Weißenfels: Klimaparklplatz eröffnetZugegeben, um die Seg­nun­gen von Mark­twirtschaft und Dig­i­tal­isierung zu erleben, fährt man nicht aus­gerech­net nach Weißen­fels in Sach­sen-Anhalt. In der Gegend fliegt eine Brief­taube schneller als eine SMS und nach­dem sich unrentable Indus­trien in den frühen 90ern vom Ack­er gemacht haben, ziehen auch die Men­schen weg. Sich­er, es kom­men auch neue Bewohn­er hier her, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ein ander­mal erzählt sein soll. Da ich vor langer Zeit in Weißen­fels geboren wurde, inter­essiert und berührt mich das Schick­sal dieser Stadt immer noch stark und wenn ich sie von Zeit zu Zeit besuche, fall­en mir Verän­derun­gen vielle­icht deut­lich­er auf als jeman­dem, der täglichen Umgang mit dieser kleinen Stadt an der Saale hat.

Die baulichen Verän­derun­gen sind all­ge­mein pos­i­tiv und gigan­tisch, ger­ade wenn man den Stadtk­ern mit dem fast noch geschlosse­nen barock­en Gebäudebe­stand betra­chtet. Doch abseits vom Zen­trum sieht es immer noch recht trost­los aus. Man kön­nte ver­muten, die Stadt sei mit­tler­weile einige Num­mern zu groß ger­at­en für ihre Bewohn­er und die Leis­tungs­fähigkeit ihrer Steuerzahler. Umso erstaunter war ich, als ich von einem ger­ade erst feier­lich sein­er Bes­tim­mung übergebe­nen Bau­vorhaben erfuhr: einem funkel­nagel­neuen Klima­park­platz.

Liebe Leser, Sie ken­nen mich. Sie ahnen deshalb, was ich dachte: „Das ist doch Ver­arsche!“ Als mir dann auch noch einige Schon­länger­hier­lebende berichteten, dass sich für den Park­platz „Keene Sau int’ressiert“, war meine Neugi­er geweckt. Also erst mal ins Netz und nach dem weltweit­en Medi­ene­cho gesucht, denn wenn es nun einen Ort gibt, an dem das Kli­ma parken kann, ist das doch sich­er eine ganz große Sache. Und tat­säch­lich: der Prantl­hauser Beobachter wid­met dem Ereig­nis die Über­nahme ein­er AP-Meldung:

Ein rund 1,78 Mil­lio­nen Euro teur­er soge­nan­nter Klima­park­platz, der zum Umweltschutz beitra­gen soll, ist in Weißen­fels übergeben wor­den. Auf 4900 Quadrat­metern Fläche stün­den […] 84 Park­plätze, zwei Wohn­mo­bil­stellplätze und 84 Stellplätze für Fahrräder zur Ver­fü­gung, teilte die Stadtver­wal­tung […] mit. An vier Park­plätzen seien Elek­tro­ladesäulen ein­gerichtet wor­den. Beleuchtet werde der Platz mit energies­paren­den LED-Lam­p­en, zudem seien die Fahrrad­stellplätze mit einem Solar­dach überdacht.

Der Augen­schein bestätigt sowohl die AP-Mel­dung in der SZ also auch das Urteil der Ein­wohn­er: „Ich fahre da täglich mehrmals dran vor­bei und habe noch niemals auch nur ein einziges Fahrrad gese­hen. Oder mal’n Auto.“ Nun, Autos parken da tat­säch­lich kaum. Außer meinem, welch­es nicht zählt, denn ich war ja nur wegen des Park­platzes dort, waren am Sam­stag noch drei weit­ere Autos auf dem Platz. Ein Fahrrad hinge­gen oder ein E‑Auto auf Lade­mis­sion war weit und bre­it nicht zu sehen.

