewe­sen sein, aber der Wahnsinn war nicht annäh­ernd auf dem Niveau von heute. 

    Und ab hier tren­nen sich unsere Ansicht­en noch weit­er. Wenn es durchgek­nallt wird, wird oft die Sprache schwammig. Damit ver­suchen Schreiber ihre logis­chen Sprünge zu ver­tuschen. Also “es tobt” fängt schon mit ein­er Sub­jek­tum­schrei­bung an. Freilich lässt sich Ihr Satz trotz­dem leicht entschlüssen, um her­auszufind­en, wer da was macht. Sie ver­suchen eine feige for­mulierte Anklage zu erheben. Also “es” wird im Fol­gen­den zum “siechen­den Hege­mon”, der sich den “Konkur­renten” vorn­immt. Jet­zt lachen die Hüh­n­er ger­ade so laut, weil sie natür­lich merken, dass Rus­s­land als ern­ster Konkur­rent der USA verkauft wer­den soll. Und natür­lich nimmt sich die USA den Russen an. Es hat näm­lich die amerikanis­che Armee Rus­s­land über­fall­en und nicht die rus­sis­che Armee die Ukraine mit der klaren Ansage, den West­en ver­nicht­en zu wollen. Das kön­nen Sie ja auch so deut­lich nicht schreiben, weil die Hüh­n­er son­st alle Ohren betäuben. Es “tobt”, “siechen­der Hege­mon”, “nicht unbe­d­ingt vital” bla bla bla.

    Auf Ihren Georg Fried­man wurde ich schon ein­mal hingewiesen. Ich hat­te mir seine Rede noch nicht ange­hört. Für alle, die ihn nicht ken­nen: Georg Fried­man ist Chef­s­tratege des Pen­tagons und hat eine Rede gehal­ten, die offen­bar ger­ade in der AfD pop­ulär ist. Nein, hop­pla, Georg Fried­man ist gar nicht beim Pen­ta­gon. Er ist nur irgendw­er. Und die Rede hat er beim Chica­go Coun­cil gehal­ten. Das Chica­go Coun­cil ist das höch­ste Gremi­um im Weißen Haus, direkt unter dem … oh, nein, halt, Entschuldigung… Das Chica­go Coun­cil ist eine x‑beliebige Schwätzbude. Also irgendw­er hat irgend­wo irgend­was gesagt. Ein ganz heißes Eisen.

    • > [… blah…] Also irgendw­er hat irgend­wo irgend­was gesagt.

      Und jet­zt üben wir das Argu­men­tieren auch noch an den Inhal­ten der Fried­man­schen Aussagen.

  3. ” Das Dargelegte unter­stützt meine Mei­n­ung, dass der Ausweg NICHT inner­halb unseres Parteien­sys­tems zu find­en ist.”
    …und was schla­gen Sie vor?

