Die Aufre­gung ist groß und hält an über eine Äußerung unser­er Außen­min­is­terin, die sie auf einem Pan­el des Forum 2000 in Prag getätigt hat: Sie werde liefern, „no mat­ter what my ger­man vot­ers think, but i wan’t to deliv­er to the peo­ple of the ukraine.“ Eben­so laut wie die kri­tis­chen Stim­men sind jedoch die zus­tim­menden, die in der Rede Baer­bocks vor allem die Bedin­gungslose Unter­stützung der Ukraine sehen wollen und feiern. Zunächst mal unter­stre­iche ich meinen Stand­punkt, dass ich prinzip­iell für die Unter­stützung der Ukraine bin, wenn ich auch stark bezwei­fle, dass die Art und Weise, wie unsere Poli­tik dies zu tun vorgibt, zu irgend etwas pos­i­tivem führen wird. Es war jedoch nicht der nun im Feuer ste­hende Satz, der mich erstaunt hat, denn erstens bin ich nicht „ihr Wäh­ler“ und werde es nie sein und zweit­ens kann es doch nie­man­den ern­sthaft über­raschen, dass eine Exeku­tive sich einen feucht­en Kehricht um das schert, was Wäh­ler denken!

Wie so oft bei dieser Regierung ist es das man­gel­nde diplo­ma­tis­che Deko­rum, welch­es ver­misst wird. In diesem Fall durch die Deutschen, die nun die Torte im Gesicht spüren, während den Ukrain­ern das Dessert schmeck­en dürfte. Es hätte dieses unbe­dacht­en Satzes keines­falls bedurft, um das zu sagen, was zu sagen war und wir dür­fen davon aus­ge­hen, dass solch eine ver­bale Ent­gleisung, die zu empörten Reak­tion ger­adezu her­aus­fordert, einem Gen­sch­er, Kinkel oder West­er­welle nicht passiert wäre. Aber wis­sen Sie was, liebe Leser: geschenkt!

Im Gedächt­nis wird dieser Faux­pas bleiben und nicht die Essenz der Rede, näm­lich ein weit­er­er „what ever it takes“-Moment in ein­er lan­gen Rei­he zu sein. Griechen­lan­dret­tung, Banken­ret­tung, Euroret­tung, Kli­maret­tung, Uniper-Ret­tung, Ukraine-Ret­tung – in diese Liste wollte Baer­bock sich einge­tra­gen und wie alle ihre Koste-es-was-es-wolle-Kol­le­gen inter­essiert sie sich nur wenig für die Kol­lat­er­alschä­den bei jenen, die ihre Poli­tik zu ertra­gen und zu bezahlen haben.

Dass nun das große Ger­aderück­en und die Schuldzuweisun­gen begonnen haben, über­rascht auch nur jene, die sich als Wäh­ler Baer­bocks irgend­wie mit­ge­meint fühlen. Peter Ptassek, im Außen­min­is­teri­um für strate­gis­che Kom­mu­nika­tion zuständig, sieht pflichtschuldigst rus­sis­che Desin­for­ma­tion am Werk – was denn auch son­st! Das viral gehende Video sei sin­nentstel­lend zusam­mengeschnit­ten und „Desin­for­ma­tion von der Stange“. Er emp­fiehlt statt dieses kur­sieren­den Schnipsels das kom­plette – und fast vier Stun­den lange – Video zur Erbau­ung und Unter­mauerung der lauteren Absicht­en sein­er Chefin – wie über­raschend! Sie kön­nen aber bis zu 1:22:55 sprin­gen, liebe Leser. Erst da kommt der Auftritt der Min­is­terin.

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Auch der Spiegel schlägt in diese Kerbe und spricht von „prorus­sis­ch­er Desin­for­ma­tion“. Anson­sten trägt der Artikel lei­der nichts dazu bei, die soge­nan­nte „Desin­for­ma­tion“ richtig zu stellen. Wie auch: der Satz wurde so gesagt und war sich­er auch so gemeint. Der Rest ist Fram­ing und Dele­git­imierung von Empörung und Kri­tik. Viel inter­es­san­ter sind ohne­hin die Kom­mentare zum Artikel, also die Mei­n­ungsäußerun­gen, die der Spiegel selb­st zulässt. Zus­tim­mung allen­thal­ben! Baer­bock habe sich klar geäußert, sei authen­tisch, die Maß­nah­men der Regierung notwendig.

