Photo: DonkeyHotey/cc/flickr
Pho­to: DonkeyHotey/cc/flickr

In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka tobt ein Krieg. Das ist alle vier Jah­re so und die­se Krie­ge, die eigent­lich Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf hei­ßen, wer­den von Mal zu Mal hef­ti­ger. Es wird so aus­führ­lich dar­über berich­tet, das man in Deutsch­land das Gefühl hat, als wüss­te man mitt­ler­wei­le alles über das Kräf­te­mes­sen von Hil­la­ry und Donald. Die einen beleuch­ten das Wahl­recht, beto­nen die Bedeu­tung der „Swing-Sta­tes“ und ver­su­chen auf die eine oder ande­re Art, dem mög­li­chen Wahl­aus­gang posi­ti­ve Aspek­te abzu­ge­win­nen. Die ande­ren ver­su­chen die mög­li­chen Kon­se­quen­zen für die ame­ri­ka­ni­sche Außen­po­li­tik im Kaf­fee­satz zu lesen. Bei­de, die Sta­tis­ti­ker und die Augu­ren, sind aber rat­los, was die Pro­gno­se angeht. Es ist ja auch wirk­lich zum ver­rückt wer­den: da ver­su­chen unse­re Poli­ti­ker „auf dem Weg nach Euro­pa“ das Augen­merk auf Brüs­sel und das euro­päi­sche Par­la­ment zu rich­ten, auf das die Deut­schen ja zumin­dest einen klei­nen Ein­fluss durch Wah­len haben. Aber aus­ge­rech­net über die Wahl, die für Frie­den, Sicher­heit und das kusche­li­ge Euro­pa­ge­fühl den größ­ten Ein­fluss haben könn­te, haben sie nicht die gerings­te Macht.

Ich wer­de heu­te mal den Blog­ger in mir aus­schal­ten und mich dem The­ma US-Wahl von der beruf­li­chen Sei­te nähern, von der Sei­te des Mar­ke­tings. Wobei ich mir bewusst bin, dass dies mit mei­nen beschei­de­nen Ein­sich­ten und aus der Ent­fer­nung auch kaum mehr als Kaf­fe­satz­le­sen sein kann. Aber kei­ne Sor­ge, es wird viel­leicht weni­ger lang­wei­lig, als Sie glau­ben und ich ver­spre­che Ihnen, ent­ge­gen mei­ner sons­ti­gen Gewohn­hei­ten kein Hono­rar zu ver­lan­gen. Ent­span­nen Sie sich also!

Who’s next?

HilalrycareWenn deut­sche Medi­en über Wah­len im Aus­land berich­ten, tun sie das in der Regel mit umso gelas­se­ne­rer Distanz, je wei­ter das betref­fen­de Land ent­fernt ist. Mit einer Aus­nah­me, näm­lich Wah­len in den USA. Allen Beob­ach­tern ist klar, dass die­se Wah­len auch für Euro­pa ein grö­ße­res Gewicht haben, als es zum Bei­spiel eine Wahl in Kana­da hät­te. In die­sem Punkt sind sich Kri­ti­ker und Befür­wor­ter des ame­ri­ka­ni­schen Ein­flus­ses auf das Welt­ge­sche­hen aus­nahms­wei­se einig. Bei den letz­ten Wah­len schlug sich die euro­päi­sche Öffent­lich­keit denn auch mehr oder weni­ger deut­lich auf eine Sei­te. Al Gore fan­den die Euro­pä­er schon mal ganz toll. Ein qua­si Grü­ner, ein Umwelt­schüt­zer, ein Freund vom smar­ten Clin­ton – das gefiel den Deut­schen. Gore ver­lor aber dum­mer­wei­se die Wahl. John Ker­ry war uns auch alle­mal sym­phy­ti­scher als Geor­ge W. Bush, es nütz­te aber nichts, wie­der aufs fal­sche Pferd gesetzt. Dann end­lich setz­te die euro­päi­sche Öffent­lich­keit auf den strah­len­den Oba­ma und lag damit aus­nahms­wei­se rich­tig. Oba­ma hier, Oba­ma da. Oba­ma, der das Jackett aus­zieht, Oba­ma, der nach weni­gen Wochen im Amt den Frie­dens­no­bel­preis für sein Lächeln bekommt, Oba­ma, der schon mal super­cool ein Lied­chen träl­lert und das auch noch mit guter Stim­me – ein Enter­tai­ner, ein Super­typ, wie ihn Euro­pa mag!

