„Wenn die Leute die Wahrheit wüssten, würden diese Machtsysteme nicht mehr funktionieren.“ 

„Wie kommt man auf solche Vergleiche?“ ist eine Frage, die ich in Gesprächen des Öfteren höre, wenn ich mal wieder im Eifer des Gefechts die entferntesten Gegenstände zum Zweck der Illustration eines Problems heranziehe, dann aber statt Verständnis nur Kopfschütteln ernte. In diesem Fall war ich es allerdings, der kopfschüttelnd diese Frage stellte, welche jedoch unbeantwortet blieb. Denn der Adressat und Zusammendenker unzusammendenkbarer Begriffe ist ein bekannter amerikanischer Professor, der sich aus vielerlei Gründen kaum für kopfschüttelnde deutsche Blogger interessiert. Es handelt sich um den bald 93-jährigen Noam Chomsky, den Abgott der linken Welterklärung, der weit abseits seiner linguistischen Profession längst als eine Art „Orakel von Delphi“ fungiert, nur dass letzteres baren Münze für seine Sinnsprüche forderte, während man dem Professor Chomsky wohl Geld zahlen müsste, damit er endlich damit aufhört, seine durch giftige sozialistische Dämpfe provozierten Halluzinationen als Wahrheiten zu verkaufen.

„Nicht schon wieder der“ werden Sie jetzt vielleicht denken, liebe Leser. Und sie werden nach der Relevanz für deutsche Verhältnisse fragen, wenn ein emeritierter MIT-Professor mal wieder autoritäre Sprüche klopft. Was geht uns das an? Eine Menge, denn das autoritäre Borstenvieh in der Politik säuft überall aus demselben Trog und die Begründungen und Gedanken Chomskys so wie seine schrägen Vergleiche findet man allenthalben in Wortgefechten, Parlamentsreden, Verschärfungsforderungen und Freiheitseinschränkungen. Noam Chomsky ist ein Phänomen, ein Medienguru, ein Heilsbringer geradezu und er weiß, wie er sich seinen Anhängern verkaufen muss, um immer in der Sonne seiner weisen Ratschlüsse zu stehen.

Zwar ist das hier nicht das Thema, aber wer seine Wirkmacht psychologisch untersuchen will, der schaue sich mal dieses Interview mit ihm an, in dem er Zuschauerfragen beantwortet. Was man nicht alles von ihm wissen will! Filmkritik, Impfung, Aliens, Blockchain…wer ein echter Guru oder Religionsstifter ist, der hat Antworten für alle Aspekte der Realität. Zugegeben, ich mache hier nichts anderes, aber mein Anspruch, mit meinen Analysen richtig zu liegen, ist weit weniger ausgeprägt als die des MIT-Linguistikers. Außerdem laufen hinter mir nicht die Adepten mit kleinen Notizblocks her wie hinter Kim Yong Un, um alle meine Gedanken umgehend in politische Entscheidungen zu gießen. Hinter Chomsky läuft eine ganze Armada politischer und kultureller Institutionen her, um des Meisters Wort Realität werden zu lassen.

Die Verdammten dieser Erde

Doch kommen wir zu den Ideen Chomskys, an denen sich mein liberaler Geist gerade heftig geschnitten hat. Wieder eine Interviewsituation, wieder prasseln die Fragen auf ihn ein, wieder heißt es „Meister, was sollen wir tun“. Es geht – wie könnt es anders sein – um Covid und um die Mandatierungen der Impfung. Die Bauchschmerzen mit diesem autoritären Übergriff des Staates sind beiderseits des Atlantiks erheblich, ebenso wie der Kadavergehorsam staatsgläubiger Lefties, alles Punkt für Punkt auszuführen, was die Obrigkeit verlangt. Ob es sich nun um die Panikmache a la Lauterbach oder die cringe (Jugendwort des Jahres immerhin) Rhetorik eines Joe Biden handelt, ist dabei unerheblich. Den gordischen Knoten „Machtmissbrauch durch Mandatierung“ (immerhin sieht er die Gefahr) versucht Chomsky mit einem Vergleich durchzuschlagen. Sich nicht impfen zu lassen sei wie eine rote Ampel zu überfahren. Das könne man machen, aber dann müsse die Gesellschaft sich eben wehren. Und um dem Ampelrowdy gleich den richtigen Stempel zu verpassen, legt Chomsky nach:

„If people want to feel free to kill others, sorry, community has a right …the workforce has a right to defend themselves against them. If you want to feel free to kill others, go somewhere else.“

Der Autofahrer an der Ampel ist ja zumindest offensichtlich „bewaffnet“. Aber ob jemand ohne Impfung tatsächlich „scharf geladen“ im Sinne einer Covid-Infektion ist, darf doch sehr bezweifelt werden. Die Selbstermächtigung zur Gewaltanwendung wie Chomsky sie versteht, richtet sich also gleich mal gegen Menschen, die bewaffnet sein könnten! Lassen wir das besser nicht den Anwalt von Alec Baldwin hören!

An der Stelle wurde sogar mal der Moderator des Videos etwas skeptisch und wandte ein, das Virus könne ja von Geimpften wie von Ungeimpften übertragen werden. Das sei unwahrscheinlich, meint Chomsky und niemand ist da, der ihm diese statistisch grundfalsche Behauptung um die Ohren haut. Wir lernen: Wahrscheinlichkeiten kommen nur ins Kalkül, wenn man sie zur Begründung staatlicher Zwangsmaßnahmen braucht.

Chomskys Vergleich der Impfmandate mit der Straßenverkehrsordnung sorgte bei mir für das schon erwähnte Kopfschütteln. Dem Moderator des Interviews war nichts aufgefallen. Doch seit wann wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, wer eine rote Ampel überfahren hat? Darf man dann nicht mehr in Restaurants, Kinos, zur Arbeit oder ins Flugzeug steigen? Ist es nicht vielmehr so, dass – falls erwischt – man die Strafe bezahlt, vielleicht ein Fahrverbot aussitzt und damit hat sich’s? Müssen Ampelverbrechern für den Rest ihres Lebens Kugeln ans Bein geschmiedet werden? Hier hinkt mehr als nur der Vergleich.

Doch Chomsky kommt jetzt erst richtig in Fahrt. Die Frage nach der praktikabelsten Lösung des „Problems Ungeimpft“ ist gestellt.

„They should have the decency to remove themselves from community. If they refuse to do that, then measures have to be taken to safeguard the community from them. Then comes the practical question that you ask: „how can we get foot to them“. Well, that’s actually their problem. If they really become destitute then you’d have to move in with some measure to secure their survival, just as you do with people in jail. The issue is if people say „i want to be a killer, i don’t want to stop at a red light“, fine, do somewhere, you not endangering the community.“

Absondern müssten sich diese ungeimpften „Killer“ und wenn sie dies nicht freiwillig tun, dann müsse man eben Maßnahmen ergreifen. Ist wie bei einer Verkehrskontrolle nur anders. Und die Versorgung der Abgesonderten? Ist deren Problem, meint Chomsky. „Unseres“ ist es nur in dem Sinne, wie man sich ja auch um Gefangene kümmern müsse. Bei Chomsky brennt nicht mal mehr ein rotes Ampellicht, da ist offensichtlich die Hauptsicherung durchgebrannt.

So oder ähnlich äußert sich die Politik natürlich allenthalben, auch wenn bisher nur Australien so weit gehen wollte, „Absonderungslager“ für solche Zwecke einzurichten. Interessant ist das „wir“ in Chomskys Formel, auch wenn es nicht explizit genannt wird. Er bleibt sehr unbestimmt im „have to be“, das „wir“ macht sich nicht gern die Hände schmutzig mit solchen polizeilichen Maßnahmen. Er ist sich aber doch sehr sicher, das Recht zu haben, in dieser Weise zu raten. Niemand hat ihn ermächtigt, aber das „wir“ würde sich nur zu gern auf ihn berufen. Chomskys Ideen könnten in den Herzen neoautoritärer Covid-Regime einen Ehrenplatz einnehmen wie die Ideen Rousseaus in denen der Terroristen der französischen Revolution.

Unterdessen in der Realität

Während Noam Chomsky die Ampelsünder und Impfverweigerer aus der Gesellschaft treiben möchte, ändert die CDC – die amerikanische Gesundheitsbehörde – gerade langsam aber sicher die Regeln für die Mitgliedschaft in der „Gemeinschaft der Rechtgläubigen“. Und weil die verdammungswürdige Verschwörungstheorie von heute die Realität von übermorgen abbildet, meldet CNN: „Immungeschwächte benötigen möglicherweise eine vierte Covid-19-Impfung“. Zum Glück ist Amerika weit genug weg und was dort stattfindet, gemeldet, angedeutet oder beschlossen wird, hat überhaupt nichts mit uns hier in Deutschland zu tun. Passen Sie nur immer schön auf, liebe Leser, dass Sie weiterhin dazu gehören. Nicht dass man Sie eines Tages noch absondern muss. Es wird dann nämlich Ihr Problem sein.