Es ist die Fort­führung der Presse-Akkla­ma­tion der Regierungsar­beit mit Hil­fe des Leserkom­men­tars. Ein Kom­men­ta­tor ver­stieg sich sog­ar zu fol­gen­der Aus­sage: „Bär­bock hat recht. Deutsch­land ist ein sehr reich­es Land und wir wer­den es nicht merken, wenn wir einige 100 Mil­liar­den Euro für Waf­fen und den Wieder­auf­bau an die Ukraine über­weisen.“ Natür­lich weiß ich nichts über die finanziellen Reser­ven eines reg­istri­erten (und zahlen­den) Spiegel-Lesers, habe aber den Ver­dacht, dass dieser keine Vorstel­lung davon hat, auf wessen Fell unsere geliebte Außen­min­is­terin da ger­ade zum Markt reit­et, mit welchem Auf­trag sie eigentlich unter­wegs ist und wie dünn das Fell des “reichen Lan­des” mit­tler­weile gewor­den ist.

What ever it takes!

Es ist näm­lich nicht die kleine Ent­gleisung oder Wäh­ler­belei­di­gung, son­dern die im weit­eren Gespräch immer wieder zutage tre­tende Amt­san­maßung, die zu kri­tisieren ist. Etwa „Die Ukraine wird Mit­glied der EU. Punkt!“ oder „Es wird so lange dauern, wie er braucht, aber am Ende wer­den wir gewin­nen.“ Alles igno­rante, prä­fak­tis­che und besitzer­greifende Aus­sagen, die Baer­bock nicht zuste­hen und Putin genau die Argu­mente in die Hand geben, um genau­so weit­erzu­machen wie bish­er und sein Proxy-Feind­bild „expan­sion­is­tis­che EU“ zu füt­tern. „Seht ihr“, wird er sagen, „sie hal­ten sich nicht an ihre eige­nen Regeln, an die Kri­te­rien, die man erfüllen muss, um EU-Mit­glied zu wer­den und um all die lan­gen Prozesse und Prü­fun­gen, die es dazu braucht. Sie sagen: du wirst Mit­glied und Punkt. Und sie sprechen vom Sieg, warum sollen wir das nicht auch tun?“

Die Leicht­fer­tigkeit der Ver­sprechen ist es, die mir Angst macht, nicht die Wäh­ler­belei­di­gung oder ein ver­muteter ver­let­zter Amt­seid, um den sich hierzu­lande ohne­hin nie­mand küm­mert, am wenig­sten die Poli­tik selb­st, die sich viel lieber in flex­i­blen Notwendigkeit­en als star­ren Grund­sätzen bewegt, auch wenn ständig das Gegen­teil behauptet wird.

Doch ist dem gebeutel­ten und belei­digten Wäh­ler nicht ganz im Sinne Hölder­lins Abhil­fe ver­sprochen? Wächst nicht, wo Gefahr ist, das Ret­tende auch? Die neg­a­tiv­en Fol­gen der Sank­tio­nen (bzw. der deutschen Abhängigkeit von rus­sis­ch­er Energie) werde man durch Maß­nah­men abfed­ern, meint Baer­bock. Doch wie kommt sie darauf, dass dies gelin­gen wird? Das Stick­stof­fw­erk Pies­teritz, das Ziegel­w­erk Nel­skamp oder die Porzel­lan­man­u­fak­tur Eschen­bach gin­gen bei diesem „Abfed­ern“ schon zu Bruch, weit­ere Kol­lat­er­alschä­den in der Indus­trie und Mil­lio­nen Pri­vathaushal­ten wer­den kaum noch abzuwen­den sein.

Die Möglichkeit, dass das Baerbock‘sche „what­ev­er“ buch­stäblich alles sein und es am Ende den­noch nicht reichen kön­nte, die EU, den Euro, das Kli­ma und die Ukraine zu ret­ten, scheint unsere Außen­min­is­terin mit ihrem „… in the end we will win“ jeden­falls nicht in den Sinn zu kom­men. Ich bin da weitaus skep­tis­ch­er, zumal wir uns durch den Krieg gegen Rus­s­land und dem gegen die ener­getis­che Ver­nun­ft mal wieder in einem Zweifron­tenkrieg befind­en. Die Rede Georg VI. am 3.9.1939 zum Krieg­sein­tritt Großbri­tan­niens, die sich ger­ade zum 83. Mal jährt, endete mit der Wen­dung „…with God’s help, we shall pre­vail.“ Eine ver­gle­ich­bare Demut – nicht nur den Wäh­lern, son­dern auch den eige­nen Fähigkeit­en gegenüber – lassen die Äußerun­gen Baer­bocks lei­der ver­mis­sen.

