Ich schrieb vor eini­gen Tagen, es gäbe bei den 2022er Midterms selt­samer­weise keine echte Okto­ber-Über­raschung. Das war wohl zu früh resümiert, denn es gab da schon etwas. Ich spreche nicht vom eigen­tüm­lichen Vor­fall im Haus der Pelo­sis, auch nicht von Musks Twit­terüber­nahme. Die eigentliche Über­raschung kam in Gestalt eines lan­gen aber unauf­fäl­li­gen Artikels in „The Inter­cept“, dem deut­lich linken Medi­um, das einst von Glenn Green­wald aus der Taufe gehoben wurde, sich­er ein­er der inte­gersten und besten Jour­nal­is­ten unser­er Zeit. Green­wald, der Edward Snow­den half, seine Leaks zu veröf­fentlichen, hat das For­mat längst und mit knal­len­der Tür ver­lassen, lebt heute in Brasilien und ist unab­hängig weit­er als Jour­nal­ist tätig. Nach Green­walds Weg­gang habe ich ehrlich gesagt nicht mehr geglaubt, dass von „The Inter­cept“ jemals wieder Rel­e­vantes oder gar Enthül­len­des zu lesen sein wird. Doch so war es und das war meine Okto­ber-Über­raschung auf den let­zten Drück­er. Am 31. Okto­ber veröf­fentlicht­en Ken Klip­pen­stein und Lee Fang einen umfan­gre­ichen Artikel mit dem Titel „TRUTH COPS – Leaked Doc­u­ments Out­line DHS’s Plans to Police Dis­in­for­ma­tions“ oder auf Deutsch: Die Wahrheit­spolizei — durch­gesick­erte Doku­mente zeigen die Pläne des DHS (Depart­ment of Home­land Secu­ri­ty) zur Überwachung von Falschmeldungen.

Da der Krieg gegen den Ter­ror offiziell been­det wurde – und für den wur­den die „Super­be­hörde“ DHS einst gegrün­det – befasst man sich nun mit der Überwachung sozialer Medi­en. Zunächst ver­suchte man es ganz offen und gab dem Pro­jekt Anfang 2021 den Augen­bauen hochziehen­den Titel „Dis­in­for­ma­tion Gov­er­nance Board“ und dem Zweck „ein Gremi­um zur Überwachung von Fehlin­for­ma­tio­nen (unab­sichtlich ver­bre­it­ete Falschin­for­ma­tio­nen) und Desin­for­ma­tion (absichtlich ver­bre­it­ete Falschin­for­ma­tio­nen) und Fehlin­for­ma­tio­nen (sach­liche Infor­ma­tio­nen, die typ­is­cher­weise aus dem Zusam­men­hang geris­sen und mit schädlich­er Absicht weit­ergegeben werden“.

Weit kam man damit nicht und im August 2021 wurde das Pro­jekt been­det. Doch statt die Bemühun­gen zur Sprachkon­trolle einzustellen, erweit­erte man sie noch. Durch ein Leak im DHS und ein Gerichtsver­fahren, dass Sen­atskan­di­dat Eric Schmitt (Reps) in Mis­souri führt, kamen jede Menge interne Mem­os, E‑Mails und Doku­mente ans Licht der Öffentlichkeit, wo sie sich­er nicht hin­ge­lan­gen soll­ten. Die Kon­tak­te sind eng zwis­chen dem Geheim­di­enst und den großen Plat­tfor­men und BigTech-Unternehmen, Berührungsäng­ste kaum vorhan­den, wie aus den ver­traulichen Sitzung­spro­tokollen hervorgeht.

Meldeportale für Regierungsbeamte

„Plat­tfor­men müssen sich an die Regierung gewöh­nen. Es ist wirk­lich inter­es­sant, wie zöger­lich sie bleiben“, schrieb etwa Matt Mas­ter­son von Microsoft, der auch ehe­ma­liger DHS-Beamter ist, im Feb­ru­ar an Jen East­er­ly, eine DHS-Direk­torin. Die Gewöh­nung bezieht sich natür­lich auf den Ein­fluss von Regierungs­beamten auf die Frage, was auf den Plat­tfor­men gesagt und was bess­er ver­schwiegen wer­den sollte. Die regelmäßi­gen Tre­f­fen hin­ter ver­schlosse­nen Türen, die von Seit­en der Plat­tfor­men bish­er immer bestrit­ten wur­den, bracht­en dur­chaus hand­festes. Zum Beispiel for­mal­isierte Prozesse, mit deren Hil­fe Regierungs­beamte (nur Nutzer mit ein­er Mailadresse im TLD-Bere­ich „gov“ sind zuge­lassen) Inhalte auf Face­book oder Insta­gram markieren kon­nten, um sie zu drosseln (schad­ow­ban) oder zu löschen. Unter dem wenig orig­inellen Link facebook.com/xtakedowns/login (Archiv-Link hier) find­et sich bis heute der Zugang zum entsprechen­den „Con­tent Request System“.

Was soll gemeldet und geflag­gt werden?

„Unge­naue Informationen…über die Ursprünge des COVID- 19-Pan­demie und die Wirk­samkeit von COVID-19-Impf­stof­fen, racial jus­tice, den Rück­zug der US-Armee aus Afghanistan und die Art der US-Unter­stützung für die Ukraine.“

Wer muss vor der­lei bösen Inhal­ten geschützt werden?

„Die Her­aus­forderung ist beson­ders akut in mar­gin­al­isierten Gemein­schaften, die häu­fig das Ziel falsch­er oder irreführen­der Infor­ma­tio­nen sind, wie z. B. falsch­er Infor­ma­tio­nen über Wahlver­fahren, die auf far­bige Men­schen abzielen.“

Der Staat, diese gute Nan­ny, weiß natür­lich bess­er als jed­er Einzelne Bürg­er, welche Infor­ma­tio­nen in mar­gin­al­isierten Gemein­schaften benötigt wer­den und stellt diese selb­st­los zur Ver­fü­gung. Ein Hauch von Baum­wollplan­tage liegt in der Luft.

Das Prob­lem ist natür­lich, dass in kein­er Weise definiert ist, was Desin­for­ma­tion eigentlich genau ist. Das DHS hat mit dieser Prax­is sein Man­dat, das sich auf aus­ländis­che Bedro­hun­gen beschränkt, frech auf das Inland aus­gedehnt und ste­ht dabei gegen aus­drück­liche Ver­fas­sungsrechte. Begrün­dung: die Wirkver­stärkung von aus­ländis­chen Bedro­hun­gen durch Onlin­e­ver­bre­itung. Auf die im großen Maßstab unter­drück­te Berichter­stat­tung in der Causa „Hunter Biden“ in 2016–2020 angewen­det bedeutet dies fol­gen­den Recht­fer­ti­gungskreis­lauf: die Clin­ton-Kam­pagne fab­riziert mit Hil­fe von FBI-Beamten „Beweise“ für rus­sis­che Bee­in­flus­sung des Wahlkampfes zugun­sten Trumps, erfind­et also eine „aus­ländis­che Bedro­hung“, gegen die das DHS dann aktiv wer­den kann. Und zwar aus­drück­lich im Inland, indem Inhalte auf sozialen Medi­en im Wahlkampf 2020 mas­siv herun­terge­drückt wer­den, weil son­st ange­blich die Gefahr der Wirkver­stärkung bestünde. Mehr Golf-von-Tonkin-Recht­fer­ti­gung geht kaum.

Die kritische Infrastruktur

Startschuss dieser nach innen gerichteten Überwachung und Zen­sur war ein für die US-Regierung pein­lich­es und für das Land äußerst erschreck­endes Ereig­nis. 2018 gab es eine Rei­he von Hack­eran­grif­f­en gegen große Fir­men des Lan­des. Als Bedro­hung von außen ein klas­sis­ch­er Fall für die DHS dachte sich wohl auch Trump, unterze­ich­nete den „Cyber­se­cu­ri­ty and Infra­struc­ture Secu­ri­ty Agency Act“ und schuf damit eine ganz neue Abteilung beim Heimatschutz, die sich mit dem Schutz kri­tis­ch­er Infra­struk­tur befasst. Die CISA, so das Kürzel der Abteilung, ging jedoch rasch zur Erweiterung dessen über, was sie als ihre Auf­gabe ver­stand. Die gesam­melten „Bedro­hungsin­for­ma­tio­nen“ gab man nicht nur an die Strafver­fol­gungs­be­hör­den, son­dern auch die Plat­tfor­men weit­er. Bewegte sich das noch irgend­wie im Rah­men des Man­dats? Solche Grund­satzfra­gen lassen sich leicht durch geschick­te Inter­pre­ta­tion umge­hen. Das ist ja gar keine keine Zen­sur, das ist der Schutz kri­tis­ch­er Infra­struk­tur! Jen East­er­ly, die von Biden ernan­nte Direk­torin der CISA sagte auf ein­er Kon­ferenz im Novem­ber 2021:

„Man kön­nte argu­men­tieren, dass wir im Geschäft mit kri­tis­ch­er Infra­struk­tur tätig sind, und die kri­tis­chste Infra­struk­tur ist unsere kog­ni­tive Infra­struk­tur, daher ist es mein­er Mei­n­ung nach unglaublich wichtig, Wider­stands­fähigkeit gegen Fehlin­for­ma­tio­nen und Desin­for­ma­tio­nen aufzubauen.“

Den grauen Fen­sterkitt zwis­chen den Ohren als „kog­ni­tive Infra­struk­tur“ zu sehen, kann man als leicht überspan­ntes Fram­ing oder als Ausrede betra­cht­en. Ich sehe darin vor allem eine unver­schämte Aus­dehnung eines Staates bis in die Köpfe sein­er Bürg­er hinein, sehe den Willen und die Dreistigkeit, die Real­ität so zu über­for­men, dass sie vom Indi­vidu­um nicht mehr erkennbar ist und er sich willig der Führung der weisen Führungselite anvertraut.

