„Nichts ist Recht, alles behörd­li­che Gnade.“
(Ste­fan Zweig)

Wie vie­le Men­schen mag es geben, die die Unge­wiss­hei­ten des mor­gi­gen Tages gern gegen die ver­gleichs­wei­se klei­nen Qua­len des gest­ri­gen ein­tau­schen wür­den? Alles für ein Leben in der Zeit­schlei­fe, in einer win­zi­gen Zeit­span­ne der Gewiss­heit, sei sie auch noch so ereig­nis­los? Ich mei­ne damit nicht eine dif­fu­se Sehn­sucht nach einer ver­meint­lich „bes­se­ren Epo­che“, an die man viel­leicht nicht mal eine eige­ne Erin­ne­rung hat, son­dern die buch­stäb­li­che und kör­per­lich emp­fun­de­ne Abscheu vor einem Mor­gen, das man nicht selbst in der Hand hat und in das man wie von einem Fluss getra­gen und gescho­ben wird, der nie sein Meer fin­det. Auf­ge­ben, sich trei­ben las­sen und hof­fen, dass die Stru­del einen nicht erfas­sen oder wei­ter­schwim­men? Treib­holz wer­den, das immer dich­ter sich ver­klemmt und dadurch eine nur faden­schei­ni­ge Trag­fä­hig­keit erlangt und die weni­gen frei­en Schwim­mer zer­malmt, die sich an die Ufer ret­ten wol­len? Hin­ge­ris­sen, mit­ge­ris­sen, fort­ge­ris­sen. Schon ein­mal war ich an einem sol­chen Punkt, das war im August, und auch die gegen­wär­ti­ge Lage legt sich wie damals drü­ckend auf mei­ne Fähig­keit, zu beschrei­ben, was ich sehe und emp­fin­de. Jede Berüh­rung mit die­sem mal­men­den Treib­holz­tep­pich berei­tet mir fast kör­per­li­che Schmer­zen. Doch alles Aus­wei­chen und Ver­zö­gern hilft am Ende nicht. Es gilt, Tat­sa­chen festzustellen.

„Schwur­b­ler“ ist die neu­es­te Ver­bal­in­ju­rie, die zur Bezeich­nung all jener her­hal­ten muss, die Miss­fal­len an den viel­fäl­ti­gen und all­gü­ti­gen staat­li­chen Maß­nah­men äußern. Das Wort ist in aller Mun­de. Poli­ti­ker ver­wen­den es, Jour­na­lis­ten, Kom­men­ta­to­ren, Laden­in­ha­ber und Gast­wir­te und „Freun­de“ auf Face­book, Twit­ter­jun­kies. Mitt­ler­wei­le wird es pseud­onym ver­wen­det, ganz so, als sei damit schon alles gesagt. Die Belei­di­gung ersetzt das Argu­ment und ist fast schon das Urteil. Wiki­pe­dia hilft uns mit einer Defi­ni­ti­on wei­ter, die schon eini­ge Jah­re alt ist. Schwur­b­ler sei „…ein abwer­tend gebrauch­ter Aus­druck der Umgangs­spra­che für ver­meint­lich oder tat­säch­lich unver­ständ­li­che, rea­li­täts­fer­ne oder inhalts­lo­se Aus­sa­gen. […] Für den Her­ab­set­zungs­ver­such wird meist kein Inhalts­be­zug auf­ge­nom­men, häu­fig ist dar­über hin­aus­ge­hend inten­diert, einer argu­men­ta­ti­ven Dar­le­gung für die beab­sich­tig­te Abqua­li­fi­ka­ti­on auszuweichen.“

Inhalts­fer­ne Aus­gren­zung, Abwer­tung und Her­ab­set­zung einer Per­son oder Grup­pe also. Letz­te­res oft fremd­de­fi­niert. Aus­ge­rech­net in einem Land, des­sen Kanz­ler gera­de erklärt hat, es gäbe kei­ne Spal­tung der Gesell­schaft. Belas­sen wir es heu­te bei der Betrach­tung der Zuschrei­bung die­ser Inhalts­fer­ne und ver­zich­ten ganz auf die Bewer­tung von Coro­na oder Maß­nah­men wie der Imp­fung und schau­en uns an, wo wir kom­mu­ni­ka­tiv momen­tan stehen.

Es geht in die­sem Text also nicht um Maß­nah­men, son­dern um Mecha­nis­men, nicht um Ver­schwö­run­gen, son­dern Ver­fah­ren, nicht um ein unter­stell­tes sinis­tres Ziel, son­dern die Metho­den, die schon so oft dort­hin führ­ten, wo eigent­lich nie­mand hin­woll­te. Die Retro­spek­ti­ve hilft der Erkennt­nis lei­der kaum, weil sie Ereig­nis­se auf einer Infor­ma­ti­ons­ba­sis beur­teilt, die man kaum haben kann, wenn man sich „mit­ten­drin“ in den Ereig­nis­sen befin­det. Die beque­me, aber schlech­te Ange­wohn­heit, his­to­ri­sche Ereig­nis­se mit der Elle der Gegen­wart zu mes­sen, hat uns viel­mehr erst in die­se miss­li­che Lage gebracht und uns gesell­schaft­li­che Ent­glei­sun­gen wie den Gen­der­wahn, eine ideo­lo­gisch über­form­te Ener­gie­wen­de oder den Kli­maalar­mis­mus beschert. (Haus­auf­ga­be: Unter­su­chen Sie selbst­stän­dig die­se und ande­re poli­ti­sche Groß­kampf­fel­der mit Hil­fe der Erkennt­nis­se, die ich hier zu erlan­gen versuche.)

Die Mecha­nis­men, nach denen ich suche, las­sen sich mei­ner Mei­nung nach in jeder unse­rer zu Gewohn­hei­ten und trü­ge­ri­schen Gewiss­hei­ten erstarr­ten Groß­kri­sen ent­de­cken. Das Covid­zän, wel­ches nun schon ins drit­te Jahr geht, bil­det da kei­ne Aus­nah­me. Wenn Sie mich gleich ver­schie­de­ne Par­al­le­len zie­hen sehen, behal­ten Sie bit­te im Gedächt­nis, dass es hier ledig­lich um den Wirk­kern, also die Mecha­nis­men geht und kei­nes­wegs um eine inhalt­li­che Gleich­set­zung. Die­ser Unter­schied soll­te in unse­rer Spra­che, die sau­ber zwi­schen „das­sel­be“ und „das glei­che“ zu unter­schei­den ver­mag, leicht ver­ständ­lich sein.

Auf der Flucht

Je unan­ge­neh­mer die Berüh­rung mit der poli­tisch-media­len Rea­li­tät wird, des­to mehr flüch­te ich mich auf der Suche nach Erklä­run­gen neu­er­dings in Bücher, die min­des­tens vor eini­gen Jah­ren und für oder in ande­ren Kri­sen geschrie­ben wur­den. So umstrit­ten es unter Medi­zi­nern ist, in eine Pan­de­mie „hin­ein­zu­imp­fen“, so wenig erbau­lich ist es im Augen­blick, mehr als nötig den täg­li­chen Pro­to­kol­len des Wahn­sinns zu lau­schen, weil die­se wie der Wet­ter­be­richt kaum mehr als Tages­mess­wer­te, aber nie­mals Ant­wort auf das „Woher“, „Wohin“ und „War­um“ lie­fern. Zu dicht sind uns die Ereig­nis­se auf den Fer­sen, zu unmit­tel­bar wirkt alles auf uns ein.

Als Treib­holz, ein­ge­klemmt und ande­re ein­klem­mend, Gewalt aus­ge­setzt und die­se aus­übend ist man ein schlech­ter Zeit­zeu­ge. Das „War­um“ ver­schwimmt in Resi­gna­ti­on oder Panik, das „Woher“ ist stets die letz­te, das „Wohin“ die nächs­te Fluss­bie­gung des Aus­nah­me­zu­stands. Ein­mal in einen sol­chen mah­len­den Fluss gera­ten, trübt die Gischt den Blick. Da heißt es mit­schwim­men, immer dabei sein, aber bloß nicht anecken. Demo­kra­tie wird angeb­lich so gemacht. Dik­ta­tu­ren lei­der auch. Ein Blick von außen tut Not und sei es der Blick auf jene rei­ßen­den Flüs­se, die zu ande­ren Zei­ten und an ande­ren Orten schon geflos­sen sind.

Staat und Begeisterung

Auf der Suche nach Erklä­run­gen sind mir zwei Bücher in die Fin­ger gera­ten, die mich auf sehr unter­schied­li­che Wei­se ziem­lich erschüt­tert und in die Gegen­wart gezo­gen haben. Bei­de behan­deln Ereig­nis­se, die wir alle recht gut zu ken­nen glau­ben. Mehr noch, denn die beschrie­be­nen Zeit­läuf­te sind uns so stark ins kol­lek­ti­ve Gedächt­nis gedrun­gen, dass es in Deutsch­land mehr Exper­ten und Augu­ren dafür gibt als Bäcker­lä­den. Die Urtei­le über die Epo­chen sind aus­ge­fer­tigt, die Schuld ver­teilt, Aus­gang und Ende sind klar defi­niert und über das „War­um“ könn­te so gut wie jeder mit einem IQ über Zim­mer­tem­pe­ra­tur einen klei­nen Auf­satz schreiben.

Das ers­te Buch ist „Die Welt von ges­tern“ von Ste­fan Zweig. Zweigs Auto­bio­gra­fie, die 1942 kurz nach sei­nem Frei­tod erschie­nen ist, hat­te ich schon vor Jah­ren gele­sen. Mit schnei­den­der Kon­se­quenz blickt Zweig aus sei­nem Exil auf die Trüm­mer der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on und die sei­nes eige­nen, einst erfolg­rei­chen und nun zer­stör­ten Lebens und sein resi­gnier­ter Ton­fall speist sich aus dem, was er sah: Hit­ler erst ihm gegen­über auf dem Ober­salz­berg, dann in Ber­lin, in Wien, in War­schau, in Oslo, in Paris, fast in Mos­kau, eigent­lich über­all. Ein wuchern­des, mit­leid­lo­ses Staats­ge­schwür, das Euro­pa und der hal­ben Welt Stie­fel und Gesetz auf­drückt. Nur noch die­se Frei­heit ein­kas­sie­ren, nur noch die­ses Land erobern, nur noch die­se Lebens­äu­ße­rung regle­men­tie­ren, nur noch die­sen Feind ver­nich­ten. Gele­sen im Jahr 2010, satt und schlau und mit­ten im Frie­dens­pro­jekt „EU“, dabei die Schwü­re auf Demo­kra­tie und Gerech­tig­keit im Sinn, die allent­hal­ben geschwo­ren wur­den und die „Nie wie­der Krieg“-Rhetorik im Ohr, erschien mir Zweigs Schil­de­rung damals stel­len­wei­se gera­de­zu rüh­rend naiv.

