Anna­le­na Baer­bock, die Par­tei­che­fin der Grü­nen, redet nicht mit mir. Immer noch nicht. Mei­ne Mail mit der Fra­ge, ob ich die „Rech­nung der Ener­gie­wen­de“ sehen kön­ne, wel­che die Grü­nen ange­stellt, beauf­tragt oder geträumt haben, blieb unbe­ant­wor­tet. Doch blieb sie auch unbe­ach­tet? Als neue Par­tei­vor­sit­zen­de einer 64-tau­send-köp­fi­gen Mas­sen­par­tei spricht sie natür­lich nicht direkt mit mir klei­nem Schrei­ber­lein, son­dern sen­det ihre Weis­heit in die gro­ße wei­te Welt. Denn offen­bar sind ihr die hämi­schen Bemer­kun­gen (inclu­si­ve mei­nes Arti­kels), die lan­des­weit ange­sichts ihres leicht ver­peilt bis schwer bekifft wir­ken­den Inter­views mit dem DLF gemacht wur­den, nicht ent­gan­gen. Es bestand Erklä­rungs­be­darf. Anna­le­na Baer­bock erklärt nun also auf ihrer Web­sei­te, wie das „gemeint“ war, mit den Net­zen, den Spei­chern und all dem ande­ren Zeug, das durch­ge­rech­net, abge­hef­tet und längst in grü­nen Jute­beu­teln sicher ver­staut ist. Dass Nar­ren wie ich aber auch immer wie­der drauf rum­rei­ten müs­sen! „Wie geht dies, wie macht ihr das, da ist ein Pro­blem, die Rech­nung stimmt nicht…“ Opti­mis­mus ist ange­sagt! Ob Gra­vi­ta­ti­ons­kon­stan­te, Geset­ze der Ther­mo­dy­na­mik oder Car­not-Schwel­le – weg mit der bür­ger­li­chen Phy­sik! Frei­er Fall für alle! Das wur­de so beschlos­sen und dann machen wir das jetzt auch so! Das Netz ist der Speicher!

Ja, das klang etwas naiv im DLF-Inter­view und ich dach­te mir schon, was spä­ter von Anna­le­na als Aus­flucht kom­men wür­de: So sei das nie gemeint gewe­sen! Natür­lich war nicht das Strom­netz als Spei­cher aus­er­se­hen! Man müs­se die Net­ze schon kop­peln: Strom, Gas, Infor­ma­ti­on, wünsch dir was…

Grüne Textbausteine

Lau­schen wir also den Erklä­run­gen auf der Web­sei­te der Par­tei­vor­sit­zen­den der Grü­nen, wie wun­der­bar durch­ge­plant und logisch die Ener­gie­wen­de funk­tio­niert, wenn man die Hebel und Schal­ter nur den rich­ti­gen Leu­ten über­lie­ße – den Grü­nen natürlich:

„Die vie­len, dezen­tra­len Anla­gen wer­den über ein leis­tungs­fä­hi­ges Strom­netz mit­ein­an­der ver­bun­den, das den Strom schnell und effi­zi­ent vom Erzeu­gungs- zum Ver­brauchs­ort trans­por­tiert. Strom­be­darf und Strom­erzeu­gung wer­den so über eine intel­li­gen­te Steue­rung jeder­zeit und an jedem Ort ziel­si­cher auf­ein­an­der abge­stimmt. So wird die Strom­ver­sor­gung der Zukunft aussehen.“

Schnell, effi­zi­ent, abge­stimmt, leis­tungs­fä­hig, ziel­si­cher. Mit ande­ren Wor­ten: das wird schon irgend­wie klap­pen, frag nicht so blöd! Oder, für Pop-Affi­ne 80er: Irgend­wie, irgend­wo, irgend­wann. Haupt­sa­che Zukunft. Zukunft ist immer! Zah­len und Fak­ten müs­sen aber auch, und wenn ich Poli­ti­ker­sät­ze mit einer der­ar­ti­gen Dich­te an Kraft­meie­rei­en lese, wer­de ich miss­trau­isch. Denn der zitier­te Satz bedeu­tet auf die Gegen­wart bezo­gen, dass wir nicht genug dezen­tra­le Anla­gen haben, die über ein nicht leis­tungs­fä­hi­ges Netz nur mise­ra­bel mit­ein­an­der ver­bun­den sind, die Effi­zi­enz von Erzeu­gung und Trans­port zu wün­schen übrig lässt und von intel­li­gen­ter Steue­rung kei­ne Rede sein kann. So wird die Strom­ver­sor­gung lei­der auch in der nähe­ren Zukunft aus­se­hen, weil alles ande­re Abseits von grü­nem Ideo­lo­gie-Geschwätz noch nicht mal in der Theo­rie existiert.

