Das Vor­ur­teil, die Grü­nen von heu­te sei­en im Grun­de nichts ande­res mehr als eine wohl­stän­di­ge urba­ne Eli­te mit Hang zur Bes­ser­wis­se­rei und Volks­er­zie­hung und wür­de sich vor­wie­gend aus Ver­wal­tung und Cam­pus rekru­tie­ren (also aus staats­ab­hän­gi­ger Beschäf­ti­gung und einer aka­de­mi­schen Eli­te, die auf dem regu­lä­ren Arbeits­markt nie tätig war), hat mitt­ler­wei­le eini­ge Mühe, nur als Vor­ur­teil zu gel­ten. Der Ver­such der grü­nen Spit­zen­kraft Baer­bock, sich mit frag­wür­di­gen aka­de­mi­schen Meri­ten bei poten­zi­el­len Wäh­lern als „eine von uns“ dar­zu­stel­len, spricht Bän­de. Die Grü­nen sind eben in Gän­ze nicht „Schwei­ne, Hüh­ner, Kühe mel­ken“, son­dern defi­nie­ren sich heu­te eher „vom Völ­ker­recht her“, wes­halb fast allen grü­nen Poli­tik­fel­der im Zusam­men­wir­ken nichts ande­res als ein Fron­tal­an­griff auf den soge­nann­ten „länd­li­chen Raum“ sind.

Der Pro­gramm­ent­wurf der Grü­nen ist noch im Ent­wurfs­sta­di­um und dies darf noch als Aus­re­de dafür gel­ten, dass medi­al nur wenig Rei­bung dar­an statt­fin­det. Dass der Par­tei­tag vom 11.–13.6. aber die gro­ßen Lini­en ändern wird, darf als aus­ge­schlos­sen gelten.

Anna­le­na Baer­bock stol­pert unter­des­sen durch die deut­schen Medi­en und hin­ter­lässt dort nicht nur Spott und pein­li­che Zita­te, son­dern zeigt auch immer wie­der die Peit­sche, mit der die Grü­nen nach gewon­ne­ner Wahl zur Züch­ti­gung des CO2 emit­tie­ren­den Lan­des schrei­ten wol­len – natür­lich nur zu unser aller Wohl und auf unse­ren aus­drück­li­chen Wunsch! Schließ­lich heißt es schon im ers­ten Satz des mit „Eine Ein­la­dung“ über­schrie­be­nen Programmentwurfs:

„…durch Wah­len ent­schei­det eine Gesell­schaft, wer sie sein will.“

Da wür­de ich doch vor der Wahl gern noch das „Safe­word“ erfah­ren. Aber kon­zen­trie­ren wir uns auf die Plä­ne, die die Grü­nen für den „länd­li­chen Raum“ haben, die in mei­nen Augen in der Kon­se­quenz die geball­te Ver­ach­tung für alles zei­gen, was an Lebens­ent­wür­fen und Rea­li­tä­ten jen­seits der Städ­te exis­tiert. Dabei klafft eine gro­ße Lücke zwi­schen Gesag­tem und Gemein­tem, denn näh­me man das schrift­lich dar­ge­leg­te für bare Mün­ze, müss­ten vom öko­be­weg­ten Lang­zeit­stu­den­ten auf Gen­der-Lehr­amt bis zum die­sel­fah­ren­den und Fleisch aus Mas­sen­tier­hal­tung essen­den Arbei­ter im Braun­koh­le­ta­ge­bau alle zu den Gewin­nern grü­ner Poli­tik zäh­len – was defi­ni­tiv nicht der Fall ist. Wer Par­tei­pro­gram­me lesen kann, der kennt natür­lich die Nei­gung, allen alles zu ver­spre­chen – den einen glän­zen­den Geschäf­te und Sub­ven­tio­nen und dem ande­ren eben „learn to code“.

Viel­leicht funk­tio­niert die­se grü­ne Ver­spre­chen­s­or­gie in der Stadt, ich weiß es nicht. Auf dem Land reicht der Blick aber viel­leicht etwas wei­ter und wenn bei­spiels­wei­se dem Schwei­ne­züch­ter die Erwei­te­rung sei­ner Stäl­le und der idyl­li­schen Orts­rand­la­ge bes­se­re Luft ver­spro­chen wür­de, wider­sprä­che sich das eben sehr offen­sicht­lich und man ver­scherzt es sich am Ende mit bei­den Wählergruppen.

