Weißenfels: Klimaparklplatz eröffnetZuge­ge­ben, um die Seg­nun­gen von Markt­wirt­schaft und Digi­ta­li­sie­rung zu erleben, fährt man nicht aus­ge­rech­net nach Wei­ßen­fels in Sachsen-Anhalt. In der Gegend fliegt eine Brief­taube schnel­ler als eine SMS und nachdem sich unren­ta­ble Indus­trien in den frühen 90ern vom Acker gemacht haben, ziehen auch die Men­schen weg. Sicher, es kommen auch neue Bewoh­ner hier her, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ein ander­mal erzählt sein soll. Da ich vor langer Zeit in Wei­ßen­fels geboren wurde, inter­es­siert und berührt mich das Schick­sal dieser Stadt immer noch stark und wenn ich sie von Zeit zu Zeit besuche, fallen mir Ver­än­de­run­gen viel­leicht deut­li­cher auf als jeman­dem, der täg­li­chen Umgang mit dieser kleinen Stadt an der Saale hat.

Die bau­li­chen Ver­än­de­run­gen sind all­ge­mein positiv und gigan­tisch, gerade wenn man den Stadt­kern mit dem fast noch geschlos­se­nen baro­cken Gebäu­de­be­stand betrach­tet. Doch abseits vom Zentrum sieht es immer noch recht trost­los aus. Man könnte ver­mu­ten, die Stadt sei mitt­ler­weile einige Nummern zu groß geraten für ihre Bewoh­ner und die Leis­tungs­fä­hig­keit ihrer Steu­er­zah­ler. Umso erstaun­ter war ich, als ich von einem gerade erst fei­er­lich seiner Bestim­mung über­ge­be­nen Bau­vor­ha­ben erfuhr: einem fun­kel­na­gel­neuen Kli­ma­park­platz.

Liebe Leser, Sie kennen mich. Sie ahnen deshalb, was ich dachte: „Das ist doch Ver­ar­sche!“ Als mir dann auch noch einige Schon­län­ger­hier­le­bende berich­te­ten, dass sich für den Park­platz „Keene Sau int’ressiert“, war meine Neugier geweckt. Also erst mal ins Netz und nach dem welt­wei­ten Medi­en­echo gesucht, denn wenn es nun einen Ort gibt, an dem das Klima parken kann, ist das doch sicher eine ganz große Sache. Und tat­säch­lich: der Prantl­hau­ser Beob­ach­ter widmet dem Ereig­nis die Über­nahme einer AP-Meldung:

Ein rund 1,78 Mil­lio­nen Euro teurer soge­nann­ter Kli­ma­park­platz, der zum Umwelt­schutz bei­tra­gen soll, ist in Wei­ßen­fels über­ge­ben worden. Auf 4900 Qua­drat­me­tern Fläche stünden […] 84 Park­plätze, zwei Wohn­mo­bil­stell­plätze und 84 Stell­plätze für Fahr­rä­der zur Ver­fü­gung, teilte die Stadt­ver­wal­tung […] mit. An vier Park­plät­zen seien Elek­tro­la­de­säu­len ein­ge­rich­tet worden. Beleuch­tet werde der Platz mit ener­gie­spa­ren­den LED-Lampen, zudem seien die Fahr­rad­stell­plätze mit einem Solar­dach über­dacht.

Der Augen­schein bestä­tigt sowohl die AP-Meldung in der SZ also auch das Urteil der Ein­woh­ner: „Ich fahre da täglich mehr­mals dran vorbei und habe noch niemals auch nur ein ein­zi­ges Fahrrad gesehen. Oder mal’n Auto.“ Nun, Autos parken da tat­säch­lich kaum. Außer meinem, welches nicht zählt, denn ich war ja nur wegen des Park­plat­zes dort, waren am Samstag noch drei weitere Autos auf dem Platz. Ein Fahrrad hin­ge­gen oder ein E‑Auto auf Lade­mis­sion war weit und breit nicht zu sehen.