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18 Kommentare

  1. Bes­timmt ist es jet­zt zu spät um zu antworten, und auch die Antwort über­haupt zu ver­fassen, aber ich möchte gerne eine Weisheit aus dem Prügel­sport ablassen. Und zwar:

    Wenn man jeman­den in einem sauberen Würge­griff hat, dann wird der 15 Sekun­den lang mit aller Kraft zap­peln, bevor er endlich still hält. Und wenn der Griff nicht sauber ist, oder man schlud­ert, dann schafft er es mit seinem Gezap­pele, immer mal wieder kurz den Weg für neues Blut zum Hirn freizu­machen, wodurch dieses Gezap­pele ewig anhal­ten kann. Es gibt MMA-Kämpfe, da hat ein Pro­tag­o­nist den Anderen im Prinzip eine halbe Stunde lang im Würge­griff, und der Andere will und will sich ein­fach nicht auscho­ken lassen.

    Deshalb hieß es schon im Sport­palast: Totaler Kriech — Kürzester Kriech.

    Wie dem auch sei, mir geht dieses Gejam­mere und Gemeckere auf den Sack. Es gibt doch immer noch jede Menge Spiel­raum nach unten. Zu viel, möchte ich meinen. Diese Dinge, die wir alle an der BRD has­sen, sind alles Dinge, die man sich erst leis­ten kön­nen muss. Daher entwick­elt sich doch alles zum Guten.

  2. @Karl Georg Lem­pen­heimer
    Man kann Logik eben nicht ewig disku­tieren. Man räumt ein. Wenn ich in den fol­gen­den Aus­führun­gen einen Fehler mache, weisen Sie mich darauf hin und ich räum es ein.

    Die Sym­bol­zuord­nung:
    A: „Sank­tio­nen, die auf langfristige Wirkung angelegt sind und kurzfristig nichts brin­gen …“
    =>: „… bedeuten jet­zt schon, dass …“
    B: „… man einen baldigen Frieden mit Rus­s­land gar nicht will.“

    Um es vor­weg zu nehmen: “bedeutet” ist das­selbe wie “heißt”, “lässt schließen, dass”, “daraus fol­gt logisch” und so weit­er. Sie ziehen aus “A” einen Schluss.

    Zu “A” hab ich geschrieben, dass ich das jet­zt ein­fach so ste­hen lassen will. Es dauert ja offen­bar schon lange genug, mit Ihnen eine Sache mal zu klären. Da macht es wenig Sinn, von The­ma zu The­ma zu sprin­gen. Sie erwiderten, dass ich meine Logik nicht auf falschen Prämis­sen auf­bauen soll. Ihr Satz enthält aber auss­chließlich Ihre Logik und Ihre Prämisse. Um die geht es.

    Ihre Aus­sage, dass sich aus ein­er degres­siv wirk­enden Sank­tion­ierung ein Wille auf einen lan­gen Krieg ableite (A => B), meint, dass ein ander­er Wille durch A aus­geschlossen wer­den kann. Ihre Aus­sage ver­löre desto stärk­er an Bedeu­tung, je mehr Sie den Leser zwin­gen, Zusät­zlich­es zu B als Folge von A anzunehmen. Sie ver­löre ihre Bedeu­tung ganz, wenn
    A => B v NICHT(B).

    Je mehr andere Motive, nen­nen wir sie B*, Sie für degres­siv wirk­ende Sank­tio­nen ein­räu­men, desto mehr näh­ern Sie sich aber dieser Aus­sage A => B v NICHT(B).

    Zu A => B v NICHT(B) gibt es eine bekan­nte Bauern­regel.

    Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wet­ter oder es bleibt wie’s ist.

    B v NICHT(B) ist die triv­iale Aus­sage “ein­fach wahr”. Ihr entspricht der zweite Teil der Bauern­regel.

    Doch kräht der Hahn auf dem Huhn, hat das mit dem Wet­ter nichts zu tun.

    Das Wet­ter ist “ein­fach so” oder “wahr”, ob es sich ändert oder nicht und ungeachtet der Hüh­n­er. Da Ihre Imp­lika­tion (“bedeutet”) aber etwas meinen soll, muss nur B gel­ten und nicht noch etwas anderes.

