„Nichts ist Recht, alles behördliche Gnade.“
(Stefan Zweig)

Wie viele Menschen mag es geben, die die Ungewissheiten des morgigen Tages gern gegen die vergleichsweise kleinen Qualen des gestrigen eintauschen würden? Alles für ein Leben in der Zeitschleife, in einer winzigen Zeitspanne der Gewissheit, sei sie auch noch so ereignislos? Ich meine damit nicht eine diffuse Sehnsucht nach einer vermeintlich „besseren Epoche“, an die man vielleicht nicht mal eine eigene Erinnerung hat, sondern die buchstäbliche und körperlich empfundene Abscheu vor einem Morgen, das man nicht selbst in der Hand hat und in das man wie von einem Fluss getragen und geschoben wird, der nie sein Meer findet. Aufgeben, sich treiben lassen und hoffen, dass die Strudel einen nicht erfassen oder weiterschwimmen? Treibholz werden, das immer dichter sich verklemmt und dadurch eine nur fadenscheinige Tragfähigkeit erlangt und die wenigen freien Schwimmer zermalmt, die sich an die Ufer retten wollen? Hingerissen, mitgerissen, fortgerissen. Schon einmal war ich an einem solchen Punkt, das war im August, und auch die gegenwärtige Lage legt sich wie damals drückend auf meine Fähigkeit, zu beschreiben, was ich sehe und empfinde. Jede Berührung mit diesem malmenden Treibholzteppich bereitet mir fast körperliche Schmerzen. Doch alles Ausweichen und Verzögern hilft am Ende nicht. Es gilt, Tatsachen festzustellen.

„Schwurbler“ ist die neueste Verbalinjurie, die zur Bezeichnung all jener herhalten muss, die Missfallen an den vielfältigen und allgütigen staatlichen Maßnahmen äußern. Das Wort ist in aller Munde. Politiker verwenden es, Journalisten, Kommentatoren, Ladeninhaber und Gastwirte und „Freunde“ auf Facebook, Twitterjunkies. Mittlerweile wird es pseudonym verwendet, ganz so, als sei damit schon alles gesagt. Die Beleidigung ersetzt das Argument und ist fast schon das Urteil. Wikipedia hilft uns mit einer Definition weiter, die schon einige Jahre alt ist. Schwurbler sei „…ein abwertend gebrauchter Ausdruck der Umgangssprache für vermeintlich oder tatsächlich unverständliche, realitätsferne oder inhaltslose Aussagen. […] Für den Herabsetzungsversuch wird meist kein Inhaltsbezug aufgenommen, häufig ist darüber hinausgehend intendiert, einer argumentativen Darlegung für die beabsichtigte Abqualifikation auszuweichen.“

Inhaltsferne Ausgrenzung, Abwertung und Herabsetzung einer Person oder Gruppe also. Letzteres oft fremddefiniert. Ausgerechnet in einem Land, dessen Kanzler gerade erklärt hat, es gäbe keine Spaltung der Gesellschaft. Belassen wir es heute bei der Betrachtung der Zuschreibung dieser Inhaltsferne und verzichten ganz auf die Bewertung von Corona oder Maßnahmen wie der Impfung und schauen uns an, wo wir kommunikativ momentan stehen.

Es geht in diesem Text also nicht um Maßnahmen, sondern um Mechanismen, nicht um Verschwörungen, sondern Verfahren, nicht um ein unterstelltes sinistres Ziel, sondern die Methoden, die schon so oft dorthin führten, wo eigentlich niemand hinwollte. Die Retrospektive hilft der Erkenntnis leider kaum, weil sie Ereignisse auf einer Informationsbasis beurteilt, die man kaum haben kann, wenn man sich „mittendrin“ in den Ereignissen befindet. Die bequeme, aber schlechte Angewohnheit, historische Ereignisse mit der Elle der Gegenwart zu messen, hat uns vielmehr erst in diese missliche Lage gebracht und uns gesellschaftliche Entgleisungen wie den Genderwahn, eine ideologisch überformte Energiewende oder den Klimaalarmismus beschert. (Hausaufgabe: Untersuchen Sie selbstständig diese und andere politische Großkampffelder mit Hilfe der Erkenntnisse, die ich hier zu erlangen versuche.)

Die Mechanismen, nach denen ich suche, lassen sich meiner Meinung nach in jeder unserer zu Gewohnheiten und trügerischen Gewissheiten erstarrten Großkrisen entdecken. Das Covidzän, welches nun schon ins dritte Jahr geht, bildet da keine Ausnahme. Wenn Sie mich gleich verschiedene Parallelen ziehen sehen, behalten Sie bitte im Gedächtnis, dass es hier lediglich um den Wirkkern, also die Mechanismen geht und keineswegs um eine inhaltliche Gleichsetzung. Dieser Unterschied sollte in unserer Sprache, die sauber zwischen „dasselbe“ und „das gleiche“ zu unterscheiden vermag, leicht verständlich sein.

Auf der Flucht

Je unangenehmer die Berührung mit der politisch-medialen Realität wird, desto mehr flüchte ich mich auf der Suche nach Erklärungen neuerdings in Bücher, die mindestens vor einigen Jahren und für oder in anderen Krisen geschrieben wurden. So umstritten es unter Medizinern ist, in eine Pandemie „hineinzuimpfen“, so wenig erbaulich ist es im Augenblick, mehr als nötig den täglichen Protokollen des Wahnsinns zu lauschen, weil diese wie der Wetterbericht kaum mehr als Tagesmesswerte, aber niemals Antwort auf das „Woher“, „Wohin“ und „Warum“ liefern. Zu dicht sind uns die Ereignisse auf den Fersen, zu unmittelbar wirkt alles auf uns ein.

Als Treibholz, eingeklemmt und andere einklemmend, Gewalt ausgesetzt und diese ausübend ist man ein schlechter Zeitzeuge. Das „Warum“ verschwimmt in Resignation oder Panik, das „Woher“ ist stets die letzte, das „Wohin“ die nächste Flussbiegung des Ausnahmezustands. Einmal in einen solchen mahlenden Fluss geraten, trübt die Gischt den Blick. Da heißt es mitschwimmen, immer dabei sein, aber bloß nicht anecken. Demokratie wird angeblich so gemacht. Diktaturen leider auch. Ein Blick von außen tut Not und sei es der Blick auf jene reißenden Flüsse, die zu anderen Zeiten und an anderen Orten schon geflossen sind.

Staat und Begeisterung

Auf der Suche nach Erklärungen sind mir zwei Bücher in die Finger geraten, die mich auf sehr unterschiedliche Weise ziemlich erschüttert und in die Gegenwart gezogen haben. Beide behandeln Ereignisse, die wir alle recht gut zu kennen glauben. Mehr noch, denn die beschriebenen Zeitläufte sind uns so stark ins kollektive Gedächtnis gedrungen, dass es in Deutschland mehr Experten und Auguren dafür gibt als Bäckerläden. Die Urteile über die Epochen sind ausgefertigt, die Schuld verteilt, Ausgang und Ende sind klar definiert und über das „Warum“ könnte so gut wie jeder mit einem IQ über Zimmertemperatur einen kleinen Aufsatz schreiben.

Das erste Buch ist „Die Welt von gestern“ von Stefan Zweig. Zweigs Autobiografie, die 1942 kurz nach seinem Freitod erschienen ist, hatte ich schon vor Jahren gelesen. Mit schneidender Konsequenz blickt Zweig aus seinem Exil auf die Trümmer der europäischen Zivilisation und die seines eigenen, einst erfolgreichen und nun zerstörten Lebens und sein resignierter Tonfall speist sich aus dem, was er sah: Hitler erst ihm gegenüber auf dem Obersalzberg, dann in Berlin, in Wien, in Warschau, in Oslo, in Paris, fast in Moskau, eigentlich überall. Ein wucherndes, mitleidloses Staatsgeschwür, das Europa und der halben Welt Stiefel und Gesetz aufdrückt. Nur noch diese Freiheit einkassieren, nur noch dieses Land erobern, nur noch diese Lebensäußerung reglementieren, nur noch diesen Feind vernichten. Gelesen im Jahr 2010, satt und schlau und mitten im Friedensprojekt „EU“, dabei die Schwüre auf Demokratie und Gerechtigkeit im Sinn, die allenthalben geschworen wurden und die „Nie wieder Krieg“-Rhetorik im Ohr, erschien mir Zweigs Schilderung damals stellenweise geradezu rührend naiv.

