Gold oder Bitcoin?Man kann nichts über Kryp­towährun­gen schreiben, ohne sofort max­i­mal zu polar­isieren. Denn es gibt im Grunde nur zwei Betra­ch­tungsweisen. Entwed­er hat und liebt man Bit­coin oder man hat keine und ver­achtet diese Kryp­towährung. Auf jeden Fall hält man die jew­eilig andere Seite für Spin­ner und Idioten. Da ich wed­er zu den Inve­storen noch zu den Spöt­tern gehöre, kön­nen wir uns wohl darauf ver­ständi­gen, dass ich zu ein­er drit­ten Gruppe, den Ahnungslosen, den Naiv­en gehöre. Ich bin natür­lich nicht blind für das, was mit dem Kurs des Bit­coin ger­ade abge­ht. Für das Währungsäquiv­a­lent eines Bit­coins bekam man am 22. Feb­ru­ar 2021 fast ein Kilo­gramm Fein­gold. Doch schon die Art der Berech­nung macht stutzig, muss man sich doch zur Ver­an­schaulichung von Reich­tum oder ent­gan­genen Chan­cen immer noch des Dol­lars bedi­enen, bekan­ntlich wie Euro, Yen, Pfund und Ren­min­bi eine Fiat-Währung, wie sie im Buche über staatliche Mono­pole stehen.

Vor einiger Zeit wollte ich sog­ar ern­sthaft unter die Inve­storen gehen und Bit­coin kaufen. Also zumin­d­est klitzek­leine Teile davon. Die Anmel­dung auf ein­er großen Han­del­splat­tform war schnell erledigt und erst als ich für das schnelle Bit­coin-Vergnü­gen ein Kon­to bei ein­er windi­gen franzö­sis­chen Bank eröff­nen sollte, stoppte ich den Prozess. Das und die Löschung meines Accounts hielt die Trad­er der Plat­tform aber nicht davon ab, mich monate­lang auf pen­e­trante Rosen­verkäufer­art tele­fonisch zu belästi­gen. Mein­er Black­list* musste ich mit­tler­weile eine dreis­tel­lige Anzahl Tele­fon­num­mern hinzufügen.

Natür­lich kann das auch ein Indiz für eine ambi­tion­ierte Verkauf­sstrate­gie sein, für mich sieht es aber eher nach Über­hitzung und dem verzweifel­ten Ver­such aus, die Kurse durch immer neues, frisches Fiat­geld am Steigen zu hal­ten und die unver­mei­d­baren Gewin­n­mit­nah­men auszu­gle­ichen. Auf was für einem „Topf voll Gold“ ich heute wohl säße, wenn ich meinen Ekel gegen dieses Geschäfts­ge­baren hätte über­winden kön­nen? Ein Töpfchen vielle­icht, sofern ich heute wieder aus­gestiegen und die erlösten Fiat-Euro in echt­es Gold umge­tauscht hätte, was die Bit­coin­händler zu noch größeren Anstren­gun­gen beim Ein­sam­meln von Fiat­geld ermutigt hätte, um den Kursver­fall zu verhindern.

Liebe Leser, ich übertreibe hier natür­lich maß­los! Man muss schon mehr als ein paar lausige Euro als Hebel haben, um einen Markt zu bewe­gen, in dem mit­tler­weile über eine Bil­lion Dol­lar steck­en. Es geht nur ums Prinzip. Man muss den freien Kryp­to-Währun­gen – sofern sie nicht von Staat­en organ­isiert wer­den – zugute­hal­ten, dass sie zumin­d­est für so etwas wie Wet­tbe­werb sor­gen. Und den­noch habe ich meine Zweifel, ob die Sache am Ende gut aus­ge­hen wird.

