Als Muham­mad as-Sah­haf, der später von der Presse liebevoll „Com­i­cal-Ali“ genan­nt wurde, 2003 vor laufend­er Kam­era verkün­dete, die amerikanis­chen Sol­dat­en im Irak seien dabei, zu fliehen oder Selb­st­mord zu bege­hen, roll­ten die Panz­er der US-Trup­pen bere­its durch die Vororte von Bag­dad. Sein Auftritt ste­ht sei­ther arche­typ­isch für die Sorte Falschmel­dung oder Fehlin­for­ma­tion, bei der die unbe­queme Wahrheit im Stu­diop­ub­likum sitzt und winkt. An as-Sah­haf musste ich unwillkür­lich denken, als ich den ZDFheute-live Beitrag mit dem Titel „Dro­ht uns ein Black­out ohne Atom­kraft?“ vom 1. August 2022 sah. Vergessen wir für einen Moment, dass uns die drei verbliebe­nen Kernkraftwerke nicht im eigentlichen Sinne ret­ten, son­dern die ener­getis­che Katas­tro­phe allen­falls lin­dern kön­nten. Ich sage das nur deshalb, weil in dieser unter­stell­ten „Ret­tung“ bere­its der Keim für eine Schuldzuweisung steckt, falls es trotz „Streck­be­trieb“ am Ende doch nicht gelingt, das Netz sta­bil zu hal­ten. Zugegeben, selb­st in ARD und ZDF kommt ent­lang der Nachricht­en­lage immer mehr Panik auf, ob uns die Ver­sprechen der Poli­tik durch den Win­ter brin­gen, doch bei ZDFheute-live ist diese Stim­mung offen­sichtlich noch nicht angekom­men. Ein Blick auf die Namen der zu Wort kom­menden „Experten“ und man kann Wet­ten zu miesen Quoten darauf abschließen, wie das Faz­it der Sendung laut­en wird. Ich nehme es vor­weg: Bitte leben Sie weit­er, hier gibt es nichts zu fürcht­en! Es kom­men zu Wort: Ricar­da Lang von den Grü­nen, die unver­mei­dliche Clau­dia Kem­fert vom DIW (im Grunde auch Grüne) und Christoph Mau­r­er von der Beratungs­fir­ma con­sen­tec, welche im Dun­stkreis der „ago­ra Energiewende“ agiert. Also ist auch dieser Inter­view­gast im Auf­trag der Energiewende unter­wegs. Schauen wir also mal, was uns die „Experten“ zu sagen haben.

Adjektive der Apokalypse

Mit „Hey, schön, dass ihr dabei seid“ set­zt Ali­ca Jung vom ZDF zur Begrüßung schon mal den Ton. Aber an der­lei Ankumpelei ist der Zuschauer ja längst gewöh­nt. Bere­its der erste anmod­erierte Beitrag zemen­tiert das Fram­ing: „Deutsch­land will raus aus gefährlich­er Atom­kraft, kli­maschädlich­er Kohle und rus­sis­chem Gas“. Die Adjek­tive der Apoka­lypse sind beisam­men: gefährlich, kli­maschädlich, rus­sisch! Die ele­men­tarsten Fak­ten hat man hinge­gen nicht parat. Es stimmt natür­lich, dass es Zeit­en gibt, in denen keine Sonne scheint und kein Wind weht. Doch die nen­nt man zunächst mal Nacht, bewölk­ter Him­mel, win­ter­lich­er Son­nen­stand oder Wind­stille. Dunkelflaut­en entste­hen erst durch die sta­tis­tis­che Häu­fung dieser natür­lichen Phänomene, üblicher­weise im Winter.