Und Deutsch­land moch­te ihn beson­ders. Nun, es gab sicher schlech­te­re Prä­si­den­ten in der Geschich­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Zumal sol­che, die das Amt nicht mal „optisch“ oder rhe­to­risch aus­zu­fül­len ver­moch­ten. Oba­mas Bilanz liest sich indes nicht so toll. Aber las­sen wir das, alles Schnee von ges­tern, denn Euro­pa hat sich neu ver­liebt. In Hil­la­ry Clin­ton. Denn deren Gegen­spie­ler Trump ist den Euro­pä­ern so unsym­pa­thisch, das selbst Oba­mas Amts­vor­gän­ger Geor­ge W. Bush wie ein Chor­kna­be gegen ihn wirkt.

Um es gleich klar zu sagen: Mei­ne Kris­tall­ku­gel ist zur Repa­ra­tur, wes­halb ich lei­der kei­ne Vor­her­sa­gen zum Wahl­aus­gang machen wer­de. Das Wäh­len selbst müs­sen wir lei­der auch die­ses Mal den Ame­ri­ka­nern über­las­sen – und das obwohl nicht weni­ge Deut­sche der Mei­nung sind, dass sie selbst dies bes­ser hin­be­kom­men wür­den. Die­ser deut­sche Kul­tur­chau­vi­nis­mus gegen­über den USA sitzt lei­der immer noch tief. Ver­mut­lich stammt er noch aus der Zeit, als Deutsch­land, das die Schrif­ten Hei­nes, Tuchol­skys und Remar­ques auf Schei­ter­hau­fen ver­brann­te und sechs Mil­lio­nen Juden gleich noch dazu, aus­ge­rech­net von Kau­gum­mi kau­en­den Cow­boys aus Texas aus der Schei­ße gezo­gen wer­den muss­te. Die­se Schmach schmerzt immer noch ein bisschen.

Mir geht es aber um etwas Ande­res. Irgend­et­was scheint dem Wahl­kampf 2016 zu feh­len, etwas, das sich dem ent­fern­ten Beob­ach­ter nicht sofort erschließt, weil es ange­sichts des Krachs, der Gra­ben­kämp­fe und der inner­par­tei­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen nicht so offen­sicht­lich ist. Um das zu erken­nen, muss man etwas tie­fer in die all­täg­li­chen ame­ri­ka­ni­schen Rea­li­tä­ten ein­tau­chen, die sich von euro­päi­schen und ins­be­son­de­re deut­schen Rea­li­tä­ten sehr stark unterscheiden.

Ain’t no friend …
your government!

Erin­nern Sie sich noch dar­an, wie „Oba­ma-Care“ in den USA die Gemü­ter ent­zün­de­te? Wenn in Tages­schau-Berich­ten die wüten­den Demons­tran­ten zu sehen waren, die über­all sozia­lis­ti­sche Umtrie­be ver­mu­te­ten und gegen die Ein­füh­rung eines ver­pflich­ten­den Gesund­heits­sys­tems für alle pro­tes­tier­ten, schüt­tel­te in Deutsch­land fast jeder nur den Kopf. Wie kann man nur gegen eine sol­che all­ge­mei­ne und sinn­vol­le Vor­sor­ge sein! Dabei sind zahl­reich Ent­schei­dun­gen, die in Washing­ton fal­len, für vie­le Ame­ri­ka­ner tra­di­tio­nell so weit ent­fernt von ihrer Lebens­wirk­lich­keit, dass sich bei vie­len ein star­kes Miss­trau­en gegen alles ein­stellt, das von dort kommt. Kaum ein US-Ame­ri­ka­ner, der noch bei kla­rem Ver­stand ist, wür­de behaup­ten, die Regie­rung in Washing­ton stün­de stell­ver­tre­tend für die USA oder spre­che auch nur in ihrem Namen! Eine sol­che Auto­ri­tät wird nur von Fall zu Fall erteilt. Die­se skep­ti­sche Grund­hal­tung gegen­über der Bun­des­po­li­tik, wie sie sich bei den Ein­woh­nern Euro­pas gegen­über Brüs­sel und den Deut­schen gegen­über Ber­lin erst all­mäh­lich her­aus­bil­det, ist sicher typisch für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten — man hat dort auch schon deut­lich län­ge­re Erfah­run­gen in die­ser Hin­sicht. Sehr viel längere!