Die Kriegsbegeisterung um ihn herum im Jahr 1914 etwa oder seine Bemühungen in den 1920er Jahren, ein Netzwerk aus Literaten und Intellektuellen zu knüpfen, das der Völkerverständigung diente. Warum sah er nicht – oder nicht rechtzeitig –, wie es zu beiden Kriegen kam? Warum schaffte all die versammelte Intelligenz es nicht, aufzuhalten, was da kam? Warum war die Schnittmenge so groß zwischen den Humanisten und Militaristen, den Geistreichen und den Faschisten? Ach was, das kann nie wieder geschehen, aus Schaden wird man bekanntlich klug. Doch warum reichte die Klugheit dann nicht, um den Zweiten Weltkrieg zu verhindern? Ach was, der Faschismus erwächst aus dem Gleichschritt von Wirtschaft und staatlichem Machtmonopol! Doch warum sagen dann jene, die gestern noch „Der Staat ist nicht dein Freund“ riefen, heute „Mach‘, was der Staat dir sagt“? Mein Selbst aus dem Jahr 2010 würde trotzig ausrufen, dass wir niemals zulassen werden, dass jemals wieder Menschen diffamiert und ausgegrenzt… wir würden doch, demokratieerprobt wie wir sind, sofort merken, wenn… Doch warten wir mit den Schlussfolgerungen lieber noch auf eine weitere Buchlänge.

Tropfen für Tropfen

Die Erstauflage von „Ganz normale Männer“ des amerikanischen Historikers Christopher R. Browning erschien im Jahr 1992. Es beleuchtete einen medial wenig beachteten Aspekt des Holocaust. Auf über 400 quellenreichen, detaillierten aber äußerst schwer zu ertragenden Seiten protokollierte der Autor die Stationen des 101. Reserve-Polizeibataillons aus Hamburg. 500 „ganz normale Männer“, die für den Dienst bei der Wehrmacht schon zu alt waren, aus den unterschiedlichsten Berufen kamen und in den vom Deutschen Reich besetzen Gebieten Polens, Litauens, Weißrusslands und der Ukraine zu „Ordnungsaufgaben“ eingesetzt wurden. Hier soll kein Raum sein für die Kette von Gräueltaten, in deren Ergebnis allein durch diese Hamburger Polizeieinheit 38.000 Juden direkt ermordet und weitere 45.200 in die Vernichtungslager geschickt wurden – und das in nur einem Jahr.

Wir glauben heute zu wissen, dass so etwas nie wieder geschehen kann, wenn man nur immer brav Schilder gegen den Antisemitismus hochhält und 80 Jahre post festum gegen die Nazis kämpft, indem man schwarze Klamotten trägt und Appelle auf Indymedia veröffentlicht. Doch wie sähe es aus, wenn man eine andere Gruppe hernehmen würde? Eine Gruppe vielleicht, die sich nie selbst als Gruppe definiert hat und die auch nur wenige Gemeinsamkeiten locker verbinden? Könnte man diese Gruppe heute mit Worten ausgrenzen, ihre Integrität, ihre Intelligenz, ihre Absichten, ja, ihre bloße Existenz zum Problem erklären, das man „lösen“ müsse, egal wie? Ihre Arbeitsmöglichkeiten beschränken, sie kennzeichnen, sie enteignen, vielleicht Berufsverbote verhängen? Man bedenke die Möglichkeiten, die einem die Schnellwaschprogramme von Twitter und Facebook dafür heute bieten! Spätestens hier müssten Sie empört aufhören, zu lesen, denn Sie und ich wissen, wohin sowas führt, liebe Leser. Sie würden natürlich nie… und das will ich doch auch stark hoffen!

Doch was, wenn Sie es nicht einmal merken, weil es tröpfchenweise in Sie einsickert, weil es Gewohnheit wird, weil es eben die Doktrin ist, weil es doch alle machen, weil es die Mehrheit so will, weil es das Gesetz so vorschreibt – heute ein wenig, morgen schon stärker und übermorgen verpflichtend. Weil die Ausgegrenzten eben „diese Leute“ sind, vor denen immer gewarnt wird? Weil der Planet in Gefahr ist, weil das Land in Gefahr ist, weil die Gesundheit aller auf dem Spiel steht. Einen „großen Plan“ können Sie gleich vergessen, den gibt es nicht, weil es keinen braucht. Zeit, Impuls und Gewohnheit genügen, und wenn dann noch lange gehegte Vorurteile hinzukommen, sinkt die Hemmschwelle umso schneller. Hat man es nicht schon immer „gewusst“? Ist das Vorurteil nicht die unbekannte Stiefschwester der schlechten Erfahrung? Sind diese Leute nicht ohnehin solche…, leugnen die nicht auch dies…, behaupten die nicht auch jenes?

Betrachtet man die Entwicklung als braves Treibholz immer nur den Bezug zur letzten Flussbiegung statt von der Quelle her, erscheint alles logisch, folgerichtig und konsequent. Man folgt der Partei, der Regierung, der Vernunft, der Logik, der Wissenschaft, und die verändert sich bekanntlich ständig. Es ist ja kein gebrochenes Versprechen, es ist die veränderte Lage. Es ist ja kein gebrochener Vertrag, es ist, weil Verträge mit Feinden nicht gelten. Es ist ja kein Angriff auf deine Freiheit, es ist, um zu verhindern, dass du diese Freiheit missbrauchst. Es ist ja kein Recht, es ist ein Privileg. Und wer möchte nicht privilegiert sein!

Die 500 Hamburger Polizisten hatten ihren ersten Einsatz im Juli 1942 im polnischen Józefów. Kommandant Trapp, tränenaufgelöst und mit seinem Mordauftrag selbst hadernd, stellte seine Männer vor die Wahl. Wer von den Älteren sich der „Aufgabe“ nicht gewachsen fühle, könne beiseitetreten. Zwölf Männer traten vor. Die halbe Truppe der zur Erschießung Eingeteilten brach an diesem Tag mehr oder weniger zusammen, verdrückte sich oder ließ sich ablösen. Am Ende des Tages lagen mindestens 1.500 Menschen erschossen im Wald. Männer, Frauen, Kinder. Betranken sich die Erschießungskommandos anfangs noch hemmungslos, um das Gewissen zum Schweigen zu bringen, wurden die folgenden Einsätze wegen ihres scheinbar harmlosen Charakters als weit weniger belastend empfunden. Man füllte ja nur die Züge, auch wenn man ihren Bestimmungsort kannte. Man bewachte ja nur die Transporte, man trieb ja nur zusammen, man machte doch nur, was von einem verlangt wurde. Spätere Massaker gingen dann schon viel einfacher von der Hand, man hatte sich an das Grauen gewöhnt. Könnte man einen Polizisten der Einheit 101 im Mail 1942 fragen, ob er sich im November 1943 in Majdanek an der Ermordung von 16.500 Menschen aktiv beteiligen würde, so hätten wohl mehr als nur zwölf Polizisten davor zurückgeschreckt. Trapp, der im Juli 42 in Józefów noch mit seinem Gewissen rang, ließ bei einer Vergeltungsaktion gegen Partisanen in Talcyn zwei Monate später gleich 86 mehr als die von seinen Vorgesetzten verlangten 200 Menschen erschießen, und weil er keine Partisanen finden konnte, nahm er eben die Juden aus dem benachbarten Ghetto.

Wenn Rache ein Gericht ist, das kalt genossen wird, dann ist Grausamkeit und Entmenschlichung eines, das als „negative Salami“ daherkommt. Je mehr man davon abschneidet und verzehrt, umso größer wird sie. Scheibe für Scheibe. Doch genug davon, ich will hier keine historischen Vergleiche ziehen. Lesen Sie am besten beide Bücher erneut und achten Sie beim Lesen auf Signale aus Ihrem Unterbewusstsein und vergleichen sie diese mit unserer Realität.

Wie kommt man von hier nach da?