Es stellt sich natür­lich die Frage, warum um alles in der Welt dort über­haupt Autos parken soll­ten, ganz zu schweigen von der Frage, wer dort Fahrräder in Massen abstellen soll und warum eigentlich? Es gibt dort buch­stäblich nichts, kein Einkauf­szen­trum, keinen Super­markt, kein Restau­rant. Der Bahn­hof liegt weit weg auf der anderen Seite der Saale und der benach­barte Kreisverkehr unter­halb der Saale­brücke lädt auch nicht ger­ade zum Ver­weilen ein. Alles an diesem Ort ruft „nichts wie weg hier“. Ein Ein­druck, den selb­st der ein­ladend­ste Klima­park­platz nicht zu ver­scheuchen vermag.

Liest man weit­er im Artikel der SZ, kommt einem die makabre Idee, es soll ohne­hin nie­mand mit seinem Fahrzeug die edlen Pflaster­steine beschatten.

Die auf dem Park­platz ver­legten Betonpflaster­steine seien mit ein­er Titan­diox­id-Schicht verse­hen, die eine soge­nan­nte Pho­tokatal­yse ermöglichen: Durch den Ein­fall von Licht wür­den dabei umweltschädliche Stick­ox­ide in unbe­den­kliche Nitrate umgewandelt.“ 

Das klappt natür­lich nur, wenn das Son­nen­licht den Pflaster­stein erre­icht, weil ihm kein Auto, Fahrrad oder Solar­dach im Wege ste­ht. Mit anderen Worten, ein Park­platz ist nur solange ein Klima­park­platz, wie kein Auto darauf parkt. Außer­dem – aber das ist der allzeit alerten Presse sich­er klar – sind Nitrate nur solange unbe­den­klich, bis sie ins Grund­wass­er gelan­gen und dem Bauern als Umweltver­schmutzung in die Gum­mistiefel geschoben wer­den kön­nen. Der hat in Weißen­fels nun eine Ausrede: Es war nicht die Gülle, son­dern der Parkplatz!

Ob die vere­del­ten Pflaster­steine ihrem luftverbessern­den Tag­w­erk nachge­hen kön­nen, hängt natür­lich sowieso vom Wet­ter ab. Bei Son­nen­schein haben Stick­ox­ide in der unteren Atmo­sphäre näm­lich nur eine Lebens­dauer von weni­gen Stun­den bis Tagen und die Stadtreini­gung wird in Weißen­fels alle Hände und Besen voll zu tun haben, damit den Steinen noch Kli­maar­beit übrig bleibt. Auch die Ange­wohn­heit, dass Schmutz, Staub, Schnee, Sand, Laub und Kau­gum­mi sich auf den Pflaster­steinen sam­meln, ver­min­dert deren kat­alytis­che Zauberkraft erheblich.

Aber es ist wohl ohne­hin der falsche Ansatz, aus der beab­sichtigten (medi­alen) Wirkung des Straßen­be­lages, der solar­be­triebe­nen Beleuch­tung oder des Bedarfs an Stell­flächen für Rad, Renault und Ros­t­laube auf den Grund zu schließen, warum fast 1,8 Mil­lio­nen Euro im Weißen­felser Saale­sand ver­bud­delt wer­den musste. SZ weiter:

Das Bau­vorhaben Klima­park­platz wurde den Angaben zufolge durch den europäis­chen Fond für regionale Entwick­lung des Lan­des Sach­sen-Anhalt gefördert. Die 93 Prozent Förderung betrage etwa 1,66 Mil­lio­nen Euro. Die restlichen Kosten hat die Stadt Weißen­fels der Mit­teilung nach aus Eigen­mit­teln finanziert.“

Stolze 93% dieser solar­beleuchteten, titan­diox­idbeschichteten Pflaster­stein­wüste hat also die EU bezahlt. Geld, dass nur schein­bar nie­man­dem weggenom­men wurde, weil die riesige Farm, auf der dies Geld zusam­mengeklaubt wurde, von Liss­abon bis Tallinn reicht. Einge­set­zt wurde es in Weißen­fels indes für ein Pro­jekt, von dem tat­säch­lich nie­mand etwas hat. Also nichts als Vergeudung für das Sym­bol eines Prob­lems, welch­es in der Rang­folge für Weißen­fels nach dem Ver­fall der Bausub­stanz in der Periph­erie, Wegzug und schwinden­der Kaufkraft, Verkehr­swe­gen, Arbeit­splätzen, Kom­mu­nika­tion, Sicher­heit und sich­er 99 anderen Din­gen höch­stens unter „weit, weit weg“ rubriziert.