„Spei­cher und Net­ze wir­ken dar­in funk­tio­nal sehr ähn­lich, auch wenn sie phy­si­ka­lisch völ­lig ver­schie­den sind.“

Anna­le­nas Co-Par­tei­chef Habeck hat ja bereits die Lücke zwi­schen „Mensch und Sys­tem“ ent­deckt, die es zu schlie­ßen gäl­te. Nun hat Frau Baer­bock die Lücke zwi­schen Funk­ti­on und Phy­sik ent­deckt – selbst­ver­ständ­lich lässt sich die­se nur durch funk­tio­na­le Phy­sik schlie­ßen! Die Phy­sik die­ne dem Funk­tio­när, nicht anders her­um! Das schreit gera­de­zu nach einem zwar gen­der­mä­ßig pari­tä­ti­schen, aber auch sehr, sehr alter­na­ti­ven Nobelpreis.

„Denn bei­de tra­gen dazu bei, kurz­zei­tig auf­tre­ten­de Über­schüs­se und Eng­päs­se aus­zu­glei­chen. Damit neh­men sie eine Schlüs­sel­stel­lung im künf­ti­gen Strom­sys­tem ein.“

„Was ist eine Schlüs­sel­stel­lung“ – das könn­te auch die Fra­ge eines Unter­of­fi­ziers an den Sol­da­ten sein. Und auf die­se gibt es nur eine rich­ti­ge Ant­wort: Ein­zu­neh­men! Nur wer­den wir ein gar nicht so kurz­fris­ti­ges, son­dern ein vor allem sai­so­na­les Pro­blem mit der Strom­ver­sor­gung haben. Im Dezem­ber wer­den unse­re Spei­cher leer sein! Aus­ge­rech­net dann, wenn wir die ver­damm­te Ener­gie brau­chen, um die Dom­plat­te in Köln mit tole­ranz­för­der­li­chen Text­bau­stei­nen zu beleuch­ten! Aber zur Rech­nung, wie man kurz­fris­ti­ge Über­schüs­se in Lang­fris­ti­ge Ver­sor­gungs­si­cher­heit umwan­delt, kom­me ich noch.

„Zusätz­lich ber­gen das Gas­netz und die dar­an ange­schlos­se­nen Gas­spei­cher ein gro­ßes Spei­cher­po­ten­zi­al, das über „Power to Gas“ erschlos­sen wer­den kann. Hier­durch ist auch ein sai­so­na­ler Aus­gleich von Erzeu­gung und Ver­brauch denk­bar, da das Gas­netz eine grö­ße­re Kapa­zi­tät sowie eine höhe­re Reak­ti­ons­träg­heit auf­weist als das Stromnetz.“ 

Zunächst mal weist das Strom­netz als sol­ches über­haupt kei­ne Kapa­zi­tät auf, weil es eben kein Spei­cher ist. Das Gas­netz als Luft­bal­lon zu betrei­ben, in den man nach Belie­ben hin­ein­pum­pen oder dar­aus ablas­sen kann, ist eine char­man­te Vor­stel­lung. Beson­ders, die vor­han­de­nen Gas­ka­ver­nen zu nut­zen, die mitt­ler­wei­le zum Teil Gaz­prom gehö­ren (Lager­kos­ten?). Dies dezen­tral zu tun wür­de bedeu­ten, das erzeug­te Gas ein­fach in die Lei­tun­gen zu pum­pen. Den Druck zu regu­lie­ren wäre die Auf­ga­be zahl­rei­cher kräf­ti­ger Pum­pen, die oft auf Hoch­tou­ren lau­fen müss­ten, wenn die Son­ne scheint und der Wind weht. Und die­se Regu­lie­rung muss sehr genau sein, sowohl was Druck als auch Zusam­men­set­zung des Gases angeht. Schließ­lich möch­te man beim Ein­schal­ten der hei­mi­schen Gas­hei­zung kei­ne bösen Über­ra­schun­gen erle­ben. Aus eben die­sem Grund kön­nen wir auch nicht ein­fach per Elek­tro­ly­se erzeug­ten Was­ser­stoff ver­wen­den, um den dann in die Gas­lei­tun­gen zu pres­sen – wir müs­sen Methan dar­aus machen! Auch dazu spä­ter mehr.