    • Auswan­dern oder zumin­d­est Zweit­wohn­sitz suchen. Sich­er kann den sich nicht jed­er leis­ten und sich­er ist das eine Art Flucht. Doch ich werde einen Teufel tun, nach einem noch nicht been­de­ten, doch schon ziem­lich lan­gen Arbeit­sleben „für den Frieden zu frieren“, meine Erspar­nisse im EU—Südstaaten- Nir­vana ver­sack­en oder in Lagardes Eis­berg ungedeck­ter Schecks ( genan­nt Euro) dahin­schmelzen zu sehen, mein Auto im let­zten Winkel meines Grund­stücks zu ver­steck­en, damit es nicht von Kli­ma­neu­rotik­ern oder ANTIFA abge­fack­elt wird, mein Haus dem­nächst vielle­icht zwangsweise mit net­ten nige­ri­an­is­chen Neubürg­ern zu teilen, „Friedens­feste“ statt Wei­h­nacht­en zu feiern, und dies bevorzugt im Dunkeln, der aus­gewach­se­nen Psy­chose eines durchgek­nall­ten Hasardeurs, der mich seit zweiein­halb Jahren mit sein­er Spritze ver­fol­gt, nachzugeben, um ein Restau­rant, einen Fit­ness­club oder ein The­ater betreten zu dür­fen. Und in let­zterem spielt dann ein Weißer den Oth­el­lo, damit die Spiel­stätte nicht wegen „kul­tureller Aneig­nung“ verk­lagt wird. Usw. usw. Deutsch­land entwick­elt sich zu Absur­dis­tan; in wirtschaftlich­er, kul­tureller und jed­er anderen Hin­sicht. Es steigt ab aus der zweit­en in die dritte Liga. Wird in jed­er Hin­sicht zum Bana­nen­staat; nur daß es bald auch keine Bana­nen in ihm mehr geben wird. Und Roger L. hat Recht: Die Grü­nen, die sich auch expliz­it so nen­nen, stellen eine ein­deutige Min­der­heit unter den Gewählten dar. Aber eine Mehrheit jen­er, die an die Urne gehen, wählt eine der­jeni­gen Parteien, welche grüne, linke Poli­tik betreiben. Insofern gilt das Wort Jesu „Herr vergib ihnen, sie wis­sen nicht was sie tun“ nur sehr bed­ingt für sie. Vielle­icht wis­sen sie es wirk­lich nicht. Aber sie k ö n n t e n es wis­sen, wenn sie Augen und Ohren auf­sper­ren wür­den. Nichts von dem, was Bun­des- und inzwis­chen aus­nahm­s­los alle Län­der­regierun­gen jet­zt exerzieren, haben sie nicht vorher lang und bre­it angekündigt: die Zer­legung der indus­triellen Basis im all­ge­meinen und der Energieba­sis unseres Lan­des im spezielle, immer neue, immer höhere Steuern (die aktuellen „Ent­las­tungs“- Bemühun­gen sind nur ein vorüberge­hen­der Reflex, Aus­druck der Angst, vom Volk für ihr Ver­sagen geteert und gefed­ert zu wer­den), die Ein­schränkung der Mobil­ität…. Geliefert wie vom Wäh­ler bestellt.

  4. Für mich ist das Ergeb­nis der Wahl in Nieder­sach­sen wie fol­gt erklärlich:
    1. Men­schen, die mit der Poli­tik mehr oder weniger nix am Hut haben, weil sie genü­gend andere Prob­leme haben, weil sie ver­sorgt sind, weil sie die Hoff­nung ver­loren haben, gehen nicht zur Wahl. Mit dem Anwach­sen der Nichtwäh­ler­schaft sind die Ergeb­nisse umso fragwürdiger.
    2. In Krisen­zeit­en dürfte der Hang, Altherge­bracht­es zu wählen, von Bedeu­tung sein. Daher die nur mod­er­at­en Ver­luste bei SPD und CDU.
    3. Das Ergeb­nis der Grü­nen ist mit dem religiösen Eifer der Partei und ihrer Gefol­gschaft zu erk­lären. Es bedarf viel mehr Krise, das zu ändern.
    4. Men­schen, die die AfD wählen, haben die Schnau­ze voll und ver­suchen über ihre Wahl, dieses den Ver­ant­wortlichen kund zu tun. Im Gegen­satz zu den Nichtwäh­lern haben sie die Hoff­nung noch nicht verloren.
    5. Das Ergeb­nis der FDP resul­tiert aus der Loy­al­ität der let­zten verbliebe­nen Parteian­hänger. Alle anderen haben einge­se­hen, dass von dieser Partei außer schlauer Sprüche kaum was zu erwarten ist.

    Ergo: Nur, wenn die Krise noch ärg­er wird, wird sich am Wahlver­hal­ten etwas ändern. Allerd­ings sehe ich aktuell kaum Per­sön­lichkeit­en, die dieses Land wieder in die Spur brin­gen kön­nen. Und bis dies der Fall ist, mag es bere­its zu spät sein.

