Um zu untersuchen, in welchem Zustand die deutsche Energiewende und der Netzausbau sind, muss man den Reden ihrer politischen Herolde lauschen. Annalena Baerbocks Ausspruch im Interview mit dem DLF, als sie das Netz zum Speicher erklärte und behauptete, „das ist alles ausgerechnet“, war bislang nur die verrückteste Äußerung. Damit schaffte sie es kurzfristig, an Jürgen Trittins Aussage vorbeizuziehen, der einst behauptete, die Energiewende werde den Bürger monatlich nicht mehr kosten als eine Kugel Eis. Mittlerweile wissen wir, dass der Preis für das Eis immer heißer wird und Baerbocks nachgeschobene Begründung, mit „das Netz“ sei das Stadtgasnetz gemeint, weit weniger lustigere Effekte als Knallgas-Experimente im Chemie-Unterricht zur Folge hätte. Doch nun folgt die nächste Volte, indem man einen Stromspeicher mal eben zum Netz-Ersatz erklärt. Das glauben Sie nicht? Dann lesen Sie mal hier bei Spiegel-Online nach!

In Kurzform: weil die neuen Stromtrassen „unbeliebt“ seien – will heißen, die Planverfahren kommen aufgrund massiver Bürgerproteste weder über noch unter der Erde so recht voran und die Kosten für untererdige Gleichstromtrassen misst man in der Einheit „Apollo-Mondlandungen“ – müsse man nun im Süden der Republik gigantische Li-Ionen-Speicherbatterien bauen. Diese Speicher könne man auch „über das herkömmliche Netz“ laden und die würden dann den wegen der engen Stromtrassen immer wieder notwendigen Redispatch glätten. So stellt der Spiegel das dem Leser dar, nicht ich. Ich gehöre ja eher zu jenen, die seit Jahren auf die technische Unzulänglichkeit des grünen Zappelstroms aufmerksam machen, der zur Netzstabilität leider überhaupt nichts beitragen kann, weshalb man ihn über Speicher glätten müsse. Die kurzfristige Glättung ist dabei technisch nicht mal ein so großes Problem (nur ein erheblich finanzielles, wie wir noch sehen werden), sondern die langfristige, Jahreszeitliche Glättung. Der gedachte „Stromspeichersee“, der diese Schwankungen ausgleichen könnte, ist zwar in der Theorie vorhanden, aber praktisch nicht machbar! Die Welt ist einfach zu klein dafür.

Redispatch wegen fehlender Leitungen?

Allerdings pressiert seit kurzem ein anderes technisches Problem, nämlich die planmäßige Abschaltung der letzten grundlastfähigen AKW und bis 2038 auch noch der Kohlekraftwerke. Es stehen also immer weniger grundlastfähige Kraftwerke zur Verfügung. Der grüne Zappelstrom mit eingebauter Vorfahrt sorgt dafür, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, die Netzfrequenz stabil zu halten. Immer häufiger wird ein „Redispatch“ nötig, weil Unterkapazitäten durch Zuschalten von Kraftwerken oder Lastabwurf großer Abnehmer ausgeglichen wird und Überkapazitäten aus Wind und Sonne irgendwohin abfließen müssen. Ursache dieser Schwankungen ist das EEG-System selbst und somit die politisch vorgegebene Marschrichtung in eine Öko-Planwirtschaft.

Der geplante Batteriespeicher ist denn auch nichts anderes als ein riesiger und irre teurer Kondensator, der sich schnell schalten lässt und so das Zeitfenster für einen künftigen Redispatch etwas vergrößert und dem Netzbetreiber für eine kleine Weile Luft zur Regelung verschafft, bis noch mehr Grundlastkraftwerke vom Netz gehen und der „Kondensator“ noch größer werden muss. Keinesfalls kann diese oder irgendeine Batterie eine Übertragungsleitung ersetzen. Das Problem, dass in windigen Zeiten große Mengen des in der Nordsee produzierten Off-Shore-Windstroms nicht abfließen können, besteht ja weiterhin, ganz gleich, wie die Speicher in Baden-Württemberg geladen werden. Statt hier aber das Politikversagen der Energiewende als Ursache zu benennen, bekommt der renitente Bürger den schwarzen Peter zugeschoben, weil der die Frechheit besitzt, den Trassenbau zu verhindern! Motto: ihr wollt keine Netze? Dann bauen wir euch Speicher!