Sicher wis­sen Sie auch, dass „Oba­ma-Care“ in den 90er Jah­ren als „Hil­la­ry-Care“ gestar­tet war und sich so lan­ge in Details ver­zet­telt hat­te, dass die­ser ers­te Ver­such zur Ein­füh­rung einer all­ge­mei­nen Gesund­heits­ver­sor­gung unter dem eige­nen Gewicht zusam­men­brach. Zu kom­pli­ziert, zu teu­er, zu vie­le Regeln, zu viel auf ein­mal, zu viel Staat. Hil­la­ry Clin­ton, damals „First Lady“, erwies sich bei der Aus­ar­bei­tung des Gesund­heits­sys­tems als Kon­troll­freak. Kom­pe­tent, ambi­tio­niert aber auch abge­ho­ben, detail­ver­liebt und gänz­lich unfä­hig, ihre Ideen dahin zu tra­gen, wo sie ver­stan­den wer­den muss­ten: raus aus dem Wei­ßen Haus, rein in die Häu­ser unter­pri­vi­le­gier­ter Bür­ger. Das Gesund­heits­sys­tem sah nach Regie­rungs­han­deln aus, nach Bevor­mun­dung, nach mehr Staat. Es wäre an Kom­ple­xi­tät wohl nur mit dem deut­schen Steu­er­recht ver­gleich­bar gewe­sen und ein büro­kra­ti­sches Mons­ter gewor­den. Ame­ri­ka lehn­te das Sys­tem ab und in Deutsch­land konn­te das nie­mand begrei­fen – einer­seits des­halb, weil nie­mand den Ver­gleich mit dem deut­schen Steu­er­recht mach­te. Ande­rer­seits des­halb, weil deut­sches Regie­rungs­han­deln häu­fig dar­auf hin­aus­läuft, dass wich­ti­ge Geset­zes­ent­wür­fe so lan­ge durch die Müh­le von Ver­mitt­lungs­aus­schüs­sen, Gerich­ten und Aus­schuss­sit­zun­gen gedreht wer­den, bis sie so ver­fälscht und schlecht sind, dass kei­ne Sei­te mehr damit zufrie­den ist. Sowas heißt dann in Deutsch­land „Kom­pro­miss“, die Ame­ri­ka­ner wür­den es wohl eher „dead hor­se“ nennen.

hqdefaultLas­sen wir das für einen Moment so ste­hen und schau­en uns den Riva­len von Clin­ton an, Donald Trump. Nein, sym­pa­thisch kann ich ihn beim bes­ten Wil­len nicht nen­nen. Aber die Art sei­nes Wahl­kamp­fes, sei­ne ver­ba­len Ent­glei­sun­gen, die Schuld­zu­wei­sun­gen und das hem­mungs­lo­se Ver­un­glimp­fen des poli­ti­schen Geg­ners (auch im eige­nen Lager) sind so neu nicht. Hat es alles schon gege­ben, wenn es frü­he­re Kan­di­da­ten auch meist vor­ge­zo­gen haben, das Wer­fen mit Dreck nicht selbst zu über­neh­men, son­dern dies den Netz­wer­ken aus den poli­tisch befreun­de­ten oder beauf­trag­ten Orga­ni­sa­tio­nen über­las­sen hat­ten. Trump macht das lie­ber selbst, weil er der Mei­nung ist, dass nur er das rich­tig und glaub­haft kann. Er kann sowie­so alles bes­ser als alle ande­ren. Ein Kon­troll­freak ist also auch er – und das schon in die­sem lächer­li­chen Punkt. Gefähr­lich ist die­ser Aspekt, falls Clin­ton sich irgend­wann auch dazu ent­schlie­ßen soll­te, den Dreck Kübel­wei­se über Trump aus­zu­schüt­ten. Denn Trump steht bereits im Dreck. Er hat kei­ne wei­ße Wes­te und braucht auch kei­ne. Macht Clin­ton den Feh­ler, sich auf Trumps Niveau zie­hen zu las­sen, schlägt er sie dort mühe­los mit sei­ner Erfah­rung. Den Feh­ler wird sie nicht machen, den­ke ich.