„Prutzmann stellte daraufhin ein 15 bis 25 Mann starkes Erschießungskommando zusammen. Es bestand in erster Linie aus Freiwilligen von der Unterhaltungstruppe [Musiker und Vortragskünstlern aus der Frontbetreuung].“ (Browning)

Wenn Sie die Bücher noch nicht kennen, sollten Sie unbedingt beide lesen. Sie werden feststellen, wie leicht man von einer scheinbar aufgeklärten und gebildeten Gesellschaft hinabschlittern kann in die Barbarei. Ein bisschen herrschaftlicher Diskurs (wo ist eigentlich Habermas, wenn man ihn mal braucht?), ein wenig absichtsvolle Sprache, eine Prise „Dumm-sind-immer-die-Anderen“ und ein kräftiger Schluck aus der „Wir-wissen-es-besser-Flasche“ genügen, und je mehr Zeit man zur Verfügung hat, desto sicherer wirkt das Rezept. Das ist kein bewusster Prozess, dies ergibt sich einfach aus der täglichen Erfahrung und ist eher ein Einschwingen in eine allgemeine Stimmung. Es ist die Reaktion auf das, was empört, was geglaubt und worüber gelacht wird. Auch darauf, was in der Zeitung stand, was die Nachrichten melden, wen die Politik beschuldigt.

Mit welcher Meinung befindet man sich als Treibholz in sicherem Fahrwasser, ist anschlussfähig an Macht und Gewohnheit? Was kann man sicher äußern und – finale Nagelprobe – gibt es Schuldige, die man verurteilen kann? Natürlich darf die Gruppe der Schuldigen weder zu groß noch zu homogen noch zu schlagkräftig sein, damit sie sich nicht zur Wehr setzt. Am besten ist es, wenn die Gruppe durch bloße Zuschreibung zustande kommt, denn je weniger tatsächliche Bedrohung von ihr ausgeht, umso sinistrer kann man die Gefahr darstellen, die von ihr ausgeht. Deshalb muss man überall Netzwerke vermuten und ganz im Stil Robespierres in allen Ecken Verrat und Verschwörung sehen. Links und rechts des Weges, der im Gleichschritt zurückzulegen ist, darf nichts als Verdammnis sein. So allerdings lässt sich nur noch eine Diktatur bewerkstelligen. Wie praktisch, dass man nur einige Köpfe auszutauschen braucht, das fahnenschwingende Bodenpersonal kann dasselbe bleiben.

Betrachte ich den Zustand dieses Landes, stößt mir die Polarisierung durch Politik und Medien bei den Corona-Maßnahmen bitter auf. Das alles ist nicht ohne Wirkung geblieben und ein sehr großer Teil der Menschen folgt dem mittlerweile nach und hat sich der erzeugten Bedrohungslage angepasst. Viele Menschen, die ich zumindest anhand ihrer Äußerungen zu kennen glaubte, erkenne ich gerade kaum mehr wieder. Das Corona-Regime an der Schwelle zum Jahr drei neuer Zeitrechnung hat einen neuen Keil zwischen Freunde, Kollegen und Familien getrieben und uns alle der Willkür erratischen Regierungshandelns ausgesetzt. Es gibt keinen dem Privaten vorbehaltenen Raum mehr, den man betreten, die Tür hinter sich schließen und „Lasst mich einfach in Frieden“ ausrufen kann. Denn was war privater als die Verantwortung für die eigene Gesundheit und Lebensführung? Schwurbler, Ungeimpfter, Querdenker… die Begriffe fallen wie Ohrfeigen und werden zur Artikulation einer unbestimmten Bedrohung verwendet. Durch das kommunikative Glutamat der „sozialen Medien“ wird diese „Bedrohung“ bei mir jedoch zum Ekel. Ich will und werde einen Menschen nicht nach der Zustimmung zu einer medizinischen Behandlung bemessen, habe aber auch das Glück, andere im Alltag nicht danach fragen zu müssen.

Ähnlich erhellend wie Bücher von gestern zu lesen, kann es sein, sich Gesetze und Verordnungen anzusehen, die vor kurzem noch selbstverständlich galten. Nicht nur das Grundgesetz, das immer weniger die Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat enthält, sondern immer stärker dazu verwendet wird, die Störrischen von den Folgsamen zu scheiden. Nehmen wir so etwas Simples wie die Ausweispflicht. Hier erklärt uns eine Versicherung – der Text stammt noch aus der Zeit vor Corona – was darunter zu verstehen ist. Es gäbe eine Pflicht, ab dem 16. Lebensjahr einen Personalausweis zu besitzen, jedoch keine, ihn ständig bei sich zu haben. Er diente lange Zeit vor allem dazu, je nach Situation einen Altersnachweis zu ermöglichen, nicht wie heute, wo er zur Verifizierung des staatlichen Nachweises einer medizinischen Behandlung oder durchgemachten Krankheit dient. Der Übergang vom gelegentlichen Altersnachweis zur Eintrittskarte zu Bus, Bahn und Burger-Laden kam nicht als Verordnung oder infolge einer landesweiten Lautsprecherdurchsage daher, sondern als Anhängsel der Zertifikate und des Misstrauens der staatlichen Behörden, das sich auf die Bürger übertrug.

Waren früher Kontrollen lediglich bei wenigen Anlässen und auch nur durch wenige Instanzen gestattet, sind sie heute allgemein und zum Teil gesundheitlicher Vorsorge erklärt worden. Es ist doch nur ein Schräubchen, es ist doch nur eine Umdrehung, es ist doch nicht für lange, es ist doch für deine Sicherheit. Fragt man heute zehn Freunde, ob es eine Pflicht gäbe, den Personalausweis immer bei sich zu tragen, bekommt man in den meisten Fällen die Antwort: ja. Man muss also nicht einmal die Gesetze ändern, was ja sehr abrupt geschieht. Es genügt, die Gewohnheiten anzupassen und immer, wenn man auf Akzeptanz stößt, weiterzumachen. Wozu auch etwas verordnen, wenn es die Menschen freiwillig tun? Hier wirkt offensichtlich nicht Willkür, sondern das Bestreben des Menschen, einigermaßen durch den Alltag zu kommen. Und um die sozialen Transaktionskosten nicht ins Unermessliche steigen zu lassen und Zwang dort auszuüben, wo eine Mode das Recht verletzt, ändert man Schritt für Schritt seine Gewohnheiten. Die Fähigkeit des Menschen, sich sogar unbewusst anzupassen, ist also Fluch und Segen zugleich.

Wir sind zu Treibholz geworden und auf dem Weg zur nächsten Flussbiegung. Leider habe ich die Befürchtung, dass es uns erst an das eine oder andere Ufer spülen muss, damit wir erkennen können, wie weit uns die stygische Flut diesmal getragen hat.

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29 Kommentare

  1. es scheint als komme ich etwas spät zur danksagung. roger letsch in höchstform ist besser als ein lockdown in andalusien. viel haben ihr gehirn bei google abgegeben. manche nicht so sehr. das macht den unterschied.

  2. Auf der Interseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde unlängst ein Strategiepapier veröffentlicht, in welchem die BRD der 2030er Jahre unter verschiedenen Aspekten dargestellt wird.

    Vorausschau.de

    „Szenario 5 - Das „Bonus-System“

    „Ein Punktesystem als zentrales politisches Steuerungsinstrument bestimmt das Deutschland der 2030er-Jahre. Trotz freiwilliger Basis und demokratischer Spielregeln erzeugt es sozialen Druck zur Teilnahme, zum Beispiel über den ständigen Wettbewerb in sozialen Netzwerken.

