Weißenfels: Klimaparklplatz eröffnetZuge­ge­ben, um die Seg­nun­gen von Markt­wirt­schaft und Digi­ta­li­sie­rung zu erle­ben, fährt man nicht aus­ge­rech­net nach Wei­ßen­fels in Sach­sen-Anhalt. In der Gegend fliegt eine Brief­tau­be schnel­ler als eine SMS und nach­dem sich unren­ta­ble Indus­trien in den frü­hen 90ern vom Acker gemacht haben, zie­hen auch die Men­schen weg. Sicher, es kom­men auch neue Bewoh­ner hier her, aber das ist eine ganz ande­re Geschich­te, die ein ander­mal erzählt sein soll. Da ich vor lan­ger Zeit in Wei­ßen­fels gebo­ren wur­de, inter­es­siert und berührt mich das Schick­sal die­ser Stadt immer noch stark und wenn ich sie von Zeit zu Zeit besu­che, fal­len mir Ver­än­de­run­gen viel­leicht deut­li­cher auf als jeman­dem, der täg­li­chen Umgang mit die­ser klei­nen Stadt an der Saa­le hat.

Die bau­li­chen Ver­än­de­run­gen sind all­ge­mein posi­tiv und gigan­tisch, gera­de wenn man den Stadt­kern mit dem fast noch geschlos­se­nen baro­cken Gebäu­de­be­stand betrach­tet. Doch abseits vom Zen­trum sieht es immer noch recht trost­los aus. Man könn­te ver­mu­ten, die Stadt sei mitt­ler­wei­le eini­ge Num­mern zu groß gera­ten für ihre Bewoh­ner und die Leis­tungs­fä­hig­keit ihrer Steu­er­zah­ler. Umso erstaun­ter war ich, als ich von einem gera­de erst fei­er­lich sei­ner Bestim­mung über­ge­be­nen Bau­vor­ha­ben erfuhr: einem fun­kel­na­gel­neu­en Kli­ma­park­platz.

Lie­be Leser, Sie ken­nen mich. Sie ahnen des­halb, was ich dach­te: „Das ist doch Ver­ar­sche!“ Als mir dann auch noch eini­ge Schon­län­ger­hier­le­ben­de berich­te­ten, dass sich für den Park­platz „Kee­ne Sau int’ressiert“, war mei­ne Neu­gier geweckt. Also erst mal ins Netz und nach dem welt­wei­ten Medi­en­echo gesucht, denn wenn es nun einen Ort gibt, an dem das Kli­ma par­ken kann, ist das doch sicher eine ganz gro­ße Sache. Und tat­säch­lich: der Prantlhau­ser Beob­ach­ter wid­met dem Ereig­nis die Über­nah­me einer AP-Meldung:

Ein rund 1,78 Mil­lio­nen Euro teu­rer soge­nann­ter Kli­ma­park­platz, der zum Umwelt­schutz bei­tra­gen soll, ist in Wei­ßen­fels über­ge­ben wor­den. Auf 4900 Qua­drat­me­tern Flä­che stün­den […] 84 Park­plät­ze, zwei Wohn­mo­bil­stell­plät­ze und 84 Stell­plät­ze für Fahr­rä­der zur Ver­fü­gung, teil­te die Stadt­ver­wal­tung […] mit. An vier Park­plät­zen sei­en Elek­tro­la­de­säu­len ein­ge­rich­tet wor­den. Beleuch­tet wer­de der Platz mit ener­gie­spa­ren­den LED-Lam­pen, zudem sei­en die Fahr­rad­stell­plät­ze mit einem Solar­dach überdacht.

