Für gewöhn­lich fal­le ich nicht so mit der Tür ins Haus, aber heu­te muss ich Sie war­nen, lie­be Leser. Die Lek­tü­re die­ses Arti­kels wird Ihnen kei­ne Freu­de machen oder Zer­streu­ung bie­ten. Zumin­dest dann nicht, wenn Sie ein Fan der indi­vi­du­el­len Frei­heit und der Selbst­ver­ant­wor­tung sind. Sie kön­nen sich vor dem Lesen wapp­nen, indem Sie das deut­sche Sprich­wort „Nichts wird so heiß geges­sen, wie es gekocht wird“ bemü­hen oder ange­sichts mei­nes bekann­ten Pes­si­mis­mus ein­fach abwin­ken. Sie kön­nen auch gegen mei­ne Pro­gno­se wet­ten – wobei Ihnen nie­mand mehr die Dau­men drückt als ich selbst. Denn hof­fent­lich lie­ge ich gründ­lich falsch mit mei­nen Annah­men und Schluss­fol­ge­run­gen, die durch Anse­hen der aktu­ell han­deln­den Per­so­nen, der media­len Reflek­ti­on des Gesche­hens und ange­sichts der öffent­li­chen Gleich­gül­tig­keit zustan­de kam. Soll­ten Sie trotz die­ser War­nung wei­ter­le­sen, betrach­ten Sie es doch bit­te als Ihre Auf­ga­be, mich vom Gegen­teil zu über­zeu­gen und, was noch viel wich­ti­ger ist, das Ein­tre­ten der beschrie­be­nen Ent­wick­lung aktiv zu ver­hin­dern. Ich wäre Ihnen sehr verbunden.

Des­halb stel­le ich mei­ne pes­si­mis­ti­sche The­se gleich an den Anfang: Wir sind Zeu­gen und Akteu­re zugleich in einem erbit­ter­ten Kul­tur­kampf, einem Kampf zwi­schen Indi­vi­dua­lis­mus und Kol­lek­ti­vis­mus, zwi­schen Demo­kra­tie und tri­ba­ler Ord­nung, zwi­schen Frei­heit und Tyran­nei. Unse­re Sei­te, die Sei­te der Frei­heit, ist im Begriff, den Kampf zu verlieren.

Wettlauf ins Verderben

Wir ver­lie­ren den Kul­tur­kampf. Aber die Sie­ger, die nach Unfrei­heit und Uni­for­mi­tät stre­ben, gewin­nen ihn nicht dank einer über­zeug­ten Mehr­heit, son­dern wegen einer indif­fe­ren­ten, schwei­gen­den und indo­len­ten Mehr­heit zwi­schen den Stüh­len, die glaubt, die­ser Kampf gin­ge sie nichts an, beträ­fe sie nicht und ande­re soll­ten ihn ausfechten.

Der Weg zu Öko­so­zia­lis­mus und Man­gel­wirt­schaft ist vor­ge­zeich­net, die letz­ten Lini­en sind gezo­gen und die ein­zi­gen Unter­schie­de der ton­an­ge­ben­den Par­tei­en bei der blin­den Ver­fol­gung die­ses Weges bestehen in Mar­gi­na­li­en. Ob man etwa die Blu­men am Weges­rand rück­sichts­los nie­der­tre­ten dür­fe oder Rück­sicht neh­men müs­se. Auch um das Marsch­tem­po gibt es Streit und dar­um, wer vor­aus­lau­fen darf. Hier bringt sich bereits Mar­kus Söder wort­ge­wal­tig in Stel­lung und for­dert „Markt­füh­rer­schaft“ – was auch immer das bedeu­ten soll in einer durch­re­gu­lier­ten, staat­lich gegän­gel­ten und von ideo­lo­gi­scher Über­for­mung zer­fres­se­nen Wirt­schaft. Kaum noch jemand stellt prin­zi­pi­ell Rich­tung und Ziel die­ses lan­gen Mar­sches in Frage.

Selbst den Schwe­fel­bu­ben von der Oppo­si­ti­on ist in die­sem Spiel eine pas­sen­de Rol­le zuge­wie­sen. Erst hat man sie mit­hil­fe der Medi­en erfolg­reich in jene Ecke geprü­gelt, aus der nur die Pro­blem­wöl­fe heu­len. Dort ange­langt sind sie nun das nütz­li­che Sep­ti­kum für alle The­men, derer man sich sei­tens des Poli­tik­be­triebs rasch und gründ­lich ent­le­di­gen will. Denn nichts scha­det einem Topos heu­te medi­al und in der öffent­li­chen Debat­te mehr, als wenn es wohl­wol­lend von den Zun­gen der AfD bestri­chen wird.

Das absichts­vol­le „Out­sour­cing“ rele­van­ter The­men funk­tio­nier­te nie so zuver­läs­sig und end­gül­tig wie heu­te, da man sie zum Nicht-The­ma erklärt, der AfD (und neu­er­dings auch der FDP) über­lässt, um dann mit dem Fin­ger dar­auf zu zei­gen und dis­qua­li­fi­zie­ren­de Bemer­kun­gen zu machen. „Seht, aus wel­cher Ecke dies kommt, seht, wer sich damit befasst!“ Die Ver­su­che, sich auf der Basis von Erkennt­nis­sen oder Theo­rien mit Gegen­mei­nun­gen zu befas­sen, schwin­det, seit man sie durch „Berüh­rung“ dele­gi­ti­mie­ren kann.

Neoliberale Geräusche

Für vie­le Jour­na­lis­ten wird die Arbeit künf­tig noch ein­fa­cher, denn wozu soll man sich mit dem drö­gen für-und-wider befas­sen, wenn ein flap­si­ger Spruch genügt, um alles aus­zu­drü­cken, was das Publi­kum ger­ne hören will. War­um auch soll sich Son­ja Tho­ma­ser in der Frank­fur­ter Rund­schau mit dem befas­sen, was ein Wolf­gang Kubicki bei „May­brit Ill­ner“ zu sagen hat­te, wenn man ihn mit „Wolf­gang Kubicki macht noch ein paar neo­li­be­ra­le Geräu­sche und damit haben dann alle, die nichts Frucht­ba­res zur Debat­te bei­zu­tra­gen haben, ihres dazu gesagt“ völ­lig frei von Argu­men­ten oder Fak­ten abqua­li­fi­zie­ren kann? (Das letz­te Kom­ma ist übri­gens ein Geschenk von mir.)