Ähneln sich die bei­den Kan­di­da­ten viel­leicht stär­ker, als wir das wahr­ha­ben wol­len? Nur ober­fläch­lich und dahin­ge­hend, dass bei­de Kon­troll­freaks sind, hof­fe ich. Denn wäh­rend Clin­ton es nicht schafft, ihre zahl­rei­chen guten Ideen für das Land in einen posi­ti­ven Spin bei den Wäh­lern zu ver­wan­deln, hat Trump erst gar kei­ne – und kann also leicht und unbe­schwert auf­spie­len. Wer kei­ne Prin­zi­pi­en hat, muss sich an kei­ne klam­mern und im Zwei­fel auch kei­ne aufgeben.

The missing thing

Was jedoch bei­den Wahl­kämp­fen glei­cher­ma­ßen fehlt, ist etwas, das in US-Wahl­kämp­fen ent­schei­den­der sein kann, als alles ande­re: Eine opti­mis­ti­sche Bot­schaft für die Zukunft, eine belast­ba­re Idee, die jeder Ame­ri­ka­ner selbst tra­gen kann, eine Idee, die vie­le Wäh­ler mit ein­schließt, viel­leicht sogar mit­reißt. Aber auf jeden Fall jeden Wäh­ler zur han­deln­den Per­son wer­den lässt, auf die es ankommt.

Oba­mas „Yes, we can“ schaff­te die­se Inklu­si­on. Trumps „Make Ame­ri­ca gre­at again“ bezieht sich allein auf ihn selbst. Er selbst hat die­sen Slo­gan schon vor Jah­ren als Mar­ke schüt­zen las­sen, denn für den bes­ten Mar­ke­ting-Stra­te­gen hält er sich natür­lich auch. Er will es rich­ten, er wird Super­mann sein. Das „Vic­to­ry-Sign“ ist nichts als sei­ne per­sön­li­che Atti­tü­de, kei­ne Per­spek­ti­ve für sein Land. Grö­ße ist nicht sein Ziel für das Land, son­dern sein wert­neu­tra­ler Maß­stab. Größ­ter Bau­un­ter­neh­mer, größ­ter Held, größ­ter Feh­ler, größ­te Klap­pe, größ­te Insol­venz, Haupt­sa­che groß. Er braucht kein Land, son­dern nur ein Publi­kum zur Bestä­ti­gung. Ein Gro­ßes selbst­ver­ständ­lich. Sei­ne Geschäf­te waren ja so klein nicht, er ist finan­zi­ell erfolg­reich. Und fle­xi­bel! Wenn ein Geschäft nicht funk­tio­niert, oder nicht genug Gewinn abwirft, stößt er es ab. Clin­tons Team hat erkannt, dass dies sei­ne Achil­les­fer­se ist und ver­sucht nun die Wäh­ler davon zu über­zeu­gen, dass Trumps Prä­po­tenz einst dazu führ­te, dass er sei­ne Betei­li­gun­gen an einem Casi­no in Atlan­tic City abstieß, als es ihm nicht mehr pro­fi­ta­bel genug war…und dass er dies auch jeder­zeit mit sei­nem Land machen könn­te, wür­de man es ihm anver­trau­en. Clin­ton wird so ver­su­chen, Trump dazu zu zwin­gen, den Schritt vom kühl berech­nen­den Unter­neh­mer zum ver­läss­li­chen Poli­ti­ker zu machen – das ist ihre „Estab­lish­ment-Fal­le“. Man darf gespannt sein, ob Trump das Fett­näpf­chen sieht.

Es liegt vie­les im Argen in den USA, wer woll­te das bestrei­ten. Trumps Feh­ler ist es aber, das Land nur in den düs­ters­ten Far­ben zu malen. Er pul­ve­ri­siert damit die wohl wich­tigs­te Pro­duk­tiv­kraft des Lan­des, auf die es sich in Zei­ten größ­ter Not stets ver­las­sen konn­te: Den Opti­mis­mus sei­ner Bür­ger. Je schlim­mer die Lage war, des­to wich­ti­ger war die­ser Optimismus.

