Gre­ta Thun­berg hat wie­der zuge­schla­gen, dies­mal bei ihrer Rede auf der Zukunfts­kon­fe­renz in Brüs­sel. Wie­der ein­mal zeigt sich, dass die Welt neben den Indif­fe­ren­ten, denen es völ­lig egal ist, was poli­ti­sier­te Teen­ager von sich geben, in drei Grup­pen ein­ge­teilt ist. Da sind die Bewun­de­rer, nicht nur die gleich­alt­ri­gen Mit-Schul­schwän­zer, die ihre Hoff­nun­gen auf Gre­ta pro­ji­zie­ren. Dann natür­lich die Spöt­ter, die das alles für einen Mar­ke­ting-Gag hal­ten und dem lau­ten aber ober­fläch­li­chen Akti­vis­mus einen Vogel zei­gen und dann noch die Mit­füh­len­den, die die Ein­di­men­sio­na­li­tät von Gre­tas Agen­da und ihre Instru­men­ta­li­sie­rung unter dem Aspekt des Kin­der­schut­zes bekla­gen. Ich selbst bin schon auf die reli­giö­se Kom­po­nen­te in Gre­ta Thun­bergs Bewe­gung und die Selbst­er­mäch­ti­gung ein­ge­gan­gen, die ent­fernt an Jean­ne d’Arcs erin­nert. Doch rich­te­te sich deren Wir­ken auf die Restau­ra­ti­on eines Herr­scher­tums, wäh­rend Gre­ta heu­ti­ge Herr­schafts­struk­tu­ren in Toto abwatscht und mit ihren For­de­run­gen nach schlag­ar­ti­ger voll­stän­di­ger Decar­bo­ni­sie­rung kei­ne restau­ra­ti­ve, son­dern in der Kon­se­quenz eine kul­tur­pes­si­mis­ti­sche Grund­hal­tung zeigt: Alles ist schlecht, alles muss enden. Die Abgrün­de, in die sol­ches Den­ken füh­ren kann, kamen mir schlag­ar­tig bekannt vor, als ich bei der Rede in Brüs­sel sah, was für einen auf­merk­sa­men Zuhö­rer Gre­ta in dem hin­ter ihr sit­zen­den Jean Clau­de Juncker hat­te. Es gibt wohl neben Igno­ran­ten, Jün­gern, Spöt­tern und Beschüt­zern Gre­tas noch eine wei­te­re Grup­pe – und der wird lang­sam Angst und Bange.

Ich glau­be nicht, dass Gre­ta von Jean-Jac­ques Rous­se­au bis­her mehr als nur gehört hat, so viel His­to­ri­sches lässt sich in vier Schul­ta­gen gar nicht unter­brin­gen (und heu­te war erst Don­ners­tag und dank Brüs­sel-Auf­tritt war der auch Schul­frei). Aber vie­les in Gre­tas Bestimmt­heit und dem Abso­lut­heits­an­spruch, der in all ihren Reden zum Aus­druck kommt, erin­nert mich an eben jenen Weg­be­rei­ter der Auf­klä­rung, des­sen Ideen in höhe­rer Dosie­rung aber auch Weg­be­rei­ter der dunk­len Sei­ten der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on wur­den. Wäh­rend gesell­schaft­li­chem und tech­ni­schem Fort­schritt zuge­neig­te Den­ker neben sich ein­stel­len­den posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen auch immer Neben­ef­fek­te und Neben­wir­kun­gen ins Kal­kül zogen, ver­stand Rous­se­au die mensch­li­che Geschich­te als einen fort­wäh­ren­den Nie­der­gang, der nur durch ein in jeder Hin­sicht neu­es Den­ken und Han­deln auf­zu­hal­ten sei. Hand­lun­gen, die nicht zu per­fek­ten Ergeb­nis­sen füh­ren, sei­en letzt­lich schlech­te Hand­lun­gen. Es gel­te folg­lich, das per­fek­te Staats­we­sen zu errich­ten, in dem der ein­zel­ne Mensch nicht mehr als fehl­ba­res, indi­vi­du­el­les aber auch mit uni­ver­sel­len rech­ten aus­ge­stat­te­tes Wesen zu gel­ten hat, auf das sich die Poli­tik bezie­hen muss, son­dern in dem der Mensch nur Echo­raum einer abso­lu­ten Idee ist. Zu abs­trakt? Dann stel­len Sie sich ein­fach einen Bie­nen­staat vor, dort wirkt die Idee Rous­se­aus per­fekt – inklu­si­ve der Tat­sa­che, dass die ein­zel­ne Bie­ne kei­ne Ahnung davon hat, wie die Idee eigent­lich lau­tet. „Bes­ser für die Bie­ne“, wür­de der alte Meis­ter aus Genf wohl sagen.