Den Ein­wand „wer liest schon die FR“ kann ich lei­der nicht gel­ten las­sen. Man macht es sich zu ein­fach, wenn man Reich­wei­te und Rele­vanz gleich­setzt. Besag­tes Schmie­ren­stück in der FR setzt näm­lich den Ton der Debat­te, wie er uns künf­tig noch häu­fi­ger als jetzt schon ent­ge­gen­schla­gen wird. Als Tak­tik, den poli­ti­schen Geg­ner lächer­lich zu machen, um sich nicht mit ihm auf der Sach­ebe­ne her­um­schla­gen zu müs­sen. Als SPD-Gewächs soll­te die FR bes­ser als manch ande­res Blatt noch Archiv­wis­sen dar­über haben, wie die unfreund­li­che Pres­se 1919 in der „Bade­ho­sen­af­fä­re“ mit dem Reichs­prä­si­den­ten Fried­rich Ebert umging. Nun fehlt Kubicki zum Ebert mehr als nur eine unvor­teil­haft sit­zen­de Bade­ho­se, aber das „neo­li­be­ra­le Geräusch“ ist von einem Argu­ment kaum weni­ger weit ent­fernt als die­se. Nur die Rich­tung, aus der die Des­avou­ie­rung heu­te kommt, hat sich gedreht. Libe­ra­le und kon­ser­va­ti­ve Äuße­run­gen gera­ten – sofern sie medi­al über­haupt noch vor­kom­men – unter einen Recht­fer­ti­gungs­druck, dem sich selbst die ver­spon­nens­ten grü­nen Uto­pien nie stel­len müssen.

Die Debat­te übri­gens, zu der Kubicki „nichts Frucht­ba­res“ bei­zu­tra­gen hät­te, näm­lich jene um die Akti­on von Lie­fers und sei­nen Schau­spie­ler­kol­le­gen, zeigt eini­ge der Mecha­nis­men sehr deut­lich, die ich hier wort­reich bekla­ge. Ers­tens die über­wäl­ti­gen­de aber unsich­ba­re Zustim­mung, die „alles­dicht­ma­chen“ beim Publi­kum hat­te. Die Zahl der Auf­ru­fe und Likes auf You­Tube war rie­sig, die Zuschau­er stimm­ten hier gewis­ser­ma­ßen mit „den Füßen“ ab. Doch wie Chris­toph Süß von „Quer” (BR) über­gin­gen die meis­ten Medi­en die deut­li­che aber so ganz und gar unzweck­mä­ßi­ge Mehr­heit derer, die „alles­dicht­ma­chen“ sehr wohl lus­tig fand, mit dem Hin­weis, dass „vie­le die Akti­on nicht lus­tig fan­den“. Wer und wie­vie­le die­se Vie­len waren, die laut und reich­wei­ten­stark ihr Miss­fal­len aus­drück­ten und wie wenig die­se „vie­len“ im Ver­gleich zu den tat­säch­lich vie­len sind, die die Vide­os nicht nur vom Hören­sa­gen ken­nen, erfuhr der Zuschau­er nicht.

Die Aus­sa­ge „vie­le fan­den die Akti­on nicht lus­tig“ ist so natür­lich weder wahr noch gelo­gen, son­dern nur ein irrele­van­ter Leer­satz mit Gel­tungs­an­spruch, dem absichts­voll die Maß­stä­be ver­rutscht waren. Zwei­tens steht die Laut­stär­ke der­je­ni­gen weni­gen, die sich von die­ser Akti­on ver­letzt, empört, ver­ra­ten oder zynisch ver­arscht füh­len, im Kon­trast zur schweig­sa­men Mehr­heit. Nur die Laut­spre­cher wer­den gehört, nur sie dür­fen ihre ver­letz­ten Gefüh­le vor­zei­gen, nur deren mora­li­sche Inte­gri­tät steht außer­halb der Kri­tik. Wer sich für ver­letzt erklärt, hat immer recht. Die Lin­ke hat gut erkannt, dass Kon­ser­va­ti­ve und Libe­ra­le nicht zu sol­chen Ego­trips neigen.

Wenn nichts mehr hilft…

…wer­den neue Wun­der­waf­fen in Stel­lung gebracht und schon deren Namen machen deut­lich, dass man sich davor hüten möge, ins Faden­kreuz die­ser media­len Son­der­kom­man­dos zu gera­ten. Denn mit wem sich das eilig aus dem Ei gepell­te „Recher­chenetz­werk Antisch­wur­b­ler“ befasst, der muss ja per Defi­ni­ti­on ein Schwur­b­ler sein, mit des­sen Argu­men­ten man sich des­halb bes­ser gar nicht erst befas­sen soll­te. Hören Sie da nicht auch schon vor dem Lesen von fak­ten­frei­en Anschmut­zungs­ar­ti­keln wie die­sem hier im Tages­spie­gel ein „neo­li­be­ra­les Geräusch“, dass sich schon durch sei­ne Exis­tenz ganz von selbst dele­gi­ti­miert, lie­be Leser? Debat­te kann ja so ein­fach sein! Doch zu „alles­dicht­ma­chen“ und den aus­ge­lös­ten Fak­to­se­into­le­ran­zen ist schon fast alles gesagt, nur eine Fra­ge scheint noch unbe­ant­wor­tet: war­um war die Reak­ti­on so heftig?

…hilft die Kultur

An den Inhal­ten kann es kaum gele­gen haben, nicht mal am Stil. Ver­gleich­bar äußer­ten sich schon Poli­ti­ker, Wis­sen­schaft­ler und vie­le eher Unbe­kann­te. Der eigent­li­che Spreng­satz ist, dass sich da Ver­tre­ter der mei­nungs­be­stim­men­den Kul­tur abseits der für sie vor­ge­se­he­nen Rol­len beweg­ten. Die Fra­ge aller Fra­gen ist näm­lich die des Pri­mats von Poli­tik und Kul­tur. Die Poli­tik möch­te kei­nen Zwei­fel zulas­sen, dass sie die gestal­ten­de Kraft ist. Ich bin ande­rer Mei­nung und den­ke, die Poli­tik folgt der Kul­tur mehr und wird mehr von ihr beein­flusst, als es ihr bewusst ist. Es ist eine Fra­ge von Reich­wei­te und Dosis und hier ver­liert die Poli­tik gegen die Kul­tur. Musik, Film, Lite­ra­tur, TV…und über die Medi­en bestim­men Kul­tur und deren Milieus sogar die Art und Wei­se, wie über Poli­tik berich­tet, wie sie trans­por­tiert wird. Poli­tik braucht die Kul­tur als Reso­nanz­raum, als Souf­fleur, als Büh­ne und Verstärker.