  5. Men­schen entwick­eln sich in Phasen. Nach der Pubertät fol­gt beispiel­sweise die Kon­for­mität. In der Wikipedia Schlag­wort: Ich-Entwicklung.
    Die Übergänge wer­den durch eine kon­struk­tive Bewäl­ti­gung von Kon­flik­ten erre­icht — Individuation.
    Die Ost­deutschen scheinen beispiel­sweise ratio­naler (Nach­folge der Kon­for­mität) zu han­deln, weil sie möglicher­weise in ihrer Ver­gan­gen­heit zu ein­er kon­struk­tiv­en Bewäl­ti­gung von Kon­flik­ten unbe­wusst gedrängt wur­den. Falls der Mauer­bau z.B. der Start­punkt war, hat es 28 Jahre gedauert, bis die Gesellschaft ihre Kon­for­mität ver­lassen konnte.
    Als Ableitung kann umgekehrt das Aus­bleiben der Her­aus­forderung — Kon­flik­te kon­struk­tiv zu bewälti­gen — als Ste­hen­bleiben in ein­er Phase angenom­men werden.
    Im Kleinen ist das Muster bei Sek­ten zu beobacht­en. Sie funk­tion­ieren nur auf­grund der Kon­for­mität. Deshalb ist die Wahl in Nieder­sach­sen vielle­icht der Aus­druck ein­er Sek­te, die ihre Kon­for­mität nicht ver­lassen möchte.
    Manche Sek­ten enden ihn ihrem Unter­gang, der durch Grup­pen­denken aus­gelöst wird. Die Sek­te Peo­ples Tem­ple hat beispiel­sweise mit ihre 900 Mit­gliedern einen Massenselb­st­mord umgesetzt.

  6. Warum reagieren die Men­schen nicht? Weil sie psy­chol­o­gisch nicht kön­nen. Es ist eine Trav­es­tie der Evo­lu­tion, dass wir ger­ade die Dinge nicht anschauen kön­nen, die uns am meis­ten Angst machen, um die wir uns am ehesten küm­mern müssten. Weiß noch jemand, wie er die Rech­nun­gen in den kom­menden Monat­en bezahlen soll? Bess­er nicht aufs Kon­to schauen. Als psy­chol­o­gis­ch­er Schutz leg­en wir nochmal die alte Schallplat­te auf und tanzen durch das Schlafz­im­mer. Ach, die Jugend war schön! Wer weiß, ob es noch ein­mal Schönes gibt!

    Laut Bas­sam Tibi gibt es in islamis­chen Län­dern den Aus­druck “byzan­ti­nis­ches Geschwätz”.
    https://www.bassamtibi.de/wp-content/plugins/download-attachments/includes/download.php?id=3007
    Damit ist gemeint, dass die Intellek­tuellen von Kon­stan­tinopel sich in eine Diskus­sion um Wort­wahl­prob­leme und magis­che Wirkun­gen von mys­tis­chen Formeln ergin­gen, während Mehmet II (der Erober­er) die Stadt angriff. Soweit ich weiß, hat­te sich die Stadt angesichts der mil­itärischen Kräftev­er­hält­nisse rel­a­tiv gut behauptet. Die Leg­ende reimt sich aber auch mit mit­te­lal­ter­lich christlichen Leg­en­den wie die um die “Schlacht der Dreißig”, nach der die Fran­zosen den Ver­lust der Englän­der damit erk­lärten, dass let­ztere ange­blich an Mer­lin, Zauberei und Hei­denkult glaubten.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Combat_of_the_Thirty
    Das “byzan­ti­nis­che Geschwätz” kann also eine Siege­serk­lärungsle­gende sein, die die Chris­ten zu Un- und Aber­gläu­bis­chen erk­lärten, die von echt­en Gottes­fürchti­gen bezwun­gen wur­den. Denkbar ist aber eben auch, dass die Leg­ende einen wahren Kern hat und die Beschäf­ti­gung mit Quatsch sehr wohl eine Angstreak­tion in Kon­stan­tinopel gewe­sen war. Also müssen wir die “erneuer­baren” Energien jet­zt erst recht ausbauen. 