    Manch­mal sieht man logis­che Fehler leichter durch die Trans­po­si­tion.
    NICHT(B) => NICHT(A) ist äquiv­a­lent zu Ihrer Aus­sage A => B. Aus­geschrieben heißt sie, dass aus der gesamten Kom­pli­men­tär­menge von Motiv­en außer dem Willen nach einem lan­gen Krieg fol­gt, dass etwas anderes passieren muss als das Ver­hän­gen von degres­siv wirk­enden Funk­tio­nen. Das ist wider­legt, sobald gilt, dass
    NICHT(B) => A.

    Sobald es eine Moti­va­tion gibt außer einen lan­gen Krieg zu wollen, die zum Ver­hän­gen ein­er degres­siv wirk­enden Sank­tion führt, ist ihre Aus­sage wider­legt. Die Sank­tion­s­möglichkeit­en kön­nen für den Entschei­der z.B. die Gün­stig­sten sein. Der Entschei­der kann Fehler machen — wie z.B. Frack­ing und das Wiederingangset­zen von Kraftwerken ver­schlafen — und damit schneller wirk­ende Sank­tio­nen vom Tisch fegen. Der Entschei­der kann aus Mit­ge­fühl für die Russen hadern. Es gibt also zahlre­iche Motive aus NICHT(B), die zu A führen. Damit ist Ihre Aus­sage wider­legt.

    • Ich räum ger­ade mal selb­st einen Fehler ein. Aus Schus­seligkeit hab ich statt “pro­gres­siv” “degres­siv” geschrieben. Natür­lich gemeint ist, dass die Sank­tion­swirkun­gen steigen.

    • @Ben Gold­stein.
      Ich hat­te die Diskus­sion schon abgeschlossen, und habe auch jet­zt nicht vor, Ihrer Diskus­sions­führung mit allen diesen Kalku­la­tio­nen und Verkalku­la­tio­nen, nun­mehr sog­ar mit Auf­forderun­gen an mich, zu fol­gen. Ich lasse es ein­fach als Ihre Aus­sagen ste­hen, die Sie für sich machen, zumal ich mich sowieso sel­ber auszu­drück­en weiß. Ich empfehle das Orig­i­nal statt Wurst­salat. Werten Sie dies also nicht als Zus­tim­mung. Es muss ein­fach auch mal Schluss sein! Und ein Logik­sem­i­nar brauche ich wirk­lich nicht. Sie wer­den damit wed­er den Aus­gang des Kon­flik­ts vorher­sagen noch die Gedanken der Regierun­gen lesen kön­nen, denn die sind ja auch nicht son­der­lich logisch 

  3. Die momen­tane Lage in der Ukraine sieht aus wie ein einge­froren­er Krieg. Typ­isch dafür ist, dass bei­de Seit­en nur min­i­male Gewinne machen bzw. Ver­luste hin­nehmen müssen.

    Britis­che Geheim­di­en­ste unk­ten zulet­zt in kürz­eren Abstän­den (zu lesen bei n‑tv), dass Rus­s­land geschwächt wäre. Selt­sam daran ist die Öffentlich­machung aus­gerech­net durch geheim arbei­t­ende Dien­ste. Es ist fürs demokratis­che Volk gedacht, das die Poli­tik hin­ter sich brin­gen möchte, weil sie let­z­tendlich von ihrer Zus­tim­mung abhängig ist. Über medi­ale Manip­u­la­tion­s­mech­a­nis­men ist schon viel geschrieben wor­den, so dass ich an dieser Stelle darauf verzichte. Den Wahrheits­ge­halt kann man indessen nicht beurteilen, weil Quellen nicht offen­gelegt wer­den. Seit­ens des Jour­nal­is­mus find­et man hin­ter Infor­ma­tio­nen häu­fig, dass Mel­dun­gen nicht unab­hängig bestätigt wer­den kön­nen.

    Blutet Rus­s­land nun aus oder nicht? In einem einge­frore­nen Krieg eher nicht. Dieselbe Frage stellt sich erst recht in Rich­tung Ukraine mit ihren gerin­geren Human­res­sourcen. Ob Rus­s­land schwach wird, nur weil der West­en es so plant, ist nicht gesagt.

    Dass der West­en erfol­gre­ich kalkuliert, ist kurzfristig neg­a­tiv zu beant­worten, Langfristiges würde erst später man­fest. Es bah­nt sich aber jet­zt schon aller­lei an, über das der West­en gar nicht glück­lich sein kann. Rus­s­land sucht andere Han­delspart­ner. Wir sind raus und haben es uns sel­ber zu ver­danken, weil wir es auch gar nicht anders woll­ten. Die zusam­men­hal­tende „inter­na­tionale Gemein­schaft“ war ein Pro­dukt des Wun­schdenkens. Der West­en zockt.

