Noch toben die Zornge­wit­ter der Nationalen Presse­front angesichts des Coups der BILD-Zeitung, einen Film zu zeigen, den das qual­itäts­be­wusste Kul­tur­pro­gramm von Arte als handw­erk­lich unzure­ichend abtun wollte, und weil dessen Aus­sagen zu ein­seit­ig seien und darin der der gescholte­nen Partei der Anti­semiten, Israel­nichtgutfind­er und Palästi­na­sol­i­dar­ität­skomi­tees nicht genü­gend Raum gegeben sei, ihrem müh­sam umfloskel­ten Juden­hass eine Gar­ni­tur von ratio­naler Peter­silie beizule­gen. Dies besorgten aber die Autoren, die den Fin­ger aus­re­ichend tief in den braunen Lehm aus „Bilder­berg“, „Pro­tokollen“, „Roth­schild“ und „Weltver­schwörung“ steck­ten, und in ein­er kurzen Ein­las­sung hin­re­ichend zusam­men­fassten. Mehr von dieser schlaf­fen Peter­silie braucht es nun wirk­lich nicht auf dem Teller. Wer der­gle­ichen mag, wird seit Jahren bestens bedi­ent mit den üblichen 15-Sekun­den-Berichte in ARD und ZDF, in denen von „Genozid“, „Massen­mord“, „Geisel­haft“ und „Freiluft­ge­fäng­nis“ die Rede ist, wenn es um Gaza geht oder die mit den Worten „ille­gale Siedler“ oder „mil­i­tante Siedler“ begin­nen, wenn von den „beset­zten Gebi­eten“ die Rede ist.

Die Vertei­di­gungse­legien der Presse arbeit­en sich im aktuellen Fall jedoch genau an dem ab, was als Blitz­ableit­er vom eigentlichen Kern des Prob­lems ablenken soll und das ist beab­sichtigt. Man geißelt den Dieb­stahl geisti­gen Eigen­tums durch BILD und die rechtlich frag­würdi­ge Veröf­fentlichung eines mit Gebühren finanzierten Films durch die Feinde des plan­wirtschaftlichen öffentlich/rechtlichen Rund­funks, durch ein pri­vates Presse­un­ternehmen. Anja Reschke vom NDR nen­nt das dann „frech“. Reschkes Empörung erscheint dabei so echt wie ihre Arro­ganz. Denn betra­chtet man den Fall allein vom Urhe­ber­recht aus, schafft man es müh­e­los, die Empörung warm zu hal­ten, obgle­ich die Ein­schätzung des „Frech­heits­grades“ hier doch eher Anwäl­ten obliegt als Frau Reschkes beschei­den­er Mei­n­ung. Und die Anwälte sind untyp­isch ruhig, angesichts ein­er so lukra­tiv­en Möglichkeit, die BILD-Zeitung zu verklagen.

Frech war aber auch die Entschei­dung von Arte und dem WDR, eben diese aus­gegebe­nen Gebühren­gelder, die Reschke so helden­haft gegen BILD vertei­digt, ein­fach abzuschreiben, anstatt auf Erfül­lung und Liefer­ung zu beste­hen, zumal der Film bere­its abgenom­men war. Eine Ebene unter „frech“ und Urhe­ber­recht stre­it­et man sich über die Qual­ität des Gewebes, aus dem der Film genäht wurde, attestiert ihm handw­erk­liche Fehler und ver­weigert das Qual­itätssiegel der heili­gen Hallen des Staats­fernse­hens, wo son­st all über­all nur Poe­sie und edle Wahrheit wohnen. Aber auch diese unbe­deu­ten­den Schar­mützel sind auszuhal­ten für Arte und WDR und es wäre nicht die erste Pro­duk­tion gewe­sen, die aus solch faden­scheini­gen Grün­den entwed­er die Abnahme gar nicht erst schaffte, oder für die sich anschließend wie durch Zauber­hand ein­fach keinen Sende­platz find­en ließe. Über Kun­st lässt sich ja nicht –  oder tre­f­flich – stre­it­en. Vor allem aber lang und ergebnislos.

Doch da ist noch eine dritte Ebene, auf der die frechen Rufer und „über Kun­st Stre­it­er“ bish­er keinen Pieps von sich gegeben haben. Den Inhalt. Und ich rede hier nicht von den Pro­tag­o­nis­ten, des Films, die ihr Halb­wis­sen und nachge­plap­perte Lügen mit großer Verve der Kam­era zu Pro­tokoll gaben. Wie Annette Groth von den Linken zum Beispiel, die von „ganz geziel­ten Vergif­tun­gen“ sprach und die „Lebens­grund­lage in Gaza“ als ger­adezu inex­is­tent beze­ich­nete. Solche Aus­sagen belas­ten ja den Sender nicht direkt, son­dern zeigen nur die Unin­formiertheit in Europa und beweisen, wie gut die Pro­pa­gan­da von Hamas und Fatah selb­st bei Bun­destagsab­ge­ord­neten funk­tion­iert, die sich doch selb­st so gern eine über­legene Moral attestieren und bei jed­er Gele­gen­heit Trä­nen für Juden ver­drück­en, sofern diese bere­its tot sind.