„Klar ist jedoch: Ver­sor­gungs­si­cher­heit kann inzwi­schen nicht mehr natio­nal, son­dern muss im euro­päi­schen Kon­text gedacht wer­den. Heu­te schon wird in jeder Sekun­de im Jahr Strom über Deutsch­lands Gren­zen im- und expor­tiert. Das ent­spricht euro­päi­schem Recht und kein EU-Staat darf dies be- oder gar verhindern.“ 

Hier lässt sich Baer­bock eine Hin­ter­tür in der Glei­chung. Denn wenn ihre Rech­nung nicht auf­geht – was sie lei­der nicht tut – erwei­tert sie kur­zer­hand um den Fak­tor Euro­pa. Und wehe, der Fak­tor spielt nicht mit! Da wer­den unse­ren Nach­barn schon mal die Brüs­se­ler Instru­men­te gezeigt! Polen setzt Pha­sen­schie­ber ein, um sei­ne Net­ze vor Flu­ten über­flüs­si­gen Wind­stroms in Spit­zen­zei­ten zu schüt­zen? Expor­te dür­fen nicht behin­dert wer­den! Frank­reich kann nicht genug Atom­strom lie­fern, wenn Deutsch­land wind­still, dun­kel und gas­leer ist? Impor­te wer­den behin­dert! Sofort sank­tio­nie­ren! Am deut­schen Ener­gie­we­sen soll Euro­pa gene­sen! Was heißt hier soll: es muss! Und die letz­ten Lich­ter, die in Deutsch­land vor dem Black­out noch bren­nen, wer­den die auf den Uni­sex-Toi­let­ten sein! Doch ist es lei­der nicht aus­rei­chend, Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu „den­ken“, es wäre schon ganz gut zu wis­sen, wie man sie sicher­stel­len will.

Die Stichwortgeber in der Öko-Industrie

Man fragt sich ja, woher neh­men die Spit­zen­grü­nen nur den Opti­mis­mus und vor allem die Voka­beln, die sie stän­dig nach­plap­pern? Ein paar Such­an­fra­gen spä­ter lan­det man bei den Text­bau­stei­nen der „Thü­ga“, dem nach eige­nen Anga­ben größ­ten kom­mu­na­len Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­ger Deutsch­lands. Ich zie­he hier mal einen Strich, weil ich das Zusam­men­spiel zwi­schen die­ser Grup­pe und den Groß­hirn­rin­den grü­ner Poli­ti­ker nicht nach­wei­sen kann und ich unter­stel­le der Thü­ga in Bezug auf ihre Bestre­bun­gen zur Ener­gie­si­cher­heit auch nur den lau­ters­ten For­scher­geist, ganz abseits aller Sub­ven­ti­ons­ge­lüs­te. Doch klin­gen deren eupho­ri­sche Aus­sa­gen zu Power-to-Gas sehr stark nach dem, was Anna­le­na Baer­bock als „aus­ge­rech­ne­te Fak­ten“ zwi­schen ihre Lieb­lings­phra­sen quetscht. Doch lesen sie selbst, hier eine klei­ne Aus­wahl von der Web­sei­te der Thüga:

„Nur das Gas­netz ver­fügt über die Kapa­zi­tät, um den enor­men Gesamt­spei­cher­be­darf der Ener­gie­wen­de zu decken“ ­– „Nahe­zu unbe­grenz­te Spei­cher­ka­pa­zi­tät ent­steht durch eine zusätz­li­che Metha­ni­sie­rung des erzeug­ten Was­ser­stof­fes“ – „Poli­tik muss ent­spre­chen­de Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen“ – „…über­schüs­si­ge Strom­men­gen aus erneu­er­ba­ren Quel­len in Gas umwan­deln“ – „Von den Vor­tei­len der Strom zu Gas-Tech­no­lo­gie über­zeug­ten sich in den zurück­lie­gen­den Mona­ten mehr als 1.300 Besucher“

Da möch­te ich doch fast wet­ten, dass eini­ge der über­zeug­ten Besu­cher lei­ten­de Posi­tio­nen bei den Grü­nen inne haben. Und Thü­ga mel­det auch tech­nisch Erstaun­li­ches:

„…erreicht die Gesamt­an­la­ge – von der Strom­ent­nah­me bis zur Gas­ein­spei­sung – einen Wir­kungs­grad von bis zu 77 Prozent“