Falsches Spiel mit Leistung und Kapazität

Mit welchem Blendwerk der Spiegel seine Leser desinformiert, sieht man gerade im Zusammenhang mit der Energiewende immer wieder an den präsentierten Zahlen. Die Leistungsstärke der in Kupferzell geplanten Anlage betrage 500 Megawatt und in Moss Landing (Kalifornien) plane der Versorger PG&E bis Ende 2020 ein komplettes Gaskraftwerk durch Lithium-Akkus zu ersetzen“. Auch hier das typische Spiel mit der Unkenntnis der Begriffe. 500 Megawatt, das klingt, als könne man mit einem Akku-Park fast das Steinkohle-Kraftwerk Rostock (600 MW) ersetzen. Pustekuchen! Denn über welchen Zeitraum diese 500 Megawatt zur Verfügung stehen, erwähnt der Spiegel nicht. Minuten? Stunden? Tage? Im Gegensatz zu einem Akku läuft so ein Kraftwerksblock üblicherweise fast das ganze Jahr, während man aus einer Batterie nur das herausholen kann, was man vorher hineingesteckt hat. Geradezu albern ist die Vorstellung, ein Akku könnte ein (theoretisch, in Deutschland nicht praktisch) grundlastfähiges Gaskraftwerk ersetzen. Der kalifornische Betreiber PG&E ist auch kein Beispiel für cleveres Energiemanagement. Er hat lediglich beschlossen, aus der Erzeugung von Strom auszusteigen und sein wirtschaftliches Glück als kurzfristiger Pufferspeicher für den Strom zu versuchen, den andere erzeugen. Das ist kein „Ersatz“, das ähnelt eher dem Müller, der zum Bäcker umschult.

Mega oder Giga oder Watt?

Bemerkenswert ist auch der Preis. „Brancheninsider“ schätzen laut SPON, dass 900 Megawatt dieser Batteriespeicher eine Milliarde Euro kosten werden, laufende Wartungen und der alle paar Jahre fällige Austausch der Speicherzellen nicht mitgerechnet. Aber vielleicht liegt hier der Schlüssel zur tatsächlichen Kapazität der in Baden-Württemberg geplanten Anlagen und wir können mit ein wenig Dreisatz mal hinter die Kulissen gucken. Setzt man die Kennzahlen an, die der Spiegel selbst für ein vergleichbares Projekt in Australien veröffentlichte (42 Millionen Euro für 129 MWh installierte Batteriekapazität, 100 MW Leistung), bedeutet dies, dass hinter den 900 Megawatt Leistung ganze 3.070 MWh Kapazität stecken. Das klingt viel und hilft sicherlich, das Netz kurzfristig zu glätten, ist aber wenig und völlig untauglich, als nennenswerter Speicher für Zappelstrom zu fungieren oder fehlende Übertragungswege zu ersetzen. Denn 3.070 MWh sind nur 3 GWh und der Speicher wäre bei Vollast in etwa dreieihalb Stunden leer. Um diese kurze Pufferzeit geht es TransnetBW und die sind sicher bitter nötig – aber nicht, um die fehlenden Strom-Trassen zu ersetzen, sondern den volatilen Strom aus Sonne und Wind mit den immer weniger werdenden Grundlastkraftwerken auszugleichen!

Zum Kapazitätsvergleich: Das Kohle-Kraftwerk Rostock, nicht gerade eines der größeren hierzulande, produziert mit seinen 600 Megawatt Leistung etwa 1.720.000 MWh pro Jahr, (umgerechnet auf 500 Megawatt, um einen Vergleich zum geplanten Batteriespeicher zu haben, wären das also etwa 1.433.000 MWh (1.433 GWh)). Sicher haben Sie schnell ausgerechnet, dass man weitere 573 milliardenteure Batteriespeicher bräuchte, um auch nur die Energie zu puffern, die aus einem mittelgroßen Kraftwerk wie dem in Rostock kommt. Vorausgesetzt, wir bauen die Speicher so preiswert, wie Tesla seine Anlage in Australien.