Dabei will ich hier gar nicht die bekan­nten Argu­mente viel­er Skep­tik­er von der fehlen­den materiellen Bindung anbrin­gen. Die sind auch nur stich­haltig, wenn man an Gold, Sil­ber oder weiße Trüf­fel als alter­na­tive Währung denkt. Bei der Let­zteren hätte man zumin­d­est das Prob­lem der Hort­bil­dung durch die olfak­torische Ver­suchung ele­gant gelöst. Auch die Frage, ob die let­ztlich absolute Trans­parenz und die daraus fol­gende fehlende Anonymität zugun­sten der Fälschungssicher­heit frei­willig in Kauf genom­men würde, soll­ten Kryp­towährun­gen sich erst mal durch­set­zen, will ich hier nicht stellen. Ich habe vielmehr den Ver­dacht, dass den heuti­gen Kryp­tos und dem Bit­coin ganz beson­ders einige wichtige Eigen­schaften fehlen, sie eine sehr unselige Allianz mit unserem kip­peli­gen Fiat-Geldsys­tem einge­gan­gen und in eine Falle ger­at­en sind, aus der ich keinen guten Ausweg sehe.

Doch ich muss Sie ent­täuschen, liebe Leser, falls Sie hier so etwas wie einen Glaskugel­blick erwarten. Wed­er rate ich Ihnen zum Kauf noch zum Verkauf von Kryp­tos! Es ist dur­chaus möglich und sog­ar sehr wahrschein­lich, dass mir einige grundle­gende Fak­ten unbekan­nt sind oder ich irgend­was überse­hen habe. Ich lief­ere hier wed­er eine Kri­tik noch eine Apolo­gie. Ich ver­traue darauf, dass Sie wie immer im Kom­men­tar­bere­ich des Artikels regen Gebrauch von Ihren Ken­nt­nis­sen machen, meine Zweifel zer­streuen und mein Wis­sen ver­tiefen können.

Eine Pizza bitte

Während der Bit­coin die Funk­tion der Wer­tauf­be­wahrung schein­bar recht gut erfüllen kann, taugt er aus zwei Grün­den nicht für die andere Auf­gabe: all­ge­meines Tausch- und Zahlungsmit­tel zu sein. Denn selb­st wenn jemand heute auf die Idee käme, eine Piz­za für 0,00034 BTC zu bestellen, die man mor­gen vielle­icht schon für nur noch 0,00033 BTC bekom­men kann, stellt sich die Frage, ob sich die Transak­tio­nen aller Pizze­rien so abwick­eln ließen – und sei es nur in Deutsch­land. Das Bit­coin-Sys­tem kann etwa 5 Transak­tio­nen pro Sekunde abwick­eln und weil die Blockchain wächst, wird das eher weniger als mehr. Zum Ver­gle­ich: Visa wick­elt etwa 1.700 Zahlun­gen pro Sekunde ab. Mir scheint, das Bit­coin-Sys­tem ist schon deshalb vor allem mit sich selb­st beschäftigt. Es wer­den Dol­lar und Euro in Bit­coin trans­feriert und schon deut­lich weniger in die andere Rich­tung – deshalb steigt ja auch der Kurs.

Kön­nten eines Tages Quan­tenkom­put­er Abhil­fe schaf­fen? Vielle­icht, aber das ist wie die Kern­fu­sion Zukun­ftsmusik, die uns heute kein Stück weit­er bringt. Als all­ge­meines Zahlungsmit­tel wäre das Sys­tem heute schon in ein­er mit­tleren Stadt völ­lig über­fordert. Die Idee, dass wir nach dem Zusam­men­bruch des Fiat-Geldsys­tems von ganz allein begin­nen wür­den, mit Bit­coin zu bezahlen funk­tion­iert also schon rein prak­tisch nicht. Zudem gibt es kein Preis­ge­füge, das sich sta­bil in Bit­coin abbilden ließe. Das Gefühl, was „zu teuer“ und was „zu bil­lig“ ist, stellt sich in Bezug auf Waren und Dien­stleis­tun­gen nicht ein. Gewöh­nung durch täglichen Umgang ist ein mächtiger Ver­bün­de­ter des Fiat­geldes und ich fürchte, wenn nach dem Zusam­men­bruch des Euro der „Neu­ro“ aus­gegeben würde, ver­traute man diesem wieder blind — und sei es nur, um den Wert des Topfes voller Bit­coin in Worte fassen zu können.