Wenn ein Tat­ort-Kom­mis­sar wie­der mal ein rech­tes Netz­werk auf­deckt und einen flach­hir­ni­gen Nazimör­der zur Stre­cke bringt, sorgt das für mehr Endor­phi­ne beim Zuschau­er als eine Rede von Peter Alt­mai­er für Sät­ti­gung. In der Kul­tur wird per Simu­la­ti­on das vor­weg genom­men, was die Poli­tik in Geset­ze gießt. Das ist ande­rer­seits auch die Vor­aus­set­zung für die Akzep­tanz einer Tages­schau-Mel­dung, dass wie­der mal sound­so­viel Geld für den Kampf gegen rechts bewil­ligt wur­de. Je grö­ßer die ima­gi­nier­te Bedro­hung, des­to gerin­ger der Wider­stand. Und für die Ima­gi­na­ti­on ist stets die Kul­tur zuständig.

Es ist ein sym­bio­ti­scher Kreis und auf der star­ken, der Gefühls­sei­te, arbei­tet immer die Kul­tur, nicht die Poli­tik. Ein Blick auf die Zah­len und Ereig­nis­se genügt hier, um fest­zu­stel­len, dass die­ser Kul­tur­kampf im Begriff ist, ent­schie­den zu wer­den – trotz klei­ne­rer Rück­schlä­ge wie „alles­dicht­ma­chen“. Das „Ver­ge­hen“ der Schau­spie­ler als Ver­tre­ter des Pri­mats Kul­tur lag gera­de dar­in, dass sie anders als etwa die „Quer­den­ker“ nicht auf Theo­rien, Mei­nun­gen und teil­wei­se auch auf sehr selt­sa­me Ver­schwö­run­gen zurück­grif­fen, son­dern direkt auf der Gefühls­ebe­ne ein­stie­gen, obwohl die­ser Kanal doch den ver­meint­lich guten und rich­ti­gen Wahr­hei­ten vor­be­hal­ten ist. Dort, wo man den Men­schen am nächs­ten kommt, dort, wo Tages­schau, Tages­spie­gel und das „Recher­chenetz­werk Antisch­wur­b­ler“ zwangs­läu­fig nur „Blin­de Kuh“ spie­len kön­nen. Daher die Wir­kung. Daher die Ver­wir­rung. Daher die Wut ver­letz­ter Haltungsschäden.

Viel bes­ser ins Arse­nal gewünsch­ter Mei­nungs­äu­ße­run­gen pas­sen da Aktio­nen wie die­ser offe­ne Brief von Künst­lern und Intel­lek­tu­el­len an die Bun­des­re­gie­rung, in dem eine „stär­ke­re Besteue­rung von Reich­tum und mehr Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit“ gefor­dert wird. Dies­mal im Namen der Coro­na­fol­gen­be­kämp­fung, aber sonst natür­lich auch! Alle Klin­gel­wor­te west­deut­scher Sozia­lis­mus­nost­al­gie gehen dar­in spa­zie­ren. Pro­tes­te, die Künst­ler wür­den hier weit jen­seits ihrer Fach­kom­pe­tenz agie­ren, blieb im Gegen­satz zu „alles­dicht­ma­chen“ gänz­lich aus. Auch dass sie Wor­te sagen wür­den, die „ande­re für die geschrie­ben haben“, ist hier offen­bar kein Thema.

Der Liberalismus verstummt

Eigent­lich wie immer, wenn es gegen libe­ra­le und kon­ser­va­ti­ve Wer­te geht. Dabei wäre es kin­der­leicht, die dampf­nu­del­dum­men Behaup­tun­gen zu wider­le­gen, auf denen das hin­ter der Akti­on ste­cken­de Bünd­nis „Wer hat der gibt“ sei­nen Aktio­nis­mus grün­det. Im Gegen­satz zu „alles­dicht­ma­chen“ hält sich aber auch die jour­na­lis­ti­sche Neu­gier in Gren­zen, wenn es dar­um geht, mal nach­zu­fra­gen, wer genau hin­ter den „…ver­schie­de­nen lin­ken Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen“ (Zitat „über uns“) steckt. Will man wohl nicht so genau wis­sen. Nicht alle For­de­run­gen von „Was wir wol­len“ sind pau­schal falsch, aber es fin­det schon lan­ge kei­ne ehr­li­che Debat­te mehr dar­über statt, wohin die gefor­der­ten mas­si­ven staat­li­chen Ein­grif­fe letzt­lich füh­ren wür­den. Eben­so wenig wie über die For­de­run­gen, die die Grü­nen und „Fri­days for Future“ stellen.

Statt­des­sen der Pau­ken­schlag in Gestalt eines Urteils des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, wel­ches die Gül­tig­keit unse­res Grund­ge­set­zes in Kli­ma­fra­gen fak­tisch auf die gan­ze Welt aus­dehnt und den Modell­rech­nun­gen einer klei­nen Grup­pe von Kli­ma­to­lo­gen den Kon­junk­tiv nahm. Die Welt­ret­te­rei ist jetzt deutsch, hat Ver­fas­sungs­rang und ver­langt nach ver­bind­li­chen 30-Jah­res-Plä­nen – die Pla­nungs­kom­mis­si­on der DDR hat­te schon mit fünf Jah­ren so ihre Pro­ble­me. Kri­tik am soge­nann­ten „2°-Ziel“ von Paris kann nun als ver­fas­sungs­feind­li­cher Akt gel­ten. Das Eis auf Grön­land und in der Ant­ark­tis mag dicker wer­den. Das, auf dem Kri­ti­ker der aus­ge­ge­be­nen Losun­gen unse­rer unfehl­ba­ren Regie­rung ihre wenig beach­te­ten Pirou­et­ten dre­hen, wird dünner.

Aber der Laschet, der wird uns doch retten, oder?