573 Milliarden Euro sind also nötig, wollte man einen Batteriespeicher bauen, der über das ganze Jahr eine Leistung abgeben kann, wie das Kraftwerk in Rostock. Als Hausaufgabe für die Leser bleibt dann noch die Aufgabe, zu ermitteln, wieviel tausend Tonnen Lithium man für diesen Speicher bräuchte und wieviel mal man diese 573 Milliarden Euro ausgeben müsste, um die jahreszeitlichen Schwankungen in der Zappelstromversorgung ganz Deutschlands auszugleichen.

Und wer bezahlt?

Wer das bezahlen soll, wollen Sie wissen? Das ahnen Sie zwar sicher schon, schließlich zahlen Sie mit 30 Cent pro kWh schon den höchsten Strompreis weltweit – die deutschen Vollstecker haben’s doch offensichtlich dicke, da geht sicher noch was! Dazu findet sich am Ende des SPON-Artikels ein interessanter Hinweis: „Zunächst muss der Plan für die Gigabatterien allerdings von der Bundesnetzagentur und vom Bundestag bestätigt werden.“ Dass die Bundesnetzagentur einen Blick auf die Pläne werfen möchte, ist ja noch verständlich, aber warum sollte sich der Deutsche Bundestag damit beschäftigen, auf welche technische Art und Weise einer der deutschen Netzbetreiber die Versorgung seiner Stromkunden organisiert oder die Lieferungen der Stromerzeuger koordiniert? Für die meisten Abgeordneten kommt der Strom aus der Steckdose, wie er dort rein kommt, interessiert ihn nicht sonderlich. Kann oder darf TransnetBW das nicht allein entscheiden? Den Bundestag ins Spiel zu bringen bedeutet nichts anderes als den Plan, die gigantischen Kosten für die Lithium-Akkus auf den Steuerzahler abzuwälzen. Irgend ein Netzspeicherwachstumsbeschleunigungsgesetz wird sich da schon zimmern lassen.

Die Aufrechterhaltung der Stabilität der Stromnetze macht den Betreibern mehr und mehr zu schaffen. Aber es macht sich nicht so gut, wenn TransnetBW zu den Politikern in Land und Bund geht, ihnen Vorwürfe wegen Energiewende, Atom- und Kohleausstieg macht und die Politik auffordert, ihre Fehler zu korrigieren. Wer in dieser Sache Geld von Politikern will, muss die Bürger beschuldigen. Politiker wiederum sind dankbar für die Ablenkung vom eigenen Versagen und öffnen die Taschen der Bürger so gern noch ein wenig weiter. Deshalb baut TransnetBW der Politik eine Brücke. Der Bürger sei ja nicht nur Stromkunde und Steuerzahler in Personalunion, wegen seine Renitenz bezüglich des Netzausbaus sei er auch noch schuld an der Kostenexplosion! Das hat er nun davon! Ich kann schon im Geiste die Fensterreden der Politiker hören, die Bürgerinitiativen und Stromtrassenverhinderer („Energiehasser“ wäre eine griffige Verbalinjurie) in Niedersachsen oder Hessen dafür anprangern, dass man nun teure Speicher bauen und finanzieren müsse, weil diese ewig Gestrigen die Netze nicht vor der Haustür oder im Kartoffelacker haben wollen, nur weil das entweder den Himmel verunziere oder den Boden stark aufheizen würde. Aber Netz und Speicher sind in post-physikalischen grünen Zeiten ja ohnehin identisch und vor allem immer teurer als gedacht. Letzteres zumindest stimmt. Haben wir ja gerade alles ausgerechnet.

SPON-Artikel auf archive.is

*Korrektur

In meine Berechnung hat sich ein Fehler eingeschlichen. Danke an meine Leser, die mich darauf aufmerksam machten. Die nach meiner Meinung richtige Berechnung der Kraftwerkskapazität finden Sie hier. Der Fehler bleibt aus Dokumentations- und Dokumentargründen im Text stehen. Nur so viel vorweg: es ist alles noch viel schlimmer, als ich es oben beschrieben habe.