Die Kriegs­be­geis­te­rung um ihn her­um im Jahr 1914 etwa oder sei­ne Bemü­hun­gen in den 1920er Jah­ren, ein Netz­werk aus Lite­ra­ten und Intel­lek­tu­el­len zu knüp­fen, das der Völ­ker­ver­stän­di­gung dien­te. War­um sah er nicht – oder nicht recht­zei­tig –, wie es zu bei­den Krie­gen kam? War­um schaff­te all die ver­sam­mel­te Intel­li­genz es nicht, auf­zu­hal­ten, was da kam? War­um war die Schnitt­men­ge so groß zwi­schen den Huma­nis­ten und Mili­ta­ris­ten, den Geist­rei­chen und den Faschis­ten? Ach was, das kann nie wie­der gesche­hen, aus Scha­den wird man bekannt­lich klug. Doch war­um reich­te die Klug­heit dann nicht, um den Zwei­ten Welt­krieg zu ver­hin­dern? Ach was, der Faschis­mus erwächst aus dem Gleich­schritt von Wirt­schaft und staat­li­chem Macht­mo­no­pol! Doch war­um sagen dann jene, die ges­tern noch „Der Staat ist nicht dein Freund“ rie­fen, heu­te „Mach‘, was der Staat dir sagt“? Mein Selbst aus dem Jahr 2010 wür­de trot­zig aus­ru­fen, dass wir nie­mals zulas­sen wer­den, dass jemals wie­der Men­schen dif­fa­miert und aus­ge­grenzt… wir wür­den doch, demo­kra­tie­er­probt wie wir sind, sofort mer­ken, wenn… Doch war­ten wir mit den Schluss­fol­ge­run­gen lie­ber noch auf eine wei­te­re Buchlänge.

Tropfen für Tropfen

Die Erst­auf­la­ge von „Ganz nor­ma­le Män­ner“ des ame­ri­ka­ni­schen His­to­ri­kers Chris­to­pher R. Brow­ning erschien im Jahr 1992. Es beleuch­te­te einen medi­al wenig beach­te­ten Aspekt des Holo­caust. Auf über 400 quel­len­rei­chen, detail­lier­ten aber äußerst schwer zu ertra­gen­den Sei­ten pro­to­kol­lier­te der Autor die Sta­tio­nen des 101. Reser­ve-Poli­zei­ba­tail­lons aus Ham­burg. 500 „ganz nor­ma­le Män­ner“, die für den Dienst bei der Wehr­macht schon zu alt waren, aus den unter­schied­lichs­ten Beru­fen kamen und in den vom Deut­schen Reich beset­zen Gebie­ten Polens, Litau­ens, Weiß­russ­lands und der Ukrai­ne zu „Ord­nungs­auf­ga­ben“ ein­ge­setzt wur­den. Hier soll kein Raum sein für die Ket­te von Gräu­el­ta­ten, in deren Ergeb­nis allein durch die­se Ham­bur­ger Poli­zei­ein­heit 38.000 Juden direkt ermor­det und wei­te­re 45.200 in die Ver­nich­tungs­la­ger geschickt wur­den – und das in nur einem Jahr.

Wir glau­ben heu­te zu wis­sen, dass so etwas nie wie­der gesche­hen kann, wenn man nur immer brav Schil­der gegen den Anti­se­mi­tis­mus hoch­hält und 80 Jah­re post fes­tum gegen die Nazis kämpft, indem man schwar­ze Kla­mot­ten trägt und Appel­le auf Indy­m­e­dia ver­öf­fent­licht. Doch wie sähe es aus, wenn man eine ande­re Grup­pe her­neh­men wür­de? Eine Grup­pe viel­leicht, die sich nie selbst als Grup­pe defi­niert hat und die auch nur weni­ge Gemein­sam­kei­ten locker ver­bin­den? Könn­te man die­se Grup­pe heu­te mit Wor­ten aus­gren­zen, ihre Inte­gri­tät, ihre Intel­li­genz, ihre Absich­ten, ja, ihre blo­ße Exis­tenz zum Pro­blem erklä­ren, das man „lösen“ müs­se, egal wie? Ihre Arbeits­mög­lich­kei­ten beschrän­ken, sie kenn­zeich­nen, sie ent­eig­nen, viel­leicht Berufs­ver­bo­te ver­hän­gen? Man beden­ke die Mög­lich­kei­ten, die einem die Schnell­wasch­pro­gram­me von Twit­ter und Face­book dafür heu­te bie­ten! Spä­tes­tens hier müss­ten Sie empört auf­hö­ren, zu lesen, denn Sie und ich wis­sen, wohin sowas führt, lie­be Leser. Sie wür­den natür­lich nie… und das will ich doch auch stark hoffen!

Doch was, wenn Sie es nicht ein­mal mer­ken, weil es tröpf­chen­wei­se in Sie ein­si­ckert, weil es Gewohn­heit wird, weil es eben die Dok­trin ist, weil es doch alle machen, weil es die Mehr­heit so will, weil es das Gesetz so vor­schreibt – heu­te ein wenig, mor­gen schon stär­ker und über­mor­gen ver­pflich­tend. Weil die Aus­ge­grenz­ten eben „die­se Leu­te“ sind, vor denen immer gewarnt wird? Weil der Pla­net in Gefahr ist, weil das Land in Gefahr ist, weil die Gesund­heit aller auf dem Spiel steht. Einen „gro­ßen Plan“ kön­nen Sie gleich ver­ges­sen, den gibt es nicht, weil es kei­nen braucht. Zeit, Impuls und Gewohn­heit genü­gen, und wenn dann noch lan­ge geheg­te Vor­ur­tei­le hin­zu­kom­men, sinkt die Hemm­schwel­le umso schnel­ler. Hat man es nicht schon immer „gewusst“? Ist das Vor­ur­teil nicht die unbe­kann­te Stief­schwes­ter der schlech­ten Erfah­rung? Sind die­se Leu­te nicht ohne­hin sol­che…, leug­nen die nicht auch dies…, behaup­ten die nicht auch jenes?

Betrach­tet man die Ent­wick­lung als bra­ves Treib­holz immer nur den Bezug zur letz­ten Fluss­bie­gung statt von der Quel­le her, erscheint alles logisch, fol­ge­rich­tig und kon­se­quent. Man folgt der Par­tei, der Regie­rung, der Ver­nunft, der Logik, der Wis­sen­schaft, und die ver­än­dert sich bekannt­lich stän­dig. Es ist ja kein gebro­che­nes Ver­spre­chen, es ist die ver­än­der­te Lage. Es ist ja kein gebro­che­ner Ver­trag, es ist, weil Ver­trä­ge mit Fein­den nicht gel­ten. Es ist ja kein Angriff auf dei­ne Frei­heit, es ist, um zu ver­hin­dern, dass du die­se Frei­heit miss­brauchst. Es ist ja kein Recht, es ist ein Pri­vi­leg. Und wer möch­te nicht pri­vi­le­giert sein!

Die 500 Ham­bur­ger Poli­zis­ten hat­ten ihren ers­ten Ein­satz im Juli 1942 im pol­ni­schen Józe­fów. Kom­man­dant Trapp, trä­nen­auf­ge­löst und mit sei­nem Mord­auf­trag selbst hadernd, stell­te sei­ne Män­ner vor die Wahl. Wer von den Älte­ren sich der „Auf­ga­be“ nicht gewach­sen füh­le, kön­ne bei­sei­te­tre­ten. Zwölf Män­ner tra­ten vor. Die hal­be Trup­pe der zur Erschie­ßung Ein­ge­teil­ten brach an die­sem Tag mehr oder weni­ger zusam­men, ver­drück­te sich oder ließ sich ablö­sen. Am Ende des Tages lagen min­des­tens 1.500 Men­schen erschos­sen im Wald. Män­ner, Frau­en, Kin­der. Betran­ken sich die Erschie­ßungs­kom­man­dos anfangs noch hem­mungs­los, um das Gewis­sen zum Schwei­gen zu brin­gen, wur­den die fol­gen­den Ein­sät­ze wegen ihres schein­bar harm­lo­sen Cha­rak­ters als weit weni­ger belas­tend emp­fun­den. Man füll­te ja nur die Züge, auch wenn man ihren Bestim­mungs­ort kann­te. Man bewach­te ja nur die Trans­por­te, man trieb ja nur zusam­men, man mach­te doch nur, was von einem ver­langt wur­de. Spä­te­re Mas­sa­ker gin­gen dann schon viel ein­fa­cher von der Hand, man hat­te sich an das Grau­en gewöhnt. Könn­te man einen Poli­zis­ten der Ein­heit 101 im Mail 1942 fra­gen, ob er sich im Novem­ber 1943 in Maj­da­nek an der Ermor­dung von 16.500 Men­schen aktiv betei­li­gen wür­de, so hät­ten wohl mehr als nur zwölf Poli­zis­ten davor zurück­ge­schreckt. Trapp, der im Juli 42 in Józe­fów noch mit sei­nem Gewis­sen rang, ließ bei einer Ver­gel­tungs­ak­ti­on gegen Par­ti­sa­nen in Tal­cyn zwei Mona­te spä­ter gleich 86 mehr als die von sei­nen Vor­ge­setz­ten ver­lang­ten 200 Men­schen erschie­ßen, und weil er kei­ne Par­ti­sa­nen fin­den konn­te, nahm er eben die Juden aus dem benach­bar­ten Ghetto.

Wenn Rache ein Gericht ist, das kalt genos­sen wird, dann ist Grau­sam­keit und Ent­mensch­li­chung eines, das als „nega­ti­ve Sala­mi“ daher­kommt. Je mehr man davon abschnei­det und ver­zehrt, umso grö­ßer wird sie. Schei­be für Schei­be. Doch genug davon, ich will hier kei­ne his­to­ri­schen Ver­glei­che zie­hen. Lesen Sie am bes­ten bei­de Bücher erneut und ach­ten Sie beim Lesen auf Signa­le aus Ihrem Unter­be­wusst­sein und ver­glei­chen sie die­se mit unse­rer Realität.

Wie kommt man von hier nach da?