Es stellt sich natür­lich die Frage, warum um alles in der Welt dort über­haupt Autos parken sollten, ganz zu schwei­gen von der Frage, wer dort Fahr­rä­der in Massen abstel­len soll und warum eigent­lich? Es gibt dort buch­stäb­lich nichts, kein Ein­kaufs­zen­trum, keinen Super­markt, kein Restau­rant. Der Bahnhof liegt weit weg auf der anderen Seite der Saale und der benach­barte Kreis­ver­kehr unter­halb der Saa­le­brü­cke lädt auch nicht gerade zum Ver­wei­len ein. Alles an diesem Ort ruft „nichts wie weg hier“. Ein Ein­druck, den selbst der ein­la­dendste Kli­ma­park­platz nicht zu ver­scheu­chen vermag.

Liest man weiter im Artikel der SZ, kommt einem die makabre Idee, es soll ohnehin niemand mit seinem Fahr­zeug die edlen Pflas­ter­steine beschat­ten.

Die auf dem Park­platz ver­leg­ten Beton­pflas­ter­steine seien mit einer Titan­di­oxid-Schicht ver­se­hen, die eine soge­nannte Pho­to­ka­ta­lyse ermög­li­chen: Durch den Einfall von Licht würden dabei umwelt­schäd­li­che Stick­oxide in unbe­denk­li­che Nitrate umge­wan­delt.“

Das klappt natür­lich nur, wenn das Son­nen­licht den Pflas­ter­stein erreicht, weil ihm kein Auto, Fahrrad oder Solar­dach im Wege steht. Mit anderen Worten, ein Park­platz ist nur solange ein Kli­ma­park­platz, wie kein Auto darauf parkt. Außer­dem – aber das ist der allzeit alerten Presse sicher klar – sind Nitrate nur solange unbe­denk­lich, bis sie ins Grund­was­ser gelan­gen und dem Bauern als Umwelt­ver­schmut­zung in die Gum­mi­stie­fel gescho­ben werden können. Der hat in Wei­ßen­fels nun eine Ausrede: Es war nicht die Gülle, sondern der Park­platz!

Ob die ver­edel­ten Pflas­ter­steine ihrem luft­ver­bes­sern­den Tagwerk nach­ge­hen können, hängt natür­lich sowieso vom Wetter ab. Bei Son­nen­schein haben Stick­oxide in der unteren Atmo­sphäre nämlich nur eine Lebens­dauer von wenigen Stunden bis Tagen und die Stadt­rei­ni­gung wird in Wei­ßen­fels alle Hände und Besen voll zu tun haben, damit den Steinen noch Kli­maar­beit übrig bleibt. Auch die Ange­wohn­heit, dass Schmutz, Staub, Schnee, Sand, Laub und Kau­gummi sich auf den Pflas­ter­stei­nen sammeln, ver­min­dert deren kata­ly­ti­sche Zau­ber­kraft erheb­lich.

Aber es ist wohl ohnehin der falsche Ansatz, aus der beab­sich­tig­ten (media­len) Wirkung des Stra­ßen­be­la­ges, der solar­be­trie­be­nen Beleuch­tung oder des Bedarfs an Stell­flä­chen für Rad, Renault und Rost­laube auf den Grund zu schlie­ßen, warum fast 1,8 Mil­lio­nen Euro im Wei­ßen­fel­ser Saa­le­sand ver­bud­delt werden musste. SZ weiter:

Das Bau­vor­ha­ben Kli­ma­park­platz wurde den Angaben zufolge durch den euro­päi­schen Fond für regio­nale Ent­wick­lung des Landes Sachsen-Anhalt geför­dert. Die 93 Prozent För­de­rung betrage etwa 1,66 Mil­lio­nen Euro. Die rest­li­chen Kosten hat die Stadt Wei­ßen­fels der Mit­tei­lung nach aus Eigen­mit­teln finan­ziert.“

Stolze 93% dieser solar­be­leuch­te­ten, titan­di­oxid­be­schich­te­ten Pflas­ter­stein­wüste hat also die EU bezahlt. Geld, dass nur schein­bar nie­man­dem weg­ge­nom­men wurde, weil die riesige Farm, auf der dies Geld zusam­men­ge­klaubt wurde, von Lis­sa­bon bis Tallinn reicht. Ein­ge­setzt wurde es in Wei­ßen­fels indes für ein Projekt, von dem tat­säch­lich niemand etwas hat. Also nichts als Ver­geu­dung für das Symbol eines Pro­blems, welches in der Rang­folge für Wei­ßen­fels nach dem Verfall der Bau­sub­stanz in der Peri­phe­rie, Wegzug und schwin­den­der Kauf­kraft, Ver­kehrs­we­gen, Arbeits­plät­zen, Kom­mu­ni­ka­tion, Sicher­heit und sicher 99 anderen Dingen höchs­tens unter „weit, weit weg“ rubri­ziert.