Doch gäbe es das “Prob­lem” nicht, gäbe es auch die Mit­tel nicht. Das gilt für Kli­maschutz­maß­nah­men nicht nur in Weißen­fels. Und da man “Mit­tel” nun­mal so gern hat, muss es das Prob­lem ein­fach geben. Man darf auch annehmen, dass der großzügige Mit­telein­satz als voller Erfolg nach Brüs­sel gemeldet wurde, dass das Kli­ma nun am lieb­sten in Weißen­fels parken wird und dass die Ein­wohn­er der Stadt ihre Dankbarkeit für Brüs­sel­er Förder­pro­gramme kaum in Worte fassen kön­nen. In der hiesi­gen Mundart drückt man diese Dankbarkeit übri­gens so aus: “Dos is dor lätze Schais”.

Mich hinge­gen beschle­icht die Ver­mu­tung, es hier weniger mit ein­er gewonnenen Kli­maschlacht an der Saale­front als vielmehr mit ein­er typ­is­chen Fehlleitung der Mit­tel zu tun zu haben. Die Fehlal­loka­tion von Ressourcen ist näm­lich ein wesentlich­es Merk­mal sozial­is­tis­ch­er Plan­wirtschaft, zu welch­er sich die Brüs­sel­er Bürokratie längst her­abgeschwun­gen hat. Nicht immer absichtlich, so meine fre­undliche Unter­stel­lung! Doch die Ent­fer­nung zwis­chen zen­tral­is­tis­ch­er Bürokratie und ger­adezu schildaesker Bedarfsvortäuschung verun­möglicht jede ehrliche Kom­mu­nika­tion. Und was schert es schon einen EU-Kom­mis­sar, der einem durch Pro­porz zusam­menge­tack­erten Ressort vorste­ht, was von EU-Mit­teln in ein­er Kle­in­stadt in Sach­sen-Anhalt gebaut wird?

Dort nimmt man gern das Geld, das eben da ist und liefert dafür die Begrün­dun­gen, die benötigt wer­den, damit die Papiere “stim­men”. Ich hat­te einst selb­st das „Vergnü­gen“, in den späten 90ern Jahr für Jahr verge­blich um EU-Mit­tel für ein Pro­jekt der Jugen­dar­beit zu kämpfen, was immer wieder mit dem Hin­weis abgeschmettert wurde, man fördere dieser Jahre nur die Errich­tung oder Sanierung von Toi­let­ten, ich solle meine Anträge doch dahinge­hend umfor­mulieren. Dieses Spiel der Täuschun­gen und der pos­i­tiv­en Berichter­stat­tung kan­nte ich nur zu gut aus der DDR und war fas­sungs­los, dass es nun im EU-Maßstab so weit­er­lief. Ohne mich.

Was für die EU in den 90er Jahren Toi­let­ten für Jugen­dar­beit waren, das ist heute der Kli­maschutz für so manche sinnlose städte­bauliche Maß­nahme. Noch der größte Kokolores kann heute eine großzügige finanzielle Förderung erhal­ten, wenn im Antrag irgend­was von „solar“, „Stick­ox­id­ver­nich­tung“, “CO2” oder „E‑Mobil“ ste­ht. Und sei es, um in Weißen­fels einen Klima­park­platz zu erricht­en, den nie­mand haben wollte, den fast nie­mand benutzt und der dem Kli­ma gepflegt am sta­tis­tis­chen Rauschen vor­bei geht.

