Alte Hand-DruckerpresseUm es gleich vor­weg zu sagen: ich bin weder das eine noch das ande­re. Zum Bet­tel­mönch fehlt es mir an Glau­ben, für den Ablass­han­del an Skru­pel­lo­sig­keit und Geschäfts­sinn. Ich bin ein Fan der Ver­nunft und die­se fin­det im Den­ken eines Franz von Assi­si viel eher Anknüp­fungs­punk­te als im Ablass­han­del spä­te­rer Tage. Fran­zis­kus for­der­te Armut und Nächs­ten­lie­be nicht von ande­ren, son­dern leb­te sie selbst vor. Nun kann man die Fröm­mig­keit des 13. Jahr­hun­derts nicht ohne Brü­che ins 21. Jahr­hun­dert über­tra­gen, aber es fällt schon auf, dass per­sön­li­ches Bei­spiel und Kathar­sis den Wan­der­pre­di­gern heu­te nicht mehr selbst­ver­ständ­lich sind. Die Dif­fe­renz zwi­schen dem, was ehe­mals als mora­lisch erwünscht galt und der Lebens­wirk­lich­keit wur­de schließ­lich zur uner­schöpf­li­chen Quel­le der Berei­che­rung für die katho­li­sche Kir­che, ange­trie­ben vom öffent­lich bestärk­ten schlech­ten Gewis­sen (Pre­dig­ten). Die Kli­ma­ret­ter ste­hen heu­te vor dem­sel­ben Dilem­ma. Das kurio­se Ergeb­nis war und ist, dass mit der „Tugend” zwar schwung­haft (Ablass)Handel getrie­ben wur­de und wird, ohne dass sich deren Prin­zi­pi­en als Vor­sor­ge­ge­dan­ke (sün­di­ge nicht, spa­re Geld) in irgend­ei­ner Wei­se in der Pra­xis durchsetzten.

Es ging der katho­li­schen Kir­che wie der­einst dem deut­schen Staat, der zwar die Tabak­steu­er erhöht, angeb­lich um die Gesund­heit der Bür­ger zu ver­bes­sern, aber nie so stark auf ein­mal anhob, dass die Leu­te ganz mit dem Rau­chen auf­hör­ten („Aus­weich­ver­hal­ten ver­mei­den“ nann­te das Gesund­heits­mi­nis­te­rin Ulla Schmidt) – selbst wenn dies zwei­fel­los für die Gesund­heit jedes Rau­chers das bes­te gewe­sen wäre: man möch­te nur ungern auf die Ein­nah­men ver­zich­ten. (Ich erlau­be mir den abschwei­fen­den Ein­schub, dass die katho­li­sche Kir­che heu­te zumin­dest einen ansehn­li­chen Peters­dom vor­wei­sen kann, wäh­rend die deut­sche Tabak­steu­er weder die Gesund­heit noch das Gesund­heits­sys­tem auf­rich­ten konnte.)

Das CO2-Fegefeuer und der Ablasshandel

Die Kli­ma­ak­ti­vis­ten mögen es über­haupt nicht, wenn man die Geschäfts­prak­ti­ken der ihnen nahe­ste­hen­den Label und Zer­ti­fi­ka­te mit dem mit­tel­al­ter­li­chen Ablass­han­del ver­gleicht. Doch lei­der ist das Prin­zip das­sel­be. Denn a) sind Kli­ma­zer­ti­fi­ka­te wie die Ablass­brie­fe uner­schöpf­lich, b) ist ihre Wirk­sam­keit nicht zu über­prü­fen, c) kann man sie auf Vor­rat kau­fen und d) reagie­ren die aus­ge­ben­den Stel­len gera­de­zu aggres­siv, wenn jemand die Pra­xis die­ses „Tausch­han­dels“ kri­tisch hin­ter­fragt. Schließ­lich noch e) – ein Ablass­brief ver­hin­der­te „Sün­den“ eben­so wenig wie ein CO2-Zer­ti­fi­kat auch nur ein ein­zi­ges Mole­kül Koh­len­di­oxid von der Luft fern hält.