Als ich vor eini­gen Tagen einen Artikel über den Twit­ter-Abschied von Sask­ia Esken schrieb, erwäh­nte ich auch den von allen sozialen Medi­en ver­ban­nten Alex Jones, der, sollte er je aus dem Twit­terk­nast ent­lassen wer­den, sich­er als erstes „Ich hab’s euch doch gesagt“ schreiben würde. Das war natür­lich iro­nisch gemeint, enthält aber schon ein Körnchen Wahrheit. Neben all dem hanebüch­enen Unsinn, denn dieser Pol­ter­geist Amerikas ver­bre­it­et, hat er näm­lich immer wieder lichte Momente, in denen er – ret­ro­spek­tiv natür­lich – abso­lut richtig lag. Wie ein blindes Huhn, das auch mal ein Korn find­et oder eine kaputte Uhr, die zweimal am Tag richtig geht. Und wenn es etwas gibt, vor dem Jones seit Jahren bis kurz vor Platzen sein­er Halss­chla­gad­er warnte, dann die heim­liche Koop­er­a­tion der Regierung mit BigTech und sozialen Medi­en. Ein Biss­chen wie der Quar­tal­sirre Ver­schwörungs­the­o­retik­er Char­lie Frost in Emmerichs „2012“, der mit seinem Piraten­ra­dio im Yel­low­stone-Nation­al­park kampiert und live über das Ende der Welt berichtete. Frost hat­te im Film recht, Jones, bezüglich der Koop­er­a­tion der US-Regierung mit den sozialne Medi­en ebenfalls.

Interventionsspirale trifft Sankt-Florian-Prinzip

Das Nar­ra­tiv „die Regierung bes­timmt, was gele­sen und geglaubt wird“ ist jedoch generell schon so zum Grun­drauschen der Pop­kul­tur gewor­den. Jedoch so aus­ge­lutscht und so oft durch „Fak­tenchecks“ „wider­legt“, dass kaum noch jemand die Kraft oder auch nur die Aufmerk­samkeit für eine ern­sthafte Empörung auf­bringt, wenn aus der Ver­schwörungs­the­o­rie von gestern die Pressemel­dung auf Seite drei von heute gewor­den ist. „Ken­nen wir doch alles schon, hören wir doch seit Jahren!“ – ja, aber ihr glaubtet es nicht, nan­ntet die Über­bringer der Nachricht Spin­ner und Aluhut­träger. Die US-Regierung zen­siert Inhalte auf Face­book und Twit­ter, na und? Wen inter­essiert schon die Ein­schränkung der Mei­n­ungs- und Rede­frei­heit, solange man selb­st nicht gelöscht, ged­immt oder gecan­celt wird.

Hier kol­li­diert das Sankt-Flo­ri­an-Prinzip des Indi­vidu­ums mit den Geset­zmäßigkeit­en der Mises’schen Inter­ven­tion­sspi­rale in den Insti­tu­tio­nen. Jed­er Ein­griff ins Sys­tem zieht den näch­sten, tief­er­en nach sich. Aus kleinen Ein­schränkun­gen wer­den große, aus gut gemein­ten Schutz­maß­nah­men wer­den Gedankenge­fäng­nisse. Das Por­tal, über welch­es die US-Regierung mit Face­book kom­mu­niziert, ken­nen wir nun. Ich gehe davon aus, dass ein solch­es auch für Twit­ter existiert. Ich hätte gern Mäuschen gespielt in der Twit­terzen­trale, als Musk erkan­nte, welche abgründi­gen Koop­er­a­tio­nen er beim Kauf des blauen Vögelchens mit erwor­ben hat. Freie Rede? Erster Ver­fas­sungszusatz? Da muss das kleine Vögelchen erst sein großes Brüderchen beim Heimatschutz fra­gen, denn dort wacht man über die „kri­tis­che Infra­struk­tur“ in den Köpfen. Nur zu deren Besten, ver­ste­ht sich!

Baby­lon Bee ist noch ges­per­rt, Jor­dan Peter­son ist noch ges­per­rt, Project Ver­i­tas ist noch ges­per­rt. Das brauche alles eine Weile, beschwichtigt Musk und kündigte an: „Twit­ter will con­tin­ue to com­bat hate & harass­ment & enforce its elec­tion integri­ty poli­cies”. Hass und Het­ze bekämpfen? Also etwas, das so undefiniert und sub­jek­tiv ist wie die Schön­heit von abstrak­ter Kun­st, das Spiel von Werder Bre­men oder der Geruch von Vieux Boulogne Käse? Wo haben wir von diesem “Kampf” wohl schon mal gehört? Ach ja: so klan­gen die Chefs des alten Twit­ter! Musk rede ger­ade mit „civ­il soci­ety lead­ers“ über solche Sachen, sagt er. Inter­es­sen­grup­pen, NGOs, Stiftungen…das Lev­el der Gut- und Besser­mein­er schiebt sich ver­dammt schnell über das „I freed the bird“. Die Frösche quak­en schon wieder, während sie vorgeben zu helfen, den Sumpf trock­en zu legen.

Acht Dol­lar soll der neue Dienst zur Ver­i­fika­tion bei Twit­ter kosten. Kann man machen, muss man natür­lich nicht. Ich für meinen Teil würde das gern zahlen, um weniger Pro­dukt als Kunde zu sein. Mir ist die Anonymität nicht wichtig, ich schreibe seit Jahren mit offen­em Visi­er. Aber ich zögere, die acht Dol­lar auszugeben. Ich möchte erst die Befreiung der poli­tis­chen Twit­terge­fan­genen sehen (nicht die der im strafrechtlichen Sinne Krim­inellen) und Belege dafür haben, dass die staatliche Zen­sur unlieb­samer Mei­n­un­gen been­det wird – nicht nur in den USA. Bis es so weit ist, muss ich das neue blaue Vögelchen lei­der wie das alte behandeln.

Musk, so scheint es, steckt ger­ade in einem echt­en Dilem­ma. Er ver­liert das laute, linke Kom­men­tari­at, aber die wollen ohne­hin alles geschenkt haben und zahlen nicht für ihr blaues Häckchen. Er ver­liert aber auch die durchzen­suri­erte kon­ser­v­a­tiv-lib­ertäre Seite, wenn er nicht rasch für klare Ver­hält­nisse und Mei­n­ungs­frei­heit sorgt. Er ver­liert das Ver­trauen der Inve­storen, die daran glauben, mit Twit­ter ließe sich langfristig Geld ver­di­enen. Und die Wer­bekun­den ver­liert er, weil diese Angst haben, in “unster­ilen” und mit moral­isieren­den linken Flächen­bom­barde­ment über­zo­ge­nen Umge­bun­gen gese­hen zu wer­den. Man kann nur hof­fen, dass Musk all das ins Kalkül gezo­gen hat.

Übri­gens: Bere­its am 15.7.2021 hat die US-Regierung in Gestalt von Bidens Press­esekretärin Psa­ki ver­mut­lich verse­hentlich die leisen Dinge laut aus­ge­sprochen: “We’re Flag­ging Prob­lem­at­ic Posts On Face­book That Spread Dis­in­for­ma­tion”. Nie­mand fragte nach, wie genau dies geschieht. Psa­ki hätte wohl kaum ehrlich geant­wortet “Wir haben da so Melde­seit­en, die nur wir benutzen kön­nen und dort geben wir im Ver­bor­ge­nen Anweisun­gen, was mit den bean­stande­ten Beiträ­gen geschehen soll.” Wir hören eben nicht mehr so genau hin, weil wir trotz aller schlecht­en Erfahrun­gen nicht glauben wollen, wie schlecht es inzwis­chen tat­säch­lich um die weltweite Mei­n­ungs­frei­heit bestellt ist.

 

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16 Kommentare

  1. > Sieht so aus, als hätte ich den Bug gefun­den. Die Ein­rück­ung sollte jet­zt (hof­fentlich) funktionieren.

    Eine Ebene, danach fehlt der “Antwort”-Button

  2. @Rolf
    Es ist egal, wo deine Nachricht erscheint. Ich hat­te auf deinen ersten Kom­men­tar geant­wortet. Du hast die Antwort vielle­icht überse­hen. Siehe unten!