Vielle­icht sollte ich ja wieder Jugen­dar­beit betreiben. Aber nicht wie einst, als ich mit wenig Mit­teln ver­suchte, der Jugend Astronomie und Raum­fahrt nahe zu brin­gen. Heute wäre es wohl oppor­tuner, die Fre­itagskindern mit ein­er titan­diox­id­halti­gen Creme zu bestre­ichen, damit sie beim Demon­stri­eren eine aktive Rolle bei der Umwand­lung gefährlich­er Stick­ox­ide in harm­lose Nitrate spie­len kön­nen. Ich finde, dafür sollte die EU drin­gend Gelder lock­er machen. Ich kön­nte das sog­ar wortre­ich begrün­den, wenn man mir nur das Töpfchen nen­nt, aus dem es zu schleck­en gilt.

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18 Kommentare

  1. Mal ein angesichts der immer weit­er ausufer­n­den “EU-Dik­tatur” neues Gedankenspiel:
    Irgend­wie fällt anscheinend nie­man­dem bish­er so richtig auf,dass sich unsere trotz aller Wahl-Mis­ser­folge immer noch sehr verteilungs — und aus­gabefreudi­ge SPD auss­er pop­ulis­tis­chen Wahlspielchen und anderen aktion­is­tis­chen Ver­anstal­tun­gen keine wirk­lichen Exis­ten­z­sor­gen plagen.
    In ein­er der­ar­ti­gen Sit­u­a­tion müsste die sog. “Basis” längst einen Auf­s­tand angezettelt haben,um endlich wieder Wahler­folge zu erreichen.Was aber,wenn dies auf­grund bere­its vorhan­den­er “Geheim­pläne” der EU-Bürokratie evtl. gar nicht mehr nötig ist?
    Es kön­nte doch sein,dass die noch vorhan­de­nen Reste der “direk­ten Demokratie” per Wahlen auf lange Sicht sowieso abgeschafft wer­den sollen,weil spätestens in der näch­sten “ern­sthaften” Krise die nationalen Par­la­mente aufgelöst wer­den und for­t­an alle Macht von der “Pseudo”-Demokratie in Brüs­sel ausgeht.
    Das würde dann auch die derzeit­ige die Bürg­er nicht zufrieden­stel­lende Sit­u­a­tion teil­weise erklären,da die hiesige Poli­tik immer weniger unter Druck wäre,Ihre eigentlichen Auf­gaben zu erfüllen!
    Meine Gedanken­spiele sind aber nur reine Spekulation.…

  2. Macht Sinn, für die in Zukun­ft liegenge­bliebe­nen E‑Mobile.
    Mit Sack und Pack aufs E- Rad umgestiegen(falls geladen) oder in einem der Wohn­mo­bile vergnügt…

  3. Es ist tat­säch­lich nicht zu fassen, wie der Irrsinn in Deutsch­land gedei­ht. Woher kommt das eigentlich? Ist das vielle­icht im Schul­we­sen zu suchen, wo Lern­in­halte von nicht gel­ern­ten “Fachkräften” fes5tgelegt wer­den? Von grü­nen Fachkräften, schlicht Lehrer (Leer­er) genan­nt. Dann wer­den diese Jun­gendlichen erwach­sen und wer­den in der Folge von der Wer­bung und den linksori­en­tierten Veröf­fentlichun­gen in Emp­fang genom­men und “weit­erge­bildet”. Und dann meinen diese jugendlichen oder inzwis­chen Erwach­se­nen, dass die Bedi­enung des Smart­phones Bil­dung und Wis­sen darstellt. Nur so kann man sich den Irrsinn um das Kli­ma erk­lären. Kein­er weiss mehr, was Kli­ma eigentlich ist und alle ren­nen den Trompetern hin­ter­her. Rat­ten­fänger von Hameln ist ein gutes Vor­bild. Nur hat dieser die Stadt von den Rat­ten befre­it. Und wer befre­it unsere Gesellschaft von den Blö­den und Dum­men? Darf das noch gefragt wer­den? Trotz Denkver­bot oder Denkvor­gaben der Sesselfurzer?