Bestimm­te im Mit­tel­al­ter die „Sün­de“ die Län­ge des Auf­ent­halts im von der Kir­che erfun­de­nen „Fege­feu­er“, ent­schei­det heu­te die „Kli­ma­neu­tra­li­tät“, ob man direkt über „Los“ ins Para­dies kommt. Zahl­rei­che Anbie­ter gibt es auf dem Markt des „CO2-Aus­gleichs“, wie die­se moder­ne Form des Ablass­han­dels genannt wird. Dabei ist der Deal immer der­sel­be: man „sün­digt“ so, wie man das schon immer getan hat und zahlt für die­ses Tun einen „Aus­gleich“ – im fol­gen­den Bei­spiel sind es 2% des Auf­trags­wer­tes – und erhält dafür ein Zer­ti­fi­kat, dass man sich zum Bei­spiel aus­dru­cken kann, um es (in nicht all­zu fer­ner Zukunft) auf Ver­lan­gen vor­zei­gen zu kön­nen oder für ein gutes Gewis­sen unter das Kopf­kis­sen zu legen. Was für die einen wie ein Aus­weis kli­ma­ti­schen Wohl­ver­hal­tens aus­sieht, ist für den ande­ren eine Gau­ner­zin­ke die besagt, dass hier schon jemand ande­rer abge­zockt hat. Man bezahlt schließ­lich immer nur ein­mal Schutz­geld. Das Kli­ma­zer­ti­fi­kat ist somit auch eine Ver­si­che­rungs­po­li­ce gegen künf­ti­ge Vor­wür­fe mora­li­schen Fehlverhaltens.

Das Geld für das Zer­ti­fi­kat wird nun (nach Abzug eini­ger Kos­ten) an Pro­jek­te wei­ter­ge­reicht, die von so bestür­zen­der Rein­heit und Gran­dez­za sind, dass nie­mand mehr wis­sen möch­te, wo genau denn dort das CO2 ein­ge­spart wird, dass man hier selbst nicht ein­spa­ren muss­te. Das Geld hat sich auf dem Weg von euro­päi­schen Kon­ten nach Afri­ka oder Indi­en gewis­ser­ma­ßen ver­wan­delt. Es ist, mora­lisch von CO2 gerei­nigt, zu gött­li­chem Man­na gewor­den, mit des­sen Hil­fe die ers­te Welt die drit­te Welt an den Seg­nun­gen der Zivi­li­sa­ti­on teil­ha­ben lässt. Die­ses Prin­zip ken­nen wir aus der klas­si­schen Ent­wick­lungs­hil­fe, nur dass dank CO2 das gan­ze Jahr über Weih­nach­ten ist und die Spen­den­be­reit­schaft durch den Kli­ma-Ablass­han­del und per­ma­nen­ten Kli­ma­not­stand befeu­ert und insti­tu­tio­na­li­siert wur­de. Oder um den alten Tetzel-Spruch etwas auf­zu­bü­geln: Wo Trä­ne von der Wan­ge rinnt, der Euro in die Kas­se springt.

Beispiel: Klimaneutral drucken

„Wenn Sie nach außen hin klar über Ihre Kli­ma­schutz­stra­te­gie spre­chen, wer­ten Sie Ihre Mar­ke als ver­ant­wor­tungs­voll auf. Dafür geben wir Ihnen Mate­ri­al wie Text­bau­stei­ne und Bil­der oder auch wis­sen­schaft­li­ches Hin­ter­grund­wis­sen an die Hand, damit Sie sich glaub­haft für den Kli­ma­schutz posi­tio­nie­ren können.“

So steht es geschrie­ben in den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen von Cli­ma­te­Part­ner, dem nach eige­nen Anga­ben Markt­füh­rer für CO2-Aus­gleichs­zah­lun­gen im deutsch­spra­chi­gen Raum. Vie­le Dru­cke­rei­en bie­ten mitt­ler­wei­le an, Druck­auf­trä­ge „kli­ma­neu­tral“ über Cli­ma­te­Part­ner abzu­wi­ckeln. Für die Kun­den ändert sich dabei nichts, für die Druck­tech­nik eben­so wenig. Weder wer­den die Druck­far­ben bei Mond­licht aus Spi­nat oder Rote Bee­te gewon­nen noch wird das Papier von Bio­land-Elfen hand­ge­schöpft. Auch das End­ergeb­nis rollt nicht auf dem E‑Bike son­dern wie gewöhn­lich im Die­sel-Trans­por­ter zu ihnen – nur der Preis, der ist besag­te 2% höher.