„Prutz­mann stell­te dar­auf­hin ein 15 bis 25 Mann star­kes Erschie­ßungs­kom­man­do zusam­men. Es bestand in ers­ter Linie aus Frei­wil­li­gen von der Unter­hal­tungs­trup­pe [Musi­ker und Vor­trags­künst­lern aus der Front­be­treu­ung].“ (Brow­ning)

Wenn Sie die Bücher noch nicht ken­nen, soll­ten Sie unbe­dingt bei­de lesen. Sie wer­den fest­stel­len, wie leicht man von einer schein­bar auf­ge­klär­ten und gebil­de­ten Gesell­schaft hin­ab­schlit­tern kann in die Bar­ba­rei. Ein biss­chen herr­schaft­li­cher Dis­kurs (wo ist eigent­lich Haber­mas, wenn man ihn mal braucht?), ein wenig absichts­vol­le Spra­che, eine Pri­se „Dumm-sind-immer-die-Ande­ren“ und ein kräf­ti­ger Schluck aus der „Wir-wis­sen-es-bes­ser-Fla­sche“ genü­gen, und je mehr Zeit man zur Ver­fü­gung hat, des­to siche­rer wirkt das Rezept. Das ist kein bewuss­ter Pro­zess, dies ergibt sich ein­fach aus der täg­li­chen Erfah­rung und ist eher ein Ein­schwin­gen in eine all­ge­mei­ne Stim­mung. Es ist die Reak­ti­on auf das, was empört, was geglaubt und wor­über gelacht wird. Auch dar­auf, was in der Zei­tung stand, was die Nach­rich­ten mel­den, wen die Poli­tik beschuldigt.

Mit wel­cher Mei­nung befin­det man sich als Treib­holz in siche­rem Fahr­was­ser, ist anschluss­fä­hig an Macht und Gewohn­heit? Was kann man sicher äußern und – fina­le Nagel­pro­be – gibt es Schul­di­ge, die man ver­ur­tei­len kann? Natür­lich darf die Grup­pe der Schul­di­gen weder zu groß noch zu homo­gen noch zu schlag­kräf­tig sein, damit sie sich nicht zur Wehr setzt. Am bes­ten ist es, wenn die Grup­pe durch blo­ße Zuschrei­bung zustan­de kommt, denn je weni­ger tat­säch­li­che Bedro­hung von ihr aus­geht, umso sinis­trer kann man die Gefahr dar­stel­len, die von ihr aus­geht. Des­halb muss man über­all Netz­wer­ke ver­mu­ten und ganz im Stil Robes­pierres in allen Ecken Ver­rat und Ver­schwö­rung sehen. Links und rechts des Weges, der im Gleich­schritt zurück­zu­le­gen ist, darf nichts als Ver­damm­nis sein. So aller­dings lässt sich nur noch eine Dik­ta­tur bewerk­stel­li­gen. Wie prak­tisch, dass man nur eini­ge Köp­fe aus­zu­tau­schen braucht, das fah­nen­schwin­gen­de Boden­per­so­nal kann das­sel­be bleiben.

Betrach­te ich den Zustand die­ses Lan­des, stößt mir die Pola­ri­sie­rung durch Poli­tik und Medi­en bei den Coro­na-Maß­nah­men bit­ter auf. Das alles ist nicht ohne Wir­kung geblie­ben und ein sehr gro­ßer Teil der Men­schen folgt dem mitt­ler­wei­le nach und hat sich der erzeug­ten Bedro­hungs­la­ge ange­passt. Vie­le Men­schen, die ich zumin­dest anhand ihrer Äuße­run­gen zu ken­nen glaub­te, erken­ne ich gera­de kaum mehr wie­der. Das Coro­na-Regime an der Schwel­le zum Jahr drei neu­er Zeit­rech­nung hat einen neu­en Keil zwi­schen Freun­de, Kol­le­gen und Fami­li­en getrie­ben und uns alle der Will­kür erra­ti­schen Regie­rungs­han­delns aus­ge­setzt. Es gibt kei­nen dem Pri­va­ten vor­be­hal­te­nen Raum mehr, den man betre­ten, die Tür hin­ter sich schlie­ßen und „Lasst mich ein­fach in Frie­den“ aus­ru­fen kann. Denn was war pri­va­ter als die Ver­ant­wor­tung für die eige­ne Gesund­heit und Lebens­füh­rung? Schwur­b­ler, Unge­impf­ter, Quer­den­ker… die Begrif­fe fal­len wie Ohr­fei­gen und wer­den zur Arti­ku­la­ti­on einer unbe­stimm­ten Bedro­hung ver­wen­det. Durch das kom­mu­ni­ka­ti­ve Glut­amat der „sozia­len Medi­en“ wird die­se „Bedro­hung“ bei mir jedoch zum Ekel. Ich will und wer­de einen Men­schen nicht nach der Zustim­mung zu einer medi­zi­ni­schen Behand­lung bemes­sen, habe aber auch das Glück, ande­re im All­tag nicht danach fra­gen zu müssen.

Ähn­lich erhel­lend wie Bücher von ges­tern zu lesen, kann es sein, sich Geset­ze und Ver­ord­nun­gen anzu­se­hen, die vor kur­zem noch selbst­ver­ständ­lich gal­ten. Nicht nur das Grund­ge­setz, das immer weni­ger die Abwehr­rech­te des Bür­gers gegen den Staat ent­hält, son­dern immer stär­ker dazu ver­wen­det wird, die Stör­ri­schen von den Folg­sa­men zu schei­den. Neh­men wir so etwas Simp­les wie die Aus­weis­pflicht. Hier erklärt uns eine Ver­si­che­rung – der Text stammt noch aus der Zeit vor Coro­na – was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist. Es gäbe eine Pflicht, ab dem 16. Lebens­jahr einen Per­so­nal­aus­weis zu besit­zen, jedoch kei­ne, ihn stän­dig bei sich zu haben. Er dien­te lan­ge Zeit vor allem dazu, je nach Situa­ti­on einen Alters­nach­weis zu ermög­li­chen, nicht wie heu­te, wo er zur Veri­fi­zie­rung des staat­li­chen Nach­wei­ses einer medi­zi­ni­schen Behand­lung oder durch­ge­mach­ten Krank­heit dient. Der Über­gang vom gele­gent­li­chen Alters­nach­weis zur Ein­tritts­kar­te zu Bus, Bahn und Bur­ger-Laden kam nicht als Ver­ord­nung oder infol­ge einer lan­des­wei­ten Laut­spre­cher­durch­sa­ge daher, son­dern als Anhäng­sel der Zer­ti­fi­ka­te und des Miss­trau­ens der staat­li­chen Behör­den, das sich auf die Bür­ger übertrug.

Waren frü­her Kon­trol­len ledig­lich bei weni­gen Anläs­sen und auch nur durch weni­ge Instan­zen gestat­tet, sind sie heu­te all­ge­mein und zum Teil gesund­heit­li­cher Vor­sor­ge erklärt wor­den. Es ist doch nur ein Schräub­chen, es ist doch nur eine Umdre­hung, es ist doch nicht für lan­ge, es ist doch für dei­ne Sicher­heit. Fragt man heu­te zehn Freun­de, ob es eine Pflicht gäbe, den Per­so­nal­aus­weis immer bei sich zu tra­gen, bekommt man in den meis­ten Fäl­len die Ant­wort: ja. Man muss also nicht ein­mal die Geset­ze ändern, was ja sehr abrupt geschieht. Es genügt, die Gewohn­hei­ten anzu­pas­sen und immer, wenn man auf Akzep­tanz stößt, wei­ter­zu­ma­chen. Wozu auch etwas ver­ord­nen, wenn es die Men­schen frei­wil­lig tun? Hier wirkt offen­sicht­lich nicht Will­kür, son­dern das Bestre­ben des Men­schen, eini­ger­ma­ßen durch den All­tag zu kom­men. Und um die sozia­len Trans­ak­ti­ons­kos­ten nicht ins Uner­mess­li­che stei­gen zu las­sen und Zwang dort aus­zu­üben, wo eine Mode das Recht ver­letzt, ändert man Schritt für Schritt sei­ne Gewohn­hei­ten. Die Fähig­keit des Men­schen, sich sogar unbe­wusst anzu­pas­sen, ist also Fluch und Segen zugleich.

Wir sind zu Treib­holz gewor­den und auf dem Weg zur nächs­ten Fluss­bie­gung. Lei­der habe ich die Befürch­tung, dass es uns erst an das eine oder ande­re Ufer spü­len muss, damit wir erken­nen kön­nen, wie weit uns die sty­gi­sche Flut dies­mal getra­gen hat.

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29 Kommentare

  1. es scheint als kom­me ich etwas spät zur dank­sa­gung. roger letsch in höchst­form ist bes­ser als ein lock­down in anda­lu­si­en. viel haben ihr gehirn bei goog­le abge­ge­ben. man­che nicht so sehr. das macht den unterschied.

  2. Auf der Inter­sei­te des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung wur­de unlängst ein Stra­te­gie­pa­pier ver­öf­fent­licht, in wel­chem die BRD der 2030er Jah­re unter ver­schie­de­nen Aspek­ten dar­ge­stellt wird.

    Vorausschau.de

    „Sze­na­rio 5 — Das „Bonus-Sys­tem“

    „Ein Punk­te­sys­tem als zen­tra­les poli­ti­sches Steue­rungs­in­stru­ment bestimmt das Deutsch­land der 2030er-Jah­re. Trotz frei­wil­li­ger Basis und demo­kra­ti­scher Spiel­re­geln erzeugt es sozia­len Druck zur Teil­nah­me, zum Bei­spiel über den stän­di­gen Wett­be­werb in sozia­len Netzwerken.