Dass von tat­säch­lichen Dunkelflaut­en Gefahren für eine stark von Sonne und Wind abhängige Stromver­sorgung aus­ge­hen, die man derzeit nur mit kon­ven­tionellen Kraftwerken abpuffern könne, bestre­it­et Kem­fert. Sie will den Black­out mit irgend­was “smartem”, “dig­i­talem” aufhal­ten und sagt doch selb­st, dass es dies alles noch nicht gibt. Kein Prob­lem, kann man ja schnell auf­bauen! Nur zum Ver­gle­ich: Wei­h­nacht­en ist nicht mehr fern. Jet­zt einen Tan­nen­samen in die Erde zu steck­en, lässt bis zum Fest keinen Wei­h­nachts­baum wach­sen. Nach Wun­schzettel oder Märchen-Hap­py-End klingt auch Kem­ferts Aus­sage, wenn wir nur ganz schnell ganz viel in die „smarten Sys­teme“ investieren wür­den, wären wir für immer aller Sor­gen ledig. Wie üblich bei Inter­views mit der Gal­lions­fig­ur der Energiewende stellt nie­mand in der Redak­tion diese Aus­sagen in Frage oder ver­langt wenig­stens mal nach belast­baren Zahlen. Die Sprachlosigkeit nach Kem­ferts Plat­titü­den erset­zt gewis­ser­maßen das “Amen” in der Klimakirche.

Gewaltige Batterien!

Auch von Strom­spe­ich­ern ist mal wieder die Rede und das ZDF lässt eine Kam­er­adrohne neben einem Pump­spe­icherkraftwerk auf­steigen. „In gewalti­gen Bat­te­rien zum Beispiel oder auch Pump­spe­icherkraftwerken. Das geht…“. Fra­gen wir uns jedoch – das ZDF tut es ja nicht –, wieviele dieser „gewalti­gen Bat­te­rien“ oder Pump­spe­ich­er bis zur Abschal­tung der let­zten drei Kernkraftwerke noch ans Netz gehen wer­den, kom­men wir lei­der auf exakt Null!

Die heute zur Ver­fü­gung ste­hen­den Spe­icherka­paz­itäten reichen zusam­men­gerech­net nur, um Deutsch­land für eine halbe Stunde zu ver­sor­gen, wie Prof. Har­ald Schwarz dem Zuschauer erk­lärt. Selb­st das ist natür­lich nur ein the­o­retis­ch­er Wert, wenn man berück­sichtigt, dass zum Beispiel Pump­spe­icherkraftwerke die gespe­icherte kinetis­che Energie nicht in der für die halb­stündi­ge Vol­lver­sorgung des Lan­des erforder­lich kurz­er Zeit durch die Tur­binen jagen kön­nten. In der Prax­is würde das Netz also zusam­men­brechen, lange bevor die Spe­ich­er leer sind. Zeit, so scheint es, spielt in den Plä­nen der Energieum­dreher generell nur eine unter­ge­ord­nete Rolle.

Der zugeschal­tete Christoph Mau­r­er sieht jeden­falls keine gestiegene Gefahr für Black­outs. Sowas habe es auch schon vor der Ära der Erneuer­baren gegeben und sei ohne­hin total sel­ten. Mal hier oder dort, aber das sei auch schon lange her! Man kön­nte ein­wen­den, dass wir noch nie in unser­er Geschichte so stark in allen Aspek­ten des Lebens von der Stromver­sorgung abhin­gen, wie jet­zt und dass auch noch niemals so mas­siv auf der Erzeuger- und Ver­brauch­er­seite gle­ichzeit­ig in die Net­ze einge­grif­f­en wurde. Neben­bei bemerkt: Dass etwas Katas­trophales sel­ten geschehe und unwahrschein­lich sei, lassen die Geg­n­er der Atom­kraft für Kernen­ergie nie gelten.

Grüner Wasserstoff und ein Bisschen Energieverlust

Inter­es­sant ist, dass Mau­r­er eine Art neuen Real­is­mus in die Diskus­sion ein­führt. Er gibt zu, dass wir auch in Zukun­ft und bei voran­schre­i­t­en­dem Aus­bau von Solar- und Winden­ergie die Volatil­ität abpuffern müssen. Für Energie-Extrem­is­ten eigentlich ein Affront. Doch weil mit­tler­weile auch dem let­zten klar ist, dass es die „gigan­tis­chen Bat­te­rien“ nie geben wird und die Stan­dorte für Pump­spe­icherkraftwerke äußerst rar und in toto unzure­ichend sind, brauchen unsere Energiewen­der eben ein anderes Ein­horn, welch­es es ganz sich­er gibt und in das sie ihre ganze Hoff­nung setzten.