Doch gäbe es das „Problem” nicht, gäbe es auch die Mittel nicht. Das gilt für Kli­ma­schutz­maß­nah­men nicht nur in Wei­ßen­fels. Und da man „Mittel” nunmal so gern hat, muss es das Problem einfach geben. Man darf auch anneh­men, dass der groß­zü­gige Mit­tel­ein­satz als voller Erfolg nach Brüssel gemel­det wurde, dass das Klima nun am liebs­ten in Wei­ßen­fels parken wird und dass die Ein­woh­ner der Stadt ihre Dank­bar­keit für Brüs­se­ler För­der­pro­gramme kaum in Worte fassen können. In der hie­si­gen Mundart drückt man diese Dank­bar­keit übri­gens so aus: „Dos is dor lätze Schais”.

Mich hin­ge­gen beschleicht die Ver­mu­tung, es hier weniger mit einer gewon­ne­nen Kli­ma­schlacht an der Saale­front als viel­mehr mit einer typi­schen Fehl­lei­tung der Mittel zu tun zu haben. Die Fehl­al­lo­ka­tion von Res­sour­cen ist nämlich ein wesent­li­ches Merkmal sozia­lis­ti­scher Plan­wirt­schaft, zu welcher sich die Brüs­se­ler Büro­kra­tie längst her­ab­ge­schwun­gen hat. Nicht immer absicht­lich, so meine freund­li­che Unter­stel­lung! Doch die Ent­fer­nung zwi­schen zen­tra­lis­ti­scher Büro­kra­tie und gera­dezu schilda­es­ker Bedarfs­vor­täu­schung ver­un­mög­licht jede ehr­li­che Kom­mu­ni­ka­tion. Und was schert es schon einen EU-Kom­mis­sar, der einem durch Proporz zusam­men­ge­tacker­ten Ressort vor­steht, was von EU-Mitteln in einer Klein­stadt in Sachsen-Anhalt gebaut wird?

Dort nimmt man gern das Geld, das eben da ist und liefert dafür die Begrün­dun­gen, die benö­tigt werden, damit die Papiere „stimmen”. Ich hatte einst selbst das „Ver­gnü­gen“, in den späten 90ern Jahr für Jahr ver­geb­lich um EU-Mittel für ein Projekt der Jugend­ar­beit zu kämpfen, was immer wieder mit dem Hinweis abge­schmet­tert wurde, man fördere dieser Jahre nur die Errich­tung oder Sanie­rung von Toi­let­ten, ich solle meine Anträge doch dahin­ge­hend umfor­mu­lie­ren. Dieses Spiel der Täu­schun­gen und der posi­ti­ven Bericht­erstat­tung kannte ich nur zu gut aus der DDR und war fas­sungs­los, dass es nun im EU-Maßstab so wei­ter­lief. Ohne mich.

Was für die EU in den 90er Jahren Toi­let­ten für Jugend­ar­beit waren, das ist heute der Kli­ma­schutz für so manche sinn­lose städ­te­bau­li­che Maß­nahme. Noch der größte Koko­lo­res kann heute eine groß­zü­gige finan­zi­elle För­de­rung erhal­ten, wenn im Antrag irgend­was von „solar“, „Stick­oxid­ver­nich­tung“, „CO2” oder „E‑Mobil“ steht. Und sei es, um in Wei­ßen­fels einen Kli­ma­park­platz zu errich­ten, den niemand haben wollte, den fast niemand benutzt und der dem Klima gepflegt am sta­tis­ti­schen Rau­schen vorbei geht.