Ach ja, da ist ja noch das Zitat vom Anfang des Artikels. Sie wollen doch sicher wissen, von wem es stammt, dieses hellsichtige Wort, dass, heute geäußert, den Sprecher direkt ins Herz der Finsternis zu den Querdenken, Regierungsskeptikern und Impfverweigerern stellen würde. Es ist aus dem Jahr 2005 und einem Interview der TAZ entnommen. Es sind (oder genauer: waren) die Worte von Noam Chomsky.

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18 Kommentare

  1. Ich würde mich gern aus der Steuerpflicht zurückziehen, aber das ist sicher nicht vorgesehen. 🙂

  2. ‚trau keinem über 30‘ war die hippie-parole der ‚grossen verweigerung (a la adorno&co.) der ’68er - und chomsky (wie habermas) waren wortführer und vordenker des zivilen ungehorsams… einpeitscher von aufruhr und rebellion auf allen ebenen.

    im alter werden die sünder fromm: vom anarchisten (chomskys selbstbeschreibung) zum faschisten.
    nichts andres taten die nazis: schutzhaft für andersartige und ungehorsame.

  3. Von Noam Chomsky weiß ich:
    - Margarete Thatcher regierte 17 Jahre
    - Sie hat, genauso wie Reagan, die Kosten der Reichen sozialisiert.
    - Unter ihr litten die Menschen an Hunger wie zuvor keine 50 - 60 Jahre mehr. Wann genau der Hunger ausgebrochen ist, erwähnt er leider nicht, aber 50 - 60 Jahre vorher umfasst immerhin den Krieg. Es war also wild.
    - Sie subventionierte Aerospace Exports, was zur Hölle das auch sein mag. 

    Und er schafft das alles in knapp über zwei Minuten zu sagen.
    https://www.youtube.com/watch?v=fZN8i96T3ic

    Rogers Beschreibung als Sektenführer trifft es sehr gut. Er zuckt nicht mit der Wimper. Sein Geheimnis ist einfach, dass es ihm egal ist, wie richtig etwas ist, das er den Leuten sagt. Man könnte ihn an einen Lügendetektortest anschließen und Thatcher hätte immernoch 17 Jahre lang regiert, vielleicht auch 14 oder 19. Diese absolute Seelenruhe ist faszinierend. Man findet sie auch bei vielen Journalisten und Politikern.

    Ich hab Heerscharen von sonst intelligenten Menschen erlebt, die den Mann für einen Messias halten. Ich bin nicht Black Lives Matter und stoße keine Ikonen von Sockeln. Anders als Jürgen Habermas hat er für seine reale wissenschaftliche Leistung auch sehr viel Anerkennung verdient. Das Problem ist, dass er süchtig danach ist. Er ist ein absoluter Narzisst.

  4. Wie menschenunwürdig ist denn das?

    Während in den USA erst 58 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft ist, versucht man Immungeschwächte bereits zur vierten Impfung zu jagen, Immungeschwächte, für die sicher aufgrund ihrer Immunschwäche die Injektion mit diesen Impfbrühen besonders gefährlich ist. 

    Daran erkennt man wieder deutlich, dass es bei diesen Impfmaßnahmen nicht um den Gesundheitsschutz der Menschen geht.

  5. Also, als Befürworter von Ausgrenzung und Intoleranz muss ich hier mal ein Wort für den Noam einlegen. In seinem Alter ist so eine Erkältung sicherlich kein Zuckerschlecken, und könnte durchaus mit einer 30% Sterbewahrscheinlichkeit einhergehen.

    Andererseits lebt der eh schon von geborgter Zeit, daher who cares. 

