Von Gerd Held fin­den sie auf achgut.com eine tref­fen­de Ana­ly­se des­sen, was wirk­lich hin­ter dem von der Migra­ti­ons­kri­se aus­ge­lös­ten Unwohl­sein, dem all­ge­mei­nen Grum­meln, Mur­ren und den Pro­tes­ten steckt. Es geht eben gera­de nicht um die vor­schnell unter­stell­te Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sis­men aller Art oder poli­ti­sche Abdrift nach Neun­zehn­hun­dert­schwarz­weiß, son­dern allein um die Fra­ge, mit wel­cher Dreis­tig­keit die Bun­des­re­gie­rung unse­re Gemein­gü­ter ver­schleu­dert und wer Wil­lens und in der Lage ist, das zu erken­nen. Die Gemein­gü­ter, von denen Gerd Held spricht, sind zum Bei­spiel die inne­re Sicher­heit, Lan­des­ver­tei­di­gung, Sozi­al­kas­sen, Bil­dungs­we­sen, Rechts­sys­tem, Infra­struk­tur. All die Insti­tu­tio­nen also, an deren Auf­bau, Aus­stat­tung und Funk­tio­nie­ren wir hier im Land jahr­zehn­te­lang hart gear­bei­tet haben, sind sub­stan­zi­ell unter Druck durch unge­steu­er­te Zuwan­de­rung von Pro­fi­teu­ren, die letzt­lich zwar die Äpfel pflü­cken, den Baum aber nie mit­ge­pflegt haben. Die Vor­stel­lung, das könn­te irgend­wie noch gut für uns aus­ge­hen, wenn die Zuwan­de­rer nicht deut­lich mehr Poten­zi­al mit­brin­gen, als sie an Gemein­gut auf­zeh­ren, ent­stammt ganz offen­sicht­lich mathe­ma­tisch unter­durch­schnitt­lich begab­ten Geis­tern. Gemein­gü­ter gehö­ren jedoch nicht einem anony­men Staat oder einer Regie­rung, die­se sind ledig­lich mit deren Schutz und Erhal­tung beauf­tragt. Die­se Bewah­rung der Gemein­gü­ter ist die vor­dring­li­che, wenn nicht gar ein­zi­ge Auf­ga­be der han­deln­den Poli­tik – und die­ser Auf­ga­be kommt sie aktu­ell mehr schlecht als recht nach.

Einen Aspekt möch­te ich dem sehr lesens­wer­ten Auf­satz von Gerd Held noch hin­zu­fü­gen – und die­ser Aspekt wird beson­ders deut­lich, wenn man sich die Struk­tur der Pro­tes­te ansieht, die das Land durch­zie­hen. Das, was die Medi­en und vie­le Poli­ti­ker als auf­kei­men­de brau­ne Gefahr her­auf­be­schwö­ren, ent­puppt sich bei nähe­rem Hin­se­hen näm­lich kei­nes­falls als die reni­ten­te Jugend, der zu allen Zei­ten Revo­lu­tio­nen und Umstür­ze zuzu­trau­en waren, son­dern als Genera­ti­on 40–50plus – jene also, die durch ihr Berufs­le­ben den imma­nen­ten Wert unse­rer funk­tio­nie­ren­den Gemein­gü­ter nicht nur wert­schät­zen, son­dern selbst mit erzeugt und soli­da­risch finan­ziert haben. Ver­stärkt noch im Osten durch die Erfah­rung, wie sich der Miss­brauch von Gemein­gü­tern (etwa Jus­tiz, inne­re Sicher­heit) gegen die­je­ni­gen rich­ten kann, die die­se Gemein­gü­ter erst schu­fen. Die DDR ende­te mit dem tota­len Zusam­men­bruch aller Gemein­gü­ter, der vor­aus­ge­gan­ge­ne Kipp­vor­gang und die sich dabei ein­stel­len­den Schwin­del­ge­füh­le haben sich in das Gedächt­nis der Ost­deut­schen gera­de die­ser Genera­ti­on tief eingebrannt.

Ein Blick zur „ande­ren Sei­te“ der Bar­ri­ka­de, also zum Bei­spiel auf vie­le Ver­tre­ter von SPD, Lin­ken, Grü­nen und beson­ders deren Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen, auf die ver­mumm­ten Anti­fan­ten und alter­na­ti­ven Sze­nen, offen­bart, dass dort der Miss­brauch und die Ero­si­on der Gemein­gü­ter gar nicht als sol­che erkannt wird. Sie haben die­se „Bäu­me“ nie wach­sen sehen, für sie sind dies alles Natur­kon­stan­ten ohne Geschich­te, mit end­lo­ser Zukunft und unbe­grenz­ter Belast­bar­keit – und die opti­mis­ti­schen Äuße­run­gen der Poli­tik, die Wachs­tums­zah­len der Wirt­schaft und die Sonn­tags­re­den bestär­ken sie in die­ser Annah­me. Die Über­las­tung und den Raub­bau am Sys­tem, den Gerd Held dia­gnos­ti­ziert, sehen sie nicht. Doch es ist bei den Gemein­gü­tern nicht anders als beim Über­dre­hen von Schrau­ben: nach „fest“ kommt irgend­wann „ab“. Dabei ist es gleich, auf wel­ches Gemein­gut wir bli­cken, die Ris­se und Über­las­tun­gen tre­ten schon sehr deut­lich zuta­ge, Brü­che dro­hen. Die Inne­re Sicher­heit ist punk­tu­ell nicht mehr zu gewähr­leis­ten, die Lan­des­ver­tei­di­gung ächzt unter Miss­ma­nage­ment, Ver­schwen­dung und Fehl­ent­schei­dun­gen, die Sozi­al­kas­sen wer­den sach­fremd geplün­dert und das Blüm-Pla­kat „Die Ren­te ist sicher“ wur­de gera­de end­gül­tig über­klebt. Das Bil­dungs­we­sen stöhnt unter maro­den Schu­len, Leh­rer­man­gel und der Tat­sa­che, dass vie­ler­orts Deutsch nur noch die Spra­che der Min­der­heit ist, unser Rechts­sys­tem arbei­tet „Kul­tur­sen­si­bel“ und macht lokal bereits „Frie­dens­rich­tern“ und dem Faust­recht Platz, die Infra­struk­tur brö­ckelt ent­we­der bedroh­lich, oder sie kommt nur mühe­voll (S21) oder gar nicht (BER) an den Start. Ich bre­che hier ab und über­las­se den Lesern die Bewer­tung der Ursa­chen, Wir­kun­gen und Quer­ver­bin­dun­gen die­ses all­ge­mei­nen Verfalls.

Die Spal­tung der Gesell­schaft ver­läuft heu­te zwi­schen jenen, die unse­re Gemein­gü­ter de fac­to preis­ge­ben und ver­schleu­dern und denen, die sie erhal­ten und bewah­ren wol­len. Da Preis­ga­be in Ruin und Unter­gang führt und des­halb das eher kon­ser­va­ti­ve „Bewah­ren“ Gebot der Stun­de ist, wird eine beson­de­re Tra­gik über­deut­lich: dass näm­lich die denk­bar per­fek­tes­te Alle­s­preis­ge­be­rin,  Jede­po­si­ti­onräu­me­rin und Kei­ne­wer­te­ver­tei­di­ge­rin, die jeder­zeit immer nur das tut, was ihr eine Mehr­heit ver­schafft und sie poli­tisch am Leben hält, aus­ge­rech­net Ange­la Mer­kel ist – die Vor­sit­zen­de der größ­ten „kon­ser­va­ti­ven“ Par­tei Deutsch­lands, die unter ihrer Füh­rung und mit Hil­fe von wil­li­gen Sekun­dan­ten wie Kau­der und Alt­mey­er ein Gemein­gut nach dem ande­ren zur poli­ti­schen Ver­fü­gungs­mas­se erklärt. Doch der gesam­mel­te Honig hat den Zweck die Bie­nen am Leben zu hal­ten und ins nächs­te Jahr zu brin­gen. Wer die Waben den Bären öff­net, hat den Zweck und den Wert von Gemein­gü­tern nicht ver­stan­den. Und der Win­ter, so viel steht fest, wird kommen!

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20 Kommentare

  1. Her­vor­ra­gen­de Ana­ly­se, auch von Gerd Held! 

    Weit­ge­hen­de Zustim­mung zu die­sem Arti­kel, aber eine klei­ne Kor­rek­tur. Im Text wird S21 (Stutt­gart 21) im Kon­text “Infra­struk­tur” erwähnt. Das ist inkor­rekt, S21 ist ein Pro­jekt der Infra­struk­tur­zer­stö­rung. S21 macht nur Sinn, wenn man es als das sieht was es ist, Kor­rup­ti­on. Hier: Plün­de­rung öffent­li­chen Eigen­tums, näm­lich der einst Bahn-eige­nen und daher im öffent­li­chen Eigen­tum befind­li­chen Innen­stadt­grund­stü­cke. Den Immo­bi­li­en-Hai­en ist der Bahn­hof und ob der funk­tio­niert schlicht egal.

    @Rolf 14. Sep­tem­ber 2018 at 0:52
    “Wären die All­ge­mein­gü­ter kei­ne All­ge­mein­gü­ter, son­dern Pri­vat­gü­ter, hät­te man die meis­ten Pro­bleme, mit denen man sich her­um­schlägt, nicht.” 

    Ja, genau. Dann hät­te die Öffent­lich­keit näm­lich kei­ne All­ge­mein­gü­ter oder jeden­falls noch weni­ger als jetzt. Was bei Pri­va­ti­sie­run­gen öffent­li­cher Infra­struk­tur geschieht, sah man in Eng­land (wo jetzt das Was­ser knapp wird!) und jüngst in Ita­li­en an einer Brü­cke, wo war die doch gleich. Nur Markt­fun­da­men­ta­lis­ten begrei­fen das nicht.