Angriff an drei Fronten

Min­des­tens drei The­men­fel­der sind es, die eng mit­ein­an­der ver­zahnt sind und im grü­nen Krieg gegen die Rea­li­tät des „länd­li­chen Raums“ eine wich­ti­ge Rol­le spie­len: Land­wirt­schaft, Woh­nen und Mobi­li­tät. Den durch­schnitt­li­chen Land­wirt neh­men die Grü­nen ohne­hin fast nur noch als Fein­staub­schleu­der, Nitrat­quel­le, Gift­mi­scher und Zer­stö­rer der Bio­di­ver­si­tät wahr. Beklagt wer­den sei­ne Mono­kul­tu­ren, ver­spro­chen wer­den ihm im Pro­gramm­ent­wurf „viel­fäl­ti­ge Frucht­fol­gen und die Nut­zung robus­ter Arten“, ganz so, als hät­ten die Grü­nen gera­de die Drei­fel­der­wirt­schaft erfun­den. Man tut so, als wäre all dies nicht schon seit Jahr­hun­der­ten Pra­xis und die Land­wirt­schaft irgend­wann bei der Erfin­dung des Pflugs in ihrer Kru­me ste­cken geblie­ben. Ein erheb­li­cher Teil der Mono­kul­tur auf unse­ren Fel­dern besteht übri­gens aus der Ener­gie­pflan­ze Mais, wel­che aus­ge­rech­net jene Bio­gas­an­la­gen benö­ti­gen, mit denen unse­re künf­ti­ge Kanz­le­rin Baer­bock die Grund­last im Netz abde­cken möch­te, wie sie erst neu­lich bei Maisch­ber­ger erklär­te. Beim Pokern wür­de ich jetzt mei­nen Ein­satz ver­dop­peln und sagen “ich will sehen”.

Eine wei­te­re ihrer Mono­kul­tu­ren möch­ten die Grü­nen sogar noch aus­wei­ten, „Pho­to­vol­ta­ik in die Flä­che brin­gen“ heißt es da. Also nicht nur auf jedes Dach (und die mei­nen wirk­lich jedes Dach, lesen Sie das Pro­gramm), son­dern auch „…neben Auto­bah­nen und Schie­nen auf ver­sie­gel­ten Flä­chen, etwa über Park­plät­zen und Bra­chen und auf Kon­ver­si­ons oder Berg­bau­flä­chen […] nicht auf wert­vol­lem Ackerland.“

Ver­ges­sen wir mal die Park­plät­ze, sonst muss ich sofort lachen. Aber neben Auto­bah­nen und Schie­nen, auf Bra­chen und ehe­ma­li­gen Berg­bau­flä­chen befin­den sich meist natur­be­las­se­ne oder sogar rena­tu­rier­te Flä­chen. Wenn man denen mit einem Solar­dach das Regen­was­ser abgräbt, ist das viel­leicht kei­ne so gute Idee für Arten­viel­falt und beson­ders die Insek­ten, deren Ret­tung uns die Grü­nen doch stets ans Herz legen. Bis­lang gehör­te Acker­land auch nicht gera­de zu den „wert­vol­le Flä­chen“ für Grü­ne, son­dern eben die­se Bra­chen, auf denen die Natur nach Gus­to wal­ten kann. Mit einem Dach dar­über, das Licht und Was­ser abhält, wird das nichts wer­den. Wie “wert­voll” Acker­land für die Grü­nen tat­säch­lich ist, zeigt sich an den Plä­nen zum Aus­bau der Windenergie.

„Beim Wind­aus­bau gilt es den Kon­flikt mit Natur- und Arten­schutz zu mini­mie­ren, Anwohner*innen zu schüt­zen und die Ver­fah­ren zur Geneh­mi­gung zu beschleu­ni­gen. […] exzes­si­ve Min­dest­ab­stän­de zu Sied­lun­gen, müs­sen der Ver­gan­gen­heit angehören.“ 

Man kann den Kon­flikt mit Natur- und Arten­schutz aber nur mini­mie­ren, wenn man die Anzahl der Wind­kraft­an­la­gen ver­rin­gert, statt sie zu erhö­hen. Fle­der­mäu­se, Vögel und Insek­ten wer­den sich schlicht nicht an die Anla­gen „gewöh­nen“, son­dern von den Anla­gen in Stü­cke geris­sen. Mehr Anla­gen, mehr Stü­cke, weni­ger Arten­schutz. Solan­ge, bis nichts mehr in Stü­cke geris­sen wer­den kann. Von der Boden­ver­sie­ge­lung der tau­sen­de Ton­nen wie­gen­den Fun­da­men­te reden wir hier erst gar nicht.