    Zu Beginn noch hoch umstrit­ten, stößt das Bonus­punk­te­sys­tem in den 2030er-Jah­ren größ­ten­teils auf Zustim­mung. Es ver­an­kert neue Nor­men im All­tag, die vor­her so nicht mög­lich waren. Auch die par­ti­zi­pa­ti­ve Erar­bei­tung der Spiel­re­geln sorgt für eine grö­ße­re Akzep­tanz in der Bevöl­ke­rung. Die Zustim­mung zum Bonus-Sys­tem wächst beson­ders im Hin­blick auf die stei­gen­de Dyna­mik des Klimawandels“

    Sieht mir schon sehr nach Pla­nung aus.…

    Die Glo­ba­lis­ti­sche Ideo­lo­gie stellt eine Syn­the­se von neo­li­be­ra­len, post­mo­der­nen und neo­mar­xis­ti­schen Ideo­lo­gie­ele­men­ten dar. Die­se noch im Ent­ste­hen befind­li­che Ideo­lo­gie strebt die Gestal­tung aller Berei­che des Lebens nach öko­no­mi­schen Prin­zi­pi­en an. Gleich­zei­tig for­dert sie die Auf­lö­sung von Gren­zen und Bin­dun­gen, die als Ein­schrän­kun­gen einer vor­wie­gend öko­no­misch ver­stan­de­nen Frei­heit betrach­tet und des­halb abge­lehnt werden.
    Reno­va­tio 13.5.2021, Klaus Schwab: Über das Pro­blem des Globalismus

    Es kann daher sicher nicht scha­den, die berühm­ten, heu­er aber wohl lei­der weit­hin ver­ges­se­nen Wor­te Hux­leys noch ein­mal zu wiederholen:

    „Es wird in der nächs­ten Genera­ti­on oder so eine phar­ma­ko­lo­gi­sche Metho­de geben, um die Men­schen dazu zu brin­gen, ihre Knecht­schaft zu lie­ben, und sozu­sa­gen eine Dik­ta­tur ohne Trä­nen zu pro­du­zie­ren, eine Art schmerz­lo­ses Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger für gan­ze Gesell­schaf­ten zu pro­du­zie­ren, so dass die Men­schen tat­säch­lich ihrer Frei­hei­ten beraubt wer­den, es aber eher genie­ßen, weil sie durch Pro­pa­gan­da oder Gehirn­wä­sche oder durch phar­ma­ko­lo­gi­sche Metho­den ver­stärk­te Gehirn­wä­sche von jeg­li­chem Wunsch nach Rebel­li­on abge­lenkt wer­den. Und das scheint die end­gül­ti­ge Revo­lu­ti­on zu sein.„
    Er sag­te außerdem:
    „Heu­te ste­hen wir, glau­be ich, vor dem, was man die ulti­ma­ti­ve Revo­lu­ti­on nen­nen könn­te, die letz­te Revo­lu­ti­on, bei der der Mensch direkt auf den Geist-Kör­per sei­ner Mit­men­schen ein­wir­ken kann … wir sind dabei, eine gan­ze Rei­he von Tech­ni­ken zu ent­wi­ckeln, die es der kon­trol­lie­ren­den Olig­ar­chie, die es immer gege­ben hat und ver­mut­lich immer geben wird, ermög­li­chen, die Men­schen dazu zu brin­gen, ihre Knecht­schaft zu lie­ben. Das ist, wie mir scheint, das Non­plus­ul­tra bös­ar­ti­ger Revo­lu­tio­nen, wenn man so will, und das ist ein Pro­blem, das mich seit vie­len Jah­ren inter­es­siert und über das ich vor drei­ßig Jah­ren eine Fabel geschrie­ben habe, Bra­ve New World, eine Dar­stel­lung der Gesell­schaft, die alle ver­füg­ba­ren Mit­tel und eini­ge der Mit­tel, die ich für mög­lich hielt, ein­setzt, um vor allem die Bevöl­ke­rung zu stan­dar­di­sie­ren, unan­ge­neh­me mensch­li­che Unter­schie­de aus­zu­bü­geln, um, sagen wir, mas­sen­haft pro­du­zier­te Model­le von Men­schen zu schaf­fen, die in einer Art wis­sen­schaft­li­chem Kas­ten­sys­tem geord­net sind.“

    „Was aus­sieht wie eine Ente, wat­schelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, ist wohl eine Ente!“

  3. Und noch einen Kom­men­tar zur gene­rel­len Igno­ranz der Leute.

    Habe gera­de auf You­Tube vor­bei­ge­schaut, und bin über die­sen Link gestolpert:

    „Lost Cru­sa­de — Space Mari­ne Cover by A‑YEON“

    Ist wohl ein Schlag­zeug-Cover­stück von einer Koreanerin.
    Das Bild dazu zeigt eine hüb­sche, leicht- aber geschmack­voll geklei­de­te, mäd­chen­haf­te Korea­ne­rin mit einem Schlagzeug.

    Und das Video wur­de 3,7 Mil­lio­nen mal in nur einem Monat angeklickt.

    3,7 Mil­lio­nen! In einem Monat!

    Roger, da kannst Du Dir die Fin­ger wund schrei­ben, die­se Zah­len erreicht Du ein­fach nicht.
    Nie­mals nicht.

    Nicht, weil die Leu­te poli­ti­sche, sozia­le, und gesell­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge nicht ver­ste­hen wol­len, son­dern weil sie dar­an kein Inter­es­se haben (solan­ge die Müll­ton­ne vorm eige­nen Haus nicht in Flam­men steht, ist alles gut).

    Und das Bild­chen der lecke­ren, klei­nen Korea­ne­rin ist nur ein klei­nes Bei­spiel. You­Tube ist voll davon.
    Exzel­len­te Doku­men­ta­tio­nen, Geschich­te, Phi­lo­so­phie, alles vor­han­den. Und nur ver­gleichs­wei­se weni­ge schau­en es sich an. Da lässt sich wohl nichts machen.

    Peter Hit­chens hat übri­gens auch ein paar Wor­te zum The­ma „Sinn poli­ti­scher Auf­klä­rung“ verloren.

    Der rele­van­te Teil beginnt ab 6:17:

    https://www.youtube.com/watch?v=KSgK_DHPBfU

    Wie Peter bereits andeu­te­te: Ver­giss‘ den Pub und die Beach nicht! 🙂

    • Je nun. Was soll denn das für ein Ver­gleich sein? Ist doch völ­lig absurd, das Stück mit poli­ti­schen oder tech­ni­schen Arti­keln gleichzusetzen.
      Das eine ist Unter­hal­tung , das ande­re nicht.
      Das Eine erfor­dert eine Men­ge an Vor­wis­sen, das ande­re nicht.

      Es ist völ­lig nor­mal das Men­schen sich mit den Not­wen­dig­kei­ten nur soweit beschäf­ti­gen wie halt direkt nötig ist. SIe stu­die­ren das Innen­le­ben ihres Spül­kas­tens ja auch nicht im Detail jeden Tag, son­dern schau­en allen­falls mal rein, wenn Not am Mann ist.

      Und DAS dürf­te eigent­lich auch das Grund­pro­blem moder­ner Gesell­schaf­ten sein: Nicht, daß es zuwe­ni­ge Leu­te gibt, die sich mit Poli­tik etc, beschäf­ti­gen, son­dern das es viel zu vie­le „nutz­lo­se“ mit zuviel Zeit gibt, die das tun.

      Und nur mal so: Das Stück dürf­te nicht nur wegen der Korea­ne­rin so beliebt sein .…

      • „Die­je­ni­gen, die sich nicht für die Arbeit ihrer Regie­rung inter­es­sie­ren, sind dazu ver­dammt, von Nar­ren regiert zu werden.“

        — Plato

  4. Ach, übri­gens, den Ralf Steg­ner, den gibt’s immer noch?

    Da hat er nun bereits jahr­zehn­te­lang „taten­los hin­ge­nom­men“, da machen die paar Mona­te an COVID-Pro­tes­ten auch nichts mehr aus.

  5. Ich möch­te nur herz­li­chen Dank sagen, an Roger Letsch und an alle Kom­men­ta­to­ren. Ihr habt alles auch den Punkt gebracht was mich bewegt. Beson­ders der Kom­men­tar von Ben Gold­stein hat es in sich. Noch­mals herz­li­chen Dank dafür. Die Fra­ge bleibt: Wann kön­nen wir die Epo­che des Wahn­sinns der Mas­sen ver­las­sen und wie wird sich das auf das wei­te­re Leben aus­wir­ken? Oder wer­den wir alle ins Cha­os und im Sumpf des Unmensch­li­chen ver­re­cken, weil sich die­ses wie­der mal eine klei­ne, aber bös­ar­ti­ge teuf­li­sche Grup­pe von irren Möch­te­gern-Eli­ten für die Mensch­heit aus­ge­dacht haben.

  6. Vor 5–6 Jah­ren — Roger, Du wirst Dich viel­leicht noch dar­an erin­nern — kom­men­tier­te ich hef­tigst zu den The­men The­ma Mas­sen­ein­wan­de­rung, Mer­kel, Islam, etc, und gab mei­ner Ver­är­ge­rung über die Dumm­hei­ten der Leu­te zügel­los Ausdruck. 

    Eines der Medi­en, in denen ich mich damals spie­le­risch met­zelnd aus­tob­te, war das Forum vom Tages­spie­gel in Ber­lin. Der Tages­spie­gel ist ein ganz spe­zi­el­les Blatt, zum Abwi­schen ganz spe­zi­el­ler geis­ti­ger Unfäl­le, von und für ganz spe­zi­el­le Humanisten:Menschen:Innen.

    Nun flog ich aus die­sem Forum duzen­de Male in hohem Bogen hin­aus, was mich nach eini­ger Zeit aller­dings zu etwas wie einem Gue­ril­la­kämp­fer im feuch­ten Keh­richt, äh… Dschun­gel des urba­nen Mei­nungs­kamp­fes mach­te. Ein oder zwei­mal gab ich mich sogar aus Frau aus. Die extra zuge­stan­de­ne lan­ge Lei­ne des Sexis­mus mach­te ich mir eben­so sexis­ti­scher­wei­se sofort nutz­bar, und zog mit Sprü­chen über die Fel­der, die mich als Mann sofort das Kon­to gekos­tet hät­ten („Ich wür­de nie einen Mus­lim an mir ‚run­ter­ge­hen las­sen. Die haben alle so komi­sche Bär­te, und Bär­te kit­zeln“). Dies alles natür­lich nur im Namen der rei­nen Ver­nunft, und um her­aus­zu­fin­den, um wie­viel wei­ter man als Frau online gehen kann. War ein herr(!)licher Spass (zur Abwechslung).

    Ich lern­te dadurch auch die Stamm­gäs­te die­ses Forums „ken­nen“. „Stamm­gäs­te“ übri­gens, weil die näm­lich NIE raus­flo­gen, auf­grund lini­en­treu­er Links­ge­sin­nung. Daher sind die heu­te noch anwe­send, unter den glei­chen Alia­sen. Die­se „sehr spe­zi­el­len“ Per­so­nen sind heu­te noch genau­so so blöd wie damals, und schei­nen wirk­lich gar kein eige­nes Leben zu haben. Das vir­tu­el­le Equi­va­lent zu Mut­ti und Vater, die, samt unter­be­lich­te­ten Spröss­lin­gen, alle­samt mit den ver­schim­mel­ten, ver­si­ff­ten Kis­sen unter den Armen auf der Fens­ter­bank dumm her­um­hän­gen, jeweils mit dem bil­ligs­ten Fla­schen­bier in den Hän­den, und über die Leu­te draus­sen auf der Stras­se her­zie­hen. Den gan­zen Tag lang. Jeden Tag. Inklu­si­ve der Wochen­en­den und Fei­er­ta­ge. Wie ich bereits sag­te: kein eige­nes Leben, nur eine Kol­lek­ti­on an Erfah­run­gen zwei­ter Hand, und auch davon nur eine digi­ta­le Kopie.