    Was Vene­zue­la betrifft, ja, der Madu­ro ist Teil des Pro­blems. Aber Vene­zue­las Pro­blem ist nicht der Sozia­lis­mus, son­dern der Ölreich­tum. Jedes Land, das die Bevöl­ke­rung an den Pro­fi­ten aus eige­nen Roh­stof­fen teil­ha­ben las­sen will, bekommt es mit den USA zu tun, und so wur­de Jugo­sla­wi­en weg­ge­bombt, das den Koso­vo nicht an Soros ver­kau­fen woll­te, Gad­dha­fi weg­ge­bombt, der das liby­sche Öl an Leu­te ver­kau­fen woll­te, die den USA nicht paß­ten, und in Syri­en wur­den “gemä­ßig­te Rebel­len” von den USA bewaff­net, weil Assad den USA kei­nen Frei­brief auf sein Land und die geplan­ten Pipe­lines geben woll­te, seit­her ist da Krieg. So wie der Wirt­schafts­krieg gegen Venezuela.

    “Tra­ge­dy of the com­mons” ist nur dann “tra­ge­dy,” wenn der Staat die “com­mons” nicht ver­tei­digt und zuwe­ni­ge sei­ner Bür­ger dafür ein­ste­hen, zum Bei­pi­el weil sie markt­gläu­big sind und sich Men­schen nur als Ego­is­ten den­ken kön­nen. Wie man auch bei den Sozi­al­sys­te­men euro­päi­scher Län­der sieht, die an Drit­te-Welt-Migran­ten ver­füt­tert wer­den, damit sie zusammenbrechen.

    • “Ja, genau. Dann hät­te die Öffent­lich­keit näm­lich kei­ne All­ge­mein­gü­ter oder jeden­falls noch weni­ger als jetzt. Was bei Pri­va­ti­sie­run­gen öffent­li­cher Infra­struk­tur geschieht, sah man in Eng­land (wo jetzt das Was­ser knapp wird!) und jüngst in Ita­li­en an einer Brü­cke, wo war die doch gleich.”

      In Eng­land und Ita­li­en gibt es kei­ne frei­en Märk­te. Das, was Du meinst, ist ein Public-Pri­va­te-Part­ners­hip, und kein frei­er Markt. Ein­mal davon abge­se­hen, fin­de ich, dass es schon ziem­lich weit her­ge­grif­fen ist, dem Markt die Schuld zu geben, wenn nach 50+ Jah­ren kom­mu­nis­ti­scher Plan­wirt­schaft ein klei­ner Teil­aspekt inner­halb die­ser Plan­wirt­schaft schein­pri­va­ti­siert wird, und es dann nicht rich­tig klappt. Schein­pri­va­ti­siert des­halb, weil Was­ser­wer­ke und Brü­cken auch nach der Pri­va­ti­sie­rung noch regu­liert sind, und genau das sel­be für die Kun­den gilt. Auf den Markt könn­test Du es schie­ben, wenn jeder, der sich Land kau­fen kann, auf die­sem Land auch ein Was­ser­werk bau­en könn­te, und zwar wo und wie er es für rich­tig hält, er Kun­den vom Zugang voll­stän­dig abschnei­den könn­te, und es mir, als Kun­den, mög­lich wäre, im Kel­ler eine Umkehr­os­mo­se­pum­pe oder che­mi­sche Auf­be­rei­tung zu betrei­ben, die aus Regen­was­ser oder Grund­was­ser mein Trink­was­ser macht, ohne irgend­wel­che Anschluss­kos­ten ans Was­ser­werk zu zah­len. Ist ver­bo­ten. Also kein frei­er Markt. Abge­se­hen davon: Markt­prei­se sind auf demo­kra­ti­schem Weg nicht bestimm­bar, son­dern sie erge­ben sich aus dem Ange­bot, der Nach­fra­ge, sowie den Her­stel­lungs­kos­ten. Sofern die Her­stel­lungs­kos­ten in der Rea­li­tät höher lie­gen, als auf demo­kra­ti­schem Weg bestimmt, obsiegt die Rea­li­tät. Dies hat zwei Vor­tei­le: Ers­tens wird nie­mand in letz­ter Instanz erschos­sen, weil etwas ger­ne anders machen wür­de, als die Poli­ti­ker es ger­ne hät­ten, und zwei­tens wird nichts am Bedarf vor­bei über- oder unterproduziert.

      “Was Vene­zuela betrifft, ja, der Madu­ro ist Teil des Pro­blems. Aber Vene­zue­las Pro­blem ist nicht der Sozia­lis­mus, son­dern der Ölreich­tum. Jedes Land, das die Bevöl­ke­rung an den Pro­fi­ten aus eige­nen Roh­stof­fen teil­ha­ben las­sen will, bekommt es mit den USA zu tun,”

      Und hier, mei­ne Damen und Her­ren, sehen Sie ein Para­de­bei­spiel für das, was ich mit “Kogni­ti­ver Dis­so­nanz” mei­ne. Etwas zu besit­zen ist auf dem Markt kein Vor­teil, nein, Reich­tum ist ein Nach­teil, weil das die bösen Amis auf den Plan ruft, deren ein­zi­ges Inter­es­se ist, die Län­der mit Boden­schät­zen kaputt­zu­spie­len. Gedankt sei dem Sozia­lis­mus, der uns alle glei­cher­ma­ßen ver­ar­men lässt, und es uns so ermög­licht, ein gott­ge­fäl­li­ges Leben unter­halb des Radar­schirms des gro­ßen Satans zu führen.

      Der Zusam­men­bruch Vene­zue­las hat rein gar nichts damit zu tun, dass die Plan­wirt­schaft nicht diver­si­fi­ziert wur­de, und sin­ken­de Ölprei­se es des­halb zwangs­wei­se gegen die Wand klat­schen muss­ten. Nein, es hat nichts mit Plan­wirt­schaft zu tun, dass der gro­ße Füh­rer, ein ehe­ma­li­ger Bus­fah­rer, nicht auf die Idee kam, dass Ölprei­se auch mal sin­ken kön­nen. Abge­se­hen davon ist auch das feh­len­de Know How eben­falls kein Pro­blem, das nach der Natio­na­li­sie­rung (Dieb­stahl) der Ölfel­der ent­stand, weil kein Ölun­ter­neh­men mehr einen Fuß ins Land set­zen woll­te, aus Angst, ent­eig­net zu wer­den. Wir ver­ges­sen auch ein­fach mal, dass vene­zo­la­ni­sches Öl von min­de­rer Qua­li­tät ist, weil die, man­gels Know How, kei­ne Auf­be­rei­tungs­an­la­gen besit­zen. Nein. Madu­ro ist ein Teil des Pro­blems, aber die Haupt­schuld trägt der gro­ße Satan, der neu­er­dings übri­gens der größ­te Ölher­stel­ler der Welt ist, wie ich hör­te, und dem die Ölplei­se des­halb zuneh­mend egal sind. Höher ist für die Amis ten­den­zi­ell besser.

      “und so wur­de Jugo­sla­wien weg­ge­bombt, das den Koso­vo nicht an Soros ver­kau­fen woll­te, Gad­dhafi weg­ge­bombt, der das liby­sche Öl an Leu­te ver­kau­fen woll­te, die den USA nicht paß­ten, und in Syri­en wur­den „gemä­ßigte Rebel­len” von den USA bewaff­net, weil Assad den USA kei­nen Frei­brief auf sein Land und die geplan­ten Pipe­lines geben woll­te, seit­her ist da Krieg.”

      Zustim­mung. Seit dem ers­ten Welt­krieg hat die USA sich wei­ter und wei­ter von ihrer ursprüng­li­chen Ver­fas­sung ent­fernt, die einen strik­ten Nicht­in­ter­ven­tio­nis­mus vor­sieht. Eigent­lich war das Gan­ze ja so gedacht, dass sich in den USA die Miliz, also eine Mischung aus Wehr­sport­grup­pen und Bür­ger­weh­ren, der jeder Bür­ger ange­hört, um das Mili­tä­ri­sche küm­mert, und jeden Feind — Inne­ren wie Äuße­ren — mit­tels Par­ti­sa­nen­tak­tik umschwärmt und ver­nich­tet. Im Prin­zip also genau das, was Al Qae­da heu­te macht. Ich fin­de, die soll­ten mal zu ihrer Ver­fas­sung zurück­keh­ren, und wir soll­ten es ihnen gleich tun. Al Qae­da gewinnt, und man kann mit­ler­wei­le sagen, dass die­se Form der Kriegs­füh­rung gegen­über einem nicht­ge­no­zi­da­len Geg­ner mehr Sinn ergibt, als eine kon­ven­tio­nel­le Armee, und sie zudem einen Angriffs­krieg voll­kom­men unmög­lich macht. Al Qae­da Deutsch­land kann kei­nen Polen­über­fall ver­üben. Deren Tak­tik ist rein defen­siv. Mili­zen las­sen sich sogar pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sie­ren. Wie gesagt, in die­sem Punkt hast Du mei­ne vol­le Zustim­mung. Die Amis haben weder in Jugo­sla­wi­en noch in Nah­ost etwas zu suchen, und soll­ten sich die­se Ein­mi­schun­gen spa­ren. Nuke it or lea­ve it.

      “„Tra­ge­dy of the com­mons” ist nur dann „tra­ge­dy,” wenn der Staat die „com­mons” nicht ver­tei­digt und zuwe­nige sei­ner Bür­ger dafür einstehen”

      Die “Tra­ge­dy of the com­mons” ist eine Funk­ti­on, die sich aus dem blo­ßen Vor­han­den­sein öffent­li­cher Güter ergibt, sofern die­se einen Wert haben. Wenn Du willst, dass der Staat die öffent­li­chen Güter ver­wal­tet, um sie vor Über­nut­zung zu schüt­zen, dann ist dies Plan­wirt­schaft, also genau das, was Vene­zue­la dar­an gehin­dert hat, die Wirt­schaft so zu ent­wi­ckeln, dass sie einem Rea­li­täts­ab­gleich stand­hält. Abge­se­hen davon, hal­te ich es für ziem­lich bedenk­lich, dem Staat die Kon­trol­le dar­über zu geben, wer Zugang zu lebens­wich­ti­gen Gütern bekommt. Du willst dem Staat die Mög­lich­keit geben, jeman­dem nach Belie­ben vom Zugang zu lebens­not­wen­di­gen Res­sour­cen abzu­schnei­den, und gleich­zei­tig alle staat­li­chen Freun­de und Kum­pa­ne unge­hin­dert dar­an teil­ha­ben zu las­sen. Das ist das Grund­re­zept der Kor­rup­ti­on. Ange­sichts der Erfah­rung des drit­ten Reichs und der offen­sicht­li­chen Nicht­be­ach­tung von Recht in der Gegen­wart, ist das ziem­lich bedenk­lich. Mit wel­chen Mit­teln willst Du unter­bin­den, dass so etwas geschieht? Ein Kon­kur­renz­un­ter­neh­men kannst Du nicht auf­ma­chen, und eine Miliz, die als Gegen­ge­wicht zum Gewalt­mo­no­pol die­nen kann, gibt es auch nicht. Du willst Dich selbst aus­lie­fern, so, dass Du ein Skla­ve bist, sobald der Staat beschließt, dass Du ein Skla­ve bist.

