Während sich Europa auf einen Energiemangelwinter vorbereitet und auf mildes Wetter hofft, um dem flächendeckenden Blackout zu entgehen, fällt in großen Städten wie Köln freitags wieder der Unterricht aus, kaum dass er begonnen hat. Doch nicht wegen Corona und mangelnder Impfbereitschaft der Jugend, sondern wieder wegen Fridays for Future. Diesmal mit moralischer Unterstützung durch die Bundesehrensirene Karl Lauterbach.

„Kostenlose Tipps“ gaben ihm die Kinder einer IGS mit auf den Weg, handschriftlich verfasst und formuliert wie ein versteckter Hilfeschrei nach Deutsch-Nachhilfe. Doch kaum ein Politiker kann der Versuchung widerstehen, die lieben Kleinen als moralisches Glutamat zu benutzen und den Kindern dürfte nicht klar sein, dass sie da neben einem der Architekten ihrer vorgestellten Zukunftslosigkeit stehen. Sie demonstrieren für eine Zukunft, an die sie nicht glauben, die sie aber für ihre Kinder retten wollen, obwohl sie gemäß ihrer Ideologie (Kind = CO2-Schleuder) später besser gar keine Kinder wollen sollten, die aber ohnehin nicht zustande kommen können, weil (Karl sei’s gedankt) Abstandsregeln, Masken, Klassenunterschiede (geimpft, ungeimpft) und digitale Vereinsamung alle zwischenmenschlichen Kontakte minimieren, wenn nicht sogar dämonisieren. Die ideologischen Verteidigungsmauern fallen übereinander her und bringen sich gegenseitig zu Fall.

Avantgarde einer Generation

Seit Jahren wird uns die F4F-Bewegung als Avantgarde einer Generation verkauft, die schon in jungen Jahren Verantwortung für ihre Zukunft übernommen habe, klar sehe und sich auf die wesentlichen Probleme der Menschheit konzentriere. Die Kinder wissen, was dir frommt, CO2-Emittent, höre auf die Kinder. Infantiler und gelenkter Aktionismus als Essenz des Weltgewissens, der „Zahnpaster“ durch „Zahnputztableten“ ersetzen, „Sachen aus einer Papierschachtel“ holen und dadurch den Tippempfänger „Klima neutral“ machen will. Generation „Du-kannst-alles-werden“ und „Ich-weiß-alles-besser“ ist leider auch Generation „Du-musst-nur-daran-glauben“ geworden und solange die moralische Drehzahl hoch genug ist, entfällt die Fehlerdiskussion. Alles sei „ausgerechnet“, behauptete schon Annalena Baerbock, konnte aber auch auf Nachfrage den Rechenweg nicht vorweisen. Nicht mal auf einem Zettel. Wo Moral Hof hält, darf die Mathematik schweigen.

Nun dürfen Kinder auf Zettel schreiben, was immer ihnen in den Sinn kommt. Doch was ist von Politikern zu halten, die daraus Legitimität zu saugen versuchen und sich eitel in den Verwirrungen spiegeln, die sie in die Köpfe dieser Kinder gesenkt haben? Man muss sich auch fragen, ob hier die Politiker den Kindern oder die Kinder den Politikern als Vorbilder dienen.

So gesehen passen Lauterbach und die F4F-Kinder vielleicht doch ganz gut zusammen, weil ersterer in seiner alarmistischen Geschwätzigkeit und auch der Lächerlichkeit den „Jugend-Forscht-ein-Bisschen“ Zetteltipps der Kölner Kinder ähnelt. Was letzteren noch fehlt – aber das wird schon noch kommen, wie das Geplapper von Frau Neubauer, der deutschen Viertelfürstin von F4F beweist – sind die vorangestellten Worte „Eine Studie hat eindeutig gezeigt…“, mit denen sich heute jede politische Diskussion wie mit islamischen Fatwas totschlagen lässt.

Imaginierte Kämpfe

Doch ich möchte die Kinder gern vom Haken lassen, schon weil sie Kinder sind. Außerdem deshalb, weil sie bei F4F und besonders durch „mitdemonstrierende“ Politiker wie Lauterbach und tertiäre Panik-Profiteure schon genug gebeutelt und vor deren Karren gespannt werden. Er gebe sein bestes, „Antworten zu finden“, schreibt Lauterbach und steht dabei unter einem Plakat, auf dem ein schmelzender Pinguin sich aus der Welt verabschiedet. Der Antarktis geht es zwar prächtig, aber solche Petitessen interessieren doch einen Politiker nicht, der sich als Multiplikator einer Gruppe Gleichgesinnter sieht, die schon das richtige glauben – auf Details kommt es da doch gar nicht an. Ein Segen (und bitter nötig) wäre es jedoch, wenn die Kinder statt einem geltungsbesoffenen Politiker als Geschmacksverstärker zu dienen, endlich wieder in die Schule gingen. Nicht nur in Deutsch, Biologie und Geografie gibt es Nachholbedarf, der dürfte nach einem Jahr Lockdown-Verdummung und Angstverbreitung überall bestehen.