    Wie dem auch sei, als das mit der „kul­tu­rel­len Berei­che­rung Deutsch­lands durch aus­län­di­sche Fach­kräf­te“ damals los­ging, da kann­te die Begeis­te­rung beim Tages­spie­gel kei­ne Gren­zen. End­lich war sie da, die ein­ma­li­ge Gele­gen­heit, die einem das Leben wohl nur ganz sel­ten zuge­steht, um zu bewei­sen — in Echt­zeit und auch draus­sen auf den Bahn­hö­fen — was für ein EDLER SUPERMENSCH man ist. Ja, sowas gibt’s nicht alle Tage! Allen Kri­ti­kern, die zur Vor­sicht rie­ten — also somit auch mir selbst — wur­de vor­ge­hal­ten, „ein eis­kal­ter Mensch zu sein, der kein Herz hat“ — und das war so ziem­lich der ein­zi­ge Punkt, den die­se Holz­köp­fe rich­tig ein­ge­schätzt hat­ten. Jeder Ver­such, mit die­sen Leu­ten eine Dis­kus­si­on über Sinn und Unsinn, Mach­bar­keit und Nicht­mach­bar­keit, Gegen­wart und Zukunft, kul­tu­rel­le Ver­ein­bar­keit und Unver­ein­bar­keit, etc, zu füh­ren, war aus­sichts­los. Der mit­füh­len­de Huma­nis­mus wur­de gna­den­los und mit Gewalt zur Aus­füh­rung gebracht — zum Woh­le „armer Men­schen in Gefahr“.

    Der sprin­gen­de Punkt, den ich nach die­ser lan­gen Ein­füh­rung machen möch­te, der ist folgender.

    Die Argu­men­ta­ti­on die­ser „Huma­nis­ten“ folg­te damals der Linie:

    Das uni­ver­sa­le, indi­vi­du­el­le Men­schen­recht trumpft IMMER die Rech­te der Staats­bür­ger, und ist daher von höhe­rem Gewicht als die Rech­te des natio­na­len Kol­lek­tivs. Die Situa­ti­on des Indi­vi­du­ums, also das Ein­zel­schick­sal, hat Vor­rang vor den abs­trak­ten Inter­es­sen des Staa­tes und sei­ner Ein­woh­ner, die — im Namen der Mensch­lich­keit — gefäl­ligst mit anzu­pa­cken haben, um die Welt in einen bes­se­ren Ort zu verwandeln.

    In ande­ren Wor­ten, der Tages­spie­gel war damals ein Ort gesteckt voll mit anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen, indi­vi­dua­lis­ti­schen, guten Men­schen und Men­schen­ret­te­rin­nen, die an der natio­na­len, über­ge­ord­ne­ten Gesetz­ge­bung ver­zwei­fel­ten. Von der Rea­li­ät ganz zu schweigen.

    Vor eini­gen Tagen schau­te ich, nach Jah­ren der Tota­li­gno­ranz („was geht mich die­ses ver­seuch­te Dreck­loch Ber­lin noch an?“), wie­der ein­mal aus Lan­ge­wei­le beim Tages­spie­gel vor­bei. Im Forum tum­meln sich immer noch die­sel­ben Knall­frö­sche, die immer noch hart­nä­ckig dar­auf bestehen, in allem RECHT zu haben. Ich fand’s jeden­falls so rich­tig amü­sant, mir das wie­der ein­mal fur ein Weil­chen durch­zu­zie­hen. Frü­her hät­te ich mich sicher­lich auf­ge­regt, heu­te find ich’s drol­lig — was ich als ein Zei­chen mei­ner Rei­fung deu­te (=> wie­der ein paar Jah­re näher dran an Eins-Achtzig).

    Das Lus­tigs­te ist aller­dings, dass ALLE die­ser Foren­stamm­gäs­te im Zei­chen der „ver­schärf­ten Erkäl­tung“ ihren zär­teln­den Indi­vi­du­al-Huma­nis­mus kom­plett über Bord gewor­fen haben. Alle. Aus­nahms­los. Jetzt ist statt­des­sen Law-and-Order angesagt:

    Nun ist es plötz­lich das Recht der GRUPPE auf Schutz und Unver­sehrt­heit, dass das ego­is­ti­sche, selbst­be­zo­ge­ne, gemei­ne Indi­vi­du­al­recht trumpft. Gemein­wohl vor Ein­zel­recht. Gemein­sinn über Eigen­sinn. Nie­der mit die­sen ego­is­ti­schen Schwei­nen, denen die Gesund­heit des Volks­kör­pers am Arsch vor­bei geht („darf man Volks­kör­per eigent­lich wie­der sagen heute?“). 

    Jeder Ein­wand, dass es nach wie vor ein ver­brief­tes Recht ist (was auch immer das Wert ist, sie­he mei­nen gest­ri­gen Bei­trag aus NZ), nicht von irgend­wel­chen daher­ge­lau­fe­nen Regie­rungs­la­ckeln mit Nadeln trak­tiert zu wer­den, wird mit DEN GLEICHEN Argu­men­ten geplät­tet, wie sie die­se Leu­te vor eini­gen Jah­ren SELBST benutzt haben. Und die­se Trot­tel mer­ken es noch nicht ein­mal (wür­den sie es aller­dings mer­ken, dann wären sie nicht län­ger Trot­tel — Q.E.D.).

    Von Kämp­fern für das hei­li­ge Recht des Indi­vi­du­ums zu Kämp­fern für die hei­li­ge Volks­ge­sund­heit, des Volks­kör­pers, und der natio­na­len Ein­heit. Ohne es selbst zu bemer­ken. Das muss man erst ein­mal fer­tig bringen. 

    Und was ler­nen wir aus die­sem Bei­spiel? Moral, Ethik, und Wert­vor­stel­lun­gen sind höchst fle­xi­bel, und kön­nen vom Trä­ger der­sel­bi­gen jeder­zeit durch ein ande­res Pro­gramm ersetzt wer­den. Der Zeit­geist ist die höchs­te Regierungsgewalt. 

    So, und um die­sem wei­he­vol­len Anlas­se gemäss die­ser besinn­li­chen Stun­de noch das ange­mes­se­ne Weih­nachts­stern­chen auf­zu­set­zen, fan­ge ich nun auch mit dem Sül­zen an:

    „Schwimm‘ an den Rand des Stro­mes. Such‘ Dir ein net­tes, son­ni­ges Plätz­chen, und schau Dir den gan­zen Quatsch mit den Füs­sen im Was­ser bau­melnd an. Dann lass Dir Bei­ne wach­sen, geh an Land, und genies­se das viel zu kur­ze Leben. Komm ab und zu am Fluss vor­bei, hol Dir etwas Was­ser, und schau Dir das blöd­sin­ni­ge Trei­ben an. Der­weil, freue Dich des Lebens…“

    Und lese etwas bei den alten Stoikern:

    http://classics.mit.edu/Epictetus/epicench.html

    • Wer eine Erklae­rung dafu­er sucht, war­um sowohl der genann­te Indi­vi­du­al-Huma­nis­mus als auch die neu­en grup­pen­be­zo­ge­nen Abar­tig­kei­ten kei­ner­lei Wider­spruch zuein­an­der dar­stel­len, der sehe sich ein­mal fol­gen­des Video zu Bedin­gun­gen einer Mas­sen­psy­cho­se an:

      https://www.peakprosperity.com/mattias-desmet-on-mass-formation/

      Kur­ze Ant­wort (trotz­dem auch kom­plett sehens­wert): Bei­de erfu­el­len den Wunsch nach Sinn­haf­tig­keit einer eige­nen ver­arm­ten Existenz.

      • Das mit der „ver­arm­ten Exis­tenz“ ist der eigent­lich „lächer­li­che“ Teil heutzutage.

        Es ging der Mensch­heit noch nie, in unse­rer gesam­ten Geschich­te, so gut wie heute! 

        Dank all der Tech­no­lo­gie, die wir erschaf­fen haben („wir“ ist aller­dings etwas gross­mäu­lig for­mu­liert, da es immer nur eini­ge weni­ge bril­lan­te Indi­vi­du­en waren, die wirk­lich Neu­es erschu­fen), haben wir einen Gip­fel an Annehm­lich­keit, Sicher­heit, Reich­hal­tig­keit, Lang­le­big­keit, und Viel­falt an Life­style-Optio­nen erklom­men, wie ihn sich älte­re Genera­tio­nen noch nicht ein­mal hät­ten VORSTELLEN können.

        Und was fan­gen wir mit all der Frei­zeit und frei­en Ener­gie, die wir uns frei­ge­schau­felt haben, nun täg­lich an? Wir sit­zen vor einem Leucht­feld und tip­pen auf einem Buch­sta­ben­brett her­um — kein Wun­der, dass es uns fad ist! (Späss­le g’machd)

        Aber ernst­haft, die Ver­ar­mung ist natür­lich geis­ti­ger Natur, und damit mei­ne ich nicht den intel­lek­tu­el­len Teil des Gehirns, son­dern den, der für Aben­teu­er, Her­aus­for­de­run­gen, Dra­che­ner­obe­run­gen, und das Jung­frau­en­er­schla­gen zustän­dig ist. Genau DA HINEIN muss endllich wie­der Schwung kom­men! Mit ande­ren Wor­ten, ich glau­be, dass wir im Wes­ten ein­fach, tief drin­nen, so gelang­weilt sind — und auf der ande­ren Sei­te so welt-abge­kop­pelt — dass für mitt­ler­wei­le für jeden Blöd­sinn zugäng­lich sind, der uns irgend­ei­ne Auf­re­gung verspricht:

        Die Kli­ma­ret­tung, die Angst vor den Ato­men und der Gen­tech­nik (welch ein Ner­ven­kit­zel), die Erret­tung exo­ti­scher & tes­to­ste­ron­durch­tränk­ter „süd­län­di­scher Flücht­lin­ge“ durch blond­be­zopf­te deut­sche Mai­den (wel­che eine Auf­re­gung), und die ers­te weib­li­che Kan­ze­rin (was sag ich? Orgas­mus­ga­ran­tie!). Gan­ze egal, wie hoch der Schwach­sinn­s­pe­gel — wenn’s nur rich­tig rein­knallt ins Auf­re­gungs­ge­trie­be, dann ist auch das mit dem Covid-Poli­zei­staat sehr will­kom­men; ver­stärkt das doch das „Wir“- und somit das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl. Und die sinis­te­ren Böse­wich­ter, die zäh­ne­flet­schen­den Anti­va­xi­na­tors — die heu­te die­sel­be Rol­le spie­len wie die Wil­de­rer in den Hei­mat­fil­men anno dazu­mal — wer­den auch gleich noch mit­ge­lie­fert. Wie prak­tisch! Da wird das Höss­chen vor Auf­re­gung feucht, und hin­ter­her lässt’s sich dann so schön gru­se­lig vor dem Zubett­ge­hen noch abläs­tern, und sich gegen­sei­tig bestä­ti­gen, dass man ja zu den GUTEN & WAHREN & SCHÖNEN gehört. 