Der Augen­schein bestä­tigt sowohl die AP-Mel­dung in der SZ also auch das Urteil der Ein­woh­ner: „Ich fah­re da täg­lich mehr­mals dran vor­bei und habe noch nie­mals auch nur ein ein­zi­ges Fahr­rad gese­hen. Oder mal’n Auto.“ Nun, Autos par­ken da tat­säch­lich kaum. Außer mei­nem, wel­ches nicht zählt, denn ich war ja nur wegen des Park­plat­zes dort, waren am Sams­tag noch drei wei­te­re Autos auf dem Platz. Ein Fahr­rad hin­ge­gen oder ein E‑Auto auf Lade­mis­si­on war weit und breit nicht zu sehen.

Es stellt sich natür­lich die Fra­ge, war­um um alles in der Welt dort über­haupt Autos par­ken soll­ten, ganz zu schwei­gen von der Fra­ge, wer dort Fahr­rä­der in Mas­sen abstel­len soll und war­um eigent­lich? Es gibt dort buch­stäb­lich nichts, kein Ein­kaufs­zen­trum, kei­nen Super­markt, kein Restau­rant. Der Bahn­hof liegt weit weg auf der ande­ren Sei­te der Saa­le und der benach­bar­te Kreis­ver­kehr unter­halb der Saa­le­brü­cke lädt auch nicht gera­de zum Ver­wei­len ein. Alles an die­sem Ort ruft „nichts wie weg hier“. Ein Ein­druck, den selbst der ein­la­dends­te Kli­ma­park­platz nicht zu ver­scheu­chen vermag.

Liest man wei­ter im Arti­kel der SZ, kommt einem die maka­bre Idee, es soll ohne­hin nie­mand mit sei­nem Fahr­zeug die edlen Pflas­ter­stei­ne beschatten.

Die auf dem Park­platz ver­leg­ten Beton­pflas­ter­stei­ne sei­en mit einer Titan­di­oxid-Schicht ver­se­hen, die eine soge­nann­te Pho­to­ka­ta­ly­se ermög­li­chen: Durch den Ein­fall von Licht wür­den dabei umwelt­schäd­li­che Stick­oxi­de in unbe­denk­li­che Nitra­te umgewandelt.“ 

Das klappt natür­lich nur, wenn das Son­nen­licht den Pflas­ter­stein erreicht, weil ihm kein Auto, Fahr­rad oder Solar­dach im Wege steht. Mit ande­ren Wor­ten, ein Park­platz ist nur solan­ge ein Kli­ma­park­platz, wie kein Auto dar­auf parkt. Außer­dem – aber das ist der all­zeit aler­ten Pres­se sicher klar – sind Nitra­te nur solan­ge unbe­denk­lich, bis sie ins Grund­was­ser gelan­gen und dem Bau­ern als Umwelt­ver­schmut­zung in die Gum­mi­stie­fel gescho­ben wer­den kön­nen. Der hat in Wei­ßen­fels nun eine Aus­re­de: Es war nicht die Gül­le, son­dern der Parkplatz!

Ob die ver­edel­ten Pflas­ter­stei­ne ihrem luft­ver­bes­sern­den Tag­werk nach­ge­hen kön­nen, hängt natür­lich sowie­so vom Wet­ter ab. Bei Son­nen­schein haben Stick­oxi­de in der unte­ren Atmo­sphä­re näm­lich nur eine Lebens­dau­er von weni­gen Stun­den bis Tagen und die Stadt­rei­ni­gung wird in Wei­ßen­fels alle Hän­de und Besen voll zu tun haben, damit den Stei­nen noch Kli­maar­beit übrig bleibt. Auch die Ange­wohn­heit, dass Schmutz, Staub, Schnee, Sand, Laub und Kau­gum­mi sich auf den Pflas­ter­stei­nen sam­meln, ver­min­dert deren kata­ly­ti­sche Zau­ber­kraft erheblich.