    Aus mein­er Sicht macht es sehr wohl Sinn, auf das Brechen von Min­dest­stan­dards hinzuweisen. Es kann näm­lich bei­des gle­ichzeit­ig stat­tfind­en, dass z.T. vor­getäuschte, in den Exzess reichende Moral­getue und die absolute Zer­störung der Werte, die man tat­säch­lich zum Über­leben braucht. Auch der Rolf wird sich nicht ein­fach selb­st operieren, wenn er in ein­er Not­lage ist, son­dern ist auf das Pflicht­be­wusst­sein ander­er angewiesen.

    Ich hat­te aus mein­er früheren Antwort eine Pas­sage gelöscht, die ein biss­chen schmud­delig ist. Es ist näm­lich schon so, dass ich auf emo­tionaler Ebene den bleier­nen Zus­tand auch ein­fach irgend­wie been­det sehen will. Und da so viele Wege versper­rt sind und man so wütend ist, spielt man mit der Mad-Max- Apoka­lypse. Allerd­ings ist die Hoff­nung auf Ver­nun­ft in der Verzwei­flung frag­würdig. Geh mal nach Nord­nige­ria oder nach Soma­lia und frag, ob das Reit­ti­er Buraq Mohammed in den Him­mel trug oder ob 2 + 2 vier ergibt. Man wird in solchen Dauerkrisenkul­turen auch nicht von Schwachsin­ni­gen in Ruhe gelassen. Und die Ket­ten­säge in der Don­nerkup­pel funk­tion­iert auch gar nicht, weil Luise Neubauer sich vorher an das Treib­stoffde­pot gek­lebt hat­te und die EU-Verord­nung zum Ket­ten­sä­gen­bau schon zehn Jahre vorher die meis­ten Pro­duzen­ten aus dem Land getrieben hat. Das gute Fin­ger ganz Gesetz (gFgG) tut sein übriges. Auf der anderen Seite wohnt Tina Turn­er jet­zt ja auch nicht mehr in Köln, son­dern in der Schweiz, aber die lassen sich von der EU auch so manch­es auf den Tisch legen.

  3. Vor­weg

    > Ich hat­te extra auf „Antwort“ geklickt.

    Tat­saech­lich irri­tierend. Roger Letsch macht doch auch soweit etwas mit IT, dass ihm der Sinn hier­arisch­er Antwort­funk­tio­nen klar ist 🙂 Und wenn sie expliz­it mit einem Button/Link ange­boten wird, sollte sie sich auch so verhalten… 

    Zum Inhalt:

    > Ich wäre damit zufrieden, gar nicht wählen zu gehen, wenn ich den Ein­druck hätte, dass sich die jew­eils Inter­essierten sach­lich und vernün­ftig mit den Auf­gaben befassen wür­den. […] Man muss delegieren.

    Dieses zwangsweise Ein­binden in tage­spoli­tis­che Dinge kam ja schon in ver­schieden­er Form. Ich moechte das etwas untersetzen:

    Ich bin ja gel­ern­ter Math­e­matik­er, aber seit Jahrzehn­ten freiberu­flich im IT-Geschaeft. Neu­ronale Net­ze in Bild­ver­ar­beitung, alle Ebe­nen: Pro­gram­mierung, SOA Mod­elle beurteilen und selb­st entwer­fen, Aneignen von und Abgle­ich mit nicht­triv­ialem Ver­staend­nis des biol­o­gis­chen Vor­bilds. “Bleed­ing edge”, “heiss­er Scheiss”…
    Ich liebe meinen Beruf und ich wuerde mich gern wie frue­her voll darauf konzen­tri­eren. Aber es kann eben der Froemm­ste nicht in Frieden leben, wenn…

    Ich denke, dass viele Leute in irgen­dein­er Form so funk­tion­ieren. Deswe­gen halte ich die oft zu find­ende Injurie des “deutschen Michel” auch fuer prob­lema­tisch. Denn stellen wir mal klar:
    Die Leute die etwas schaf­fen, die sind das Salz der Erde oder gar die Erde selb­st. Nicht diejeni­gen, die sich damit beschaefti­gen oder sich anmassen, dies alles in welch­er Art auch immer zu ver­wal­ten. Sei es direkt, wie Poli­tik­er oder oekonomisch (die einzi­gen Play­er, die beson­ders behan­delt wer­den muessen) in wil­lentlich ges­teuert­er Form. Sei es auf ide­ol­o­gis­chem, zeit­geistigem, philosophis­chem Gebi­et, etc.. Dem “Ueber­bau”, wuerde der Marx­ist sagen. Das sind alles orig­i­naere Hil­fs­funk­tio­nen, die sich in der Gegen­wart in abso­lut frap­pieren­der Umfassend­heit ins Par­a­sitaere aus­gewach­sen haben. Das sind ursaech­lich Diener (solange in dieser Aus­gangs­form auch nicht im abw­er­tenden Sinn) und die haben sim­pel den Mund nicht voll zu nehmen. Und schon gar nicht die Schaf­fer in ihre eige­nen viel zu engen Kat­e­gorien zu pressen, seien sie nun vorge­bliche Erhal­ter oder Rev­o­lu­tion­aere, bei­de mit auss­chliesslichen Kopfge­burten. Seien sie rechts oder links (schon das: das Leben ist keine Lin­ie oder gar nur zwei Punk­te, die es definieren. Wie man so schoen sagt: Ein Men­sch mit Gesicht­skreis Null nen­nt diesen gern seinen Standpunkt).
    Diese Leute muessen Demut haben oder die anderen muessen lei­der Zeit darauf ver­schwen­den, ihnen diese wieder beizubrin­gen. Die fehlt nat­uer­lich dann in ihren Kernkom­pe­ten­zen. Und das fuehrt zu Still­stand und schliesslich Regres­sion. Das ist zwin­gend und der eigentliche Schaden. Denn dann wer­den die harten materiellen Grund­la­gen ein­er Gesellschaft lei­den oder ver­schwinden. Und dann bren­nt die Luft.

    Dazu waere auch zu sagen, dass “nor­male” Leute auch Poli­tik nach den taeglich Rand- und inher­enten Bedin­gun­gen ihrer Kern­taetigkeit­en beurteilen. Da die im besten Sinn real sind, erteilen sie viele Dinge wie den Wert von Merokratie, auch die o.g. Demut, fort­laufend als Selb­stver­staendlichkeit. U.a. zeigen sie immer wieder neu, dass es keine ein­fachen Wahrheit­en gibt. Weswe­gen ich nicht ein Putin­ver­ste­her bin, wenn ich die dedi­zierten verur­sachen­den US-Ein­fluesse nicht aus­blende. Genau­so wie ich kein Coro­naleugn­er bin, wenn ich mir diese spezielle Spritze nicht set­zen lasse. Ich weiss im kleinen Fin­ger inhaltlich mehr darue­ber als irgendwelche Bloed­maen­ner (und ‑frauen!) die das erste Mal in ihrem Leben Saet­ze wie “So funk­tion­iert Wis­senschaft nicht” gelassen aussprechen meinen zu muessen, um sich des Leugn­ers inhaltlichen Argu­menten nicht weit­er aus­set­zen zu muessen.

    • Sor­ry für die ver­wirrende Darstel­lung, die habe ich bish­er noch nicht repari­eren kön­nen. Eigentlich sind vier Ver­schachtelungsebe­nen vorge­se­hen, aber das Theme ver­hin­dert das. Da ich es aber dem­nächst wech­seln werde, wird es hof­fentlich bald besser.

    • @Michael B.
      Jed­er ist in seinem Feld der Exper­tise anti-ide­ol­o­gisch (auch wenn es über­all Oppor­tunis­ten gibt, die etwas anderes sagen als das, was sie selb­st ver­ste­hen). Ich kön­nte fast jeden ihrer Sätze unterschreiben. 

      Natür­lich haben wir aber unter­schiedliche Auf­fas­sun­gen zum Ukrainekrieg. Ich bin mit unser­er Führung in der Frage auch nicht glück­lich. Ich hat­te schon im Feb­ru­ar jedem, der es nicht hören wollte, gesteckt, dass unsere Poli­tik­er ihren Mund hal­ten und stattdessen Vor­bere­itun­gen zum Kon­flikt tre­f­fen sollen, der nun ein­mal da ist, ob sie ihn ignori­eren oder nicht. Wir müssten nicht frieren, wenn alle Energi­eträger, die ver­füg­bar waren, aktiviert wor­den wären. Stattdessen haben unsere Eliten Urlaub­s­fo­tos aus Kiew gepostet.

      Darüber hin­aus kön­nte ich mich auch stun­den­lang heis­er reden über die Appa­ratchiks in Wash­ing­ton. Wis­sen Sie, wer die Wash­ing­ton-Schick­e­ria noch mehr has­st als Putin? Die Amerikaner! 

      Und ich finde mich jet­zt in so ein­er Sit­u­a­tion, in der ich mich mit Kri­tik zurück­halte, weil so viel Müll gelabert wird, dass man zur Einord­nung mah­nen muss. Das ist so, wie wenn Leute sagen, “Die Merkel frisst kleine Kinder.” Und dann muss man erk­lären, “Schau doch mal, wie fett die ist. Kinder­fleisch ist viel zu mager!” Ver­ste­hen Sie? Es wird ein­fach zu schrill!