    Die anfänglichen und späteren Dekla­ra­tio­nen ste­hen den­noch, dass man Rus­s­land langfristig durch Sank­tio­nen schaden will und Rus­s­land vor allem nicht siegen darf. (Rhetorische Frage: Wie schafft man das, falls man sel­ber nicht siegen wollte und auch keinen einge­frore­nen Sta­tus akzep­tiert, weil dies nach ver­lieren aussieht?)

    Über Logik kann man bis zum Sank­t­nim­mer­le­in­stag stre­it­en, obwohl die poli­tis­chen Absicht­en des West­ens, nicht nur erk­lärt son­dern auch in praxi unab­hängig vom eige­nen Erfolg umge­set­zt wer­den, so dass man für den Zusam­men­hang zwis­chen Dekla­ra­tion und dahin­ter­ste­hen­der Absicht wegen pur­er Offen­sichtlichkeit die Logik gar nicht beanspruchen muss.

    Der größte Fehler bei Kalku­la­tio­nen ist, wenn man die Rech­nung allein ohne der Wirt macht, der in der Tat reagieren kann, aber nicht unbe­d­ingt so, wie man es sich aus­rech­net. In Rus­s­land gibt es die besten Schachspiel­er. Der West­en ist deut­lich emo­tionaler. Dabei wird mit wil­lens­ges­teuerten Behaup­tun­gen und mehr oder weniger her­ab­würdi­gen­den Adjek­tiv­en gear­beit­et und gern auch mal am Ver­stand des anderen gezweifelt… weil die Hasen nicht die Gebrauch­san­weisung für Jäger gele­sen haben und ihr brav fol­gen.

  4. @Karl Georg Lem­pen­heimer
    Tut mir leid, Herr Lem­pen­heimer, aber über Logik lässt sich nicht groß disku­tieren. Aus “Sank­tio­nen sind auf langfristige Wirkung angelegt und wirken jet­zt wenig oder gar nicht” fol­gt nicht “Es beste­ht der Wun­sch, die langfristi­gen Sank­tio­nen erleben zu kön­nen und kein früheres Kriegsende zu wollen”. Sank­tio­nen zie­len ja darauf ab, dass jemand ein Ein­se­hen hat und etwas ändert. Es geht nicht darum, einen Schaden beim anderen sehen zu wollen.

    Ich bin — wie wohl auch der Rest der Bevölkerung — desto offen­er für ein Ende der Sank­tio­nen aus Deutsch­land je mehr die dumpfen Poli­teusen ver­schlafen, die Energiesicher­heit anders herzustellen. Aber vol­lkom­men unab­hängig von der Bew­er­tung der Sank­tio­nen an sich, haben Sie doch einen logis­chen Fehler gemacht, wenn sie die gradu­elle Wirkungssteigerung von Sank­tio­nen als einen Wun­sch nach einem späteres Kriegsende inter­pretieren.

    • @Ben Gold­stein
      Ich habe mich vielle­icht unzure­ichend aus­ge­drückt, aber ich lese aus den Ver­laut­barun­gen als auch den Tat­en ab, dass der West­en einen Sieg will und vor allem ein schwach­es Rus­s­land. Also soll sich Rus­s­land im Krieg ver­aus­gaben. So wird ein Schuh aus der langfristi­gen Absicht in allen rel­e­van­ten Aspek­ten.

      Was Sie meinen, nenne ich nicht Logik son­dern Kalku­la­tion. Logik ist richtig oder es war keine. Bei Kalku­la­tion gibt es mehr als zwei mögliche Aus­gänge. Verzei­hen Sie mir, dass ich in diesen Din­gen so streng bin.

      Wenn die Regierung den­noch auf etwas anderes, früheres spekuliert, dann ist es noch nicht ein­mal Kalku­la­tion, son­dern Speku­la­tion, Hoff­nung – oder auch nur die Mei­n­ung manch­er Beobachter. Und außer­dem ein Fehler, wenn langfristig etwas entste­ht, das nicht gewollt wäre. Denn…

      …das Ver­hält­nis zwis­chen dem West­en und Rus­s­land wird voraus­sichtlich lange nicht wieder so sein wie vorher. Das Ver­trauen ist dahin. Das kann eine oder mehrere Epochen dauern. Wir wollen von Rus­s­land unab­hängig wer­den, aber auch Rus­s­land wird von uns unab­hängig sein wollen und müssen. Dies gegenüber dem größten Rohstof­flager der Welt so einzufädeln – hier muss an alles gedacht wer­den, was als Verur­sachung der geopoli­tis­chen Gesamt­si­t­u­a­tion eine Rolle spielt – ist sich­er nicht die klüg­ste Entschei­dung. Andere Län­der wer­den prof­i­tieren. Vielle­icht haben sie es sog­ar mehr ver­di­ent als wir.