Aber es ist wohl ohne­hin der fal­sche Ansatz, aus der beab­sich­tig­ten (media­len) Wir­kung des Stra­ßen­be­la­ges, der solar­be­trie­be­nen Beleuch­tung oder des Bedarfs an Stell­flä­chen für Rad, Renault und Rost­lau­be auf den Grund zu schlie­ßen, war­um fast 1,8 Mil­lio­nen Euro im Wei­ßen­fel­ser Saa­le­sand ver­bud­delt wer­den muss­te. SZ weiter:

Das Bau­vor­ha­ben Kli­ma­park­platz wur­de den Anga­ben zufol­ge durch den euro­päi­schen Fond für regio­na­le Ent­wick­lung des Lan­des Sach­sen-Anhalt geför­dert. Die 93 Pro­zent För­de­rung betra­ge etwa 1,66 Mil­lio­nen Euro. Die rest­li­chen Kos­ten hat die Stadt Wei­ßen­fels der Mit­tei­lung nach aus Eigen­mit­teln finanziert.“

Stol­ze 93% die­ser solar­be­leuch­te­ten, titan­di­oxid­be­schich­te­ten Pflas­ter­stein­wüs­te hat also die EU bezahlt. Geld, dass nur schein­bar nie­man­dem weg­ge­nom­men wur­de, weil die rie­si­ge Farm, auf der dies Geld zusam­men­ge­klaubt wur­de, von Lis­sa­bon bis Tal­linn reicht. Ein­ge­setzt wur­de es in Wei­ßen­fels indes für ein Pro­jekt, von dem tat­säch­lich nie­mand etwas hat. Also nichts als Ver­geu­dung für das Sym­bol eines Pro­blems, wel­ches in der Rang­fol­ge für Wei­ßen­fels nach dem Ver­fall der Bau­sub­stanz in der Peri­phe­rie, Weg­zug und schwin­den­der Kauf­kraft, Ver­kehrs­we­gen, Arbeits­plät­zen, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Sicher­heit und sicher 99 ande­ren Din­gen höchs­tens unter „weit, weit weg“ rubriziert.

Doch gäbe es das „Pro­blem” nicht, gäbe es auch die Mit­tel nicht. Das gilt für Kli­ma­schutz­maß­nah­men nicht nur in Wei­ßen­fels. Und da man „Mit­tel” nun­mal so gern hat, muss es das Pro­blem ein­fach geben. Man darf auch anneh­men, dass der groß­zü­gi­ge Mit­tel­ein­satz als vol­ler Erfolg nach Brüs­sel gemel­det wur­de, dass das Kli­ma nun am liebs­ten in Wei­ßen­fels par­ken wird und dass die Ein­woh­ner der Stadt ihre Dank­bar­keit für Brüs­se­ler För­der­pro­gram­me kaum in Wor­te fas­sen kön­nen. In der hie­si­gen Mund­art drückt man die­se Dank­bar­keit übri­gens so aus: „Dos is dor lät­ze Schais”.

Mich hin­ge­gen beschleicht die Ver­mu­tung, es hier weni­ger mit einer gewon­ne­nen Kli­ma­schlacht an der Saale­front als viel­mehr mit einer typi­schen Fehl­lei­tung der Mit­tel zu tun zu haben. Die Fehl­al­lo­ka­ti­on von Res­sour­cen ist näm­lich ein wesent­li­ches Merk­mal sozia­lis­ti­scher Plan­wirt­schaft, zu wel­cher sich die Brüs­se­ler Büro­kra­tie längst her­ab­ge­schwun­gen hat. Nicht immer absicht­lich, so mei­ne freund­li­che Unter­stel­lung! Doch die Ent­fer­nung zwi­schen zen­tra­lis­ti­scher Büro­kra­tie und gera­de­zu schilda­es­ker Bedarfs­vor­täu­schung ver­un­mög­licht jede ehr­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on. Und was schert es schon einen EU-Kom­mis­sar, der einem durch Pro­porz zusam­men­ge­tacker­ten Res­sort vor­steht, was von EU-Mit­teln in einer Klein­stadt in Sach­sen-Anhalt gebaut wird?