    Zu Beginn noch hoch umstritten, stößt das Bonuspunktesystem in den 2030er-Jahren größtenteils auf Zustimmung. Es verankert neue Normen im Alltag, die vorher so nicht möglich waren. Auch die partizipative Erarbeitung der Spielregeln sorgt für eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Zustimmung zum Bonus-System wächst besonders im Hinblick auf die steigende Dynamik des Klimawandels“

    Sieht mir schon sehr nach Planung aus.…

    Die Globalistische Ideologie stellt eine Synthese von neoliberalen, postmodernen und neomarxistischen Ideologieelementen dar. Diese noch im Entstehen befindliche Ideologie strebt die Gestaltung aller Bereiche des Lebens nach ökonomischen Prinzipien an. Gleichzeitig fordert sie die Auflösung von Grenzen und Bindungen, die als Einschränkungen einer vorwiegend ökonomisch verstandenen Freiheit betrachtet und deshalb abgelehnt werden.
    Renovatio 13.5.2021, Klaus Schwab: Über das Problem des Globalismus

    Es kann daher sicher nicht schaden, die berühmten, heuer aber wohl leider weithin vergessenen Worte Huxleys noch einmal zu wiederholen:

    „Es wird in der nächsten Generation oder so eine pharmakologische Methode geben, um die Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben, und sozusagen eine Diktatur ohne Tränen zu produzieren, eine Art schmerzloses Konzentrationslager für ganze Gesellschaften zu produzieren, so dass die Menschen tatsächlich ihrer Freiheiten beraubt werden, es aber eher genießen, weil sie durch Propaganda oder Gehirnwäsche oder durch pharmakologische Methoden verstärkte Gehirnwäsche von jeglichem Wunsch nach Rebellion abgelenkt werden. Und das scheint die endgültige Revolution zu sein.„
    Er sagte außerdem:
    „Heute stehen wir, glaube ich, vor dem, was man die ultimative Revolution nennen könnte, die letzte Revolution, bei der der Mensch direkt auf den Geist-Körper seiner Mitmenschen einwirken kann … wir sind dabei, eine ganze Reihe von Techniken zu entwickeln, die es der kontrollierenden Oligarchie, die es immer gegeben hat und vermutlich immer geben wird, ermöglichen, die Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben. Das ist, wie mir scheint, das Nonplusultra bösartiger Revolutionen, wenn man so will, und das ist ein Problem, das mich seit vielen Jahren interessiert und über das ich vor dreißig Jahren eine Fabel geschrieben habe, Brave New World, eine Darstellung der Gesellschaft, die alle verfügbaren Mittel und einige der Mittel, die ich für möglich hielt, einsetzt, um vor allem die Bevölkerung zu standardisieren, unangenehme menschliche Unterschiede auszubügeln, um, sagen wir, massenhaft produzierte Modelle von Menschen zu schaffen, die in einer Art wissenschaftlichem Kastensystem geordnet sind.“

    „Was aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, ist wohl eine Ente!“

  3. Und noch einen Kommentar zur generellen Ignoranz der Leute.

    Habe gerade auf YouTube vorbeigeschaut, und bin über diesen Link gestolpert:

    „Lost Crusade - Space Marine Cover by A-YEON“

    Ist wohl ein Schlagzeug-Coverstück von einer Koreanerin.
    Das Bild dazu zeigt eine hübsche, leicht- aber geschmackvoll gekleidete, mädchenhafte Koreanerin mit einem Schlagzeug.

    Und das Video wurde 3,7 Millionen mal in nur einem Monat angeklickt.

    3,7 Millionen! In einem Monat!

    Roger, da kannst Du Dir die Finger wund schreiben, diese Zahlen erreicht Du einfach nicht.
    Niemals nicht.

    Nicht, weil die Leute politische, soziale, und gesellschaftliche Zusammenhänge nicht verstehen wollen, sondern weil sie daran kein Interesse haben (solange die Mülltonne vorm eigenen Haus nicht in Flammen steht, ist alles gut).

    Und das Bildchen der leckeren, kleinen Koreanerin ist nur ein kleines Beispiel. YouTube ist voll davon.
    Exzellente Dokumentationen, Geschichte, Philosophie, alles vorhanden. Und nur vergleichsweise wenige schauen es sich an. Da lässt sich wohl nichts machen.

    Peter Hitchens hat übrigens auch ein paar Worte zum Thema „Sinn politischer Aufklärung“ verloren.

    Der relevante Teil beginnt ab 6:17:

    https://www.youtube.com/watch?v=KSgK_DHPBfU

    Wie Peter bereits andeutete: Vergiss‘ den Pub und die Beach nicht! 🙂

    • Je nun. Was soll denn das für ein Vergleich sein? Ist doch völlig absurd, das Stück mit politischen oder technischen Artikeln gleichzusetzen.
      Das eine ist Unterhaltung , das andere nicht.
      Das Eine erfordert eine Menge an Vorwissen, das andere nicht.

      Es ist völlig normal das Menschen sich mit den Notwendigkeiten nur soweit beschäftigen wie halt direkt nötig ist. SIe studieren das Innenleben ihres Spülkastens ja auch nicht im Detail jeden Tag, sondern schauen allenfalls mal rein, wenn Not am Mann ist.

      Und DAS dürfte eigentlich auch das Grundproblem moderner Gesellschaften sein: Nicht, daß es zuwenige Leute gibt, die sich mit Politik etc, beschäftigen, sondern das es viel zu viele „nutzlose“ mit zuviel Zeit gibt, die das tun.

      Und nur mal so: Das Stück dürfte nicht nur wegen der Koreanerin so beliebt sein .…

      • „Diejenigen, die sich nicht für die Arbeit ihrer Regierung interessieren, sind dazu verdammt, von Narren regiert zu werden.“

        -- Plato

  4. Ach, übrigens, den Ralf Stegner, den gibt’s immer noch?

    Da hat er nun bereits jahrzehntelang „tatenlos hingenommen“, da machen die paar Monate an COVID-Protesten auch nichts mehr aus.

  5. Ich möchte nur herzlichen Dank sagen, an Roger Letsch und an alle Kommentatoren. Ihr habt alles auch den Punkt gebracht was mich bewegt. Besonders der Kommentar von Ben Goldstein hat es in sich. Nochmals herzlichen Dank dafür. Die Frage bleibt: Wann können wir die Epoche des Wahnsinns der Massen verlassen und wie wird sich das auf das weitere Leben auswirken? Oder werden wir alle ins Chaos und im Sumpf des Unmenschlichen verrecken, weil sich dieses wieder mal eine kleine, aber bösartige teuflische Gruppe von irren Möchtegern-Eliten für die Menschheit ausgedacht haben.

  6. Vor 5-6 Jahren - Roger, Du wirst Dich vielleicht noch daran erinnern - kommentierte ich heftigst zu den Themen Thema Masseneinwanderung, Merkel, Islam, etc, und gab meiner Verärgerung über die Dummheiten der Leute zügellos Ausdruck. 

    Eines der Medien, in denen ich mich damals spielerisch metzelnd austobte, war das Forum vom Tagesspiegel in Berlin. Der Tagesspiegel ist ein ganz spezielles Blatt, zum Abwischen ganz spezieller geistiger Unfälle, von und für ganz spezielle Humanisten:Menschen:Innen.

    Nun flog ich aus diesem Forum duzende Male in hohem Bogen hinaus, was mich nach einiger Zeit allerdings zu etwas wie einem Guerillakämpfer im feuchten Kehricht, äh… Dschungel des urbanen Meinungskampfes machte. Ein oder zweimal gab ich mich sogar aus Frau aus. Die extra zugestandene lange Leine des Sexismus machte ich mir ebenso sexistischerweise sofort nutzbar, und zog mit Sprüchen über die Felder, die mich als Mann sofort das Konto gekostet hätten („Ich würde nie einen Muslim an mir ‚runtergehen lassen. Die haben alle so komische Bärte, und Bärte kitzeln“). Dies alles natürlich nur im Namen der reinen Vernunft, und um herauszufinden, um wieviel weiter man als Frau online gehen kann. War ein herr(!)licher Spass (zur Abwechslung).

    Ich lernte dadurch auch die Stammgäste dieses Forums „kennen“. „Stammgäste“ übrigens, weil die nämlich NIE rausflogen, aufgrund linientreuer Linksgesinnung. Daher sind die heute noch anwesend, unter den gleichen Aliasen. Diese „sehr speziellen“ Personen sind heute noch genauso so blöd wie damals, und scheinen wirklich gar kein eigenes Leben zu haben. Das virtuelle Equivalent zu Mutti und Vater, die, samt unterbelichteten Sprösslingen, allesamt mit den verschimmelten, versifften Kissen unter den Armen auf der Fensterbank dumm herumhängen, jeweils mit dem billigsten Flaschenbier in den Händen, und über die Leute draussen auf der Strasse herziehen. Den ganzen Tag lang. Jeden Tag. Inklusive der Wochenenden und Feiertage. Wie ich bereits sagte: kein eigenes Leben, nur eine Kollektion an Erfahrungen zweiter Hand, und auch davon nur eine digitale Kopie.

