Eine Rezension wider Willen

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Da liegt es nun auf mei­nem Schreib­tisch, Kat­rin Göring-Eckardts neu­es­tes Werk „Ich ent­schei­de mich für Mut“. Bevor Sie jetzt den­ken, ich hät­te in letz­ter Zeit eine selt­sa­me Lei­den­schaft zu Buch­re­zen­sio­nen ent­wi­ckelt, muss ich Ihnen erklä­ren, wie es zu die­ser (unwill­kom­me­nen) Auf­ga­be kam.

Ich fand es gera­de­zu ver­blüf­fend, dass vie­le unse­rer Poli­ti­ker trotz ihres erwie­se­ner­ma­ßen vol­len Tages­pla­nes neu­er­dings immer wie­der die Zeit fin­den, ihre Gedan­ken zwi­schen zwei Buch­de­ckel zu pres­sen. Dabei frag­te ich mich gera­de ange­sichts eines Vide­os von Mar­tin Schulz, der aus sei­nem neu­en Buch „Was mir wich­tig ist“ vor­las, ob er es an die­sem Tag viel­leicht zum ers­ten Mal gese­hen hat­te und somit wohl eher schrei­ben ließ, als dies selbst zu tun. Hei­ko Maas hat­te für sei­ne radi­ka­len Ideen zumin­dest einen Coau­tor, mit dem er sich die zahl­rei­chen Ver­ris­se und hämi­schen Kom­men­ta­re nun brü­der­lich tei­len kann. Aber was war mit dem Buch von Kat­rin Göring-Eckardt los? Ende Mai erschie­nen, bis­lang nur eine ein­zi­ge Bewer­tung, die dem Buch aller­dings her­vor­ra­gen­de Eigen­schaf­ten bei der Repa­ra­tur eines kip­peln­den Tisches beschei­nig­te. Schein­bar will es nie­mand lesen, was ich ange­sichts der schil­lern­den Per­son der Autorin und deren Welt­be­deu­tung für die schrul­li­gen Anhän­ger einer schrul­li­gen Par­tei in ihrem klei­nen Wahl­kreis in Thü­rin­gen so gar nicht nach­voll­zie­hen konn­te. Also, dach­te ich mir, frag doch mal beim Ver­lag nach und drei Tage spä­ter lag das Buch tat­säch­lich vor mir. Damit hat­te ich nicht gerech­net! Nun muss ich wohl das tun, was ich sicher nie vor­hat­te: es tat­säch­lich lesen und ein paar ehr­li­che Wor­te dar­über verlieren.

Das posi­ti­ve zuerst: Dem Ver­lag, dem Lay­ou­ter, der Dru­cke­rei und dem Buch­bin­der ist nichts vor­zu­wer­fen. Hard­co­ver, ange­neh­mes, saug­fä­hi­ges Volu­men­pa­pier aus „ver­ant­wor­tungs­vol­len Quel­len“ (was sonst), ange­neh­me Typo. Außer­dem hat Göring-Eckardt, die laut Buch als Kind „Feu­er­wehr­frau oder Ein­horn­spe­zia­lis­tin“ wer­den woll­te (und letz­te­res bekannt­lich ja auch wur­de), es höchst­wahr­schein­lich wirk­lich selbst geschrie­ben. Der Stil, der sich irgend­wo zwi­schen einem Schul­auf­satz der Kate­go­rie „Mein Feri­en­tag“ und Kir­chen­tags­vo­lon­ta­ri­at (ich bin soo auf­ge­regt) bewegt, taucht auch in jeder ihrer Reden und Inter­views auf, im Buch ist aller­dings das Lek­to­rat spür­bar. Dan­ke dafür. Am inter­es­san­tes­ten ist noch der Teil, der Bio­gra­fi­sches ver­rät. Denn die Autorin und ich haben tat­säch­lich eini­ges gemein­sam: Ich bin nur ein Jahr jün­ger, wuchs nur etwa 100km von Gotha ent­fernt auf und ver­lor mei­ne Mut­ter etwa im sel­ben Alter wie sie – nur nicht durch einen Auto­un­fall, son­dern durch DDR-Medi­zin­pfusch. Aller­dings bestand mei­ne Fami­lie aus stramm gläu­bi­gen Kom­mu­nis­ten, wäh­rend der Vater Kat­rin Göring-Eckardts ein ver­kapp­ter Nazi war, der sein Exem­plar von „Mein Kampf“ zur Tar­nung in das Zei­tungs­pa­pier des „Neu­en Deutsch­land“ ein­schlug. Aus der his­to­ri­schen Distanz betrach­tet, lag er damit gar nicht mal so falsch. Spä­tes­tens jedoch nach die­ser klei­nen Beich­te wird die Lek­tü­re zur Bibel­stun­de: Die Kir­che und Kat­rin – ges­tern, heu­te, mor­gen. Nichts liegt mir fer­ner, als mich über die reli­giö­sen Ver­stie­gen­hei­ten ande­rer Men­schen wer­tend zu erhe­ben – es sein denn, sie wer­den zur Bedro­hung, weil sie sich der Gewalt zuwen­den oder wie im Fall der Autorin zu „gestal­ten­der Poli­tik“ ver­klum­pen! Und das ist hier der Fall, schließ­lich kan­di­diert Frau Göring-Eckardt nicht für ein Pfarr­amt, son­dern als Spit­zen­kan­di­da­tin ihrer Par­tei für den Bundestag.