„Mit unse­rer cloud­ba­sier­ten Lösung, dem Foot­print Mana­ger, kön­nen Sie auf Kun­den­wunsch die CO2-Emis­sio­nen Ihrer Druck­auf­trä­ge prag­ma­tisch und schnell berech­nen. Die Emis­sio­nen glei­chen Ihre Kun­den durch die Unter­stüt­zung eines Kli­ma­schutz­pro­jek­tes aus. Für jeden kli­ma­neu­tra­len Auf­trag erhal­ten Sie zur Kenn­zeich­nung des Druck­pro­dukts das Cli­ma­te­Part­ner-Label mit ID-Nummer.“

Das ist in der Tat ein Fort­schritt – eine ein­deu­ti­ge Ident-Num­mer hat­ten die Ablass­brie­fe damals nicht! Nächs­ter Schritt wäre – und ich bin sicher, dar­an wird bereits gear­bei­tet – die Zer­ti­fi­ka­te fäl­schungs­si­cher in der Block­chain abzu­spei­chern. Dem steht wohl nur die Ener­gie­in­ten­si­tät im Wege, die man ja auch wie­der irgend­wie „aus­glei­chen“ müss­te. Aber „cloud­ba­siert” ist ja ener­ge­tisch auch schon eher nur so mittelprächtig.

Die gute Tat, die mit dem Kli­ma-Ablass­han­del finan­ziert wird, kann man sich dann aus­su­chen. Noch beque­mer in den Him­mel kommt man, wenn man gleich Ablass für die Benut­zung eines Trans­port­mit­tels, eine Ver­an­stal­tung oder pau­schal für das Aus­sto­ßen einer bestimm­ten Men­ge CO2 erhal­ten will. Auch auf Vor­rat, ver­steht sich! Im CO2-Rech­ner * von Cli­ma­te­Part­ner kann man zum Bei­spiel erfah­ren, wie kli­ma­schäd­lich Fuß­ball ist. Kein Witz! Kli­cken Sie im Rech­ner auf den Punkt „Event“ und geben dort die Wer­te eines Spiels in der Are­na auf Schal­ke ein. Aus­ver­kauf­tes Haus (54.000), loka­le Anrei­se (wer von wei­ter her oder mit dem Auto anreist, muss selbst Ablass erwer­ben), wir stel­len kei­ne Mahl­zei­ten und Über­nach­tun­gen gibt’s auch kei­ne. Ein­fach nur das Sta­di­on und dort kom­men 54.000 Men­schen zu einem „Event“ zusam­men. Kli­cken Sie nun auf „Zum Waren­korb hin­zu­fü­gen“ und schon sehen Sie, dass für 175 Ton­nen CO2 Ablass nötig ist. Ein wei­te­rer Klick auf „Kli­ma­pro­jekt“ bringt die Aus­wahl, ob die fäl­li­gen 3.135 Euro in eine Kera­mik­werk­statt in Bra­si­li­en, den Wald­schutz in Kenia oder Was­ser­kraft in Indo­ne­si­en flie­ßen sol­len – letz­te­res ist etwas preis­wer­ter zu haben. Noch schnell Kon­takt­da­ten ange­ben und Zah­lungs­art wäh­len. Cli­ma­te­Part­ner akzep­tiert auch Visa.

Ablasshandel: Echtes Geld für falschen Klimaschutz

Gegen die Pro­jek­te selbst ist nichts ein­zu­wen­den und ich unter­stel­le auch nicht, dass Untreue oder Betrug im Spiel sind – außer Betrug in der Sache selbst, dem „Kli­ma­schutz“. Denn schaut man sich die aus­ge­wähl­ten drei Pro­jek­te genau­er an, stellt man fest, dass es die­se auch ohne Cli­ma­te­Part­ner und Geld aus Deut­schen Dru­cke­rei­en gibt. Dass in Bra­si­li­en Kera­mikö­fen mit Nuss­scha­len und Holz­ab­fäl­len betrie­ben wer­den, liegt an der Ver­füg­bar­keit des bil­li­gen Brenn­stoffs. War­um soll­te man dort mit teu­rer Koh­le oder kost­ba­rem Holz feu­ern, wenn die Abfäl­le qua­si kos­ten­los anfal­len? Man ist doch nicht blö­de! Hier deckt sich eine wirt­schaft­li­che Not­wen­dig­keit, ja Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit Nach­hal­tig­keit und Umwelt­schutz. Mit Kli­ma­schutz hat das jedoch nichts zu tun, denn die Kokos­nuss­scha­len bren­nen nicht bes­ser, wenn man ihnen ein paar Euro-Bank­no­ten beigesellt.