Allgemeiner Wille, guter Wille?

Rous­se­au lei­te­te dar­aus sei­ne Idee vom „All­ge­mei­nen Wil­len“ ab, der „volon­té géné­ra­le“, den er in sei­nem Haupt­werk „Vom Gesell­schafts­ver­trag oder Prin­zi­pi­en des Staats­rechts“ als abso­lut, unfehl­bar und gerecht defi­nier­te und dem sich alle frei­wil­lig und von einer anony­men Ver­nunft beseelt unter­ord­nen wür­den. In der Theo­rie klingt das ver­nünf­tig und uto­pisch zugleich, geht man mit die­ser Idee des Abso­lu­ten jedoch auf die Pra­xis los, in der man es ja nun mal nicht mit eine dif­fu­sen Anzahl indif­fe­ren­ter Men­schen, son­dern mit höchst unter­schied­li­chen Indi­vi­du­en zu tun bekommt, glei­tet die schö­ne Idee schnell in den Tota­li­ta­ris­mus ab. Denn die Fra­ge, wer im Besitz der abso­lu­ten Wahr­heit ist, die zur Aus­füh­rung (um nicht von Exe­ku­ti­on zu spre­chen) gelangt, ist nicht Ergeb­nis eines müh­sa­men Erkennt­nis­pro­zes­ses und von Ver­such und Irr­tum, son­dern wird ‚ex cathe­dra‘ ver­kün­det. Wer die Idee for­mu­liert, hat einen Vor­sprung, den er beson­ders wirk­sam durch die Ver­fol­gung und Dis­kre­di­tie­rung abwei­chen­der Ideen bewah­ren kann. Der Kli­ma­wan­del und die Vor­stel­lung, dass nur der Mensch als Ver­ant­wort­li­cher dafür in Fra­ge kom­me und das jede Debat­te dar­über zu unter­blei­ben habe, ist eine sol­che Idee.

Philosophie wird Politik, Politik wird Tod

Die poli­ti­schen Erben Jean-Jac­ques Rous­se­aus, etwa Robes­pierre oder Saint-Just, die sei­ne Ideen in prak­ti­sche Poli­tik ver­wan­del­ten, sich im Besitz der abso­lu­ten Wahr­heit wähn­ten und somit den „all­ge­mei­nen Wil­len“ for­mu­lie­ren und aus­le­gen zu dür­fen glaub­ten, gin­gen den Weg des Tota­li­ta­ris­mus bis fast zum Ende, dem zum Glück noch deren eige­nes Ende vor­aus­ging. Die Vor­stel­lung, man kön­ne die Men­schen durch eine Idee in einen unschul­di­gen Natur­zu­stand zurück­ver­set­zen, in dem alle Unter­schie­de und Unge­rech­tig­kei­ten enden wür­den und die Kor­rup­ti­on einer aris­to­kra­ti­schen Ober­schicht durch die Tugend erleuch­te­ter Män­ner abge­löst wür­de, schnitt mehr als nur Ideen und Gedan­ken ab. Sie trenn­te auch Köp­fe von Häl­sen, die außer zum Kopf­schüt­teln zu kei­ner wei­ter­ge­hen­den Kri­tik in der Lage waren oder sich für gänz­lich unpo­li­tisch und damit unbe­tei­ligt hielten.

Der Mensch an sich sei gut, mein­te Rous­se­au, aber er ver­ges­se es im Lau­fe sei­nes Lebens und sei­ner Erzie­hung und Anpas­sung an das Sys­tem immer wie­der. In die­sen „Natur­zu­stand des Guten“ jedoch durch prak­ti­sche Maß­nah­men der Gleich­ma­che­rei, Ent­eig­nung, Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung und Sprach­zen­sur tat­säch­lich zurück­fin­den zu können…diesen Wahn kann man Rous­se­au nicht anlas­ten, wohl aber denen, die – bewusst oder unbe­wusst – als sei­ne Voll­stre­cker ange­tre­ten waren und glau­ben, ihren Meis­ter in ihrer Kon­se­quenz noch über­flü­geln zu kön­nen. Je ein­fa­cher und glat­ter eine Idee, umso leich­ter lässt sie sich abso­lut set­zen. In der Zeit des Tugend­ter­rors der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on waren die Ideen glat­ter als der Stahl, der sei­nen Kri­ti­kern deren Köp­fe vor die Füße leg­te und auch heu­te geht es – wenn auch (noch) weni­ger blu­tig – um nichts weni­ger als das phy­si­sche Ende des­sen, was der glat­ten Idee der Kli­ma­ret­tung im Weg steht. Indus­trie: weg, Indi­vi­du­al­ver­kehr: weg, siche­re Strom­ver­sor­gung: weg. Kenn­zeich­nend für den blin­den Eifer ist zudem, dass man sich sogar der Erör­te­rung der mög­li­chen Fol­gen die­ser Poli­tik kon­se­quent ver­schließt. Hät­te man ver­sucht, mit Robes­pierre über die Dekre­te zu dis­pu­tie­ren, die tau­sen­den Fran­zo­sen das Leben kos­te­ten, wür­de das Wort „Ver­rat“ mit Sicher­heit schon im ers­ten Satz sei­ner Ant­wort ausgesprochen.