Mau­r­er nen­nt den „grü­nen Wasser­stoff“ als das Spe­icher­medi­um der Zukun­ft. Großtech­nisch und in nen­nenswert­er Menge haben wir den zwar auch nicht und weil der Wirkungs­grad von Elek­trol­yse, Verdich­tung und Lagerung des H2-Gas­es samt anschließen­der Rück­ver­stro­mung ger­ade mal ein Drit­tel bis die Hälfte beträgt, haben wir auch nie genug Win­dräder und Pho­to­voltaik, um genug über­schießende Spitzen zu pro­duzieren, die man zur Wasser­stof­fumwand­lung nutzen kön­nte. All das, was uns im Film also bish­er als Ret­tung verkauft wird, ste­ht in Nim­mer­land, gle­ich neben Nar­nia, hin­ter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen.

Mau­r­er sieht den Wider­spruch wohl selb­st und rel­a­tiviert seine opti­mistis­che Aus­sage „prob­lema­tisch ist, es geht ein Biss­chen Strom ver­loren auf dem Weg von erneuer­barem Strom zu Wasser­stoff und wieder zurück. Das ist keine Tech­nolo­gie für jede Tag“. Man kön­nte auch sagen: nicht all­t­agstauglich. Er will mit grünem Wasser­stoff nur die Dunkelflaut­en über­brück­en, wobei man lei­der ein klein wenig Energie ver­liere. Die Untertrei­bung des Jahres, würde ich sagen. Wir reden hier also von Anla­gen, die wir in großer Zahl brauchen, denn son­st kom­men wir in diesel­ben Prob­leme wie mit den weni­gen Spe­ich­ern von weit­er oben. Die Leis­tung ein­er Tur­bine ist schließlich begren­zt, wir kön­nen nicht eine riesige Anlage bauen, son­dern brauchen viele davon. Und die sollen dann an den meis­ten Tagen im Jahr still­ste­hen und auf Dunkelflaut­en warten. Eine Art Not­stro­mag­gre­gat für das ganze Land. Betrieben mit dem weni­gen Wasser­stoff, den die volatile Wind­kraft aus Über­schüssen produziert.

Zugegeben, die meis­ten Gaskraftwerke lassen sich für Wasser­stoff umrüsten. Doch die meis­ten davon befind­en sich schon heute im Leis­tungs­be­trieb und pro­duzieren einen erhe­blichen Teil des benötigten Stroms. Von Reserve für Dunkelflaut­en sind sie also meilen­weit ent­fer­nt. Ein Blick in eine beliebige Woche der Ener­gy-Charts des Fraun­hofer Insti­tuts zeigt das. In der ger­ade ver­gan­genen Kalen­der­woche 30 trug Erdgas mit 945 GWh kaum weniger bei als On-Shore-Wind­kraftan­la­gen mit ihren 1170 GWh. Wir reden hier immer­hin von ein­er Woche, in der längst der Gas­not­stand aus­gerufen war und der Spar­fuchs Habeck bere­its kürz­er duschte!

Kernenergie und die „deutsche Perspektive“

Irgend­wann kommt im ZDF dann doch noch die Kernen­ergie zur Sprache. Brauchen wir nicht, meint Mau­r­er. Ja, manche Län­der in Europa sehen das anders, aber das sei eben eine Entschei­dung, die getrof­fen wer­den muss und aus der deutschen Per­spek­tive hält er Atom­kraft für langfristig schlicht zu teuer. Auch hier: keine Nach­frage, worin denn diese „deutsche Per­spek­tive“ begrün­det liegt oder wie es sein kann, dass dieses „zu teuer“ in allen Län­dern ohne diese „deutsche Per­spek­tive“ zu deut­lich bil­ligerem Strom führt. „Atom­en­ergie ist eine wahnsin­nig teure Energieform, wenn wir die neu erricht­en“, sagt Mau­r­er, was ein Schlag ins Gesicht der Ver­brauch­er ist, denen man bis zum Ende des Jahres ins­ge­samt 17 bere­its teuer errichtete und zuver­läs­sig funk­tion­ierende Kernkraftwerke weggenom­men haben wird.