Fiatgeld zerstört den Bitcoin, Bitcoin stützt das Fiatgeld

Der Höhen­flug des Bit­coins sagt mein­er Mei­n­ung nach nichts über Kryp­tos aus, son­dern über den Zus­tand von Dol­lar und Euro. Dank der besin­nungslosen Geld­druck­erei der Zen­tral­banken wer­den ja nicht nur Sach­w­erte wie Aktien und Immo­bilien, son­dern auch Kryp­tos mit „Geld“ geflutet. Das schlechte Geld ist da und will irgend­wo hin, wo es bess­er und sicher­er ist. Bit­coin ist also in gewiss­er Weise ein Über­lauf für Fiat­geld gewor­den und sta­bil­isiert auf diese Weise ein insta­biles Geldsys­tem, dessen Infla­tion son­st Schneisen der Ver­wüs­tung in die Kon­sum-Land­schaft schla­gen würde. Und während das Fiat­geld von unserem Ver­trauen lebt, mor­gen noch etwa genau­so viel wert zu sein, lebt der Bit­coin von der Hoff­nung, mor­gen mehr wert zu sein als heute. Der Bit­coin will also nicht aus unser­er Tasche und soll­ten wir uns eines Tages kom­plett auf ihn ver­lassen müssen, kön­nte er wegen tech­nis­ch­er Gegeben­heit­en nicht schnell genug aus unser­er Tasche.

Ein Topf voller Katzengold?

Die Idee, es gäbe ein Geldsys­tem, das unab­hängig von Banken, Zen­tral­banken und Regierun­gen funk­tion­iert, ist natür­lich sehr reizvoll. Die staatliche Garantie von Euro und Dol­lar ist schließlich sehr faden­scheinig, weil die Ausweitung der Geld­menge willkür­lich erfol­gen kann. Von Sta­bil­ität kann hier also keine Rede sein. Der Flirt viel­er Staat­en mit Kryp­to-Sys­te­men und Bargeld­ab­schaf­fung macht mir aber einige Sor­gen und die soll­ten Bit­coin-Besitzer auch haben. Dezen­tral­isierung und staatliche Unab­hängigkeit sind näm­lich keine Exis­ten­z­garantie für eine unab­hängige Währung. Ein Staat oder Staaten­ver­bund wie die EU kann jed­erzeit ein­fach ein Ver­bot ver­hän­gen und Bit­coin in die Ille­gal­ität treiben. Die Liste der Län­der, in denen Bit­coin ver­boten sind, ist noch recht kurz, was nicht so bleiben muss.

Den Ein­wand, es han­dele sich dabei fast auss­chließlich um autoritäre Staat­en, kann ich nicht gel­ten lassen. Schließlich entwick­elt sich die Welt als Ganzes in Rich­tung ein­er glob­al­isierten, autoritären Tech­nokratie und solche reagieren erfahrungs­gemäß aller­gisch auf die „Anmaßun­gen“ indi­vidu­eller Entschei­dun­gen. In Deutsch­land beste­ht eine Meldepflicht für den Kauf von physis­chem Gold ab einem Transak­tion­swert von 2.000 Euro. Man begrün­det das gern mit dem Geld­wäschege­setz aber jed­er ahnt, dass es andere Gründe gibt: der Staat weiß halt gern, wo er das Gold abholen muss, wenn er es mal brauchen sollte. Auch Gold­ver­bote für Pri­vat­per­so­n­en hat es in der soge­nan­nten „freien Welt“ bere­its gegeben. Sollte der Bit­coin wirk­lich werthaltig bleiben und nicht irgend­wann ver­boten wer­den, fände der Staat sich­er Mit­tel und Wege, auch diesen Quell der Liq­uid­ität anzuzapfen. Der Angst-Fak­tor gin­ge hier nicht mal von einem funk­tion­ieren­den Staat aus, son­dern von einem Rechtsstaat, der nicht mehr funktioniert.