Greta Thunberg fordert: sofort alles abschalten

Juncker, der sich Gre­tas Rede samt Poli­ti­ker­schel­te lächelnd anhör­te und auch an den Stel­len artig applau­dier­te, an denen Poli­ti­kern wie ihm ordent­lich die Levi­ten gele­sen wur­de, erin­nert ein wenig an die Salons in der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts, als der Adel den Ideen Rous­se­aus und sei­ner Adla­ten begeis­tert applau­dier­te und wie die Poli­ti­ker von heu­te den Schau­der dop­pelt genoss – näm­lich gleich­zei­tig im Publi­kum zu sit­zen und im auf­ge­führ­ten Stück erdolcht zu wer­den. Denn was die Akti­vis­tin Thun­berg for­dert, ist nichts weni­ger als das sofor­ti­ge Ende einer Zivi­li­sa­ti­on, die sie – ähn­lich wie die Rous­se­au nach­ei­fern­den Poli­ti­ker des 18. Jahr­hun­derts – auf dem völ­lig fal­schen Weg sieht. Da ist nichts umzu­bau­en und zu ver­än­dern, da muss abge­schal­tet, ver­bo­ten, umer­zo­gen und ver­nich­tet wer­den. Nicht das bei Poli­tik und Medi­en so belieb­te Nud­ging, das sanf­te Schub­sen oder das Ver­lo­cken mit Teil­ha­be an der siche­ren Mehr­heits­mei­nung oder Ver­güns­ti­gun­gen für Wohl­ver­hal­ten ist Gre­tas Mit­tel, ihres hört ange­sichts der For­de­rung nach sofor­ti­ger 80%-iger Emis­si­ons­re­du­zie­rung auf den Namen „Cut­ting“. Erst wenn Indus­trie, Ver­kehr und Zivi­li­sa­ti­on die­sen Hair­cut unter der Decar­bo­ni­sie­rung-Guil­lo­ti­ne ver­passt bekom­men haben, kön­ne die Mensch­heit geret­tet sein. Das ist die For­de­rung nach Selbst­mord aus Angst vor dem Tod.

Technologiefeindlichkeit ist kein Fortschritt

Jede tech­ni­sche oder gesell­schaft­li­che Errun­gen­schaft wird, weil sie nicht per­fekt ist, kri­ti­siert und ver­wor­fen. Dass die­ses Denk­mus­ter, das uns Atom­aus­stieg, Vega­nis­mus, Grenz­wert­hys­te­rien, Impf­geg­ner und Ener­gie­wen­de beschert hat, sich aus­ge­rech­net in einem Land wie Deutsch­land wie Grip­pe ver­brei­tet, dass doch erwie­se­ner­ma­ßen gera­de von der Per­fek­tio­nie­rung von bestehen­der Tech­nik seit Jahr­zehn­ten lebt und pro­fi­tiert, statt die­se wie anders­wo auf der Welt ein­fach durch kom­plett neue und viel­leicht bes­se­re Erfin­dun­gen zu erset­zen, erstaunt mich immer wie­der aufs Neue. Jede Not­wen­dig­keit der tech­ni­sche Per­fek­tio­nie­rung, die sich im Betrieb und nach eini­ger Anfangs­eu­pho­rie bei der Benut­zung einer belie­bi­gen Tech­no­lo­gie zeigt, wäre ein genu­in deut­sches Betä­ti­gungs­feld. Die letz­ten Male, dass uns das gelang, waren die Druck­tech­nik, tech­ni­sche Anla­gen wie Gas­tur­bi­nen und die Auto­mo­bil­in­dus­trie. Die Wei­ter­ent­wick­lung der Kern­ener­gie hin zu pas­siv siche­ren Anla­gen ohne Jahr­mil­lio­nen gefähr­li­chen Abfall erfolgt in Chi­na und Russ­land, statt die CO2-Abschei­dung bei kon­ven­tio­nel­len Kraft­wer­ken (falls man das tat­säch­lich für wich­tig hält) zu ver­bes­sern, stei­gen wir kom­plett aus der Tech­no­lo­gie aus, unse­re Gas­kraft­wer­ke, die die effek­tivs­ten der Welt sind, lau­fen auf­grund der Ener­gie­po­li­tik defi­zi­tär und wer­den von Sub­ven­tio­nen statt von Inno­va­tio­nen am Lau­fen gehal­ten und die Auto­mo­bil­in­dus­trie trei­ben wir auch gera­de in den Ruin (Elek­tro-Autos) oder gleich ins Ausland.