Ich muss­te mir eini­ges an Kri­tik anhö­ren, weil ich in mei­nem kur­zen Aus­blick auf die Bun­des­tags­wah­len nicht nur mein Miss­fal­len an der Grü­nen Spit­zen­kan­di­da­tin kund­ge­tan, son­dern auch kein gutes Haar am Kan­di­da­ten der Uni­on gelas­sen hat­te. Ich täte ihm unrecht, er kön­ne die Wen­de schaf­fen und wer­de den rund und klein gelutsch­ten Mar­ken­kern der CDU wie­der dazu brin­gen, zu wach­sen und Kan­ten aus­zu­bil­den. Doch abge­se­hen von der Zer­ris­sen­heit der Par­tei, die aus­ge­rech­net von Lasche­ts poli­ti­schen Zieh­kin­dern wie Serap Güner anek­do­tisch ver­deut­licht wer­den, ist da ja immer noch sie. Sie, die Frau im Kanz­le­rin­nenamt, wel­ches sie auch erst nach der Wahl im Sep­tem­ber ver­las­sen wird. Wie soll also die drin­gend nöti­ge Rich­tungs­kor­rek­tur ablau­fen, wenn sie von der Tages­po­li­tik tor­pe­diert und abge­lehnt wird? Gelingt Laschet der Spa­gat zwi­schen Abkehr vom Mer­ke­lis­mus und der dro­hen­den Spal­tung der Par­tei? Ich bezweif­le, dass von der Uni­on ein Kurs­wech­sel zu erwar­ten ist, selbst wenn Laschet die Umfra­gen noch wird dre­hen können.

Womit wir wie­der beim Anfang des Arti­kels und der Tat­sa­che wären, dass nach mei­ner Mei­nung die Rich­tung fest­steht, in die sich Deutsch­land unbe­irrt wei­ter­be­wegt. Wah­len wer­den dar­an lei­der wenig ändern, es sei denn zum Schlech­te­ren, wie 1933. Blickt man in die Geschich­te, fällt auf, dass es hier­zu­lan­de meist Krie­ge waren, die Kurs­wech­sel oder grund­le­gen­de Ver­än­de­run­gen her­bei­führ­ten. 1871 durch einen gewon­ne­nen, 1918 und 1945 durch ver­lo­re­ne. Erfreu­li­cher­wei­se war 1989 mal eine fried­li­che Revo­lu­ti­on dabei, deren Errun­gen­schaf­ten durch Aus­höh­lung der Grund­rech­te gera­de Stück für Stück abge­räumt wer­den. Die nächs­te Regie­rung, ob nun Grün-Schwarz oder Schwarz-Grün, könn­te ange­sichts Welt­ret­tungs­ethos und der Zer­stö­rung der wirt­schaft­li­chen Basis Deutsch­lands wie­der einen Krieg ver­lie­ren – dies­mal wird es wohl der Krieg gegen die Rea­li­tät sein.

Mit einem Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts im Rücken träumt F4F schon mal vom am Hori­zont auf­zie­hen­den „Grü­nen Okto­ber“ und fragt: „Was wür­det ihr gern als ers­tes öko­lo­gisch ent­eig­nen?“ und fügt wenn schon nicht beru­hi­gend, so doch erklä­rend hin­zu: „Spoi­ler: Ent­eig­nun­gen sind nicht böses links­ex­tre­mes Teu­fels­zeug, son­dern ein wich­ti­ges Mit­tel auf dem Weg Rich­tung Kli­ma­ge­rech­tig­keit.“ (Kom­ma­spen­de wie üblich von mir)

Und wäh­rend die FDP noch über­legt, wie sie den Weg in den Kli­ma­gu­lag markt­wirt­schaft­lich gestal­ten könn­te – mit die­ser Prin­zi­pi­en­lo­sig­keit kann man einen Schwarz­markt orga­ni­sie­ren, aber nicht die Fein­de der Markt­wirt­schaft zur Rai­son brin­gen –, zeigt das Ver­fas­sungs­ge­richt dem coro­na­trai­nier­ten Deut­schen die Instru­men­te: „Künf­tig kön­nen selbst gra­vie­ren­de Frei­heits­ein­bu­ßen zum Schutz des Kli­mas ver­hält­nis­mä­ßig und ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt sein; gera­de des­halb droht dann die Gefahr, erheb­li­che Frei­heits­ein­bu­ßen hin­neh­men zu müssen.”

Nein, mit die­sem Per­so­nal ist auf die­sem Weg kein Staat zu machen. Jeden­falls kei­ner, in dem man gut und ger­ne leben möch­te. Statt­des­sen hal­te ich es für ange­bracht, sich auf einen hef­ti­gen Auf­prall vor­zu­be­rei­ten und gleich­zei­tig hof­fe ich instän­dig, dass ich nur mal wie­der mei­nem inne­ren schwar­zen Hund hin­ter­her­ge­lau­fen und in die Pes­si­mis­mus­fal­le gera­ten bin. Ich bin ein schwarz­se­he­ri­scher Schrei­ber­ling, holt mich hier raus!

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38 Kommentare

  1. „Doch zu „alles­dicht­ma­chen“ und den aus­ge­lös­ten Fak­to­se­into­le­ran­zen ist schon fast alles gesagt, nur eine Fra­ge scheint noch unbe­ant­wor­tet: war­um war die Reak­ti­on so heftig?”

    Kurz­ge­fass­te Erklärung:

    „Was trifft, trifft auch zu.” (Karl Kraus, angeblich)

  2. Der Opti­mist glaubt, er lebt in der bes­ten aller moe­g­li­chen Wel­ten. Der Pes­si­mist befu­erch­tet, dass der Opti­mist damit Recht hat.

  3. Und dann noch die ech­te Natur.…
    Der Vul­kan Sina­bung auf der indo­ne­si­schen Insel Suma­tra ist erneut aus­ge­bro­chen und hat eine fast drei Kilo­me­ter hohe Asche­säu­le in die Luft gespuckt. Und wie­der schleu­dert die Natur ihren Dreck und gif­ti­gen Gase in unse­re MENSCHLICHE Umwelt. Der fünf­te Vul­kan die­ses Jahr, der UNSERE WELT mit gif­ti­gen Gasen und Fein­staub ver­schmutzt. Und wir uns red­lich abmü­hen, mit tau­sen­de Ton­nen Beton unse­ren Wind­strom­in­dus­trie­an­la­gen einen fes­ten Stand auf unse­rem Pla­ne­ten zu geben, damit wir wenigs­tens Glau­ben kön­nen, kei­nen Dreck in die Land­schaft zu wer­fen. Obwohl, man könn­te mit die­sem Beton auf die 2 % Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Flä­che, immer­hin 700 Qua­drat­ki­lo­me­ter eine Men­ge Wohn­raum .….….….….… Aber beson­ders die Flach­den­ken­de Poli­tik unse­re Qua­li­täts­ex­per­ten haben natür­lich wir­kungs­neu­tra­len Vorrang.