Dort nimmt man gern das Geld, das eben da ist und lie­fert dafür die Begrün­dun­gen, die benö­tigt wer­den, damit die Papie­re „stim­men”. Ich hat­te einst selbst das „Ver­gnü­gen“, in den spä­ten 90ern Jahr für Jahr ver­geb­lich um EU-Mit­tel für ein Pro­jekt der Jugend­ar­beit zu kämp­fen, was immer wie­der mit dem Hin­weis abge­schmet­tert wur­de, man för­de­re die­ser Jah­re nur die Errich­tung oder Sanie­rung von Toi­let­ten, ich sol­le mei­ne Anträ­ge doch dahin­ge­hend umfor­mu­lie­ren. Die­ses Spiel der Täu­schun­gen und der posi­ti­ven Bericht­erstat­tung kann­te ich nur zu gut aus der DDR und war fas­sungs­los, dass es nun im EU-Maß­stab so wei­ter­lief. Ohne mich.

Was für die EU in den 90er Jah­ren Toi­let­ten für Jugend­ar­beit waren, das ist heu­te der Kli­ma­schutz für so man­che sinn­lo­se städ­te­bau­li­che Maß­nah­me. Noch der größ­te Koko­lo­res kann heu­te eine groß­zü­gi­ge finan­zi­el­le För­de­rung erhal­ten, wenn im Antrag irgend­was von „solar“, „Stick­oxid­ver­nich­tung“, „CO2” oder „E‑Mobil“ steht. Und sei es, um in Wei­ßen­fels einen Kli­ma­park­platz zu errich­ten, den nie­mand haben woll­te, den fast nie­mand benutzt und der dem Kli­ma gepflegt am sta­tis­ti­schen Rau­schen vor­bei geht.

Viel­leicht soll­te ich ja wie­der Jugend­ar­beit betrei­ben. Aber nicht wie einst, als ich mit wenig Mit­teln ver­such­te, der Jugend Astro­no­mie und Raum­fahrt nahe zu brin­gen. Heu­te wäre es wohl oppor­tu­ner, die Frei­tags­kin­dern mit einer titan­di­oxid­hal­ti­gen Creme zu bestrei­chen, damit sie beim Demons­trie­ren eine akti­ve Rol­le bei der Umwand­lung gefähr­li­cher Stick­oxi­de in harm­lo­se Nitra­te spie­len kön­nen. Ich fin­de, dafür soll­te die EU drin­gend Gel­der locker machen. Ich könn­te das sogar wort­reich begrün­den, wenn man mir nur das Töpf­chen nennt, aus dem es zu schle­cken gilt.

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18 Kommentare

  1. Mal ein ange­sichts der immer wei­ter aus­ufern­den „EU-Dik­ta­tur” neu­es Gedankenspiel:
    Irgend­wie fällt anschei­nend nie­man­dem bis­her so rich­tig auf,dass sich unse­re trotz aller Wahl-Miss­erfol­ge immer noch sehr ver­tei­lungs – und aus­ga­be­freu­di­ge SPD aus­ser popu­lis­ti­schen Wahl­spiel­chen und ande­ren aktio­nis­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen kei­ne wirk­li­chen Exis­tenz­sor­gen plagen.
    In einer der­ar­ti­gen Situa­ti­on müss­te die sog. „Basis” längst einen Auf­stand ange­zet­telt haben,um end­lich wie­der Wahl­er­fol­ge zu erreichen.Was aber,wenn dies auf­grund bereits vor­han­de­ner „Geheim­plä­ne” der EU-Büro­kra­tie evtl. gar nicht mehr nötig ist?
    Es könn­te doch sein,dass die noch vor­han­de­nen Res­te der „direk­ten Demo­kra­tie” per Wah­len auf lan­ge Sicht sowie­so abge­schafft wer­den sollen,weil spä­tes­tens in der nächs­ten „ernst­haf­ten” Kri­se die natio­na­len Par­la­men­te auf­ge­löst wer­den und fort­an alle Macht von der „Pseudo”-Demokratie in Brüs­sel ausgeht.
    Das wür­de dann auch die der­zei­ti­ge die Bür­ger nicht zufrie­den­stel­len­de Situa­ti­on teil­wei­se erklären,da die hie­si­ge Poli­tik immer weni­ger unter Druck wäre,Ihre eigent­li­chen Auf­ga­ben zu erfüllen!
    Mei­ne Gedan­ken­spie­le sind aber nur rei­ne Spekulation.…