      Und zum Schrillen gehört auch Ihr “dedi­ziert­er verur­sachen­der US-Ein­fluss”. Aus Moskau kommt ein Tsuna­mi aus wirren Kriegs­grün­den und Dro­hun­gen. Und nach all dem “Wir wer­den mit einem Atom­bomben­ab­wurf einen Völk­er­mord an Rus­sis­chsprachi­gen stop­pen!” gibt es immer noch Leute, die äußere Ursachen ver­muten und nicht den Wahnsinn in Rus­s­land akzep­tieren wollen. Und die Erk­lärungsver­suche für die US-Verur­sachung man­geln ein­fach an der Umset­zbarkeit. Die EU-Schick­e­ria schafft es nicht ein­mal, eine Men­schen­traube um Ursu­la von der Leyen zu bilden, aber unsere Eliten — auch die amerikanis­chen, die ihr CNN den Flughäfen andrehen müssen, weil es kein­er sehen will — sollen Massen­protesten im ehe­ma­li­gen Sow­jet­ge­bi­et orchestri­ert haben. ABSURD! Und die ganzen Ver­weise auf Absichts­bekun­dun­gen einzel­ner Leute oder Organ­i­sa­tio­nen hier und da sind vol­lkom­men irrelevant.

      Und ich ver­ste­he auch, dass wegen des Gas­man­gels in Deutsch­land Betriebe schließen wer­den. Natür­lich muss man ab irgen­deinem Punkt auch ein biss­chen prag­ma­tisch sein und abwä­gen, wie viel Kohle man den Russen gegen welche Gegen­leis­tung doch noch rüberwach­sen lässt, ohne den Krieg und damit auch die ganze Sit­u­a­tion zu ver­längern. Und die Russen haben gott­sei­dank Nachrüst­prob­leme wegen der Sank­tio­nen. Aber 99% der Disku­tan­ten reden nicht über der­lei Fein­ab­stim­mungen und Pros und Con­tras, son­dern über das beängsti­gende Ami-Gespenst unter Alice Wei­dels Bett, das sie für abso­lut echt halten.

  4. > son­dern dass das ein Webfehler der deutschen Kul­tur ist, den man beheben muss.

    Jet­zt sei mal nicht so arro­gant. Die Deutschen haben den größten Krieg aller Zeit­en dafür geführt, keine poli­tis­chen Rechte haben zu müssen, und als dieser Krieg ver­loren ging, gab es Massen­suizide. Nun klappt das mit den poli­tis­chen Recht­en nicht. Oh Wun­der. Vielle­icht sollte man es ein­fach mal hin­nehmen, dass die natür­liche Rolle viel­er Men­schen halt darin beste­ht, Leibeigene zu sein. Wie viel Grausamkeit und Heuchelei kön­nte man der Welt ers­paren, würde man dieses Fak­tum ein­fach akzep­tieren, anstatt diese Leute mit Poli­tik und den Medi­en ver­rückt zu machen.

    Ein­fach sagen “So, Du gib­st mir jet­zt die Hälfte von dem was Du ver­di­enst, hältst anson­sten die Fresse, und wenn Dir jemand in meinem Namen einen Befehl gibt, dann gehorchst Du, und wenn nicht, dann lan­d­est Du tot im Graben”. Das unter­schei­det sich doch ohne­hin schon nicht groß vom All­t­ag der meis­ten Men­schen, wenn man mal vom Fresse­hal­ten absieht, und wäre doch schon alleine deshalb ein Fortschritt. 

    > Und das ist das schwierige Rät­sel: Was bringt zumin­d­est einige dieser Leute dazu, bewusst die absoluten Min­dest­stan­dards der Zivil­isiertheit auszuhebeln?

    Naja, der eigene Kör­p­er gehört jedem selb­st, weshalb es auch das gute Recht eines Jeden ist, sich nach Belieben Hero­in zu spritzen. Das ist ganz selb­stver­ständlich, denke ich, und kommt ganz ohne jede Geis­tesver­renkung aus. Den­noch ist diese Aus­sage in ihren Kon­se­quen­zen außer­halb des Bere­ichs, der für 95+% der Men­schen auch nur denkbar wäre.

    > Viel plau­si­bler ist, dass der Fanatismus von der Dämon­isierung lebt. Der anderen Seite unter­stellt man eine solche grotesque Bösar­tigkeit, dass man sich gezwun­gen sieht, noch wider­lich­er sein zu müssen, bevor die anderen gewinnen.

    Guck Dir mal fol­gen­des Video an: https://www.youtube.com/watch?v=rE3j_RHkqJc

    > Beim Mil­itär weiß man, dass man mit ein­er Eskala­tion nicht nur riskiert, schw­erere Angriffe erwarten zu müssen, son­dern auch, dass man die wichtige Unter­stützung drit­ter Parteien ver­lieren kann, wenn das eigene Han­deln als unmoralisch wahrgenom­men wird. Die Dreistigkeit der Linken ist also im Kern auch irrational.

    Was ich viel irra­tionaler finde ist, dass über­haupt jemand diese Leute Ernst nimmt. Hät­ten sie keine Rechte, kön­nte man sie auch ein­fach ignori­eren. Die wür­den mit den anderen Aussätzi­gen spie­len, sich mit Lep­ra ansteck­en, und kön­nten als abschreck­endes Beispiel dienen. 

    Guck mal, Linke sind über­sozial­isiert. Die sind nicht beson­ders unmoralisch, wie Du meinst, son­dern die sind beson­ders moralisch, sprich sie vertreten die während ihrer Kind­heit aner­zo­ge­nen Moralvorstel­lun­gen stärk­er als üblich, und wer­fen der Gesellschaft vor, dass sie diese Moralvorstel­lun­gen nicht in aus­re­ichen­dem Maße berück­sichtigt. Darum rebel­lieren sie im Namen dieser moralis­chen Werte “gegen” die Gesellschaft. Allerd­ings sind diese moralis­chen Werte natür­lich die Werte der Gesellschaft, die diese Men­schen ver­mit­telt, um diese ins Gemein­we­sen zu inte­gri­eren. Und damit sind wir bei Sozialisierung. 

    Sozial­isierung ist beim Men­schen, was Domes­tizierung bei Tieren ist, sprich, man ver­hin­dert bes­timmte Entwick­lungss­chritte, die den/das Menschen/Tier “Erwach­sen” wer­den lassen, und hält Men­sch wie Tier dadurch in einem Zus­tand lebenslanger Infan­til­ität, denn Kindern kann man leicht beliebige Ver­hal­tensweisen vorgeben, ganz gle­ich wie wider­natür­lich, die sie den­noch bere­itwillig nachäf­fen wer­den, weil sie nun­mal zu ihrer Gruppe gehören wollen, selb­st dann, wenn diese Gruppe eigentlich nur wider­natür­liche Fremdbes­tim­mung ist. Und dieser die Entwick­lung zurück­hal­tende Fak­tor ist diese mod­erne Kinder­garten­moral, laut der Gewalt und Aggres­sion böse ist, außer sie kommt von Seit­en der Polizei, und Rache geht über­haupt nicht, und so weiter.

    Vor 100 Jahren funk­tion­ierte Sozial­isierung ger­ingfügig anders, damals war nicht Gewal­tausübung das bei Erwach­se­nen nor­male Ver­hal­tens­muster, das unter­drückt wurde, um die Men­schen lebenslang in Infan­til­ität zu hal­ten, son­dern Sex­u­al­ität. Damals hat Freud dann hin­ter jed­er Neu­rose und jedem Bal­la-Bal­la-Ver­hal­ten der dama­li­gen oberen Mit­telschicht irgendwelche Ungefick­theit und uner­füllte sex­uelle Abart gefun­den, und die Linken von damals waren beson­ders ungefick­ten Wachteln, die es den Män­nern ver­bi­eten woll­ten, Alko­hol zu trinken, weil sie in Bars mit Pros­ti­tu­ierten in Kon­takt kamen, und der­gle­ichen. Mit solchem Scheiß hat damals das Frauen­wahlrecht angefangen.

    Würde Freud heute leben, wurde er heute lauter kaputte Gestal­ten vorfind­en, die kaputt gin­gen, weil sie diese ganzen Bevor­mundungswichser da draußen nicht zum Duell fordern und/oder totschla­gen kön­nen, wie es natür­lich und auch angemessen wäre, und die sich stattdessen in allen möglichen idi­o­tis­chen Patholo­gien ergeben, mit denen sie sich gegen­seit­ig als Ersatzhand­lung ihren gesellschaftlichen Sta­tus vorschwuchteln. Ein Spaß­fakt ist ja, dass psy­chis­che Erkrankun­gen deut­lich zurück­ge­hen, und die Leute auf ein­mal wieder seel­isch klar kom­men, wenn Krieg oder Katas­tro­phe ist, und meine Erk­lärung dafür ist, dass dies geschieht, weil dieses Sozialgeschwuchtele dann größ­ten­teils wegfällt, und “Friss oder Stirb” ein­fach ein sehr viel gesün­der­er Zus­tand ist.