Das ist wahr­lich ein phan­tas­ti­scher Wert, kann ich ihnen sagen! Und Thü­ga ist zurecht stolz auf die ent­wi­ckel­te Tech­no­lo­gie! Nur 28% Ener­gie kos­tet es also, um aus Strom und Was­ser Gas zu erzeu­gen. Aller­dings han­delt es sich dabei um Was­ser­stoff, den man nur solan­ge ins Gas­netz drü­cken darf, wie die Gesamt­men­ge 5% nicht über­steigt. Wenn dem­nächst die gan­ze Repu­blik Son­ne und Wind als Gas in die Net­ze pumpt, soll­te man dies tun­lichst unter­las­sen. Sonst – ich sag­te es – gibt es unan­ge­neh­me Über­ra­schun­gen. Knall­gas-Explo­sio­nen machen nur Spaß, wenn sie im Che­mie-Unter­richt statt­fin­den, nicht in Gas­öfen, Her­den und Gas­lei­tun­gen. Man muss also noch wei­te­re Ener­gie auf­wen­den, um den Was­ser­stoff durch Zuga­be von CO2 in Methan umzu­wan­deln. Die­ses kann man dann ins Gas­netz pres­sen und bei Bedarf wie­der zu Strom machen, was über den gesam­ten Pro­zess Strom -> Was­ser­stoff -> Methan -> Strom einem Wir­kungs­grad von 28–40% ent­spricht. Macht 60–77% Ener­gie­auf­wand ins­ge­samt, wenn’s rich­tig gut läuft ­– aber wann tut es das schon! Erwähn­te ich schon, dass man zur Metha­ni­sie­rung eine sta­bi­le und ergie­bi­ge CO2-Quel­le braucht? Ja ja, da kann man nicht ein­fach das Biss­chen aus der Luft neh­men, das wür­de den Wir­kungs­grad wei­ter schrump­fen las­sen und den Pflan­zen das Fut­ter weg­fres­sen. Am bes­ten, man holt das CO2 aus Bio­gas-Anla­gen, von denen wir des­halb in Zukunft auch sehr sehr viel mehr brau­chen wer­den. Immer mög­lichst nahe am P2G-Kraft­werk. Klar, wir müss­ten auch den Mais­an­bau, den Trans­port, die Dün­gung der Fel­der und vie­les mehr jetzt eben­falls in die Ener­gie­bi­lanz ein­fü­gen, aber das las­sen wir hier mal groß­zü­gig unter den Tisch fal­len. Soll­te der Aus­bau jedoch wie gewünscht vor­an­kom­men, wird der Mais­kol­ben das Eichen­laub als deut­sches Reprä­sen­ta­ti­ons­ge­mü­se bald abge­löst haben!

Die Energiewende der Annalena Baerbock

Im Jahr 2016 betrug der gesam­te Ener­gie­ver­brauch (nur Strom) Deutsch­lands etwa 520 TWh (Tera­watt­stun­den). Im glei­chen Jahr wur­den aus erneu­er­ba­ren Ener­gien 188,3 TWh erzeugt (nicht ver­braucht, son­dern erzeugt. Unse­re glor­rei­chen „Expor­te“ sind da schon mit drin). Auf Wind ent­fiel der Löwen­an­teil, etwa 98 TWh, dann fol­gen Son­ne (38 TWh), Bio­gas (32 TWh) und Was­ser­kraft (20 TWh). Letz­te­re kön­nen wir nicht wei­ter aus­bau­en. Für die voll­stän­di­ge Ener­gie­wen­de ist rech­ne­risch somit die Lücke zwi­schen 188 und 520 TWh, also 332 TWh, durch Son­ne, Wind und Bio­gas zu fül­len. Ver­drei­fa­chen wir die jewei­li­gen Anla­gen oder erneu­ern sie durch drei­mal so Leis­tungs­star­ke, kom­men wir auf die wei­te­ren benö­tig­ten Kapa­zi­tä­ten – voi­lat, geschafft!