Nein, das Prob­lem ist, dass der Film all die bish­eri­gen kleinen, absichtsvollen Ein­spiel­er, O‑Töne und Kom­mentare der „Nahostko­r­re­spon­den­ten“ der öffentlich/rechtlichen Sender Lügen straft und das schöne Bild des geknechteten, unschuldigen Bewohn­ers im „Freiluft­ge­fäng­nis Gaza“, der von israelis­chen Sol­dat­en gequält und ermordet wird, ad absur­dum führt. Denn eines der Bilder kann ja nur stim­men – und die Fak­ten sprechen hier klar für Hafn­er und Schröder. Man entsch­ied sich bei Arte aber für die Aufrechter­hal­tung jenes Bild, an dem man seit min­destens 20 Jahren hinge­bungsvoll gebastelt hat: ‚Israel ist an allem Schuld, warum nicht auch am Anti­semitismus in Europa? Lasst uns dazu mal eine Doku machen!’ Nun, das ging voll daneben und der Film zeigt genau das, was lei­der die Wahrheit ist. Ich bin son­st vor­sichtiger mit solchen Ver­ab­so­lu­tierun­gen aber hier ist eine von­nöten: Nicht Israel oder der Zion­is­mus sind der Grund für Anti­semitismus in Europa – der Anti­semitismus in Europa war der Geburtshelfer des Zion­is­mus und der Grund für die Exis­tenz Israels.

Und so wer­den auch alle Lamen­ti über „Frech­heit­en“ und „Webfehler“ nicht darüber hin­wegtäuschen, dass Arte, WDR und all die anderen sat­uri­erten Spießge­sellen der Medi­enelite inhaltlich nichts wer­den find­en kön­nen, was in „Auser­wählt und aus­ge­gren­zt“ nicht der Wahrheit entspräche. Die hässlichen bis dümm­lichen Sprüche sind so gesagt wor­den, die Sprechchöre riefen wirk­lich „Jude Jude feiges Schwein“, die Mil­liar­den Euro, Dol­lar, Pfund und Kro­nen fließen tat­säch­lich, und tat­säch­lich weiss am Ende nie­mand, wohin. Das UNRWA existiert und die 1.500 NGO’s die durch Israel streifen, um den „bösen Juden“ dranzukriegen, sam­meln das Geld dafür nicht zulet­zt in deutschen Kirchen und beim deutschen Steuerzahler ein.

Und während zum Beispiel Nico­la Albrecht 2015 für das ZDF aus Gaza den Bericht „Leben in der Falle – die vie­len Gesichter Gazas“ brachte, zeigte sie doch in Wirk­lichkeit nur das eine Bild: das mitlei­d­heis­chende, beutelöff­nende, israelbeschuldigende Bild des unschuldigen, edlen Befreiungskämpfers aus Palästi­na, an das sich die Deutschen so gewöh­nt hat­ten. Kom­men ihnen doch angesichts der imag­inierten Gräueltat­en der IDF die tat­säch­lichen der eige­nen Großväter nicht mehr so schlimm vor. Der Film von Hafn­er und Schröder, selb­st wenn er der handw­erk­lich schlecht­este aller Zeit­en wäre, bringt das über Jahre aufge­baute Lügenge­bäude der Öffentlich/Rechtlichen über die wirk­lichen Ursachen des europäis­chen Has­s­es auf Israel und die Ursachen des ungelösten Kon­flik­ts zwis­chen Arabern und Juden jeden­falls müh­e­los zum Ein­sturz: Diese Ursache ist der neue, alte, ewige, unverän­der­liche Anti­semitismus in Europa, der den neuen, alten, ewigen, unverän­der­lichen Anti­semitismus in der islamis­chen Welt nur zu gern füttert.

Update, 17.6.2017, 19:30: Hier stand bish­er der Link zum Film, wie er auf YouTube zu sehen war. Da die Ausstrahlungsrechte des Films nun an den WDR überge­gan­gen sind und der für Mittwoch, den 21.6.2017 die Ausstrahlung im Ersten Pro­gramm mit anschließen­dem Ver­riss bei Mais­chberg­er (tech­nis­che Män­gel, Polemik, nicht hil­fre­ich, Ver­let­zung von Per­sön­lichkeit­srecht­en etc.) angekündigt hat, möchte man den Film, den mit­tler­weile die halbe Repub­lik gese­hen hat, nicht auf YouTube sehen. Ich respek­tiere das und warte mit meinem näch­sten Artikel zum The­ma geduldig bis Mittwoch. Hof­fentlich hat bis dahin auch noch der let­zte pen­sion­ierte “Nahost-Experte” seinen Senf dazu der Presse in die Blät­ter geschmiert. Ich freue mich näm­lich immer über Kartätschen für meine Kanonen.

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3 Kommentare

  1. zum Glück hat die ARD — arte mit Dummheit für Ver­bre­itung gesorgt

  2. Hätte arte den Film ohne dieses The­ater gesendet, hätte ihn kaum jemand beachtet. Aber so, ist er zum Block­buster gewor­den. Weit­er so, Ihr verblende­ten Trottel.

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