  4. Im Dezem­ber mache ich meine jährliche Tour nach WSF um gute Fre­unde zu besuchen. Der „Klima­park­platz“ ste­ht jet­zt natür­lich auf dem Zettel für die must have Besich­ti­gun­gen. Danke für den Tipp!

  5. Ja ich denke der Park­platz ist für die Fahrzeuge zum abparken gedacht dessen Fahrer an der A9 wegen zu hoher Geschwindigkeit ihren FÜHRERschein abgegeben mußten, daher kenne ich Weißen­fels. Ständig hab ich dort meinen Wege­zoll bedud­deln müssen und das war sehr oft…

  6. Nicht nur DDR oder EU.
    In den Six­ties bei der west­ber­lin­er Post, interne Verwaltung:
    Gegen Jahrende musste noch schnell Geld aus­gegeben wer­den (egal wofür), son­st wird dieser Etat für’s näch­ste Jahr gekürzt. Ich ließ mir dann sagen, das wird generell in vie­len (west-)deutschen Behör­den so gehand­habt… Ich ver­mute: immer noch.
    Und in pri­vat­en Unternehmen (das weiß aber nun sowieso jed­er) passiert das gle­iche, um die Aus­gaben ein­er (nun gerin­geren) Steuer­schuld anzupassen.
    Nix neues unter der Sonne.

    Aber der obige Fall ist beson­ders “schön”.

    • Das erin­nert mich an die Zeit als Eltern­beirat an der Schule mein­er Kinder. Dort wurde die fro­he Botschaft verkün­det, dass vom näch­sten Jahr an die Hälfte evtl. einges­parter Energiekosten der Schule zur Ver­fü­gung gestellt wird und die gesamte über­wiegend grüne Lehrerschaft war sich sofort darüber einig, bis dahin so viel Energie wie möglich zu ver­brauchen, um später eine höhere Einspar­bilanz zu haben. “Es macht also nichts, wenn ihr ab heute die Heizung voll durch­laufen lasst und auch mal vergesst, das Licht auszuschal­ten” ist die Aus­sage, die mir heute noch in den Ohren klingt und die mich ver­an­lasste, mein­er Empörung laut­stark Aus­druck zu ver­lei­hen und von meinem Amt zurück­zutreten. Das hat aber nie­man­den inter­essiert, was mich aber auch nicht über­rascht hat. 😉

  7. Der Stadt ging es hier wohl mehr um die Verbesserung des all­ge­meinen Stadt­bildes, also des attrak­tiv­er machen. Man kann wohl schw­er­lich abstre­it­en, dass mit dem Bau dieses Park­platzes endlich eine weit­ere Schmutzecke, von der es lei­der in Wsf mehr als genug gibt, beseit­igt wurde. Zudem sind EU För­der­mit­tel Zweck gebun­den, dass heißt die Mit­tel, die hier bewil­ligt wor­den, standen auch von vorn­here­in nur für eben solche Zwecke zur Ver­fü­gung und nicht für die z.B. Förderung von Kindern und Jugendlichen. Man muss hier lobend erwäh­nen, dass die Stadt trotz ihrer sehr beschränk­ten finanziellen Mit­tel ver­sucht etwas ‘aus sich zu machen’, was lei­der durch Mis­s­wirtschaft nach der Wen­dezeit ver­säumt wurde. Außer­dem muss erwäh­nt wer­den, dass die hier ent­stande­nen Park­plätze kosten­frei sind, eben­so durch die EU Förderung ermöglicht. Der Bahn­hof ist fußläu­fig in nicht ganz 10 Minuten zu erre­ichen, eben­so die nahegele­ge­nen Einkauf­s­möglichkeit­en in der Jüden­straße wie auch auf dem Markt. Hier gibt es übri­gens auch kosten­los­es WLAN.