Der kleine gelbe Zettel, den Lauterbach so stolz in die Kamera hielt, weist übrigens noch auf einen weiteren Krisengewinnler der Klimapanik hin. „Die Marke Ben u. [Jerrys]“ wird da als „Tipp“ erwähnt und man fragt sich, wie es der Markenkapitalismus auf die Empfehlungsliste der Klimaretter schaffen konnte, wo deren Vorbeter sich die Weltrettung doch statt von der Marktwirtschaft eher von zentralistisch-planwirtschaftlicher Mangelverwaltung erhoffen. Immerhin brauchen die überteuerten Desserts jede Menge Energie bei Herstellung und Lagerung. Warum also ausgerechnet Ben & Jerrys? Wie kommt die Empfehlung zustande? Warum der kindliche Dispens ausgerechnet für solch ein Luxusprodukt, das sowas wie der SUV unter den Eiscremes ist? Nehmen die Kinder etwa die vollmundigen Klimaversprechen der Eisverkäufer für bare Münze?

Doch ein Blick auf die Internetseite der Eismacher zeigt, dass Kinder eben doch nicht per se das „dritte Auge“ haben, wenn es um die Rettung der Welt geht, sondern dass sie genauso beeinfluss- und manipulierbar sind, wie die Werbeindustrie es seit Jahren zu nutzen weiß.  Im Web und in der aktuellen Imagekampagne schwindelt sich der Eisverkäufer mit der Israel-Phobie zum Vorkämpfer gegen den Klimawandel hoch und bedient sich dabei derselben phrasengesättigten Gaga-Sprache, die den Klimakindern abseits der Schulbank längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Sogar im Ausdruck hat man sich auf das intellektuelle Niveau der bessereisschleckenden Kernzielgruppe hinuntergeschmolzen. Auf der Kampagnenseite von Ben & Jerrys lesen wir:

„Das Klima steigt immer weiter – und hat einen verheerenden Einfluss auf unsere Existenz.“

Das Niveau, auf dem man seine vermeintlich moralischen Pirouetten dreht, sinkt. Das Einzige was hier steigt, ist der Zuckergehalt einer Werbekampagne, mit der Ben & Jerrys die Bundestagswahl zur „Klimawahl“ hochfiedeln möchte und sich noch dazu darüber beklagt, dass in Deutschland zehn Millionen Menschen (ohne deutschen Pass) nicht wählen dürfen. Solche Ungerechtigkeiten empfinden die Deutschen zwar spätestens seit der US-Wahl 2016 für sich und ihr Gewissen als unerträglich, aber ob das ungeschürfte Wählerpotential in Deutschland wirklich auf rot-grüne Energiediät abfährt, darf bezweifelt werden. An Magerquark und Selbstverzwergung sind hierzulande doch vor allem das Juste Milieu um Lauterbach oder Baerbock interessiert. Alle anderen kommen mit dem zucker- und fetthaltigen Ben & Jerry-Kapitalismus, der die Weltretterei professionell vermarktet und als moralische Sticker in bunte Sammelalben klebt, besser zurecht. Deshalb zieht es ja mehr Menschen nach Köln als nach Karatschi.

Für Karl Lauterbach schließt sich hier der Kreis und wenn der von seiner Partei erst verschmähte und nun hochgefiedelte Olaf Scholz nach seiner Krönung zur klimagerechten Umgestaltung der Wirtschaft schreitet, kann der Karl dem Kanzler einen Zettel zustecken, der belegt, dass Ben & Jerrys zu den Guten gehört. Das haben ihm die Kinder verraten!

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6 Kommentare

  1. Lustig fand ich neulich die im Radio aufgeschnappte Aussage, ich glaub es war die Vielflieger-Luisa, dass sie ja wegen Corona nicht klimastreiken konnte. Daher habe sie ganz viel Online-Klimastreik gemacht (unwissend wohl, dass die Rechenzentren, jedes für sich, so viel Strom braucht, wie eine Kleinstadt). Klimakiller kämpfen für die Klimarettung durch Klima killen. Die Freiluft-Gummizelle ruft, hurra!

  2. Hallo,
    ein freundlicher Hinweis:
    Ich denke nicht, dass sich das unvollständige „Ben u.“ auf die Eismarke bezieht, sondern auf die Kosmetikmarke Ben und Anna.
    Vielleicht sollte der Artikel geändert oder ganz entfernt werden, da er sich ja maßgeblich auf den Fehlschluss bezüglich der Eismarke bezieht, noch bevor die FFF Ideologen ihre Häme darüber ausschütten.

    • Danke für den Hinweis, das könnte stimmen. Allerdings rührte Ben & Jerry gerade in Bezug auf den gestrigen „Streik“ die größte Werbetrommel von allen, weshalb die Geschichte wohl Parallelen aufweist.

  3. Eines muss man den Grünen Khmer lassen: Die Klima-Gehirnwäsche wirkt, frei nach dem hinkenden Doktor: „Tausendmal wiederholte Lügen werden zu Wahrheiten!“. Die Hysterie ist eine gelungene Mischung aus Fegefeuer und Ablasshandel: https://ogy.de/ri8z

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