    Als für mich die AfD noch wählbar war, bin ich der Frage auch aus­gewichen, was man denn wählen sollte. Mein Hin­weis lautete, “Halt was anderes!” Ich denken, dass eine Stim­men­thal­tung als Zus­pruch gew­ertet wird. Gegebe­nen­falls wird die Wahlpflicht einge­führt, was Kursän­derun­gen noch schwieriger macht, weil weniger Informierte und damit leichter Manip­ulier­bare an die Wahlur­nen gedrängt wer­den. Mein­er Mei­n­ung nach ist es wohl das Beste, seine Stimme ein­er unbe­deu­ten­den Gruppe zu geben, damit die immer­hin noch moralis­che Unter­stützung erfahren. Die AfD ist ja auch deshalb im jet­zi­gen Zus­tand, weil man sie am lan­gen Arm ver­hungern ließ. Mir tun die vie­len Mit­glieder, die gut sind, leid, aber der Rus­s­land-Ukraine-Krieg ist eine wahnsin­nig ein­deutige Sit­u­a­tion und eine Partei, die sich fast geschlossen im Kleinkram ver­liert statt sich einen Überblick zu ver­schaf­fen, wird wohl auch an ander­er Stelle keine Urteil­skraft haben. Viel kann man mit dem derzeit­i­gen Wahlsys­tem, das dem rus­sis­chen sehr ähn­lich ist, nicht machen. Und die Wut darüber gehört eigentlich auf die Straße. 

    Aber hat die Elite die Legit­i­ma­tion, die sie glaubt zu haben? Die Eliten­per­spek­tive, wonach man dies oder jenes ignori­eren könne, wenn man nur medi­al über dieses oder jenes mehr redet, muss gar nicht die rel­e­vante Per­spek­tive sein. Wer­den die Super­mark­tre­gale leer, kön­nen sich rasch Dele­git­imierungser­schei­n­un­gen ein­stellen. Und es ist egal, wie sich der Ver­fas­sungss­chutz dazu ver­hält, weil das sehr schnell sehr viele Men­schen mitreißen kann. Nico­lae Ceaușes­cu erfreute sich bis kurz vor seinem bru­tal­en Sturz hoher Beliebtheitswerte.

    Ich per­sön­lich schaue mit Hor­ror auf ein solch­es Szenario. Das Resul­tat ist alles andere als klar. Die spät Erhitzten wer­den die Prob­leme kaum durch­dacht haben. Viele in der AfD z.B. sind davon überzeugt, dass ein Energiepreis wie vor dem Ukrainekrieg aus­re­ichen würde, um die Wirtschaft am laufen zu hal­ten. Dafür ist es viel zu spät. Es müssen neue Investi­tio­nen getätigt wer­den, um die nach und nach still­gelegten Anla­gen wieder hochz­u­fahren, und dass geht nur mit ein­er Aus­sicht auf einen Energiepreis wie in den Neun­zigern. Rus­sis­ches Gas ist schön, aber an diesem Punkt nicht mehr genug. Es wird selb­st bei einem best­möglichen Kur­swech­sel sehr lange dauern, bis die Preise wieder run­terkom­men, und Inve­storen müssen darauf ver­trauen kön­nen, dass auch wirk­lich hart daran gear­beit­et wird, damit am Ende der Investi­tions­dauer über­haupt noch etwas für sie rausspringt.

    Grund­sät­zlich ist das Prob­lem, dass sich unsere Repräsen­tan­ten über­schätzen und möglichst wenig Mitbes­tim­mung dulden. Die AfD winkt mit “direk­ter Demokratie”, also Ref­er­en­den. Wir brauchen einen Mit­tel­weg und das ist schw­er zu kom­mu­nizieren, wenn die Leute immer wüten­der wer­den. Das alte Athen lebte von direk­ter Demokratie und ver­lor den Pelo­pon­nesis­chen Krieg auch deshalb, weil es seine besten Mil­itärs exeku­tierte, weil diese die Leichen der Gefal­l­enen nach der “Schlacht bei den Argi­nusen” nicht bergen kon­nten. Wed­er oli­garchis­che Eliten­ab­schot­tung noch hitzige Direk­t­be­fra­gun­gen sind die Antwort auf die Krise. Mehr öffentliche Posi­tio­nen müssen indi­vidu­ell und unab­hängig von elitären Net­zw­erken wählbar sein und Amt­sträger müssen sich einar­beit­en und gegenüber den Wäh­lern Rechen­schaft able­gen kön­nen. Das ist die Mitte.