        All das scheint aller­dings für unser Gehirn nicht wirk­lich genug zu sein. Es fehlt die „Ech­tig­keit“, das rea­le Erleben. 

        Dem Gegen­über steht aller­dings unse­re neu­mo­di­sche Risi­ko-Aver­si­on. Alles erle­ben wol­len, JA, aber dafür etwas ris­kie­ren, NEIN! Das fun­kio­niert nur lei­der nicht.

        Am Ende lie­gen wir doch eh‘ alle in der Kis­te, und vor dem Löf­fel­ab­ge­ben hat noch nie­mals einer gesagt: Ach, wie viel lie­ber hätt‘ ich doch noch mehr Zeit im Büro verbracht!“

        Also raus aus dem Haus, und rauf auf die Mutti!
        (Und jetzt muss ich an Mer­kel den­ken, und aus ist’s…)

  7. Eine der „schöns­ten Über­ra­schun­gen“ die­ses Jah­res war fur mich die Ele­ganz, mit der ille­ga­le Anord­nun­gen der neu­see­län­di­schen Links­re­gie­rung in neu­es Recht umge­ru­belt wurden.

    Ein Klä­ger hat­te sich gegen das Ver­hän­gen der höchs­ten Stu­fe („Level 4“) von Aus­gangs­be­schrän­kun­gen mit dem Hin­weis gewehrt, dass die ver­häng­ten Mass­nah­men eine dras­ti­sche Über­schrei­tung der Aut­ho­ri­tät der Regie­rung dar­stel­len, die mit der Geset­zes­la­ge und den dar­in ent­hal­ten per­sön­li­chen Frei­heits­rech­ten unver­ein­bar seien.
    Das Gan­ze ging schliess­lich durch bis zum höchs­ten Gericht, dass dies Bejah­te und bestä­tig­te, dass die ers­ten 7 Tage des Lock­downs ille­gal waren. Aller­dings wies das Gericht die Regie­rung auch dar­auf hin, dass die gebro­che­nen Geset­ze durch das Par­la­ment jeder­zeit geän­dert wer­den kön­nen, falls sich eine Mehr­heit dafür fin­det. Es fand sich. Umge­hend. Und daher sind nun die ent­spre­chen­den „tem­po­rä­ren“ „Ausnahme“-Massnahmen der Regie­rung legal. So ein­fach kann das gehen.

    Es gilt also nicht mehr

    „Legal — Ille­gal — Scheissegal“

    son­dern

    „Ille­gal — Legal — Ganz Banal“

    Und auch hier in Neu­see­land machen die Leu­te auch jeden noch so absur­den Quatsch der Regie­rung mit. Die weit­aus gröss­te Mehr­heit der Bevöl­ke­rung zieht übri­gens auch hier die pas­si­ve Folg­sam­keit dem Sel­ber­den­ken vor. 

    Mei­ner Mei­nung nach ent­hüllt daher das gegen­wär­ti­ge Ver­hal­ten der Bevöl­ke­run­gen nicht etwa eine spe­zi­fisch lau­si­ge Cha­ra­ker­ei­gen­schaft der Deut­schen, son­dern ganz gene­rell gesagt das Stan­dard­ver­hal­ten von Her­den­tie­ren, die wir nun ein­mal sind.

    Wie die gan­zen sozia­lis­ti­schen Träu­mer durch ihre fleis­si­ge Arbeit in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­fach unter Beweis gestellt haben, lässt sich die mensch­li­che Natur auch nicht durch Druck von aus­sen „umpro­gram­mie­ren“; wir keh­ren immer wie­der zu unse­ren Instink­ten zurück. Genau dies muss ich den Leu­ten um mich her­um immer wie­der klar­ma­chen, die da näm­lich glau­ben, qua­si durch eine „umge­pol­te Pro­pa­gan­da“ (Auf­klä­rung 2.0) den Leu­ten die Augen zu öff­nen, und die Ver­hält­nis­se ändern zu können.

    Pus­te­ku­chen — mensch­li­che Natur. Wir sind Her­den­tie­re — määäh!

    PS: Wenn es mir wie­der ein­mal zu däm­lich wird, mit mei­nen Mit­men­schen, dann den­ke ich mir jedesmal:

    „Don’t be a pus­sy! Vor gera­de ein­mal 100 Jah­ren hät­ten sie dir bei­gebracht, wie man ande­re Leu­te umlegt. Dann hät­ten sie dich an irgend­ei­nen Drecks­fle­cken auf der Welt ver­frach­tet, und du hät­test in allem Ernst ande­re Sol­da­ten erschos­sen — falls die DICH nicht vor­her umge­bracht hätten.

    Jazz­in­dah Whats­her­na­me? Covid-19? CHICKEN SHIT!“

    • Wir dür­fen bei all dem aber auch nicht ver­ges­sen, dass es durch­aus immer wie­der bes­se­re und schlech­te­re Zei­ten gab und gibt und dass Men­schen immer wie­der den Unter­schied zwi­schen den einen und den ande­ren Zei­ten gemacht haben. Die Dumm­heit der Mas­sen muss man der Demo­kra­tie wegen akzep­tie­ren und beherrschen. 

      Ame­ri­ka­ner mei­den das Wort „Demo­kra­tie“ sogar, weil die Grün­dungs­vä­ter sich dem Pro­blem bewusst waren. Eigent­lich will man nicht, dass jeder etwas macht. Die Dum­men sol­len sich hin­set­zen. Nicht­wäh­len ist mit­nich­ten etwas, wofür man die Leu­te beschä­men soll­te. Im Gegen­teil: Wer Sitz/Amt und Kan­di­dat nicht kennt, soll sich raus­hal­ten. Die Ein­sicht in die Dumm­heit der Mas­sen ist unver­zicht­bar für die Zivi­li­siert­heit. Auto­kra­ten hat­ten schon immer den größ­ten Zuspruch der Mas­sen. Man muss die Eli­ten zur Rai­son zwin­gen, dann fol­gen die Mas­sen halb­wegs zur Ver­nunft. Es gibt zu vie­le dum­me Eli­ten, die man nicht abwäh­len kann und deren Geschäf­te man nicht aus dem Weg gehen kann.

  8. Ich hof­fe mein Kom­men­tar wird nicht zu lan­ge, aber wir alle haben die­ses Bedürf­nis nach Kathar­sis und fin­den im All­tag weni­ge Men­schen, die einen verstehen.

    Was wir, glaub ich, gera­de alle mit erschre­cken fest­stel­len, ist, dass Lin­ke weni­ger als ande­re Bevöl­ke­rungs­grup­pen aus dem Drit­ten Reich Kon­se­quen­zen gezo­gen haben. Das liegt dar­an, dass man der Sowjet­uni­on die Treue hielt. Wer sich nicht von Greu­eln all­ge­mein distan­zie­ren will, son­dern nur von man­chen, braucht letzt­lich will­kür­li­che Begrün­dun­gen. Das Fun­da­ment ist im obi­gen Text genannt, weil wir es alle schon oft gehört haben: Die einen Opfer haben ein unab­än­der­ba­res Merk­mal und die ande­ren kön­nen ja theo­re­tisch dem Leid ent­kom­men. Auf der Grund­la­ge die­ses Pos­tu­lats wird auch der Satz „Homo­se­xua­li­tät ist ange­bo­ren“ nicht bloß als (meist) rich­ti­ge Aus­sa­ge ver­brei­tet, son­dern als Dik­tum. Wären sie nicht unver­än­der­lich schwul, dürf­te man ihnen ja scha­den. Man kann sich nicht dazu durch­rin­gen, Men­schen, die ande­ren kein Leid zufü­gen, grund­sätz­lich in Ruhe zu las­sen. Zu der (schon frü­hen) Lie­be der west­li­chen Lin­ke und deren (auch frü­hes) Wis­sen um die sowje­ti­schen Greu­el erschien 2017 ein aus­führ­li­ches Buch von Giles Udy mit dem Titel „Labour and the Gulag“.

    Jetzt kom­men sie aus ihren Löschern mit ihren Vor­schlä­gen, ihre Mit­men­schen weg­sper­ren zu wol­len. Und an der Stel­le muss ich zuge­ben, dass ich mich auch so lang­sam aber sicher “radi­ka­li­sie­re”. Bevor Dani­el Cohn-Ben­dit mich weg­sperrt, will ich ihn weg­sper­ren. Bevor Karl Lau­ter­bach mir irgend­wel­che Sub­stan­zen gegen mei­nen Wil­len spritzt, will ich ihm irgend­was mal rein­sprit­zen. Seit 2015 ist näm­lich klar, dass unse­re Eli­ten ent­we­der gar nicht mehr mit­krie­gen, was sie ande­ren antun, oder aber sadis­tisch genug sind, Zivi­li­siert­heit für eine Ein­bahn­stra­ße zu halten. 

    Seit Jah­ren haben wir den Zustand, dass die Lei­ses­ten zu den „lau­ten Stim­men“ erklärt wer­den, die „tösen“ und „Hass“ ver­brei­ten, in Wahr­heit aber ein­fach nur die abso­lu­tis­tisch Macht­gei­len stö­ren. Donald Trump wur­de so streng erzo­gen, dass er fast schon unfä­hig zu ech­ten Belei­di­gun­gen ist. Die schlim­me „Rhe­to­rik“ bestand in kin­di­schen Per­so­nen­be­zeich­nun­gen wie „Poca­hon­tas“ (für die Bewer­bungs­schumm­le­rin und Pseu­do­in­dia­ne­rin Eliza­beth War­ren), „Litt­le Rubio“ (für den rund­ge­sich­ti­gen, nor­mal-gro­ßen Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten aus Flo­ri­da) oder „Low-ener­gy Jeb“ (für Geor­ge W. Bushs lang­wei­li­gen Bru­der). Die ande­re Sei­te, die Lin­ke, bemerkt hin­ge­gen (angeb­lich) über­haupt nichts Aggres­si­ves am Ton­fall, wenn das Nazi-Clown-Fascho-Ar***loch-Orange-Affe-Gekreische los­geht. Und ich wei­ge­re mich, so zu tun, als gäbe es eine Balance.