Das stärk­ste Argu­ment für die Skep­sis gegenüber dem Bit­coin ist mein­er Mei­n­ung nach jedoch das absolute Desin­ter­esse des Staates an der Sache. Mal abge­se­hen davon, dass EZB und Poli­tik mit dem Gedanken spie­len, selb­st Kryp­towährun­gen her­auszugeben, die man dann natür­lich unter Kon­trolle hätte. Der deutsche Staat unterbindet den Rück­fluss von Kurs­gewin­nen aus dem Verkauf von Kryp­to-Währun­gen durch lange Hal­te­fris­ten und kleine Frei­be­träge, hält sich son­st aber sehr zurück. Sähe man im Bit­coin eine Gefahr für das eigene Fiat-Geldsys­tem, han­delte man sich­er rigoroser.

Zwar kön­nte man darin auch ein­fach Dummheit sehen, aber das wäre sich­er falsch. Vielmehr glaube ich, dass man die sta­bil­isierende Wirkung von Bit­coin auf die Geld­menge gern mit­nimmt. „Zumachen“ kann man diesen Sack immer noch und zu jed­er Zeit – wenn er voll genug ist. Die Opti­mis­ten unter den Bit­coin-Fre­un­den gehen davon aus, dass der Kurs weit­er steil nach oben geht, von ein­er Mil­lion Dol­lar ist gar die Rede. Doch eine Frage bleibt unbeant­wortet. Näm­lich was der Topf voller Gold wirk­lich wert ist, wenn Dol­lar oder Euro – wie bish­er noch jede Fiat-Währung – eines Tages implodieren sollte. Eine Mil­lion Mal Null wäre dann nur noch ein Topf voller Katzen­gold, für dessen Her­stel­lung Unmen­gen an Energie ver­wen­det wurden.

* Lei­der hat das auf Dauer nicht funk­tion­iert, der Tele­fonter­ror ließ nicht nach. Deshalb an alle gen­ervten Lei­densgenossen ein Tipp: Strate­giewech­sel! Statt die Anrufer wegzu­drück­en oder laut Kon­se­quen­zen anzu­dro­hen, nimmt man das Gespräch ein­fach an und legt das Tele­fon mit fol­gen­den Worten neben sich: „Da Sie nicht aufhören, mir meine Zeit zu stehlen, stehle ich jet­zt die Ihre. Ich lege das Tele­fon jet­zt auf den Tisch und arbeite weit­er. Sagen Sie also was sie sagen wollen, nehmen Sie sich ruhig Zeit.“

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17 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Lesch,
    wie Sie richtig schreiben, funk­tion­iert der Bit­coin als Wer­tauf­be­wahrung (aktuell) ganz gut — genau­so wie physis­ches Gold.
    Aber Ihr Ver­gle­ich mit einem Zahlungsmit­tel hinkt meines Eracht­en nach genau aus dieser Funk­tion­al­ität her­aus: es wür­den ja auch nicht ger­ade viele Men­schen auf die Idee kom­men, ihre Piz­za mit Gold zu bezahlen. Mit einem Augen­zwinkern sind zwar Transak­tio­nen mit Gold — eben­so wie mit Bargeld — die schnell­sten über­haupt auf der Welt, schliesslich kön­nte jed­er Men­sch auf der Welt, zu jed­er Sekunde und zur gle­ichen Zeit eine Zahlung täti­gen aber dafür wurde der Bit­coin ja auch nicht geschaffen.

    Ich habe Ihrem Absatz zur Piz­za zwar ent­nom­men, daß Sie sich in diesem expliz­it auf den Bit­coin beziehen aber da Sie ja Ein­gangs auf Ihnen unbekan­nte Fak­ten ver­weisen, so kann ich Ihnen bzgl. der der Skalier­barkeit / Transak­tion­s­geschwindigkeit von Kryp­towährun­gen mit­teilen, daß dieser Flaschen­hals bei mod­er­nen Kryp­towährun­gen wie z.B. dem „Rip­ple“ nicht zutrifft. Der kann in diesem Punkt ganz gut mit VISA mithal­ten bzw. gle­ich ziehen. Auch an Kryp­towährun­gen deren Transak­tion­s­ge­bühren beispiel­sweise gegen null tendieren und anderen Funk­tio­nen (Bsp. IOTA) wer­den aktuell immer weit­er entwickelt.
    Ich denke, daß wir in der Entwick­lung bzgl. ein­er voll funk­tions­fähi­gen Kryp­towährung als massen­tauglich­es Zahlungsmit­tel noch am Anfang ste­hen und viel getan wer­den muß. Die Konzepte überzeu­gen mich per­sön­lich jeden­falls und was das Ver­trauen bet­rifft, so ver­traue ich ein­er dezen­tralen Währung deut­lich mehr, als ein­er staatlich kon­trol­lierten die nach belieben die Druck­er­pressen anwirft als gäbe es kein Morgen.