Auch der Schutz der Anwoh­ner und die Beschleu­ni­gung der Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren sind unver­ein­ba­re Gegen­sät­ze, weil die Anla­gen eben gera­de nicht im Inter­es­se der Anwoh­ner errich­tet wer­den. Die Benut­zung des Adjek­tivs „exzes­siv“ ist in Zei­ten von „Abstand hal­ten“ gera­de­zu eine Unver­schämt­heit. Zumal die Anla­gen nicht den Städ­ten, son­dern stets den Dör­fern immer dich­ter auf die Pel­le rücken. So ver­wan­delt man immer mehr Acker­flä­che in Indus­trie­ge­bie­te, in denen der Strom pro­du­ziert wer­den soll (sei es nun mit Mais, Pho­to­vol­ta­ik oder durch Wind), der in den Städ­ten gebraucht wird.

Was Woh­nen und Mobi­li­tät angeht, muss man die geplan­ten grü­nen Grau­sam­kei­ten im Zusam­men­spiel betrach­ten. Es ist ja kein Geheim­nis, dass das Eigen­heim nicht gera­de ein grü­nes Lieb­lings­pro­jekt ist. Der Flä­chen­ver­brauch sei zu hoch sagen aus­ge­rech­net jene, die zur Errich­tung von Wind­parks gro­ße Wald­flä­chen ver­brau­chen. Dass das Ein­fa­mi­li­en­haus sich den­noch immer noch gro­ßer Beliebt­heit erfreut, liegt sicher nicht an den nicht ganz bol­zen­fes­ten Eigen­tums­rech­ten, den Bau­kos­ten und den Bau­vor­schrif­ten hier­zu­lan­de. Es muss also etwas mit der Lebens­qua­li­tät und dem Wunsch zu tun haben, sein Leben ganz gene­rell selbst­be­stimm­ter, frei­er und in gewis­sem Abstand zu ande­ren Men­schen (zum eige­nen und zu des­sen Nut­zen) zu gestal­ten. Dass der Staat dabei so wenig mit­zu­re­den hat wie bei kei­ner ande­ren Wohn­form, ist den Grü­nen ein Dorn im Auge. Doch man ist ja nicht dumm, man baut dem Wäh­ler Gedan­ken­brü­cken, die nur lei­der nicht sehr trag­fä­hig sind:

„Das Auto ist für vie­le Men­schen im länd­li­chen Raum unver­zicht­bar und gera­de für vie­le Fami­li­en im länd­li­chen Raum kaum weg­zu­den­ken. Dort set­zen wir des­halb an ers­ter Stel­le auf die Chan­cen der Antriebs­wen­de. Das E‑Auto ist ins­be­son­de­re im Paket mit Solar­an­la­gen auf dem Dach, einem Strom­spei­cher im Kel­ler und einer Wall­box in der Gara­ge eine zukunfts­fä­hi­ge Lösung, die wir gera­de im länd­li­chen Raum aus­bau­en wollen.“

Klingt gut, oder? Das Auto ist geret­tet! Natür­lich nicht in der Stadt, denn da ist es ja ver­zicht­bar. Für alle mei­ne Leser, die nicht auf dem Dorf, son­dern in der Stadt leben, haben die Grü­nen ande­res im Sinn: „Auto­no­mes Fah­ren, ver­netz­te Mobi­li­täts­an­ge­bo­te, nut­zen statt besitzen.“

Aber auch auf dem Land gibt es bald nur noch das E‑Auto. Immer­hin: Solar auf dem Dach, Spei­cher im Keller…der Rea­lis­mus hält Ein­zug in grü­ne Poli­tik. Man weiß sehr wohl, dass das Netz nicht der Spei­cher ist und dass die beschwo­re­ne „Antriebs­wen­de“ zum E‑Auto nicht in der Mas­se funk­tio­niert. Man möch­te für die Ener­gie­ver­sor­gung der Elek­tro­au­tos auf dem Land auf halb­au­to­no­me Lösun­gen set­zen, weil man ganz genau weiß, dass die Net­ze – egal in wel­cher Aus­bau­stu­fe – es nicht ver­kraf­ten wür­den, wenn zwi­schen 18 Uhr und 6 Uhr Mil­lio­nen Elek­tro­au­tos ihre Bat­te­rien auf­la­den. Die­se Insel­lö­sun­gen sind nicht belie­big ska­lier­bar, die Lade­leis­tung schwankt mit dem Wet­ter, die Kos­ten sind hoch und da ist ja noch ein ande­rer Kampf­be­griff (um nicht zu sagen Kem­fert­be­griff) der Grü­nen Welt­ret­ter: die Sek­tor­kopp­lung. Für der Kopp­lung von Strom­ver­sor­gung und Ver­kehr bedeu­tet dies zum Bei­spiel, dass der gela­de­ne Akku im Auto im Bedarfs­fall auch Ener­gie ins Netz spei­sen muss. Pech hat, wer dann gera­de los­fah­ren will. Auto, Smart­me­ter und Ale­xa sagen dann viel­leicht „es gibt wich­ti­ge­res, übe Ener­gie­so­li­da­ri­tät, bleib im Homeoffice!“.