  4. Lie­ber Roger, aus die­sem schwar­zen Loch kann Sie kei­ner her­aus­ho­len: Es trifft zu , daß es einen Kul­tur­kampf gibt, und es trifft zu, daß die­je­ni­gen, die n i c h t von Stüt­ze, Diä­ten, staat­lich finan­zier­ten Jobs (NGO und so) oder vom Salär gleich­ge­schal­te­ter Medi­en leben, dabei sind, die­sen zu ver­lie­ren. Es trifft auch zu, daß kei­ner in der als Kanz­ler gehan­del­ten Rie­ge der Kan­di­da­ten Wil­le und Zeug dazu hat, das Ruder her­um­zu­rei­sen: Söder: Der Mann ist nicht nur mit dem denk­bar bizarrs­ten Cha­rak­ter aus­ge­stat­tet, er ist – glau­be ich – auch schlicht zu dumm, zu begrei­fen, daß er auf Wegen von SPD und CDU wan­delt und dabei ist, sei­ne Par­tei zu zer­le­gen. Laschet: Null Ahnung von nix, ins­be­son­de­re von Wirt­schaft, laviert sich ein­fach nur durch und ver­sucht, sich selbst und sei­ner Par­tei den A.… zu ret­ten. Baer­bock: Wie alle Lin­ken ideo­lo­gisch ver­na­gelt und in ihrer ahnungs­lo­sen Ein­fäl­tig­keit hoch­ge­fähr­lich. Die roten Khmer (Kam­bo­dscha der 70 er) las­sen grü­ßen. Da gab es schon ein­mal eine „Dekar­bo­ni­sie­rung“ der Volks­wirt­schaft. Nach Schät­zun­gen hat die sogar drei Vier­tel der Bevöl­ke­rung über­lebt. Deutsch­land wird wei­ter abstei­gen und mit ihm die trau­ri­ge Rest-EU. Stich­wort: „Wie­der­auf­bau­fonds“. Ich sehe ein­fach weit und breit kei­nen, der den Wahn­sinn der Ver­nich­tung Hun­der­ter Mil­li­ar­den von Volks­ver­mö­gen unter dem Label des „Kamp­fes gegen das Kli­ma“ und die Wie­der­errich­tung der sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaft stoppt. Der FDP fehlt der unbe­ding­te Wil­le dazu. Schreit einer der Lin­ken­gar­de „neo­li­be­ral“ sind die Hös­chen der FDP-Obe­ren nass. Und der AfD fehlt (neben ande­rem) die Macht­per­spek­ti­ve . Das aller­schlimms­te ist: Die gro­ße Mehr­zahl der Leu­te merkt noch nicht ein­mal, was gera­de pas­siert. Weil sie sich von der rot-grü­nen Pro­pa­gan­da durch Jour­na­lis­ten, die eben­so ahnungs­los wie sie selbst und meist noch ein biß­chen unge­bil­de­ter sind, ein­lul­len läßt. Mei­ne Fami­lie hat die Ent­schei­dung getrof­fen: Ret­te sich wer kann.

  5. Herr Letsch, ich bin so pes­si­mis­tisch wie Sie. Ich fra­ge mich, ob nicht alle Vor­aus­set­zun­gen für Art. 20.4 Grund­ge­setz gege­ben sind. Die frei­heit­li­che Grund­ord­nung wird auf­ge­löst, dem Bür­ger ste­hen kei­ne Rechts­mit­tel mehr zur Ver­fü­gung (4. Ermäch­ti­gungs­ge­setz) , neue Par­tei­en zu grün­den ist aus­sichts­los (AfD, Die Basis), und das BVG urteilt, dass die die Grund­rech­te not­falls „gra­vie­rend” ein­ge­schränkt wer­den kön­nen, wenn die Exe­ku­ti­ve will­kür­lich irgend­wel­che Wer­te fest­legt (Inzi­denz, CO2-Gehalt, Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur, Lebens­raum im Osten).

    Mir wäre woh­ler, wenn wir den Feind end­lich mal Feind nen­nen dürften.

  6. Na ja, es gibt einen pas­sen­den Spruch, der da heisst: „Der­weil die Wei­sen grü­beln, stür­men die Dum­men die Fes­tung!” Was sich heu­te, beson­ders in der Bun­des­re­pu­blik abspielt, ist sehr schwie­rig, weil jeder immer „ein biß­chen Recht hat!„Wenn wir eines Tages, unter vie­len kol­lek­ti­ven und per­sön­li­chen Opfern Co2 frei, bzw. neu­tral sind, was kommt dann? Die noch ver­blie­be­nen Glet­scher schmel­zen wei­ter vor sich hin, welt­weit und auch alle zuvor ange­pran­ger­te Miß­stän­de gesche­hen auf die eine oder ande­re Art eben­falls wei­ter! Wer ist dann ver­ant­wort­lich und wer hat dann so eine Art „ord­nen­de Hand – Euro­pa aus vie­len gemach­ten Erfah­run­gen wohl kaum?” Deutsch­land, wird es, in wel­cher Form auch immer, nicht mehr geben – aber es ist kli­ma­kon­form! Die Rei­chen hier­zu­lan­de, wer­den das Expe­ri­men­tie­ren nicht mehr mit ent­spre­chend hohen Abga­ben bezah­len kön­nen, weil es sie schlicht­weg nicht mehr gibt! Egal, wie man es betrach­tet (wer wird denn so nega­tiv den­ken?) man muss sich jetzt, ja beson­ders jetzt ein­brin­gen, sonst kommt man irgend eines schlech­ten Tages da raus, wo man nicht hin woll­te!!! Also nicht ewig dis­ku­tie­ren, jam­mern oder tol­le „Zukunfts­bla­sen” her­vor­brin­gen – nein sich demo­kra­tisch ein­brin­gen, sach­lich, wenn´s geht, und mit Lei­den­schaft, sonst ist es aus – wie sagt man heu­te? mit der „mut­maß­li­chen Frei­heit” – aber viel­leicht haben sich die meis­ten von uns dann schon dar­an gewöhnt – und das wäre wahr­haf­tig schade!

    • CO2 frei? Das wäre eine Kata­stro­phe! Ist auch, neben­bei gesagt, völ­lig unmög­lich. Vie­le Wor­te schrei­ben Sie. Ahnung haben Sie kei­ne und damit sind Sie nicht mal allei­ne. Ich habe fertig.

  7. Das Pen­dant zu „vie­le fan­den die Akti­on nicht lus­tig“ ist das schon vor vie­len Jah­ren im Staats­funk in wirk­lich fast jedem Zusam­men­hang gebrauch­te „immer mehr Menschen..blabla“. Ich habe noch nie eine kon­kre­te Zahl gehört, wie­vie­le denn die­se „immer mehr“ eigent­lich sind.

