Dass das Geld abge­schafft wer­de und man­che Leu­te des­halb schon keins mehr hät­ten, ist ein Run­ning-Gag von Vor­ges­tern. Dass Geld aus dem Auto­ma­ten kom­me, wenn man eine vier­stel­li­ge Num­mer ein­gibt, ist ein Kin­der­glau­be, der sich bei man­chen bis ins hohe Alter hält. Dass nur dann genug Geld für alle da sei, wenn man es ande­ren Leu­ten weg­nimmt, ist Teil der Con­fes­sio lin­ker Poli­ti­ker. Dass Geld immer gleich­zei­tig zu knapp, reich­lich vor­han­den und in den fal­schen Hän­den ist, wis­sen wir hin­ge­gen erst, seit unser Staat der Mei­nung ist, er wirt­schaf­te gut. Was wir in den Kri­sen der letz­ten Jah­re aber auch gelernt hat­ten: es ist eigent­lich egal, ob wir Hosen­knöp­fe oder Euro­mün­zen als Hilfs­mit­tel und Äqui­va­lent ver­wen­den – schwin­det der Glau­be an das Geld­sys­tem, bricht es schnel­ler zusam­men, als man „Kre­dit“ buch­sta­bie­ren kann. Die EZB indes glaubt, dass Geld und Hosen­knöp­fe im Grun­de ein und das­sel­be sind, weil bei­de klap­pern, wenn man sie in der Tasche schüt­telt. Kei­ne Sor­ge, ich wer­de hier nicht über Prei­se, Wirt­schafts­kraft und das Zwangs­kor­sett Euro-Sys­tem refe­rie­ren. Das kön­nen ande­re ohne­hin bes­ser. Aber ich bin bei mei­nen Recher­chen zu einem Arti­kel über den ESM auf ein Kurio­sum gesto­ßen, wel­ches gera­de­zu ein Para­de­bei­spiel für die Kurz­le­big­keit schö­ner Theo­rien und für ein bekann­tes Zitat aus der Scha­tul­le Ade­nau­ers ist: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern.“

Skep­ti­ker unse­res der­zei­ti­gen Wäh­rungs­sys­tems mit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) im Zen­trum und den sie als eine Art Leib­wa­che umge­ben­den Fazi­li­tä­ten, Fonds und Schat­ten­ban­ken, füh­ren als Argu­men­te für ihr Miss­trau­en gern Din­ge wie die galop­pie­ren­den deut­schen Tar­ge­t2-Sal­ten oder die krea­ti­ven Buchungs­tricks bei Schul­den­staa­ten wie Grie­chen­land oder Ita­li­en an. Das strei­fe ich hier­mit nur mal am Ran­de. Wer wis­sen möch­te, wie schlimm die Din­ge wirk­lich ste­hen und dabei noch lachen will, muss die aktu­el­le Lage mal durch eine sie­ben Jah­re alte päd­ago­gi­sche Bril­le betrachten.

Das Inflationsmonster und der weiße Ritter von der EZB

Mein Fund­stück stammt aus dem Jahr 2011, ist also jetzt sie­ben Jah­re alt. Zu die­ser Zeit war die ers­te Wel­le der Ban­ken­plei­ten bereits durch die Welt gerollt und die Kanz­le­rin und ihr dama­li­ger Finanz­mi­nis­ter hat­ten sich schon schüt­zend vor die deut­schen Spar­ein­la­gen gewor­fen, die HRE implo­dier­te und auch die Com­merz­bank war längst teil­ver­staat­licht. Zu die­ser Zeit muss sich die EZB wohl Sor­gen um ihr Image bei der nach­wach­sen­den Genera­ti­on gemacht haben, die Occu­py-Bewe­gung stand ja auch vor ihrer Tür. Man ließ also einen klei­nen „Lehr­film“ samt Unter­richts­ma­te­ri­al pro­du­zie­ren, um Schü­lern ein bes­se­res Image von der segens­rei­chen Ein­rich­tung EZB und deren Street-Credi­bi­li­ty zu ver­mit­teln. Dort säßen die Dra­chen­be­kämp­fer und Prin­zes­si­nen­ret­ter unse­rer Zeit, denn die EZB bekämp­fe zwei Mons­ter: die Infla­ti­on und die Defla­ti­on. Auf der Schär­pe des edlen Rit­ters steht sein Wahl­spruch – Preis­sta­bi­li­tät! Die allein sei wich­tig, nur auf die­se kom­me es an. Und so ist es ja auch tat­säch­lich fest­ge­schrie­ben in den Sta­tu­ten. Die gute Tan­te Bun­des­bank mit ihrer D‑Mark hat­te eini­ge Instru­men­te mehr zur Ver­fü­gung und konn­te auch Arbeits­markt und Wett­be­werbs­fä­hig­keit im Blick behal­ten. Das lässt sich heu­te jedoch in der EZB kaum noch steu­ern, weil man inner­halb einer Wäh­rung nicht ver­schie­den auf- oder abwer­ten kann: ein Euro kos­tet immer einen Euro. Aber sehen Sie sich bit­te zunächst ein­mal das acht­mi­nü­ti­ge Video an.