Viel­leicht sollte ich ja wieder Jugend­ar­beit betrei­ben. Aber nicht wie einst, als ich mit wenig Mitteln ver­suchte, der Jugend Astro­no­mie und Raum­fahrt nahe zu bringen. Heute wäre es wohl oppor­tu­ner, die Frei­tags­kin­dern mit einer titan­di­oxid­hal­ti­gen Creme zu bestrei­chen, damit sie beim Demons­trie­ren eine aktive Rolle bei der Umwand­lung gefähr­li­cher Stick­oxide in harm­lose Nitrate spielen können. Ich finde, dafür sollte die EU drin­gend Gelder locker machen. Ich könnte das sogar wort­reich begrün­den, wenn man mir nur das Töpf­chen nennt, aus dem es zu schle­cken gilt.

18 Kommentare

  1. Mal ein ange­sichts der immer weiter aus­ufern­den „EU-Dik­ta­tur” neues Gedan­ken­spiel:
    Irgend­wie fällt anschei­nend nie­man­dem bisher so richtig auf,dass sich unsere trotz aller Wahl-Miss­erfolge immer noch sehr ver­tei­lungs – und aus­ga­be­freu­dige SPD ausser popu­lis­ti­schen Wahl­spiel­chen und anderen aktio­nis­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen keine wirk­li­chen Exis­tenz­sor­gen plagen.
    In einer der­ar­ti­gen Situa­tion müsste die sog. „Basis” längst einen Auf­stand ange­zet­telt haben,um endlich wieder Wahl­er­folge zu erreichen.Was aber,wenn dies auf­grund bereits vor­han­de­ner „Geheim­pläne” der EU-Büro­kra­tie evtl. gar nicht mehr nötig ist?
    Es könnte doch sein,dass die noch vor­han­de­nen Reste der „direk­ten Demo­kra­tie” per Wahlen auf lange Sicht sowieso abge­schafft werden sollen,weil spä­tes­tens in der nächs­ten „ernst­haf­ten” Krise die natio­na­len Par­la­mente auf­ge­löst werden und fortan alle Macht von der „Pseudo”-Demokratie in Brüssel ausgeht.
    Das würde dann auch die der­zei­tige die Bürger nicht zufrie­den­stel­lende Situa­tion teil­weise erklären,da die hiesige Politik immer weniger unter Druck wäre,Ihre eigent­li­chen Auf­ga­ben zu erfül­len!
    Meine Gedan­ken­spiele sind aber nur reine Spe­ku­la­tion.…

  2. Macht Sinn, für die in Zukunft lie­gen­ge­blie­be­nen E‑Mobile.
    Mit Sack und Pack aufs E- Rad umgestiegen(falls geladen) oder in einem der Wohn­mo­bile ver­gnügt…

  3. Es ist tat­säch­lich nicht zu fassen, wie der Irrsinn in Deutsch­land gedeiht. Woher kommt das eigent­lich? Ist das viel­leicht im Schul­we­sen zu suchen, wo Lern­in­halte von nicht gelern­ten „Fach­kräf­ten” fes5tgelegt werden? Von grünen Fach­kräf­ten, schlicht Lehrer (Leerer) genannt. Dann werden diese Jun­gend­li­chen erwach­sen und werden in der Folge von der Werbung und den links­ori­en­tier­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen in Empfang genom­men und „wei­ter­ge­bil­det”. Und dann meinen diese jugend­li­chen oder inzwi­schen Erwach­se­nen, dass die Bedie­nung des Smart­pho­nes Bildung und Wissen dar­stellt. Nur so kann man sich den Irrsinn um das Klima erklä­ren. Keiner weiss mehr, was Klima eigent­lich ist und alle rennen den Trom­pe­tern hin­ter­her. Rat­ten­fän­ger von Hameln ist ein gutes Vorbild. Nur hat dieser die Stadt von den Ratten befreit. Und wer befreit unsere Gesell­schaft von den Blöden und Dummen? Darf das noch gefragt werden? Trotz Denk­ver­bot oder Denk­vor­ga­ben der Ses­sel­fur­zer?