Einem Deut­schen kann man das viel­leicht nur schwer erklä­ren, weil er in sol­chen Zei­ten eher auf den Staat baut, auf Hilfs­pro­gram­me, Trans­fer­leis­tun­gen, Sozi­al­staat oder die EU zu Hil­fe ruft. Oder eben die US-Armee, wenn es mili­tä­risch brennt wie damals in Jugo­sla­wi­en. Sicher, nicht alle Deut­schen den­ken so. Das wäre ja auch depri­mie­rend. Aber in den USA ist die­se obrig­keits­hö­ri­ge Hal­tung noch sehr viel sel­te­ner. Dort erwar­tet man eher, in sei­ner Eigen­in­itia­ti­ve nicht aus­ge­rech­net vom Staat behin­dert zu wer­den, von dem man sowie­so nichts Gutes erwar­tet. Trumps Ver­spre­chen lau­tet „Ich mache das, ich weiß, was zu tun ist“ – das ist aber Bevor­mun­dung mit Ansa­ge und passt nicht zu einem Kan­di­da­ten, der die Bevor­mun­dung durch das „Washing­to­ner Estab­lish­ment“ doch eigent­lich abzu­schaf­fen beabsichtigt.

Hil­la­ry Clin­ton hat vie­le Plä­ne. Sicher ist auch viel Gutes und Nütz­li­ches dabei. Aber ihr Wahl­kampf ver­zet­telt sich in Details, ist tech­nisch, um nicht zu sagen tech­no­kra­tisch. Sie erklärt viel, aber sie über­zeugt nicht, sie reißt nie­man­den mit, sie doziert lie­ber. Ganz so als wür­de sie befürch­ten, in den Augen der Wäh­ler immer noch die „First Lady“ zu sein. Wer hier auch eine Eman­zi­pa­ti­ons­front sieht, liegt ver­mut­lich gold­rich­tig. Sie weiß alles bes­ser, sie hat viel Erfah­rung. Das mag in man­chen Punk­ten auch stim­men aber ihre Art der Bevor­mun­dung ist vie­len Ame­ri­ka­nern fast genau­so zuwi­der, wie die groß­mäu­li­gen Zurecht­wei­sun­gen Trumps. Auch ihr fehlt eine gro­ße, ver­bin­den­de Idee, hin­ter der sich die Trump-Geg­ner ver­sam­meln könn­ten. Ihr Wahl­kampf sieht wie ein Gemischt­wa­ren­la­den aus, wobei all die The­men, die sie aus­brei­tet, wich­tig sind und doch weiß jeder, dass Clin­ton eine Men­ge Kom­pro­mis­se wür­de machen müs­sen, wenn sie die Wahl gewön­ne. Clin­tons bun­ter Gaben­tisch ist genau so voll von teu­ren Ver­spre­chen, wie der von Trump. Eine posi­ti­ve Idee von Ame­ri­ka, sei­nen Bür­gern, ihrer Ver­fas­sung und der Rol­le der USA in der glo­ba­li­sier­ten Welt ver­brei­ten bis­her lei­der bei­de nicht. Wenn Hil­la­ry Clin­ton nicht auf­passt, endet ihr Wahl­kampf genau­so wie ihre Gesund­heits­re­form: Zu kom­pli­ziert, zu teu­er, zu vie­le Regeln, zu viel auf ein­mal, zu viel Staat.

Opti­mis­mus ist in Clin­tons Wahl­kampf noch am ehes­ten zu fin­den, aber er ver­steckt sich irgend­wo im Klein­ge­druck­ten und ist für vie­le kaum sicht­bar. Wenn sie es schafft, die­sen Opti­mis­mus recht­zei­tig zum Punkt Eins zu machen, hat sie eine Chan­ce auf den Sieg. Und Trump? Dem möch­te ich zwar kei­ne Tipps geben, aber da er nach allem was man hört sowie­so bera­tungs­re­sis­tent ist, spielt das kei­ne Rolle.