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Kam Ihnen das Infla­ti­ons­mons­ter irgend­wie bekannt vor? Die Idee, ganz Euro­pa mit Geld buch­stäb­lich zuzu­schei­ßen, ist aktu­el­le EZB-Poli­tik. Als der „Lehr­film“ 2011 ver­öf­fent­licht wur­de, war es noch etwas mehr als ein Jahr bis zu Mario Draghis berühm­ter „Wha­te­ver it takes“-Rede am 26.7.2012 und heu­te, im Jahr 2018, nach jah­re­lan­gem besin­nungs- und bedin­gungs­lo­sen Schul­den­auf­käu­fen* durch die EZB, kann man sich in etwa an dem Bild von Euro­pa erfreu­en, wel­ches im Film vom 19./20. Jahr­hun­dert gezeich­net wur­de: Die Erspar­nis­se ver­lie­ren an Wert, es gibt für Spa­rer kaum noch Zin­sen, weil die Ban­ken das Geld vom EZB-Mons­ter fast geschenkt bekom­men. Immer noch kauft die EZB die Anlei­hen auf, für die sich am Markt kein Käu­fer fin­det. 60 Mil­li­ar­den waren es monat­lich bis Dezem­ber 2017, die durch den Ankauf von teils wert­lo­sen Staats­an­lei­hen zurück ins Geld­sys­tem gedrückt wer­den und 30 Mil­li­ar­den sind es seit Janu­ar immer noch pro Monat. Und die­se Gegen­werts­lo­se Liqui­di­tät von mitt­ler­wei­le über 2.400.000.000.000 Euro muss ja irgend­wo hin. Zwei­ein­halb. Bil­lio­nen. Euro. Wie sag­te der smar­te Typ im Oba­ma-Hemd doch so schön: „Mit Ver­trau­en spart und inves­tiert es sich ein­fach leich­ter“. Lachen Sie ruhig, das befreit!