    Wie dem auch sei, als das mit der „kulturellen Bereicherung Deutschlands durch ausländische Fachkräfte“ damals losging, da kannte die Begeisterung beim Tagesspiegel keine Grenzen. Endlich war sie da, die einmalige Gelegenheit, die einem das Leben wohl nur ganz selten zugesteht, um zu beweisen - in Echtzeit und auch draussen auf den Bahnhöfen - was für ein EDLER SUPERMENSCH man ist. Ja, sowas gibt’s nicht alle Tage! Allen Kritikern, die zur Vorsicht rieten - also somit auch mir selbst - wurde vorgehalten, „ein eiskalter Mensch zu sein, der kein Herz hat“ - und das war so ziemlich der einzige Punkt, den diese Holzköpfe richtig eingeschätzt hatten. Jeder Versuch, mit diesen Leuten eine Diskussion über Sinn und Unsinn, Machbarkeit und Nichtmachbarkeit, Gegenwart und Zukunft, kulturelle Vereinbarkeit und Unvereinbarkeit, etc, zu führen, war aussichtslos. Der mitfühlende Humanismus wurde gnadenlos und mit Gewalt zur Ausführung gebracht - zum Wohle „armer Menschen in Gefahr“.

    Der springende Punkt, den ich nach dieser langen Einführung machen möchte, der ist folgender.

    Die Argumentation dieser „Humanisten“ folgte damals der Linie:

    Das universale, individuelle Menschenrecht trumpft IMMER die Rechte der Staatsbürger, und ist daher von höherem Gewicht als die Rechte des nationalen Kollektivs. Die Situation des Individuums, also das Einzelschicksal, hat Vorrang vor den abstrakten Interessen des Staates und seiner Einwohner, die - im Namen der Menschlichkeit - gefälligst mit anzupacken haben, um die Welt in einen besseren Ort zu verwandeln.

    In anderen Worten, der Tagesspiegel war damals ein Ort gesteckt voll mit antikapitalistischen, individualistischen, guten Menschen und Menschenretterinnen, die an der nationalen, übergeordneten Gesetzgebung verzweifelten. Von der Realiät ganz zu schweigen.

    Vor einigen Tagen schaute ich, nach Jahren der Totalignoranz („was geht mich dieses verseuchte Dreckloch Berlin noch an?“), wieder einmal aus Langeweile beim Tagesspiegel vorbei. Im Forum tummeln sich immer noch dieselben Knallfrösche, die immer noch hartnäckig darauf bestehen, in allem RECHT zu haben. Ich fand’s jedenfalls so richtig amüsant, mir das wieder einmal fur ein Weilchen durchzuziehen. Früher hätte ich mich sicherlich aufgeregt, heute find ich’s drollig - was ich als ein Zeichen meiner Reifung deute (=> wieder ein paar Jahre näher dran an Eins-Achtzig).

    Das Lustigste ist allerdings, dass ALLE dieser Forenstammgäste im Zeichen der „verschärften Erkältung“ ihren zärtelnden Individual-Humanismus komplett über Bord geworfen haben. Alle. Ausnahmslos. Jetzt ist stattdessen Law-and-Order angesagt:

    Nun ist es plötzlich das Recht der GRUPPE auf Schutz und Unversehrtheit, dass das egoistische, selbstbezogene, gemeine Individualrecht trumpft. Gemeinwohl vor Einzelrecht. Gemeinsinn über Eigensinn. Nieder mit diesen egoistischen Schweinen, denen die Gesundheit des Volkskörpers am Arsch vorbei geht („darf man Volkskörper eigentlich wieder sagen heute?“). 

    Jeder Einwand, dass es nach wie vor ein verbrieftes Recht ist (was auch immer das Wert ist, siehe meinen gestrigen Beitrag aus NZ), nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Regierungslackeln mit Nadeln traktiert zu werden, wird mit DEN GLEICHEN Argumenten geplättet, wie sie diese Leute vor einigen Jahren SELBST benutzt haben. Und diese Trottel merken es noch nicht einmal (würden sie es allerdings merken, dann wären sie nicht länger Trottel - Q.E.D.).

    Von Kämpfern für das heilige Recht des Individuums zu Kämpfern für die heilige Volksgesundheit, des Volkskörpers, und der nationalen Einheit. Ohne es selbst zu bemerken. Das muss man erst einmal fertig bringen. 

    Und was lernen wir aus diesem Beispiel? Moral, Ethik, und Wertvorstellungen sind höchst flexibel, und können vom Träger derselbigen jederzeit durch ein anderes Programm ersetzt werden. Der Zeitgeist ist die höchste Regierungsgewalt. 

    So, und um diesem weihevollen Anlasse gemäss dieser besinnlichen Stunde noch das angemessene Weihnachtssternchen aufzusetzen, fange ich nun auch mit dem Sülzen an:

    „Schwimm‘ an den Rand des Stromes. Such‘ Dir ein nettes, sonniges Plätzchen, und schau Dir den ganzen Quatsch mit den Füssen im Wasser baumelnd an. Dann lass Dir Beine wachsen, geh an Land, und geniesse das viel zu kurze Leben. Komm ab und zu am Fluss vorbei, hol Dir etwas Wasser, und schau Dir das blödsinnige Treiben an. Derweil, freue Dich des Lebens…“

    Und lese etwas bei den alten Stoikern:

    http://classics.mit.edu/Epictetus/epicench.html

    • Wer eine Erklaerung dafuer sucht, warum sowohl der genannte Individual-Humanismus als auch die neuen gruppenbezogenen Abartigkeiten keinerlei Widerspruch zueinander darstellen, der sehe sich einmal folgendes Video zu Bedingungen einer Massenpsychose an:

      https://www.peakprosperity.com/mattias-desmet-on-mass-formation/

      Kurze Antwort (trotzdem auch komplett sehenswert): Beide erfuellen den Wunsch nach Sinnhaftigkeit einer eigenen verarmten Existenz.

      • Das mit der „verarmten Existenz“ ist der eigentlich „lächerliche“ Teil heutzutage.

        Es ging der Menschheit noch nie, in unserer gesamten Geschichte, so gut wie heute! 

        Dank all der Technologie, die wir erschaffen haben („wir“ ist allerdings etwas grossmäulig formuliert, da es immer nur einige wenige brillante Individuen waren, die wirklich Neues erschufen), haben wir einen Gipfel an Annehmlichkeit, Sicherheit, Reichhaltigkeit, Langlebigkeit, und Vielfalt an Lifestyle-Optionen erklommen, wie ihn sich ältere Generationen noch nicht einmal hätten VORSTELLEN können.

        Und was fangen wir mit all der Freizeit und freien Energie, die wir uns freigeschaufelt haben, nun täglich an? Wir sitzen vor einem Leuchtfeld und tippen auf einem Buchstabenbrett herum - kein Wunder, dass es uns fad ist! (Spässle g’machd)

        Aber ernsthaft, die Verarmung ist natürlich geistiger Natur, und damit meine ich nicht den intellektuellen Teil des Gehirns, sondern den, der für Abenteuer, Herausforderungen, Dracheneroberungen, und das Jungfrauenerschlagen zuständig ist. Genau DA HINEIN muss endllich wieder Schwung kommen! Mit anderen Worten, ich glaube, dass wir im Westen einfach, tief drinnen, so gelangweilt sind - und auf der anderen Seite so welt-abgekoppelt - dass für mittlerweile für jeden Blödsinn zugänglich sind, der uns irgendeine Aufregung verspricht:

        Die Klimarettung, die Angst vor den Atomen und der Gentechnik (welch ein Nervenkitzel), die Errettung exotischer & testosterondurchtränkter „südländischer Flüchtlinge“ durch blondbezopfte deutsche Maiden (welche eine Aufregung), und die erste weibliche Kanzerin (was sag ich? Orgasmusgarantie!). Ganze egal, wie hoch der Schwachsinnspegel - wenn’s nur richtig reinknallt ins Aufregungsgetriebe, dann ist auch das mit dem Covid-Polizeistaat sehr willkommen; verstärkt das doch das „Wir“- und somit das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und die sinisteren Bösewichter, die zähnefletschenden Antivaxinators - die heute dieselbe Rolle spielen wie die Wilderer in den Heimatfilmen anno dazumal - werden auch gleich noch mitgeliefert. Wie praktisch! Da wird das Hösschen vor Aufregung feucht, und hinterher lässt’s sich dann so schön gruselig vor dem Zubettgehen noch ablästern, und sich gegenseitig bestätigen, dass man ja zu den GUTEN & WAHREN & SCHÖNEN gehört. 