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20 Kommentare

  1. Mit dem Dreisatz hinter die Kulissen…
    Lieber Herr Letsch, meine Schulzeit liegt über 30 Jahre zurück, aber Dreisatz geht noch, dachte ich.
    Ihre Beispielaufgabe:
    100 MW (Leistung) zu 129 MWh (Inst. Batt.kapaz.) verhält sich wie 900 MW (Leistung) zu x MWh (Inst. Batt.kapaz)
    Ihre Lösung für x lautet 3.000 (MWh); ich komme ums Verrecken aber immer auf (rund) 1.170 (MWh)
    Liegt es an Australien (umgekehrter Dreisatz)? Liegt es am Lithium?
    Schöne Grüße aus dem Schwarzwald.

      • Daran, daß alles noch viel schlimmer ist, hatte ich sowieso keinen Zweifel. Und für Politiker, die funktionierende Systeme abschaffen, um diese durch nicht-funktionierende, aber zehnmal teurere zu ersetzen, habe ich auch nur eine Diagnose. Die fängt mit W an und endet auf ahnsinn.

  2. Lieber Roger,

    was zerbrichst du dir den Kopf und rechnest dir die Finger wund?
    Wenn das Trassen- und Speicherprojekt nur annähernd so laufen wird wie der Bau des Berliner Flughafens, dann werden wir beide nicht eine Milliwattsekunde aus diesem Projekt beziehen. Ich für meinen Teil werde dann bereits längst Geraniendünger sein, wenn das Projekt denn jemals „ans Netz“ gehen wird.

    Eines ist signifikant: Auch bei unseren redseligen Politikern wird die Auswirkung der Bildungsreform immer deutlicher.
    Ferner wissen wir auch nicht, was diese Gestalten so alles rauchen; in diesem Kraut müssen jedenfalls Substanzen enthalten sein, die das logische Denken nicht unerheblich beeinträchtigen. Anders kann ich mir die politischen Entscheidungen bezüglich der sog. Energiewende nicht erklären.
    Wie können unsere Berliner „“„Volksvertreter“““ nur auf die Idee kommen, erst Atomkraftwerke abzuschalten, danach Kohlekraftwerke und somit alle Brücken hinter uns abzureißen, um dann ganz auf volatile Stromerzeugung zu setzen? Das ist wie Datensicherung ohne Backup – hahaha!
    Von Verantwortung und Realitätssinn zeugt das Projekt nicht.
    Mir tun wirklich die Kinder in diesem Land leid: Sie werden den Strompreis kaum mehr bezahlen können. Was wird die kWh dann kosten? Ein Euro oder noch mehr?
    Genauso wie Wohnen ein Grundbedürfnis ist, ist Strom ebenfalls unverzichtbar – und in Zukunft erst Recht. Ohne Strom geht nichts und wird in Zukunft erst recht nichts mehr gehen!

    Auf jeden Fall wird dann dieses Land seinen kleinen Beitrag zum Sparen geleistet haben: Durch die hohen Standortkosten (u. a. Stromkosten) und der daraus resultierenden Deindustrialisierung wird Deutschland noch mehr Energie einsparen …

  3. Fundamental ist die elektrische 45-Prozent-Regel! Alle anderen Betrachtungen sind obsolet, da diese Situation seit Jahren immer und immer wieder auftritt: FakePower wird vom Netz getrennt!

    Heinrich Duepmann, Stromverbraucherschutz NAEB: „Für eine stabile Netzbetriebssituation müssen permanent 45% (Faustformel) der anstehenden Leistung aus großen Synchrongeneratoren kommen (rotierende Massen). Diese müssen außerdem in einem Leistungsbereich hoher Regelgeschwindigkeit arbeiten, der je nach Bauart und Typ bei 30 – 80% der Nennleistung liegt.“
    https://www.dzig.de/Oekostrom_Die-Grenzen-des-Wachstums