    Naja, ins­ge­samt zeigt das schon, wie krank unsere Gesellschaft eigentlich ist, und wie fort­geschrit­ten auf diesem Weg zum Wahnsinn. Es liegt lange zurück, als unsere Vor­fahren eine einiger­maßen sta­bile Daseins­form hat­ten, die ihren natür­lichen Ver­an­la­gun­gen entsprach, und die funk­tion­ierte, ohne sie von klein auf auf die eine oder andere Weise behin­dert zu machen. Wahrschein­lich müsste man bis in die Antike zurück­ge­hen, um sowas vorzufinden.

    > Putinellen, Putinöse, Rus­sophilen – wie darf man diese Gruppe über­haupt nennen?

    Diese Kon­trären… Also, ich ordne die der Gruppe der Unter­men­schen zu. Mein­er Mei­n­ung nach sind das nut­zlose und über­flüs­sige Ver­lier­er, deren Dasein durch Suizid aufgew­ertet würde. Die sind aus dem Grund “Rechts”, weil das aus ihrer Sicht im derzeit­i­gen Kli­ma die Posi­tion von Ver­lier­ern ist, und sie sich zu ihres­gle­ichen gesellen wollen. Und die gesellen sich natür­lich nicht nur zum lokalpoli­tis­chen Lager der Ver­lier­er, son­dern sie iden­ti­fizieren sich auch inter­na­tion­al mit den Ver­lier­ern. Darum find­en sie Rus­s­land ganz dufte, und darum has­sen sie die Amis. Die rus­sis­che Gesellschaft ist dys­funk­tion­al und dys­genisch und noch stärk­er von Patholo­gien zer­fressen, als der West­en, und das find­en diese Leute halt sym­pa­thisch, und damit kön­nen sie sich iden­ti­fizieren. Und wenn diese ganzen Erfol­gre­ichen, denen sie mit Ressen­ti­ment begeg­nen, jet­zt alle gegen Rus­s­land sind, dann kön­nen die Ver­lier­er ihre Anal­re­ten­tiv­en Triebe ausleben, wenn sie auf ein­mal pro Pootin sind. Die Macht eines Ver­räters ist die größte Macht­fülle, die sie jemals erre­ichen kön­nen, darum ist es ihnen ein Genuss.

    • Hm. Eigentlich war das ne Antwort auf Ben. Ich hat­te extra auf “Antwort” geklickt.

      Außer­dem kam der Punkt nicht klar genug zum Aus­druck, dass es wider­sin­nig ist, den Left­ies und den Deep-Statel­ern vorzuw­er­den, sie wür­den die Min­dest­stan­dards zivil­isatorisch­er Moral nicht ein­hal­ten, weil sie diejeni­gen sind, die auf die Ein­hal­tung der Max­i­mal­stan­dards jen­er Zivil­i­sa­tion pochen.

      Naja, Läbän äst schlächt.

    • Erstens war das als Antwort für Ben gedacht, und zweit­ens kam nicht klar raus, dass diejeni­gen, die Ben Unzivil­isiertheit unter­stellt die Avan­garde der Zivil­i­sa­tion sind. 

      Abge­se­hen davon gibt es, bezüglich der Poot­in­fre­unde, auch noch die Gruppe der Walde­mars, sprich die fün­fte Kolonne aus Spä­taussiedlern und Ein­wan­der­ern, denen ich im Schnitt mal eine erhöhte Affinität zum Pootin-Fan­boy unter­stellen würde. Und außer­dem unter­hält der Iwan (genau wie jed­er andere) im Inter­netz große Troll-Armeen. Daher würde ich mal annehmen, dass diese die Unter­men­schen ins­ge­samt in ihrem Tun bestärken und ihnen einen Rück­halt vor­gaukeln, den sie so gar nicht haben. Diesen Leuten ist ja über­haupt nicht klar, dass eine all­ge­mein als solche wahrgenommene Katas­tro­phe alles ist, was sie mit ihrem Defätismus von einem KZ-Aufen­thalt oder einem Erschießungskom­man­do wegen tren­nt. Die Pro­pa­gan­datak­tik der Russen scheint ja zu sein, erstens mal alles und dessen Gegen­teil zu ver­bre­it­en, so dass am Ende nie­mand mehr über­haupt etwas weiß, und dann miteinan­der ver­fein­dete Extreme zu unter­stützen, in der Hoff­nung, dass diese gegeneinan­der­laufend­en Extreme die Gesellschaft in der Mitte auf­s­pal­ten. Wie bei ein­er Schere. Da hat man auch zwei Klin­gen, die schein­bar gegeneinan­der arbeit­en, in Wahrheit aber ein gemein­sames Werk ver­richt­en. Patholo­gien, die sich zu diesem Zweck aus­nutzen lassen, gibt es ja genug. Naja, und wenn Krieg oder Katas­tro­phe ist, dann kom­men die Leute auf ein­mal wieder klar, und beseit­i­gen Prob­leme, anstatt sie zu ver­wal­ten, weil das halt im Angesicht ein­er Bedro­hung Sinn ergibt, diese ganze Tol­er­anz, die die Fein­des­fre­unde als gottgegeben voraus­set­zen, hinge­gen nicht.

      Ich hoffe jeden­falls, dass diese Nachricht als Antwort auf meine eigene erscheint.

    • @Rolf

      Mir geht es auch nicht darum, dass der Wille der Mehrheit ein­fach immer umge­set­zt wird. Mich inter­essiert, dass die grob Ratio­nalen eine Chance bekom­men, sich durchzuset­zen. Es geht mir darum, dass es möglich wird, (lokale oder sachver­ständi­ge) Mehrheit­en für seine Belange organ­isieren zu kön­nen. Woran du dich ver­mut­lich störst, ist die Dauer­mo­bil­isierung, der per­ma­nente Aktivis­mus und das “wenn jed­er nur mal so wie ich”-Getöse aus allen Röhren. Wir brauchen eine Demo­bil­isierung. Die Legit­im­ität ein­er Ord­nung beruht nicht auf der Wahlbeteili­gung oder der Bewusst­seins­bil­dung in den Staus hin­ter den fest­gek­lebten Klimagören. 

      Am Besten wäre es, Parteina­men von den Wahlzetteln kom­plett zu ver­ban­nen und die Leute zu nöti­gen, sich die Eigen­na­men der Kan­di­dat­en zu merken. Das tren­nt die Inter­essierten von den Desin­ter­essierten. Und ehrlich gesagt will ich mich auch gar nicht über die Einzel­heit­en von Straßen­bau, Mil­itär, Energiev­er­sorgung, Schul­we­sen, Polizei, Jus­tiz und Gesund­heitswe­sen einar­beit­en müssen. Ich wäre damit zufrieden, gar nicht wählen zu gehen, wenn ich den Ein­druck hätte, dass sich die jew­eils Inter­essierten sach­lich und vernün­ftig mit den Auf­gaben befassen wür­den. Übri­gens scheit­ern auch autoritäre Mod­elle regelmäßig daran, dass sich alle über­schätzen und kein­er auf allen Gebi­eten den Durch­blick haben kann. Man muss delegieren. Ich würde gerne öffentliche Auf­gaben, von denen ich keine Ahnung habe, an Milieus delegieren, die sich damit befassen wollen. Das würde neben­bei auch die Medi­en­macht brechen. Die haben nur Kon­trolle über Men­schen, die sich die Kan­di­daten­na­men nicht merken wollen.

      Ach, dein Video wieder­holt die immer gle­iche Behaup­tung, dass es die Kom­mu­nika­tion­ser­le­ichterung selb­st sei, die den aktuellen Massen­wahn verur­sacht habe. Das hab ich jet­zt so oft gehört, dass ich langsam kotzen kön­nte. Alle Kul­turen zu allen Zeit­en hat­ten ähn­liche Fanatismus­prob­leme. Wir kom­men aus ein­er his­torischen Phase, in der es bess­er gemacht wurde, und weil die meis­ten offen­bar zu blöd sind das anzuerken­nen, beißt man sich an der Kor­re­la­tion fest: (heute Twit­ter, heute woke) => Massen­wahn liegt an Twitter.

      - “Mam­mi, Mam­mi, ich hab eine Achse durch einen Punkt gelegt. Eine Regres­sion­s­analyse. Eine REGRESSION!”
      — “Da sind noch andere Punk­te, Schatz.”