Es mag den betei­lig­ten Schul­schwän­zern nicht klar sein, aber um Deutsch­lands CO2-Emis­sio­nen um 80% zu sen­ken, dürf­te man hier­zu­lan­de die Wind­rä­der noch nicht ein­mal zusam­men­schrau­ben, die sich an Stel­le der koh­le- und kern­kraft­be­trie­be­nen Dampf­tur­bi­nen dre­hen sol­len. Auch die che­mi­sche Indus­trie, Maschi­nen­bau, Auto­mo­bil­in­dus­trie, Bau­in­dus­trie, Hand­werk und Ver­kehr kämen voll­stän­dig zum Erlie­gen und mit all dem auch die Arbeits­plät­ze mit der größ­ten Wert­schöp­fung und Export­po­ten­zi­al. Ganz unab­hän­gig davon darf die Fra­ge nach mög­li­cher­wei­se sogar posi­ti­ven Effek­ten des leicht höhe­ren CO2-Gehalts der Luft und berech­tig­ten phy­si­ka­li­schen Zwei­feln an den Model­len des IPCC kaum noch gestellt wer­den, will man sich nicht der Auf­for­de­rung aus­set­zen, sich an einen kli­ni­schen Psy­cho­lo­gen zu wen­den. Momen­tan gibt es noch eine gewis­se Anzahl an Poli­ti­kern, die trotz aller medi­en­wirk­sa­men Ver­spre­chen und Strö­men von Tin­te unter Kli­ma­ab­kom­men und Absichts­er­klä­run­gen davor zurück­schre­cken, der Mensch­heit gleich mor­gen den Ste­cker zu zie­hen. Für die nähe­re Zukunft muss das aber nicht so bleiben.

Nach den Scheinheiligen kommen nicht die Heiligen, sondern die Inquisitoren

So uner­träg­lich grü­ne Moral­apos­tel wie zum Bei­spiel Katha­ri­na Schul­ze auch sein mögen, die Bahn­card pre­di­gen aber selbst ein Flug­mei­len­kon­to im sechs­stel­li­gen Bereich haben und dann auch noch die Chuz­pe besit­zen, stolz von ihren Aus­gleichs­zah­lun­gen bei atmos­Fair zu berich­ten, die sie nur des­halb leis­ten kön­nen, weil sie vom Steu­er­zah­ler aus­rei­chend ali­men­tiert wer­den – die­se Poli­ti­ker ste­hen zumin­dest noch teil­wei­se in der Rea­li­tät, auch wenn sie es gar nicht gern haben, wenn das Licht der Öffent­lich­keit dar­auf fällt. Die Genera­ti­on „Gre­ta“ jedoch könn­te, sofern sie nicht noch recht­zei­tig von der Rea­li­tät des ech­ten Lebens „kor­rum­piert“ wird, die nächs­te Poli­ti­ker­kas­te stel­len und die wird kei­ne Kom­pro­mis­se mehr mit der Rea­li­tät schlie­ßen und die „rei­ne Idee“ von der zur Unschuld und ins vor­tech­ni­sche Zeit­al­ter zurück­zu­füh­ren­den Mensch­heit mit Gebot und Ver­bot exekutieren.