Zwi­schen der Fami­li­en­ge­schich­te und eini­gen weni­gen Sei­ten poli­ti­scher Text­bau­stei­ne am Ende lie­gen größ­ten­teils Sei­ten bemüh­ter Bibel-Exege­se zwi­schen schrei­end naiv und Grö­ßen­wahn. Die­ser Teil war beson­ders schwer zu lesen. Nicht, weil er inhalt­lich so kom­plex und for­dernd war, son­dern weil die Sät­ze nur aus Wort­hül­sen bestehen, die von Plat­ti­tü­den und Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten zusam­men­ge­hal­ten wer­den, wel­che von den ein­ge­streu­ten Null­aus­sa­gen ein­fach nicht auf­zu­lo­ckern sind. Am Ende vie­ler Sät­ze hat­te ich oft schon deren Anfang ver­ges­sen. Kir­chen­tags­sprech gefolgt von Par­tei­tags­sprech, bei­des ist abseits von Pre­digt und Par­tei­tag nur schwer erträglich.

Reli­giö­se Eife­rer und Frömm­ler nei­gen dazu, auch alle pri­va­ten Regun­gen und Hand­lun­gen reli­gi­ös zu deter­mi­nie­ren und pau­schal in Gut und Böse ein­zu­tei­len. Da wird das Stre­ben nach Glück bei Göring-Eckardt schnell zu Ego­is­mus erklärt und von dort ist es nur noch ein Halb­satz zum „Neo­li­be­ra­lis­mus“, der AfD und den Pfor­ten der Höl­le. Oder zu Tag­träu­men der Art „…die Regeln des öko­no­mi­schen All­tags [mal] ein biss­chen außer Kraft zu setz­ten“. Und was im „frei­wil­li­gen Enga­ge­ment“ mög­lich sei – war­um soll­te das vor der Wirt­schaft halt­ma­chen? Regeln? Ja bit­te, aber mit Ermes­sens­spiel­raum! Auch hat Kat­rin Göring-Eckardt ihre eige­ne Defi­ni­ti­on von „Inte­gra­ti­on“, mit der nicht nur Migran­tin­nen und Migran­ten so ihre Pro­ble­me hät­ten, son­dern auch ande­re. Gemeint ist natür­lich die Inte­gra­ti­on der schon län­ger hier Leben­den, die ein­fach nicht akzep­tie­ren wol­len, dass die Regeln, die sie selbst so müh­sam auf­ge­stellt hat­ten, von Kir­chen­tags­hel­fe­rin­nen wie Kat­rin Göring-Eckardt lächelnd und „nach Ermes­sen“ außer Kraft gesetzt wer­den dürfen.