  2. Macht Sinn, für die in Zukunft lie­gen­ge­blie­be­nen E‑Mobile.
    Mit Sack und Pack aufs E- Rad umgestiegen(falls gela­den) oder in einem der Wohn­mo­bi­le vergnügt…

  3. Es ist tat­säch­lich nicht zu fas­sen, wie der Irr­sinn in Deutsch­land gedeiht. Woher kommt das eigent­lich? Ist das viel­leicht im Schul­we­sen zu suchen, wo Lern­in­hal­te von nicht gelern­ten „Fach­kräf­ten” fes5tgelegt wer­den? Von grü­nen Fach­kräf­ten, schlicht Leh­rer (Lee­rer) genannt. Dann wer­den die­se Jun­gend­li­chen erwach­sen und wer­den in der Fol­ge von der Wer­bung und den links­ori­en­tier­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen in Emp­fang genom­men und „wei­ter­ge­bil­det”. Und dann mei­nen die­se jugend­li­chen oder inzwi­schen Erwach­se­nen, dass die Bedie­nung des Smart­pho­nes Bil­dung und Wis­sen dar­stellt. Nur so kann man sich den Irr­sinn um das Kli­ma erklä­ren. Kei­ner weiss mehr, was Kli­ma eigent­lich ist und alle ren­nen den Trom­pe­tern hin­ter­her. Rat­ten­fän­ger von Hameln ist ein gutes Vor­bild. Nur hat die­ser die Stadt von den Rat­ten befreit. Und wer befreit unse­re Gesell­schaft von den Blö­den und Dum­men? Darf das noch gefragt wer­den? Trotz Denk­ver­bot oder Denk­vor­ga­ben der Sesselfurzer?

  4. Im Dezem­ber mache ich mei­ne jähr­li­che Tour nach WSF um gute Freun­de zu besu­chen. Der „Kli­ma­park­platz“ steht jetzt natür­lich auf dem Zet­tel für die must have Besich­ti­gun­gen. Dan­ke für den Tipp!

  5. Ja ich den­ke der Park­platz ist für die Fahr­zeu­ge zum abpar­ken gedacht des­sen Fah­rer an der A9 wegen zu hoher Geschwin­dig­keit ihren FÜH­RER­schein abge­ge­ben muß­ten, daher ken­ne ich Wei­ßen­fels. Stän­dig hab ich dort mei­nen Wege­zoll bedud­deln müs­sen und das war sehr oft…

  6. Nicht nur DDR oder EU.
    In den Six­ties bei der west­ber­li­ner Post, inter­ne Verwaltung:
    Gegen Jah­ren­de muss­te noch schnell Geld aus­ge­ge­ben wer­den (egal wofür), sonst wird die­ser Etat für’s nächs­te Jahr gekürzt. Ich ließ mir dann sagen, das wird gene­rell in vie­len (west-)deutschen Behör­den so gehand­habt… Ich ver­mu­te: immer noch.
    Und in pri­va­ten Unter­neh­men (das weiß aber nun sowie­so jeder) pas­siert das glei­che, um die Aus­ga­ben einer (nun gerin­ge­ren) Steu­er­schuld anzupassen.
    Nix neu­es unter der Sonne.

    Aber der obi­ge Fall ist beson­ders „schön”.