  4. Tja, liebe Mitdenkende, uns allen (naja: mir jedenfalls) vibriert das Hirn beim Versuch, auch nur ansatzweise zu erfassen, wieviel geradezu unendlicher Schwachsinn uns regiert und agitiert. Zur Teilkärung empfehle ich u.a. einen Vortrag H.-W. Sinns von Ende 2017 ( https://www.youtube.com/watch?v=jm9h0MJ2swo&t=16s ) in dem er im Effekt verklart, daß a) bei ca. 50% EE das absolute Ende der Speicherkraftwerksstange erreicht wäre (bei Bau aller möglichen Pumpspeicherkraftwerke in Europa - beim Status Quo des Stromverbrauchs OHNE „E-Mobilität“) und b) für darüberhinausgehende EE-Anteile letztlich ein mnd. 3-4faches (zu entsprechenden Kosten) an EE erzeugt werden müßte, wollte man „Power2Gaz“ o.ä. zur weiteren Anteilssteigerung nutzen wollen. Da wir nun aber in Kürze keinen eigenen Atomstrom mehr produzieren werden und auch bis 203.. keinerlei relativ sauberen deutschen Kohlestrom mehr haben wollen werden, werden wir also unsere Nachbarn um ihren Teufelsstrom (F/PL) und Väterchen Putler um sein Gas anbetteln müssen - genau. „betteln“: denn ohne alles Dreis is hier Zappen duster. Sollte uns diese „Energiewende“ tatsächlich ‚gelingen‘, dürften sich - sozusagen ganz en passant - die meisten der typischen Probleme eines sich selbst negierenden führenden Industrielandes mit Welt(bevölkerungs)beglückungsallmachtsphantisien mit ihm zusammen erledigen. Gut ist der beraten, der sich gen Schweiz, Österreich (wg. €uro leider, leider eher nicht), Polen oder Ungarn finanziell/sprachlich zu ‚diversifizieren‘ vermag. .….da fällt mir der prophetische polnische Witz von 2016ff. ein: Die seinerzeitige polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło ruft bei Merkel an. „Hallo, Angela, grüß Dich, Beata hier. An unserer Grenze stehen eine Million Flüchtlinge, was soll ich tun?“ „Das habe ich Dir doch schon x-mal gesagt: hereinlassen!!!“ „Aber Angela, es sind DEUTSCHE!“

  5. Gestern war auf SPON die Rede davon, dass E-Auto-Besitzer in die Pflicht genommen werden könnten, das Stromnetz zu stabilisieren.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/elektroautos-forscher-arbeiten-gegen-drohenden-stau-im-stromnetz-a-1252160.html
    Der Münchner Elektromobilitäts-Dienstleister The Mobility House „will zusammen mit dem Netzbetreiber Tennet in einem Pilotprojekt zeigen, dass Elektroautos helfen können, Engpässe im Übertragungsnetz - die Stromautobahnen, die Energie von Nord nach Süd transportieren - zu beseitigen: Wird im Norden mehr Windstrom erzeugt als die Leitungen aufnehmen können, werden dort Fahrzeuge geladen. Gleichzeitig speisen Elektroautos in Süddeutschland Strom ins Netz.“ Auf diese Weise solle „eine virtuelle Stromleitung“ entstehen, heißt es.
    „Ebenso könnten die Netzbetreiber Fahrzeugbatterien nutzen, um Frequenzschwankungen auszugleichen. Sie entstehen, wenn Stromerzeugung und -verbrauch nicht exakt im Gleichgewicht sind. Wenn nun Elektroautos in solchen Situationen Strom laden oder abgeben, tragen sie dazu bei, die Versorgung zu stabilisieren.“

    • Jepp, so hat jeder Bürger den ganzen Tag zu tun. Ladeslots nutzen oder Bonus-Ladepunkte sammeln, Fahrten erledigen, wenn genug Energie im Netz ist und den verbliebenen „Tankinhalt“ an der Börse verkaufen, wenn der Wind nicht weht. Energiewende ist ein Fulltimejob, da bleibt sonst nicht mehr viel. Wir werden uns in Energie-Sparvereinen organisieren und notleidenden Mitmenschen geladene Powerbank-Speicher in die Sonntags-Collekte stecken. Das wird alles ganz toll, da bin ich mir sicher!