Aber anders als im Film­chen ist die heu­ti­ge Infla­ti­on noch nicht beim Bäcker zu bemer­ken, son­dern dort, wohin das Geld aus­weicht, das von der Last ris­kan­ter Anlei­hen befreit ist. Da klas­si­sche Spar­for­men eher bestraft als belohnt wer­den, steckt das Geld in Immo­bi­li­en. Und deren Prei­se gehen seit eini­ger Zeit gera­de­zu durch die Decke! Der Geld­um­lauf, auf dem die EZB laut Selbst­aus­kunft ein Auge haben soll, wird im Moment immer wei­ter erhöht. Da das jedoch – und so ist es im Moment – kaum Ein­fluss auf die all­ge­mei­ne Infla­ti­on hat, stimmt offen­sicht­lich mit dem Preis des Gel­des, dem Zins, den fest­zu­le­gen Auf­ga­be der EZB ist, etwas ganz und gar nicht mehr. Der müss­te näm­lich stei­gen, was er aber nicht tut. Die EZB steht also gewis­ser­ma­ßen gleich­zei­tig auf Gas und Brem­se, wodurch man mit einem Motor­rad schö­ne Donuts auf den Asphalt rub­beln kann. Man spürt etwas Fahrt­wind, die Land­schaft bewegt sich, man kommt jedoch nicht vor­an und der Rei­fen­plat­zer kommt gewiss. Für ein Wirt­schafts­sys­tem, dass sich in einem Gleich­ge­wicht aus Ange­bot, Nach­fra­ge und Preis befin­den soll­te, kann das nur ver­hee­rend enden! Ange­sichts der aktu­el­len Situa­ti­on wird das klei­ne Video aus dem Jahr 2011 zum Mene­te­kel, weil die EZB selbst es ist, die die Rol­le des Infla­ti­ons­mons­ters über­nom­men hat und die des Defla­ti­ons­mons­ters gleich mit. Ob unser Ban­ken­sys­tem sich tat­säch­lich schon von den Schock­wel­len zwi­schen 2007 und 2014 erholt hat, kön­nen wir folg­lich kaum wis­sen, weil sich EZB und ESM über das Euro­sys­tem wie ein Sar­ko­phag über die Rui­ne des Reak­tors von Tscher­no­byl span­nen, auf dem Dach Donuts dre­hen und die Sicht mit viel Rauch behin­dern. Aus Angst vor gro­ßen pri­va­ten Ban­ken, die Plei­te gehen zu las­sen man nicht den Mut hat­te, bau­te man eine gro­ße supra-staat­li­che Super-Bank – da kann ja über­haupt nichts schiefgehen!

Der schwarze Fels in der Brandung

Als Mer­kel und Stein­brück 2008 vor die Kame­ras und die Spar­strümp­fe der Bür­ger tra­ten, spran­gen sie zwar weit über ihre eigent­li­chen Fähig­kei­ten, aber das Garan­tie­ver­spre­chen bezog sich auf einen Wirt­schafts­raum, der zwi­schen Gar­misch und Flens­burg, Aachen und Cott­bus lag. Die ver­ängs­tig­ten Bür­ger beru­hig­te man letzt­lich damit, dass man ihnen ver­sprach, die Ban­ken Euro­pas wür­den nun immer enger zusam­men­ar­bei­ten, die Schul­tern fest geschlos­sen gewis­ser­ma­ßen. Von Finanz-„Märkten“ kann man heu­te nur noch begrenzt spre­chen, denn die „Euro­päi­sche Ban­ken­uni­on“ möch­te den Weg wei­ter in Rich­tung gemein­sa­me Kas­se gehen. Der letz­te Schritt muss noch voll­zo­gen wer­den, die Haf­tungs­ge­mein­schaft. Ver­ges­sen wir für einen Moment, dass die Euro-Ver­trä­ge das eigent­lich aus­schlie­ßen – Ver­trä­ge kann man ja ändern. Ver­ges­sen wir auch, dass sich Mer­kel und Scholz bei voll­ende­ter Ban­ken­uni­on auch eines Tages vor die Kame­ras der ita­lie­ni­schen RAI stel­len könn­ten, um den Tifo­si zu ver­kün­den, dass „tut­ti palet­ti“ sei. Fra­gen wir uns lie­ber, war­um aus­ge­rech­net die welt­weit größ­te Fonds­ge­sell­schaft „Black­rock“, deren Bilanz­sum­me die Sum­me des EZB-Schrott­pa­pier­hau­fens noch um ein paar Bil­lio­nen über­steigt, sich am 19.April 2018 für eine rasche Voll­endung der euro­päi­schen Ban­ken­uni­on aus­spricht. Altru­is­mus? Begeis­te­rung? Für­sor­ge? Ist es gar der „euro­päi­sche Geist“? Oder ist es nicht viel­mehr die Erkennt­nis, dass es aus der ver­fah­re­nen Situa­ti­on des Euro­sys­tems kei­nen ele­gan­ten Weg hin­aus gibt, wes­halb man die beklopp­ten Euro­nau­ten ein­fach noch tie­fer hin­ein ren­nen lässt? Denn wenn zum Bei­spiel der Besitz ita­lie­ni­scher Finanz­ti­tel zu kal­tem Nacht­schweiß führt, fühlt sich der Gedan­ke an Draghis Welt­ret­tung-Phan­ta­sien und Mer­kels beru­hi­gen­des Gebrab­bel wie eine pau­scha­le „whe­re­ver it burns“-Feuerversicherung an. Das Pro­blem jedoch kommt lang­fris­tig aber gewiss: wenn die Hüt­te erst mal brennt, wird es unter einem gemein­sa­men Dach schnell ungemütlich.