  4. Im Dezem­ber mache ich meine jähr­li­che Tour nach WSF um gute Freunde zu besu­chen. Der „Kli­ma­park­platz“ steht jetzt natür­lich auf dem Zettel für die must have Besich­ti­gun­gen. Danke für den Tipp!

  5. Ja ich denke der Park­platz ist für die Fahr­zeuge zum abpar­ken gedacht dessen Fahrer an der A9 wegen zu hoher Geschwin­dig­keit ihren FÜH­RER­schein abge­ge­ben mußten, daher kenne ich Wei­ßen­fels. Ständig hab ich dort meinen Wege­zoll bedud­deln müssen und das war sehr oft…

  6. Nicht nur DDR oder EU.
    In den Sixties bei der west­ber­li­ner Post, interne Ver­wal­tung:
    Gegen Jah­rende musste noch schnell Geld aus­ge­ge­ben werden (egal wofür), sonst wird dieser Etat für’s nächste Jahr gekürzt. Ich ließ mir dann sagen, das wird gene­rell in vielen (west-)deutschen Behör­den so gehand­habt… Ich vermute: immer noch.
    Und in pri­va­ten Unter­neh­men (das weiß aber nun sowieso jeder) pas­siert das gleiche, um die Aus­ga­ben einer (nun gerin­ge­ren) Steu­er­schuld anzu­pas­sen.
    Nix neues unter der Sonne.

    Aber der obige Fall ist beson­ders „schön”.

    • Das erin­nert mich an die Zeit als Eltern­bei­rat an der Schule meiner Kinder. Dort wurde die frohe Bot­schaft ver­kün­det, dass vom nächs­ten Jahr an die Hälfte evtl. ein­ge­spar­ter Ener­gie­kos­ten der Schule zur Ver­fü­gung gestellt wird und die gesamte über­wie­gend grüne Leh­rer­schaft war sich sofort darüber einig, bis dahin so viel Energie wie möglich zu ver­brau­chen, um später eine höhere Ein­spar­bi­lanz zu haben. „Es macht also nichts, wenn ihr ab heute die Heizung voll durch­lau­fen lasst und auch mal ver­gesst, das Licht aus­zu­schal­ten” ist die Aussage, die mir heute noch in den Ohren klingt und die mich ver­an­lasste, meiner Empö­rung laut­stark Aus­druck zu ver­lei­hen und von meinem Amt zurück­zu­tre­ten. Das hat aber nie­man­den inter­es­siert, was mich aber auch nicht über­rascht hat. 😉

  7. Der Stadt ging es hier wohl mehr um die Ver­bes­se­rung des all­ge­mei­nen Stadt­bil­des, also des attrak­ti­ver machen. Man kann wohl schwer­lich abstrei­ten, dass mit dem Bau dieses Park­plat­zes endlich eine weitere Schmut­z­e­cke, von der es leider in Wsf mehr als genug gibt, besei­tigt wurde. Zudem sind EU För­der­mit­tel Zweck gebun­den, dass heißt die Mittel, die hier bewil­ligt worden, standen auch von vorn­her­ein nur für eben solche Zwecke zur Ver­fü­gung und nicht für die z.B. För­de­rung von Kindern und Jugend­li­chen. Man muss hier lobend erwäh­nen, dass die Stadt trotz ihrer sehr beschränk­ten finan­zi­el­len Mittel ver­sucht etwas ‚aus sich zu machen’, was leider durch Miss­wirt­schaft nach der Wen­de­zeit ver­säumt wurde. Außer­dem muss erwähnt werden, dass die hier ent­stan­de­nen Park­plätze kos­ten­frei sind, ebenso durch die EU För­de­rung ermög­licht. Der Bahnhof ist fuß­läu­fig in nicht ganz 10 Minuten zu errei­chen, ebenso die nahe­ge­le­ge­nen Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten in der Jüden­straße wie auch auf dem Markt. Hier gibt es übri­gens auch kos­ten­lo­ses WLAN.