      Was du mit “Rechte” meinst, ist “soziale Stel­lung”. Ja, die Esken wäre bess­er aufge­hoben als Altenpflegerin, wo sie Ori­en­tierungs­bedürftige rumkom­mandieren kön­nte und dafür von den Senioren echte Dankbarkeit erleben kön­nte. Stattdessen haben wir jet­zt eine Gesellschaft, die Beschränk­theit und Dankbarkeit vortäuscht, weil Leute wie Frau Esken falsch posi­tion­iert sind. Mit ein­er Kranken­schwest­er Ursu­la von der Leyen hätte ich auch kein Prob­lem. Sie ist aber als höheres Töchterchen geboren und musste unbe­d­ingt was Dick­es wer­den. Von dem Arzt­beruf hat sie sich schnell ver­ab­schiedet, aber das war lei­der der let­zte Demut­sakt ihres Lebens. Sei­ther ist sie nur noch von sich selb­st überzeugt und erfährt kein Kor­rek­tiv. Es müssen Möglichkeit­en der gesichtswahren­den Hier­ar­chie­dy­namik gefun­den wer­den. Karl Pop­per hat­te es als primären Vorteil von Demokra­tien gese­hen, dass Machtwech­sel häu­figer und unblutiger stat­tfind­en. Ger­ade deshalb ist das Aushe­beln der Mech­a­nis­men auch nicht so kon­se­quen­z­los, wie das unsere Eliten offen­bar glauben. Der Men­sch ist näm­lich Pri­mat und es ist auf Dauer nicht genug, hoch geboren oder gut ver­net­zt zu sein. Wer keine Konkur­renten an der Kehle haben will, muss eine gewalt­freie Dynamik im Hier­ar­chiewan­del zulassen. Der Bun­destag baut ger­ade einen Graben. 

      Die These, dass Linke hyper­moralisch sind, wurde durch Thi­lo Sar­razin (“Der Tugendter­ror”) pop­u­lar­isiert. Auch hier muss ich kurz über­set­zen. Ja, die Linken sind mit ihrem eige­nen “Dür­fen” und “Nicht-Dür­fen” aufgewach­sen und haben es oft beson­ders gut verin­ner­licht. Das kann man “Moral” nen­nen oder “Indok­tri­na­tion” (auch Sozial­isierung und Domes­tizierung). In dem Abschnitt, auf den du eingehst, rede ich vom Seg­ment der bewussten Regel­brech­er. Du redest vom Seg­ment der Manip­ulier­baren. Da gibt es sich­er auch Über­lap­pun­gen, also jene, die um eine Regel zu acht­en, meinen, eine zweite brechen zu müssen ohne die Regeln grund­sät­zlich zu hin­ter­fra­gen. 2015 hab ich mir auch den Kopf darüber zer­brochen, wie man kom­mu­nizieren kann, dass die Scharia mit “Du darf­st Moham­met nicht belei­di­gen” kein gle­ich­w­er­tiges Moral­sys­tem ist zum west­lichen “Du darf­st andere nicht für ihre Aus­sagen bestrafen”. Eine Zeit­lang hat­te das AfD-Milieu häu­fig Max Weber zitiert, der zwis­chen “Ver­nun­ftethik” und “Gesin­nungsethik” unter­schied. Das ist schon mal ein Ansatz. Der Nutzen des einen Kanons an Ge- und Ver­boten ist höher als der Nutzen des anderen Kanons. Man muss die Kon­se­quen­zen besprechen.

      Ich glaub, die Amerikan­er beschreiben das Prob­lem der vorge­blichen Super­moral bess­er mit dem “Virtue Signaling”-Konzept. Eine Sam­mel­suri­um an Werten wird geteilt, aber Einzelper­so­n­en bekom­men her­aus, dass sie ihren Sta­tus arbeits­frei erhöhen kön­nen, wenn sie vorgeben, an eine Regel ganz beson­ders zu glauben. Beispiel: Eine Gruppe ist sich weitest­ge­hend einig, dass der Bär im Zoo mehr Aus­lauf braucht. Eine Per­son sagt, dass auch Mast­tiere bessere Lebens­be­din­gun­gen brauchen.
      “Ach was, ich esse gar kein Fleisch, egal wie die Hal­tung ist.”
      “Ich verzichte auch auf Milch­pro­duk­te und Eier.”
      “Ich stelle meine Katze ger­ade auf Tofu um.” 

      Das ist der Grund, weshalb die Konzepte “Radikalis­mus” oder “Extrem­is­mus” nicht gut funk­tion­ieren. Der eine oder andere Sprech­er wird ver­rückt genug sein, aus Überzeu­gung veg­e­tarisch zu essen. Aber das Prob­lem ist gar nicht erst die Per­son, die alle Katzen töten will, weil die andere Tiere fressen, son­dern dass schon viele eigentlich das Gehege des Bären groß genug fan­den und sich nur auf­spie­len woll­ten. Es gibt näm­lich sog­ar Applaus, wenn man vorgibt, Insek­ten ret­ten zu wollen. Bevor man Twit­ter beschuldigt, sollte man sich bei Hin­dus und tibetis­chen Mönchen auch mal umhören. Das Prob­lem ist, dass zu wenige auch mal die guten Inten­tio­nen ander­er hin­ter­fra­gen. Man muss das aber im Einzelfall prüfen, wer etwas meint oder nur so tut. Zu viel Naiv­ität ist genau­so fatal wie zu viel Zynismus.

      Nun geht deine Vorstel­lung in die Rich­tung des Nihilis­mus (ver­wandt mit Anar­chis­mus und Satanis­mus [nicht abfäl­lig gemeint]), also die Vorstel­lung, dass es irgend­wie auch ganz ohne Moral gin­ge. Dein Argu­ment zielt darauf ab, dass man die men­schliche Natur, also den Pri­ma­ten­teil davon, stärk­er berück­sichti­gen muss. Und, wie beschrieben, wäre es klug, wenn die Eliten bemerken wür­den, dass sie Hier­ar­chien bess­er flex­i­bel gestal­ten und anerken­nen, als unehrlich von Gle­ich­heit zu reden und Burggräben zu bauen.

      Nun gibt es den Kon­flikt über die Natur des Men­schen und sein­er Berück­sich­ti­gung und Zügelung schon ewig. Wenn zwei Wid­der ihre Hörn­er aneinan­der knallen lassen, wollen sie den Weibchen imponieren. Das ist die erste biol­o­gis­che Funk­tion der art­in­ter­nen Aggres­sion. Die zweite, damit ver­bun­dene, ist es, unter sich die Hier­ar­chie zu klären. Der Men­sch hat keine fes­ten Paarungszeit­en. Die Funk­tion “Weibchen imponieren” ist mit dem sex­uellen Beloh­nungssys­tem ver­bun­den. Die Funk­tion Dom­i­nanz auszuüben wurde evo­lu­tionär ein­fach mit dem gle­ichen Sys­tem belohnt. Das ist der wahre Kern der “Tox­ic Masculinity”-Legende. Freilich haben Frauen die gle­ichen Triebe nur schwäch­er und ein kom­ple­men­täres Sys­tem, das eben­so tox­isch ist und auf Manip­u­la­tion, Aus­gren­zung, Ruf­mord und aus­giebigere Feind­schaft­spflege basiert, aber darüber reden wir nicht.

      Oben­drein wird bei Säugetieren die Dom­i­nanz oft auch mit Verge­wal­ti­gun­gen hergestellt. Selb­st weib­liche Kan­inchen ram­meln miteinan­der. Das gle­iche Beloh­nungssys­tem wird also erweit­ert. In dem Film “Star­ship Troop­ers” erfahren Insek­te­naliens durch einen Brain­bug, wie Men­schen tick­en. Ein Insekt schnappt sich einen Sol­dat­en und verge­waltigt ihn.
      https://youtu.be/yAScGueE7XQ?t=4838
      Das Vieh hat ver­standen, dass Men­schen Säuger sind und eine Verge­wal­ti­gung ein klar­eres Unter­w­er­fungssig­nal set­zt als eine Flagge irgend­wo. Kluges Script. Natür­lich ist das so tabu, dass das kein­er anspricht. Der Kom­man­dant tötet das Verge­wal­ti­gung­sopfer statt es zu ret­ten. Für ihn als Säuger würde son­st durch die Verge­wal­ti­gung der Feind in die eigene Hier­ar­chie einge­baut, auch wenn solche Gedanken im echt­en Leben nicht expliz­it sind und hin­ter ein­er schwammi­gen Rhetorik um den Begriff “Ehre” ver­schwinden. In prim­i­tiv­en Kul­turen find­et man es oft bess­er, wenn Frauen ihr Leben been­den als eine Verge­wal­ti­gung zuzu­lassen. Keine Regen­bo­gen­flagge wird grund­sät­zlich etwas daran ändern, dass Sex­u­alak­te, die an Verge­wal­ti­gun­gen erin­nern, auf Ekel und Abnei­gung stoßen. Das heißt natür­lich nicht, dass Schwule in der Öffentlichkeit nicht mehr Händ­chen hal­ten oder sich umar­men sollen, aber der “Gay Pride”, wie er heute stat­tfind­et, schadet nicht nur dem Anse­hen der Homo­sex­uellen selb­st, son­dern auch dem des West­ens. Wir haben eben nun ein­mal auch dieses Pri­maten­hirn und wer­den es immer haben und daraus muss man die Kon­se­quenz ziehen, den Akt an sich möglichst klar zu pri­vatisieren (und auch das Gerede darüber run­terz­u­fahren). Die rus­sis­che Pro­pa­gan­da spielt sehr stark damit, dass im Moment im West­en die Homo­sex­u­al­ität so in den Vorder­grund gerückt wird. Die Tat­sache, dass die EU ständig die Osteu­ropäer mobbt mit dem absur­den Vor­wurf, dass die Polen und Ungarn eine Gefahr für Schwule wären, hil­ft ihm natür­lich. Die pen­e­trante Regen­bo­gen­be­flag­gung auch.