Ähn­li­ches beim Wald­schutz­pro­jekt in Kenia. Wer die Savan­nen­wäl­der Keni­as vor Abhol­zung schüt­zen will, muss die Bewoh­ner der Dör­fer dort aus ihrer ener­ge­ti­schen Abhän­gig­keit von Brenn­holz holen. Zum Bei­spiel dadurch, dass durch Bil­dung die land­wirt­schaft­li­chen Erträ­ge ver­bes­sert und dadurch die Fami­li­en­ein­kom­men erhöht wer­den, wodurch Gas oder Koh­le als Ener­gie­trä­ger in Reich­wei­te kom­men. Klas­si­sche Zie­le und Wort­sinn der Ent­wick­lungs­hil­fe, wür­de ich mei­nen. Hier aller­dings um-eti­ket­tiert zu „Kli­ma­schutz“. Auch das Was­ser­kraft­werk in Indo­ne­si­en steht bereits und sorgt für sau­be­ren und kon­ti­nu­ier­lich ver­füg­ba­ren Strom. Wie die Unter­stüt­zung die­ses Pro­jek­tes den Druck deut­scher Pla­ka­te und Fly­er „kli­ma­neu­tral“ machen soll, lernt man wohl eher im Fach „Zau­ber­kunst” auf Hog­warts als auf den Sei­ten von ClimatePartner.

Nur ein schlechtes Gewissen ist ein gutes Gewissen

Ich bin kein Insi­der wie Luther und eig­ne mich nicht dazu, flam­men­de Reden wider den Ablass­han­del zu hal­ten. Ich sehe sehr wohl, dass Cli­ma­te­Part­ner und vie­le wei­te­re Anbie­ter hier nur ein Bedürf­nis befrie­di­gen, dass seit Jahr­zehn­ten wie Gift in unse­re Hir­ne geträu­felt wird: Weil es uns so gut geht, geht es ande­ren so schlecht. Wir sind dar­auf kon­di­tio­niert, bei jeder Nach­richt von den weni­ger schö­nen Orten auf die­ser Welt, bei Mel­dun­gen von Krie­gen, Kor­rup­ti­on, Elend und sogar Natur­ka­ta­stro­phen zu schluss­fol­gern, dass dies alles doch irgend­wie unse­re Schuld sein müs­se. Sie müs­sen nur mal bewusst auf die For­mu­lie­run­gen ach­ten, die dafür in unse­ren öffent­lich-recht­li­chen Nach­rich­ten­sen­dun­gen ver­wen­det wer­den. Die­ser Schuld­kult, eine Art nega­ti­ve Deka­denz, nutzt heu­te die Kli­ma­hys­te­rie für ihre Zwe­cke. Denn ein posi­ti­ves Nar­ra­tiv konn­ten die Kli­ma­ret­ter nicht fin­den, weil in dem Moment, wo ihre Pro­phe­ten den Pla­ne­ten für geret­tet erklä­ren wür­den, alles ver­schwun­den und abge­schafft wäre, was mensch­li­ches Leben dar­auf erst lebens­wert macht.

Der Kli­ma­schutz hat nichts Eige­nes, kei­nen uni­qe sel­ling point, der sich posi­tiv ver­mark­ten lie­ße. Des­halb räu­bert er in allen *ismen, Ideo­lo­gien und Strö­mun­gen, derer er nur hab­haft wer­den kann – sinn­vol­len und gefähr­li­chen. Aus Umwelt­schutz, Arten­schutz, Arbeits­schutz, Immis­si­ons­schutz, Kreis­lauf­wirt­schaft, Nach­hal­tig­keit, Plan­wirt­schaft, Sozia­lis­mus, sozia­ler Ent­wick­lung und vie­len ande­ren Begrif­fen wird der zähe, alles umfas­sen­der Teig „Kli­ma­ret­tung“ gekne­tet. Je kom­ple­xer, des­to bes­ser. Denn kom­ple­xes Wis­sen braucht eine klei­ne Kas­te ein­ge­weih­ter Adep­ten, die im Besitz der Wahr­heit ist, die­se ver­wal­tet und die Zie­le defi­nie­ren darf. Die Grün­der der Orga­ni­sa­tio­nen, die die­ser neu­en Kas­te ange­hö­ren wol­len, brin­gen sich in Medi­en, Par­tei­en, Stif­tun­gen, NGO‘s und Unter­neh­men wie Cli­ma­te­Part­ner bereits laut­stark in Stellung.