Simplizissima Maxima Gothaensis

Wenn Göring-Eckardt sich mit­rei­ßen lässt und ihr Kir­chen­tags­herz auf­geht, schreibt sie im eige­nen Urteil Bedeu­tungs­vol­les nie­der. Wer erin­nert sich nicht an ihre Ode an den Zitro­nen­fal­ter im Bun­des­tag 2013 oder „Ein­mal in der Woche Spi­nat mit Ei“ in der­sel­ben Rede. In die­sem kind­li­chen Erbe ste­hen im Buch Sät­ze wie „Wenn Rana als Kind syri­scher Flücht­lin­ge ein Start-Up grün­det und eine tech­ni­sche Revo­lu­ti­on auf den Markt bringt“ oder „…wenn Kevin aus dem Wed­ding als ers­tes Kind sei­ner Fami­lie stu­diert…“ das sind jedoch alles kei­ne Din­ge, die die Regie­rung oder gar die Grü­nen Rana und Kevin schen­ken. Im bes­ten Fall stand die Regie­rung ein­fach nur nicht im Weg, Rana konn­te der all­ge­gen­wär­ti­gen Gän­ge­lung der Fami­lie ent­flie­hen und „Kevin“ ist eben doch nicht immer eine Dia­gno­se, son­dern manch­mal auch eben nur ein Name. Heu­te haben lei­der vie­le Poli­ti­ker die Ange­wohn­heit, von sich selbst das Bild eines Apoll zu zeich­nen, durch des­sen hel­den­haf­te Taten die Son­ne Tag für Tag gut von Ost nach West kommt. Und dabei ist noch Kraft übrig, das Böse abzu­weh­ren, das auch Göring-Eckardt Tag für Tag wacker bekämpft. Sie selbst sagt, sie sehe dann ihren Vater, der sein Exem­plar von „Mein Kampf“ im „Neu­en Deutsch­land“ ver­steck­te. Und des­halb bekämpft sie tap­fer die Dra­chen der AfD, der Rech­ten, Rechts­po­pu­lis­ten und der Kon­ser­va­ti­ven gleich mit, die alle den bösen Hit­ler wie­der an die Macht brin­gen woll­ten. Das was heut­zu­ta­ge an faschis­to­ider Ideo­lo­gie in das „Neue Deutsch­land ein­ge­wi­ckelt“ wird, sieht sie lei­der nicht. Und sie tut dies natür­lich alles im Namen der Tole­ranz! „Die­je­ni­gen, die kei­ne Tole­ranz gegen­über Anders­sei­en­den ver­spü­ren, bekom­men auch von mir kei­ne.“ So ent­hält der Kos­mos von Göring-Eckardt letzt­lich nur eine ein­zi­ge Hal­tung, näm­lich die der gren­zen­lo­sen Tole­ranz, die Into­le­ranz muss drau­ßen blei­ben. Eine geträum­te idea­le Gesell­schaft, ein Orga­nis­mus ohne Anti­kör­per, den man gnä­dig der Evo­lu­ti­on über­las­sen könn­te, steck­te man nicht selbst mit­ten drin.

Beschäftigung der nächsten Jahre

„So ist die Inte­gra­ti­on des Islam in das bestehen­de Gefü­ge von Staat und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten eine Her­aus­for­de­rung, die uns in den nächs­ten Jah­ren beschäf­ti­gen wird.“ – Das ist er wie­der, „der Islam“. In Göring-Eckardts „bestehen­dem Gefü­ge“ kom­men die Bür­ger, gera­de sol­che, die mit aller Reli­gi­on nichts zu tun haben wol­len, gar nicht vor. Staat und Reli­gi­on, das sind ihre Kate­go­rien und sie selbst ist gewis­ser­ma­ßen bei­des: Kir­che und Staat. Was die Byzan­ti­ner nicht schaff­ten, die Rei­che der Fran­ken, Stau­fer, Habs­bur­ger, all die Kai­ser, Köni­ge, Zaren und Impe­ra­to­ren all die Demo­kra­tien und Des­po­ten – das schafft der eili­ge Geist von Göring-Eckardt, auch wenn ihn das „eini­ge Jah­re“ beschäf­ti­gen wird. Nach „dem Islam“ sind übri­gens Grip­pe, Fuß­pilz und Hepa­ti­tis A mit Inte­gra­ti­on dran. Fie­ber ist die neue gesell­schaft­li­che Wär­me, Juck­reiz die neue sexu­el­le Frei­heit und gelb­äu­gig das neue „Peop­le of Color“.

Fazit

Die­ses Buch wur­de zurecht miss­ach­tet und es dau­ert mich, es wegen einer schnö­den Wet­te („Wet­ten, gera­de DIR schickt der Ver­lag das Buch nicht …?“) aus dem Orkus des Ver­ges­sens geris­sen zu haben. Es ver­kör­pert wie kaum ein ande­res die „Kunst“ der poli­ti­schen Leer­stel­le, die fast unse­rem gesam­ten poli­ti­schen Spit­zen­per­so­nal mitt­ler­wei­le in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen ist und von der sie auch beim Bücher­schrei­ben ein­fach nicht las­sen kön­nen. Schon aus die­sem Grund ist es hof­fent­lich das letz­te Buch eines der­zeit akti­ven Poli­ti­kers, dass ich jemals lesen muss. Ich glau­be jeden­falls, sol­che Wet­ten gehe ich tat­säch­lich nie mehr ein.