      Danke für die kleine Unter­hal­tung.

      • Mein Gott, Herr Lem­pen­heimer, es ist kein Bein­bruch einen Fehler zu machen.

        A: “Sank­tio­nen, die auf langfristige Wirkung angelegt sind und kurzfristig nichts brin­gen …”
        =>: “… bedeuten jet­zt schon, dass …”
        B: “… man einen baldigen Frieden mit Rus­s­land gar nicht will.”

        A => B ist eine falsche Aus­sage. Ich will hier gar nicht auf­dröseln, inwieweit Ihr “A” stimmt oder nicht. Aus A fol­gt nicht B. Und das ist keine “Kalku­la­tion”, son­dern “Logik”. Der Sank­tion­ierte kann in Erwartung auf zukün­ftige Schä­den sein Ver­hal­ten ändern und das Sank­tion­sregime damit been­den. Das kann der Sank­tion­ierende wollen. Er muss nicht wollen, dass ewig Schä­den fol­gen wer­den, was ihre Falschaus­sage ist.

        Im Übri­gen fehlt in Ihrer Über­legung, dass die Russen mal was ändern kön­nten. Die kön­nen näm­lich ihre Sol­dat­en abziehen, bevor sie aus­bluten. Diese rus­sis­chen Snobs sind doch ansprech­bar und entschei­dungs­fähig, oder? Die sind doch so gut wie wir. Ach was! Bess­er! Oder nicht?

    • @Ben Gold­stein: Sie soll­ten Argu­mente nicht auf falschen Prämis­sen auf­bauen, zumal wenn sie anders doku­men­tiert sind. Man kann sich die Welt nicht zusam­men­basteln, wie man will. Und üben Sie noch fleißig an Ihrer Logik.

  5. Bei uns im West­en gibt es so viel Kopf­salat, dass es geboten wäre, zuerst den eige­nen Salat in Ord­nung zu brin­gen, bevor man zu wis­sen meint, wie die Welt bess­er funk­tion­iert. Wir wis­sen aus eigen­em Erleben mit unseren Massen­me­di­en gut, wie Men­schen manip­uliert wer­den, und es wird immer mehr pub­lik, wie sehr diese skan­dalöse Entwick­lung das abgelehnt wird. Bei uns machen die Medi­en den Staat. Die vierte Gewalt mausert sich zur ersten. Der Staat, der daraus entste­ht, wird von ihnen gepflegt, nicht kri­tisiert.

    Das läuft in anderen Län­dern genau­so, wo der Befehl nicht vom Machthaber kommt. Lud­wig XIV („Der Staat bin ich.“) war wenig­stens noch ein ehlich­er Mann.

    Insofern bleibt die Frage, wie viel Demokratie wir über­haupt sel­ber haben, die den Namen ver­di­ent. Und was wir dies­bezüglich glaub­haft exportieren kön­nten. Bei der „Berührung“ mit ein­er oder mehrerer unser­er Demokra­tien hat manch­es andere Land ziem­lich schlechte Erfahrun­gen gemacht.

  6. Neulich hab ich Herr Scholz beim Reden gehört und er hat den rus­sis­chen Ukrainekrieg zum Krieg gegen die EU erk­lärt. Kein Wun­der, dass der mil­itär-fetis­chis­tis­che, nekrophile Spin­ner in Moskau hier an Fans gewin­nt. Wir kom­men in den Köpfen unser­er Machteliten über­haupt nicht mehr vor!

    Es geht denen nicht um Europa, son­dern um die nicht abwählbare Bürokratie. In der Ukraine sterbe man nach deren Mei­n­ung nicht für den west­lichen Lebens­stan­dard und die längst einkassierte Frei­heit, son­dern für Direk­tiv­en von oben.

    Die ganze Welt habe sich nur um deren Macht­geil­heit zu küm­mern. “Schaut wie schön die EU-Ver­wal­tung ist, die Ukrain­er ster­ben doch sog­ar für uns!”