Bes­ser wäre es also, und das ist das eigent­li­che Ziel der Grü­nen, wenn man auf indi­vi­du­el­le Mobi­li­tät gleich ganz ver­zich­tet und auf den ÖPNV umsteigt. Das Par­tei­pro­gramm ist voll von dies­be­züg­li­chen Ankün­di­gun­gen neu­er Seg­nun­gen, gera­de für den länd­li­chen Raum. Glaub­haft ist davon wenig, weil viel zu teu­er. Zum Bei­spiel, wenn die Reak­ti­vie­rung still­ge­leg­ter (und teil­wei­se seit Jahr­zehn­ten abge­ris­se­ner) Bahn­stre­cken ver­spro­chen wird. Allein die Pla­nung wür­de Jahr­zehn­te dau­ern und käme zur ange­peil­ten Welt­ret­tung bis 2040 sicher zu spät.

„Wir wol­len den Wech­sel zu Fahr­rad, Bus und Bahn für alle mög­lich machen und auch finan­zi­ell för­dern. Des­halb wol­len wir mit dem Mobil­pass auch attrak­ti­ve Tari­fe und Sozi­al­ta­ri­fe för­dern. Ein Haus­halt, der sein Auto dau­er­haft abmel­det, soll zudem für ein Jahr eine Mobi­li­täts­prä­mie für die Nut­zung umwelt­freund­li­cher Ver­kehrs­mit­tel bekommen.“

Die aus­ge­lob­te Mobi­li­täts­prä­mie ist nichts ande­res als die För­de­rung der Land­flucht jener, die sich die teu­re neue Elek­tro­mo­bi­li­tät und den Sanie­rungs­zwang für Immo­bi­li­en nicht mehr leis­ten kön­nen. In der Stadt näh­me sie die Abschaf­fung indi­vi­du­el­ler Autos per Zwang vor­weg. Denn nur in der Stadt macht es über­haupt Sinn, ganz auf das Auto zu ver­zich­ten und wer im fünf­ten Stock in einer sub­ven­tio­nier­ten Sozi­al­woh­nung lebt, für den sind Ladein­fra­struk­tur, Wall­box und Strom­spei­cher im Kel­ler ohne­hin Kokolores.

Man aner­kennt also die Not­wen­dig­keit des Autos auf dem Land, möch­te des­sen Nut­zung per­spek­ti­visch aber so teu­er und exklu­siv wie nur mög­lich machen, damit es die Men­schen zurück in die Städ­te zieht, wo es ÖPNV gibt. Der grü­ne All­tags­held fährt dort selbst­ver­ständ­lich ohne­hin nur Fahr­rad. Das mag auch jeder machen, der dies will. Aber er soll­te es schon frei­wil­lig wol­len sollen.

Die an den Schrauben drehen

Das Wort Markt­wirt­schaft kommt im grü­nen Pro­gramm­ent­wurf auf 137 Sei­ten gan­ze sechs­mal vor. Geht man mal mit dem Taschen­rech­ner durch den Text, fragt man sich natür­lich, wo all das Geld her­kom­men soll, das unse­re künf­ti­ge grü­ne Kanz­le­rin in ihrer Phan­ta­sie schon mit vol­len Hän­den aus­ge­ge­ben hat. Besteu­ern, umver­tei­len, för­dern, dann noch mehr umver­tei­len und besteu­ern, um mehr för­dern zu kön­nen. Bes­tes Bei­spiel ist die gera­de in Vor­schlag gebrach­te Erhö­hung der Ben­zin­prei­se um 16 Cent, mit der Baer­bock durch die Medi­en tingelte.