    Lebt der Bit­coin bei mir von der Hoff­nung? Ja — aber nicht von der Hoff­nung „mor­gen mehr wert zu sein als heute“ son­dern vielmehr der Hoff­nung den staatlichen — seien es FIAT- oder kün­fti­gen Kryp­towährun­gen — den Rang abzulaufen.

    • Herr Lesch ist ein ganz ander­er. Ein Lin­ien­treuer. Der aus dem Färnseh.
      Unser hier heißt Letsch.

  2. Eine schwierige Kiste. Daß ein Bit­coin soviel wert ist wie ein kg Gold (nach Stand heute nicht mehr ganz) ist irre. Ich gebe zerknirscht zu, daß ich mich da gründlich geir­rt habe. Zwei Nerds unter meinen Fre­un­den, denen ich vor drei Jahren erzählt habe, sie seien bek­loppt, wenn sie auf Bit­coin set­zten, haben damit inzwis­chen genauso­viel ver­di­ent wie ich — Profi, na klar- mit ein­er vor fünf Jahren gekauften Immo­bilie. Und das ohne End­los­diskus­sion mit der Bank um Zins- und Tilgung­shöhe, Notarter­min, Ver­hand­lun­gen mit Mietern usw. usw. Mein Fehler: Ich bin, wie die meis­ten anderen, die Sache vom Stand­punkt der Werthaltigkeit i.S. von Gebrauch­swert („innerem Wert“) ange­gan­gen. Dabei ist es seit Jahrtausenden so, daß Geld genau dann „Wert“ auf dem Markt hat, wenn die Leute daran glauben. Auch Muscheln (m. W. die erste bekan­nte Geld­form) hat­te nur begren­zten Gebrauch­swert, und selb­st in Zeit­en des Gold- und des Gold-Dol­lar-Stan­dards (Bret­ton Woods Sys­tem) war die Geld­menge nie auch nur annäh­ernd durch die physis­chen Goldbestände gedeckt. Insofern: Solange die Men­schen, nicht zulet­zt wegen man­gel­nden Ver­trauens in die Poli­tik ihrer Regierun­gen und der Zen­tral­banken, an Bit­coin glauben und solange Händler es als Zahlungsmit­tel akzep­tieren sind Bit­coin Geld. Ohne wenn und aber. Und kön­nen auch auf 100.000 Dol­lar oder mehr steigen. Ab dem Zeit­punkt, zu dem dies n i c h t mehr der Fall ist, war’s das, und Bit­coins sind nicht mehr als eine Formel auf dem PC. Mir per­sön­lich ist das spätestens seit der Par­ität 1 Kilo­bar­ren Fein­gold = 1 Bit­coin zu heiß. Ich bleibe bei Aktien, Immo­bilien und ein bißchen Gold. Und wenn alles gle­ichzeit­ig abschmiert, habe ich ja noch meine Samm­lung von Stones-Platten.