Kommt Zeit, kommt Rat, kommt gute Tat

Ich will aber nicht schon wie­der so nega­tiv enden und noch­mal auf den Grund­ge­dan­ken die­ses Ablass­han­dels zurück­kom­men: die Ein­spa­rung von CO2. Die Sache ist näm­lich eigent­lich ganz ein­fach, es braucht weder Quo­ten noch Ver­bo­te noch den Umbau der Markt­wirt­schaft in eine kom­mu­nis­tisch-zen­tra­lis­ti­sche Stein­zeit­ge­sell­schaft nach Vor­bild der Roten Khmer. Und ganz gleich, wie man zur Fra­ge ste­hen mag, ob es sinn­voll ist, CO2 ein­zu­spa­ren, wis­sen wir doch alle, wie das geht. Schließ­lich sind „alter­na­ti­ve Medi­en“, in denen sich Spöt­ter und Spalt­pil­ze wie ich tum­meln, voll von Vor­wür­fen, die Kli­ma­ak­ti­vis­ten wür­den Was­ser pre­di­gen und Wein trin­ken. Kero­sin-Kathi könn­te das Flie­gen auf­ge­ben und mit Lang­stre­cken-Lui­sa Fahr­rad-Urlaub in der Eif­fel machen, statt uns von Kali­for­ni­en aus Vor­trä­ge über Flug­rei­sen zu hal­ten. Jür­gen „Eis­ku­gel“ Trit­tin könn­te Mehr­weg­be­cher ver­wen­den und nach Ber­lin zie­hen, statt nach Göt­tin­gen zu pen­deln und sich mit Star­bucks-Weg­werf-Becher foto­gra­fie­ren zu lassen.

F4F-Demons­tran­ten könn­ten aufs Smart­pho­ne und die neu­es­ten Snea­ker ver­zich­ten, statt um Akku-Spen­den für ihre Demos zu bit­ten und wer Fleisch des­halb nicht essen mag, weil es ener­ge­tisch so übel ist, der muss sei­ne Fin­ger eben auch vom ener­gie­auf­wän­dig her­ge­stell­ten Tofu las­sen. Ver­zich­tet aufs Auto, ver­zich­tet auf Flug­rei­sen, schal­tet im Win­ter eure Hei­zung ab – bit­te sehr! Aber ver­schont eure Mit­bür­ger mit euren mora­li­sie­ren­den Beleh­run­gen. Ihr könnt nur euch selbst ändern, nicht die Gesell­schaft. Denn sobald ihr ande­re aktiv ändern wollt, setzt ihr auf Zwang, statt auf Vor­bild. Ihr seid kei­ne Demo­kra­ten, son­dern Des­po­ten. Ent­spre­chend wird man euch ent­ge­gen­tre­ten. Euer Mot­to „mach das was ich sage, nicht das, was ich mache“ stinkt den Leu­ten gewaltig.

„Klimaneutral” ohne Ablasshandel

Was das „kli­ma­neu­tra­le Dru­cken“ angeht, habe ich übri­gens gute Nach­rich­ten: es ist mög­lich, aber nur durch den kom­plet­ten Ver­zicht auf den Druck. Ja, nicht mal dran den­ken, irgend­was zu ver­viel­fäl­ti­gen! Kein Druck, kei­ne Kopie, kei­ne Mail, kein Tweet. Jede Kom­pen­sa­ti­on, jede Aus­gleichs­zah­lung, jedes digi­ta­le Zer­ti­fi­kat erzeugt selbst wie­der CO2 und die Kom­mu­ni­ka­ti­on die­ses Zer­ti­fi­kats noch mehr davon.