  8. Die Pira­nas.
    Die Grue­nen UND die Lin­ken UND die ’nor­ma­len’ Poli­ti­schen Kra­ef­te – Wer ein wenig Natur- und Kul­tur inter­es­siert ist wird wis­sen, dass es im Ama­zo­nas Fische gibt die das ent­wi­ckelt haben was man gemein­hin kennt als eine der unan­ge­nehms­ten Todes­ar­ten, die end­guel­ti­ge Art des Todes … die dich bis auf die Kno­chen abnagt.
    Die­ser Tod wird durch klei­ne, aber im Kol­lek­tiv arbei­ten­de und mit den dafu­er aus­ge­stat­te­nen erfor­der­li­chen Werk­zeu­gen vorgenommen.
    Gemeint sind die Piranas.
    Genau­so arbei­ten die Grue­nen und die Lin­ken sowie die ande­ren, gewis­sen­lo­sen Poli­ti­ker aller Parteien.
    Sie sind die Pira­nas der Bue­r­ger­li­chen Ord­nung, die Pira­nas, die Deut­sche Bun­des­bue­r­ger zerfleischen.
    Die Bun­des­bue­r­ger, die sich unwis­sent­lich in die Untie­fen der soge­nann­ten demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung hin­aus­ge­wagt haben weil sie den Wor­ten der Poli­ti­ker glaub­ten, ohne zu erken­nen, dass dies die Fal­len, die Untie­fen der Poli­tik sind, die erschaf­fen wur­den, um Macht zu errin­gen, zu behal­ten und auszubauen.
    Aus­schliess­lich zum nur eige­nen Vor­teil. Damit hat sich seit Jahr­tau­sen­den nichts geaendert.
    Der Dum­me ist der Bue­r­ger, der erzo­gen wur­de, dem ‚Hoeher­gestll­ten’ zu ver­trau­en, sei­nen Ver­spre­chun­gen Glau­ben zu schan­ken, ihm zu folgen …
    Auch wie­der, wie vie­le vor ihm, und unzwei­fel­haft noch Genera­tio­nen nach ihm, beschreibt der Autor, wenn auch nur sehr im Ansatz, zag­haft und viel zu wenig deut­lich, was vie­le zur Zeit bedrueckt.
    Es wird nie eine Zeit kom­men, in der die Zwei­feln­den, die Kri­ti­schen nicht bestraft wer­den fuer das, was sie aeus­sern, was sie anzweifeln …
    Wir haben uns die Pira­nas selbst gezu­ech­tet und solan­ge das Was­ser, in dem sie leben, fliesst, wer­den sie immer wie­der Opfer fin­den und die­se bis auf die Kno­chen abna­gen … es ist ja so einfach …

  9. Sor­ry – aber ich kann nicht anders. Wir haben 7 bis 8 Mil­li­ar­den Men­schen auf dem Pla­ne­ten, der bei gutem Wil­len kaum 2 Mil­li­ar­den tra­gen kann. Nicht dass es die „bösen” Wei­ßen wären, die sich ganz unan­stän­dig ver­mehrt hät­ten. Nein – die Wei­ßen haben nur die Vor­aus­set­zun­gen erar­bei­tet, dass nun kul­tu­rel­le Low-Per­for­mer voll­ende­te Tat­sa­chen schaf­fen konn­ten. Nor­ma­ler­wei­se dürf­te man so ein Ver­hal­ten als Kriegs­er­klä­rung inter­pre­tie­ren – aber weit gefehlt! Die wei­ßen Eli­ten gefal­len sich dar­in dies Gesche­hen erst gar nicht zu hin­ter­fra­gen, und die Fol­gen frem­den Han­delns durch Selbst­kas­tei­ung, Kon­sum­ver­zicht und Frei­heits­be­rau­bung der eige­nen Kli­en­tel auf ein, für die Erde, erträg­li­ches Gesamt­maß zu redu­zie­ren. Ein durch­aus edler Zug, doch weder in Peking, noch in Mek­ka wird die­ser Altru­is­mus gewür­digt werden.

      • Drum kön­nen wir nur hof­fen, dass deren Zug bald ähn­lich ent­gleist wie der von einem Herrn Schulz. …oder war’s Schultz, Schul­ze… (ver­ges­sen)

    • wie kom­men Sie dar­auf, dass der Pla­net nur 2 Mil­li­ar­den Men­schen aus­hal­ten kann? Völ­lig absurd. Leu­te wie Sie sind das Pro­blem und haben nie ein Lösung für die Pro­ble­me, die über­haupt nicht existieren.

      • Nun ja, der Pla­net kann noch mehr Men­schen „ver­tra­gen“… die Fra­ge ist doch: wie wol­len die­se Men­schen leben? In Knapp­heit? In räum­li­cher Enge? So wie es im Moment läuft, sind 8 Mrd. Defi­ni­tiv zu vie­le. Daher fin­de ich die Aus­sa­ge des OP nicht absurd. 2 Mrd. Men­schen kön­nen sich die begrenz­ten Res­sour­cen viel bes­ser tei­len. Es ent­stün­de kein „Migra­ti­ons­druck“ der ja auch in der Regel mit Über­be­völ­ke­rung ein­her­geht. Die Nut­zung von Boden, Was­ser, Luft wäre auch kein Pro­blem mehr. Die Men­schen könn­ten dann auch einen hohen Lebens­stan­dard anstre­ben – auch in den weni­ger ent­wi­ckel­ten Gebie­ten der Erde. Wenn alle den US oder west­eu­ro­päi­schen Stan­dard anstre­ben, wür­de das der Pla­net nicht lan­ge mitmachen.

        • @Dr. Ste­phan: Ich weiß nicht recht, was es soll, hier von „Über­be­völ­ke­rung“ zu reden. Das ist doch – wenn über­haupt- das Pro­blem der betref­fen­den Staa­ten der Drit­ten Welt. Wir reden hier von Deutsch­land und Euro­pa, die dabei sind, sich auf den Weg des Zivi­liz­a­ti­ons­rück­schrit­tes zu bege­ben, indem Sie sich 1 . wei­gern, Ihre natür­li­chen Res­sour­cen zu nut­zen und 2. eine Ord­nung, von der man vor drei Jahr­zehn­ten dach­te, sie sei ein für alle Male geschei­tert, wie­der aufzubauen.