Aber jetzt wird’s etwas kom­pli­ziert. Wir wol­len in Zukunft kei­nen Strom mehr weg­kip­pen, im Dun­keln sit­zen wol­len wir aber auch nicht. Des­halb müs­sen wir lei­der die gesam­te erneu­er­ba­re Ener­gie – außer ein wenig Bio­gas viel­leicht – über unse­re neu­en bes­ten Freund, den Gas­spei­cher schi­cken! Denn nicht eine ein­zi­ge Kilo­watt­stun­de aus Son­ne und Wind ist gesi­cher­te Leis­tung. Das müs­sen wir aber auch des­halb machen, weil die Elek­tro­ly­se und die Metha­ni­sie­rung kon­ti­nu­ier­li­che Pro­zes­se sind, die man nicht nach Bedarf für Netz-Spit­zen an- und aus­knip­sen kann. Außer­dem müs­sen die Gas­kraft­wer­ke, die unser künst­li­ches Gas wie­der in Strom zurück­wan­deln, mit guter Aus­las­tung lau­fen, um über­haupt effek­tiv arbei­ten zu können…aber wie die Grü­nen ja schon sag­ten: die Gas­spei­cher sind groß genug, wir schaf­fen das! Wir ver­nach­läs­si­gen also, dass unse­re Gas­spei­cher eigent­lich auch eine stra­te­gi­sche Reser­ve sind, die uns in Preis­ver­hand­lun­gen mit Putin bis­lang sehr gehol­fen haben. Putin hat sicher Ver­ständ­nis für die deut­sche Ener­gie­wen­de und hat bei künf­ti­gen Ver­hand­lun­gen über Gas­lie­fe­run­gen, die wir ja für die Wär­me­er­zeu­gung immer noch brau­chen, nur unser bes­tes im Sinn. Aber wir haben ja noch unse­ren Gerd Schröder…

Power to Spass!

Doch da ist ja noch das Pro­blem mit dem Wir­kungs­grad von nur 28–40%! Eine Ver­drei­fa­chung aller Wind‑, Solar- und Bio­gas­an­la­gen reicht also nicht aus. Es muss mehr als eine Ver­sechs­fa­chung sein! Min­des­tens! Bei 30% Wir­kungs­grad* müss­ten wir sogar neun­mal so vie­le bau­en! Allein bei den Wind­an­la­gen wäre min­des­tens eine Stei­ge­rung von 27.270 Anla­gen (Ende 2016) auf mehr als 163.620 Anla­gen nötig! Die Solar­vol­ta­ik müss­te um den glei­chen Fak­tor wach­sen, die Bio­gas-Anla­gen auf­grund des erhöh­ten CO2-Bedarfs noch viel stär­ker. Das macht in der End­aus­bau­pha­se ein Wind­rad auf 2,2 km2 Deutsch­land, unter denen sich dicht gedrängt Solar-Panele mit Mais­pflan­zen um die son­nigs­ten Fleck­chen bal­gen und auch noch genug Platz las­sen müs­sen für die tau­sen­den benö­tig­ter Power-to-Gas-Anlagen.

Hat­te ich erwähnt, dass es sich bei die­ser Rech­nung ledig­lich um den IST-Stand der Strom­pro­duk­ti­on han­delt? Als Kir­sche auf die­ser Sah­ne wol­len die Grü­nen und die Kli­ma­kanz­le­rin mit­tel­fris­tig auch den Ver­kehr ver­strom­ern. Das wäre dann ein Bat­zen, der etwa noch­mal die­sel­be Grö­ße hät­te. Ein Land, in dem wir gut und ger­ne leben!

Lie­be Frau Baerbock,
wie Sie sehen, wird das schon wie­der nichts, mit dem „Netz als Spei­cher“. Nicht mal dann, wenn wir das resi­li­en­te Gas­netz dazu­schal­ten. Viel Glück bei Ihrem nächs­ten Erklä­rungs­ver­such, Sie haben ja eini­ge Net­ze noch nicht berück­sich­tigt. Da wären zum Bei­spiel Fischer­net­ze, Spin­nen­net­ze, Haar­net­ze, das Internet…lassen Sie mich wis­sen, wenn Sie mei­ne Hil­fe brau­chen. Ich wür­de mir sofort mei­nen Solar-Taschen­rech­ner schnap­pen, mein Ein­horn sat­teln und zu Ihnen eilen. Ehrensache!

* Die schlech­ten Nach­rich­ten immer zum Schluss: Pro­fes­sor Hans Wer­ner Sinn rech­net in sei­nen Model­len mit rea­lis­ti­sche­ren 25% Wir­kungs­grad für P2G2P (Power to Gas to Power). Das bedeu­tet, jede ein­ge­speis­te P2G-Kilo­watt­stun­de kos­tet vier mal mehr, wenn man sie aus dem Sys­tem wie­der her­aus­holt. Unse­re Strom­rech­nung wird das sicher wenig freuen.