Die neue „Wun­der­waffe“ Wasser­stof­fwirtschaft mit all den nur auf dem Papi­er existieren­den Spe­ich­ern und Elek­trol­y­segeräten und Win­drädern und Schif­f­en für den zu importieren­den Wasser­stoff und den Anla­gen zu sein­er Erzeu­gung in Drit­tlän­dern sind aber wohl auch nicht zum Null­tarif zu haben, selb­st wenn die Sonne und Wind keine Rech­nung schick­en, wie es immer heißt. Man kann die Kosten für Wind- und Solarstrom nicht danach berech­nen, wie die Betrieb­skosten beste­hen­der Anla­gen sind. Man muss das ganze Back­up-Sys­tem ein­beziehen, inklu­sive entwed­er ein­er Erdgaswirtschaft von Putins Gnaden oder der noch aufwändi­geren und tech­nol­o­gisch kom­pliziert­eren Wasser­stof­fwirtschaft. Auch sollte man die bish­er etwa eine Bil­lion Euro Sub­ven­tio­nen aller Art ein­berech­nen, die den Steuerzahler der Wahnsinn „deutsche Energiewende“ bere­its gekostet hat. Dem gegenüber ste­ht eine abgewick­elte und ver­teufelte Nuk­learindus­trie mit hin­ter dem Rück­en gefes­sel­ten Hän­den, der man nun vor­wirft, nicht schnell genug klatschen zu kön­nen. Nur hüpfen darf sie noch eine Weile, im Streck­be­trieb. Vielleicht.

Importland für immer

Immer­hin ist Mau­r­er in der Per­spek­tive ehrlich. Er gehe davon aus, dass Deutsch­land langfristig – wegen der ungün­sti­gen Bedin­gun­gen für Erneuer­bare (Hört, hört!) – ein Import­land für Strom und grü­nen Wasser­stoff bleiben wird. Andere Län­der in Europa sollen den Wasser­stoff für uns her­stellen und so müssen wir wohl mit dem Einzug ins grüne Energieparadies warten, bis unsere Nach­barn das gle­iche Maß an ener­getis­ch­er Nar­retei erre­icht haben wie wir. Und mehr! Denn wer selb­st eine Energiewende nach deutschem Vor­bild hin­legt – und die Moral der Wel­tret­tung (ich nenne sie gern “deutsche Per­spek­tive”) ver­langt nichts weniger als das – wird immer Nach­barn brauchen, um die Lück­en zu füllen. Wir dür­fen also wet­ten, was uns zuerst aus­ge­ht: der Strom oder die Nach­barn, die ihn uns liefern müssen.

Der näch­ste Ein­spiel­er. Ricar­da Lang bekräftigt das Nein der Grü­nen zum Wiedere­in­stieg in die Kernen­ergie. Welche Über­raschung. „Und es ist so, dass die Gaskraftwerke in Deutsch­land nur zu einem sehr kleinen Teil zur Ver­stro­mung einge­set­zt wer­den und da nur zu einem winzi­gen Teil durch die Atom­kraft erset­zt wer­den kön­nen.“ Nur noch mal zur Verdeut­lichung des „sehr kleinen Teils“, Frau Lang: in KW30 ent­fie­len auf Gas 10% der Stromerzeu­gung, in anderen Wochen waren es 16%. Ich würde 945 GWh pro Woche nicht winzig nen­nen. Es geht auch nicht darum, dass die Kernen­ergie das wom­öglich weg­fal­l­ende Gas „erset­zen“ könne. Wir ver­suchen nur ger­ade, eine weit­ere sich auftuende Lücke von 7% zu ver­mei­den, die zu unseren Prob­le­men ab dem 1.1.2023 noch hinzukom­men wird. Lang hält selb­st jet­zt noch daran fest, dass wir „ein Wärmeprob­lem und kein Strompro­b­lem“ hät­ten, allen War­nun­gen und Menetekeln zum Trotz.