      “zum Bei­pi­el weil sie markt­gläu­big sind und sich Men­schen nur als Ego­is­ten den­ken können.”

      Märk­te funk­tio­nie­ren wun­der­bar, und schaf­fen umso mehr Wohl­stand, je gie­ri­ger und ego­is­ti­scher alle Betei­lig­ten sind. Ego­is­mus und Gier ist nur ein Pro­blem, wenn es Funk­tio­nä­re gibt, die nicht mit ihrem eige­nen Geld wirt­schaf­ten. Da Du zugibst, dass es Ego­is­mus und Gier gibt… War­um willst Du ein Sys­tem haben, in dem es einen Selek­ti­ons­pro­zess gibt, in dem gie­ri­ge und ego­is­ti­sche Men­schen noch mehr Macht haben, über das Geld und das Leben der Ande­ren bestim­men kön­nen? Die Exis­tenz von Gier, Ego­is­mus und Macht­geil­heit spricht doch dage­gen, Schalt­stel­len zu schaf­fen, in denen sich vor­wie­gend der­ar­ti­ge Men­schen sammeln. 

      Abge­se­hen davon: Wenn ich mich nicht täu­sche, hast Du geschrie­ben, dass Du als Leh­rer arbei­test. Damit ent­spricht es doch Dei­nem ego­is­ti­schen und gie­ri­gen Eigen­in­ter­es­se, dass ande­ren Leu­ten Geld aus der Tasche gezo­gen wird, damit ein Teil davon auf Dei­nem Kon­to lan­det. Davon lebst Du. Im Gegen­satz zum Nor­mal­fall, gibt es in Dei­nem Fall weder das Ein­ver­ständ­nis der­je­ni­gen, die Dei­nen Unter­richt finan­zie­ren müs­sen, noch der­je­ni­gen, die dar­an teil­neh­men müs­sen. Bei­de wür­den in letz­ter Instanz erschos­sen wer­den, wenn sie sich mit effek­ti­ven Mit­teln gegen die Zwangs­maß­nah­men weh­ren wür­den, die sie zu dem zwin­gen, was Dei­ne Lebens­grund­la­ge ist. Ich bezweif­le, dass vie­le Raub­tier­ka­pi­ta­lis­ten sowas mit ihrem Gewis­sen ver­ein­ba­ren könn­ten. Die­ses Ver­hal­ten ist ethisch doch noch unter­halb para­si­tä­ren Ver­hal­tens anzu­sie­deln. Zecken brin­gen mich nicht um, wenn ich sie her­aus­zie­he, weil mein Blut mir gehört. Dei­ne Leu­te sind da schon deut­lich weiter.

      “Wie man auch bei den Sozi­al­sys­te­men euro­päi­scher Län­der sieht, die an Drit­te-Welt-Migran­­ten ver­füt­tert wer­den, damit sie zusammenbrechen.”

      Zustim­mung, dar­um soll­te man Staa­ten, in deren Füh­rungs­po­si­tio­nen sich die macht­gei­len Ego­ma­nen sam­meln, die mehr haben wol­len, als sie besit­zen, auch nicht die sozia­le Siche­rung über­las­sen, son­dern Fami­li­en und pri­va­ten Ver­si­che­run­gen. Jemand, der nichts ein­ge­zahlt hat, kriegt aus pri­va­ten Ver­si­che­run­gen auch nichts aus­ge­zahlt. Umla­ge­ba­sier­te Sys­te­me wie die Ren­te oder die Kran­ken­ver­si­che­run­gen erfül­len die­se Defi­ni­ti­on, neben­bei bemerkt, nicht.

      Soll­ten die staat­li­chen Sozi­al­sys­te­me auf­grund der Migra­ti­ons­kri­se zusam­men­bre­chen, wür­de ich das als einen posi­ti­ven Aspekt der Migra­ti­ons­kri­se betrachten.

      • Ver­ehr­ter Rolf,

        bei allem Respekt, wie­der erweist sich der Glau­be vom “frei­en Markt” als das was er ist: eine reli­giö­se Dok­trin. Das erin­nert an Dis­kus­sio­nen mit Chris­ten, denen zu Hexen­jag­den, Inqui­si­ti­on und Kreuz­zü­gen stets ein­fällt “Das waren kei­ne wah­ren Chris­ten, denn wirk­li­ches Chris­ten­tum ist wun­der­bar”. Was immer man auch ein­wen­det, der Feh­ler liegt nie bei der Ideologie.

        So auch hier, “Märk­te funk­tio­nie­ren wunderbar.” 

        Einen wirk­lich frei­en Markt gibt es nir­gends und das ist auch gut so. Beschrän­kun­gen gibt es immer, sonst hät­ten wir offe­nen Sklaven‑, Frau­en- und Dro­gen­han­del, auch Auf­trags­mor­de und Orga­ne gäbe es auf dem frei­en Markt.

        Wo der Markt angeb­lich funk­tio­niert, hängt es vom Stand­punkt ab, ob das für gut oder schlecht befun­den wird. Im Dschun­gel über­le­ben die Stär­ke­ren und gege­be­nen­falls die Skru­pel­lo­se­ren. Die natür­li­che Aus­le­se in der Natur ist in der Tat die effek­tivs­te Res­sour­cen­al­lo­ka­ti­on. Ob die Exis­tenz von Löwen aber zum Wohl­stand bzw. Wohl­be­fin­den der Gazel­len bei­trägt wer­den letz­te­re anders sehen.

        Wol­len wir Men­schen den wich­tigs­ten poli­tisch bestimm­ba­ren Bereich unse­res Lebens, das täg­lich Brot, unse­re Wirt­schaft tat­säch­lich so regeln, daß wir nichts regeln, son­dern alles lau­fen d.h. schlei­fen las­sen? Zweck und Absicht der EU und unse­rer soge­nann­ten Bun­des­re­gie­rung ist ja gera­de, der Mehr­heit von uns Men­schen die (demo­kra­ti­sche) Kon­trol­le über das im Arti­kel benann­te “ver­schleu­der­te Gemein­gut” zu entziehen.

        Markt­gläu­bi­ge behaup­ten meist, pri­vat­wirt­schaft­li­che Unter­neh­mun­gen sei­en effek­ti­ver als staat­li­che, als gemein­schaft­lich oder genos­sen­schaft­lich orga­ni­sier­te. Umge­kehrt wird ein Schuh draus, denn wie jeder weiß, müs­sen pri­vat­wirt­schaft­li­che zusätz­lich zu den Ver­wal­tungs­kos­ten auch den Pro­fit erwirt­schaf­ten, den die Besit­zer bzw. Aktio­nä­re haben wol­len. So betra­gen bei der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung die Ver­wal­tungs­kos­ten etwa ein Pro­zent, bei pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­run­gen sind meist zehn Pro­zent oder mehr extra zu bezah­len, denn das ist ja ihr Zweck. Und natür­lich kön­nen bei­de Vari­an­ten kor­rum­piert, inef­fi­zi­ent und zweck­ent­frem­det wer­den (Gel­der der Ren­ten­ver­si­che­rung für Spät­aus­sied­ler-Wäh­ler­stim­men, Bor­dell-Par­tys der pri­va­ten Versicherungsgesellschaften).

        Was die “kom­mu­nis­ti­sche Plan­wirt­schaft” betrifft, das kann klap­pen oder schief­ge­hen, wie bei der pri­va­ten. Ich gebe Vol­ker Pis­pers durch­aus recht, wenn er dar­auf ver­weist, der Lebens­stan­dard in der DDR der 1980er ein­schließ­lich der Zukunfts­chan­cen der Kin­der war auf einem Niveau, von dem die meis­ten US-Ame­ri­ka­ner heu­te nur träu­men kön­nen. Immer­hin sind 47 Mil­lio­nen auf Lebens­mit­tel­mar­ken ange­wie­sen, das sind über 10% der Bevöl­ke­rung. Aber wahr­schein­lich sagen Sie jetzt wie­der, die USA, das ist über­haupt kein rich­ti­ger Kapi­ta­lis­mus oder die Märk­te sind da nicht frei genug. Oder das sind halt alles Faulpelze.

        War­um begrei­fen die Markt­gläu­bi­gen nicht, daß sie für das Recht des Stär­ke­ren ein­tre­ten, denn das ist der freie Markt. Oder tun sie es, dann sol­len sie das offen sagen! Wer genug Geld hat, braucht den Staat nicht, denn man kann sich Pri­vat­po­li­zei und Pri­vat­ar­mee leis­ten, und wohin das führt sehen wir in Mexi­co, im Koso­vo und anders­wo. In letz­ter Kon­se­quenz wird sich dann das Atmen nur noch leis­ten kön­nen, wer Geld hat, die Luft zu bezah­len, und Wai­sen­kin­der wer­den arbei­ten oder verhungern. 

        Aber ach, ich weiß, gegen eine reli­giö­se Dok­trin zu argu­men­tie­ren, ist das Boh­ren sehr dicker Bret­ter. Ich spa­re mir Kom­men­ta­re über das, was “Raub­tier­ka­pi­ta­lis­ten […] mit ihrem Gewis­sen ver­ein­ba­ren” kön­nen, nur soviel: in den 1970ern kam es bei einem Auto­mo­dell in den USA gehäuft zu Unfäl­len mit Todes­fäl­len, weil die Wagen in Flam­men auf­gin­gen. Im Fall einer Frau, die mit ihren Kin­dern ver­brann­te, konn­te der Anwalt der Fami­lie nach­wei­sen, daß dem Her­stel­ler das Risi­ko bekannt war, die erwar­te­ten Scha­den­er­satz­zah­lun­gen aber für kos­ten­güns­ti­ger ein­ge­schätzt wur­den, als die Inge­nieu­re mit einer ande­ren Mon­ta­ge des Ben­zin­tanks zu beauf­tra­gen. Auch die Tabak­kon­zer­ne gehen bekannt­lich über Lei­chen, auch der Nicht­rau­cher (von denen allein in Deutsch­land ca 9000 jedes Jahr an den Fol­gen des Rau­chens ande­rer ster­ben). Daß Schul­ver­wei­ge­rer erschos­sen wür­den, ist ein­fach lachhaft.