      Hast du deine These, dass Men­schen in Kriegs­ge­bi­eten beson­ders psy­chisch sta­bil sind, ein­mal mit der Real­ität abgeglichen? Da musst du nochmal nach­schauen. “Wahrschein­lich müsste man bis in die Antike zurück­ge­hen, um sowas vorzufind­en.” Such! Es kann sein, dass du auf den urba­nen Mythos reinge­fall­en bist, dass gute Zeit­en schwache Män­ner gebäre, die schlechte Zeit­en schaf­fen, aber harte Zeit­en wieder starke Män­ner her­vor­bringe, die dann wiederum gute Zeit­en ein­leit­en. Zeig mir mal eine Stelle im gottver­lasse­nen Afri­ka, wo aus dem Dreck starke Män­ner steigen, die irgend­was auf die Rei­he kriegen! Wie viele Jahrhun­derte hockt man im Dreck, bis die sich beque­men, mit ihrer Stärke bessere Zeit­en einzuleiten?

      Du hast natür­lich recht, dass wir, wie der Wid­der, diesen Gewalt-Sex­u­al­itäts-Hier­ar­chie-Nexus haben und der den Freud so faszinierte. Mein Lieblingskampf­s­port sieht so aus: Zwei Typen prügeln sich. Es wird getreten, mit Ell­bo­gen und Knien gestoßen und die Gurgel abge­drückt, bis ein­er tot ist. Mause­tot. Das muss natür­lich alles abso­lut echt sein und kein CGI. Wichtig ist aber auch, dass die bei­den zwei Wochen später lachend im Gips vor einem ste­hen und über die juck­enden Fin­ger reden, die ger­ade wieder nachwach­sen. Das geht natür­lich nicht. Da konkur­ri­eren zwei Teile meines Gehirns miteinan­der, aber bei­de Teile sind natür­liche Teile des Gehirns und nicht Fol­gen ein­er Domes­tizierung. Du unter­schätzt auch die Infan­til­ität in Kul­turen, die gewalt­tätiger und hier­ar­chis­ch­er sind.
      https://www.youtube.com/watch?v=wtD8hVhnOMY

      Freud hat­te im Anblick der Gewalt sein­er Zeit zu viel Hoff­nung darauf gelegt, dass die Leute ihr Gewalt-Sex-Bedürf­nis durch den ero­tis­chen Akt befriedi­gen kön­nen. Neben der Schwachsinns­bekämp­fung durch öffentlichen Wider­spruch ist das aber eine nach wie vor vernün­ftige Säule. Viele Woke-Hüh­n­er sind zutief­st unterf*ckt. Das hat aber auch mit der wirtschaftlichen und sozialen Insta­bil­ität — ins­beson­dere seit der Sub­prime-Krise — zu tun. Män­ner müssen in jun­gen Jahren beru­flichen Erfolg haben und nicht von Klassen­z­im­mer zu Klassen­z­im­mer geschickt wer­den ohne danach etwas damit anfan­gen zu kön­nen. Mit der Ver­ren­tung der Boomer wer­den wir bald sehen, dass der unfokussierte Klassen­z­im­mer­marathon nicht zu mehr Bil­dung, son­dern zu ein­er Kom­pe­ten­zlücke geführt hat.

      Ich wette, dass lock­er 90% des BWL-Studi­ums — und das ist DAS Massen­fach — abso­lut nut­z­los für die Sach­bear­beit­er­rollen ist, die die Leute dann tat­säch­lich ein­nehmen. Und all diese Frus­tri­erten, die in Kar­ri­ere­sack­gassen hock­en, während die ganzen NGOs, Kirchen, Sub­ven­tions­bet­tler und so weit­er die Gemein­schaft­skasse plün­dern, haben diese Pri­mat­en-Aggres­sion auf die unver­rück­bare Hier­ar­chie. Nicht der Arbeit­ge­ber wird als Unter­drück­er gese­hen, was Linke gerne so als Blitz­ableit­er sehen mögen möcht­en wür­den, son­dern die Linken selb­st. Und dafür gibt’s den Kampf gegen Rechts.

      • @Ben
        Ach scheiße, weißt Du, ich hab so der­maßen viel zu tun, dass ich nie auch nur einiger­maßen zeit­nah dazu komme, hier nach Antworten zu schauen. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen.

        > Wir kom­men aus ein­er his­torischen Phase, in der es bess­er gemacht wurde,

        Welche Phase meinst Du? Ich bezwei­fle jeden­falls, dass es jemals eine Phase gegeben hat, in der die Leute nicht bescheuert waren, und ich glaube, dieses Bescheuert­sein ist ein inter­gen­er­a­tionelles Pro­jekt das ständig erweit­ert wird. Ich glaube auch, dass die Hys­terie der Gegen­wart, mit lebenslanger Indok­tri­na­tion und die Leute immer ver­rück­ter machen­den Massen­me­di­en, ein neuer Höhep­unkt geschaf­fen wurde, was jedoch dadurch aus­geglichen wird, dass die Men­schen zu immer dozil­eren Haustieren Werden.

        > Die The­se, dass Lin­ke hyper­mo­ra­lisch sind, wur­de durch Thi­lo Sar­ra­zin („Der Tugend­ter­ror“) popularisiert.

        Das Unabomber-Man­i­fest, stammt aus den 1990ern, und Onkel Ted hat den Punkt aus einem Buch von Jacques Ellul aus den 1960ern oder 1970ern geklaut. Das Argu­ment stammt nicht vom Thilo. 

        > In dem Abschnitt, auf den du eingehst, rede ich vom Seg­ment der bewussten Regel­brech­er. Du redest vom Seg­ment der Manip­ulier­baren. Da gibt es sich­er auch Über­lap­pun­gen, also jene, die um eine Regel zu acht­en, meinen, eine zweite brechen zu müssen ohne die Regeln grund­sät­zlich zu hinterfragen

        Oder jene, die unter den vie­len in ihrem Kopf beson­ders strik­ten Regeln lei­den, und die, um diesen Lei­dens­druck abzubauen, nicht gegen son­dern für diese Regeln rebel­lieren. Das ist tat­säch­lich ein sehr ver­bre­it­etes Ver­hal­tens­muster. Und Du musst schon zugeben, dass bei Leuten, die im Prinzip von Schuld­kom­plex­en zer­fressene Defätis­ten sind, von einem zugrun­deliegen­den psy­chis­chen Lei­dens­druck auszuge­hen ist. 

        > „Ich stelle meine Katze ger­ade auf Tofu um.“ 

        Musste lachen

        > Hast du deine These, dass Men­schen in Kriegs­ge­bi­eten beson­ders psy­chisch sta­bil sind, ein­mal mit der Real­ität abgeglichen? Da musst du nochmal nachschauen.

        Ich müsste tat­säch­lich nochmal nach­schauen, um Dir eine Quelle zu liefern, aber ich bin ziem­lich sich­er, dass Schiz­o­phre­nie, Depres­sion, und die üblichen psy­chis­chen Erkrankun­gen in Kriegszeit­en sog­ar stark zurück­ge­hen. Zumin­d­est hab ich das wieder­holt von unter­schiedlichen Leuten gehört und gele­sen, bei denen ich davon aus­ge­he, dass sie es nicht ungeprüft weit­er­tra­gen würden. 

        > Zeig mir mal eine Stelle im gottver­lasse­nen Afri­ka, wo aus dem Dreck starke Män­ner steigen, die irgend­was auf die Rei­he kriegen!

        In Afri­ka war Jagen&Sammeln ziem­lich üblich, bis land­fremde Zivil­i­sa­tio­nen dort alles durcheinan­der bracht­en. Und die Sache ist die, dass es gute Gründe dafür gibt, dass der Schritt vom Jäger&Sammler zum ort­san­säs­si­gen Bauern, beson­ders als Teil ein­er größeren Gemein­schaft, wed­er frei­willig noch vorteil­haft noch angenehm war, son­dern der erste Schritt zur Zivil­i­sa­tion die von Man­gel­ernährung und Krankheit­en geplagte Sklaven­plan­tage war, die Getrei­de deshalb den Vorzug gegenüber besseren Feld­frücht­en gab, weils mit einem Mal geern­tet und danach gelagert wer­den muss, und sich dadurch leichter vom ver­ant­wortlichen War­lord stehlen lässt. 

        Für diese These gibts sog­ar ne gute Quel­len­lage, falls Du Inter­esse hast. Jeden­falls würde ich den Negern jeden­falls zugute­hal­ten, dass sie zumin­d­est ver­suchen, das Richtige zu tun.

        > Viele Woke-Hüh­n­er sind zutief­st unterf*ckt.

        Also, die die ich kenne, sinds nicht. Die haben jed­erzeit mehrere Verehrer, die natür­lich totale Luschen sind die sich von diesen Weibern scheiße behan­deln lassen, und teil­weise gehen die sog­ar in Swinger-Clubs. 