        All das scheint allerdings für unser Gehirn nicht wirklich genug zu sein. Es fehlt die „Echtigkeit“, das reale Erleben. 

        Dem Gegenüber steht allerdings unsere neumodische Risiko-Aversion. Alles erleben wollen, JA, aber dafür etwas riskieren, NEIN! Das funkioniert nur leider nicht.

        Am Ende liegen wir doch eh‘ alle in der Kiste, und vor dem Löffelabgeben hat noch niemals einer gesagt: Ach, wie viel lieber hätt‘ ich doch noch mehr Zeit im Büro verbracht!“

        Also raus aus dem Haus, und rauf auf die Mutti!
        (Und jetzt muss ich an Merkel denken, und aus ist’s…)

  7. Eine der „schönsten Überraschungen“ dieses Jahres war fur mich die Eleganz, mit der illegale Anordnungen der neuseeländischen Linksregierung in neues Recht umgerubelt wurden.

    Ein Kläger hatte sich gegen das Verhängen der höchsten Stufe („Level 4“) von Ausgangsbeschränkungen mit dem Hinweis gewehrt, dass die verhängten Massnahmen eine drastische Überschreitung der Authorität der Regierung darstellen, die mit der Gesetzeslage und den darin enthalten persönlichen Freiheitsrechten unvereinbar seien.
    Das Ganze ging schliesslich durch bis zum höchsten Gericht, dass dies Bejahte und bestätigte, dass die ersten 7 Tage des Lockdowns illegal waren. Allerdings wies das Gericht die Regierung auch darauf hin, dass die gebrochenen Gesetze durch das Parlament jederzeit geändert werden können, falls sich eine Mehrheit dafür findet. Es fand sich. Umgehend. Und daher sind nun die entsprechenden „temporären“ „Ausnahme“-Massnahmen der Regierung legal. So einfach kann das gehen.

    Es gilt also nicht mehr

    „Legal - Illegal - Scheissegal“

    sondern

    „Illegal - Legal - Ganz Banal“

    Und auch hier in Neuseeland machen die Leute auch jeden noch so absurden Quatsch der Regierung mit. Die weitaus grösste Mehrheit der Bevölkerung zieht übrigens auch hier die passive Folgsamkeit dem Selberdenken vor. 

    Meiner Meinung nach enthüllt daher das gegenwärtige Verhalten der Bevölkerungen nicht etwa eine spezifisch lausige Charakereigenschaft der Deutschen, sondern ganz generell gesagt das Standardverhalten von Herdentieren, die wir nun einmal sind.

    Wie die ganzen sozialistischen Träumer durch ihre fleissige Arbeit in der Vergangenheit bereits mehrfach unter Beweis gestellt haben, lässt sich die menschliche Natur auch nicht durch Druck von aussen „umprogrammieren“; wir kehren immer wieder zu unseren Instinkten zurück. Genau dies muss ich den Leuten um mich herum immer wieder klarmachen, die da nämlich glauben, quasi durch eine „umgepolte Propaganda“ (Aufklärung 2.0) den Leuten die Augen zu öffnen, und die Verhältnisse ändern zu können.

    Pustekuchen - menschliche Natur. Wir sind Herdentiere - määäh!

    PS: Wenn es mir wieder einmal zu dämlich wird, mit meinen Mitmenschen, dann denke ich mir jedesmal:

    „Don’t be a pussy! Vor gerade einmal 100 Jahren hätten sie dir beigebracht, wie man andere Leute umlegt. Dann hätten sie dich an irgendeinen Drecksflecken auf der Welt verfrachtet, und du hättest in allem Ernst andere Soldaten erschossen - falls die DICH nicht vorher umgebracht hätten.

    Jazzindah Whatshername? Covid-19? CHICKEN SHIT!“

    • Wir dürfen bei all dem aber auch nicht vergessen, dass es durchaus immer wieder bessere und schlechtere Zeiten gab und gibt und dass Menschen immer wieder den Unterschied zwischen den einen und den anderen Zeiten gemacht haben. Die Dummheit der Massen muss man der Demokratie wegen akzeptieren und beherrschen. 

      Amerikaner meiden das Wort „Demokratie“ sogar, weil die Gründungsväter sich dem Problem bewusst waren. Eigentlich will man nicht, dass jeder etwas macht. Die Dummen sollen sich hinsetzen. Nichtwählen ist mitnichten etwas, wofür man die Leute beschämen sollte. Im Gegenteil: Wer Sitz/Amt und Kandidat nicht kennt, soll sich raushalten. Die Einsicht in die Dummheit der Massen ist unverzichtbar für die Zivilisiertheit. Autokraten hatten schon immer den größten Zuspruch der Massen. Man muss die Eliten zur Raison zwingen, dann folgen die Massen halbwegs zur Vernunft. Es gibt zu viele dumme Eliten, die man nicht abwählen kann und deren Geschäfte man nicht aus dem Weg gehen kann.

  8. Ich hoffe mein Kommentar wird nicht zu lange, aber wir alle haben dieses Bedürfnis nach Katharsis und finden im Alltag wenige Menschen, die einen verstehen.

    Was wir, glaub ich, gerade alle mit erschrecken feststellen, ist, dass Linke weniger als andere Bevölkerungsgruppen aus dem Dritten Reich Konsequenzen gezogen haben. Das liegt daran, dass man der Sowjetunion die Treue hielt. Wer sich nicht von Greueln allgemein distanzieren will, sondern nur von manchen, braucht letztlich willkürliche Begründungen. Das Fundament ist im obigen Text genannt, weil wir es alle schon oft gehört haben: Die einen Opfer haben ein unabänderbares Merkmal und die anderen können ja theoretisch dem Leid entkommen. Auf der Grundlage dieses Postulats wird auch der Satz „Homosexualität ist angeboren“ nicht bloß als (meist) richtige Aussage verbreitet, sondern als Diktum. Wären sie nicht unveränderlich schwul, dürfte man ihnen ja schaden. Man kann sich nicht dazu durchringen, Menschen, die anderen kein Leid zufügen, grundsätzlich in Ruhe zu lassen. Zu der (schon frühen) Liebe der westlichen Linke und deren (auch frühes) Wissen um die sowjetischen Greuel erschien 2017 ein ausführliches Buch von Giles Udy mit dem Titel „Labour and the Gulag“.

    Jetzt kommen sie aus ihren Löschern mit ihren Vorschlägen, ihre Mitmenschen wegsperren zu wollen. Und an der Stelle muss ich zugeben, dass ich mich auch so langsam aber sicher “radikalisiere”. Bevor Daniel Cohn-Bendit mich wegsperrt, will ich ihn wegsperren. Bevor Karl Lauterbach mir irgendwelche Substanzen gegen meinen Willen spritzt, will ich ihm irgendwas mal reinspritzen. Seit 2015 ist nämlich klar, dass unsere Eliten entweder gar nicht mehr mitkriegen, was sie anderen antun, oder aber sadistisch genug sind, Zivilisiertheit für eine Einbahnstraße zu halten. 

    Seit Jahren haben wir den Zustand, dass die Leisesten zu den „lauten Stimmen“ erklärt werden, die „tösen“ und „Hass“ verbreiten, in Wahrheit aber einfach nur die absolutistisch Machtgeilen stören. Donald Trump wurde so streng erzogen, dass er fast schon unfähig zu echten Beleidigungen ist. Die schlimme „Rhetorik“ bestand in kindischen Personenbezeichnungen wie „Pocahontas“ (für die Bewerbungsschummlerin und Pseudoindianerin Elizabeth Warren), „Little Rubio“ (für den rundgesichtigen, normal-großen Kongressabgeordneten aus Florida) oder „Low-energy Jeb“ (für George W. Bushs langweiligen Bruder). Die andere Seite, die Linke, bemerkt hingegen (angeblich) überhaupt nichts Aggressives am Tonfall, wenn das Nazi-Clown-Fascho-Ar***loch-Orange-Affe-Gekreische losgeht. Und ich weigere mich, so zu tun, als gäbe es eine Balance.