    • Man nimmt halt, was man kriegen kann. Das macht natür­lich jede Stadt. Aber man kann natür­lich auch jede bauliche Maß­nahme irgend­wie begrün­den und schön reden. Wie notwendig allerd­ings ein Park­platz ist, der 10 Minuten vom Bahn­hof ent­fer­nt ist oder wie drin­gend die Hand­voll Geschäfte in der Nähe Fahrrad­stellplätze brauchen, sieht man ja an der Tat­sache, wie voll der Platz ist. Wenn jet­zt natür­lich als aller Welt die Besuch­er zum Park­platzguck­en nach WSF kom­men, ist meine Annahme natür­lich widerlegt. 😉

  8. Was hat Weißen­fels mit Düs­sel­dorf gemein? Ich weiß es auch nicht so genau. Jeden­falls regiert auch hier das Gefühl. Die Hauptverkehrsad­er der Stadt von über 600.000 Ein­wohn­ern, die natür­lich auch “Umwelt­zone” ist, mit Einzugs­ge­bi­et von ca. 6 Mio. Pendlern, Besuch­ern, Messegästen, Sport­begeis­terten etc. wurde von sechs auf vier bzw. vier auf zwei Spuren ver­schmälert. Es dro­ht ja son­st die Klage wegen Über­schre­itung der EU-Gren­zw­erte für NO2 von 40 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft. In Innen­räu­men darf der Gren­zw­ert gerne mal um das Tausend­fache drüber liegen (Rauch­er freut es). Die “Umwelt­spur”, auf der nur Fahrräder fahren dür­fen, es aber nicht tun, weil direkt daneben ein reg­ulär­er Rad­weg angelegt ist, ret­tet jet­zt die Bürg­er vor der total­en Vergif­tung, an der ja ange­blich Hun­dert­tausende ster­ben. Zwar rollt der Verkehr jet­zt nicht mehr und neben der Spur mit der reinen Luft ver­pestet der Stop-and-go-Verkehr die übrig gebliebe­nen Spuren oder quält sich über Neben­streck­en, die sich über mehr Umwelt­be­las­tung freuen dür­fen, ans Ziel. Die Düs­sel­dor­fer gehen auf die Bar­rikaden, die Obrigkeit juckt es nicht. Haupt­sache NO2 ist geban­nt. Die Ironie dabei ist, dass die Mess­werte jet­zt um ein Vielfach­es höher liegen. Was gäbe Düs­sel­dorf jet­zt wohl für eine Titan­diox­idbeschich­tung der Umweltspur?

  9. Sehr guter Artikel. Kann ich in großen Teilen nur bestäti­gen. Aber hey: Eventuell muss man die Vision hin­ter der Num­mer sehen. WSF bietet dur­chaus I40-taugliche Infra­struk­tur (100M­bit-Hau­san­schluss), weshalb man dur­chaus als ITler gün­stig in WSF leben und arbeit­en kann. Jet­zt, dank dieses tollen Park­platzes, gibt es auch eine ver­lässliche Ladesäule für den neuen Hybrid- oder Elek­tro-Fir­men­wa­gen, welche in den Plat­ten­bau-Vierteln nun mal fehlen. Wird der Nahverkehr und die Anbindung nach Leipzig noch bess­er, so zieht man vielle­icht die Aut­o­fahrer auf dieses Aus­flugsziel “Saale-Klima­park­platz”, bevor diese nach Saale-Spazier­gang und Fußgänger­brücke die Züge nach Jena, Halle, Leipzig nutzen, um kli­ma­neu­tral die attrak­tiv­en Großstädte der Region zu besuchen. Also irgend­wie so groß muss man doch wohl gedacht haben, wenn man 2 Mio ein­fach so versenkt, nicht?