        P.S. Habe ich oben ver­kün­det, ich sei als Leh­rer tätig?

      • Ver­ehr­ter Ole,

        der “Glau­be” an den frei­en Markt basiert auf der Erkennt­nis, dass “Wert” sub­jek­tiv ist, und für mich ein Kugel­schrei­ber einen höhe­ren Wert besit­zen kann, als ein Euro, wäh­rend für Dich ein Euro mehr wert sein kann, als ein Kugel­schrei­ber. Wür­de ich Dir in die­sem Fall einen Kugel­schrei­ber für einen Euro abkau­fen, wäre dies für uns bei­de vor­teil­haft. Wei­ter­hin neh­me ich an, dass alle FREIWILLIGEN Trans­ak­tio­nen, die Eigen­schaft haben, dass jeder etwas mit sub­jek­tiv höhe­rem Wert bekommt, und dafür etwas mit sub­jek­tiv nied­ri­ge­ren Wert her­gibt. Dar­aus lässt sich fol­gern, dass sich der Wert des eige­nen Besit­zes bei frei­wil­li­gen Trans­ak­tio­nen immer ver­meh­ren wird, weil nie­mand sich auf Trans­ak­tio­nen ein­las­sen wird, die für ihn von Nach­teil sind. Frei­wil­li­ge Trans­ak­tio­nen sind also kein Null­sum­men­spiel, bei dem der Eine gewinnt, was der Ande­re ver­liert, son­dern alle Betei­lig­ten pro­fi­tie­ren davon. Um Gegen­satz dazu ist Umver­tei­lung ein Null­sum­men­spiel, das die sel­ben Eigen­schaf­ten hat, die auch Dieb­stahl hat, und bei dem nur die­je­ni­gen pro­fi­tie­ren, in deren Rich­tung umver­teilt wird, wäh­rend die­je­ni­gen, denen etwas weg­ge­nom­men wird, belas­tet werden.

        Du wirst dem jetzt sicher­lich wider­spre­chen, indem Du irgend­wel­che Vor­tei­le für die­je­ni­gen, denen etwas weg­ge­nom­men wird, her­bei­fa­bu­lierst. Ich wür­de damit rech­nen, dass Du als nun behaup­test, dass man, mit einem Sozi­al­staat, erreicht, dass die Armen ruhig­ge­stellt wer­den, und man so ver­hin­dert, dass die­se sich andern­falls mit Gewalt neh­men wür­den, was der Sozi­al­staat ihnen auf fried­li­chem Wege zuweist. Jedoch wür­dest Du damit ledig­lich aus­sa­gen, dass der Sozi­al­staat tut, was der Sozi­al­staat ver­hin­dern soll. Das wäre so, als wür­de ich Dir Dei­ne Brief­ta­sche klau­en, damit der antan­zen­de Murat sie Dir nicht klaut. Du behaup­test, dass staat­li­cher Dieb­stahl, gegen den man sich nicht weh­ren kann, bes­ser ist, als pri­va­ter Dieb­stahl, gegen den man sich weh­ren kann. Du ver­langst von Ande­ren, sich auf maso­chis­ti­sche Wei­se wehr­los zu machen, damit sie ent­we­der aus­ge­beu­tet, oder ver­wal­tet wer­den können.

        “Einen wirk­lich frei­en Markt gibt es nir­gends und das ist auch gut so. Beschrän­kun­gen gibt es immer, sonst hät­ten wir offe­nen Sklaven‑, Frau­en- und Dro­gen­han­del, auch Auf­trags­morde und Orga­ne gäbe es auf dem frei­en Markt.”

        Skla­ve­rei wider­spricht dem Besitz am eige­nen Kör­per, und spricht dem Skla­ven die Fähig­keit ab, eige­ne Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, und danach zu han­deln. Dies lässt sich nicht mit der Frei­wil­lig­keit ver­ein­ba­ren, die freie Märk­te erfor­dern. Pro­sti­tu­ti­on und Dro­gen­han­del hin­ge­gen lau­fen auf frei­wil­li­ger Basis ab, was kei­nem Drit­ten das Recht gibt, sich dies­be­züg­lich ein­zu­mi­schen. Hät­te ein Drit­ter das Recht zu bestim­men, was ich mit mei­nem Kör­per mache, wür­de dies bedeu­ten, dass die­ser Drit­te Besitz­an­sprü­che an mei­nem Kör­per hat, was Skla­ve­rei wäre. Ich hab mich hier bereits dafür aus­ge­spro­chen, dass Koka­in auf eine Stu­fe mit Back­pul­ver gesetzt wer­den soll­te, und hal­te das Argu­ment dahin­ter für prin­zi­pi­ell ethi­scher Natur. Wenn der Staat das Recht dazu hat, mir vor­zu­schrei­ben, was ich mit mei­nem Kör­per mache, dann mel­det er Besitz­an­sprü­che an mei­nem Kör­per an, und dies ist die Defi­ni­ti­on von “Skla­ve­rei”. Abge­se­hen davon funk­tio­niert Dro­gen­pro­hi­bi­ti­on nicht, und rich­tet grö­ße­re Schä­den an, als Dro­gen es vermöchten.

        “Wol­len wir Men­schen den wich­tigs­ten poli­tisch bestimm­ba­ren Bereich unse­res Lebens, das täg­lich Brot, unse­re Wirt­schaft tat­säch­lich so regeln, daß wir nichts regeln, son­dern alles lau­fen d.h. schlei­fen lassen?”

        Wenn ich in den Laden gehe, und mir etwas kau­fe, das ich zu mei­nem Über­le­ben brau­che, ist mein Zugang zu die­ser Res­sour­ce doch eben­so gere­gelt, wie die Anrei­ze erschaf­fen wer­den, mir die­se Res­sour­ce fort­lau­fend bereit­zu­stel­len. Sofern belie­big vie­le Anbie­ter mir die­se Res­sour­ce ver­kau­fen kön­nen, weil nie­mand sie am Markt­zu­gang hin­dert, ist auch deren Anreiz sicher­ge­stellt, mir die­se Res­sour­ce zu einem mög­lichst nied­ri­gen Preis anzu­bie­ten, weil sonst die Kon­kur­renz ihre Markt­an­tei­le ausweitet.

        Was Du schreibst, erin­nert mich stark an einen alten DDR-Witz: “Vorm DDR-Bäcker ste­hen vie­le Leu­te Schlan­ge, um sich ihre Brot­ra­ti­on, Mar­ke Leim&Sägespäne, abzu­ho­len. Alle bekla­gen sich über die War­te­zeit. Da tritt der Bäcker her­aus, und sagt: Leu­te, beklagt Euch nicht, denn im Wes­ten ist alles noch schlim­mer. Dort küm­mert sich der Staat nicht­mal dar­um, dass Ihr Brot bekommt.”

        Muss ich Dir die­sen Witz erklä­ren, oder ver­stehst Du ihn von selbst?

        “Zweck und Absicht der EU und unse­rer soge­nann­ten Bun­des­re­gie­rung ist ja gera­de, der Mehr­heit von uns Men­schen die (demo­kra­ti­sche) Kon­trolle über das im Arti­kel benann­te „ver­schleu­derte Gemein­gut” zu entziehen.”

        Ich wür­de es eher so inter­pre­tie­ren, dass das All­ge­mein­gut aus­ge­wei­tet wird, und mehr Men­schen Zugriff dar­auf bekom­men. Du defi­nierst “All­ge­mein­gut” als etwas, das nichts kos­tet, und das der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung steht, ich defi­nie­re “All­ge­mein­gut” als etwas, das mit Gewalt erschaf­fen, und den “Zugangs­be­rech­tig­ten” zur Ver­fü­gung gestellt wird. Die Zahl der Zugangs­be­rech­tig­ten steigt, und eben­so die Kos­ten, mit denen ihr “All­ge­mein­gut” erschaf­fen wird. Willst Du behaup­ten, ich hät­te Unrecht, und Kran­ken­ver­si­che­run­gen und Schu­len wür­den nichts kos­ten? Abge­se­hen davon, kann der Staat sich jeder­zeit ent­schei­den, irgend­wem den Zugang zu Kran­ken­ver­si­che­run­gen und Schu­len zu ver­weh­ren, bei­spiels­wei­se, weil er außer­halb des Sys­tems blei­ben möch­te. In die­sem Fall wür­de der Staat Men­schen den Zugang zu Bil­dung und Medi­zin abschnei­den. Bis dahin fehlt nicht viel, und es wäre bereits jetzt möglich.

        “Markt­gläu­bige behaup­ten meist, pri­vat­wirt­schaft­li­che Unter­neh­mun­gen sei­en effek­ti­ver als staat­li­che, als gemein­schaft­lich oder genos­sen­schaft­lich orga­ni­sierte. Umge­kehrt wird ein Schuh draus, denn wie jeder weiß, müs­sen pri­vat­wirt­schaft­li­che zusätz­lich zu den Ver­wal­tungs­kos­ten auch den Pro­fit erwirt­schaf­ten, den die Besit­zer bzw. Aktio­näre haben wollen.”