    Je harm­lo­ser die Covid-Seu­che wird, umso gestör­ter wer­den die Lin­ken. Ich weiß gera­de ein­mal von einem Toten mit Omic­ron in Groß­bri­tan­ni­en. Einer. Uno. Zusätz­lich kommt mit Paxlo­vid wie­der ein neu­es Medi­ka­ment auf den Markt. Auf Ach­gut haben 380 Ärz­te in einem offe­nen Brief bekun­det, dass sie genau­so­we­nig wie ich aus den Stu­di­en ablei­ten kön­nen, dass Unge­impf­te signi­fi­kant infek­tiö­ser sein sol­len als Geimpf­te. Selbst wenn es einen Unter­schied macht, ist er gering. Die Infek­ti­ons­kur­ve fällt gera­de wie­der und wird für (das noch töd­li­che) Del­ta wei­ter fal­len. Wir sind so gut wie durch. Viren in Men­schen wer­den bis auf ganz weni­ge Aus­nah­men mit der Zeit immer harm­lo­ser. Covid hat in frü­he­ren Muta­tio­nen den Trend vor­ge­zeich­net und eine Umkehr ist in etwas so wahr­schein­lich wie eine töd­li­che Muta­ti­on eines ande­ren Schnup­fen­vi­rus. Aber in den Talk­shows fin­det das alles nicht statt.

    Die meis­ten Men­schen, auch das muss­ten wir lei­der in den letz­ten Jah­ren schmerz­lich erle­ben, sind genu­in dumm. Ja, ich weiß, dass alle das von allen ande­ren behaup­ten, aber es gibt sehr vie­le Ver­le­gen­heits­dumm­dia­gnos­ti­zie­rer, die ihre eige­nen Unzu­läng­lich­kei­ten nach dem Mot­to „Angriff ist die bes­te Ver­tei­di­gung“ zu über­spie­len suchen. Man kann gedul­dig auf die Leu­te ein­re­den, ihnen gele­gent­lich Ein­ge­ständ­nis­se abrin­gen und ein paar Mona­te spä­ter besteht die AfD wie­der nur aus Nazis und Unge­impf­te sind infek­tiö­ser als Bill Clin­ton mit Syphi­lis. Und zwar ohne Erklä­rung, wor­auf sie ihre Aus­sa­gen stüt­zen. Nein, es wird nur behaup­tet und wie­der­holt. In Ame­ri­ka wur­de das Phä­no­men mit „Non-Play­a­ble Cha­rac­ter“ NPC bezeich­net. Im eige­nen Leben treibt es mich in den Wahn­sinn. Ich hät­te ger­ne dar­auf ver­zich­tet, mei­ne Mit­men­schen als NPCs wahrzunehmen. 

    Von den Älte­ren höre ich nur „So gut wie jetzt ging es uns noch nie.“ Wer nur noch 15 bis 20 Jah­re vom Leben hat, kann auch vom Licht erlo­sche­ner Ster­ne leben. Für die­se Ziel­grup­pe wur­de der Slo­gan „das bes­te Deutsch­land, das wir je hat­ten“ geschaf­fen. Ein Genie­streich. Da spielt es offen­bar kaum eine Rol­le, dass vor den eige­nen Augen die Wirt­schaft zer­schla­gen, die Ener­gie unbe­zahl­bar gemacht, die Lebens­grund­la­gen zer­stört, die Frei­heit ver­wirkt und das Land an Mos­lems ver­teilt wird. Sel­bi­ge Leu­te tun aber wei­ter so, als könn­te man blind noch nach dem Wer­te­ka­non von vor 2015 leben. „Du hat­test ja nie Zeit wegen Kar­rie­re, Kar­rie­re, Kar­rie­re. Und bist du jetzt mal mit irgend­was erfolg­reich?“ Nö. Ich bin ein Voll­ver­sa­ger, ein Trot­tel. Nur noch 61% der Mil­le­ni­al-Genera­ti­on gelangt zu einem Mit­tel­klas­se-Ein­kom­men und Lebens­stil (https://www.oecd.org/employment/German-Middle-Class-2021-Highlights.pdf). Und auch unter denen gibt es einen beträcht­li­chen Anteil von Erfolg­lo­sen, die in sub­ven­tio­nier­ten Zom­bi­un­ter­neh­men, unsin­ni­gen staat­li­chen Stel­len, dem GEZ-Funk oder den NGOs rumlungern.

    Kann mir jemand mal ein r3-Anschluss oder einen K94-B-Kabel rei­chen? Ich will mich wie­der an die Matrix anka­beln. Ich will die blaue Pil­le schlu­cken. Ich woll­te nicht wis­sen, dass Men­schen so sind. Ich bin ein­sam und es ist unre­pa­rier­bar. Nie­mand ver­steht mich. Die Klu­gen sind im inne­ren Exil. Ich weiß nicht, wem ich noch ver­trau­en kann. Ich weiß nicht, wie ich mich noch mensch­lich öff­nen kann, ob jemals noch so etwas wie ein roman­ti­sches Leben mög­lich sein wird, ob jemals noch ver­läss­li­che Freund­schaf­ten geknüpft wer­den kön­nen. Ich lebe jetzt in der Social-Distancing-Dystopie. 

    Soll­te ich Omic­ron und sei­ne Nach­fol­ger als deut­lich harm­lo­ser ein­schät­zen als die gan­zen Boos­ter-Imp­fun­gen, wer­de ich gefäng­nis­reif. Und wenn ich mir die Sprach­po­li­zei so anschaue, ist es eh eine Fra­ge der Zeit, bis ich in den Bau wan­de­re. Ich hab kein Akif-Pirincci-Geld und der hat es selbst auch nicht mehr. Neben­bei bemerkt, hab ich viel Respekt vor sei­ner Cou­ra­ge. Wer nicht wegen Volks­ver­het­zung ver­ur­teilt wur­de, ist kein rich­ti­ger Mann. 

    Die Kolum­nis­tin, Repor­te­rin und Autorin Kat­ie Hop­kins wur­de mal als Radio­mo­de­ra­to­rin gefeu­ert, weil sie „final solu­ti­on“ get­wit­tert hat. Wäh­rend wir im Deut­schen ohne mit der Wim­per zu zucken die letz­te Zahl unter jeder län­ge­ren Rech­nung als „End­lö­sung“ bezeich­nen, kann man für die Wort­grup­pe „final solu­ti­on“ kon­text­un­ab­hän­gig gefeu­ert wer­den. „Woke“ ist eine Will­kür­herr­schaft und jeder kann unter jedem Vor­wand kalt­ge­stellt werden. 

    Und was ist mit uns, die sich mal kri­tisch geäu­ßert haben, mit Klar­na­men und/oder mit Gesicht­zei­gen? Was pas­siert mit den gan­zen Hut­bür­gern der Repu­blik? Frü­her oder spä­ter ist die Exis­tenz ver­nich­tet. Kein Mensch arbei­tet vom 16. Lebens­jahr bis zum Ren­ten­ein­tritt im glei­chen Betrieb. Irgend­wann sit­zen wir (wenn über­haupt noch) bei einem Vor­stel­lungs­ge­spräch und wer­den wegen die­ser oder jener regie­rungs­kri­ti­schen Aus­sa­ge gegrillt. Und dann? Jeder hofft, dass alles vor­über ist, bis er einen neu­en Arbeits­platz braucht, bis er auf ande­re ange­wie­sen sein wird. Aber ist es bald vor­bei? Ich sehe über­haupt kei­ne Anzei­chen, dass die Dum­men sich end­lich mal wie­der auf ihren Hin­tern hocken und ihre Mit­men­schen in Ruhe las­sen. Ich sehe kei­ne Anzei­chen, dass ein Bewusst­sein geschaf­fen wird, dass Men­schen unrecht getan wur­de, und sie reha­bi­li­tiert wer­den müs­sen. Ich sehe kei­ne Dees­ka­la­ti­on. Ich sehe Eska­la­ti­on. Ich sehe Armut auf uns zukom­men. Ich sehe Gewalt auf uns zukom­men. Ich weiß nicht, wer von den Unter-40-Jäh­ri­gen an eine Ren­te glaubt, wenn die Auto­in­dus­trie zugus­ten des Elek­tro­au­tos abge­wrackt wird, Kraft­wer­ke abge­schal­tet wer­den und die Regie­rung alles zur Demo­ti­vie­rung der angeb­li­chen „Nazis“ macht. Wer­den die EKD-Schwät­zer und Talk­show-Labe­rer die Wert­schöp­fung wup­pen? Wer­den wir Bäu­me pflan­zen und Stei­ne hau­en für die Rente?

    Zur Nai­vi­tät von Ste­fan Zweig fällt mir der rela­tiv unbe­kann­te Roman „unse­re Töch­ter die Nazi­nen“ von Her­my­nia Zur Müh­len ein. Das Buch erschien 1934 und es steht schon alles drin, was man hin­ter­her angeb­lich nicht gewusst hat­te. Nur eine irri­tie­ren­de Aus­sa­ge durch­zieht den Roman von vor­ne bis hin­ten. Die Zei­ten wür­den zwar wie­der fins­ter, aber man wer­de das Unheil schon abwen­den kön­nen, denn immer­hin sei der Krieg vor­bei. Ja, 1934 war der Krieg end­lich vor­bei. Wir hat­ten aus ihrer Geschich­te gelernt.

    • Ich weiss nicht wo Sie woh­nen oder wel­ches sonst Ihre Rand­be­din­gun­gen sind. Ich kann nur sagen, ich gehe jede Woche raus. In fol­gen­dem Sinn:

      https://reitschuster.de/post/zehntausende-gegen-corona-massnahmen-auf-der-strasse/

      Ein­fach ein­mal durch­scrol­len. Ich schrei­be oder ver­spre­che hier kei­ne Loe­sun­gen, ich habe auch mei­ne Paeck­chen inner- und aus­s­er­fa­mi­lia­er durch die­sen Sch… jeden Tag zu tragen.
      Es ist aber hilf­reich, ande­re Leu­te der ver­schie­dens­ten Hin­ter­gru­en­de — auch Jun­ge zu mei­ner posi­ti­ven Ueber­ra­schung! — zu tref­fen und sich aus­zu­tau­schen. Und jede Woche wer­den es bis jetzt deut­lich mess­bar mehr. Die Poli­zei kommt bei mitt­ler­wei­le z.B. ueber 100 Orten allein in Sach­sen logis­tisch an Gren­zen. Schrei­ben Sie sich die Fin­ger wei­ter wund, aber belas­sen Sie es nicht dabei.