War­um gera­de 16 Cent? Viel­leicht hat irgend­ein Kobold das alles aus­ge­rech­net? Viel­leicht klin­gen in ihren Ohren Liter­prei­se von 1,80 Euro nach Hap­py Hour? Viel­leicht ist ihr auch ein­fach egal, wie die Kran­ken­schwes­ter, der Paket­bo­te oder die Bus­fah­re­rin zur Arbeit kommt. Doch auch für das ener­gie­ar­me Pre­ka­ri­at dafür haben die Grü­nen eine pas­sen­de Umver­tei­lungs­ant­wort: das Ener­gie­geld! 75 Euro pro Kopf und Jahr sol­len es sein, die „betrof­fe­ne Fami­li­en“ als Seg­nung aus der Grü­nen Umver­tei­lungs­ma­schi­ne erhal­ten sol­len. Ein schlech­ter Witz ange­sichts der bevor­ste­hen­den Mehr­kos­ten. Ich bezweif­le auch, dass erst eine Bahn­stre­cke bis hin­ter jede Fich­te gebaut wird, bevor Frau Baer­bock die Ben­zin­prei­se anhe­ben las­sen wür­de, um dem Umstieg auf ÖPNV Nach­druck zu ver­lei­hen. Der Preis­druck hat kei­ne steu­ern­de Wir­kung, wenn die Alter­na­ti­ven zum Auto schlicht feh­len. Zudem darf man anneh­men, dass für die Prü­fung der „Betrof­fen­heit“ eine umfang­rei­che Ver­wal­tungs­ma­schi­ne aufs Gleis gesetzt wer­den wird, die ihrer­seits wie­der Ener­gie (und vor allem viel Geld) verbraucht.

Und so soll mit der indi­vi­du­el­len Mobi­li­täts­ent­schei­dung der nächs­te Lebens­be­reich staat­li­cher Kon­trol­le über­stellt wer­den – zumin­dest für jene, die von explo­die­ren­den Prei­sen und der Ver­kom­pli­zie­rung ihres Lebens betrof­fen sind, weil sie nicht über ein gut dotier­tes poli­ti­sches Man­dat ver­fü­gen und über die Höhe von Weih­nachts­geld und Boni selbst bestim­men kön­nen und ohne zu über­le­gen für all die gefor­der­ten Aus­gleichs­zah­lun­gen, Ablass­zet­tel, Schwei­ge­gel­der und Zer­ti­fi­ka­te ble­chen zu kön­nen. So wie Anna­le­na Baer­bock selbst, die zwar gern grillt, aber dann natür­lich nur “Grill­koh­le mit Zer­ti­fi­kat” ver­wen­det (hier ab Minu­te 21:05).

Unter dem Strich wür­de sich grü­ne Poli­tik für länd­li­che Gegen­den als beson­ders ver­hee­rend und ein­schnei­dend erwei­sen, weil man dort weder auf die Seg­nun­gen des ÖPNV auf dem Niveau einer Stadt noch an ein auto­frei­es Para­dies oder des­sen elek­tri­sche Ablei­tung hof­fen kann. Auch weil man dort in Ein­fa­mi­li­en­häu­sern wohnt, weil man es eben so will und für die­se Frei­heit auch län­ge­re Wege zur Arbeit in Kauf nimmt, die sich am Ende oft nicht als zeit­auf­wän­di­ger erwei­sen als eine Bus-und-Bahn-Odys­see durch Han­no­ver oder Ber­lin. Nie­mand braucht hier auf dem Land die Grü­nen, schon weil man hier bereits seit Jahr­hun­der­ten die Äcker mit wech­seln­den Frucht­fol­gen bestellt, ohne dass dies je in einem grü­nen Par­tei­pro­gramm als der ganz neue hei­ße Scheiß ver­kün­det wer­den musste.

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19 Kommentare

    • OK, ein biß­chen detail­liert: Kühe nach Brüs­sel, Schwei­ne ins Par­la­ment (Geor­ge Orwell, Die Farm der Tie­re), Hüh­ner in die DAX Vor­stän­de, Ener­gie aus dem Müsli-Riegel

  1. War­um hat man wohl Bahn­stre­cken stillgelegt?
    Weil sie kei­ner braucht!
    Ich per­sön­lich has­se es, in einem Zug zu fah­ren, ande­re Men­schen neben mir spü­ren zu müssen…die Eisen­bahn ist das 19. Jahr­hun­dert, ist der Traum vom Kol­lek­ti­vis­mus, ist das Gegen­teil der Frei­heit, die wir im Auto­mo­bil verspüren…
    Ist es bloß Zufall, dass die Deut­sche Bahn einen ihrer “ICE” genann­ten Bum­mel­zü­ge nach dem Kul­turm­ar­xis­ten Theo­dor “W” Ador­no benannte?
    Ich den­ke, nicht…