        Ich hab da so eine Bekan­ntschaft mit Ein­er, die Dad­dy-Issues hat, und darum aus Prinzip Ker­le die nett zu ihr sind für totale Luschen hält. Die hat daher auch jed­erzeit 1–3 Boyfriends, die sie jedoch alle ver­achtet. Irgend­wann bin ich mit meinem Manspread­ing und mein­er tox­is­chen Maskulin­ität mal mit der aneinan­der ger­at­en. Naja, das war der erste Ein­druck, und mit über diesen tauscht man sich aus, und so hat sie indi­rekt erfahren, dass sie damals kurz davor stand, gle­ich­berechtigt behan­delt, sprich ver­prügelt, zu wer­den, und sei­ther hat sie (uner­füllte) Verge­wal­ti­gungsphan­tasien in denen ich vorkomme. 

        Der Punkt ist, dass ihr Män­ner­bild und ihre Män­ner-Ver­ach­tung halt nicht zulet­zt von den Män­nern um sie rum geprägt wird, was besagt, dass ungefickt zu sein für die häu­fig ein Upgrade wäre.

  5. Selb­stre­dend mis­cht sich nicht nur der amerikanis­che Deep State in die Wil­lens­bil­dung der Bevölkerung ein, son­dern auch der Ver­fas­sungss­chutz. Ich hat­te dazu mal eine kurze Zeit­lang Mel­dun­gen gesam­melt. Wenn es heißt, “Der Spiegel berichtet, dass der Ver­fas­sungss­chutz eine Überwachung plant” oder ähn­lich­es, ist bere­its in den Medi­en unver­hohlen klargestellt, dass ein Maulwurf Ver­traulichkeit­en z.B. an den Spiegel weit­ergegeben hat. Während der Kündi­gungsphase von H.-G. Maaßen haben so einige Leitme­di­en berichtet, was sie nur wis­sen kon­nten, wenn Geset­ze gebrochen wur­den. Der jüng­ste Fall sind die NSU-Berichte, die an Jan Böh­mer­mann her­aus­gegeben wur­den. Das ganze Vorge­hen mit den Prangern (z.B. der Ver­fas­sungss­chutzbericht) wäre in Ameri­ka ein Skan­dal. Würde als qua­si “Okto­berüber­raschung” vor hiesi­gen Wahlen ans Licht kom­men, dass der Ver­fas­sungss­chutz einen Bürg­er oder eine Gruppe überwacht, würde das keine Augen­braue heben. Der Deutsche hätte dann vor dem Bürg­er Angst und nicht vor dem Geheim­di­enst und dessen Spitzelei. Nur deshalb funk­tion­iert das offiz­iöse Anprangern. Es wird die AfD sich­er nicht gerne hören, dass das nicht der böse Ami so ein­fädelt hat, son­dern dass das ein Webfehler der deutschen Kul­tur ist, den man beheben muss. Inlands­ge­heim­di­en­ste dienen auss­chließlich der Spi­onage­ab­wehr und der Vere­it­elung konkreter Ter­ro­ran­schläge. Soll­ten sich die Stellen zu anderen Tätigkeit­en berufen fühlen, gehören die Ver­ant­wortlichen vor par­la­men­tarische Unter­suchungsauss­chüsse geladen. Wir brauchen also nicht nur Klarheit bei Twit­ter, son­dern auch bei den Sicherheitsorgane.

    Was mich umtreibt, ist die scham­lose Unter­minierung zivil­isatorisch­er Min­dest­stan­dards, die durch die orwellis­che Kom­mu­nika­tions­be­herrschungssucht zutage tritt. Das ist ja nicht alles unter­be­wusst. Men­schen entschei­den aktiv, dass A ver­schwiegen und B behauptet wer­den soll, um andere Men­schen auf die falsche Fährte zu führen. Im zen­surbeauf­tragten Unternehmensmit­tel­bau von Big Tech, in der Poli­tik und in den Medi­en laufen nicht nur Leute rum, die ihr ganzes Leben lang die Stars aller Klassen­z­im­mer gewe­sen waren und den­noch — oder vielle­icht ger­ade deshalb — sind sie von ihrer über­ra­gen­den Urteil­skraft abso­lut überzeugt. Aber selb­st wenn ich so von mir überzeugt wäre wie die offen­bar von sich, würde ich innehal­ten, bevor ich sagte, “Dem stopf ich das Maul” und “Der lüg ich mal ins Gesicht”. Und das ist das schwierige Rät­sel: Was bringt zumin­d­est einige dieser Leute dazu, bewusst die absoluten Min­dest­stan­dards der Zivil­isiertheit auszuhebeln? 

    Die rasche, häu­fig vorge­brachte Antwort lautet: für eine höhere Sache. Aber ist das plau­si­bel? Nicht nur fehlt in den typ­is­chen linken Denkmod­ellen wie dem Marx­is­mus oder der Kli­makirche die Detailbeschrei­bung der Utopie. Man hat es auch mit Pro­tag­o­nis­ten zu tun, die nicht ein­mal die direk­ten logis­chen Fol­gen irgendwelch­er Behaup­tun­gen oder Hand­lun­gen durch­dacht haben. Leute, die sich fes­tk­leben, ohne den Stuhl­gang zu bedenken, haben keine Vision durch­dacht, in die sie sich so sehr ver­liebt haben, dass sie alles andere dafür zu opfern bere­it wären.

    Viel plau­si­bler ist, dass der Fanatismus von der Dämon­isierung lebt. Der anderen Seite unter­stellt man eine solche grotesque Bösar­tigkeit, dass man sich gezwun­gen sieht, noch wider­lich­er sein zu müssen, bevor die anderen gewin­nen. Da die andere Seite früher oder später erken­nt, dass die Stan­dards gesenkt wer­den, läuft sie Gefahr, der gle­ichen Logik zu ver­fall­en, wom­it bei­de Seit­en in ein­er Lose-Lose-Sit­u­a­tion enden. Beim Mil­itär weiß man, dass man mit ein­er Eskala­tion nicht nur riskiert, schw­erere Angriffe erwarten zu müssen, son­dern auch, dass man die wichtige Unter­stützung drit­ter Parteien ver­lieren kann, wenn das eigene Han­deln als unmoralisch wahrgenom­men wird. Die Dreistigkeit der Linken ist also im Kern auch irrational.

    Das wis­sen sie aber natür­lich nicht, weil sie nichts durch­denken. Mit dem Absenken der Stan­dards und dem Hass auf das eigene Volk, senken sie aber auch die moralis­che Hoheit gegenüber anderen Völk­ern. Putin steckt in der gle­ichen Zynis­mus­falle und hält die demokratis­chen Errun­gen­schaften für Geschwätzbrock­en, die ohne­hin nie­man­dem etwas bedeuten, und mit Blick auf immer mehr Spin­ner im West­en muss er sich in dieser Idee auch bestätigt fühlen. Warum sollte er keine “gelenk­te Demokratie” wollen, wenn im West­en das Volk auch immer mehr an der Nase durch die Manege geführt wird? Er kann nicht wis­sen, dass Ehrlichkeit, Frei­heit und Rechtssicher­heit ein­mal tat­säch­lich etwas bedeutet haben. Er muss ger­adezu im Anblick des Ver­hal­tens der linken Eliten zu dem Schluss kom­men, dass die Leben­squal­ität des West­ens auf anderen Din­gen beruht. An der Stellt tritt ein dif­fus­es Konzept von “Macht” oder “Impe­ri­al­is­mus”.

    Wenn ich die Putin­verst … — oh, das ist eine schröck­liche Belei­di­gung — die, äh, Putinellen, Putinöse, Rus­sophilen — wie darf man diese Gruppe über­haupt nen­nen? — also wenn ich diese Leute abschätzig vom “Wertewest­en” reden höre, ist mir klar, dass sie sich auch in einen Fanatismus ver­don­nert haben, der auf einem über­steigerten Zynis­mus basiert. Es wird nicht geschaut, ob es über­haupt stimmt, dass der West­en schon moralisch so abgewirtschaftet hat wie andere Völk­er. Natür­lich reden wir hier wieder von Leuten, die nichts durch­denken und entsprechend wer­den sich viele — einige davon ein­wan­derungskri­tis­che Stim­men — auch noch nicht die Frage gestellt haben, was denn noch an Ein­wan­derung zu bemän­geln wäre, wenn die ganzen anderen Völk­er doch auf dem gle­ichen moralis­chen Niveau stün­den wie wir. Wenn es doch genau­so wahrschein­lich wäre, von einem Deutschen abgestochen zu wer­den wie von einem Afrikan­er, dann kann man auch alles mit Afrikan­ern voll räu­men. Oder glauben sie etwa doch, dass Deutsche nicht so rasch wegen uner­wün­schter Äußerun­gen oder anderen Unan­nehm­lichkeit­en zur Gewalt greifen? Glauben Sie vielle­icht doch, dass der Wertewest­en höhere Werte hat als andere? Die Antwort lautet wohl: ja. Sie glauben ein­fach bei­des. Sie glauben “Der West­en ist moralis­ch­er” und “Der West­en ist auch nicht moralis­ch­er”. Die bei­den Gedanken tre­f­fen nur nicht im Kopf aufeinan­der. Es wird nichts durchdacht.

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