Nicht nur im Fußball pflegen Han­no­ver und Braun­schweig eine rau-herz­li­che Mini­mal­freund­schaft. Doch während der edle Sport die Erz­ri­va­len nur zurück in die zweite Liga führen konnte, treibt es die poli­ti­sche Riva­li­tät in immer luf­ti­gere Höhen. Han­no­ver preschte in Sachen Kor­rekt­heit, Kampf gegen rechts, Ras­sis­mus und den ganzen Rest wieder einmal vor, indem die Firma Bahlsen die all­seits wegen ihres laten­ten Ras­sis­mus bekann­ten Scho­ko­waf­feln namens „Afrika“ nun poli­tisch korrekt umbe­nen­nen wird. Man distan­ziere sich von jeder Form des Ras­sis­mus, hieß es aus der Keks-Fabrik. Außer­dem ver­wahrte man sich dagegen, nur dem Druck einer hyper­sen­si­blen Öffent­lich­keit nach­zu­ge­ben – man habe wirk­lich einen an der Waffel! Also einen Namens­wech­sel an der Waffel in Planung. Ganz ohne öffent­li­chen Druck. Denn was den Kunden beim Biss in das braune Nasch­werk so durch den Kopf ginge, das könne man sich ja denken!

Bahlsen ver­säumte es leider, den neuen Namen bekannt zu geben. Buch­ma­cher geben derzeit den Bezeich­nun­gen „Scho­ko­waf­fel form­erly known as Duweißt­schon“, „One World“ und „Rassist ver­re­cke“ die besten Quoten.

Braunschweig zieht nach

Da wollte der Wes­ter­mann Schul­buch-Verlag aus Braun­schweig nicht hint­an­ste­hen und beschloss, das latente Ras­sis­mus-Übel noch gründ­li­cher und damit an der Wurzel aus­zu­mer­zen. Ich spreche heute mit August Aus­strei­cher, dem Pres­se­spre­cher des Ver­la­ges, über die neuen Schul­bü­cher und Atlan­ten der „Edition Rein­lich“, mit denen Braun­schweig mora­lisch gegen­über Han­no­ver wieder einen Vor­sprung erlan­gen möchte.

Herr Aus­strei­cher, Sie sagen, die Maß­nah­men der Firma Bahlsen seien not­wen­dig, gingen aber gesell­schaft­lich nicht weit genug?“

Genau. Das Problem ist ja der Begriff „Afrika“ an sich. Kaum spricht jemand das Wort aus, weiß doch jeder sofort, was gemeint ist. Das ist ras­sis­tisch, neo­ko­lo­nia­lis­tisch und Aus­druck des ver­derb­ten deut­schen Impe­ria­lis­mus. Es gilt viel­mehr, Begriffe, bei denen sich die Men­schen etwas denken, durch freund­li­che, neu­trale Begriffe zu erset­zen, die der posi­ti­ven Haltung för­der­lich sind.“

Sie wollen das Wort „Afrika“ ganz erset­zen?“

Voll­stän­dig! Der „Dierke Welt­at­las“ aus unserem Verlag, der an vielen Schulen Ver­wen­dung findet, wird ab 2021 stark ver­bes­sert. Es genügt ja zu wissen, dass es sich um einen Kon­ti­nent handelt. Deshalb heißt Afrika ab 2021 nur noch „Das Kon­ti­nent“. Der Begriff „Afrika“ wird also binnen weniger Jahre kom­plett ver­schwin­den und mit ihm alle Ste­reo­ty­pen, Ras­sis­men, Unge­rech­tig­kei­ten, Unter­drü­ckun­gen und Pro­bleme.“