Die dafür not­wen­di­ge staat­li­che All­macht mit umfas­sen­dem Durch­griff auf alle Aspek­te des Lebens jedes Ein­zel­nen, für den dann alles gere­gelt, alles fest­ge­legt und durch­ge­plant ist, wird bereits errich­tet. Hier schließt sich der Kreis zu Rous­se­au, für des­sen Idee des „all­ge­mei­nen Wil­lens“ bedurf­te es auch eines völ­lig bin­dungs­lo­sen Men­schen, eines staats­un­mit­tel­ba­ren Wesens, der kei­ne Her­kunft, kei­ne Kul­tur, kei­ne pri­va­te Sphä­re und kei­ne Fami­lie kennt und nur einer abso­lu­ten Idee ver­pflich­tet ist. Lin­ke bezeich­nen die­sen Zustand gern als Frei­heit, weil sie den Zwang dar­in nicht sehen wol­len, der zur Ver­wirk­li­chung ange­wen­det wird. Hat man für die­je­ni­gen, die sich dem Gleich­schritt ent­zie­hen, aktu­ell noch aus­gren­zen­den Spott zur Hand, indem man sie als „Kli­ma­l­eug­ner“ oder schlim­me­res bezeich­net, gibt es kei­ne Garan­tie dafür, dass in Zukunft nicht die recht wir­kungs­ar­me Stig­ma­ti­sie­rung einer wie weit auch immer gehen­den „Exe­ku­tie­rung“ Platz machen muss. Ers­te For­de­run­gen, „Kli­ma­l­eug­nung“ unter Stra­fe zu stel­len, wur­den bereits erhoben.

In Soye­ners Roman „Der Chir­urg Napo­le­ons“ heißt es „Der gefähr­lichs­te Mensch ist der­je­ni­ge, der nur eine ein­zi­ge Idee hat. Und Robes­pierre hat­te nur eine ein­zi­ge Idee.“ Doch das ist nicht ganz voll­stän­dig. Die Welt ist schließ­lich voll von Erfin­dern, Welt­ver­bes­se­rern, Künst­lern und Unter­neh­mern, die genau­so auf eine Idee fixiert sind. Das muss also nichts Schlech­tes sein und führt beim Schei­tern auch nicht immer in Kata­stro­phen. Die Idee muss schon eine poli­ti­sche sein und die wird erst gefähr­lich, wenn zwei wei­te­re Bedin­gun­gen erfüllt sind. Wenn sich die Idee näm­lich als etwas prä­sen­tiert, das noch nie gewagt wur­de, deren Zeit aber nun gekom­men sei und ihr zudem die Hebel der Macht eher nach­ge­tra­gen wer­den, als dass die die­se erobern müsste.

Heute Schulschwänzer, übermorgen vielleicht Kommissionspräsidentin

Die kom­pro­miss­lo­sen Schul­schwän­zer und Decar­bo­ni­sie­rer von heu­te haben nur die­se eine Idee und wenn sie, vom poli­ti­schen und media­len Applaus getra­gen, in fünf bis zehn Jah­ren an poli­ti­sche Man­da­te gelan­gen soll­ten, trä­fen sie gera­de in der EU (falls die dann in ihrer aktu­el­len Form noch exis­tiert) auf einen zen­tra­li­sier­ten Super­staat mit maxi­ma­ler Hand­lungs­kom­pe­tenz, der sich jeder Kon­trol­le durch die Mit­glieds­staa­ten oder deren Bür­ger längst ent­zo­gen hat. Das wol­len wir alle mal nicht hof­fen aber spä­tes­tens dann könn­te Juncker das jovia­le Applau­die­ren und uns das mit­lei­di­ge Lächeln und der Spott ange­sichts sol­cher hals­ab­schnei­de­ri­schen Reden wie der von Gre­ta in Brüs­sel gründ­lich vergehen.

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17 Kommentare

  1. Ein star­ker Text. Der Sui­zi­da­lis­mus ver­folgt die Dop­pel­stra­te­gie, zugleich den Ast abzu­sä­gen, auf dem man sitzt, wäh­rend man noch die Gans schlach­tet, die gol­de­ne Eier legt. Die­ser galop­pie­ren­de ideo­lo­gi­sche Wahn könn­te sei­ne Recht­fer­ti­gung fin­den, wenn denn eine ech­te Gefahr einer Kli­ma­ka­ta­stro­phe adres­siert wür­de. Nur ist die­se nicht durch Fak­ten zu erken­nen, son­dern nur durch GIGO-Model­le, deren Anspruch der Wis­sen­schaft­lich­keit uner­füllt bleibt.
    Aber selbst wenn die fieb­ri­gen Hor­ror­vi­sio­nen zutref­fend sein soll­ten, so wür­den doch die ange­streb­ten Maß­nah­men nutz­los blei­ben und das Pro­blem nicht wirk­sam bekämp­fen kann. Es bleibt der kol­lek­ti­ve Wahn­sinn, unter wel­chem Aspekt man ihn auch betrachtet.