Es wäre zwar begrü­ßens­wert, wenn das eine oder ande­re Minis­te­ri­um und die ange­glie­der­ten Initia­ti­ven, Hash­tags, Ver­ei­ne und För­der­töpf­chen­schle­cker auf die­se Wei­se „kli­ma­neu­tral“ wür­den, aber ich bit­te den­noch dar­um, nicht gleich eine Hexen­jagd zu eröff­nen. Wir haben bereits unse­re Auto­mo­bil­in­dus­trie und die Ener­gie­wirt­schaft auf dem Altar des Kli­ma­schut­zes geop­fert, las­sen wir wenigs­tens noch ein paar Dru­cke­rei­en ste­hen, damit die Trau­er­kar­ten und Bei­leids­be­kun­dun­gen für den indus­tri­el­len Nie­der­gang Deutsch­lands gedruckt wer­den kön­nen. In der Spar-Vari­an­te bit­te und 2% bil­li­ger, weil ohne Ablass­han­del und Klimazertifikat.

* PS und Nach­trag: heu­te, am 21.11.2019 nahm Cli­ma­te­Part­ner sei­nen öffent­li­chen CO2-Rech­ner vom Netz. Wer die Prei­se für den Ablass­han­del wis­sen möch­te, muss sich ab sofort iden­ti­fi­zie­ren. Ich hof­fe, die­ser Schritt ist vor allem der Pein­lich­keit des Vor­gangs geschul­det, nicht nur der Verheimlichung. 😉

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14 Kommentare

  1. Bemer­kens­wert! Der Kli­ma­wan­del ist so dra­ma­tisch, dass wir eine stän­di­ge Ver­teue­rung unse­rer Lebens­hal­tungs­kos­ten akzep­tie­ren müssen.
    Aber nicht dra­ma­tisch genug, dass unse­re poli­ti­schen Zuhäl­ter auch nur auf einen Cent ihrer regel­mä­ßi­gen Diä­ten­er­hö­hung ver­zich­ten müssen.

  2. Ist nicht auch das berich­ten, oder eben wie hier vor­lie­gend, dass ver­öf­fent­li­chen eines Bei­tra­ges (gegen den Ablass-Kli­mab­rief­han­del), wie­der­um ein Teil der Berei­che­rung an Angst-Themen?
    Wel­che hier im Bei­trag ja so schön ange­mahnt wird.
    Ist nicht auch der schrei­ben­de Kri­ti­ker, ein „para­si­tä­rer Nutz­nie­ßer” der gesell­schaft­li­chen Debatte?
    Ich sehe hier ein­deu­tig „zwei Sei­ten, der glei­chen Medaille”…

    Schuld ist unser Ego – jede/r Ein­zel­ne „will etwas” (haben, mit­tei­len, bewirken)…

    Wir dre­hen uns im Kreis, wie vor hun­der­ten Jah­ren! Das alles hat mei­ner Mei­nung nach, immer noch nichts mit intel­lek­tu­el­lem Fort­schritt zu tun!

    Da alle immer nur nach Unter­schie­den und Gegen­sätz­li­chem suchen, aber das ein­fachs­te, die Lösung der meis­ten gros­sen Pro­ble­me der Mensch­heits­fa­mi­lie, fin­det sich nur in den grund­le­gen­den Gemeinsamkeiten…
    Was ist es also, was ein­an­der ver­bin­det – Kri­ti­ker und das was kri­ti­siert wird?!?

    Egal wel­ches Thema…

    Denkt mal dar­über nach, ganz in Ruhe…

    Nicht „Tei­le und herr­sche – son­dern – ver­bin­de und lebe…” 

    Oder?

  3. Sagt der Kai­ser zu Pries­ter: hal­te du sie dumm, ich hal­te sie arm.

    So läuft das Kli­ma Geschäft!

  4. Unse­re Gesell­schaft besteht aus drei Klas­sen. Die obers­te Schicht ver­fügt über die Defi­ni­ti­ons­ho­heit, erwor­ben durch den kor­rek­ten Gebrauch einer pseu­do-aka­de­misch Tabu­s­pra­che, in der miss­lie­bi­ge Din­ge wie Mord und Tot­schlag nicht benannt und poli­tisch unkor­rek­te Ideen wie Leis­tung und Wett­be­werb nicht for­mu­liert wer­den dür­fen. Die­se Klas­se defi­niert zwar die Deu­tungs­mus­ter der gan­zen Gesell­schaft, sie ist aber wirt­schaft­lich unpro­duk­tiv und lebt para­si­tär vom Wohl­stand ihrer nahen Ver­wand­ten, also Eltern oder Steu­er­zah­ler. Ihr Mot­to ist: Lie­ber drei Stun­den dis­ku­tie­ren als eine Stun­de arbeiten.