Die Ver­fahren, welche zum Weit­er­be­trieb oder auch nur zum Streck­be­trieb der verbliebe­nen Kraftwerke erforder­lich sind, ord­net Mau­r­er dann kor­rekt ein, den Punkt muss man ihm lassen. Ein Detail ist hier inter­es­sant: Wie stark pressiert die bit­tere Real­ität wohl bere­its in der Branche der Erneuer­baren, wenn sich selb­st deren Vertreter nicht mehr gegen den Weit­er­be­trieb – und sei es nur Streck­be­trieb – sper­ren? Zumin­d­est jene Vertreter der Branche, die tech­nisch überblick­en kön­nen, was uns im Win­ter dro­ht. Wer bis zum Schädel­dach mit Ide­olo­gie und bunter Knete gefüllt ist wie Kem­fert, bekommt davon natür­lich nichts mit. Aber die Entschei­dung für den Weit­er­be­trieb tre­f­fen ohne­hin nicht Tech­niker wie Mau­r­er oder Ein­horn­re­i­t­erin­nen wie Kem­fert, son­dern Poli­tik­er wie Lang.

Nicht nur Gas, auch Kohle ist knapp

Noch ein Ein­spiel­er. Der deutsche Strom­mix. Hier erfährt der Zuschauer auch noch mal vom ZDF, dass der „winzige Anteil“ von Erdgas an der Stromerzeu­gung mehr als 10% beträgt. Schö­nen Gruß an Frau Lang an dieser Stelle. Ret­ten soll uns nun nicht die Kernkraft, son­dern die Steinkohle. Abgeschal­tete Kraftwerke wie das in Mehrum gehen ger­ade wieder in Betrieb. Mit der Steinkohle ist es aber so eine Sache, denn die importierten wie zu einem großen Teil ja auch aus Rus­s­land, was ab August wegen der EU-Sank­tio­nen nicht mehr erlaubt ist. Kohle per Schiff aus Kolumbi­en oder Aus­tralien zu holen, stößt auf diesel­ben Eng­pässe wie der Import von Flüs­sig­gas: es gibt zumin­d­est kurzfristig wed­er die Tanker noch die Frachter, um unseren gestiege­nen Bedarf herbeizuschaffen.

Und jet­zt wird’s lustig: das ZDF und Ricar­da Lang haben in ihren Strom-Wärme-Betra­ch­tun­gen näm­lich die Indus­trie vergessen! Greifen wir uns mit der Zuck­erindus­trie nur mal einen winzi­gen Teil davon her­aus, um das Prob­lem zu verdeut­lichen. Die deutschen Zuck­er­fab­riken brauchen viel Energie in Form von Prozess­wärme und Strom. Bei­des erzeu­gen sie in der Regel selb­st, und zwar entwed­er mit Gas wie in mein­er Nach­barschaft oder mit Steinkohle, wie zum Beispiel in Uelzen. Die Rüben­ernte-Kam­pagne begin­nt im Okto­ber und läuft bis in den Feb­ru­ar, dum­mer­weise genau in der Zeit also, für die wir Eng­pässe bei der Gasver­sorgung erwarten und bei der Kohlever­sorgung nun eben­falls. Wo die deutsche Kartof­fel mit gutem habeck’schen Beispiel voran geht, wird wohl auch die Zuck­er­rübe kürz­er duschen müssen.