    Dennoch unterstütze ich seine Forderung nach Ausgrenzung, weil das Problem eben nicht ist, was der Staat beschließt, sondern, dass zu viele Leute dies beachten, und zu wenige einem dabei behilflich sein wollen, sich dem zu entziehen. Je mehr Ausgrenzung stattfindet, desto größer wird die Motivation eine Gegengesellschaft zu etablieren, die dem Staat feindlich gegenüber steht, und so das die Gesellschaft in zwei Lager zu spalten, die einander für erlittenes oder eingebildetes Unrecht hassen, und die nicht mehr bereit sind, irgendwelche Kompromisse zu schließen.

    Das finde ich gut. Es geschieht viel zu selten, dass die Karens, die Andere damit nerven, was „Wir“ beschlossen haben, und was „Wir“ nicht möchten, von nem Rando ne Bierflasche in die Fresse geworfen bekommen. Je mehr Polarisierung, desto häufiger passiert das, und desto mehr Leute erleben den Staat als den Feind. So soll es sein.

      • *thumbsup*

        Wobei der Noam sich eher als Menschenfreund darstellt. Nicht gerade jetzt, wo es darum geht, dass er nicht an ner Erkältung sterben will, aber sonst.

  6. Vielen Dank. Die Auslassungen von Herrn Ch. erinnern an die jüngsten von Herrn Habermas. Beide Male sehen wir ein dreifaches Defizit. (1) Radikale, d.h. bis zur Wurzel reichende Inkompetenz auf medizinisch-epidemiologischen Gebiet, Abwesenheit jedes eigenständigen, fundierten Urteilsvermögens. Herr H. berief sich u.a. auf Lauterbach. Offenbar bezieht er, wie viele seiner Generation, sein „Wissen“ aus TV und anderen Exhalationen der cloaca publica. Kein Wunder, wenn das Hirn vernebelt ist. (2) Logisch defizitäre, auf falschen Vergleichen und unzulässigen Generalisierungen basierende „Schlussfolgerungen“. Das ist besonders grotesk, da es sich ja vorgeblich um „Philosophen“ oder „Denker“ handelt. (3) Abwesenheit jedes Sensoriums für das Primat bürgerlicher Freiheit, stattdessen Unterwerfung. Das ist natürlich durch die Herkunft aus einem säkularisierten Offenbarungsglauben, in diesem Fall der marxistischen Scholastik, zu erklären. Die Umma der Geimpften versus die Masse der Ungläubigen, die man gulagisieren darf, wenn nicht mehr. Auch ist es, wie so oft, lehrreich, an den passenden Stellen „Jude“ usw. einzusetzen, wenn man Kontinuitäten erkennen möchte.

    • Ich möchte mich meinen Vorgänger Peter Helling anschließen: R. J. hat oben ein kurze, aber bestechende Analyse der Position von Leuten wie Chomsky und Habermas gegeben.

    • Ja, Habermas und Chomsky sind Löffel vom selben Holze. Aber nochmal ein Gedanke zur „Umma der Geimpften“, das passt nämlich gut. Man schaue sich nur die neuerdings verwendete Formulierung „Pandemie der Ungeimpften“ genauer an. Es geht längst nicht mehr um Covid, das ist medial durch und vorbei. Die Ungeimften selbst SIND die Pandemie - so wird formuliert und geglaubt. Und während man das Virus nicht aus der Welt bekommt, stellt die Durchimpfung nur noch ein rein numerisches Problem dar, dass sich durch ständige Subtraktion lösen lässt. So hat man eine Pandemie in eine bürokratische Zwangsmaßnahme transformiert, die man nach dem Prinzip „one fits all“ abarbeiten kann. Problem simplifiziert, Problem gelöst. So arbeitet der Staat, wenn er in die Hände von Autokraten und Technokraten fällt.

  7. Das Zitat finde ich richtig, auch wenn Chomsky sich gerade auf der Seite der Macht befindet. Ist die Grünlinke nicht sowieso gerade auf der Seite der Macht? Eine erstaunliche Transformation des insgesamt dekadenten Westens, nahe seiner Schlussphase.

      • Nja, es geht so. Mir ist das Zitat zu „munkelnd“ und auf praktisch alles anwendbar und von jeder Seite aus, egal ob Rationalist oder Echsenherrscherglaubender.

        • Sorry, Ergänzung. Zudem geht das Zitat natürlich davon aus, das „die Leute“ die Wahrheit für relevant für ihre Entscheidungen halten. Im Zeitalter der „Intersektionalität“ und identitätsgruppenbezogener Wahrheiten, halte ich die These für gewagt.…

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