  2. „Die Idee muss schon eine poli­ti­sche sein und die wird erst gefähr­lich, wenn zwei wei­te­re Bedin­gun­gen erfüllt sind. Wenn sich die Idee näm­lich als etwas prä­sen­tiert, das noch nie gewagt wur­de, deren Zeit aber nun gekom­men sei und ihr zudem die Hebel der Macht eher nach­ge­tra­gen wer­den, als dass die die­se erobern müsste.“

    Natio­nal­so­zia­lis­mus und Soviet-Kom­mu­nis­mus wur­den hart erkämpft. Beim „ara­bi­schen Früh­ling“ und der ira­ni­schen Revo­lu­ti­on ging es ursprüng­lich um „Demo­kra­tie“ und „sozia­le Gerech­tig­keit“, wie sie andern­orts bereits „imple­men­tiert“ waren. Selbst, wenn man annimmt, dass es um „Isla­mis­mus“ oder „Isla­mis­mus auf dem Umweg der Demo­kra­tie“ ging, waren die­se Din­ge nicht neu. Ein­fach wars auch nicht, die Her­ren abzu­set­zen, die zuvor am Drü­cker waren. Andern­falls müss­te es ja lau­ten „Je auto­ri­tä­rer, des­to ein­fa­cher wird mans wie­der los“, was nicht unbe­dingt logisch klingt. Wobei ich mir da nicht sicher bin. Nen all­mäch­ti­gen Gott­kai­ser kann man erschie­ßen, dann ist er weg. Erschießt man ne Angie, rückt eine AKK nach, und macht genau so wei­ter. Aber einen Gott­kai­ser zu erschie­ßen klingt nicht so leicht, dass man sagen kann, man bekä­me das Resul­tat nach­ge­wor­fen. Wobei, viel­leicht sind die Gott­kai­ser auch libe­ra­ler als Angie, und ein Dik­ta­tor übt ins­ge­samt weni­ger Ein­fluss inner­halb sei­nes Gebiets aus, als eine Angie. Demo­kra­tien sind abso­lu­tis­ti­scher als Mon­ar­chien, weil selbst der All­macht eines Lud­wig Xiv durch Kir­che, Adel, und Com­mon Law Gren­zen gesetzt waren, wäh­rend man in einer Demo­kra­tie die All­macht des Staats voll­kom­men unstrit­tig ist, und schon in der Ver­fas­sung fest­ge­schrie­ben wird. Müss­te man mal nach­rech­nen. Aber egal, was dabei raus kommt, die zwei Bau­ern­re­geln sind nicht haltbar.

    Ist nicht schon Poli­tik an sich ein Ding, das Kata­stro­phen ver­ur­sacht, ein­fach nur des­halb, weil dort die Grund­vor­aus­set­zun­gen dafür bereit lie­gen? Mir erscheint die­se Aus­sa­ge nahe­lie­gen­der, als die Unter­tei­lung in „Gute Poli­tik“ und „Böse Poli­tik“ mit­tels eini­ger Bau­ern­re­geln. Klar, stellt man damit das eige­ne Gut/Böse Bild auf den Kopf. Aber wer denkt schon von sich, dass er nicht auf Sei­ten des Guten steht. Ich wür­de bezwei­feln, dass die­je­ni­gen, die in der Ver­gan­gen­heit die wirk­lich gro­ßen Kata­stro­phen aus­ge­löst haben, sich selbst für die Bösen hiel­ten, oder sie nicht auch über eini­ge Bau­ern­re­geln ver­füg­ten, anhand derer sie defi­nier­ten, was gefähr­lich ist. Viel­leicht gibt es in dem Spiel kei­ne „Gute“ Seite.

    • „Erschießt man ne Angie, rückt eine AKK nach, und macht genau so weiter.“

      Ich möch­te kurz einen Feh­ler kor­ri­gie­ren. AKK soll natür­lich KGE hei­ßen. Kei­ne Ahnung, wie ich auf AKK kom­me. Mög­li­cher­wei­se dach­te ich wäh­rend des Schrei­bens an die Fake-Por­nos mit Alex­an­dria Oca­sio-Cor­tez als arsch­ge­fick­te Haupt­dar­stel­le­rin, die es zuwei­len auf 4chan gibt. Die fängt zumin­dest mit A an, und hat zwei K‑Laute im Nachnamen. 

      Ich fin­de, man soll­te Poli­ti­kern Num­mern geben, mit denen sie dann ange­spro­chen wer­den. Man kann mit Num­mern eine Heap-Struk­tur adres­sie­ren, und auch Baum­struk­tu­ren, und das ist aus­sa­ge­kräf­ti­ger, als zusam­men­ge­wür­fel­te Namen. Für beson­de­re Ver­diens­te, wie zum Bei­spiel Alex­an­dri­as Mimik, die so wun­der­bar zu rie­si­gen, rek­tal wüten­den Neger­schwän­zen passt, kann man Poli­ti­ker auch mal beim Namen anspre­chen, aber im Nor­mal­fall wäre eine Num­mer vor­zu­zie­hen, fin­de ich. Namen sind redundant.