Ver­schwin­den? Aber warum? Es ver­bin­den sich doch nicht nur nega­tive Erfah­run­gen, Emo­tio­nen und Begriffe mit dem Wort „Afrika“. Sie behaup­ten, Afrika retten zu wollen und berau­ben es seiner Iden­ti­tät, zu der nun mal alle Aspekte gehören – die guten wie die schlech­ten. Sie machen Afrika selbst zur Beute der Ras­sis­ten und blenden alles Schöne aus. Afrika ist nicht nur Kolo­ni­al­erbe, Skla­ve­rei, Elend und Ras­sis­mus. Viele Men­schen leben gern dort. Es gibt wun­der­bare Land­schaf­ten, Traum­strände, beein­dru­ckende Tiere, reiche Kul­tu­ren und glück­li­che Men­schen. Der Kakao kommt aus Afrika! Was gibt es bes­se­res als Kakao?“

Und der Kakao ist dun­kel­braun!“

Das ist Coca-Cola auch, die kommt aus Amerika und wurde von einem weißen Apo­the­ker erfun­den!“

Sie werden mich nicht ver­füh­ren mit ihrem laten­ten Farb­ras­sis­mus! Die Zeit der Farben ist vorbei, die Welt ist bunt!“

Also auch kakao­braun?“

Schwei­gen Sie, Sie Rassist Sie! Sehen Sie lieber hier her, unser neuer Welt­at­las. Wir werden auf poli­ti­schen Karten nur noch eine Farbe ver­wen­den, um die Länder zu kennz…“

…aber ver­wirrt das nicht? Wie sollen die Kinder sich Umrisse und Lage der Länder merken, wenn diese nicht von­ein­an­der zu unter­schei­den sind?“

Aber da sagen sie es ja selbst! „Nicht von­ein­an­der unter­schei­den“ – das ist das Ziel! Länder sind Kon­strukte aus der Ver­gan­gen­heit, wir müssen Grenzen über­win­den! Afrika ist auch nur ein Kon­strukt! Sehen sie hier, Europa, ich meine „das andere Kon­ti­nent”: alles in Königs­blau! Ist das nicht wun­der­bar? Alles nur noch einer Farbe, bunter geht es gar nicht!“

In Ihrem neuen Welt­at­las, welche Farbe nehmen Sie denn für Afrika, ähm, ich meine für „das Kon­ti­nent“?“

Was für eine Frage…Schwarz natür­lich!“

Herr Aus­strei­cher, ich danke für das Gespräch.“

PS: Sie müssen nicht nach­se­hen, mit dem Dierke-Welt­at­las ist soweit alles in Ordnung. Nur der Namens­wech­sel der Waf­fel­ma­cher in Han­no­ver ist nicht Teil der Satire.

11 Kommentare

  1. Kurz und bündig schlage ich vor, den Keks ab jetzt Anti­ras­sis­ti­sche Schutz­waf­fel zu nennen!

  2. Sehr inspi­rie­ren­der Artikel, ich werde umge­hend beim BUND und dem WWF inter­ve­nie­ren und um Ände­rung solch tier­dis­kri­mi­nie­ren­der Namen wie „Hot Dog”, „Kat­zen­zun­gen” und „Kalter Hund” bitten. Auch eine Modi­fi­zie­rung der Namen „Ham­bur­ger”, „Wiener Würst­chen” oder „Brüh­pol­ni­sche” wäre wün­schens­wert.

  3. Die beste Antwort auf dünne Waffeln mit schwar­zer Scho­ko­lade, die aus poli­ti­scher Unkor­rekt­heit seit Jahr­zehn­ten Afrika heißen, lecker sind und Ange­neh­mes mit einem Kon­ti­nent voller netter Leute ver­bin­det, wäre eine fette Waffel, gefüllt mit fetter But­ter­creme und umhüllt mit weißer Scho­ko­lade, die dann „Europa” oder auch „Amerika” heißen könnten. Die wecken dann Asso­zia­tio­nen zu einem Kon­ti­nent voller netter fetter Leute. Für „Asien”-Waffeln käme dann etwas weniger Fett, statt­des­sen Reis­mehl und Kurkuma hinein.
    So ras­sis­tisch ich ver­an­lagt bin, würde ich alle drei Waf­fel­spe­zia­li­tä­ten mit Heiß­hun­ger ver­schlin­gen.