Das ist sich­er nur ein kleines Beispiel, aber es find­et sich generell nichts von solchen erwart­baren Prob­le­men im Beitrag. Stattdessen bestre­it­et Mau­r­er, dass es prob­lema­tisch sein könne, dass sich Deutsch­land niemals zur Gänze selb­st mit Energie ver­sor­gen kön­nen wird. Wir importierten doch schon jet­zt den größten Teil unser­er Energie, etwa als Öl und Gas, um unsere Fahrzeuge zu betreiben! Das ist richtig, aber er ver­giss, dass es dabei ja nicht bleiben soll. Ab 2035 keine Ver­bren­ner mehr bedeutet, dass der Verkehrssek­tor noch oben drauf kom­men soll auf die dür­ren Schul­tern der Erneuer­baren, die den Berg an Ver­brauch­ern jet­zt schon nicht tra­gen können.

Fazit

Eine Gesamt­be­tra­ch­tung der ver­fahre­nen Lage find­et also auch im ZDF nichts statt. Mau­r­er glaubt, der europäis­che Bin­nen­markt sei kün­ftig die Lösung für unsere Energieprob­leme, dabei ret­tet uns der europäis­che Net­zver­bund doch heute schon den Hals. Und das auch nur durch sta­bile Ein­speisun­gen aus Frankre­ich, Nor­we­gen, Polen oder Öster­re­ich. Ich glaube nicht, dass diese fak­ten­schwache ZDF-Sendung auch nur einen Skep­tik­er von der Sta­bil­ität unser­er Energiev­er­sorgung überzeugt hat oder einen einzi­gen Prep­per überre­den kon­nte, sein Not­stro­mag­gre­gat zu verkaufen. Die Ein­seit­igkeit der „Experten“ ist zwar wenig über­raschend, aber dafür umso deutlicher.

Selb­st angesichts ener­getis­ch­er Not­fälle schafft man es beim ZDF nicht, mit den Experten für Kernen­ergie zu reden. Wie seit Jahren wird nur über die Kernen­ergie gere­det und ver­fügt. Noch dazu mit irrsin­ni­gen Aus­sagen und Unter­stel­lun­gen. Doch der Streck­be­trieb kann die Gasver­stro­mung nicht erset­zten, Herr Lind­ner! Das schafft ja nicht mal der aktuelle Leis­tungs­be­trieb. Ein Black­out wird jedoch wahrschein­lich­er, weil ein sta­bil­er und grund­last­fähiger Energieerzeuger weg­fall­en wird. Die Frage „Black­out oder nicht?“ entschei­det sich aber in Zehn­tel­prozen­ten. Die weg­fal­l­en­den 7–10% der verbliebe­nen Kernkraftwerke kön­nten also der Tropfen sein, der am Ende fehlt.

Dem Ernst der Lage wird die ZDF-Sendung jeden­falls nicht gerecht. Zu ein­seit­ig, zu wenig Debat­te, zu viel Energiewende-Voodoo, zu schlampig die Recherche. Man hört die lück­en­haften ide­ol­o­gis­chen Argu­mente und fühlt sich stets in der Grundskep­sis gegenüber ARD und ZDF bestätigt, die in jed­er Frage immer vom Stand­punkt der Macht aus agieren. Egal ob es um Coro­na, Mei­n­ungs­frei­heit, Migra­tion oder Energiepoli­tik geht. Man spürt die Absicht und ist entschlossen, diesen Nasen über­haupt nichts mehr zu glauben.

Stellt sich noch die Frage, ob uns im Win­ter tat­säch­lich das Gas aus­ge­ht, weil Putin es ganz abdreht. Mein­er Mei­n­ung nach wird etwas anderes passieren. Es ist kein Zufall, dass jet­zt, im Som­mer, die Über­tra­gung in Nord­stream 1 auf nur 20% gedrosselt wurde. Tur­binen und Embar­gos hin oder her, im Som­mer füllt Deutsch­land üblicher­weise seine Spe­ich­er und das soll es aus Putins Sicht nicht. Im Herb­st wird man sich­er irgend­wo eine Tur­bine find­en, im Win­ter vielle­icht noch eine bei „Bares für Rares“ kaufen und die Gas­menge wird wieder steigen. Aber immer nur so viel, dass es ger­ade eben reicht.