    Die mitt­le­re Schicht erwirt­schaf­tet den Wohl­stand für alle, hat aber kei­ne Mit­spra­che beim Selbst­ver­ständ­nis; weil sie sich wei­gert, die Sprach­ta­bus zu beach­ten, wird sie aus­ge­grenzt. Hier­her gehö­ren neben dem Alten Wei­ßen Mann auch pol­ni­sche Mon­teu­re, bul­ga­ri­sche Bau­ar­bei­ter oder kroa­ti­sche Kurierfahrer.

    Die drit­te Schicht lebt para­si­tär und hat kei­ne Mit­spra­che. Im Gegen­teil, ihre Funk­ti­on ist die des Opfers im Dra­ma­drei­eck. Das herr­schen­de Nar­ra­tiv stellt die­se Klas­se als unter­drückt dar, um sich sel­ber als Ret­ter auf­zu­spie­len und so den eige­nen Para­si­tis­mus zu legi­ti­mie­ren. Das kos­tet ja nichts, das zahlt der Staat. Waren die Vor­zei­ge-Opfer frü­her noch die Pro­le­ta­ri­er oder die Drit­te Welt, so sind es heu­te die Ange­hö­ri­gen ste­tig wech­seln­der Min­der­hei­ten, die von ihrer Unter­drü­ckung oft noch gar nichts wissen.

    In allen Fäl­len bean­sprucht die Nomen­kla­tu­ra genau zu wis­sen, was für die Opfer das Bes­te sei, und wie üblich im Dra­ma­drei­eck ist dem Ret­ter vor allem dar­an gele­gen, den Ver­fol­ger als Aus­beu­ter der Opfer zu brand­mar­ken. Dabei ist es für die­ses Sys­tem von ele­men­ta­rer Wich­tig­keit, die Opfer unmün­dig zu hal­ten, ihnen kei­ne eige­ne Stim­me zu geben. Die größ­ten Aus­beu­ter rufen also am lau­tes­ten: „Hal­tet den Dieb.“

  5. Noch nie wo gele­sen aber bedenkenswert:
    Ablass­han­del, C02 Steuer,ist auch nur ein ver­schlei­er­ter Vor­gang zur qua­si Steu­er­erhö­hung, Mehrwertsteuererhöhung.
    Steu­er­erhö­hun­gen las­sen sich nicht mehr gut ver­kau­fen, zwecks Umver­tei­lung von Nord nach Süd und Arm nach Reich und zur Finan­zie­rung der Menschenumverteilung.
    Den Preis zahlt der mit wenig Geld in der Tasche.

    Was kann man selbst tun? Z.B.. Fleisch­ver­zicht und Sojaverzeicht?
    Vor kur­zem gele­sen, selbst der Bio­an­bau wird als kli­ma­schäd­lich benannt! Gehts noch? Auch atmen wäre dann doch „kli­ma­schäd­lich wegen des CO2 Austoßes?!?

    Es ist das Den­ken in ein­fa­chen und/oder linea­ren Zusam­men­hän­gen, dafür lügen­haf­ter Aktio­nis­mus allenthalben!
    – Sie­he New York Rei­se von Gret­chen oder das Ein­schla­fen der FFF Demos bei nun unfreund­lich-kal­tem Wetter.

    Ja die Kli­ma­ret­tung muss eine Schön­wet­ter­an­ge­le­gen­heit blei­ben, für eini­ge Weni­ge wenigstens.

  6. Edel sei der Mensch,
    Hilf­reich und gut!
    Denn das allein
    Unter­schei­det ihn
    Von allen Wesen,
    Die wir kennen.

    Der edle Mensch
    Sei hilf­reich und gut!
    Uner­mü­det schaff er
    Das Nütz­li­che, Rechte,
    Sei uns ein Vorbild
    Jener geah­ne­ten Wesen!