      • Nich gaaanz richtig, lieber Herr Letsch. Da der eigentliche Speicherbedarf nicht für 20 bis 6 Uhr sondern für November bis März (bei idealer Ladezeit Mai-August) besteht, dürften 95% der E-Mobilisten ihre Routenplanung ganz entspannt laaangfristig gestalten (3mal spontanes Kugel-Eis-Holen per anno sind da sogar noch mit drin). Toll, sicher - jawoll!

        • Das wird bequem von den selbstfahrenden Aotos erledigt. Somit fährt eine Batterieladung von Nord nach Süd. Der Besitzer des Teslas kann die Fahrt live vom Sofa aus auf seiner App verfolgen. Somit werden auch keine Menschenleben gefährdet. Die entladenen Batterieträger werden dann mit großen Segelschiffen (aus Treibholz gebaut) über den Rhein wieder gen Norden gebracht und können vom Besitzer dort abgeholt werden um Sie dem Kreislauf wieder zuzuführen.

      • Eine der technischen Eigenheiten von Li-Ion Akkus ist, dass sie nur eine begrenzte Anzahl an Ladezyklen vertragen, und es bereits als Ladezyklus gilt, wenn man einen Akku von 94% auf 95% aufläd. Will man, über die gesamte Lebenszeit eines Akkus gerechnet, möglichst viele Wattstunden daraus beziehen, läd man ihn möglichst selten auf, und macht ihn niemals ganz voll, oder ganz leer.

        Auf E-Autos als Stromspeicher bezogen bedeutet das, dass man die Lebensdauer der Akkus eines E-Autos drastisch reduziert, wenn man diese als Stromspeicher benutzt. Und die Akkus sind die teuerste Komponente eines E-Autos, wenn ich mich nicht täusche. 

        Aber, dass der Staat fremdes Geld verbrennt, ist man ja gewöhnt.

        P.S.

        Ich fühle mich zensiert, O Roger.

        • Das Gefühl besteht zu recht. Hier geht nur durch, was bei mir Sodbrennen mit pH-Wert > 6 auslöst. Oder basisch bis 8. 😉
          Nimm’s sportlich, meist klappt es ja.

          • Oh, oh, oh… Also, wenn der pH-Wert Deiner Kotze zwischen 6 und 8 liegt, dann kotzt Du höchstwahrscheinlich Blut, das einen pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45 hat, wenn für Dich die Bedingungen akzeptablen Sodbrennens erfüllt sind. Das klingt sehr ungesund, und Du solltest zum Arzt gehen. Der Mageninhalt hat, bei nüchternem Magen, einen pH-Wert von ungefähr 1. Salzsäure ist sehr reaktiv. 

            Die Zensur nehme ich sportlich. Jedoch wundere ich mich, weil das Geschriebene inhaltlich nicht abwegig war, wenngleich aus MEINER Perspektive geschrieben. Störtest Du Dich am Generalplan Ost, der das Vorhaben umfasste, den neu geschaffenen Lebensraum im Osten mittels Windgeneratoren autark mit Elektrizität zu versorgen? Das entspricht nämlich den Tatsachen: https://www.mdr.de/echt/echt-windkraft-106.html

            Übrigens gab es noch viel weitreichendere Pläne meiner Partei in Bezug auf alternative Energieerzeugung. Wir haben in den 1930ern darüber nachgedacht, 80% des gesamten Energiebedarfs durch Wind- und Wasserkraft zu decken. Das Problem mit den Schwankungen war uns ebenfalls bekannt, weshalb wir aus Überschüssen Wasserstoff elektrolysieren wollten, der dann als Speicher und sauberes Brennmaterial dient, und Sauerstoff, als Nebenprodukt. Nachfolgend findest Du ein sehr lesenswertes Büchlein aus meiner nationalsozialistischen Bibliothek, in dem es genau darum geht:

            https://archive.org/details/B-001-001-049

            Die Sprache ist vielleicht etwas altbacken, aber mit einigen Umformulierungen durchaus konsensfähig. Man könnte auf einem Parteitag der CDUSPDGrünenLefties Auszüge vorlesen, und bekäme Beifall. Damals war eben doch nicht alles schlecht.