Und so kübelt das EZB-Mons­ter wei­ter lus­tig Geld für Glas­mur­meln raus, wel­ches dann in ver­meint­lich siche­re Sachen wie Beton­gold oder den Deut­schen Akti­en­in­dex gepumpt wird, der seit Jah­ren gera­de des­halb abgeht wie eine Jung­ge­sel­len-Abschieds­par­ty, wäh­rend man bei Black­rock nur sehr vor­sich­tig von der aus­ge­schenk­ten Bow­le schlürft und die Par­ty­gäs­te zu über­zeu­gen ver­sucht, einen gemein­sa­men Blan­ko-Scheck für die anste­hen­den Reno­vie­rungs­ar­bei­ten zu unter­zeich­nen. So eine gro­ße Haf­tungs­ge­mein­schaft wird die Schä­den schon tra­gen kön­nen! Aber wenn irgend­wann alle für alles haf­ten, haf­tet in Wirk­lich­keit nie­mand mehr für irgend­et­was. Die Poli­ti­ker übri­gens, die das Trei­ben von EZB und ESM über­wa­chen sol­len, haf­ten ohne­hin für gar nichts.

 

* Einer der kras­ses­ten Fäl­le waren tat­säch­lich Staats­an­lei­hen Por­tu­gals aus den Jah­ren 1940–1943, wel­che die EZB nun tat­säch­lich und ohne mit der Wim­per zu zucken als Assets in den Büchern hat. Rück­zah­lung fäl­lig im Jahr 9999 (spä­ter klamm­heim­lich kor­ri­giert auf 2199). Das ist das Jahr nach dem St. Nimmerleins-Tag.

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9 Kommentare

  1. Zwi­schen 2000–2003 konn­te man in Ber­lin sanier­te Alt­bau­woh­nun­gen für 350€ m2 erstei­gern. Das war dem mas­si­ven Über­an­ge­bot nach der mas­si­ven Sub­ven­ti­on für Sanie­run­gen maro­der Alt­bau­woh­nun­gen in Ost­ber­lin geschuldet.
    Nun kos­tet eine ent­spre­chen­de Woh­nung ca. 3000 € m2. Die Fol­ge der Abschaf­fung bei­na­he aller Sub­ven­tio­nen auf Sanierungen/Neubauten bei par­al­le­ler Behin­de­rung von Neubauten/Sanierungen durch immer neue Auf­la­gen. Dann die nied­ri­gen Zin­sen und die künst­li­che Ver­knap­pung durch Mas­sen­ein­wan­de­rung. Preis­wer­te Woh­nun­gen gab es frü­her, man muss­te nur zugrei­fen. Jetzt wäre ein guter Zeit­punkt zu ver­kau­fen und das Plat­zen der Immo­bi­li­en­bla­se ab zu warten. 

    Der Staat/Beamte wirt­schaf­ten halt wirk­lich toll, wenn man sich ent­spre­chend infor­miert kann man das nut­zen, um sich ein sor­gen­frei­es Leben zu orga­ni­sie­ren. Wer damals kauf­te, der freut sich heu­te über die Regie­rungs­po­li­tik. Gewin­ne legt man der­zeit aber bes­ser außer­halb der Euro­zo­ne. Der Arti­kel zeigt ja die Schief­la­ge auf, es kann jeder­zeit zu einer neu­en Kapi­tal­markt­kri­se kom­men und dann zu Infla­ti­on. Sobald das neue Geld nicht mehr in Immo­bi­li­en und Akti­en flie­ßen, die­se gar an Wert sin­ken, kann das ganz schnell gehen. Dazu kommt, das die Immo­bi­li­en­kri­se in den Süd­län­dern erst gar nicht auf­ge­ar­bei­tet wur­de, die sit­zen immer noch hau­fen­wei­se auf Schrott­im­mo­bi­li­en, die mit Wunsch­be­wer­tun­gen in den Büchern ste­hen. Bei 0% Zin­sen küm­mert das niemanden. 