    (Aus „Das Gött­li­che” von J.W. Goethe)

    So, wo ist er denn, der Mensch? Ich tue es Dio­ge­nes gleich und schaue mit einer Taschen­lam­pe auf dem Markt nach, ob ich irgend­wo Men­schen fin­de. „Men­schen rief ich, kei­nen Abschaum!” Dio­ge­nes von Sinope

  7. Als der mit­tel­al­ter­li­che Ablass­han­del so rich­tig im Schwun­ge war, hieß es, der Teu­fel lie­ße die See­len der ver­stor­be­nen Lie­ben frei, wenn das Gold­stück an den Ablass­händ­ler, damals der Pfaf­fe, wei­ter­ge­reicht sei. Wer aber die Fra­ge stell­te war­um der Teu­fel, der ja nichts wich­ti­ge­res als der Besitz der See­len kann­te, die­se los­las­sen wer­de, wenn der Pfaf­fe um ein Gold­stück rei­cher wur­de, bemerk­te sehr bald die höl­li­schen Qua­len des bren­nen­den Schei­ter­hau­fens unter den Füßen. Wie es im Dschou I (I Ging), dem „Buch der Wand­lun­gen”, nie­der­ge­schrie­ben ist: Die zugrun­de lie­gen­den Geset­ze sind immer die glei­chen, allein die Erschei­nun­gen sind von ande­rer Gestalt. Wohlan…

    • „Wenn der Taler im Kas­ten klingt, die Seel’ aus dem Feg­feu­er springt” hieß das. Das Fege­feu­er wird nicht vom Teu­fel angeschürt.

  8. Sehr gut, Herr Letsch
    Die­se Erleuch­tung kam mir auch schon vor eini­ger Zeit, da ich im Natur­wis­sen­schaft­li­chen Unter­richt auf­ge­passt habe.
    Die­se Kli­ma­hys­te­rie zielt dar­auf ab,die Mensch­heit immer wei­ter zu ver­skla­ven zum Wohl eini­ger weniger.
    Unse­re klei­nen Sün­den gleicht Mut­ter Erde sofort und schnell aus, mit Feu­er, Sturm und Wasser.
    Es gibt da ein Gesetz in der Phy­sik vom Gleich­ge­wicht der Massen/Kräfte.

  9. Sag­te schon mein Geschichts­leh­rer vor 40 Jah­ren: In einer frei­en Gesell­schaft kann man das Volk nur auf eine Wei­se mani­pu­lie­ren: Mit Angst. Und wer schafft es schon, den geball­ten und ein­heit­li­chen „Info-Sen­dun­gen” Skep­sis ent­ge­gen­zu­brin­gen? Wie­der mein Geschichts­leh­rer: Volks­ver­het­zung gelingt am Bes­ten von oben nach unten. Oder auch: Auch Athe­is­ten glau­ben an etwas, und zwar mit der glei­chen Inbrunst. Und am Ende läuft es wie­der so wie in der Stein­zeit, bei den Azte­ken oder sonst­wo: wenn das Wet­ter aus­flippt, es nichts mehr zu essen und zum hei­zen gibt, dann beginnt man, Opfer dar­zu­bie­ten. Unmög­lich? Die Unwei­ger­lich­keit einer ein­mal begon­ne­nen Ent­wick­lung hin zum fas­sungs­los machen­den irra­tio­na­len und ver­meid­ba­ren Unter­gang kann man in jedem Geschichts­buch nachlesen.

    • Wie sag­te Ches­ter­ton so schön?
      „Wenn Men­schen auf­hö­ren, an Gott zu glau­ben, dann glau­ben sie nicht an nichts, son­dern an alles Mög­li­che. Das ist die Chan­ce der Pro­phe­ten – und sie kom­men in Scharen.“

  10. Wie­der mal ein her­vor­ra­gen­der Arti­kel. Man liest, man ver­sucht zu begrei­fen, Ein­stein kommt einem in den Sinn von wegen gren­zen­lo­ser Dumm­heit und gren­zen­lo­sem Uni­ver­sum und am Ende kann man das Ver­hal­ten der Men­schen genau­so wenig mit dem Ver­stand erfas­sen, wie die Grö­ße des Uni­ver­sums. So geht es mir jeden­falls, es macht mich irgend­wie fas­sungs­los und ich fra­ge mich, ob es nicht bes­ser wäre, ein­fach nur dumm zu sein, um sich der Mensch­heits­fa­mi­lie wie­der zuge­hö­rig zu füh­len. Doch dann obsiegt die Über­zeu­gung, dass die Irren nicht die Mehr­heit sind, sie sind nur lau­ter und vom nutz­nie­ßen­den Hin­ter­grund bes­ser ver­tre­ten. Zeit für einen kli­ma­zer­stö­ren­den Kaffee. 😉

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