kasperlKeine Exper­i­mente! Das war die kernige Aus­sage eines längst ver­gan­genen CDU-Wahlkampfes, in dem sich let­ztlich „der Alte“ Ade­nauer gegen die ange­blich wild herum­ex­per­i­men­tieren­den Sozis von der SPD durch­set­zte. Es fol­gten noch einige weit­ere Wahlschlacht­en, die teil­weise bis in die per­sön­liche Belei­di­gung hineingin­gen, kalter Krieg macht heiße Wahlkämpfe und das „christliche Abend­land“ wurde damals ange­blich noch von der CDU gegen die „Sow­jetisierung“ vertei­digt. Deutsche Wahlkämpfe von heue sind dage­gen entset­zlich fad! Kein Wun­der, haben sich poli­tis­che Polar­isierung und Rei­bung doch eher in einen gemein­samen langsamen Walz­er ver­wan­delt. Man ken­nt sich, man mag sich, man prügelt sich nicht gern. Man ist zivil­isiert, man koaliert!

Gut, dass es noch Wahlen auf diesem Plan­eten gibt, bei denen wirk­lich etwas auf dem Spiel ste­ht. Nein, ich meine nicht die in den USA. Der 8. Novem­ber wird nicht halb so span­nend wie genau einen Monat früher die Kom­mu­nal­wahl in Palästi­na!

Wahlen in Palästi­na, wer­den Sie sagen… da war doch was? War da was? Ach ja, 2006 gab es Wahlen! Damals gewann die Hamas die Wahl im Gaza-Streifen. Kön­nen Sie sich noch an den wirtschaftlichen Auf­schwung dort nach der Machter­grei­fung der Hamas erin­nern? Wie die Pro­duk­tion boomte und die Bauwirtschaft? Gut, es wur­den nur Raketen pro­duziert und Tun­nel betoniert, aber wir wollen nicht klein­lich sein. In Ramal­lah lief es sich­er bess­er, dort regierte die Fatah…na gut, auch nicht wirk­lich bess­er. Aber was will man in zehn Jahren schon groß erre­ichen, solange Israel noch existiert. Nach einem weit­eren Wahlde­bakel, sagte die Fatah kurz­er­hand alle weit­eren Wahlen ab. Wozu jet­zt noch der demokratis­che Hokus­pokus, man hat­te ja schließlich einen frei gewählten Präsi­den­ten und der heißt Mah­mud Abbas.

Nach dessen inspiri­eren­der Rede über Brun­nen­vergifter-Rab­bis vor dem EU-Par­la­ment und dem Lob des Par­la­mentspräsi­den­ten Mar­tin Schulz muss sich Abbas gedacht haben: „Men­sch, ich kann’s noch!“ und set­zte Kom­mu­nal­wahlen für den 8.10.2016 an – natür­lich vergewis­serte er sich vorher, dass die Hamas wie angekündigt nicht an der Wahl teil­nehmen würde. Aber manch­mal kommt es eben doch knüp­peldick: Die Hamas macht mit!

Nun müssen Sie wis­sen und wis­sen es sich­er auch, dass Abbas über „A“ herrscht, während die Hamas das Sagen in „B“ hat. Aber wie’s der Belze­bub so will, erlauben die Israelis, dass Leute aus A nach B und Leute aus B nach A fahren kön­nen. Auch Wahlkämpfer – bei anderen Kämpfern hat Jerusalem ver­ständlicher­weise Ein­wände gegen diese Art „Reise­frei­heit“.

Und was macht man, wenn gefährliche Wahlkämpfer von A nach B oder von B nach A kom­men? Nein, nicht Buh­hh rufen! Man ver­haftet sie, sper­rt sie weg oder wird kör­per­lich etwas „nach­drück­lich­er“. Im West­en nen­nt man es auch kurz „Folter“. Und wenn das immer noch nicht reicht, gibt es immer noch das Mit­tel ein­er Fat­wa.

Die Hamas hat ihren ober­sten Rechts­gelehrten, Mufti Yunis Al-Astal, mit der Ver­fas­sung eines solchen „Rechtsgutacht­ens“ beauf­tragt und der Mufti liefert:

„Jede Per­son, ob Mann oder Frau, die eine andere Partei als die Hamas wählt, gilt als ungläu­big und abtrün­nig, und seine oder ihre Buße wird nicht akzep­tiert, auch wenn diese in Form eines Fas­tens, eines Gebets oder ein­er Wall­fahrt nach Mek­ka (Had­sch) abgelegt wird.“

Das ist hart! Schach ist geboten, matt dro­ht! Die Hamas hat ver­standen, wie Demokratie funk­tion­iert: Möge das bessere Argu­ment gewin­nen! Liebe Fatah, da wird wohl nur eine Gegen­fat­wa helfen, welche Mufti Yunis Al-Astal als Agent der Zion­is­ten oder doch wenig­stens als Hand­langer des Pap­stes ent­larvt. Auch die Fat­wa gegen die Gegen­fat­wa, mit der Mufti Yunis Al-Astal natür­lich antworten muss, dürfte von großer Kreativ­ität sein. Ich fürchte, am Ende wird sich erweisen, dass der Jüdis­che Weltkongress Abbas diese Wahl einge­flüstert hat, um ihn vom recht­en Weg abzubrin­gen. Vielle­icht war es aber auch Nord­ko­rea! Wir soll­ten drin­gend Jür­gen Toden­höfer als Wahlbeobachter schick­en, denn der hat ein Näschen für die Wahrheit hin­ter der Blend­fas­sade.

Oder es erweist sich mal wieder, dass Wahlen nur in einiger­maßen demokratis­chen Bah­nen über­haupt diese Beze­ich­nung ver­di­enen, einen frei gewählten Despoten kann es näm­lich nicht geben. Für simulierte Wahlen wie denen in Palästi­na gibt es bere­its eine tre­f­fend­ere Beze­ich­nung: Kasper­lethe­ater!

Lesen Sie hier die ganze Geschichte.

Vorheriger ArtikelGuy Fawkes, die Burka und die Straßenverkehrsordnung
Nächster ArtikelJe trockener die Füße, umso feuchter die Augen

1 Kommentar

Kommentarfunktion ist geschlossen.