    Frau Auto-Prinzessin Baer­bock hat über­haupt keine Ahnung, wie sehr die Leute auf dem Zah­n­fleisch gehen und wie groß die Angst ihrer Mit­men­schen ist. Es ist ihr auch egal. Baer­bock ist zwar nicht dumm, aber in hohen Posi­tio­nen will ich Leute mit über­ra­gen­der Intel­li­genz sehen und nicht Typen, die abso­lut nicht über ihre per­sön­lichen Belange hin­ausse­hen kön­nen.

    Unser gesamtes Wahlrecht muss weg. Bis zur Biden-Har­ris-Wahl waren Kaliber auf dem Niveau unser­er Leucht­en in den USA alle­samt Hin­ter­bän­kler. Selb­st Leute, die ich abso­lut zum Kotzen finde wie z.B. Oba­ma, Pelosi oder Clin­ton, kön­nen immer­hin klar machen, was sie meinen und was sie nicht meinen. Hier haben wir nur Wasser­läufer-Schwätzer, deren Vok­ab­u­lar über The­menüber­schriften kaum hin­aus­ge­ht. Vor sein­er Senil­ität war selb­st Biden noch fit im Kopf. Unser Sys­tem spült hinge­gen Leute hoch, die nie etwas ver­standen haben und die ihre Unsicher­heit­en unter viel “gemein­sam”, “sol­i­darisch”, “zusam­men”, “Bünd­nis” und “bitte gehe jemand voran” ver­ber­gen. Boris Palmer, Thi­lo Sar­razin und Fritz Vahren­holt wer­den an den Rand geschoben, wo sie kläf­fen, während die Dum­men uns in den Abgrund führen.

    Und dann ist da noch der Ton. Leute wie Frau Baer­bock kön­nten sagen, dass Licht hell sei und alle dage­gen auf die Palme brin­gen. “Es ist mir gle­ich, ob die Deutschen das wollen oder nicht. Das Licht bleibt hell und, wem das hier nicht passt, der kann ja auswan­dern. Wenn das Licht nicht mehr hell ist, ist das nicht mehr mein Land! Im Inter­net und auf Papierzetteln find­et man immer wieder die Behaup­tung, dass Licht dunkel sei. Dage­gen muss sich unsere Demokratie wehren.”

  7. Eine “bedin­gungslose Unter­stützung” ist immer dumm. Im Falle der innen­poli­tis­chen Sit­u­a­tion der Ukraine ist es ger­adezu selb­st­mörderisch.

    GOtt sei Dank kann man davon aus­ge­hen, dass die Frau B. das nur so momen­tan dahinge­plap­pert hat.
    Wenn der Wind dreht, dreht sich die mit. Das gehört zu den Genen dieser Partei.

  8. Unab­hängig davon, das Tram­poli­na Völker­bal­lerin mit ihrer leicht ver­wirren­den Aus­sage wohl ihre Wäh­len­den etwas, ähm echauffiert haben dürfte, läßt dieses doch wohl auch ihr Ver­ständ­nis von par­la­men­tarisch­er Demokratie zumin­d­est gewöh­nungs­bedürftig erscheinen. Unab­hängig davon sollte die deutsche Chefdiplo­matin wohl mal beim NATO- Haup­tquarti­er nach­fra­gen, inwieweit man dorten über der­ar­tiges Geplap­per amüsiert ist. Ich kön­nte mich eigentlich über solchar­tige Unbe­darftheit maß­los ärg­ern. Nicht das hier Mil­liar­den Volksver­mö­gen ver­ballert wer­den, das D und seine Ver­bün­de­ten von der Plap­pe­ri­na qua­si in den Kries­fall hineinge­zo­gen wer­den- das wäre ja halb so schlimm. Aber das das deutsche Volk diesen Fig­uren so bedin­gungs­los fol­gt, das ist das Schlimme!

  9. Baer­bock ist auf­grund ihrer man­gel­nden Intellek­tuellen Fähigkeit­en eine rol­lende Kanone an Bord des transat­lantis­chen Hil­f­skreutzers BRD. Alles was andere Poli­tik­er nur verk­lausuliert oder gar­nicht aussprechen, trägt sie in ihrer gren­zen­losen Naiv­ität zu Mark­te. All das, was sich west­liche Poli­tik­er im kleinen Kreis gegen­seit­ig ver­sich­ern, dass im Kampf des West­ens gegen Rus­s­land und dann Chi­na, am Ende der West­en gewin­nen wird. Ob sie das glauben, ist eine andere Frage. Baer­bock glaubt es. Wer mit so wenig Intellekt so hoch steigt, hat keine andere Chance als der erste Herold des Sys­tems zu sein. Betra­chtet man zum Beispiel den NATO Gen­er­alsekretär Stoltenberg und seine poli­tis­che Kar­riere, dann kann man sich des Ein­drucks nicht erwehren, dass sich das Imperi­um Romanum Secun­do genau solche Leute aus­sucht. Sie sind näm­lich auf­grund ihrer Defizite beson­ders form­bar. Aber natür­lich brauchen sie auch beson­dere Kon­trolle. Wer kon­trol­liert Baer­bock?