      • Selb­stver­ständlich, lieber Herr Letsch, ist es vol­lkom­men richtig, wenn Ben Ihre Mei­n­ung unter­stützt — das wäre ja noch schön­er, schließlich liefern Sie uns regelmäßig wun­der­schön geschlif­f­ene und daher geschmei­dig les­bare Lit­er­atur frei Haus…mancher mag glauben, die flösse ein­fach so in die Fed­er, doch ist es ja nicht an dem…

        Ein Ausweg zeich­net sich natür­lich zunächst dadurch aus, dass er sich nicht inner­halb von irgen­det­was befind­et — Ihre dies­bezügliche Aus­sage ist daher gle­icher­maßen präzise wie triv­ial, offen­bar ein kom­modes Stilele­ment (Smi­leys Ihrer Wahl). Der geneigte Leser — also ich, genau in diesem Moment — ver­mag jedoch nicht so ohne weit­eres zu erken­nen, um welche Sit­u­a­tion, um welch­es Szenario es sich han­delt, dem zu ent­tfliehen eine sig­nifikante Bedeu­tung beizumessen wäre.

        Die Wäh­ler wollen ja alle nur eines — ein schönes, glück­lich­es Leben führen, dessen Ver­lauf sie selb­st in frei­heitlich­er Selb­st­bes­tim­mung entschei­den. Das ist das Eine. Nun legt man ihnen eine Liste vor, wo sie etwas ankreuzen dür­fen (wegen der Demokratie). Was sie nicht ankreuzen dür­fen, hat man ihnen schon die ganze Zeit gesagt, was sie ankreuzen sollen, eben­falls. Aus irgendwelchen Grün­den gehen die Wäh­ler davon aus, dass es nicht wirk­lich eine Rolle spielt, was sie ankreuzen, denn ihr Wille bleibt ja immer derselbe.

        Arme Wäh­ler — sie haben noch nichts verstanden…“people are gen­er­al­ly stu­pid and believe in every­thing they are told..”…

        Mit den besten Wünschen…nicht für alle, diese Frei­heit nehme ich mir heraus…

        • Ein schönes, glück­lich­es Leben…aber natür­lich! Ich finde, man sollte das Recht darauf in ein Doku­ment schreiben, das unan­tast­bar weil nicht von poli­tis­chen Wirren abhängig ist. Wo hab ich sowas nur schon mal gelesen…“We hold these truths to be self-evi­dent, that all men are cre­at­ed equal, that they are endowed by their Cre­ator with cer­tain unalien­able Rights, that among these are Life, Lib­er­ty and the pur­suit of Happiness”
          Mit besten Wün­schen, die Frei­heit haben Sie! 😉

      • Ähm­nein, par­don, die Frei­heit um diese Präam­bel aus der amerikanis­chen Ver­fas­sung zu wählen hat der Herr Sixts ja eben nicht. Er muss hier die Parteien wählen, weil im deutschen Grundge­setz aus­drück­lich ste­ht, dass die poli­tis­che Wille vom Volke UND von den Parteien aus­ge­he. Was lei­der Gottes nun mal the pur­suit of hap­pi­ness auss­chließt!, aber so sieht die deutschen Spät­demokratie es nun mal vor.

      • Es liegt doch nicht (so sehr) am Per­son­al. Ja, ich weiß, eine recht kon­tro­vers zu betra­ch­t­ende These.
        Aber: Das Sys­tem ist kaputt. Und zwar grund­haft in allen Bereichen.

        Beispiel Deutsche Renten­ver­sicherung — nach dem Krieg einge­führt, um eine Ver­sorgung “von der Hand in den Mund” kam man nicht herum. Ade­nauers “Kinder bekommt man immer” war nach dem Pil­lenknick allerd­ings obsolet.

        Spätestens in den 1980’ern war völ­lig klar, dass der Gen­er­a­tio­nen­ver­trag ein Schnee­ball­sys­tem gewor­den war. Auch das Ver­falls­da­tum war vorherzuse­hen, wie unser Wiwi-Prof. uns Anfang der 1990’er vor­rech­nete: ca. 2030. Um diesen Zeit­punkt wird die Rente der Deutschen nicht mehr finanzier­bar sein.
        (Gabor Stein­gart im Han­dels­blatt 2010, Leitkom­men­tar: “An Renten und Pen­sio­nen kann nur zum Preis eines Auf­s­tands gerührt wer­den, aber es muss daran gerührt wer­den.” Man hat sich dann doch wohl lieber auf den Auf­s­tand vor­bere­it­et, als die heile Welt unnütz früher zu stören.)