      • Nun lese ich, dass AKK doch die kor­rek­te Abkür­zung war. Wie pein­lich. Ich blei­be aber dabei, dass man Poli­ti­ker nume­rie­ren, und nicht mehr mit ihrem Namen anspre­chen sollte.

  3. Das Pro­blem ist nicht nur die Gre­ta. Das viel grö­ße­re Pro­blem ist eine Mehr­heit in die­sem Land, der das poli­ti­sche Gesche­hen egal ist oder sich von den Main­stream-Medi­en zu sehr lei­ten lässt. Zu bequem, einen Wider­stand zu leis­ten oder gar nach­zu­den­ken. Es geht uns allen ja (noch) zu gut. Des­halb noch­mals dan­ke für Ihre tol­len Bei­trä­ge, die wenigs­tens die Gehirn­zel­len von ein paar von uns noch anstrengen.

  4. Mir geht das The­ma lang­sam auch auf den Geist. Es ist gut hier kon­tro­ver­se Mei­nun­gen lesen zu kön­nen; mer­ke ich doch das ich nicht allei­ne da stehe.
    Auch mer­ke ich eine gewis­se Bockig­keit an mir. Selbst­ver­ständ­lich bin ich für eine sau­be­re Umwelt. Pro­tes­tie­ren ist auch in Ord­nung, halt nicht mein Ding, aber wer mag..
    Die­ses medi­al gehyp­te Ober­leh­rer­haf­te, von einer jetzt 16jährigen gehan­dy­cap­ten Schwe­din, bringt aller­dings das Fass zum überlaufen.
    Gute Lust enfach mal ein paar Rei­fen oder Krö­ten zu ver­bren­nen und die Fri­teu­se im Gar­ten aus­zu­wa­schen. Und Gre­ta wäre mein Frust­ab­bau dann schuld. Und ich schrei­be ihr, das die­sem Pro­test vie­le in Deutsch­land fol­gen wer­den und es mir gleich­tun. In alter Tra­di­ti­on montags.
    Dann ist hof­fent­lich Ruhe.

  5. Müs­sen wir wirk­lich war­ten bis die klei­ne Gre­ta EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin gewor­den ist? Schon jetzt möch­te ich vie­len Poli­ti­kern gern zuru­fen: „Ganz schön viel Mei­nung bei so wenig Ahnung.“ In einer Zeit in der Hal­tung wich­ti­ger als Wis­sen und Kön­nen ist und Kam­pa­gnen für oder gegen jeden Unsinn gefah­ren wer­den, brau­chen wir wohl nicht mehr so lan­ge zu war­ten. Schon unse­re jet­zi­gen Poli­ti­ker sind doch dabei gan­ze Indus­trie­zwei­ge abzu­schaf­fen. Und was ler­nen die Demo-Kids? Man muss nichts ler­nen und kön­nen und ein abge­bro­che­nes Stu­di­um ist nicht hin­der­lich wenn man einen Pos­ten in einer Par­tei anstrebt. Ja mit die­ser Genera­ti­on wird es bestimmt nicht bes­ser wer­den, aber viel­leicht ist ja auch nichts mehr da was sie kaputt­ma­chen können.

  6. Es wird immer uner­träg­li­cher Bei­trä­ge zu einer indo­kri­nier­ten und völ­lig rea­li­täts­fer­nen Klein- Kli­ma- Pipi und deren media­le Instru­men­ta­li­sie­rung zur Welt­ret­tungs- Iko­ne lesen zu müs­sen! Den­ken ist nicht mehr das Ding die­ser Genera­ti­on – pos­tu­liert wird nur noch rein emo­tio­nal. Das gan­ze erin­nert mitt­ler­wei­le an eine Kli­ma- Inqui­si­ti­on, die sich nicht mehr an Fak­ten ori­en­tiert und das gan­ze zu einem Welt­ret­tungs- Hap­pe­ning stilisiert!

  7. Die­ser Arti­kel mag viel­leicht geist­reich sein, noch bes­ser wäre es aller­dings, wenn er über­haupt nicht geschrie­ben wor­den wäre. Ich war­te auf den Tag, an dem man das Kind ein­fach kei­nes Kom­men­tars mehr wür­digt. Denn das ist der ein­zi­ge Weg, die­sem hane­bü­che­nen Unsinn ein Ende zu berei­ten. Über Argu­men­te wird es näm­lich nicht gehen!