    • Das erin­nert mich an die Zeit als Eltern­bei­rat an der Schu­le mei­ner Kin­der. Dort wur­de die fro­he Bot­schaft ver­kün­det, dass vom nächs­ten Jahr an die Hälf­te evtl. ein­ge­spar­ter Ener­gie­kos­ten der Schu­le zur Ver­fü­gung gestellt wird und die gesam­te über­wie­gend grü­ne Leh­rer­schaft war sich sofort dar­über einig, bis dahin so viel Ener­gie wie mög­lich zu ver­brau­chen, um spä­ter eine höhe­re Ein­spar­bi­lanz zu haben. „Es macht also nichts, wenn ihr ab heu­te die Hei­zung voll durch­lau­fen lasst und auch mal ver­gesst, das Licht aus­zu­schal­ten” ist die Aus­sa­ge, die mir heu­te noch in den Ohren klingt und die mich ver­an­lass­te, mei­ner Empö­rung laut­stark Aus­druck zu ver­lei­hen und von mei­nem Amt zurück­zu­tre­ten. Das hat aber nie­man­den inter­es­siert, was mich aber auch nicht über­rascht hat. 😉

  7. Der Stadt ging es hier wohl mehr um die Ver­bes­se­rung des all­ge­mei­nen Stadt­bil­des, also des attrak­ti­ver machen. Man kann wohl schwer­lich abstrei­ten, dass mit dem Bau die­ses Park­plat­zes end­lich eine wei­te­re Schmutz­ecke, von der es lei­der in Wsf mehr als genug gibt, besei­tigt wur­de. Zudem sind EU För­der­mit­tel Zweck gebun­den, dass heißt die Mit­tel, die hier bewil­ligt wor­den, stan­den auch von vorn­her­ein nur für eben sol­che Zwe­cke zur Ver­fü­gung und nicht für die z.B. För­de­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen. Man muss hier lobend erwäh­nen, dass die Stadt trotz ihrer sehr beschränk­ten finan­zi­el­len Mit­tel ver­sucht etwas ‚aus sich zu machen’, was lei­der durch Miss­wirt­schaft nach der Wen­de­zeit ver­säumt wur­de. Außer­dem muss erwähnt wer­den, dass die hier ent­stan­de­nen Park­plät­ze kos­ten­frei sind, eben­so durch die EU För­de­rung ermög­licht. Der Bahn­hof ist fuß­läu­fig in nicht ganz 10 Minu­ten zu errei­chen, eben­so die nahe­ge­le­ge­nen Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten in der Jüden­stra­ße wie auch auf dem Markt. Hier gibt es übri­gens auch kos­ten­lo­ses WLAN.

    • Man nimmt halt, was man krie­gen kann. Das macht natür­lich jede Stadt. Aber man kann natür­lich auch jede bau­li­che Maß­nah­me irgend­wie begrün­den und schön reden. Wie not­wen­dig aller­dings ein Park­platz ist, der 10 Minu­ten vom Bahn­hof ent­fernt ist oder wie drin­gend die Hand­voll Geschäf­te in der Nähe Fahr­rad­stell­plät­ze brau­chen, sieht man ja an der Tat­sa­che, wie voll der Platz ist. Wenn jetzt natür­lich als aller Welt die Besu­cher zum Park­platz­gu­cken nach WSF kom­men, ist mei­ne Annah­me natür­lich widerlegt. 😉