  3. Warum ich glaube, dass bit­coin das Gold der Zukun­ft ist. Echt­es Gold hat auch keinen inneren Wert, weil es eigentlich zu nichts zu gebrauchen ist. Trotz­dem ist Gold seit Jahrtausenden wertvoller als Eisen, Sil­ber, Kupfer und andere Met­alle aus denen sich Werkzeuge und andere Geräte fer­ti­gen lassen. Gold ist wertvoll, weil es sel­ten ist und die Men­schen es für wertvoll halten.
    Zur Hal­te­frist von bit­coin: Kurs­gewinne sind nach 12 M onat­en steuer­frei, im Gegen­satz zu Aktien!
    Das stärk­ste Argu­ment aber:
    Alle großen Noten­banken dieser Welt bere­it­en Kryp­towährun­gen vor. Wenn jet­zt der Bicoin den Weg der wire­card- oder der Deutschen Bank Aktien gin­ge, wäre die Idee auf Jahrzehnte hin­aus ver­bran­nt. Deswe­gen wird es auch sobald zu keinen staatlichen Maß­nah­men gegen den bit­coin kommen.

    • Sor­ry, aber das stimmt so nicht. Aus Bit­coin macht man wed­er Schmuck und als kor­ro­sions­beständi­ger Leit­er ist er auch nicht zu gebrauchen. Gold hat IMMER seinen reinen Mate­ri­al­w­ert als viel­seit­iger Rohstoff. Es gibt hun­derte indus­trielle Anwen­dun­gen. Für Bit­coin nicht.
      Für mich klin­gen solche Äußerun­gen wie aus einem Han­del­sprospekt für Bit­coin vorge­le­sen, in dem es ein­er­seits heißt, btc sei WIE Gold und ander­er­seits behauptet wird, Gold sei ANSICH genau­so wert­los wie Gold. Sor­ry, aber man muss sich bei der Argu­men­ta­tion schon für ein Nar­ra­tiv entscheiden. 😉

      • Also Gold als Schmuck funk­tion­iert nur, weil die Frauen ihm Wert bemessen. Alu-schmuck wäre leichter 🙂
        Und son­st wird Gold kaum benötigt, wikipedia weiß: 9 % wer­den in der Indus­trie ein­schließlich Zah­n­tech­nik ver­wen­det (Durch­schnittswerte für 2010–2014)
        Ich sage nicht Gold sei wert­los, ich hätte gerne mehr davon. Aber der Wert kommt über­wiegend nur durch Vere­in­barung zus­tande, weil es so schön glänzt.

      • Auf mein zweites Argu­ment sind nicht einge­gan­gen. Die Zen­tral­banken basteln wohl an an dig­i­tal­en Währun­gen in welch­er Form auch immer. Geht der btc jet­zt den Bach runter, wer­den die Men­schen auf Jahrzehnte hin­aus dig­i­tale Währun­gen ent­ge­gen allen Zusicherun­gen nicht akzep­tieren, son­dern lieber Bargeld oder Gold horten.

        • Zen­tral­banken tun das aus zwei Grün­den: 1) Kon­trolle. Auch über die imple­men­tierte Tech­nolo­gie aber in erster Lin­ie wegen der absoluten Trans­parenz jed­er Zahlung, die je getätigt wurde. Blockchain als per­fek­tes Überwachungsin­stru­ment. Die Krankenkasse erfährt, wenn Du Zigaret­ten kauf­st, den Arbeit­ge­ber, dass du den Cicero abon­nierst. Ein Zen­tral­bank-Kryp­to ist der feuchte Traum des total­itären Überwachungsstaates, ganz gle­ich, welch­er Coleur. 2) Bargeld­ab­schaf­fung. Ist ein Nebe­naspekt von Punkt 1 und bedeutet, dass nie­mand mehr außer­halb des Sys­tems ste­hen kann. Bei­des gute Gründe, diesen Bestre­bun­gen sehr skep­tisch zu begeg­nen. Bargeld hort­en ist natür­lich nur solange sin­nvoll, wie es als Zahlungsmit­ten nicht vergällt wird und das Fiat­geld noch nicht zusam­menge­brochen ist. 😉

      • Stimmt. Und auch wenn ich nicht zu den „Gold­propheten“ gehöre (schwankt im Wert nicht weniger als Aktien, bringt keine Div­i­dende usw): Im Ver­gle­ich zu Bit­coin ist Gold ziem­lich prak­tisch: In ein kleines Schließ­fach gehen gut 5–6 kg rein (Mark­twert mehrere hun­dert­tausend Dol­lar), ich komme bei allen Enteig­nungsszenar­ien, die so disku­tiert wer­den, jed­erzeit ran, kann die kleinen Bar­ren (125 bis 1000 g) in die Hosen­tasche steck­en und über­all mit hin­nehmen (wenn ich’s deklar­iere, sog­ar ganz legal) und: an jedem Ort der Welt in jede Währung der Welt umwan­deln. Ggf. sog­ar damit direkt bezahlen (z.B. ein Auto). Und das übri­gens nach einem Jahr eben­falls (wie Bit­coins) steuerfrei.