        • Wir im Wes­ten kön­nen uns, stell­ver­tre­tend sei ein­mal der CO²-Aus­stoß genannt, auf ein Niveau selbst kas­tei­en, das den Lebens­stan­dard eines Lager- oder Gefäng­nis­in­sas­sen gleicht, ohne für den Pla­ne­ten das gerings­te zu errei­chen, da in der III.-Welt zeit­gleich jemand meint sein vier­zehn­tes Kind gebä­ren zu müs­sen. Letz­te­rem kann man zyni­scher wei­se wenigs­tens noch (wie allen Bar­ba­ren) den Wil­len zur Macht­über­nah­me zu Gute hal­ten. Was in unse­ren Gefil­den aller­dings mit­tels vega­ner Ernäh­rung, Tod des Indi­vi­du­al­ver­kehrs, des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses etc. an Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung zuguns­ten einer ver­meint­li­chen Scho­nung von Res­sour­cen (Stich­wort: Über­be­völ­ke­rung) betrie­ben wird, ist bizar­res Wunschdenken.

  10. Zum Bei­spiel ‚Kom­ma­spen­den’:
    Die­se Leu­te beherr­schen zwar nicht die Spra­che, sagen uns aber, wo genau wir lang­zu­ge­hen haben.
    .
    Den Pes­si­mis­mus hab ich eben­falls. Ich träu­me jede Nacht schlecht. Und ich trös­te mich damit, dass ich zumin­dest den Groß­teil mei­nes Lebens (über 70 Jah­re) fried­lich und in Frei­heit erle­ben konn­te; wel­che Genera­ti­on zuvor konn­te das schon?
    Die letz­ten paar Jah­re, tja … womög­lich lach’ ich mich auch tot (?)

  11. „Erfreu­li­cher­wei­se war 1989 mal eine fried­li­che Revo­lu­ti­on dabei, ”

    So erfreu­lich ist das im Rück­blick gar nicht. Wäre das Gan­ze blu­tig gelau­fen und dabei ein guter Teil der jetzt in Amt und Wür­den poli­tisch und medi­al täti­gen SED Pro­pa­gan­dis­ten getö­tet oder zumin­dest in Schimpf und Schan­de aus aus dem Land getrie­ben wor­den, sähe die Situa­ti­on jetzt evtl. viel bes­ser aus.

    • Das hal­te ich für eine fal­sche Annah­me. (Über die mora­li­sche Sei­te schweigt man lieber.)

      Die DDR-Bür­ger, die mit den Demons­tra­tio­nen und Ver­net­zun­gen die SED in die Knie gezwun­gen haben, sind im ver­ein­ten Deutsch­land an den Rand gedrängt wor­den. Nie­mand der Bür­ger­recht­ler hat offen­sicht­lich die Eigen­schaf­ten gehabt, die zum Auf­stieg in die (erst Bon­ner, dann Ber­li­ner) Füh­rungs­ebe­ne hilf­reich sind: Schlei­men und Lügen.

      Auf­ge­stie­gen sind Per­so­nen, die schon der DDR in den unte­ren Rän­gen gedient haben. Die obe­re DDR-Nomen­kla­tu­ra hat sicher­lich Geld aus dem Par­tei­ver­mö­gen und ande­ren Gele­gen­hei­ten abge­zweigt, aber in der sog. „Ber­li­ner Repu­blik” kei­ne Funk­tio­nen bekommen.

      (Mit am höchs­ten stieg Gysi, der das SED-Par­tei­ver­mö­gen über die Wen­de geschafft hat und in – heu­te für die LINKEN sicher­lich hilf­rei­che – Kanä­le lei­te­te. Die Lin­ken haben aber prak­tisch kei­nen Ein­fluss in der Bundespolitik.)

      Ein von Ihnen nach­träg­lich her­bei­ge­sehn­tes Blut­bad 1989 oder 1990 hät­te auf der Sei­te der DDR-Oppo­si­ti­on nie­mand getrof­fen, der an unse­rer heu­ti­ge Mer­kel-Mise­re betei­ligt ist. Die obe­ren auf der SED-Sei­te sind oder waren auch nicht am Dilem­ma der letz­ten 16 Jah­re beteiligt.

      • Ach über die mora­li­sche Sei­te braucht man da nicht zu schwei­gen. Spä­tes­tens als ich in mei­ner Jugend im Anhang von Kogons „Der SS-Staat” lesen muss­te, wie­vie­le selbst der übels­ten Täter bereits nach kur­zer Zeit wie­der aus eigent­lich lebens­lan­ger Haft ent­las­sen wur­den, war mir klar, das es weit unmo­ra­li­sche­res gibt, als Mas­sen­mör­der oder dar­an Mit­wir­ken­de zu töten. Näm­lich sie wie­der mit­wir­ken zu lassen.
        Das „die Lin­ken” prak­tisch kei­nen Ein­fluß hät­ten, hal­te ich für völ­lig falsch. Wo das nicht direkt in der Bun­des­po­li­tik geschieht, geschieht es halt über die Ver­hin­de­rung der Auf­ar­bei­tung und Auf­klä­rung usw. usf. .
        Zudem hät­te ein deut­li­ches ‑Nie wie­der- in die­ser Form ver­mut­lich den Enthu­si­as­mus sozia­lis­mus­af­fi­ner „Sozi­al­de­mo­kra­ten” und „Grü­ner” deut­lich gebremst. Und die ehe­ma­li­ge FDJ-lerin hät­te nie eine Macht­po­si­ti­on in der CDU erlangt.

  12. Sie haben ja so furcht­bar recht. Jede Dis­kus­si­on wird heu­te mit Brand­re­den oder Tot­schlag­ar­gu­men­ten abge­würgt. Als gelern­ter DDR Bür­ger (wor­auf ich nicht stolz bin, es war aber nicht zu ver­hin­dern) hat man offen­sicht­lich noch fei­ne­re Anten­nen für Ent­wick­lun­gen, die nichts Gutes bedeu­ten. Selbst im wei­te­ren Freun­des­kreis hält man heut­zu­ta­ge lie­ber mal den Mund als sich sel­bi­gen zu verbrennen.
    Auch ich habe über Aus­wan­dern nach­ge­dacht. Lei­der wird mein Abschluss außer­halb der EU nir­gends aner­kannt. Ob ich die­sen Irr­sinn hier bis zur Ren­te ertra­ge ist nicht sicher.