    • Man nimmt halt, was man kriegen kann. Das macht natür­lich jede Stadt. Aber man kann natür­lich auch jede bau­li­che Maß­nahme irgend­wie begrün­den und schön reden. Wie not­wen­dig aller­dings ein Park­platz ist, der 10 Minuten vom Bahnhof ent­fernt ist oder wie drin­gend die Hand­voll Geschäfte in der Nähe Fahr­rad­stell­plätze brau­chen, sieht man ja an der Tat­sa­che, wie voll der Platz ist. Wenn jetzt natür­lich als aller Welt die Besu­cher zum Park­platz­gu­cken nach WSF kommen, ist meine Annahme natür­lich wider­legt. 😉

  8. Was hat Wei­ßen­fels mit Düs­sel­dorf gemein? Ich weiß es auch nicht so genau. Jeden­falls regiert auch hier das Gefühl. Die Haupt­ver­kehrs­ader der Stadt von über 600.000 Ein­woh­nern, die natür­lich auch „Umwelt­zone” ist, mit Ein­zugs­ge­biet von ca. 6 Mio. Pend­lern, Besu­chern, Mes­se­gäs­ten, Sport­be­geis­ter­ten etc. wurde von sechs auf vier bzw. vier auf zwei Spuren ver­schmä­lert. Es droht ja sonst die Klage wegen Über­schrei­tung der EU-Grenz­werte für NO2 von 40 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft. In Innen­räu­men darf der Grenz­wert gerne mal um das Tau­send­fa­che drüber liegen (Raucher freut es). Die „Umwelt­spur”, auf der nur Fahr­rä­der fahren dürfen, es aber nicht tun, weil direkt daneben ein regu­lä­rer Radweg ange­legt ist, rettet jetzt die Bürger vor der totalen Ver­gif­tung, an der ja angeb­lich Hun­dert­tau­sende sterben. Zwar rollt der Verkehr jetzt nicht mehr und neben der Spur mit der reinen Luft ver­pes­tet der Stop-and-go-Verkehr die übrig geblie­be­nen Spuren oder quält sich über Neben­stre­cken, die sich über mehr Umwelt­be­las­tung freuen dürfen, ans Ziel. Die Düs­sel­dor­fer gehen auf die Bar­ri­ka­den, die Obrig­keit juckt es nicht. Haupt­sa­che NO2 ist gebannt. Die Ironie dabei ist, dass die Mess­werte jetzt um ein Viel­fa­ches höher liegen. Was gäbe Düs­sel­dorf jetzt wohl für eine Titan­di­oxid­be­schich­tung der Umwelt­spur?

  9. Sehr guter Artikel. Kann ich in großen Teilen nur bestä­ti­gen. Aber hey: Even­tu­ell muss man die Vision hinter der Nummer sehen. WSF bietet durch­aus I40-taug­li­che Infra­struk­tur (100Mbit-Haus­an­schluss), weshalb man durch­aus als ITler günstig in WSF leben und arbei­ten kann. Jetzt, dank dieses tollen Park­plat­zes, gibt es auch eine ver­läss­li­che Lade­säule für den neuen Hybrid- oder Elektro-Fir­men­wa­gen, welche in den Plat­ten­bau-Vier­teln nun mal fehlen. Wird der Nah­ver­kehr und die Anbin­dung nach Leipzig noch besser, so zieht man viel­leicht die Auto­fah­rer auf dieses Aus­flugs­ziel „Saale-Kli­ma­park­platz”, bevor diese nach Saale-Spa­zier­gang und Fuß­gän­ger­brü­cke die Züge nach Jena, Halle, Leipzig nutzen, um kli­ma­neu­tral die attrak­ti­ven Groß­städte der Region zu besu­chen. Also irgend­wie so groß muss man doch wohl gedacht haben, wenn man 2 Mio einfach so ver­senkt, nicht?