Die Autorin meint ja, „Glau­be ist nicht Besitz und Leis­tung, son­dern Geschenk“ und mit Geschen­ken kennt sie sich bekann­ter­ma­ßen aus. Jedoch ist die Ein­falt eben­falls eines. Geschen­ke kann man übri­gens auch ableh­nen. Soll­te man öfter machen.

–*–

Missglückte Aphorismen

Wer noch nicht genug hat, dem möch­te ich hier eini­ge Zita­te in loser Rei­hung aus dem Buch zur Erbau­ung und Argu­men­ta­ti­ons­gym­nas­tik anbie­ten. Ich kann ver­spre­chen: in jedem steckt eine Enzy­klo­pä­die, ach was: ein Par­al­lel­uni­ver­sum! Also los, Satz kopie­ren und mit schar­fem Mes­ser wohl­be­grün­det file­tie­ren. Der bes­te Kom­men­tar gewinnt das Buch – aller­dings sind da jetzt jede Men­ge Anmer­kun­gen und Käse­käst­chen drin. Viel Spaß!

„Ich will gern vie­les wis­sen kön­nen, aber ich will nicht gewusst werden.“

„Unser all­täg­li­ches Ver­hal­ten bestä­tigt, dass die Macht von außen kommt.“

„Die Mit­tel der Kon­trol­le und Über­wa­chung sind zugleich Mit­tel der Freiheit.“

„Macht und Schön­heit der Digi­ta­li­sie­rung kom­men von unten.“

„Wir brau­chen Regu­lie­rung bei den gro­ßen öko­no­mi­schen Playern.“

„Viel­leicht geht es um so etwas wie Müll­tren­nung im Netz […] die durch Selbst­ver­pflich­tung und Über­zeu­gungs­ar­beit funktionieren.“

„Was wir brau­chen, ist eine säen­de Bür­ger­be­we­gung im Netz, für die Aneig­nung des digi­ta­len Gemein­wohls und gegen die Kon­trol­le unse­res Lebens durch bekann­te Unbekannte.“

„Kir­che muss poli­tisch sein.“

„Wer­te wie Soli­da­ri­tät und Mit­ein­an­der, Gerech­tig­keit und Frie­den sind nicht vom Staat allein generierbar“

„Son­ne, Wind und Was­ser kön­nen uns allen genug Ener­gie lie­fern, ohne Zer­stö­rung und Luftverschmutzung.“

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28 Kommentare

  1. Nun ja, ein Buch einer Poli­ti­ke­rin einer Par­tei, die ahnt, dass sie der­zeit weni­ger gebraucht wird als es zu Schrö­der­zei­ten noch der Fall gewe­sen sein mag. In einer sol­chen Zeit kann man sich ent­we­der, wie die Her­ren Pal­mer und Kret­sch­mann, neu posi­tio­nie­ren, oder man war­tet ein­fach noch ein wenig ab, was geschieht. Dass dabei Bücher wie die­ses ent­ste­hen, liegt in der Natur der Sache: Harm­lo­ser Unfug, Wort­ge­klin­gel, das in den nächs­ten Jah­ren die Papier­con­tai­ner fül­len wird. Aber immer noch bes­ser solch ein Unfug als die­ser hier: „Die Juden (…) bau­en heu­te ihren ermor­de­ten Volks­ge­nos­sen in aller Welt Gedenk­stät­ten, in denen nicht nur den Opfern die Kraft der mora­li­schen Über­le­gen­heit, son­dern auch den Tätern und ihren Sym­bo­len die Kraft ewi­ger Ver­wor­fen­heit zuge­schrie­ben wird.“ Anti­se­mi­ti­scher Dreck, kei­ne Fra­ge. Um so befremd­li­cher, dass der Autor, der um G‑E’s Geschwal­le ein sol­ches Gewe­se macht, dem Autor des Drecks (RP Sie­fer­le) „rich­ti­ge Dia­gno­sen“ und „bril­lan­te Bewei­se“ beschei­nigt und die Fra­ge, ob es sich um ein anti­se­mi­ti­sches Werk han­delt, ver­neint: https://unbesorgt.de/finis-germania-die-these-ist-nur-das-vorzimmer-der-gewissheit/.

    • Tja, so unter­schied­lich kön­nen die Dia­gno­sen aus­fal­len, wenn einer die beklin­gel­ten Bücher gele­sen hat und der ande­re nicht.

    • Sehr geehr­ter Herr Schweighäuser, 

      Ihre pro­non­cier­te Wortwahl(„Dreck“, „Geschwal­le“, „Gewe­se“) bezeugt,
      dass Sie ohne Zwei­fel ein Huma­nist und Men­schen­freund sind, denn
      böse Men­schen wür­den sol­che edle Per­len des guten Geschmacks
      nie­mals in den Mund nehmen.