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17 Kommentare

  1. Ach wie ger­ne hät­te ich, als ich mei­ne drei See­ka­jaks noch hat­te, die eine oder ande­re Grü­ne ein­mal auf einen Insel­trip mit­ge­nom­men. Alle Vor­rä­te für eine Woche Auf­ent­halt auf einer Insel der Bay of Islands (Neu­see­land) müs­sen im Boot unter­ge­bracht wer­den. Dito das Cam­ping-Koch­ge­schirr, der Gas­ko­cher, das Zelt, die tro­cke­nen Kla­mot­ten, und – natür­lich – der Wein. Es wird jeden Tag gepad­delt, gekocht, Kon­ver­sa­ti­on betrie­ben, und sich im Oze­an gewa­schen. Nach ein paar Tagen hat man sich an den sich ent­wi­ckeln­den Eigen­ge­ruch gewöhnt, und wenn das Wet­ter einem dann mit Sturm und Regen beschenkt, ja dann kommt Freu­de auf dar­an, der Natur fast schutz­los aus­ge­lie­fert zu sein. Der eine oder ande­re Weis­se Hai, der ab und zu unter dem Kajak neu­gie­rig sei­ne Krei­se zieht, beflü­gelt dann das Natur­ge­fühl noch zusätz­lich. Und wenn man sich beim Bio-Gemü­se­schnip­peln in den Fin­ger schnei­det, und am nächs­ten Mor­gen das Salz­was­ser in der Wun­de brennt, ja dann kennt die Freu­de gar kei­ne Gren­zen mehr.

    Ich bin mir sicher, nach einer sol­chen „Wirk­lich­keits­wo­che” in den Armen von „Mut­ter Natur” wären vie­le Grü­ne von ihrem Natur­wahn geheilt.

  2. Guten Tag,
    im gros­sen und gan­zen gebe ich Ihnen recht. Das Spei­cher­pro­blem ist defi­ni­tiv nicht geloest. Das Gas­netzt ist aber zumin­dest ein Ansatz, der mttel­fris­tig umzu­set­zen wae­re. Das Gas­netzt ist vor­han­den, die noe­ti­gen Tech­no­lo­gien sind aus­ge­reift. Ihre The­se, das qua­si die kom­plet­te Ern­er­gie ueber Gas­tur­bi­nen lau­fen soll­te, ist nicht ganz ein­leuch­tend. Tech­nisch sinn­voll wae­re es, die Spei­cher per­ma­nent mit ueber­schu­es­si­ger Ener­gie zu laden und den Rest direkt ein­zu­spei­sen. Ein gewis­ser Pro­zent­satz soll­te per­ma­nent ueber Tur­bi­nen kom­men, aus Gru­en­den der Sta­bi­li­ta­et, der Rest aber direkt von den PV bzw. Wind­kraft­er­zeu­gern. Nur, wenn zuwe­nig erzeugt wird, muss auf die Spei­cher zuge­grif­fen wer­den. Dadurch koenn­te der Wir­kungs­grad des Systhems dras­tisch erhoeht werden.
    Ein gros­ses Poten­ti­al steckt in den pri­va­ten Hei­zungs­an­la­gen. Denk­bar wae­re der Ein­satz von klei­nen Gas-BHKWs im Bereich <10kw. Die­se koenn­ten nach und nach die Hei­zungs­an­la­gen ersetz­ten und so mit­tels intel­li­gen­ter Steue­rung im Bedarfs­fall reak­ti­ons­schnell das Netz sta­b­li­sie­ren. Im Som­mer wuer­de die ueber­schu­es­si­ge Waer­me nach draus­sen abge­ge­ben, im Win­ter koenn­te damit geheizt wer­den. Gros­se Not­strom­an­la­gen (1MW) von z.B. Kran­kenhae­u­sern sind bereits jetzt via Fer­steue­rung ver­fueg­bar und inner­halb von 15 Sekun­den OnLine. Das ist alles nicht ein­fach, aber fuer ein Hoch­tech­no­lo­gie­land rea­li­sier­bar. Den Grue­nen traue ich sowas nicht zu, weil die nicht mal ansatz­wei­se ver­ste­hen, wo die Pro­ble­me lie­gen und man so ein Mas­ter­pro­jekt nur mit vie­len Voru­e­ber­le­gun­gen und einem struk­tu­rier­ten Vor­ge­hen meis­tern kann. Ein­fach mal ein paar GW PV ans Netz haen­gen und dann schae­un, was pas­siert, ist kei­ne Losung.
    Gruss
    PS: Ich fin­de es erstaun­lich, das sach­lich fun­dier­te Arti­ckel mitt­ler­wei­le nur noch in den soge­nann­ten „alter­na­ti­ven Medi­en” erschei­nen und die Qua­li­ta­ets­pres­se bei tech­ni­schen The­men fast aus­nah­mos ober­flaech­li­ches Bla Bla bringt, das dann auch noch inhalt­lich falsch ist. In den dor­ti­gen Kom­men­tar­spal­ten wer­den die­se Feh­ler dann in der Regel richtiggestellt.