  4. Hal­lo Herr Letsch!
    „Die Idee, es gäbe ein Geldsys­tem, das unab­hängig von Banken, Zen­tral­banken und Regierun­gen funk­tion­iert, ist natür­lich sehr reizvoll.“
    So etwas wurde schon öfters ver­sucht — Stich­wort Wära-Schein — bis die Zen­tral­banken dahin­ter kom­men, daß denen der Zins­eszins abhan­den kommt. Dann ist schnell Schluß mit lustig.

  5. Spekulieren hin oder her, werthaltig oder nicht — man kann über alle Punk­te tre­f­flich disku­tieren … für mich bleibt entschei­dend — was passiert, wenn „der Steck­er gezo­gen wird“ ? Also wenn alle „mit ohne“ Strom sind, Black­out oder was auch immer. Dann ist selb­st das Töpfchen Katzen­gold dahin, zumin­d­est solange der Strom weg ist. Und was macht man dann ? Dann hat man nicht nur keinen Strom, son­dern auch noch kein Geld / Tauschmit­tel. Im Fall des Fall­es für mich also abso­lut nicht praktikabel.

  6. Wert­er Herr Letsch, ja, die Bit­coins sind die heutige Tulpen­manie, hof­fentlich erlebe ich (70+) das Ende der Gier noch …

    Kos­tolany sagte damals, daß man sich spätestens zur „Dien­st­mächen­hausse“ von Speku­la­tio­nen zurückziehen sollte (außer man kön­nte jenen im Bett vielle­icht noch ein paar Tips geben [d.V.]).

  7. Der Sinn von Geld ist es ein uni­verselles Tauschmit­tel zu sein. Dazu gehört aber auch, dass es entwed­er aus sich her­aus Wer­tigkeit hat, also z.B. Gold­münzen oder, dass der Geschäftspart­ner gezwun­gen ist es als Gegen­leis­tung zu akzep­tieren. Das ist bei nor­malen Währun­gen der Fall. Auf­gabe des Staates ist es den Wert des Geldes zu erhal­ten, indem es nicht beliebig ver­mehrbar ist, jeden­falls nicht durch andere als den Staat sel­ber. Daher ist auch Fälschungssicher­heit wichtig. Dies Prob­lem bestand schon als noch mit Welthal­tun­gen Gold- oder Sil­ber­münzen gezahlt wurde, auch da gab es schon reich­lich Falschgeld.
    Let­ztlich ist aber jedes Geld Fiat-Geld, auch Gold, denn auch sein Wert beste­ht nicht aus dem realen Gebrauch­swert, son­dern let­ztlich nur auch der seit Jahrtausenden beste­hen­den Begehrlichkeit danach. Es hat aber den Vorteil nicht beliebig ver­mehrbar zu sein, es hat eine natür­liche unüber­windliche Knappheit.
    Bit­coin ist aus mein­er Sicht eine reine Speku­la­tion­swährung, die nur Werthaltig ist solange mit ihr spekuliert wird. Sie existiert nicht materiell, son­dern nur als Datei, das ist auch ein Nachteil, denn sie ist damit löschbar, was bei allen materiell existieren­den Währun­gen nicht so ohne Weit­eres möglich ist. 

    Zum Tele­fonter­ror: Ich habe, noch aus ISDN-Zeit­en, drei Rufnum­mern, eine davon lan­det, ohne zu klin­geln auf einem AB, ich nutze sie für solche Zwecke. Es hat noch nie ein Wer­ber darauf gesprochen.

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