        Die­ser Logik nach, müss­te die Soviet­uni­on, in der alles gemein­schaft­lich orga­ni­siert war, grö­ße­ren Wohl­stand erschaf­fen haben, als der Wes­ten, in dem es ver­gleichs­wei­se pri­vat zuging. Du ver­gisst auch den Over­head, der mit der Grö­ße eines Unter­neh­mens durch Koor­di­na­ti­on und Ver­wal­tung zunimmt, wäh­rend der Nut­zen einer wei­te­ren Ver­grö­ße­rung sinkt. Groß­un­ter­neh­men sind sel­ten effi­zi­ent. Ich per­sön­lich betrach­te Unter­neh­men als faschis­ti­sche Dik­ta­tu­ren, die sich, genau wie Staa­ten, mit dem Pro­blem aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, wo man einen wohl­wol­len­den und kom­pe­ten­ten Dik­ta­tor her bekommt. Je klei­ner und ziel­ge­rich­te­ter so eine faschis­ti­sche Dik­ta­tur ist, des­to leich­ter ist die Auf­ga­be des Dik­ta­tors. Bei beson­ders gro­ßen Unter­neh­men, wie man sie im Sozia­lis­mus hat, wird die Auf­ga­be des Dik­ta­tors so kom­plex, dass sie für einen Men­schen nicht mehr zu schaf­fen ist. Dar­um ver­sagt Plan­wirt­schaft im Gro­ßen immer.

        “So betra­gen bei der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung die Ver­wal­tungs­kos­ten etwa ein Pro­zent, bei pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­run­gen sind meist zehn Pro­zent oder mehr extra zu bezah­len, denn das ist ja ihr Zweck.”

        Das ist eine Milch­mäd­chen­rech­nung. Die staat­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung steht kurz vor einem Kol­laps, und damit dem Total­aus­fall. Für mich wer­den die “Ver­wal­tungs­kos­ten” der staat­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung höchst­wahr­schein­lich bei glat­ten 100% lie­gen, wäh­rend ich, bevor es so weit ist, allei­ne für die staat­lich ver­brief­te Lebens­er­hal­tung von drei Rent­nern auf­zu­kom­men habe. Pri­vat­vor­sor­ge wird eben­falls kom­pli­zier­ter als nötig, weil der Staat die Kon­trol­le über das Wäh­rungs­sys­tem hat, und des­halb rich­ti­ges Geld über­haupt nicht exis­tiert. So lan­ge der “Eigen­tum verpflichtet”-Artikel im Grund­ge­setz steht, gibt es auch kei­nen rich­ti­gen Besitz, über den sich eine alter­na­ti­ve Wert­an­la­ge rea­li­sie­ren lie­ße. Ich wür­de daher sagen, dass unser Staat, im Namen der Wohl­tä­tig­keit, Men­schen, die noch nicht alt sind, so rich­tig fickt.

        “Was die „kom­mu­nis­ti­sche Plan­wirt­schaft” betrifft, das kann klap­pen oder schief­ge­hen, wie bei der privaten. ”

        Nein, sie kann nur schief­ge­hen. So eine Wirt­schaft ist ein mit ihrer Grö­ße immer kom­ple­xer wer­den­des Pro­blem, dass sehr bald zu kom­plex wird, um von Men­schen durch­schaut zu wer­den. Es könn­te klap­pen, wenn man die tech­no­lo­gi­sche Sin­gu­la­ri­tät als Dik­ta­tor ein­setzt, aber Men­schen sind dazu nicht in der Lage. Pri­vat­wirt­schaft hin­ge­gen funk­tio­niert nach einem sich selbst opti­mie­ren­den Algo­rith­mus. Durch frei­wil­li­ge Trans­ak­tio­nen wird die Allo­ka­ti­on von Gütern opti­miert, und durch die sich dar­aus erge­ben­den Preis­si­gna­le wird die Allo­ka­ti­on von Res­sour­cen opti­miert. Jede FREIWILLIGE Trans­ak­ti­on opti­miert das gesam­te Sys­tem. Freie Märk­te sind ein Opti­mie­rungs­ver­fah­ren, das funktioniert.

        “Ich gebe Vol­ker Pis­pers durch­aus recht, wenn er dar­auf ver­weist, der Lebens­stan­dard in der DDR der 1980er ein­schließ­lich der Zukunfts­chan­cen der Kin­der war auf einem Niveau, von dem die meis­ten US-Ame­­ri­­ka­­ner heu­te nur träu­men können.”

        Nun muss­te ich lachen. In den 1980ern muss­te man in der DDR 20 Jah­re lang war­ten, bis man ein Auto zuge­wie­sen bekommt, und hat mit Kin­dern in Zwei­raum­woh­nun­gen gelebt, deren Kel­ler per­ma­nent unter Was­ser stand. Ein Tele­fon war ein Luxus, Farb­fern­se­her hat­te außer­halb der Polit­bue­r­os nie­mand, und das Brot schmeck­te nach Leim und Säge­spä­nen, hab ich mir sagen las­sen. Wer ein West­pa­ket bekam, in dem die Wes­sies bil­li­ge Stoff­res­te und Blue-Jeans aus dem Schluss­ver­kauf ver­schick­ten, der galt als King, und wur­de für sei­ne West­kon­tak­te benei­det. Über das die Zer­set­zungs­tak­ti­ken der Sta­si gegen­über jedem, der den Kol­lek­ti­vis­mus nicht moch­te, ver­lie­re ich mal kein Wort. Die haben wir jetzt ja auch, wobei unse­re tech­no­lo­gisch aus­ge­feil­ter sind.

        “Immer­hin sind 47 Mil­lio­nen auf Lebens­mit­tel­mar­ken ange­wie­sen, das sind über 10% der Bevölkerung.”

        10% sind bes­ser als 100%, wie in der DDR, oder? Wobei ich es vor­zie­hen wür­de, wenn es 0% wären, weils kei­ne Food-Stamps gibt, und nie­mand am Markt­zu­gang behin­dert wür­de. Übri­gens sind in den USA Neger für über 50% der Mor­de ver­ant­wort­lich, und die wären ein rela­tiv fried­li­ches Land, mit einer mit der Schweiz ver­gleich­ba­ren Mord­ra­te, wenn Lin­coln die befrei­ten Skla­ven nach Libe­ria ver­frach­tet hät­te, wie es ursprüng­lich geplant war. Ist ein Fun­ny Fact, den man eher sel­ten zu hören bekommt.

        “Aber wahr­schein­lich sagen Sie jetzt wie­der, die USA, das ist über­haupt kein rich­ti­ger Kapi­ta­lis­mus oder die Märk­te sind da nicht frei genug.”

        Stimmt, die USA sind ein “mixed sys­tem” und kein rei­ner Kapi­ta­lis­mus mit maxi­mal einem Mini­mal­staat, der sich um nichts ande­res als um die inne­re und äuße­re Sicher­heit küm­mert. Mir ist nicht bekannt, dass irgend­je­mand, der sich mal mit dem The­ma beschäf­tigt hat, etwas ande­res behaup­ten wür­de. Die USA wur­den zwar als mög­lichst rei­ner Kapi­ta­lis­mus kon­zi­piert, aber die haben sich in den letz­ten 100 Jah­ren weit von ihrer Ver­fas­sung ent­fernt. Was übri­gens beweist, dass Ver­fas­sun­gen nicht aus­rei­chen, um irgend­et­was zu garantieren.

        “War­um begrei­fen die Markt­gläu­bi­gen nicht, daß sie für das Recht des Stär­ke­ren ein­tre­ten, denn das ist der freie Markt.”

        Am frei­en Markt ver­dient man Geld, indem man etwas anbie­tet, das Men­schen haben wol­len, und ihnen dies zur Ver­fü­gung stellt. Dem­entspre­chend haben an einem frei­en Markt die­je­ni­gen lang­fris­tig das meis­te Geld, die beson­ders gut dar­in sind, ihren Kun­den zu die­nen, und nütz­lich zu sein. Was einen Markt defi­niert, ist das Recht des Besit­zen­den, der sei­nen Besitz auf frei­wil­li­ge und legi­ti­me Wei­se erwor­ben hat, indem er der All­ge­mein­heit etwas zur Ver­fü­gung stell­te, das die­se haben woll­te, und für das sein Besitz der Lohn ist.

        “Das Recht des Stär­ke­ren” beschreibt hin­ge­gen ziem­lich direkt ein Staats­we­sen. Der Staat hat das Gewalt­mo­no­pol, strebt also an, in jeder Situa­ti­on der Stär­ke­re zu sein, und er spricht und defi­niert auch das Recht. Das Recht des Stär­ke­ren. In die­ser Phra­se etwas ande­res, als die Beschrei­bung eines Staats­we­sens zu sehen, ist schon ziem­lich bemerkenswert.

        “Wer genug Geld hat, braucht den Staat nicht, denn man kann sich Pri­vat­po­li­zei und Pri­vat­ar­mee leis­ten, und wohin das führt sehen wir in Mexi­co, im Koso­vo und anderswo.”

        In Mexi­ko und dem Koso­vo gibts staat­li­che Stel­len, die die Markt­kräf­te aus­schal­ten. Wenn man schon von Pri­vat­ar­me­en aus­geht, soll­te man auch davon aus­ge­hen, dass Jeder eine Pri­vat­ar­mee haben kann, weil Jeder mit Ande­ren Geld für eine Sol­che zusam­men­le­gen kann. Man soll­te auch in die Betrach­tung mit ein­be­zie­hen, dass es bil­li­ger ist, eine Stel­lung zu ver­tei­di­gen, als die­se anzu­grei­fen, wes­halb die Finan­zie­rung einer Pri­vat­ar­mee schwie­rig wäre, wenn die­se kon­ti­nu­ier­lich irgend­wen angreift, der auch eine Pri­vat­ar­mee hat. Die­se Pri­vat­ar­me­en hät­ten also Schwie­rig­kei­ten, nicht plei­te zu gehen, wenn sie sich nicht defen­siv ver­hal­ten, oder sie es ver­säu­men, Mit­tel zur gewalt­lo­sen Kon­flikt­bei­le­gung (aka. all­ge­mein akzep­tier­tes Recht) zu nut­zen. Irgend­wie sehe das Pro­blem nicht. Wenn man Arme­en hät­te, die nach markt­wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten ope­rie­ren, und die eine Dienst­leis­tung anbie­ten, wür­de ich wür­de davon aus­ge­hen, dass die Markt­kräf­te dafür sor­gen, dass sich lang­fris­tig die Unter­neh­men durch­set­zen, die ihren Kun­den eine wün­schens­wer­te Dienst­leis­tung anbie­ten, und die an Plün­de­run­gen kein Inter­es­se haben, weil Offen­siv­ge­walt teu­rer ist, als Defen­siv­ge­walt, und unrecht­mä­ßi­ge Gewalt zu einem Image­scha­den führt, der der Kon­kur­renz Kun­den zutreibt, und sogar einen höhe­ren Preis für die Kon­kur­renz­un­ter­neh­men recht­fer­ti­gen. “Schutz vor Plün­de­rung” ist ein ziem­lich gutes Ver­kaufs­ar­gu­ment, das höhe­re Bei­trä­ge recht­fer­tigt, als eine plün­dern­de Pri­vat­ar­mee lang­fris­tig erwirt­schaf­ten könn­te. Was Du mit Pri­vat­ar­me­en in Ver­bin­dung bringst, ist folg­lich ein­fach nur eine schlech­te Geschäfts­stra­te­gie, die lang­fris­tig plei­te gehen wür­de, weil sie teu­er ist, und Kon­kur­renz­un­ter­neh­men gleich­zei­tig Anrei­ze lie­fert, eine sol­che Fir­ma aus­zu­schal­ten. Schutz vor Plün­de­run­gen ist ein Ver­kaufs­ar­gu­ment, das jeden Preis­auf­schlag recht­fer­tigt. Abge­se­hen davon: Das Schlimms­te, das aus einer sol­chen Situa­ti­on ent­ste­hen könn­te, ist ein Staat. Eine Armee mit Gewalt­mo­no­pol, die nicht an Markt­kräf­te gebun­den ist, und für die es kei­nen Kon­kur­renz gibt. 