    Ergän­zen möch­te ich noch: Die Ban­ken sind natür­lich ein Pro­blem, aber nicht das Zen­tra­le. Die Euro­kri­se ist im wesent­li­chen eine Kri­se der über­schul­de­ten Natio­nal­staa­ten. Die Ban­ken bekom­men von der EZB Geld, damit sie wei­ter Staats­an­lei­hen auf­kau­fen. Als das nicht mehr reich­te, kauf­te die EZB gleich selbst Staats­an­lei­hen. Nur aus die­sem Grund sind Spa­ni­en, Por­tu­gal noch nicht Plei­te. Ab 4–5% Zin­sen wür­de Ita­li­en kol­la­bie­ren und bei ca. 6% auch Frank­reich. Die Ban­ken sind hier also nicht wirk­lich nutz­nie­ßer, zumal sie mit Staats­an­lei­hen bei den nied­ri­gen Zin­sen auch nichts mehr ver­die­nen. Die Nutz­nie­ßer sind die kapi­tal­schwa­chen, über­schul­de­ten PIIGS-Staa­ten, die sich nun zu 1% Neu­ver­schul­den kön­nen und nur wegen der Käu­fe der EZB über­haupt noch sol­che Volu­men an den Markt brin­gen kön­nen. Hier wird ganz klar auf Infla­ti­on gesetzt, nega­ti­ve Real­ver­zin­sung, also Infla­ti­on höher als Zin­sen. Das trifft beson­ders Deutsch­land, da Deutsch­land net­to der größ­te Gläu­bi­ger Euro­pas ist, also immer noch immense Gut­ha­ben in Pri­vat­hän­den sind. 

    Das Spiel: Die Süd­län­der infla­tio­nie­ren ihre Schul­den weg, den Deut­schen wer­den die Gut­ha­ben weg infla­tio­niert. Ich kann gut ver­ste­hen, das die Süd­län­der bereit sind, das in Kauf zu nehmen. :-))

    Die Ban­ken rich­ten sich in dem Sys­tem so gut ein, wie es geht. 

    Ich war­te mit Span­nung auf die nächs­te welt­wirt­schaft­li­che Rezes­si­on, dann klappt der Euro ganz schnell zusam­men. Das man bis dahin irgend wel­che Reser­ven auf­baut, ist wunsch­den­ken, die Staats­ver­schul­dung der Euro­zo­ne ist seit 2008 jedes Jahr wei­ter gestie­gen. Die der­zei­ti­ge Regie­rung lebt vom Prin­zip Hoff­nung, Hoff­nung, das die Krie­se erst in der nächs­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode kommt. Ande­rer­seits haben die Wäh­ler das alles wirk­lich ver­dient, was da auf sie zu kommt, das eta­blier­te Par­tei­en­sys­tem und die Staats­me­di­en wird es zer­schmet­tern. Also, in jeder Kri­se liegt auch was gutes, die Chan­ce zur Ver­än­de­rung. Man soll­te bei der nächs­te bloß zu sehen, die Chan­cen nut­zen zu kön­nen und nicht zu den Ver­lie­rern zu gehö­ren. Die wird es ganz böse erwischen.

    • [[ Gewin­ne legt man der­zeit aber bes­ser außer­halb der Euro­zo­ne an]] 