        Beispiel Geld­w­ert­blase. Sehen Sie sich allein die deutsche Staatsver­schul­dung an:
        1950 10Mrd., 1970 64Mrd., 1990 538Mrd., 2000 1.211Mrd., 2005 1.490Mrd., 2010 2.012Mrd.
        In den 1980’ern brach ein Bekan­nter, Unternehmer, mit der schwäbis­chen FDP, weil er auf seinen Protest, dass man in der Kon­junk­tur doch Schulden abtra­gen, aber keine neuen aufnehmen sollte, nur mitlei­d­volles Grin­sen erntete.
        Man pflasterte Prob­lem­chen mit frisch gedruck­tem Geld zu, die Zukun­ft würde es schon richt­en. Man sah später Prob­leme auf sich zukom­men, pflasterte auch die mit “fiat mon­ey” zu, aber was sol­l’s, die Zukun­ft wird es schon richten.

        Tja… The future is now. Das poli­tis­che Per­son­al ist nicht schlechter, als das vor 50 Jahren und ja, das schließt auch den ach so tollen Hel­mut Schmidt mit ein. Es mag für Poli­tik­er, die “Wand” vor Augen, hil­fre­ich sein, nicht allzu­viel Ahnung und/oder Skru­pel zu haben. Aber die Fahrt wurde schon damals in Rich­tung Wand gelenkt, solle doch später ein­mal jemand das Lenkrad herumreißen. 

        Nun haben wir ganz viele Krisen mit ein­mal nachzu­holen. Dazu tobt noch ein erbit­tert­er geopoli­tis­ch­er Machtkampf, in welchem der sieche Hege­mon sich aktuell den nicht unbe­d­ingt vitaleren, aber dadurch schwächeren der bei­den Konkur­renten vorn­immt. (Und wie George Fried­man 2015 so nett erläuterte, gälte es für die USA, Deutsch­land “in einem Aufwasch” mit zu erledi­gen.) Ja, ich habe meinen Jür­gen Roth gele­sen, weiß Rus­s­land dadurch sehr wohl einzuschätzen und erlaube mir den­noch, mich zu erin­nern, wie vor Trump schon Oba­ma gegen die deutsche Exportkraft…*

        *) Bevor ich noch etwas Hässlich­es schreibe…

    • Inter­es­sant was Sie schreiben, Ben. Was die AfD bet­rifft, treibt die mich lei­der langsam zur Verzwei­flung. In sehr wesentlichen Posi­tio­nen- ihre Hal­tung zur „Energiewende“, zur Ein­wan­derungspoli­tik zum wok­en Sch…, zur EU-Poli­tik, zum Covid 19-Wahn, zu ganz ele­mentaren Demokratiefra­gen und vieles mehr: Da stimme ich mit deren Posi­tio­nen teils 100%ig übere­in. Sie, und nicht CDU, CSU und (früher) FDP sind die Oppo­si­tion. Nur wenn ich dann die (an sich) wirk­lich kluge Frau Wei­del, die (zum Beispiel) mehr von Wirtschaft ver­ste­ht als alle Gurken der regieren­den Laien­spiel­truppe zusam­men, faseln höre, man müsse „auf Ruß­land zuge­hen“ und — absoluter Tief­punkt in ihrer Rhetorik — in einem YouTube-Video über den ukrainis­chen Präsi­den­ten und die USA herziehen höre (in ein­er Sit­u­a­tion, in der es um die Exis­tenz dieses Lan­des geht), dann frage ich mich, ob (linke) Kri­tik­er der AfD nicht doch Recht haben mit der Behaup­tung, die AfD habe keinen ver­läßlichen außen­poli­tis­chen Kom­pass. Daß sie selb­st in ihrem notorischen Ameri­ka- und Israel schon gar nicht haben und nie hat­ten ste­ht auf einem anderen Blatt. Ich erin­nere, daß die AfD es war (zumin­d­est ihr west­lich­er Teil), der die Entschei­dung Trumps begrüßte, die U.S. — Botschaft nach Jerusalem zu ver­legen, welche die deutschen Außen­min­is­ter für die Unter­stützung nahöstlich­er kor­rupter Poli­tik­er (z.B. in der UNO) kri­tisierte. Aber das scheint mir jet­zt sehr fern; die AfD scheint dem Reflex links- und recht­säußiger Scharf­mach­er, in allem die „Finan­zoli­garchie“ im all­ge­meinen und die USA und Israel im speziellen zum Sün­den­bock für alles Übel in der Welt- aktuell (bezo­gen auf USA) — ver­ant­wortlich zu machen, nachgegeben zu haben. Für mich ist sie aktuell aus diesem Grund unwählbar.