        Es gibt ein Buch, das zu die­sem The­ma lesens­wert ist — “Machine­ry of Free­dom” von David D. Fried­man. Dar­in beschäf­tigt sich ein Phy­si­ker, Öko­nom und Jura-Pro­fes­sor mit etwas, das im Prin­zip Pri­vat­ar­me­en sind, die auf dem Markt Dienst­leis­tun­gen anbie­ten. “Law’s Order” vom sel­ben Aut­hor ist auch lesens­wert, wenn man wis­sen will, wes­halb staat­li­ches Recht immer inef­fi­zi­en­ter als Pri­vat­recht ist, und nach wel­chen Gesichts­punk­ten ein effi­zi­en­tes Rechts­sys­tem gestal­tet wer­den wür­de. Bei­des sind Leseempfehlungen. 

        “In letz­ter Kon­se­quenz wird sich dann das Atmen nur noch leis­ten kön­nen, wer Geld hat, die Luft zu bezah­len, und Wai­sen­kin­der wer­den arbei­ten oder verhungern. ”

        Eine Pri­vat­ar­mee könn­te das erst­ge­nann­te Recht genau so wenig umset­zen, wie ein Staat. Sie könn­te Steu­ern erhe­ben, die jeden tref­fen, der lebt. Eben­dies tut ein Staat doch auch. Aller­dings ist es von der Durch­setz­bar­keit her ein­fa­cher, ande­re Din­ge zu besteu­ern, als die Luft zum atmen. Genau dies geschieht doch.

        Und die Wai­sen­kin­der… Du willst doch nicht, dass die arbei­ten oder ver­hun­gern. War­um wür­dest Du die nicht ein­fach bei Dir auf­neh­men? So teu­er sind Kin­der auch nicht, und es bringt durch­aus eine gewis­se Erfül­lung mit sich, sich um eben­sol­che zu küm­mern. Es wäre doch auch eine gute Alters­ab­si­che­rung, wenn man sich mal um Wai­sen­kin­der geküm­mert hät­te, und die­sen einen guten Start ins Leben ermög­licht hät­te. Fähig­kei­ten sind ohne­hin das bes­te Kapi­tal, das man haben kann, und jemand der von Dir Fähig­kei­ten erlernt hat, der jung ist, und der Dir zu Dank ver­pflich­tet ist, weil Du dafür gesorgt hast, dass er einen guten Ein­stieg ins Leben gefun­den hat, wird Dir sicher hel­fen, wenn Du selbst Hil­fe brauchst. Falls er dies nicht tut, hät­test Du mit Dei­ner Erzie­hung kata­stro­phal ver­sagt. Men­schen, die ihren Ange­hö­ri­gen in Not nicht hel­fen, sind furcht­bar schlecht erzo­gen, und man kann die Schuld dafür nur dem­je­ni­gen geben, der sie erzo­gen hat. Bekä­mest Du kei­ne Hil­fe, wärst Du so unfä­hig in der Erzie­hung, dass Du kei­ne Hil­fe ver­dient hättest.

        Oder bist Du ein­fach nur zu geizig/faul/egoistisch, um Dich um Wai­sen­kin­der zu küm­mern, und willst, dass die All­ge­mein­heit zu etwas gezwun­gen wird, das Du selbst nicht tun willst?

        “in den 1970ern kam es bei einem Auto­mo­dell in den USA gehäuft zu Unfäl­len mit Todes­fäl­len, weil die Wagen in Flam­men auf­gin­gen. Im Fall einer Frau, die mit ihren Kin­dern ver­brannte, konn­te der Anwalt der Fami­lie nach­wei­sen, daß dem Her­stel­ler das Risi­ko bekannt war, die erwar­te­ten Scha­den­er­satz­zah­lun­gen aber für kos­ten­güns­ti­ger ein­ge­schätzt wur­den, als die Inge­nieure mit einer ande­ren Mon­ta­ge des Ben­zin­tanks zu beauftragen.”

        Wenn das Unter­neh­men das Auto dafür bil­li­ger auf den Markt brin­gen konn­te, ist das doch okay. Jeder weiß, dass gro­ße und teu­re Autos siche­rer sind, als Klein­wa­gen, aber nicht jeder kann und will sich eine Limou­si­ne leis­ten. Abge­se­hen davon kann ein “Kein-Wagen”, sofern die­ser die Alter­na­ti­ve zu einem “Klein-Wagen” ist, noch unsi­che­rer sein. Fahr­rad­fah­ren ist gefähr­li­cher, als Auto­fah­ren, und wird umso gefähr­li­cher, je schlech­ter das Fahr­rad gewar­tet ist. Den­noch ken­ne ich nie­man­den, der sei­nen Draht­esel regel­mä­ßig zur Inspek­ti­on in eine Fahr­rad­werk­statt fährt, oder sich die Fähig­kei­ten eines Fahr­rad­me­cha­ni­kers aneig­net, um die War­tung selbst zu erle­di­gen. Dar­aus schlie­ße ich, dass den Men­schen das Geld, das sie so spa­ren, mehr wert ist, als eine Min­de­rung des Lebens­ri­si­kos, das so eine Fahr­rad­fahrt auf einem schlecht gewar­te­ten Fahr­rad mit sich bringt, ihnen wert wäre. Was ist dar­an jetzt schlecht, ver­werf­lich, oder unmo­ra­lisch? Und wo ist das Pro­blem, wenn Auto­her­stel­ler eben­falls rech­nen, und ver­su­chen, ihren Kun­den ein mög­lichst bil­li­ges Pro­dukt anzu­bie­ten? Das Leben eines Men­schen hat einen end­li­chen Wert, und wir tref­fen alle täg­lich Ent­schei­dun­gen, die unser Risi­ko zu ster­ben erhöhen. 

        “Daß Schul­ver­wei­ge­rer erschos­sen wür­den, ist ein­fach lachhaft.”

        Ich glau­be, Du hast da eine Wahrnehmungslücke.

        Geset­ze wer­den durch­ge­setzt, indem der Staat die Über­grif­fe eska­liert, bis sein Opfer ent­we­der tot ist, oder es sich zwin­gen lässt. Dies ist das Wesen jeden Geset­zes. Dass Kin­der eher sel­ten erschos­sen wer­den, liegt dar­an, dass nie­mand ihnen bei­bringt, wie man Gewalt effek­tiv ein­setzt, und sie klei­ner und schwä­cher als Erwach­se­ne sind. Hät­ten sie die Mit­tel, die ihre kör­per­li­che Unter­le­gen­heit aus­glei­chen, wür­de man sie in letz­ter Instanz auch erschie­ßen. Des­halb ist die pri­mä­re Dro­hung in ihrem Fall, dass man sie zu Wai­sen­kin­dern macht, wenn ihre Eltern die Schul­pflicht nicht durch­set­zen, sich gegen die Durch­set­zung der dar­auf­hin fol­gen­den Geld­stra­fen effek­tiv weh­ren, und sie sich auch gegen das uni­for­mier­te Kid­nap­ping­kom­man­do, das ihre Kin­der anschlie­ßend ins Heim bringt, effek­tiv weh­ren. Denk dran, die Poli­zei sind auch nur bewaff­ne­te Men­schen, die sich zurück­zie­hen um Ver­stär­kung zu holen, wenn man nicht nach­gibt, und man sich durch­set­zen kann. Sofern die Poli­zei Unrecht durch­setzt, ist man im Bereich der Infan­trietak­tik, wenn man von sei­nem unmit­tel­ba­ren Recht auf Not­wehr Gebrauch machen will. Für effek­ti­ve Not­wehr gegen­über einem SEK wäre man bereits im Reich des Häu­ser­kamp­fes, den man im ein­fachs­ten Fall führt, indem man eine Hand­gra­na­te in einen unge­si­cher­ten Raum wirft, des­sen Explo­si­on jedem, der sich in die­sem Raum befin­det, die Lun­gen zer­fetzt. Anschlie­ßend betritt man den Raum, und knallt ab, was sich noch bewegt. Nach­dem der Raum gesi­chert ist, fährt man fort, bis das Gebäu­de gesi­chert ist. Natür­lich wird man wie ein Hund erschos­sen wer­den, wenn man sich effek­tiv wehrt. 