  8. Was hat Wei­ßen­fels mit Düs­sel­dorf gemein? Ich weiß es auch nicht so genau. Jeden­falls regiert auch hier das Gefühl. Die Haupt­ver­kehrs­ader der Stadt von über 600.000 Ein­woh­nern, die natür­lich auch „Umwelt­zo­ne” ist, mit Ein­zugs­ge­biet von ca. 6 Mio. Pend­lern, Besu­chern, Mes­se­gäs­ten, Sport­be­geis­ter­ten etc. wur­de von sechs auf vier bzw. vier auf zwei Spu­ren ver­schmä­lert. Es droht ja sonst die Kla­ge wegen Über­schrei­tung der EU-Grenz­wer­te für NO2 von 40 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft. In Innen­räu­men darf der Grenz­wert ger­ne mal um das Tau­send­fa­che drü­ber lie­gen (Rau­cher freut es). Die „Umwelt­spur”, auf der nur Fahr­rä­der fah­ren dür­fen, es aber nicht tun, weil direkt dane­ben ein regu­lä­rer Rad­weg ange­legt ist, ret­tet jetzt die Bür­ger vor der tota­len Ver­gif­tung, an der ja angeb­lich Hun­dert­tau­sen­de ster­ben. Zwar rollt der Ver­kehr jetzt nicht mehr und neben der Spur mit der rei­nen Luft ver­pes­tet der Stop-and-go-Ver­kehr die übrig geblie­be­nen Spu­ren oder quält sich über Neben­stre­cken, die sich über mehr Umwelt­be­las­tung freu­en dür­fen, ans Ziel. Die Düs­sel­dor­fer gehen auf die Bar­ri­ka­den, die Obrig­keit juckt es nicht. Haupt­sa­che NO2 ist gebannt. Die Iro­nie dabei ist, dass die Mess­wer­te jetzt um ein Viel­fa­ches höher lie­gen. Was gäbe Düs­sel­dorf jetzt wohl für eine Titan­di­oxid­be­schich­tung der Umweltspur?

  9. Sehr guter Arti­kel. Kann ich in gro­ßen Tei­len nur bestä­ti­gen. Aber hey: Even­tu­ell muss man die Visi­on hin­ter der Num­mer sehen. WSF bie­tet durch­aus I40-taug­li­che Infra­struk­tur (100M­bit-Haus­an­schluss), wes­halb man durch­aus als ITler güns­tig in WSF leben und arbei­ten kann. Jetzt, dank die­ses tol­len Park­plat­zes, gibt es auch eine ver­läss­li­che Lade­säu­le für den neu­en Hybrid- oder Elek­tro-Fir­men­wa­gen, wel­che in den Plat­ten­bau-Vier­teln nun mal feh­len. Wird der Nah­ver­kehr und die Anbin­dung nach Leip­zig noch bes­ser, so zieht man viel­leicht die Auto­fah­rer auf die­ses Aus­flugs­ziel „Saa­le-Kli­ma­park­platz”, bevor die­se nach Saa­le-Spa­zier­gang und Fuß­gän­ger­brü­cke die Züge nach Jena, Hal­le, Leip­zig nut­zen, um kli­ma­neu­tral die attrak­ti­ven Groß­städ­te der Regi­on zu besu­chen. Also irgend­wie so groß muss man doch wohl gedacht haben, wenn man 2 Mio ein­fach so ver­senkt, nicht?

  10. Vie­len Dank, ich habe sehr gelacht! – „Klopf­zei­chen aus dem Irren­haus”, wie der Bro­der so schön sagt…

  11. Lie­ber Roger, Sie haben das Prin­zip von EU För­de­run­gen noch nicht ver­stan­den. Es ist, wie man bei mir zu Hau­se zu sagen pflegt, „wurschd” ob das Geld sinn­voll ange­legt ist oder nicht, Haupt­sa­che es ist weg.
    Schö­nes Bei­spiel aus der letz­ten Zeit, die von der EU geför­der­te „Isla­mo­pho­bie Stu­die”. Über die sind sogar EU Par­la­men­ta­ri­er entsetzt.
    Ant­wort der EU: „Der Inhalt des Reports liegt allein in der Ver­ant­wort­lich­keit der Emp­fän­ger der För­der­gel­der“, teilt eine Kom­mis­si­ons­spre­che­rin mit. „Die EU ist nicht ver­ant­wort­lich für den Inhalt des Berichts und befür­wor­tet die­sen nicht, son­dern nimmt ihn nur zur Kenntnis.“
    Na also Geld weg- alles gut. 

