Man will nicht lock­er­lassen. Dabei gäbe es sich­er tausend oder mehr The­men, über die man als deutsch­er Bun­de­spräsi­dent auf Antritts­be­such in Israel sprechen kön­nte. Zum Beispiel über die Anstren­gun­gen die Israel unternehmen muss, um mit der starken Zuwan­derung von Juden aus aller Welt fer­tig zu wer­den, die sich in ihren Heimatlän­dern lei­der nicht mehr sich­er fühlen kön­nen. Vielle­icht hätte das Staat­sober­haupt des Ein­wan­derungs­lan­des Deutsch­land sich Tipps vom Staatschef des Ein­wan­derungs­lan­des Israel holen kön­nen. Oder vielle­icht redet man über die gute Zusam­me­nar­beit im Bere­ich High-Tech oder darüber, wie israelis­che Waren von eifrigen BDS-Kämpfern aus deutschen Regalen gez­er­rt wer­den. Oder man spricht über die Gefahren, die vom nahen Krieg in Syrien, der His­bol­lah und dem IS für Israel aus­ge­hen. Aber Stein­meier kön­nte natür­lich auch – wie üblich – über die „Sied­lungspoli­tik“ sprechen und darüber, dass die Zwei-Staat­en-Lösung „alter­na­tiv­los“ sei, denn das tun ja sowieso alle unen­twegt, während sich Israel brav dafür bedankt, dass es sich von Poli­tik­ern, die ihre Infor­ma­tio­nen über die Lage in Israel vor­wiegend von dessen Tod­fein­den beziehen, über die eige­nen Prob­leme aufgek­lärt wird. Schön, wenn man solche Ver­bün­de­ten hat!

Nun ist über Stein­meiers Parteifre­und Gabriel und dessen Geschick in der Auswahl sein­er Gesprächspart­ner in Israel schon einiges gesagt wor­den, gutes ins­beson­dere von Vertretern der deutschen Poli­tik fast aller Couleur, während man das in Israel doch etwas kri­tis­ch­er sah. Denn Gabriels Gesprächspart­ner waren nicht die Vertreter der Oppo­si­tion – wozu ja zum Beispiel auch die Oppos­ti­tion­spartei „Merez“ hätte gehören kön­nen, eine Sozialdemokratis­che Partei in Israel mit Sitzen in der Knes­set, die sich­er ein ide­al­er Gesprächspart­ner für Gabriel bei sein­er Suche nach Kon­tak­ten zur Zivil­bevölkerung hätte sein kön­nen. Nein, Gabriel wollte u. a. mit BtS (Break­ing the silence) sprechen, ein­er NGO, die schon mehrfach beim Ver­bre­it­en von Lügen und israelfeindlich­er Pro­pa­gan­da erwis­cht wurde. Es war, als würde sich ein Außen­min­is­ter auf Staats­be­such in Deutsch­land zunächst mit Beate Zschäpe und den „Reichs­bürg­ern“ unter­hal­ten wollen, deren Arbeit als Friedens­beitrag loben und dann im Kan­z­lerin­nenamt auf einen war­men Emp­fang hof­fen – absurd!

Nun macht sich also unser Bun­de­spräsi­dent auf den Weg zu diesen eigensin­ni­gen Israelis, um ihnen höch­st­selb­st gütige deutsche Belehrung zuteil­w­er­den zu lassen! Stei­ni wird sich jedoch, ganz Profi, nicht mit der zumin­d­est umstrit­te­nen NGO BtS („Break­ing the Silence“) tre­f­fen, er möchte stattdessen in sein­er Antrittsrede die loben­den Worte des israelis­chen Schrift­stellers Amoz Oz dafür ver­wen­den, welch­er BtS schon mal mit den großen bib­lis­chen Propheten ver­glichen hat und nur wenige bis gar keine kri­tis­chen Worte zu BtS ver­loren hat. Aus dem Munde Stein­meiers wer­den die lobende Worte von Oz, den die israelis­che Regierung kon­se­quent schnei­det, weil sie ihn für einen linken Spin­ner hält, sich­er loben­den­er Honig in Netanyahus Ohren sein, dessen stein­ernes Herz gegenüber BtS erwe­ichen und in Trä­nen der Rührung und des Ver­ständ­niss­es aus­brechen lassen. Oz ist schließlich Jude und wenn Netanyahu schon nicht auf Gabriel hören wollte, wird er doch sich­er erfreut sein, von „seines­gle­ichen“ belehrt zu wer­den! Denn merke: Wenn Juden andere Juden kri­tisieren, liegen sie immer richtig!