    • Die Poli­tik hat über­haupt kei­ne Pro­ble­me, über die Köp­fe der­je­ni­gen hin­weg Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die sich von sol­chen Kaprio­len abge­wen­det haben. Ist wie mit den Bie­nen: bes­ser, wenn die kei­ne Fra­gen stel­len. Ich fürch­te des­halb, ohne mas­si­ven Wider­stand wird es nicht gehen. Gre­ta ist im Moment noch so „genau“, uns einen Count-Down zu lie­fern. Letz­tes Jahr sprach sie noch (genau wie ihre Sis­ter-in-small-Mind Oca­sio-Cor­tez) von den letz­ten 12 Jah­ren der Mensch­heit, nun ist sie mit dem Jah­res­wech­sel auf 11 Jah­re run­ter­ge­gan­gen, was bedeu­tet, dass sie mit einem kalen­da­ri­sches Ereig­nis des Welt­un­ter­gangs rech­net. Das Jahr 2030 könn­te sehr unter­halt­sam werden. 😉

      • 🙂 2030 wäre sie dann 27. Ich 72. Ich glaub‘ ich zieh‘ in ein ein­sa­mes Gebirgs­tal im Schat­ten der hohen Tau­ern. Viel­leicht gibt’s da kei­ne Volksempfänger?

  8. Auf der einen Sei­te ein durch­ge­knall­tes Kind, das meint, der Welt sagen zu müs­sen wo es lang geht und auf der ande­ren Sei­te ein abge­half­te­ter, immer wie­der mal ‚abge­füll­ter‘, jovi­al applau­die­ren­der Juncker – in was für einer kopf­ste­hen­den Welt leben wir inzwi­schen?? Den grü­nen Moral­apos­teln und lin­ken ‚Gleich­schrit­ti­gen‘ kann man auch nur sagen:“ Geht raus, spie­len. Zu ernst­haf­ten, ver­nünf­ti­gen Din­gen seid ihr ohne­hin nicht zu gebrauchen“.Das Umwelt­bun­des­amt liegt mit sei­ner Stu­die, die zur Begrün­dung der Die­sel­fahr­ver­bo­te dient, völ­lig falsch. Ich sehe zur Zeit kei­nen ein­zi­gen Bereich, der Posi­ti­ves ver­brei­tet. Wann machen sich die Deut­schen end­lich auf, um gründ­lich aufzuräumen?

    • Frü­her hät­te man der klei­nen Göh­re mal so rich­tig den Hin­tern ver­sohlt, damit sie im Kopf wie­der klar kommt.
      Was kommt als nächs­tes? Ein Zehn­jäh­ri­ger mit Sitz­blo­cka­de wegen Emis­sio­nen auf der A7 ?
      Was ist nur aus die­ser Welt geworden?

  9. Lie­ber Roger,

    dan­ke für die­sen geist­rei­chen, gut recher­chier­ten, geschichts­träch­ti­gen und mit Humor gespick­ten Artikel!

    Dei­ne poli­ti­schen Schluss­fol­ge­run­gen im letz­ten Kapi­tel sind ganz und gar nicht unrea­lis­tisch: Wenn wir uns an die 68er erin­nern – die und ihre geis­ti­gen Nach­kom­men sit­zen heu­te in den Parlamenten.

    Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Thun­berg – das riecht nach ganz­jäh­ri­gen Fahr­ver­bo­ten und 4,50 € je kWh.

    Gna­de vor Recht! Hof­fent­lich bin ich bis dahin schon decarbonisiert.

    Nur eine Fra­ge: Wie ist unse­re Gre­ta eigent­lich nach Brüs­sel gekommen?

    • Die lebt doch in ihrer Bedeu­tungs­bla­se! Trans­port im her­kömm­li­chen Sinn fin­det da über­haupt nicht mehr statt.

      • Sie mei­nen, die süße Gre­ta hat sich qua­si selbst nach Brüs­sel gebeamt- kli­ma­neu­tral ver­steht sich.
        Alter Schwede…!
        Dan­ke jeden­falls für die­sen wie­der so glas­kla­ren, wuch­ti­gen und span­nend zu lesen­den Artikel.
        Solan­ge sol­che Kom­men­ta­re noch erschei­nen und dem Zugriff der Kli­ma-Groß­in­qui­si­ti­on ent­ge­hen, besteht viel­leicht doch noch ein Fünk­chen Hoffnung…?

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