    Je harmloser die Covid-Seuche wird, umso gestörter werden die Linken. Ich weiß gerade einmal von einem Toten mit Omicron in Großbritannien. Einer. Uno. Zusätzlich kommt mit Paxlovid wieder ein neues Medikament auf den Markt. Auf Achgut haben 380 Ärzte in einem offenen Brief bekundet, dass sie genausowenig wie ich aus den Studien ableiten können, dass Ungeimpfte signifikant infektiöser sein sollen als Geimpfte. Selbst wenn es einen Unterschied macht, ist er gering. Die Infektionskurve fällt gerade wieder und wird für (das noch tödliche) Delta weiter fallen. Wir sind so gut wie durch. Viren in Menschen werden bis auf ganz wenige Ausnahmen mit der Zeit immer harmloser. Covid hat in früheren Mutationen den Trend vorgezeichnet und eine Umkehr ist in etwas so wahrscheinlich wie eine tödliche Mutation eines anderen Schnupfenvirus. Aber in den Talkshows findet das alles nicht statt.

    Die meisten Menschen, auch das mussten wir leider in den letzten Jahren schmerzlich erleben, sind genuin dumm. Ja, ich weiß, dass alle das von allen anderen behaupten, aber es gibt sehr viele Verlegenheitsdummdiagnostizierer, die ihre eigenen Unzulänglichkeiten nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ zu überspielen suchen. Man kann geduldig auf die Leute einreden, ihnen gelegentlich Eingeständnisse abringen und ein paar Monate später besteht die AfD wieder nur aus Nazis und Ungeimpfte sind infektiöser als Bill Clinton mit Syphilis. Und zwar ohne Erklärung, worauf sie ihre Aussagen stützen. Nein, es wird nur behauptet und wiederholt. In Amerika wurde das Phänomen mit „Non-Playable Character“ NPC bezeichnet. Im eigenen Leben treibt es mich in den Wahnsinn. Ich hätte gerne darauf verzichtet, meine Mitmenschen als NPCs wahrzunehmen. 

    Von den Älteren höre ich nur „So gut wie jetzt ging es uns noch nie.“ Wer nur noch 15 bis 20 Jahre vom Leben hat, kann auch vom Licht erloschener Sterne leben. Für diese Zielgruppe wurde der Slogan „das beste Deutschland, das wir je hatten“ geschaffen. Ein Geniestreich. Da spielt es offenbar kaum eine Rolle, dass vor den eigenen Augen die Wirtschaft zerschlagen, die Energie unbezahlbar gemacht, die Lebensgrundlagen zerstört, die Freiheit verwirkt und das Land an Moslems verteilt wird. Selbige Leute tun aber weiter so, als könnte man blind noch nach dem Wertekanon von vor 2015 leben. „Du hattest ja nie Zeit wegen Karriere, Karriere, Karriere. Und bist du jetzt mal mit irgendwas erfolgreich?“ Nö. Ich bin ein Vollversager, ein Trottel. Nur noch 61% der Millenial-Generation gelangt zu einem Mittelklasse-Einkommen und Lebensstil (https://www.oecd.org/employment/German-Middle-Class-2021-Highlights.pdf). Und auch unter denen gibt es einen beträchtlichen Anteil von Erfolglosen, die in subventionierten Zombiunternehmen, unsinnigen staatlichen Stellen, dem GEZ-Funk oder den NGOs rumlungern.

    Kann mir jemand mal ein r3-Anschluss oder einen K94-B-Kabel reichen? Ich will mich wieder an die Matrix ankabeln. Ich will die blaue Pille schlucken. Ich wollte nicht wissen, dass Menschen so sind. Ich bin einsam und es ist unreparierbar. Niemand versteht mich. Die Klugen sind im inneren Exil. Ich weiß nicht, wem ich noch vertrauen kann. Ich weiß nicht, wie ich mich noch menschlich öffnen kann, ob jemals noch so etwas wie ein romantisches Leben möglich sein wird, ob jemals noch verlässliche Freundschaften geknüpft werden können. Ich lebe jetzt in der Social-Distancing-Dystopie. 

    Sollte ich Omicron und seine Nachfolger als deutlich harmloser einschätzen als die ganzen Booster-Impfungen, werde ich gefängnisreif. Und wenn ich mir die Sprachpolizei so anschaue, ist es eh eine Frage der Zeit, bis ich in den Bau wandere. Ich hab kein Akif-Pirincci-Geld und der hat es selbst auch nicht mehr. Nebenbei bemerkt, hab ich viel Respekt vor seiner Courage. Wer nicht wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, ist kein richtiger Mann. 

    Die Kolumnistin, Reporterin und Autorin Katie Hopkins wurde mal als Radiomoderatorin gefeuert, weil sie „final solution“ getwittert hat. Während wir im Deutschen ohne mit der Wimper zu zucken die letzte Zahl unter jeder längeren Rechnung als „Endlösung“ bezeichnen, kann man für die Wortgruppe „final solution“ kontextunabhängig gefeuert werden. „Woke“ ist eine Willkürherrschaft und jeder kann unter jedem Vorwand kaltgestellt werden. 

    Und was ist mit uns, die sich mal kritisch geäußert haben, mit Klarnamen und/oder mit Gesichtzeigen? Was passiert mit den ganzen Hutbürgern der Republik? Früher oder später ist die Existenz vernichtet. Kein Mensch arbeitet vom 16. Lebensjahr bis zum Renteneintritt im gleichen Betrieb. Irgendwann sitzen wir (wenn überhaupt noch) bei einem Vorstellungsgespräch und werden wegen dieser oder jener regierungskritischen Aussage gegrillt. Und dann? Jeder hofft, dass alles vorüber ist, bis er einen neuen Arbeitsplatz braucht, bis er auf andere angewiesen sein wird. Aber ist es bald vorbei? Ich sehe überhaupt keine Anzeichen, dass die Dummen sich endlich mal wieder auf ihren Hintern hocken und ihre Mitmenschen in Ruhe lassen. Ich sehe keine Anzeichen, dass ein Bewusstsein geschaffen wird, dass Menschen unrecht getan wurde, und sie rehabilitiert werden müssen. Ich sehe keine Deeskalation. Ich sehe Eskalation. Ich sehe Armut auf uns zukommen. Ich sehe Gewalt auf uns zukommen. Ich weiß nicht, wer von den Unter-40-Jährigen an eine Rente glaubt, wenn die Autoindustrie zugusten des Elektroautos abgewrackt wird, Kraftwerke abgeschaltet werden und die Regierung alles zur Demotivierung der angeblichen „Nazis“ macht. Werden die EKD-Schwätzer und Talkshow-Laberer die Wertschöpfung wuppen? Werden wir Bäume pflanzen und Steine hauen für die Rente?

    Zur Naivität von Stefan Zweig fällt mir der relativ unbekannte Roman „unsere Töchter die Nazinen“ von Hermynia Zur Mühlen ein. Das Buch erschien 1934 und es steht schon alles drin, was man hinterher angeblich nicht gewusst hatte. Nur eine irritierende Aussage durchzieht den Roman von vorne bis hinten. Die Zeiten würden zwar wieder finster, aber man werde das Unheil schon abwenden können, denn immerhin sei der Krieg vorbei. Ja, 1934 war der Krieg endlich vorbei. Wir hatten aus ihrer Geschichte gelernt.

    • Ich weiss nicht wo Sie wohnen oder welches sonst Ihre Randbedingungen sind. Ich kann nur sagen, ich gehe jede Woche raus. In folgendem Sinn:

      https://reitschuster.de/post/zehntausende-gegen-corona-massnahmen-auf-der-strasse/

      Einfach einmal durchscrollen. Ich schreibe oder verspreche hier keine Loesungen, ich habe auch meine Paeckchen inner- und ausserfamiliaer durch diesen Sch… jeden Tag zu tragen.
      Es ist aber hilfreich, andere Leute der verschiedensten Hintergruende - auch Junge zu meiner positiven Ueberraschung! - zu treffen und sich auszutauschen. Und jede Woche werden es bis jetzt deutlich messbar mehr. Die Polizei kommt bei mittlerweile z.B. ueber 100 Orten allein in Sachsen logistisch an Grenzen. Schreiben Sie sich die Finger weiter wund, aber belassen Sie es nicht dabei.