    Ist der Park­platz sinn­voll, braucht ihn jemand? Wurschd ! Die EU hat zur Kennt­nis genom­men, dass der Park­platz da ist. Das reicht.

  12. Titan­di­oxid­hal­ti­ge Cremes gibt es wirk­lich – aus­ge­rech­net als (phy­si­ka­li­schen) Sonnenschutz.
    Noch: weil nicht ganz klar ist, ob sie nicht viel­leicht an der Koral­len­blei­che schuld sein könn­ten und weil sie sowie­so weni­ger tau­gen als che­mi­sche Fil­ter, ver­bie­ten immer mehr Staa­ten phy­si­ka­li­sche Licht­schutz­fil­ter. Doch halt! Der Irr­sinn geht noch zwei Stu­fen wei­ter. Weil sich Zimt­säu­re­de­ri­va­te (was die meis­ten UV-Fil­ter sind) „so che­misch” anhö­ren, wol­len die Feld-Wald-Wie­sen-Grün­den­ker lie­ber „ein natür­li­ches Pro­dukt” (was auch immer das heißt), in dem Fall also Zink- und Titan­oxi­de. Außer – außer sie sind ganz fein ver­rie­ben (damit sie nicht so wei­ßeln). Weil das nun aus­ge­rech­net „mikro­ni­siert” heißt, das für Grün­den­ker irgend­wie nach „Mikro­plas­tik” klingt und man mit der Tech­nik des mikro­ni­sie­rens (also zer­klei­nerns) noch ein paar ande­re Sachen anstel­len kann, unter ande­rem etwas an der Blut-Hirn-Schran­ke vor­bei­be­kom­men (die wie ein ganz fei­nes Sieb funk­tio­niert) – des­halb meint also die besorg­te Bio­mam­mi, die Son­nen­creme lan­de im Hirn.
    Irgend­je­mand soll­te eigent­lich anfan­gen, Son­nen­schir­me zu ver­kau­fen. Wegen der Geschich­te mit dem Titan­di­oxid sind das natür­lich Kli­ma­schir­me (eine Beschich­tung damit wäre bei einem Son­nen­schirm sogar sehr sinn­voll, schließ­lich soll der die Son­ne abhal­ten). Natür­li­che Kli­ma­schir­me! Aus Deutschland!
    Viel­leicht ist ja das Grund­stück neben dem Kli­ma­park­platz noch frei für eine Sonnenschirm-Fabrik?

  13. Kli­ma, Kli­ma ühüber ahalles…Nachdem Deutsch­land im Jah­re 2019 ca. 30 Mrd Camem­bert-Euro­nen in die „EU” geschos­sen haben wird, freu­en wir uns doch über den Cash-Back von gigan­ti­schen 1,7 Mio, oder? Und für´s Kli­ma ist uns doch nichts zu teu­er. Bei uns in Schwe­rin gibt es mit­ten in der Stadt ein rie­si­ges EKZ mit eben­so rie­si­gem, drei­stö­cki­gen Park­haus, zumeist rap­pel­voll. Nur die neu geschaf­fe­nen sechs E‑Au­to-Lade-Park-Plät­ze sind frei, eigent­lich immer. So ver­nich­tet man Park­raum. Zusätz­lich wur­den wei­te­re Park­plät­ze „geop­fert”, um PKW-brei­te Fuß­we­ge zu schaf­fen. Wie es aus­sieht, müs­sen dort wohl Fuß­gän­ger ( zu Fuß Gehen­de) zu Dut­zen­den im sprich­wört­li­chen Sin­ne „unter die Räder” gekom­men sein. Dem Rad‑,Fuß-und Öko­irr­sinn sind auch in der Mini-Lan­des­haupt­stadt Schwe­rin kei­ne Gren­zen gesetzt.

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