  10. Vielen Dank, ich habe sehr gelacht! – „Klopf­zei­chen aus dem Irren­haus”, wie der Broder so schön sagt…

  11. Lieber Roger, Sie haben das Prinzip von EU För­de­run­gen noch nicht ver­stan­den. Es ist, wie man bei mir zu Hause zu sagen pflegt, „wurschd” ob das Geld sinn­voll ange­legt ist oder nicht, Haupt­sa­che es ist weg.
    Schönes Bei­spiel aus der letzten Zeit, die von der EU geför­derte „Isla­mo­pho­bie Studie”. Über die sind sogar EU Par­la­men­ta­rier ent­setzt.
    Antwort der EU: „Der Inhalt des Reports liegt allein in der Ver­ant­wort­lich­keit der Emp­fän­ger der För­der­gel­der“, teilt eine Kom­mis­si­ons­spre­che­rin mit. „Die EU ist nicht ver­ant­wort­lich für den Inhalt des Berichts und befür­wor­tet diesen nicht, sondern nimmt ihn nur zur Kennt­nis.“
    Na also Geld weg- alles gut.

    Ist der Park­platz sinn­voll, braucht ihn jemand? Wurschd ! Die EU hat zur Kennt­nis genom­men, dass der Park­platz da ist. Das reicht.

  12. Titan­di­oxid­hal­tige Cremes gibt es wirk­lich – aus­ge­rech­net als (phy­si­ka­li­schen) Son­nen­schutz.
    Noch: weil nicht ganz klar ist, ob sie nicht viel­leicht an der Koral­len­blei­che schuld sein könnten und weil sie sowieso weniger taugen als che­mi­sche Filter, ver­bie­ten immer mehr Staaten phy­si­ka­li­sche Licht­schutz­fil­ter. Doch halt! Der Irrsinn geht noch zwei Stufen weiter. Weil sich Zimt­säu­re­de­ri­vate (was die meisten UV-Filter sind) „so che­misch” anhören, wollen die Feld-Wald-Wiesen-Grün­den­ker lieber „ein natür­li­ches Produkt” (was auch immer das heißt), in dem Fall also Zink- und Titan­oxide. Außer – außer sie sind ganz fein ver­rie­ben (damit sie nicht so weißeln). Weil das nun aus­ge­rech­net „mikro­ni­siert” heißt, das für Grün­den­ker irgend­wie nach „Mikro­plas­tik” klingt und man mit der Technik des mikro­ni­sie­rens (also zer­klei­nerns) noch ein paar andere Sachen anstel­len kann, unter anderem etwas an der Blut-Hirn-Schranke vor­bei­be­kom­men (die wie ein ganz feines Sieb funk­tio­niert) – deshalb meint also die besorgte Bio­mammi, die Son­nen­creme lande im Hirn.
    Irgend­je­mand sollte eigent­lich anfan­gen, Son­nen­schirme zu ver­kau­fen. Wegen der Geschichte mit dem Titan­di­oxid sind das natür­lich Kli­ma­schirme (eine Beschich­tung damit wäre bei einem Son­nen­schirm sogar sehr sinn­voll, schließ­lich soll der die Sonne abhal­ten). Natür­li­che Kli­ma­schirme! Aus Deutsch­land!
    Viel­leicht ist ja das Grund­stück neben dem Kli­ma­park­platz noch frei für eine Son­nen­schirm-Fabrik?

  13. Klima, Klima ühüber ahalles…Nachdem Deutsch­land im Jahre 2019 ca. 30 Mrd Camem­bert-Euronen in die „EU” geschos­sen haben wird, freuen wir uns doch über den Cash-Back von gigan­ti­schen 1,7 Mio, oder? Und für´s Klima ist uns doch nichts zu teuer. Bei uns in Schwe­rin gibt es mitten in der Stadt ein rie­si­ges EKZ mit ebenso rie­si­gem, drei­stö­cki­gen Park­haus, zumeist rap­pel­voll. Nur die neu geschaf­fe­nen sechs E‑Auto-Lade-Park-Plätze sind frei, eigent­lich immer. So ver­nich­tet man Park­raum. Zusätz­lich wurden weitere Park­plätze „geop­fert”, um PKW-breite Fußwege zu schaf­fen. Wie es aus­sieht, müssen dort wohl Fuß­gän­ger ( zu Fuß Gehende) zu Dut­zen­den im sprich­wört­li­chen Sinne „unter die Räder” gekom­men sein. Dem Rad‑,Fuß-und Öko­irr­sinn sind auch in der Mini-Lan­des­haupt­stadt Schwe­rin keine Grenzen gesetzt.

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