Ein Nixon wird er nicht, dafür feh­len ihm die poli­ti­schen Instink­te. Ein Geor­ge Bush Seni­or auch nicht, dazu fehlt ihm der Grips. Die rhe­to­ri­schen Fähig­kei­ten eines Ronald Rea­gan hat er lei­der auch nicht, aber viel­leicht erin­nert er sich im Fall sei­nes Wahl­sie­ges dar­an, dass Rea­gan die Fähig­keit besaß, auf das zu hören, was sei­ne Bera­ter zu sagen hat­ten und dass sich Rea­gan nicht zuletzt des­halb lang­fris­tig als einer der stra­te­gisch erfolg­reichs­ten Prä­si­den­ten der jün­ge­ren Geschich­te erwies. Rea­gan hat­te aller­dings auch eine Frau, mit der es Mela­nia Trump intel­lek­tu­ell kaum auf­neh­men kann. Also wür­de wohl auch kein zwei­ter Rea­gan aus Trump wer­den. Hof­fent­lich wür­de es wenigs­tens zur Ent­schluss­kraft eines Lyn­don B. John­son rei­chen, einem Demo­kra­ten zwar, der aber „Nein“ sagen konn­te, als Gene­ral West­mo­re­land den Ein­satz von Kern­waf­fen im Viet­nam-Krieg for­der­te. Die­se Din­ger soll­te man näm­lich nicht nur des­halb ein­set­zen, weil man wel­che hat.

Der Blog­ger darf wie­der über­neh­men und den Wahl­kampf inter­es­siert und nicht ganz unpar­tei­isch wei­ter­ver­fol­gen. Er ist gespannt, ob die Ver­mu­tun­gen des Mar­ke­ting-Fuz­zys wenigs­tens bis nahe an die Rea­li­tät her­an­rei­chen, oder ob alles mal wie­der ganz anders kommt, als gedacht. Bis zum 8. Novem­ber kann noch viel pas­sie­ren. Yes, we observe!

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2 Kommentare

  1. Also Trump hat erst gar kei­ne Ideen dar­um kan er spä­ter auch kei­ne Ver­spre­chun­gen ver­ges­sen.….. oder sowas.
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    Das ist gelin­de gesagt ein Unsinn.
    Was ein Land mit 20 Bil­lio­nen Schul­den braucht ist als aller­ers­tes einen Mann der mit viel Geld umzu­ge­hen weiss.
    Trump hat Qua­li­tä­ten, denn ohne die wäre er heu­te ein armer Mann.
    Und bei der Ver­fas­sung in der die USA sind, hat er somit genau die rich­ti­gen Fähigkeiten.
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    Er hat die Qua­li­tä­ten die match­ent­schei­dend sind, nicht für Mora­lis­ten aber für über­schul­de­te Staaten.
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    Sei­ne Äus­se­run­gen wegen der Mexi­ka­ni­schen Gren­ze, der Ein­wan­de­rung von Mus­li­men, nur schon das wür­de gewal­ti­ge Pro­ble­me lösen, wür­de man es end­lich anpacken.
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    Trump ist zudem der­je­ni­ge der sich von Mili­tä­risch Indus­tri­el­len Kom­plex distan­zie­ren könn­te, auch etwas was unge­heu­er viel brin­gen würde.
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    Mili­tär­aus­ga­ben dürf­ten bei ihm kein Tabu sein, im Gegen­satz zu Clinton.
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    War­um nur war­ten alle Euro­pä­er auf einen neu­en Heuch­ler, wenn sie Trump haben können.
    Natür­lich wird auch er Din­ge tun die uns nicht pas­sen, aber er wird ganz sicher das elen­di­ge Estab­lish­ment in den USA das fürch­ten lehren.
    Kön­nen wir uns etwas bes­se­res wünschen.….?
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    Ja die Heuch­ler schon.

    • Das sind alles sehr inter­es­san­te Aspek­te, beson­ders da Trump ges­tern erst sei­nen krea­ti­ven Lösungs­an­sät­zen einen wei­te­ren hin­zu­ge­fügt hat: Waf­fen­be­sit­zer könn­ten Clin­ton stop­pen, falls sie die Prä­si­dent­schaft gewin­nen soll­te. Der Donald ist ein Aus­bund von Ver­nunft, das muss ich schon sagen. Viel­leicht soll­ten Sie Ihre Kris­tall­ku­gel auch mal zur Repa­ra­tur brin­gen, Herr Roth.
      Ich hät­te da auch noch ein alter­na­ti­ves Sze­na­rio zum The­ma Staats­schul­den und Trump, falls Sie die FAZ in Sachen Wirt­schaft für annä­hernd seri­ös halten:

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