    • Gut geschrie­ben , Vor allem was nützt mir die Bahn wenn deren Hal­te­punkt 30km von der Arbeit ent­fernt ist, da bringt auch der ÖPV nichts weil die Zeit vonA nach B zu kom­men Stun­den in Anspruch nimmt, gera­de auf demLand

    • ich fah­re ger­ne mit dem Zug (zumin­dest fuhr ich ger­ne bevor ich den deppa­ten Pap­pen­fet­zen auf­set­zen musste)
      wenn es prak­ti­ka­bel ist (als ich noch vom tiefs­ten Hin­ter­tup­fing nach Wien pen­del­te, fuhr ich lie­ber mit dem Zug als mit dem Bus, aber lei­der wur­de der dann auch abgeschafft)

      fah­re aber auch mit dem Auto, klar, in der Stadt kann ich es mie­ten (bzw sharen, aber auch nur in der Umge­bung der inne­ren Stadt, weil es außer­halb einer gewis­sen Gren­ze kei­ne Rück­ga­be­mög­lich­keit gibt, war­um wohl?)

      ich kom­me ja vom Land und ken­ne daher die Pro­ble­ma­tik gut, also sehe ich abso­lut nicht ein, war­um man den Men­schen auf­zwin­gen will, wie sie sich bewe­gen müssen

    • Ich fin­de es auch immer hane­bü­chen, wie die links­grü­nen Öko­krie­ger auf den angeb­li­chen Zusam­men­hang von Indi­vi­du­al­ver­kehr und “Kli­ma­wan­del” mei­nen hin­wei­sen zu müs­sen. Da, wo ich woh­ne, gibt es zur Zeit vie­le Kahl­schlä­ge im Wald. Das hat aber mit dem Bor­ken­kä­fer­be­fall zu tun. Ich habe noch nie einen Bor­ken­kä­fer gese­hen, der einen VW Tua­reg (tol­les Töff­Töff, auch für klei­ne­re Spritz­tou­ren zum Tan­ken) steuerte.

  2. Die Grü­nen sind für denk­fä­hi­ge und frei­heits­lie­ben­de Men­schen völ­lig unwähl­bar. Ideo­lo­gisch sind sie zutiefst mar­xis­tisch, sie sind tota­li­tär und auto­ri­tär und ver­ste­cken das hin­ter einer Fas­sa­de aus Phra­sen und Heu­che­lei. Bigot­te­rie kann man zu ihrem Mar­ken­na­men machen. Egal, wie sehr sie gegen Hass und Het­ze wet­tern, sie set­zen dem stets noch eins drauf. Sie sind selbst­ge­fäl­lig, igno­rant, arro­gant, welt­fremd. Gegen­über den eige­nen Lands­leu­ten sind sie vol­ler Ver­ach­tung. Sie ver­ach­ten alles, Spra­che, Kul­tur, Geschich­te und Iden­ti­tä­ten. Sie haben viel­fach offen bekun­det, dass sie Deutsch­land mit­samt den Deut­schen abschaf­fen wol­len. Dafür braucht man einen Kanz­ler, der das, was Mer­kel nicht zu Ende bringt, erledigt.
    Wenn ich die­ser Tira­de Fak­ten anfü­ge, wird das hier ein Jahr­hun­dert­werk. Aber eines will ich noch zufü­gen. Es gibt zum Glück auch anstän­di­ge Grü­ne auf der loka­len und regio­na­len Ebe­ne. Da gehö­ren sie auch hin. Aber nie­mals in eine Regie­rung, niemals!

    (muss­te ich mal los werden)

  3. Es ist völ­lig unwich­tig, was im Par­tei­pro­gramm steht, wich­tig ist, was tat­säch­lich getan wird.
    Und wenn wir bei CDU und SPD ein­mal das Par­tei­pro­gramm weg­las­sen, so blei­ben hier nur zwei wei­te­re Grü­ne Par­tei­en übrig. Also, wer auch immer sich im kom­men­den Herbst an den Fleisch­töp­fen breit macht — es wird Grü­ne Poli­tik betrie­ben: Steu­ern und Ver­bo­te rauf, Frei­hei­ten run­ter — also alles ‚wie gehabt, even­tu­ell nur stark beschleunigt!