Durch unsere Panik und die selb­stver­schuldete Unsicher­heit, die sich im Falle eines Liefer­aus­falls jed­erzeit in Rich­tung akute Not­lage steigern ließe, hat er uns buch­stäblich – entschuldigen Sie meine Aus­druck­sweise – an den Eiern. Zum Dirigieren reicht schon leichter, angedeuteter Druck. Er würde ja loslassen. Dazu müssten wir nur Nord­stream 2 in Betrieb nehmen und uns damit offen gegen die EU und die Vere­inigten Staat­en stellen.

Nein, abstellen wird Putin uns das Gas wohl nicht. Im Gegen­satz zur EU hat er begrif­f­en, dass Sank­tio­nen nur solange wirken, bis man sie tat­säch­lich umset­zt. Er beobachtet wohl mit ein­er gewis­sen Genug­tu­ung den aufgescheucht­en Hüh­n­er­haufen deutsch­er Poli­tik, die ger­ade dabei ist, die let­zten drei Glüh­bir­nen aus den Fas­sun­gen zu schrauben und gle­ichzeit­ig Angst vor der Dunkel­heit hat, weil Putin jed­erzeit die Tür zum Hüh­n­er­stall zuschla­gen kön­nte. Für Putin ist es nüt­zlich­er, dass Deutsch­land vor Angst zit­tert, statt vor Kälte.

Und auch Christoph Mau­r­er bekommt noch einen Extra­punkt, weil er prophezeit, dass unsere Energiekosten mit­tel­fristig steigen wer­den. Das tun sie ja bere­its lang- und kurzfristig, wom­it der Reigen dann kom­plett wäre. Ver­mut­lich steigen sie ab Jan­u­ar vor allem deshalb, weil wir dann keines der Kernkraftwerke mehr haben, die den Strompreis in die Höhe treiben, wie uns die Langs, Kem­ferts und Mau­r­ers glauben machen wollen. Aber das ist wohl doch nur ihre, die deutsche Perspektive.

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3 Kommentare

  1. ARD und ZDF sind ein­fach Regierungs­fernse­hen, also Ver­laut­barun­gen der Deutsch­land regieren­den Parteien. Wer anderes erwartet, wird schw­er ent­täuscht. Genau­so wie mit BILD. Warum liest ein intel­li­gen­ter Men­sch BILD? Weil er wis­sen will, was das Volk glauben soll. Man kann doch in ein­er Massendemokratie nicht erwarten, dass sich die Herrschen­den die ein­ma­lige Chance ent­ge­hen lassen, das Volk über die Massen-Medi­en zu indok­trinieren, oder? Aus­ge­wogen­heit, Über­parteilichkeit und ähn­liche Floskeln dienen nur der Täuschung. Und der Clou ist, dass die „Bürg­er“ ihre Indok­tri­na­tion auch noch bezahlen müssen — unab­hängig davon ob sie diese „kon­sum­ieren“. Ein wahrhaft per­fek­tes Sys­tem. An dem sich in den let­zten 2000 Jahren wenig geän­dert hat. Bis auf die Technik.

  2. Stimmt! Für Rus­s­land ist es am strate­gisch Sin­nvoll­sten, die Liefer­menge ein­fach nur knapp zu hal­ten, damit bei uns alles schön teuer wird. Und für unsere Eliten ist es auch am Besten, weil sie einen Sün­den­bock für den wirtschaftlichen Nieder­gang haben. Damit gewin­nen alle. Und der Wäh­ler ist auch begeis­tert und wird die Leute auch weit­er­hin an der Urne bestäti­gen. Alle gewinnen!

  3. “Man spürt die Absicht und ist entschlossen, diesen Nasen über­haupt nichts mehr zu glauben.”

    Ich spüre das deut­lich bere­its seit Ukraine 2014, dann “Flüchtlinge“flut, dann Coro­na und Grundrechte-Streichungen.
    Ergo: ich glaube denen seit 2014 nichts mehr (und zuvor schon wenig).

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