      Hier ist ein intel­li­gen­ter Gedanke… 🙂

  2. Aus der Sicht des klei­nen Man­nes oder der klei­nen Frau möch­te ich mal Fol­gen­des anmerken:
    1. Der klei­ne Mann hat so gut wie gar kein Spar­gut­ha­ben. Ihm ist es daher egal, wie nied­rig die Zin­sen sind, er hat am Monats­en­de sowie­so kein Geld mehr.
    2. Nied­ri­ge Prei­se für die Waren des täg­li­chen Bedarfs sind für ihn sehr wich­tig. Meis­tens kauft er bei Aldi, Lidl oder Pen­ny ein. Mög­li­cher­wei­se kann er sich ein klei­nes Auto leis­ten, dann sind die Ben­zin­prei­se sowie die­Prei­se für Steu­ern und Ver­si­che­rung wichtig.
    3. Eine Immo­bi­lie kann sich der klei­ne Mann sowie­so nicht leis­ten, aller­höchs­tens sei­ne Kin­der, vor­aus­ge­setzt, sie errei­chen einen hohen Bil­dungs­ab­schluss und fin­den einen Ehe­part­ner, mit dem die ein­zu­ge­hen­de Ehe auch wirk­lich zu hal­ten ver­spricht. Nur dann näm­lich könn­te sich ein Immo­bi­li­en­kauf loh­nen, da man die Mie­te spa­ren kann.
    4. Ein­zig bei der Mie­te ist der klei­ne Mann vom Anstieg der Immo­bi­li­en­prei­se betrof­fen, wenn er das Pech hat, in einer frei finan­zier­ten Woh­nung zu leben. Glück wäre es, eine Genos­sen­schafts­woh­nung oder eine der noch ver­blie­be­nen Sozi­al­woh­nun­gen zu bewoh­nen. Blöd ist, dass es so viel Kon­kur­renz um preis­we­re Woh­nun­gen gibt. Da sind die Inter­es­sen­ten, denen das Job­cen­ter die Mie­te bezahlt, schon sehr ärgerlich.

    Aus der Sicht eines Men­schen, der die Pha­se der Nied­rig­zins­po­li­tik nutz­te, um eine Immo­bi­lie zu erwer­ben könn­te man noch hinzufügen:
    Stei­gen die Zin­sen, so könn­ten gera­de die eben genann­ten Men­schen in ziem­li­che Nöte geraten. 

    Wie man sieht, hat jedes Ding zwei Sei­ten. Man soll­te daher nicht von sich auf ande­re schließen.

    • Wenn das so enfach wäre, wäre es auch gut. Nur wer­den die klei­nen Leu­te als ers­te die Fol­gen einer Finanz­kri­se zu spü­ren bekom­men. Na klar ist es schön, wenn man in einer Sozi­al­woh­nung für weni­ger als den Markt­wert gesell­schafts­fi­nan­ziert leben kann. Aber wenn die steu­er­zah­len­den Wohl­ha­ben­den kei­ne Steu­ern mehr zah­len kön­nen, weil alles zusam­men­ge­bro­chen ist, dann wer­den eben die klei­nen auch Pech haben. Und das kann eben alles schnel­ler kol­la­bie­ren, als man denkt.

    • Der klei­ne Mann hat kei­ne Spareinlagen .
      Mag sein , er hat aber Jahr­zehn­te Ren­ten­bei­trä­ge ein­ge­zahlt der weg­in­fla­tio­niert wird durch das dru­cken von Falsch­geld und die Fol­ge ist das die Kauf­kraft sei­ner Ren­te hal­biert wird .
      Die Ver­wäs­se­rung der Wäh­rung durch die EZB ist nichts ande­res als Dieb­stahl durch die Hin­ter­tür und die­ser Dieb­stahl wird durch die Poli­tik gedeckt und geduldet.

  3. Super Arti­kel!!!
    Nur was nutzt es? Auch heu­te: Der Dax steigt und Gold fällt. Die Ver­ant­wort­li­chen haben anschei­nend doch das Per­pe­tu­um Mobi­le erfunden.

    • Ich weiß auch nicht recht, ob wir das eini­ger­ma­ßen ver­ste­hen. Ich den­ke schon seit der Insol­venz­ver­schlep­pung der Finanz­kri­se von 2007, dass es doch irgend­wann rich­tig knal­len muss. Es puff­te hie und da, gan­ze Staa­ten „bank­rott“ und irgend­wie doch nicht. Es ist als säße man stun­den­lang auf der Tita­nic und sie sinkt und sinkt und geht doch noch nicht unter. Die Kapel­le spielt weiter.

  4. Dan­ke.

    Jetzt muss ich mir erst ein­mal ein Bier holen – zum Runterspülen! 😉

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