  4. Wenn die Grü­nen mal eben bestim­men dür­fen, daß bio­lo­gi­sche Geschlech­ter nur Ein­bil­dung sei­en („gesell­schaft­li­ches Kon­strukt“), war­um sol­len sie dann nicht auch die phy­si­ka­li­schen Geset­ze außer Kraft set­zen dür­fen? Habe gera­de gele­sen, das Baer­böck­chen habe ange­kün­digt, „der Strom“ bezah­le in Zukunft die Steu­ern. Ist kein Witz, das hat sie tat­säch­lich gesagt. Fin­de ich per­sön­lich geil, freu mich schon drauf. Viel­leicht kann „der Strom“ dann auch mei­ne Steu­er­erklä­rung machen? Oder das Gas mei­nen nächs­ten Urlaub finan­zie­ren? Oder das CO2 mei­ne Ein­käu­fe erle­di­gen oder so? Mal ehr­lich: Dumm­schwät­zer wird es immer geben. Auch wenn die Grü­nen da etwas über­re­prä­sen­tiert sind: die ein­zi­gen unter der sel­ten… intel­li­gen­ten­heu­ti­gen Poli­ti­ker­ge­nera­ti­on sind sie nicht. Nur sind sie die ein­zi­gen, die von den sog. „Leit­me­di­en“ und dem staat­li­chen Pro­pa­gan­da­funk kri­tik­los gehypt wer­den. Auch wenn sie mor­gen erzäh­len, daß auch Fleisch oder Getrei­de oder so nur „gesell­schaft­li­che Kon­struk­te“ sei­en. Was wie­der­um eine Men­ge über die heu­ti­ge Jour­na­lis­ten­ge­nera­ti­on und die Sub­stanz in den Hir­nen der Ange­stell­ten von SZ, SPIEGEL, FAZ, ARD und so aussagt.

    • Rich­tig. Halt geis­tig irre Beklopp­te. Die Dumm­heit hat eine Far­be, grün. Noch düm­mer sind mei­nes Erach­tens die, die die­se geis­tes­kran­ken Nul­len wählen.

  5. Die Kom­mu­nal­re­form NRW hat bei uns 1972 statt­ge­fun­den. Ich war noch ein Kind, mir sind als ers­tes nur die neu­en Num­mern­schil­der auf­ge­fal­len. Bis zu der Zeit gab es Zug­ver­bin­dun­gen prak­tisch bis zur nächs­ten Milch­kan­ne. Im Ort gab es Post, Poli­zei, Arzt, Schu­le, Rat­haus, Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, Jobs. Die Wege waren kurz. Man hät­te und hat vie­les mit „der Bahn“, die Bus­se hie­ßen auch so, erle­di­gen kön­nen. Autos waren aber stark im kom­men. Wer sich eines leis­ten konn­te, hat­te eins. Die Höfe waren rela­tiv aut­ark. Ich kann mich gut erin­nern, außer Brot hat­ten wir alles selbst. Die Grü­nen hät­ten es viel­leicht gut gefun­den. 1972 hat­ten wir neben einem Trak­tor sogar noch ein Pferd zum Ackern.

    In den fol­gen­den 30 Jah­ren sind alle Insti­tu­tio­nen Zen­tra­li­siert wor­den. Rat­haus 20 km weit weg, Kran­ken­haus 30, Post — kei­ne Ahnung wo noch eine ist — macht jetzt der Bäcker 5 km ent­fernt, Poli­zei 20, Schu­le 20, Ede­ka 20. ALLE Bahn­schie­nen wur­den raus­ge­ris­sen. Bus­ver­bin­dun­gen nur noch Mor­gens und Mit­tags zur Schu­le. Gear­bei­tet wird 40–50 km ent­fernt. 95% der Höfe sind als Erwerbs­zweig weg. Das Land ist an die rest­li­chen 5% ver­pach­tet. Alles was frü­her vor Ort prä­sent war ist in die Kreis­stadt ver­legt worden.

    Es wohnt sich aller­dings ganz nett und ruhig. Muß man für gebo­ren sein. Man­che dre­hen durch und wol­len weg. Ohne Auto geht aber gar nichts mehr. Nichts. Wenn eine Fami­lie aus 7 Per­so­nen besteht — Opa, Oma, Vater, Mut­ter, drei Kin­der über 17 — ste­hen 6 Autos vor der Tür.