Ich ver­füge lei­der nicht über die poli­tis­che Exper­tise eines Genies wie Stein­meier, weshalb ich eher darauf wet­ten würde, dass – falls Stein­meier der Ankündi­gung von SPON entsprechend han­delt – er lediglich ver­sucht, densel­ben unbeugsamen Nagel schwungvoll mit dem Ham­mer zu tre­f­fen wie Gabriel, obwohl er wie dieser den Dau­men darüber hat. Fin­ger­schmerzen geh’n zu Herzen, sagt das Sprich­wort. Das gilt lei­der nicht für deutsche Diplo­matie, die in israelis­chen Angele­gen­heit­en neuerd­ings auf­fal­l­end schmer­z­los agiert. Noch schmerzbe­fre­it­er agiert allerd­ings Spiegel Online, wenn man dort mut­maßt, die Bun­desregierung kön­nte mut­maßen, dass Netanyahu mut­maßen würde, er könne sich die „Deeskala­tion“ Stein­meiers als per­sön­lichen Sieg anheften. Und so würde man sich aus ein­er diplo­ma­tis­chen Unver­schämtheit gegenüber Israel zuhause gern noch ein großes, ehren­volles Opfer zim­mern. Mit Stein­meier und Gabriel als Heilige, die unter den Wund­malen der Nägel zu lei­den haben, die sie sich selb­st ins Fleisch schlugen.

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3 Kommentare

  1. […] Der neue Bun­de­spräsi­dent Frank-Wal­ter Stein­meier, immer noch ein biss­chen Außen­min­is­ter, legt zum ersten Mal für einen deutschen Poli­tik­er am Grab von Jas­sir Arafat einen Kranz nieder. Dem Arafat, unter dessen Ägide die Palästi­nenser began­nen, die deutschen RAF-Ter­ror­is­ten mil­itärisch auszu­bilden, Flugzeuge zu ent­führen und in München israelis­che Sportler ermorde­ten. Erst kür­zlich hat­te sich Stein­meier pos­i­tiv zur neuesten anti­is­raelis­chen Entschließung des UN-Sicher­heit­srates geäußert. (Siehe auch im Blog Unbesorgt.de) […]

  2. Gabriel schielt auf den Beifall link­er Anti­semiten. Es deprim­iert mich zutief­st, dass sein Ver­hal­ten in Deutsch­land salon­fähig wird.

  3. Gabriel ist indessen unbelehrbar. Er vertei­digt wieder ein­mal (wie ich heute las) seinen diplo­ma­tis­chen Faux Pas und lässt durch­scheinen, dass nur er der wahrhaftige Demokrat sei. Ach, die deutschen Eliten. Nur sie allein sind die wirk­lichen Demokrat­en in der Welt. Kein­er kann in der Welt so demokratisch sein wie die deutschen selb­ster­nan­nten Eliten. Die bringt aller Welt die wahrhafte Demokratie, zumin­d­est, was sie darunter ver­ste­hen. Die deutschen Eliten mit ihrem Heili­gen­schein der objek­tiv­en Wahrheit, die son­st nie­mand besitzt. Wenn es nicht so gefährlich wäre, kön­nte man stun­den­lang sich kringeln vor Lachen.

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