        Ich glau­be, wir haben da eine unter­schied­li­che Sicht der Din­ge. Ich per­sön­lich hal­te Dich für jeman­den, des­sen ers­ter Instinkt ist, die Arsch­ba­cken zu sprei­zen und an eine grü­ne Wie­se mit Schmet­ter­lin­gen zu den­ken, wenn er mit einer Über­macht kon­fron­tiert ist, bei der abseh­bar ist, dass er ver­lie­ren wird. Gleich­zei­tig nor­ma­li­siert Du die­ses Ver­hal­ten, und tust so, als gäbe es über­haupt kei­ne Alter­na­ti­ve. Ich wür­de Dich so ein­schät­zen, dass Du zu den Men­schen gehörst, denen, wenns mal Gewalt gibt, außer “weg­ren­nen und flen­nen” kei­ne wei­te­ren Hand­lungs­op­tio­nen bekannt sind. Ich habe bei so etwas immer eines der Über­wa­chungs­vi­de­os im Kopf, auf dem man zahl­lo­se Men­schen sieht, die, feuch­ten Schritts, kurz nach den Bata­clan-Anschlä­gen, panisch in ein Bis­tro ren­nen, und sich wie klei­ne Kin­der unter den (fest­ge­schraub­ten) Tischen ver­ste­cken, und deren gan­zes Welt­bild sich in die­sem Augen­blick als eine Lüge her­aus­stellt. Man muss die­se Men­schen nur mal mit Gewalt kon­fron­tie­ren, gegen die sie sich nicht in Brief­form weh­ren kön­nen, und schon bricht deren gan­ze Welt zusam­men, und sie brau­chen Jah­re der The­ra­pie, um ihren Kopf wie­der in ihren Arsch gezwängt zu bekommen. 

        Mir hin­ge­gen liegt die­ses Ver­hal­ten nicht. Einer mei­ner Erzie­hungs­in­hal­te war: “Jun­ge, selbst, wenn Du am Ende lie­gen bleibst, kannst Du immer noch einen von denen mit­neh­men. Wenn Du Dich vor­be­rei­test, und zuerst angreifst, sogar mehr als das.”. Es brauch­te eine Wei­le, und ich hab geschrien und gestram­pelt, und mich gegen die Erkennt­nis gewehrt, aber irgend­wann habe auch ich es kapiert. Ich kann gar nicht aus­drü­cken, wie dank­bar ich heu­te dem­je­ni­gen bin, der mir die­se Wahr­heit ver­mit­telt hat. Das war die größ­te Befrei­ung, die ich in mei­nem Leben erfah­ren habe. Es gibt nichts ernied­ri­gen­de­res, als zu einer Grup­pe von Men­schen zu gehö­ren, deren Rea­li­täts­bla­se von jeder­mann mit fes­tem Wil­len zum Plat­zen gebracht wer­den kann. Wenn es soweit ist, ver­hal­ten die­se Men­schen sich wie pani­sches Vieh, das zu über­haupt kei­ner Gegen­re­ak­ti­on mehr fähig ist. Ich glau­be, dass unse­re isla­mi­schen Ter­ro­ris­ten­freun­de, uns genau die­se Wahr­heit über uns selbst zei­gen wol­len, indem sie Anschlä­ge ver­üben. Die gewin­nen des­halb, weil sie die­se Wahr­heit auf ihrer Sei­te haben, und wir nicht. Die haben kein schlech­tes Gewis­sen, weil sie uns dabei hel­fen wol­len, die Rea­li­tät zu erken­nen. Die wol­len uns die Wahr­heit über uns selbst zei­gen. Die wol­len uns aus die­ser Bla­se, die man so leicht plat­zen las­sen kann, her­aus­hel­fen, und uns ans Licht füh­ren. Die wol­len uns dabei hel­fen, aus einer Geis­tes­hal­tung, die, von außen betrach­tet, nicht ernied­ri­gen­der sein könn­te, herauszufinden. 

        Man soll­te halt auch von sei­nen Fein­den ler­nen. Das erwei­tert den Hori­zont. Leu­te, die in der sel­ben Situa­ti­on fest­ste­cken, wie man selbst, sind schlech­te Leh­rer. Hin­ter­her gehts einem besser.

  2. für Gerd Held (oder auch: für Gerd, den Held):
    Mer­kels Migran­ten verprassen
    Des Vol­kes Gemein­schaft, sein Gut.
    Schmelz­tie­gel? Frie­de der Rassen?
    Hier bro­delt längst ein Völkersud!
    (Sieg­fried Prütt 2018)

  3. Es ist nicht zu leug­nen, dass wir immer mehr zu „Hei­mat-losen“ wer­den, indem wir unse­re Hei­mat los wer­den. Und zwar dadurch, daß das Land sich durch den gro­ßen Aus­tausch rapi­de ver­än­dert. Anders gesagt: Der Migrant ver­än­dert sei­ne Umge­bung, indem er migriert. Der Deut­sche ver­än­dert sei­ne Umge­bung nicht, muss aber erle­ben, dass sich sei­ne Umge­bung durch die vie­len Migran­ten ver­än­dert hat. Ich habe ein­mal ver­sucht, das in Ver­se zu bringen:

    Mer­kel, Soros und Kalergi
    Wol­len Eura­bia und dass es wachse.
    Migra­ti­on bringt Entropie.
    Ahas­ver heu­te? Ist ein Sachse!
    (Sieg­fried Prütt 2018)

  4. Bezeich­nend ist auch, wie gelo­gen und ver­bo­gen wird, um Mas­sen­zu­wan­de­rung aus Afri­ka z.B. zu rechtfertigen.
    Und um was es dann tat­säch­lich geht.
    Man lese sich nur mal die­ses Inter­view mit einer gewis­sen Karen Tay­lor (poli­ti­sche Refe­ren­tin der SPD für Men­schen­rech­te im Bun­des­tag) durch:
    https://www.taz.de/!5525323/

    “Es ist ja kei­ne Tat­sa­che, dass Deutsch­land immer weiß gewe­sen ist…”

    “Im Grund­ge­setz steht schwarz auf weiß, dass Deutsch­land viel­fäl­tig ist…”

    “Die Idee von Hei­mat dien­te unter ande­rem dazu, den ver­meint­lich „edlen“ Deut­schen vom „bar­ba­ri­schen, tier­ähn­li­chen“ Afri­ka­ner in den deut­schen Kolo­nien abzu­gren­zen. Die­ses Den­ken, die­se Selbst­über­hö­hung führ­te zum ers­ten Völ­ker­mord an den Here­ro und Nama in „Deutsch-Süd­west­afri­ka“, dem heu­ti­gen Namibia.”

    “Seit über 300 Jah­ren leben Schwar­ze Men­schen in Deutsch­land und sind etwa ins Ber­li­ner Stadt­bild eingeschrieben.”

    “Es gibt Hei­mat­mu­se­en in Deutsch­land, in denen afri­ka­ni­sche Raub­kunst aus­ge­stellt wird, vor allem aus Kame­run und Togo. Die­se gehö­ren para­do­xer­wei­se zur deut­schen Kul­tur und kön­nen dem­entspre­chend nicht zurück­ge­ge­ben wer­den. Aber den Men­schen wie­der­um, die aus die­sen Regio­nen kom­men, wird kein Zutritt zu die­sem Land gewährt.”

    Und dar­um geht es dann wirklich:

    “Wir brau­chen sofort über­all eine Quo­te! Weil es da nicht um Bevor­zu­gung geht, son­dern um das Aus­glei­chen von Nachteilen.”

    “Und dann müss­te eine rea­lis­ti­sche Quo­te ange­setzt wer­den, um Fak­ten zu schaf­fen. Gera­de gab es eine Befra­gung der NGO Citi­zens For Euro­pe in den Füh­rungs­eta­gen im öffent­li­chen Dienst in Ber­lin. Da kam her­aus, dass 97 Pro­zent der Per­so­nen dort weiß sind. Auf die Fra­ge, ob feh­len­de Diver­si­tät ein Pro­blem ist, ant­wor­te­ten sie mehr­heit­lich mit Ja. Auf die Fra­ge wie­der­um, ob sie sich selbst als Teil des Pro­blems sehen, ant­wor­te­ten die meis­ten mit Nein – obwohl sie ja letzt­end­lich die Per­so­nen sind, die bei Neu­ein­stel­lun­gen mit­ent­schei­den. Eine vor­ge­schrie­be­ne Quo­te könn­te also Ver­än­de­run­gen in der Per­so­nal­struk­tur herbeiführen.”

    Wer hat uns verraten?
    Spezialdemokraten!
    Und immer dabei, die Lin­ke und die Grünepartei.
    Plus mitt­ler­wei­le die Hälf­te der Union…

  5. Ich den­ke, Frau Mer­kel ist ein patho­lo­gi­scher Fall. Typisch für eine nar­ziss­ti­sche Per­sön­lich­keits­stö­rung ist die star­ke Ich-Bezo­gen­heit ver­bun­den mit der Unfä­hig­keit, Kri­tik zu erken­nen, zuzu­las­sen und auf das eige­nen Han­deln zu bezie­hen. Ver­mut­lich ist sie eben kei­ne pro­fes­sio­nel­le Ver­füh­re­rin, wie wir das in der deut­schen Geschich­te schon mal hat­ten, son­dern schlicht eine gemüts­kran­ke Frau, die nicht anders kann.

    Aber: Wie­so macht ihre Entou­ra­ge mit und kei­ner sagt, dass die Kai­se­rin nackt ist? Wie­so kehrt die Pres­se kri­ti­sche Stim­men wie Hans-Joa­chim Maaz oder Antho­ny Glee­es unter den Tep­pich und bestärkt jene, wel­che die Deut­schen als mora­li­sche Super­hei­li­ge dar­stel­len wol­len? Wie­so nen­nen Intel­lek­tu­el­le das Pro­blem der Selbst­ver­liebt­heit nicht beim Namen?

    • Ich glau­be, dass es Sün­den­bock­men­ta­li­tät ist, Angie die gan­ze Schuld zuzu­schie­ben. Das Pro­blem liegt woan­ders. Wür­de man Angie mit­samt Entou­ra­ge an den nächs­ten Later­nen­pfahl knüp­fen, wür­den die Pro­ble­me, an denen die angeb­lich schuld sind, nicht ver­schwin­den. Wür­de man die Ver­ant­wort­li­chen so lan­ge an Later­nen­pfäh­le knüp­fen, bis die Pro­ble­me gelöst sind, gäbe es bald nie­man­den mehr, der bereit wäre, die Ver­ant­wor­tung dafür auf sich zu neh­men, dass unser Sys­tem schei­tert, die Pro­ble­me bestün­den aber wei­ter­hin. So geschah es zumin­dest in der Zeit um die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on her­um, als das Volk immer wie­der neue Leu­te an die Macht brach­te, die ihnen mehr Leis­tun­gen bei nied­ri­ge­ren Steu­ern ver­spra­chen, die­ses Ver­spre­chen jedoch komi­scher­wei­se nie ein­hiel­ten, und am Schluss ent­we­der tot oder tota­li­tär wur­den. Bas­ti­at hat dazu ein Paar inter­es­san­te Sachen geschrie­ben. Die Ursa­che liegt nicht bei den Verantwortlichen.