    Rück­kehr zur Sub­sis­tenz­wirt­schaft wäre eine Mög­lich­keit. Back to the Roots, Zurück ins 19. Jahrhundert.
    Bei über 80 Mil­lio­nen Einwohnern?

      • … es ist ganz ein­fach: Je mehr Regie­run­gen ver­su­chen, Din­ge zu regeln, um so mehr schei­tern sie. Das heißt ganz line­ar: Je mehr Rege­lun­gen, um so mehr Scheitern.
        Ja so ist das.

        Pro­blem: Hier­zu­lan­de will davon kei­ner was wis­sen, denn tra­di­tio­nell liebt man das Regie­ren und die Regie­run­gen und die Regen­ten — von links ohne­hin, von rechts ver­stärkt, und von der Mit­te lei­der auch. Es gab hier­zu­lan­de seit dem drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg buch­stäb­lich noch NIE eine Regie­rung, die weni­ger regie­ren woll­te. Denn alle wol­len immer mehr regie­ren und am Bes­ten alles totregulieren.
        eswe­gen die Deut­schen halt seit vier­hun­dert Jah­ren oder so ihre Dau­er­kri­se haben — und meist auch die Ande­ren mit hin­ein­zie­hen. Ich den­ke, die brau­chen das.
        Soll noch­mal einer behaup­ten, Men­schen wären ratio­na­le Wesen-.

  6. > in Vor­schlag gebrach­te Erhö­hung der Ben­zin­prei­se um 16 Cent

    Im sel­ben Zug (s.link oben) sprach sie von “Sechs Cent Preis­er­hö­hung habe es bereits zum Jah­res­be­ginn gegeben”.

    Also mei­ne Die­sel­tan­ken in ver­schie­de­nen Tei­len des Lan­des spre­chen von etwas ueber einem Euro auf 1,23 — 1,30 EU. Also das ca. 3- bis 4‑fache davon. Die 16 Cent duerf­ten sich schnells­tens aehn­lich realisieren.

  7. Ich wür­de die Mobi­li­tät auf dem Land nicht so hoch hängen.
    Nach­dem uns Frau Baer­bock gera­de erst bewie­sen hat, dass man aus Tief­kühl­hüh­nern Strom gewin­nen kann, wird sie auch für die­ses Pro­blem eine Lösung haben.
    Sie, die ja bekannt­lich über Was­ser gehen kann, wird aus die­sem, wenn schon nicht Wein, dann zumin­dest Kraft­stoff her­stel­len können.
    Und wenn nicht, so muss man eben für das E Auto die Tief­kühl­tru­he im Kel­ler von ‑18 Grad auf — 16 Grad ein­stel­len und schon hat man Strom im Überfluss. 

    Was nun den Umstieg auf öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel betrifft, so hat die Bahn gera­de fest­ge­stellt, es müss­ten mehr, am bes­ten alle Güter von der Stra­ße auf die Schie­ne. Und da Fir­men kaum auf ihre Waren war­ten möch­ten kann das nur hei­ßen, im Zwei­fels­fall ste­hen mehr Men­schen auf zugi­gen, ver­si­ff­ten Bahn­stei­gen um auf den Zug zu warten.

    • Sie wer­den in Zukunft noch län­ger dort ste­hen und frös­teln. Die Grü­nen arbei­ten dar­an. Tem­po 30 in Ort­schaf­ten, grund­sätz­lich. Wenn also im Bahn­hof X eine Wei­chen­stö­rung für Still­stand sorgt, so bedeu­tet das bis­her 20 Minu­ten Zug­ver­spä­tung. Weil der Wei­chen­me­cha­ni­ker zur Ent­stö­rung dann nur noch mit Mofa-Tem­po auf einem Drit­tel der Stre­cke unter­wegs ist, wer­den Sie noch ein aka­de­mi­sches Vier­te­le län­ger im Regen ste­hen müs­sen. Flu­chen Sie nicht über den armen Tech­ni­ker! Der hat nur ein ganz nor­ma­les Auto ohne Son­der­si­gnal. Las­sen Sie Ihren Schimpf ab über die Knal­ler, die uns ins Bie­der­mei­er zurück­bom­ben wol­len. Gerd Har­tung, gelern­ter Ossi, Wei­chen­schlos­ser A.D. Berufszyniker.

  8. Ja, “nut­zen statt besit­zen”. Denn Besitz ist Frei­heit und nicht in dem Maß fremd­kon­trol­liert, wie die Benutzung.
    Die Grü­nen sind halt durch- und durch totalitär.

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