    • Natür­lich sind alle Misch­for­men denk­bar. Das was Sie vor­schla­gen, ist aber im Grund­satz das Sys­tem, was wir gera­de auf­bau­en – nur ohne Vor­fahrt für Erneu­er­ba­re. Durch den etwas höhe­ren Wir­kungs­grad der Wind­kraft ist die kWH etwas güns­ti­ger, die Gas­kraft­wer­ke, die via P2G Strom erzeu­gen, stün­den aber häu­fig still und müs­sen durch Sub­ven­tio­nen am Leben gehal­ten wer­den. Mach­te man es so wie ich vor­schlug (was natür­lich unter dem Strich auch Blöd­sinn wäre, wie wir wis­sen), könn­ten alle Markt­teil­neh­mer IMMER arbei­ten. Nach mei­nem Modell wäre es sogar egal, wann die Wind­rä­der oder Solar­pa­nele pro­du­zie­ren, weil sie einen „Spei­cher­see“ fül­len. Wenn Son­ne und Wind mal aus­fal­len – und sei es nur für Stun­den – müss­te ohne­hin genau­so viel Gas­kraft­werks­ka­pa­zi­tät bereit­ste­hen, um das GANZE Sys­tem zu betrei­ben. Die­se hät­te man aber nicht zur Ver­fü­gung, wenn man nur die „Strom­spit­zen“ mit P2G abfedert.
      Aber wie gesagt…das bringt uns ins­ge­samt nicht wei­ter. Die Rech­nung lan­det so oder so im Utopia.

  3. Die Öko­no­mie wur­de ja ganz aus­ge­las­sen. Denn wenn wir heu­te die Geste­hungs­kos­ten für grü­ne Ener­gie mit opti­mis­ti­schen 10 ct anset­zen (ich weiß: Im Mix ist das viel teu­rer) dann ergibt sich beim Wir­kungs­grad von 25 % bei P2G allei­ne Kos­ten für Betriebs­mit­tel von 40 ct / kWh – natür­lich muss die Anla­ge noch oben drauf gebaut, betrie­ben und gewar­tet wer­den. Auch die Gas-Kraft­wer­ke, die es ja für die Rück­ver­stro­mung braucht. Wer bezahlt dann die­se Kos­ten? Übri­gens: Moder­ne Gas­kraft­wer­ke wer­den still­ge­legt, weil sie sich mit Russ­land-Gas, dass wesent­lich bil­li­ger ist als P2G-Gas, nicht rech­net. Auch die PSKW lei­den unter einer kon­ti­nu­ier­li­chen Aus­las­tung: Lang­zeit­spei­che­rung macht kein Umsatz und ist dar­um extrem teu­er. Zur Erin­ne­rung: An der Strom­bör­se rech­net man zur Zeit mit rund 3 ct / kWh.

    • Ergän­zend sei noch erwähnt, dass sich Gas­kraft­wer­ke nur des­halb nicht mehr rech­nen, weil sie in der „Ener­gie­wen­de” nur noch als Lücken­sprin­ger ein­ge­setzt wer­den. Die Fle­xi­bi­li­tät wird ihnen zum Ver­häng­nis. Ein Kraft­werk, des­sen Betriebs­zeit unbe­re­chen­bar ist, ist nicht wirt­schaft­lich zu betrei­ben – die Fix­kos­ten ent­ste­hen immer.

      • Die Rede vom Kapa­zi­täts­markt hat etwas gespens­ti­sches: Wenn Gas­kraft­wer­ke oder Koh­le­kraft­wer­ke im Stand-By sind, haben sie noch immer gro­ße Kos­ten. Da wäre es durch­aus logisch, wenn die­se Reser­ve­ka­pa­zi­tä­ten, die ja vor dem Black-Out ver­si­chern sol­len, auch bezahlt wer­den. Aber das kos­tet eben immer mehr Geld … wer soll das bezah­len? Zudem wird die­ser Kapa­zi­täts­markt und die notw­wen­di­gen Bereit­hal­tungs­kos­ten nur dar­um erfor­der­lich, weil über­haupt die unzu­ver­läs­si­gen Ener­gie­trä­ger auf­ge­baut wer­den, die zudem auch nicht für eine Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen sor­gen. Wenn man den gan­zen Ener­gie­wen­de-Quatsch strei­chen wür­de, gin­ge es uns allen besser.