    • Da fällt mir noch ein, dass Braun­schweig eine Nach­bar­stadt bekom­men sollte, die Grü­sprech und eine, die Rot­brüll heißt. Dann ist alles wieder gut.

  4. Erkennt­niss Eins:
    Roger Letsch kann auch bei­ßende Satire. Her­vor­ra­gend.
    Erkennt­niss Zwei:
    Wenn man den Insta­gram Account von Bahlsen besucht, findet man Aus­sa­gen wie:
    „Ras­sis­mus ist ein System von Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung- das betrifft Weiße nicht.”
    Diese „Anti­ras­sis­ten” sind also nicht nur mei­nungs­stark sondern auch unglaub­lich intel­li­gent.
    Und das macht Hoff­nung für die Zukunft. Die werden noch jede Menge „ras­sis­ti­sche” Ent­glei­sun­gen finden die abge­schafft gehören.
    Den Anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus hat man schließ­lich auch schon erfun­den.

  5. Ver­wirr­ter Lesen­der:
    Ein Fuss­ball­spie­len­der hat also Zuschau­ende in Ras­sis­ten-de ver­wan­delt? Darauf hin haben Kek­ses­sende ihren Keks in eine gen­der­neu­trale und poli­tisch kor­rekte Bezeich­nung zu benen­nen? Da es „cul­tu­ral appro­pria­tion” ist, ein rein eng­li­sches Kultur Back­werk zu instru­men­ta­li­sie­ren, geht Keks orginal „cake” gar nicht. Von der DDR lernen, heist es richtig zu machen. Also schlage ich korrekt vor: „Chemie gefärbte Back­ware in Nasch­größe”
    Liebe Grüße von einem Kom­men­tie­ren­den!

  6. Jemineh!, schon das Wort „Afrika” ist doch voll und voller ras­sis­tisch, ja am Volls­ten!, denn es bedeu­tet „ohne Zisch- und Reibe­laute” (a‑fricative, wie der Griech­la­tei­ner murmelt), ein­deu­tig!, also welcher Adolf hat denn das Wort ver­bro­chen?!, ja glauben denn diese Ras­sis­ten überall, dass der Neger nur aaah und oooh sagt?, also defi­ni­tiv!, Neger sagen sehr gerne auch Rrr, Schschsch und „dlala” (ˈɮálà)”, das auf Zulu „spielen” bedeu­tet. Den Zulu­n­e­gern jetzt sogar die Fika­tive und damit das Spielen zu ver­wei­gern!, also das Spielen mit den Fri­ka­ti­ven im tiefen Afrika (lat. Afri­ca­ti­vus) und den Zulus und den Jambo-Bimbos und über­haupt!!, also wo die das doch so gerne tun immer so!, also nein wie neo­im­pe­ria­loid­ko­lo­ni­al­ras­sis­toid ist DAS denn!, also wie schon Schied­rich Friller sagte:
    „Der Neger spielt nur, wo er in voller Bedeu­tung des Worts Neger ist, und er ist nur da ganz Neger, wo er spielt.“.
    Sowas denen dann zu ver­bie­ten ist ja noch viel ras­sis­tis­to­lo­lo­ni­a­loi­di­scher als der Herr Albin Weiß aus Blan­ken­burg, den hier keiner kennt!, aber egal!, als der ist ein Ras­sis­ten­ko­lo­nia­list­su­pre­ma­tist, weil, der heißt so!, und den hab ich jezze mal voll geoutet!!, und der will den Negern die Afri­ka­tive weg­neh­men! Das gehört doch alles ver­bo­ten! Jetzt! Jahaa, es ist 22:21, Nacht­ruhe verr­dam­mich!, und wer hämmert denn da drüben schon wieder!!, rraaah diese Busch­tromm–, neiiin das war jetzt nicht so gemeint!, ich hab Busch gesagt, also Bush und trompe l’œil!, denn der war doch auch so ein ras­sis­ti­scher Täu­scher und Nacht­tromm­ler immer so!!, aaahhh!!!

    - ‚Schul­di­gung. Aber das muss doch mal gesagt werden.

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