      • @Dr. Roland Mock
        Danke. Man bekommt auch den Ein­druck, dass die AfD sich der Suche nach äußeren Fein­den und Sün­den­böck­en anschließt, weil sie sich selb­st offen­bar doch nicht für kom­pe­tent genug hält, um die mul­ti­plen Mis­eren auszubaden. Die unaus­ge­sproch­ene Wahrheit ist eben, dass wir in ein­er Krise sind, in der es nicht reicht, bess­er zu sein als “noch viel schlim­mer”. Selb­st die beste Führung wird jahre­lang Prügel ein­steck­en müssen, bis sich irgen­det­was wieder bessert. Das erfordert ein Höch­st­maß an Kom­pe­tenz und Charak­ter, also min­destens eine Kom­panie vom Kaliber Mar­garete Thatchers.

      • Aber Ben, warum denn nicht ein Dik­ta­tor vom Kaliber Augus­to Pinochets?

        Wenn das poli­tis­che Sys­tem dys­funk­tion­al wird, kann so eine Mil­itärdik­tatur die Sache doch wieder ger­aderück­en. Ich per­sön­lich hoffe ja auf nen drit­ten Weltkrieg, und damit ein­herge­hen­den Mil­itär­putsch, bei dem die derzeit­i­gen Poli­tik­er ein­fach aus­nahm­s­los wegen Defätismus und Wehrkraftzer­set­zung an die Wand gestellt wer­den, und die Mitar­beit­er irgendwelch­er Flüchtlings-NGOS oder auch Gre­tas Eltern in Folterge­fäng­nis­sen lan­den, in denen aus ihnen her­aus­ge­foltert wird, was dieser Scheiß eigentlich soll, und in wessen Auf­trag er geschieht. Und in der poli­tis­che Betä­ti­gung qua­si ille­gal gemacht wird.

        Meinen­twe­gen kann man ja zu sowas wie Wahlen zurück­kehren, nach­dem die Kom­mu­nis­ten und son­stige Prob­lem­grup­pen alle aus dem Helikopter getreten wur­den. Wobei ich die Wahlberech­ti­gung max­i­mal ein­schränken würde. Es reicht doch, wenn der Dik­ta­tor wählen kann, so lange Waf­fen für jed­er­mann frei ver­füg­bar sind. Diese virtuelle Oppo­si­tion, die der Dik­ta­tor berück­sichti­gen muss, weil ihn son­st ein blutrün­stiger Mob mit nem Bay­on­nett zu Tode fickt, bietet dem Dik­ta­tor doch viel bessere Anreize, als eine Oppo­si­tion aus EYYYYYYYYYY blök­enden Rent­nern, die eben weil sie sich an Geset­ze hal­ten längst sig­nal­isiert haben, dass man mit ihnen machen kann wonach es einem beliebt.

    • Ach Ben…

      “Reagieren” bedeutet “Schwere Straftat­en bege­hen”. Und wer traut sich das schon?

      Dass der Kram mit dem Wählen nicht funk­tion­iert wie gehofft, ist ja mitler­weile klar. Demon­stra­tio­nen brin­gen auch nichts, denn was demon­stri­eren unbe­waffnete Weißhaarige schon, die außer EEEEEEEEEYYYYYY-blöken nichts kön­nen, wenn sie von den Bullen auf die Fresse kriegen? Die demon­stri­eren, dass sie Opfer sind, mit denen man machen kann, was man will, und die demon­stri­eren, dass ihre natür­liche Stel­lung die des Leibeige­nen ist. Ich meine, was zum Fick kannst Du von Leuten erwarten, die, mit muh Grundge­setz in der Hand, den Regieren­den vor­w­er­fen, “die Regieren­den seien die wahren Staats­feinde, und wollt Ihr etwa wieder krieg in Europa?!?!?!” .