  4. Lie­ber Herr Lesch, Sie haben die „intel­li­gen­te” Steue­rung der Dame ver­ges­sen, wel­che Strom­ent­nah­me und Ver­brauch auf wun­der­sa­me Wei­se immer in Ein­klang bringt. Kon­kret bedeu­tet das, dass wir den Strom gefäl­ligst dann zu ver­brau­chen haben, wenn er anfällt und eben kei­nen Strom haben, wenn nicht viel anfällt. So ein­fach ist das! Da heißt es dann, alle Lade­grä­te, Wasch­ma­schi­nen, Trock­ner, Kühl­schrän­ke etc. schon mal in Anschlag brin­gen, wenn mit Wind gerech­net wird und die nächs­te Strom­lie­fe­rung ansteht!
    Da heißt es dann öfter mal: „Oh, ich muss schnell nach Hau­se! Der Wind weht und ich hab noch meh­re­re Ladun­gen Wäsche zu machen, die bei der letz­ten Flau­te lie­gen­ge­blie­ben ist!”

  5. Mein gelieb­tes Math-Capchar hat den Geist auf­ge­ge­ben! Es kann buch­stäb­lich nicht mehr Zwei und Zwei zusam­men­zäh­len. Da es von chi­ne­si­schen Wan­der­ar­bei­tern zusam­men­ge­schraubt wur­de, die sich längst ande­ren Bau­ten wid­men, muss­te ich es vor­erst deak­ti­vie­ren. Ab sofort heißt es also wie­der, selbst aufpassen…bis sich Ersatz findet.

    • Hah, was heißt hier ‚den Geist auf­ge­ge­ben’? Es ist bei den Grü­nen eingetreten.
      Da ist ’nicht Zwei und Zwei zusam­men­zäh­len’ zu kön­nen die Vor­aus­set­zung für höhe­re Weihen!
      Aber dass chi­ne­si­sche Pro­duk­te nun auch schon mit die­sem Virus infi­ziert sind, ist natür­lich alarmierend.
      >;D

  6. Außer­dem sol­len alle Häu­ser mit viel Plas­tik­schaum zu Pas­siv­häu­sern umge­baut wer­den, dann wird für die Hei­zung auch kein Gas mehr gebraucht. Im wei­te­ren Ver­lauf spa­ren wir auch die Warm­was­ser­be­rei­tung ein – Duschen wird voll­kom­men über­be­wer­tet. Bio-Gemü­se kann man auch kalt essen: Und schon reicht der Wind­strom für eine ein­zi­ge Licht­quel­le im Haus für den Stuhl­kreis der Dis­kus­si­ons­run­de über die erreich­te Deindus­tria­li­sie­rung – herrlich.

  7. Lie­ber Roger, dan­ke für die­sen her­vor­ra­gen­den Arti­kel! Da habe ich doch gleich mal einen Fün­fer rüber­ge­schickt für den Strom von Eurem Ser­ver, jetzt haben wir ja gera­de eine kal­te Dun­kel­flau­te und kei­nen ver­teu­er­ba­ren Gra­tis-Strom im Netzspeicher.

  8. Wie lan­ge braucht man eigent­lich, wenn man z.B. mit einem E‑Auto nach Ita­li­en fah­ren will? Reich­wei­te einer „Tank­fül­lung” ca. 200 km, wenig Lade­sta­tio­nen, u.U. stun­den­lan­ge Lade­zei­ten (Hotel­über­nach­tun­gen einplanen),
    gro­ßer Andrang an den Lade­sta­tio­nen etc. etc. Wie wür­de die ‚grü­ne’ Ant­wort auf die­se Fra­gen lauten??

    • Die Grü­ne Ant­wort lau­tet: kei­ne Ahnung – mit der Fahr­be­reit­schaft des Bun­des­ta­ges ver­geht die Zeit immer wie im Flug!

    • Grü­ne Ant­wort Zuhau­se blei­ben. Rei­sen zu Kli­ma­kon­fe­ren­zen sind den Obe­ren vorbehalten.

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