            @Alter weißer Mann:

            Danke für die Bestätigung und Vertiefung der Informationen. Meine Informationen bezüglich E-Autos sind höchst lückenhaft, und ich danke für jede Vertiefung, die zu lesen mir keine Arbeit bereitet.

            • Mich stört die Rolle, in die Du hier schlüpfst und die Anonymität, hinter der Du Dich dabei versteckst. Aber dies hier lasse ich aus inhaltlichen Gründen durchgehen. Es ist nämlich wirklich interessant, dass die Progressisten der Neuzeit Pläne exekutieren, die schnurstracks aus dem Größenwahn des Dritten Reiches kommen. Dabei war die Carnot-Schwelle auch 1933 bereits bekannt und die Schwierigkeit, Wasserstoff verlustfrei zu speichern, war damals noch größer als heute. Den Archiv-Link kann ich empfehlen, weil der Sprachstil damals nicht weit von der Hybris entfernt ist, mit der heute die Energiewende beklingelt wird.

        • Adolf, du täuschst dich nicht; Akkus sind das teuerste Ersatzteil eines E-Autos. Ferner geben die Akkus – bei nicht regelmäßig korrekter Beladung, wie du richtigerweise schreibst – als erste ihren Geist auf. Und dann sieht es mit der Ökobilanz dieser Karren gar nicht mehr so gut aus; vom ZehOhTwo mal ganz zu schweigen (davon könnte ich ein Buch schreiben.)
          Das ist ein Grund dafür, dass bei Leasing-E-Autos der Akku einen separaten Leasingvertrag hat.

  6. Der grüne Mainstream wird Deutschland nachhaltig ruinieren ! Was für ein Idiotismus hat von den Verantwortlichen Besitz ergriffen, dass sie meinen, auf einem deutschen Sonderweg die Welt zu retten (wenn sie es denn überhaupt nötig hätte). In unserem Umlauf werden Kohle- und Atomkraftwerke gebaut. Von denen werden wir letztlich (zu teuren Preisen versteht sich) unsere Energie beziehen.

  7. In ihrer Rechnung unterstellen sie das wir einen Speicher benötigen der 500MW ein ganzes Jahr vorläufig halten muss. Nicht das die Menge an Batterien nicht trotzdem riesig wäre, aber Hysterie verbreiten ist wohl auch falsch. Mit 3000GWH können sie das Kohlekraftwerk für 6 Stunden abstellen. Bei weniger als Volllast wahrscheinlich weniger. Und es geht nicht nur darum das Kohlekraftwerk so zu ersetzen, da bieten sich als langfristige Speicher wohl eher Pumpspeicherkraftwerke oder Redox Flow Batterien an. Aber zum Lastspitzenausgleich ist das mehr als ausreichend. Oder um kurzfristig Überkapazitäten auszugleichen. Der Spiegel hätte besser recherchieren können, aber ihre Rechnung sollte, da sie schon alles so gut verstanden haben, zumindest einen Anspruch auf Richtigkeit haben. Alles andere ist Panikmache, oder neudeutsch fake-news.

    • Pumpspeicherkraftwerke bekommen sie in Deutschland nicht mehr gebaut. Selbst die geologischen Studien der EU gehen davon aus, dass wir da kaum noch was zulegen können. Redox Flow ist eine vielversprechende Technik, zumal für Autos, wenn es gelänge, die energiedichte extrem zu erhöhen. Die Technik in Kavernengröße einzusetzen erforscht das FHI, soweit ich mich erinnere. Industrielle Anwendung gibt es aber wohl noch keine - nicht in der Größe, wie sie benötigt wird. Wie kommen Sie übrigens auf 6 Stunden mit 3000 GWh? Sie meinen MWh, oder?

  8. Seit Baerbock die Physik und damit die Gesetze der Thermodynamik durch ihre ‚Netztheorie‘ (nobelpreisverdächtig) abgeschafft hat, ist jetzt die Mathematik dran. Dass die durch den ganzen Unfug entstehenden Kosten bald nicht mehr finanzierbar sein werden, hat sie offenbar auch nicht mitgekriegt.
    Was ist nur aus Deutschland geworden? Narrenschiff ist noch untertrieben.l

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