      • Sag ich ja. Die Pres­se redet den dum­men Tri­coteu­sen ein, sie sei­en die edels­ten Men­schen auf der gan­zen Welt. Jeder Migrant kriegt das Grund­ge­setz in die Hand und bekommt von unse­ren Super-Dup­per-Päd­ago­gin­nen zwei­ein­halb Nach­mit­ta­ge Unter­richt in Sin­gen und Tan­zen, dann bekehrt er sich zum Gut­men­schen­tum und wird ein wert­vol­les Mit­glied der Klas­se der Spie­ßer und Vege­ta­ri­er. Wir schaf­fen das, sagt die Presse…

        Und die Pres­se bestärkt uns in der Mär, der Deut­sche an sich sei ohne­hin viel bes­ser als all die Rosi­nen­pi­cker in Lon­don, War­schau und Buda­pest. Oder die kor­rup­ten Mit­tel­meer­leu­te. Oder die Ver­bre­cher vom Bal­kan. Wenig ver­hüllt haben wir in die­sem Nar­ra­tiv wie­der die alten Über- und Unter­men­schen. Gott ich dan­ke dir, dass ich kein Zöll­ner bin wie jener dort.

        Und da der Deut­sche den gan­zen Laden zahlt, darf er auch bestim­men, was in Euro­pa gemacht wird. Den Parn­tern in der hin­te­ren Rei­he fällt dann die Rol­le zu, die Gäs­te zu ver­kös­ti­gen, die wir zur Face­book­par­ty ein­ge­la­den haben, um der gan­zen Welt zu zei­gen: Wir haben aus der Geschich­te gelernt! 

        Und wir ver­kau­fen ja kei­ne Waf­fen mehr an kapi­ta­lis­ti­sche Län­der, son­dern ver­schen­ken sie an deren Geg­ner. Wir ver­grät­zen kei­ne Juden mehr, son­dern sind aus­ge­spro­chen freund­lich und ent­ge­gen­kom­mend zu jenen, die sie has­sen und bereits sind unse­ren Job zu voll­enden. Wir sind die Deut­schen, ihr müsst uns liebhaben…

        • Ich bezog mich auf die­se Schrift:

          http://bastiat.de/bastiat/schriften/gesetz.html

          Unge­fähr im letz­ten Drit­tel wer­den dar­in auch zahl­rei­che Revo­lu­ti­ön­chen behan­delt, die im Kon­text der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on statt­fan­den, und die alle­samt nicht das gewünsch­te Ergeb­nis hatten. 

          Der Arti­kel aus der NZZ klingt nach Bas­ti­at, ist aber ziem­lich stark auf Schlag­wor­te redu­ziert. Im Ori­gi­nal fin­det man, neben Schlag­wor­ten und Mei­nun­gen, auch noch eine Argu­men­ta­ti­on und einen Kon­text. Bei Bas­ti­at fin­de ich es, neben­bei bemerkt, über­aus inter­es­sant, wie ein 170 Jah­re alter Text so direkt zu uns spre­chen kann. Die meis­ten Tex­te, die so alt sind, lesen sich ange­staubt. Bas­ti­ats Tex­te hin­ge­gen nicht.

  6. Also, mich wun­dert die altu­el­le Situa­ti­on nicht wirk­lich. Klar, sie kotzt mich an, und ich sehe die Ent­wick­lung ziem­lich kri­tisch, aber sie ver­wun­dert mich nicht.

    In Euro­pa war “Kon­ser­va­tiv” oder “Rechts” doch schon immer ziem­lich links. Naja, und links rockt halt so, wie man es gera­de sieht. Zuerst wer­den ganz vie­le abso­lu­te Rechte/Ansprüche dekla­riert, die man nie­man­dem weg­neh­men kann, dann wer­den die­je­ni­gen, die das zah­len sol­len, als Böse­wich­te defi­niert, und dann wird die­se Per­so­nen­grup­pe aus­ge­plün­dert, und soll dafür noch dan­ke sagen. Nun klagt man, und demons­triert, weil das, was man genau so gewählt hat, und Ande­ren mit Gewalt auf­drü­cken woll­te, nicht funk­tio­niert, und man des­halb sau­er ist, und man nun will, dass gefäl­ligst per­so­nel­le Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den, damit jemand an die Macht kommt, der einem ver­dammt noch­mal das gibt, was man von sei­nen gewähl­ten Poli­ti­kern ver­langt. Mich erin­nert das an Vene­zue­la. Da demons­trie­ren die auch alle im Namen des Sozia­lis­mus gegen Madu­ro, weil die­ser ihnen die Güter, die die sich her­bei­ge­wählt haben, fie­ser­wei­se nicht zur Ver­fü­gung stellt. Und der­weil ernäh­ren die sich von Rat­ten, und schi­cken ihre Kin­der in den Nach­bar­län­dern auf den Strich. Die wol­lens halt so.

    Wären die All­ge­mein­gü­ter kei­ne All­ge­mein­gü­ter, son­dern Pri­vat­gü­ter, hät­te man die meis­ten Pro­ble­me, mit denen man sich her­um­schlägt, nicht. Aber man wills ja so. Auch die­je­ni­gen, die demons­trie­ren gehen, wol­lens so. All­ge­mein­gü­ter sind ein Euphe­mis­mus für “Tra­ge­dy of the com­mons”. Das war schon immer so, aber jetzt gera­de sieht man es ziem­lich deut­lich. Viel­leicht lernt man dar­aus, und pri­va­ti­siert die­se Din­ge, oder man tuts halt nicht, und bekommt noch vie­le Grün­de, zum demons­trie­ren. Ich hof­fe in jedem Fall, dass Angie in der Zwi­schen­zeit Klein­holz aus dem Laden macht, damit man hin­ter­her die Alt­las­ten los ist, und wenigs­tens bei Null anfan­gen kann. 

    Eigent­lich soll­te ich bei nächs­ter Gele­gen­heit SPDGrü­ne wäh­len gehen. Nicht, dass der Saft­la­den sich am Ende noch fängt, und als Krüp­pel­kra­tie wei­ter exis­tiert. Schei­ße nur, dass ich aus Prin­zip nicht wähle.

  7. Dann will ich doch mal kurz nicht offi­zi­el­les Insi­der­wis­sen preisgeben:
    Das Job­cen­ter Neu­müns­ter (80 k Einw.) hat kürz­lich ermit­telt, dass 80 Kin­der, für die sie Leis­tun­gen zah­len, anschei­nend sich nicht im Lan­de befin­den. Zu den ört­li­chen Schu­len gehen sie zumin­dest nicht. Dies betrifft nicht die klas­si­schen Flücht­lin­ge son­dern Migran­ten aus Ost­eu­ro­pa (Bul­ga­ri­en, Rumä­ni­en) die häu­fig eigent­lich nicht leis­tungs­be­rech­tigt sind. Auch nicht bei phy­si­scher Anwe­sen­heit. Das Gan­ze dürf­te wohl auch nur eine Schnee­flo­cke auf der Spit­ze des Eis­ber­ges sein…

    • Jeder Bul­ga­re, Rumä­ne, Ungar oder Slo­wa­ke kennt das Pro­blem aus eige­ner Anschau­ung und darf es in sei­nem frei­en Land auch beim Namen nen­nen. Nur in Deutsch­land wür­de eine ent­spre­chen­de Aus­sa­ge als Volks­ver­het­zung verfolgt.

      Wahr­schein­lich gibt es ein­fach genü­gend wohl­stands­ver­wöhn­te Deut­sche, die sel­ber der Über­zeu­gung sind, die Deut­schen sei­en schuld an Treib­haus­ef­fekt und Ter­ro­ris­mus, Kor­rup­ti­on und Kon­ti­nen­tal­drift, an der Gra­vi­ta­ti­on und am Aus­ster­ben der Dino­sau­ri­er – so dass jeder, der hier auf­schlägt, ledig­lich eine berech­tig­te Schuld einfordert.

    • Aus Bre­men ken­ne ich es mit der Anzahl Kin­der, seit ca. 30 Jah­ren, die von den Aus­län­dern bei den Behör­den gemel­det wor­den sind. 

      Hat sich das Sozi­al­amt ange­mel­det, um sich die zehn Kin­der anzu­schau­en, hat man eben vom Nach­barn fünf Kin­der her­über geholt. Glei­ches ken­ne ich mit den Kran­ken­kas­sen­kar­ten, auch seit ca. 30 Jah­ren. Es gibt hun­der­te von ver­schie­de­nen Din­gen, wo wir schon seit x Jah­ren von Aus­län­dern betro­gen wer­den. Alles geschieht aber mit Wis­sen der Politiker!

  8. Ich fra­ge mich auch, war­um nie­mand sich Gedan­ken macht, wie unser zukünf­ti­ger Wohl­stand — also unser erreich­tes Gemein­gut — wei­ter erwirt­schaf­tet wer­den soll. Die Par­tei­en über­tref­fen sich in noch mehr Sozi­al­sys­tem und Umverteilung.
    Par­al­lel dazu wird unse­re Auto­in­dus­trie an die Wand gefah­ren, Gen­tech­nik für böse erklärt und eine digi­ta­le Kom­mis­si­on gegrün­det. Lächer­lich, wenn es nicht so ernst wäre…

  9. Sehr gute und abso­lut zutref­fen­de Ana­ly­se der der­zei­ti­gen Situa­ti­on in Deutsch­land. Ich fürch­te aller­dings, dass die ‘Bewah­rer’ sich letzt­lich nicht durch­set­zen wer­den, da ihnen das Gros der schwei­gen­den Bevöl­ke­rung, eine völ­lig starr­sin­ni­ge Kanz­le­rin und die Plä­ne der EU ihnen kon­trär gegenüberstehen.

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