  10. Vie­len Dank, ich habe sehr gelacht! — “Klopfze­ichen aus dem Irren­haus”, wie der Broder so schön sagt…

  11. Lieber Roger, Sie haben das Prinzip von EU Förderun­gen noch nicht ver­standen. Es ist, wie man bei mir zu Hause zu sagen pflegt, “wurschd” ob das Geld sin­nvoll angelegt ist oder nicht, Haupt­sache es ist weg.
    Schönes Beispiel aus der let­zten Zeit, die von der EU geförderte “Islam­o­pho­bie Studie”. Über die sind sog­ar EU Par­la­men­tari­er entsetzt.
    Antwort der EU: „Der Inhalt des Reports liegt allein in der Ver­ant­wortlichkeit der Empfänger der Fördergelder“, teilt eine Kom­mis­sion­ssprecherin mit. „Die EU ist nicht ver­ant­wortlich für den Inhalt des Berichts und befür­wortet diesen nicht, son­dern nimmt ihn nur zur Kenntnis.“
    Na also Geld weg- alles gut. 

    Ist der Park­platz sin­nvoll, braucht ihn jemand? Wurschd ! Die EU hat zur Ken­nt­nis genom­men, dass der Park­platz da ist. Das reicht.

  12. Titan­diox­id­haltige Cremes gibt es wirk­lich — aus­gerech­net als (physikalis­chen) Sonnenschutz.
    Noch: weil nicht ganz klar ist, ob sie nicht vielle­icht an der Koral­len­ble­iche schuld sein kön­nten und weil sie sowieso weniger tau­gen als chemis­che Fil­ter, ver­bi­eten immer mehr Staat­en physikalis­che Lichtschutz­fil­ter. Doch halt! Der Irrsinn geht noch zwei Stufen weit­er. Weil sich Zimt­säured­erivate (was die meis­ten UV-Fil­ter sind) “so chemisch” anhören, wollen die Feld-Wald-Wiesen-Grün­denker lieber “ein natür­lich­es Pro­dukt” (was auch immer das heißt), in dem Fall also Zink- und Titanox­ide. Außer — außer sie sind ganz fein ver­rieben (damit sie nicht so weißeln). Weil das nun aus­gerech­net “mikro­nisiert” heißt, das für Grün­denker irgend­wie nach “Mikro­plas­tik” klingt und man mit der Tech­nik des mikro­nisierens (also zerklein­erns) noch ein paar andere Sachen anstellen kann, unter anderem etwas an der Blut-Hirn-Schranke vor­beibekom­men (die wie ein ganz feines Sieb funk­tion­iert) — deshalb meint also die besorgte Bio­mam­mi, die Son­nen­creme lande im Hirn.
    Irgend­je­mand sollte eigentlich anfan­gen, Son­nen­schirme zu verkaufen. Wegen der Geschichte mit dem Titan­diox­id sind das natür­lich Kli­maschirme (eine Beschich­tung damit wäre bei einem Son­nen­schirm sog­ar sehr sin­nvoll, schließlich soll der die Sonne abhal­ten). Natür­liche Kli­maschirme! Aus Deutschland!
    Vielle­icht ist ja das Grund­stück neben dem Klima­park­platz noch frei für eine Sonnenschirm-Fabrik?

  13. Kli­ma, Kli­ma ühüber ahalles…Nachdem Deutsch­land im Jahre 2019 ca. 30 Mrd Camem­bert-Euro­nen in die “EU” geschossen haben wird, freuen wir uns doch über den Cash-Back von gigan­tis­chen 1,7 Mio, oder? Und für´s Kli­ma ist uns doch nichts zu teuer. Bei uns in Schw­erin gibt es mit­ten in der Stadt ein riesiges EKZ mit eben­so riesigem, dreistöck­i­gen Parkhaus, zumeist rap­pelvoll. Nur die neu geschaf­fe­nen sechs E‑Au­to-Lade-Park-Plätze sind frei, eigentlich immer. So ver­nichtet man Par­kraum. Zusät­zlich wur­den weit­ere Park­plätze “geopfert”, um PKW-bre­ite Fußwege zu schaf­fen. Wie es aussieht, müssen dort wohl Fußgänger ( zu Fuß Gehende) zu Dutzen­den im sprich­wörtlichen Sinne “unter die Räder” gekom­men sein. Dem Rad‑,Fuß-und Ökoirrsinn sind auch in der Mini-Lan­deshaupt­stadt Schw­erin keine Gren­zen gesetzt.

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