  10. „Bär­bock hat recht. Deutsch­land ist ein sehr reich­es Land und wir wer­den es nicht merken, wenn wir einige 100 Mil­liar­den Euro für Waf­fen und den Wieder­auf­bau an die Ukraine über­weisen.“

    Er hätte auch von Bil­lio­nen schreiben kön­nen, für Ironie sind die Ham­burg­er blind…

  11. Die Außen­min­is­terin hat Ver­ant­wor­tung gegenüber allen Deutschen. Wenn Baer­bocks nur an ihre Wäh­ler denkt, denkt sie zu kurz. Die Grü­nen wollen glob­al sein, han­deln aber prov­inziell. Was im kleinen Den­kla­bor entste­ht, muss in großem Maßstab noch lange nicht funk­tion­ieren. Das gilt fürs Kli­ma genau­so wie für Sank­tio­nen.

    Sank­tio­nen, die auf langfristige Wirkung angelegt sind und kurzfristig nichts brin­gen, bedeuten jet­zt schon, dass man einen baldigen Frieden mit Rus­s­land gar nicht will. Der rus­sis­che Geheim­di­enst wird wis­sen, ob es schon lange Zeit vorher so war. So lasst sich manch­es vom Lauf der Dinge erk­lären, das son­st ein­deutig bew­ert­bar erscheint.

    • @Karl Georg Lem­pen­heimer
      “Sank­tio­nen, die auf langfristige Wirkung angelegt sind und kurzfristig nichts brin­gen, bedeuten jet­zt schon, dass man einen baldigen Frieden mit Rus­s­land gar nicht will. ”

      Das ist ein offen­sichtlich logis­ch­er Fehler. Rus­s­land kommt am Besten aus der Sache raus, wenn es seine Trup­pen abzieht. Je früher desto bess­er. Man will, dass die Trup­pen früh abge­zo­gen wer­den und möglichst rasch den Frieden. Mit “man” meine ich natür­lich aber nicht Annale­na Mor­gen­thau Baer­bock.

      • @Ben Gold­stein
        Ein logis­ch­er Fehler ist nicht aufgezeigt, wenn ein­er sich gar nicht mit der Logik der zugrun­deliegen­den Aus­sage beschäftigt. Meine Aus­sage ist eine (logis­che) Analyse über den Willen west­lich­er Poli­tik, wonach es auch empirisch aussieht, vor allem wenn man ihr Geschwätz abzieht und über­legt, was (eigene) alter­na­tive Hand­lun­gen wären, die schneller zum Ziel führen.

        Wenn allerd­ings das Ergeb­nis, das unsere Poli­tik pro­duziert, anders ist als es ihrem erk­lärten Willen entspricht – Annale­na ist mit ihrer Fähigkeit des scham­losen Lügens berühmt, die ob ihres Lebenslauf-Desasters etwas daraus „gel­ernt“ haben will – haben wir es mit ein­er Falschaus­sage oder ein­er Fehlen­schei­dung der Poli­tik zu tun oder bei­des.

        Dies gilt ins­beson­dere, wenn ein schneller Erfolg das Beste wäre, aber die Maß­nah­men kurzfristig nicht wirken oder sog­ar gegen­teilige Effek­te nach sich ziehen unter denen wir sel­ber lei­den (wer­den), als hät­ten wir einen Krieg ver­loren.

        Weiß nicht, ob man da lange rät­seln muss. Waren nun die langfristig wirken sol­len­den Sank­tions­beschlüsse falsch oder die Logik der Poli­tik, falls sie nur das Beste für Rus­s­land wollte – oder waren das nur Sie? Sollte sich die Poli­tik nicht bess­er über­legen, was für UNS das Beste wäre? Das kön­nte sog­ar dieselbe Lösung sein wie für Rus­s­land. Sie müsste nur ihren Willen ändern und logis­ch­er wer­den.

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