      • Danke, dass Sie auf die Straße gehen. Je lauter wir Leisen unseren Hass tösen, umso besser. Ich hatte zu den Samstagprotesten ein Youtube-Video gemacht. https://www.youtube.com/watch?v=DkUTIxKcVfM
        Dort versuch ich immer auf Englisch nach außen zu kommunizieren. Erfolglos natürlich. 

        Übrigens hat die „Anti-Greta“ Naomi Seibt ihren (i.d.R. englisch sprachigen) Youtube-Kanal eingebüßt. Ihre ebenfalls umtriebige Mutter, die Anwältin Karoline Seibt, hat sich bisher jedenfalls juristisch nicht dagegen wehren können. Die FDP-Plus-Koalition hat schon angekündigt, stärker gegen unseren So-da-Hass im Internet und auf der Straße vorzugehen.

  9. Ja, wir sind zu Treibholz geworden im Ozean der Zeit und Bedrängnisse, wahre, fast philosophische Worte, lieber Herr Letsch! Auch wenn ich den deutschenfeindlichen Ton des Buches von Browning nicht goutieren kann, fühle ich mich doch gegängelt und ins Abseits gedrängt und an die finstersten Zeiten in Europa erinnert, als Tscheka und Stasi ihre Verbrechen begangen. Einen „Impfausweis“ zeigen, um einen Glühwein zu trinken? Das hätte es früher nicht gegeben!

  10. Laut dem mittlerweile „ehemaligen“ Minister für Gesundheit bin ich spätesten Anfang April sowieso tot (ungeimpft & ungenesen). Jedes solcher offensichtlichen Bla-Blas der Regierungsgranden ist sakrosankt und wird von ÖRR und Presse nicht weiter thematisiert. Es ist schlicht keine Situation darüber hinaus noch erdenkbar, die für die Masse meiner Mitmenschen, Anlass zum Widerspruch böte. Das China-Virus führt uns vor.

    • Lieber Roger, zu der Frage „Doch warum sagen dann jene, die gestern noch „Der Staat ist nicht dein Freund“ riefen, heute „Mach‘, was der Staat dir sagt“? antworte ich: Weil der Staat mittlerweile dort ist, wo die ihn haben wollten. Ist doch klar.. Gruß, Michael

  11. Ich(61) komme „nach Hause“ in eine Heimat von der ich überzeugt war , sie 1989 für immer verlassen haben, zurück in eine Diktatur. Wie gut ich das kenne: die Anpasserei, die Aufgeklärten, Fortschrittlichen, das Denunziantentum, die, die einfach dazugehören wollen, „wir sagen wollen“(Hannah Arendt), die Feigen und die Desinteressierten.
    Ich leide, psychisch, körperlich, ich bin verzweifelt, ich wehre mich, bin sichtbar und hörbar- noch.
    Ich versuche in meiner Mitte und Würde zu bleiben. Meine Reflexe kenne ich noch aus der DDR, nun entwickelter nach einem ganzen Leben…voller Irrtümer und Freuden.
    „Ausharren im nicht dazugehören wollen“ Friedrich Nietzsche ist einer meiner Anker geworden.
    Meine erwachsenen Kinder in dieser Zeit zu wissen, bricht mir fast mein Herz. Mein ungeborenes Enkelkind, in welche Welt wird es geboren?
    Welch eine Zerstörung -und die Vögel besuchen das Futterhäuschen vor meinem Fenster, die Natur ist so schön wie immer, wie damals auch.

    • Es war der Wunsch nach Freiheit, für die wir 1989 auf die Straßen gegangen sind, eine zeitlang gelang es auch das zu leben. Ich im selben Alter (60) wuchs zum Glück diktaturkritisch auf, meinen Kindern habe ich das auch vermitteln können, daher nehmen sie aus Verantwortungsgefühl bis jetzt Abstand von Familiengründung und Enkelsegen. Das ist zwar für Eltern traurig, wirft aber ein Bild auf den Zustand dieses Landes. Als gelernter DDR-Bürger hat man täglich ein Déjà-vu. Wichtig ist, dass man morgens noch selbst in den Spiegel schauen kann.
      (Bettina Wegner/ 1978: „Sind so kleine Hände“)
      Grade, klare Menschen
      wärn ein schönes Ziel.
      Leute ohne Rückrat
      hab’n wir schon zuviel.

  12. Mir aus der Seele gesprochen. Ich spüre denselben Leidensdruck, den Schmerz und die Verzweiflung. Auch darüber daß die, die sich zu Werkzeugen machen lassen das hier gar nicht erst lesen werden. Vernunft und Argumente sind machtlos gegen diese staatliche und mediale Propagandafeuerwerk

  13. Es ist leider so, daß all diese Aburteiler und Bessermenschen anscheinend schon so verblödet sind, daß sie die
    einfachsten Mechanismen nicht kennen.
    Treibe einen Hund in die Ecke und prügele so lange auf Ihn ein, bis er ein Einsehen hat.….…

  14. Ein hervorragender, ein brillanter Text! Man merkt ihm den akuten Leidensdruck an, und das macht ihn wie das meiste, was derzeit von Rechtsstaatbewahrern publiziert wird, so unendlich viel stärker als die panikgetriebenen und zugleich bräsigen Rechtfertigungen der Demontierer. Vielleicht aber sind wir einfach noch zu nachdenklich im Ton, zu ergeben defensiv, zu selbstzweiflerisch und relativierend. Vielleicht müssen wir ungleich zorniger und lauter und agierender statt reagierender werden, um diese Flut noch eindämmen zu können. Wie ich vermute, werden die nächsten Eskalationsstufen der Repression – verstärkt durch die zunehmend paralysierenden Erscheinungen der Wirtschaftskrise – zwangsläufig zu einer letzten Klärung der Frage führen, wohin die Reise geht. Mag sein, dass den Mächtigen in Staat und Medien heute schon eingeflüstert wird, man könne jetzt nicht mehr vor der eigenen Radikalität zurückweichen: „Sonst kommen sie und holen euch!“ Auch das ist eine Dynamik, die im Vorfeld von Diktaturen gern in Gang kommt: nicht mehr bremsen können, sondern noch beschleunigen müssen. Selbsterfüllende Prophezeiungen allerorten.

  15. Alles vollkommen richtig! Und warum marschieren wir geradeaus in die nächste Katastrophe? Weil zu viele Menschen niemals mit den Opfern des 20. umd 21. Jahrhunderts mitgefühlt haben. Inzwischen noch nicht einmal mehr auswendig gelernt, dass es sie überhaupt gegeben hat!

    • Genau das glaube ich allerdings grade nicht. Im Gegenteil. Wir laufen in allen Richtungen, wirklich in Bezug auf alles gradewegs in die Katastrophe, weil wie sachliche Abwägungen, auch Risikoabwägungen durch „Fühlerei“ ersetzt haben.

      Wir sehen plakative „George Floyd“ Bilder und ignorieren, das Afroamerikaner jedes Jahr so um den Faktor 6-7 mal mehr Afroamerikaner umbringen, als Weiße andere Weiße (oder Afroamerikaner) und jedes zurückziehen der Polizei direkt zu mehr afroamerikanischen Opfern führt.
      Wir sehen ein plakatives Bild eines ertrunkenen Kindes, das von seinem Vater auf eine lebensgefährliche Reise geschleppt wurde, damit er sich auf anderer Menschen Kosten die Zähne reparieren lassen kann - und sch**** auf Recht und Gesetz, verursachen Dutzende Millarden Schaden, weil wir nillionenweise arbeits- und erwerbsunfähige Menschen (die auch noch massiv krimineller sind) ins Land lassen, die von dem, was andere erarbeitet haben, üppig versorgt werden.

      Wir ruinieren uns, weil wir panische Angst bekommen, weil ein verhaltensgestörtes, mondgesichtiges Kind „How dare you“ quäkt.

      Und wir sehen Bilder aus Bergamo und kriegen gräusliche Schilderungen dargeboten und vor lauter Angst und Mitgefühl geben wir alle Freiheiten auf, die wir mal hatten.

      Nein, mehr „Gefühl“ ist das absolut letzte was wir brauchen, das ist die Ursache des ganzen Wahnsinns der letzten 20 Jahre.

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