      • > was demon­stri­eren unbe­waffnete Weißhaarige schon, die außer EEEEEEEEEYYYYYY-blöken nichts kön­nen, wenn sie von den Bullen auf die Fresse kriegen?

        Mit der­art fes­chen Worten sollte man nat­uer­lich aus­re­ichen­des per­soen­lich­es Gegengewicht mit­brin­gen. Was macht denn Rolf so, auss­er Kom­mentare im Inter­net zu schreiben?

        Schlimm genug uebri­gens der Alters­durch­schnitt der Demon­stran­ten. Mit der “Antifa” hebt es sich dann wieder auf.

      • Ich will Her­rn Letsch nicht antun, noch mehr ellen­lange Kom­mentare von mir unter diesem einen Text lesen zu müssen. Also nur kurz…

        Ein lock­eres Waf­fen­recht ist sin­nvoll, denn wie Akif Pir­inc­ci bere­its in sein­er ver­häng­nisvollen Pegi­da-Rede gesagt hat, haben unsere Eliten über­haupt keinen Respekt mehr vor uns. Lei­der braucht es die men­schliche Natur offen­bar, dass sie grund­sät­zlich mit ein­er her­ben Bestra­fung rech­nen muss, um sich an Regeln zu hal­ten. Das ist jeden­falls der Fall bei mach­to­ri­en­tierten Per­so­n­en. Ein weit­er­er Fak­tor ist, dass andere Frei­heit­en wie das Ver­samm­lungsrecht und die Rede­frei­heit auf lange Sicht nur so gesichert wer­den kön­nen. Ver­liert das Waf­fen­recht den Stel­len­wert in der Gesellschaft, kann eine sich zum Bösen wen­dende Regierung pri­vate Sicher­heits­di­en­ste abschaf­fen. Wer Polizeis­chutz erhält und wer diversen Schlägertrup­ps (Antifa, BML, Neon­azis, Islamis­ten usw.) aus­geliefert bleibt, wäre dann eine Willkürentschei­dung der Poli­tik­er und ihrer unter­stell­ten Beamten.

        Ich kön­nte so durch etliche Säulen des west­lichen Sys­tems gehen. Die Prinzip­i­en sind nicht ein­fach so da. Ich finde deine Frage eigentlich sehr gut, weil wir in Deutsch­land erschreck­end wenig darüber reden, für was was da ist. Die deutsche Ver­hält­nis zu diesen Grund­sätzen ist in der Regel, “Wenn wir nicht ‘Demokratie’ sagen, kriegen wir wieder Bomben auf den Kopf.” Entsprechend greift jed­er ängstlich nach der Per­len­kette, wenn nach dem Sinn gefragt wird, und kein­er erörtert ihn.

        Pinochet war in ein­er anderen Lage als wir. Die Kom­mu­nis­ten in Lateinameri­ka waren sehr gewalt­bere­it und seine Reak­tion muss man auch entsprechend einord­nen. Unsere Eliten mei­den Gewalt. Das ist eine andere Art Geg­n­er. Die Gefahr in ein­er Sit­u­a­tion aufzuwachen, in der man noch weniger bewirken kann, steigt mit dem Gewalt­pegel. Derzeit kreisen hier auch so viele gefährliche Ideen (Kraftwerke abschal­ten, für Jungfrauen in den Dschi­had ziehen, die rus­sis­che Armee willkom­men heißen, Kom­mu­nis­mus, deine Idee …), dass man schon ganz schön viele Hub­schrauber bräuchte. Eigentlich ist jed­er ger­ade ein biss­chen Bluna.

        Es flat­tern ger­ade aller­hand schwarze Schwäne durch die Gegend. Du wirst dich noch wun­dern, wie viele von den Deutschen — etliche davon Kinder von Ein­wan­der­ern — keine Bahn­steigkarte ziehen werden.

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