      • Dan­ke, dass Sie auf die Stra­ße gehen. Je lau­ter wir Lei­sen unse­ren Hass tösen, umso bes­ser. Ich hat­te zu den Sams­tag­pro­tes­ten ein You­tube-Video gemacht. https://www.youtube.com/watch?v=DkUTIxKcVfM
        Dort ver­such ich immer auf Eng­lisch nach außen zu kom­mu­ni­zie­ren. Erfolg­los natürlich. 

        Übri­gens hat die „Anti-Gre­ta“ Nao­mi Seibt ihren (i.d.R. eng­lisch spra­chi­gen) You­tube-Kanal ein­ge­büßt. Ihre eben­falls umtrie­bi­ge Mut­ter, die Anwäl­tin Karo­li­ne Seibt, hat sich bis­her jeden­falls juris­tisch nicht dage­gen weh­ren kön­nen. Die FDP-Plus-Koali­ti­on hat schon ange­kün­digt, stär­ker gegen unse­ren So-da-Hass im Inter­net und auf der Stra­ße vorzugehen.

  9. Ja, wir sind zu Treib­holz gewor­den im Oze­an der Zeit und Bedräng­nis­se, wah­re, fast phi­lo­so­phi­sche Wor­te, lie­ber Herr Letsch! Auch wenn ich den deut­schen­feind­li­chen Ton des Buches von Brow­ning nicht gou­tie­ren kann, füh­le ich mich doch gegän­gelt und ins Abseits gedrängt und an die fins­ters­ten Zei­ten in Euro­pa erin­nert, als Tsche­ka und Sta­si ihre Ver­bre­chen began­gen. Einen „Impf­aus­weis“ zei­gen, um einen Glüh­wein zu trin­ken? Das hät­te es frü­her nicht gegeben!

  10. Laut dem mitt­ler­wei­le „ehe­ma­li­gen“ Minis­ter für Gesund­heit bin ich spä­tes­ten Anfang April sowie­so tot (unge­impft & unge­ne­sen). Jedes sol­cher offen­sicht­li­chen Bla-Blas der Regie­rungs­gran­den ist sakro­sankt und wird von ÖRR und Pres­se nicht wei­ter the­ma­ti­siert. Es ist schlicht kei­ne Situa­ti­on dar­über hin­aus noch erdenk­bar, die für die Mas­se mei­ner Mit­men­schen, Anlass zum Wider­spruch böte. Das Chi­na-Virus führt uns vor.

    • Lie­ber Roger, zu der Fra­ge „Doch war­um sagen dann jene, die ges­tern noch „Der Staat ist nicht dein Freund“ rie­fen, heu­te „Mach‘, was der Staat dir sagt“? ant­wor­te ich: Weil der Staat mitt­ler­wei­le dort ist, wo die ihn haben woll­ten. Ist doch klar.. Gruß, Michael

  11. Ich(61) kom­me „nach Hau­se“ in eine Hei­mat von der ich über­zeugt war , sie 1989 für immer ver­las­sen haben, zurück in eine Dik­ta­tur. Wie gut ich das ken­ne: die Anpas­se­rei, die Auf­ge­klär­ten, Fort­schritt­li­chen, das Denun­zi­an­ten­tum, die, die ein­fach dazu­ge­hö­ren wol­len, „wir sagen wollen“(Hannah Arendt), die Fei­gen und die Desinteressierten.
    Ich lei­de, psy­chisch, kör­per­lich, ich bin ver­zwei­felt, ich weh­re mich, bin sicht­bar und hör­bar- noch.
    Ich ver­su­che in mei­ner Mit­te und Wür­de zu blei­ben. Mei­ne Refle­xe ken­ne ich noch aus der DDR, nun ent­wi­ckel­ter nach einem gan­zen Leben…voller Irr­tü­mer und Freuden.
    „Aus­har­ren im nicht dazu­ge­hö­ren wol­len“ Fried­rich Nietz­sche ist einer mei­ner Anker geworden.
    Mei­ne erwach­se­nen Kin­der in die­ser Zeit zu wis­sen, bricht mir fast mein Herz. Mein unge­bo­re­nes Enkel­kind, in wel­che Welt wird es geboren?
    Welch eine Zer­stö­rung ‑und die Vögel besu­chen das Fut­ter­häus­chen vor mei­nem Fens­ter, die Natur ist so schön wie immer, wie damals auch.

    • Es war der Wunsch nach Frei­heit, für die wir 1989 auf die Stra­ßen gegan­gen sind, eine zeit­lang gelang es auch das zu leben. Ich im sel­ben Alter (60) wuchs zum Glück dik­ta­tur­kri­tisch auf, mei­nen Kin­dern habe ich das auch ver­mit­teln kön­nen, daher neh­men sie aus Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl bis jetzt Abstand von Fami­li­en­grün­dung und Enkel­se­gen. Das ist zwar für Eltern trau­rig, wirft aber ein Bild auf den Zustand die­ses Lan­des. Als gelern­ter DDR-Bür­ger hat man täg­lich ein Déjà-vu. Wich­tig ist, dass man mor­gens noch selbst in den Spie­gel schau­en kann.
      (Bet­ti­na Wegner/ 1978: „Sind so klei­ne Hände“)
      Gra­de, kla­re Menschen
      wärn ein schö­nes Ziel.
      Leu­te ohne Rückrat
      hab’n wir schon zuviel.

  12. Mir aus der See­le gespro­chen. Ich spü­re den­sel­ben Lei­dens­druck, den Schmerz und die Ver­zweif­lung. Auch dar­über daß die, die sich zu Werk­zeu­gen machen las­sen das hier gar nicht erst lesen wer­den. Ver­nunft und Argu­men­te sind macht­los gegen die­se staat­li­che und media­le Propagandafeuerwerk

  13. Es ist lei­der so, daß all die­se Abur­tei­ler und Bes­ser­men­schen anschei­nend schon so ver­blö­det sind, daß sie die
    ein­fachs­ten Mecha­nis­men nicht kennen.
    Trei­be einen Hund in die Ecke und prü­ge­le so lan­ge auf Ihn ein, bis er ein Ein­se­hen hat.….…

  14. Ein her­vor­ra­gen­der, ein bril­lan­ter Text! Man merkt ihm den aku­ten Lei­dens­druck an, und das macht ihn wie das meis­te, was der­zeit von Rechts­staat­be­wah­rern publi­ziert wird, so unend­lich viel stär­ker als die panik­ge­trie­be­nen und zugleich brä­si­gen Recht­fer­ti­gun­gen der Demon­tie­rer. Viel­leicht aber sind wir ein­fach noch zu nach­denk­lich im Ton, zu erge­ben defen­siv, zu selbst­zweif­le­risch und rela­ti­vie­rend. Viel­leicht müs­sen wir ungleich zor­ni­ger und lau­ter und agie­ren­der statt reagie­ren­der wer­den, um die­se Flut noch ein­däm­men zu kön­nen. Wie ich ver­mu­te, wer­den die nächs­ten Eska­la­ti­ons­stu­fen der Repres­si­on – ver­stärkt durch die zuneh­mend para­ly­sie­ren­den Erschei­nun­gen der Wirt­schafts­kri­se – zwangs­läu­fig zu einer letz­ten Klä­rung der Fra­ge füh­ren, wohin die Rei­se geht. Mag sein, dass den Mäch­ti­gen in Staat und Medi­en heu­te schon ein­ge­flüs­tert wird, man kön­ne jetzt nicht mehr vor der eige­nen Radi­ka­li­tät zurück­wei­chen: „Sonst kom­men sie und holen euch!“ Auch das ist eine Dyna­mik, die im Vor­feld von Dik­ta­tu­ren gern in Gang kommt: nicht mehr brem­sen kön­nen, son­dern noch beschleu­ni­gen müs­sen. Selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­un­gen allerorten.

  15. Alles voll­kom­men rich­tig! Und war­um mar­schie­ren wir gera­de­aus in die nächs­te Kata­stro­phe? Weil zu vie­le Men­schen nie­mals mit den Opfern des 20. umd 21. Jahr­hun­derts mit­ge­fühlt haben. Inzwi­schen noch nicht ein­mal mehr aus­wen­dig gelernt, dass es sie über­haupt gege­ben hat!

    • Genau das glau­be ich aller­dings gra­de nicht. Im Gegen­teil. Wir lau­fen in allen Rich­tun­gen, wirk­lich in Bezug auf alles gra­de­wegs in die Kata­stro­phe, weil wie sach­li­che Abwä­gun­gen, auch Risi­ko­ab­wä­gun­gen durch „Füh­le­rei“ ersetzt haben.

      Wir sehen pla­ka­ti­ve „Geor­ge Floyd“ Bil­der und igno­rie­ren, das Afro­ame­ri­ka­ner jedes Jahr so um den Fak­tor 6–7 mal mehr Afro­ame­ri­ka­ner umbrin­gen, als Wei­ße ande­re Wei­ße (oder Afro­ame­ri­ka­ner) und jedes zurück­zie­hen der Poli­zei direkt zu mehr afro­ame­ri­ka­ni­schen Opfern führt.
      Wir sehen ein pla­ka­ti­ves Bild eines ertrun­ke­nen Kin­des, das von sei­nem Vater auf eine lebens­ge­fähr­li­che Rei­se geschleppt wur­de, damit er sich auf ande­rer Men­schen Kos­ten die Zäh­ne repa­rie­ren las­sen kann — und sch**** auf Recht und Gesetz, ver­ur­sa­chen Dut­zen­de Mil­lar­den Scha­den, weil wir nil­lio­nen­wei­se arbeits- und erwerbs­un­fä­hi­ge Men­schen (die auch noch mas­siv kri­mi­nel­ler sind) ins Land las­sen, die von dem, was ande­re erar­bei­tet haben, üppig ver­sorgt werden.

      Wir rui­nie­ren uns, weil wir pani­sche Angst bekom­men, weil ein ver­hal­tens­ge­stör­tes, mond­ge­sich­ti­ges Kind „How dare you“ quäkt.

      Und wir sehen Bil­der aus Ber­ga­mo und krie­gen gräus­li­che Schil­de­run­gen dar­ge­bo­ten und vor lau­ter Angst und Mit­ge­fühl geben wir alle Frei­hei­ten auf, die wir mal hatten.

      Nein, mehr „Gefühl“ ist das abso­lut letz­te was wir brau­chen, das ist die Ursa­che des gan­zen Wahn­sinns der letz­ten 20 Jahre.

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