  13. Herr Letsch, Sie sind bei­lei­be KEIN schwarz­se­he­ri­scher Schrei­ber­ling, der irgend­wo her­aus­ge­holt wer­den muss. Sie haben die Zei­chen der Zeit nicht erst seit die­sem Arti­kel erkannt und die kom­men­de Apo­ka­lyp­se ein­mal mehr tref­fend beschrie­ben. Sie soll­ten viel­leicht mit dem Aus­wan­dern nicht mehr all­zu lan­ge war­ten. Mei­ne Frau und ich wer­den das noch in die­sem Jahr tun, denn in Kür­ze könn­ten die Woh­nun­gen und Häu­ser im benach­bar­ten Aus­land knapp wer­den. Mein Mit­ge­fühl gilt den­je­ni­gen, die aus ver­schie­de­nen Grün­den in die­sem Fai­led Sta­te blei­ben müs­sen und sich mög­li­cher­wei­se in nicht so fer­ner Zukunft mit einer neu­en Art von Mau­er kon­fron­tiert sehen. Das Leben war schon unter Mer­kel kein gro­ßer Spaß mehr – unter der nächs­ten Regie­rung dürf­te es mit Sicher­heit grau­en­haft und sehr, sehr teu­er werden.

  14. Sehe das noch etwas „Ein­ge­bet­te­ter”. Aber nicht, um hier mit abge­ho­be­ne­ren Argu­men­ten zur Welt­herr­schaft gla­en­zen zu wol­len, son­dern ganz prak­tisch. Vor 10 Jah­ren habe ich ein­mal eine Aus­wan­de­rung aktiv ange­stos­sen (NZ). Ich habe schon dort gelebt, die gan­zen Ver­fah­ren waren durch oder in Arbeit. Ist dann aus ganz pri­va­ten Gru­en­den nicht gewor­den, das soll nur sagen: hier spricht kein Theo­re­ti­ker, son­dern jemand fuer den das auch heu­te eigent­lich eine Opti­on ist.

    Eigent­lich…

    Denn die Din­ge sind ja nicht nur in D so. Auch inter­na­tio­nal gibt und gab es jede Men­ge ver­rueck­te Din­ge. „Down Under” sind die aktu­el­len Mass­nah­men haer­ter, in Frank­reich sind oder waren sie es auch. In Isra­el wird noch – Stand heu­te – ganz anders „durch­ge­impft”, eben­so wie im UK. Die Straf­mas­se ande­rer Laen­der fuer Ver­ge­hen sind durch­aus auch von aehn­li­cher Haerte.
    Ob die Boes­ar­tig­keit der Imple­men­tie­rung in Geset­ze spe­zi­fisch deutsch ist, kann ich nicht beur­tei­len. Die Schrit­te schei­nen mir aber meist aehn­lich. Wohin also? Und was pas­siert hier zumin­dest durch alle west­li­chen Gesell­schaf­ten hindurch?

    • Vor 10 Jah­ren wäre Neu­see­land noch ein Traum­ziel für die Aus­wan­de­rung für mich gewe­sen. Heu­te schreck­te mich der Jac­in­da-Sozia­lis­mus fast noch stär­ker als die dys­funk­tio­na­le EU.

      • Genau das mei­ne ich. Und auch in die­sem spe­zi­el­len Bei­spiel – die Ardern ist WEF wie Baer­bock, wie Macron. Alles ein Stall.

        Ein­zig irgend­wie posi­ti­ver Punkt – mit lan­gem Trae­nen­tal davor – der Druck ist hoeher, Pro­ble­me hier zu loe­sen. Die Illu­si­on auch bei den Kri­ti­kern an hoehe­re Wesen wie Grund­ge­setz und gene­rell „ande­re moe­gen es loe­sen” ist aber noch tief ver­an­kert. Sie­he die Dis­kus­si­on zu einem poten­ti­el­len Mili­taer­putsch in Frank­reich, durch den ein paar Ver­schie­bun­gen hier erhofft wer­den, ohne sich die Haen­de schmut­zig machen zu muessen.

    • Nicht ganz : ich bin vor eini­ger Zeit in die schö­ne Schweiz „aus­ge­wan­dert” und schät­ze die hier geleb­te direk­te Demo­kra­tie sehr. Natür­lich sind auch hier die Grü­nen auf dem Vor­marsch, aber es wird doch mit sehr viel weni­ger Ideo­lo­gie und sehr viel mehr gesun­dem Men­schen­ver­stand, sprich : Ver­nunft, agiert.

      • Und so wie es aus­sieht, macht ihr auch nicht den Feh­ler, das Rah­men­ab­kom­men, was ja ein Ein­rah­mungs­ab­kom­men wäre, zu unter­schrei­ben. Gut so!

        • Es gibt auch hier die soge­nann­ten „Euro-Tur­bos”, aber die Schwei­zer haben ihren Ver­stand noch nicht so weit ver­lo­ren, dass sie als künf­ti­ge Net­to­zah­ler sich dem EUGH unter­wer­fen wür­den. Die EU macht es einem leicht : sieht man sich das desas­trö­se Füh­rungs­per­so­nal und das dar­aus fol­gen­de nicht min­der desas­trö­se Agie­ren an, ist das letzt­lich abschre­ckend. Auch sind die Schwei­zer sehr sen­si­bel, wenn es um (europ. und, vor allem, deut­sche) Bevor­mun­dung geht.

      • Die Schweiz hat­te ich gar nicht mehr auf dem Schirm… war­um auch immer!

        • Die las­sen aber nicht jeden Gut­wil­li­gen rein. Lei­der. Aber auch zu Recht.

          • Machen ande­re Län­der mit ver­nünf­ti­gen Kri­te­ri­en nie anders. Das sind aber prak­ti­sche, kei­ne prin­zi­pi­el­len Probleme.

          • Wer arbei­tet, hat in der Regel kei­ne Pro­ble­me, eine Auf­ent­halts­be­wil­li­gung zu bekom­men; Rent­ner eben­falls nicht, falls sie nach­wei­sen kön­nen, dass sie finan­zi­ell aut­ark sind.

            • Wie steht die Schweiz zu Selbsta­en­di­gen mit nach­weis­bar sta­bi­lem und auch bei Wohn­sitz dort auf­recht­erhalt­ba­rem Ein­kom­men (in mei­nem Fall IT in inter­na­tio­na­len Projekten) ?

  15. Ein exzel­len­ter Arti­kel, Herr Letsch. Lei­der tei­le ich Ihren Pes­si­mis­mus, er beglei­tet mich seit Jahren.
    Aber „dampf­nu­del­d­umm” war doch ein Lacher. Darf ich mir das aus­lei­hen? Ach nee, doch lie­ber nicht, ich habe mir fest vor­ge­nom­men, mit nie­man­dem mehr über die Lage zu dis­ku­tie­ren. Sonst rut­sche ich vom Pes­si­mis­mus noch in die Depression.

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