Ich lege auf. Das war eben eines der Tele­fo­na­te, wie ich es in den letz­ten Jah­ren immer mal wie­der führ­te, aller­dings ging es anders aus als gewöhn­lich. Gewöhn­lich pas­sier­te etwa fol­gen­des: Der Chef eines klei­nen Hand­werks­be­trie­bes mel­det sich bei mir, er habe beschlos­sen, jetzt end­lich und nach Jah­ren doch mal eine pro­fes­sio­nel­le Web­sei­te haben zu wol­len. Damals, so der Chef, also vor gefühlt 15 Jah­ren, hät­te der Nef­fe des Schwa­gers einen Nerd zum Freund gehabt und der hät­te da mal was gemacht, aber der sei längst nach Kana­da aus­ge­wan­dert und nun wis­se im Grun­de nie­mand mehr, was und wo und wie. Wie der Name der Domain lau­tet ist noch schnell geklärt, wo sie gehos­tet ist und wie die Zugangs­da­ten beim Pro­vi­der lau­ten weiß der Hand­wer­ker nicht. Für sol­chen Schnick­schnack habe er sich nie inter­es­siert. Ein schnel­ler Blick in die Daten­bank des deut­schen Domain-Regis­ters bei denic.de erbrach­te aber schnell Klar­heit über C‑Admin und Pro­vi­der und dem Hand­wer­ker konn­te schnell gehol­fen wer­den. Wie gesagt, so war es „gewöhn­lich“.

Oh EU, du mein Schilda!

Doch die DSGVO hat auch bei der denic zuge­schla­gen. Um den Eigen­tü­mer und den Hos­ter einer de-Domain her­aus­zu­fin­den, muss man nun ein For­mu­lar aus­fül­len, unter­schrei­ben und per Brief oder Fax sein Begeh­ren an die denic sen­den. Erfolg des Aus­kunft­be­geh­rens: ungewiss!

Ein gera­de­zu stein­zeit­li­cher Pro­zess, der sich natür­lich nicht inner­halb eines Tele­fo­nats abwi­ckeln lässt. Mei­ne Mail mit der Fra­ge, ob der Domain­in­ha­ber vor Aus­kunfter­tei­lung sei­tens der denic sei­ne Ein­wil­li­gung zur Wei­ter­ga­be der Domain­in­haber­da­ten geben muss und ob dies womög­lich auch schrift­lich erfol­gen muss, lies die denic bis­lang unbe­ant­wor­tet. Gute Nacht, EU, viel Erfolg bei dei­ner „Digi­ta­li­sie­rungs­of­fen­si­ve“, Deutsch­land. Der letz­te macht das Licht aus und schal­tet die DNS-Ser­ver ab!

 

PS: Eine Abfra­ge mit­tels Whois-Funk­ti­on auf Kom­man­do­zei­len­ebe­ne bringt außer Copy­right-Tex­ten zwar noch den zustän­di­gen Name­ser­ver zu Tage, aber aus die­sem kann man nicht immer auf den Pro­vi­der schlie­ßen. Auf den Eigen­tü­mer der Domain schon gar nicht.

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8 Kommentare

  1. Leckt mich, Bun­des­ar­xxxlöx­xer, ich mach mei­nen Hand­werks­be­trieb nach 25 Jah­ren ein­fach zu. Ich habe kei­ne Lust mehr, mich Tag um Tag mehr von den Dep­pen im Kanzler*innenamt ver­ar­schen zu las­sen. Mei­nen Kun­den wün­sche ich eine gute Nacht, der letz­te macht bekannt­lich das Licht aus.

    • Guter Tipp. Ist natür­lich gewis­ser­ma­ßen ein Back­door, denn die denic ist nicht mehr so groß­zü­gig mit Aus­künf­ten. Anga­ben zum C‑Admin bekommt man indes nicht. Man ver­glei­che mit einer belie­bi­gen com-Domain alldort.

  2. Hat der Mann eine Buch­hal­tung oder schmeißt er Bele­ge über 2,34 Euro jähr­lich weg?

    Wenn das Impres­sum nicht ein­mal eine akti­ve E‑Mail-Adres­se ent­hält, dann gute Nacht!

  3. Die Hand­wer­ker „Son­nen­Sta­at­Land” dür­fen nicht erkannt wer­den! Die­se arbei­ten mit SteuerGeldern 😉
    Wer „jemand” ent­tar­nen darf, bestim­men WIR, die die über die HERRSCHAFT des Gel­des verfügen.

  4. Das ist ja mal interessant:

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Spanien-App-der-Fussball-Liga-sucht-uebers-Mikro-unlizenzierte-Uebertragungen-4075636.html

    Da hat die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung doch ans Tages­licht gebracht, dass es eine weit ver­brei­te­te App gibt, die das Mikro akti­viert und die Umge­bung eines Mobil­te­le­fons akkus­tisch auf „unli­zen­zier­te Über­tra­gun­gen” der WM-Spie­le über­wacht. Bzw, die GPS-getag­ten Ton­da­ten nach Hau­se schickt, wo die­se aus­ge­wer­tet wer­den. zur Redu­zie­rung der dafür not­wen­di­gen Band­brei­te und Rechen­ka­pa­zi­tät wird das Signal so weit run­ter­kom­pri­miert wer­den, dass man nur noch grob die Fre­quen­zen und die Laut­stär­ke erkennt, und dann von ner AI auf die Mus­ter ana­ly­siert wer­den, die bei einer Über­tra­gung zu hören wären. Aller­dings ist das eine sich aus der not­wen­di­gen Rechen­ka­pa­zi­tät erge­ben­de tech­ni­sche Not­wen­dig­keit, und es hät­te nur Nach­tei­le, wür­de man mehr ver­ste­hen kön­nen. Sofern man das will, könn­te man aber auch eine Wan­ze imple­men­tie­ren, und die­se den Leu­ten unterjubeln.

    Inter­es­sant. Nicht, dass ich die Daten­schutz­ver­ord­nung befür­wor­ten möch­te. Ich bin gegen bevor­mun­den­de Geset­ze jeder Art, und hal­te Not­wehr für wich­ti­ger, als Poli­zei. Aller­dings ergibt sich die Fra­ge, was pas­sie­ren soll, wenn sich die Bevöl­ke­rung wei­gert, von ihrem Recht zur Not­wehr gebrauch zu machen, wie dies, nicht zuletzt, in der digi­ta­len Welt geschieht.

  5. Gnihi. Jaja, so ist das mit einer Gesetz­ge­bung, die för­dert, indem sie behin­dert. Ob ein unge­ahn­ter Neben­ef­fekt die­ser För­de­rung sein wird, dass mehr Men­schen auf eine .oni­on Adres­se umstei­gen? Im Grun­de hät­te das nur Vor­tei­le. .oni­on Adres­sen sind kos­ten­los, siche­rer als ssl, ver­trau­ens­wür­di­ger als ssl, sind ein­fa­cher ein­zu­rich­ten als ssl, und sie sind daten­schutz­kom­pa­ti­bel und zen­sur­re­sis­tent, und sie schüt­zen zudem vor Abmah­nun­gen und Rechts­strei­tig­kei­ten, wenn man auf das Impres­sum verzichtet.

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