  2. Vor­schlä­ge für wei­te­re Poli­ti­ke­rIn­nen-Büche­rIn­nen, die unbe­dingt geschrie­ben gehö­ren, also für wei­te­re geschmarrn­te Schrif­ten­flu­ten der Carin Göring Eckard, der Käß­mann, usw. usf.:

    „Ich ent­schei­de mich für Mut im Herzen“
    „Was mir wich­tig ist“
    „Ich und mein Feri­en­tag im Kirchenherz“
    „Mein Kampf für gestal­ten­de Poli­tik des Stalls“
    „Mein Sprech. Über den Fun­da­men­ta­lis­mus von Zwangs­in­te­gra­ti­on und rech­ter Kritik“
    „Das schwes­ter­li­che WIR im Neu­en Deutschland“
    „Grü­ne Pfar­re­rei­en hes­tern, geute, gormen“
    „Der Islam als Men­schen­ge­schenk des Friedens“
    „Ich, Ich, Ich. Warum?“

  3. Gleich vor­ab: Ich will das Buch nicht. 

    Auch und ins­be­son­de­re, weil es mich nichts angeht. Denn KGE rich­tet zwar das Wort an den Leser, meint aber sich selbst. 

    Das Buch – mehr als die vor­ge­nann­te Rezen­si­on ist dafür nicht zu wis­sen – ist der Ver­such von Gesprächs­the­ra­pie in schrift­li­cher Form. Es ist eine Abrech­nung mit dem über­mäch­ti­gen Vater, der voll von bos­haf­tem Sar­kas­mus war. Schließ­lich hät­te er „Mein Kampf“ auch ein­fach mit dem Titel nach unten in eine Schub­la­de legen kön­nen. Tat­säch­lich woll­te er aber sei­ner Ohn­macht gegen­über dem DDR-Sys­tem mit dem wider­ständ­le­ri­schen öffent­li­chen Zur­schau­stel­len des Teu­fels in neu­em Gewan­de macht­voll begeg­nen. Ich neh­me an, die Buch-Sze­nen des lie­be­vol­len, für­sorg­li­chen Vaters hal­ten sich in Gren­zen. Zu allem Über­fluss ver­liert die klei­ne K. auch noch ihre weib­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur, von der sie hät­te erler­nen kön­nen, den Vater gut zu fin­den. Usw.

    Ein sol­ches, im Grun­de inti­me Buch zu lesen/ lesen zu müs­sen wäre mir zu voy­eu­ris­tisch. Außer­dem: wer möch­te schon die Gedan­ken einer KGE in sei­nem Kopf aus­for­mu­lie­ren müs­sen? Beim Hören kann man wenigs­tens abschal­ten und an die Reden von Wer­ner Schulz (Wer­ner! Nicht: Mar­tin…) den­ken. Man muss ja nicht mögen, was er sagt. Eher wie er es sagt…

    Wenn es aus dem KGE-Buch denn doch etwas für den Leser zu erfah­ren gibt, dann wohl dass die klei­ne K. sich noch immer in einem ste­ten Kampf mit ihrem Vater(-Komplex) befin­det. Wenigs­tens fügen sich alle Zita­te in die­sen Rah­men. Irgend­et­was Bedeut­sa­mes muss es ja gege­ben haben, wenn das Kind eines Tanz­leh­rers und heim­li­chen Hard­core-Nazis in der DDR(!) ein Theo­lo­gie­stu­di­um beginnt. Oder war das nur der Ver­such einer Fort­set­zung der Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on des Vaters? Nur etwas ange­pass­ter mit der Chris­ten-Bibel statt der Nazi-Bibel?

    Ich will es gar nicht wis­sen, aber erhel­lend ist die „Mein-Kampf“-Anekdote durch­aus. Ich hat­te mich schon immer gewun­dert, wie man im demo­kra­ti­schen Wes­ten von „Men­schen­ge­schen­ken“ spre­chen kann. Die Schen­kung ist eine unent­gelt­li­che Eigen­tums­über­tra­gung. Auf Men­schen bezo­gen hat KGE sinn­ge­mäß gesagt „Toll, uns Deut­sc­ben lau­fen gera­de jede Men­ge Skla­ven zu, die wir für alle mög­li­chen Drecks­ar­bei­ten gut gebrau­chen und für den Aus­gleich der mie­sen deut­schen Fami­li­en­för­de­rung kräf­tig aus­beu­ten können.“
    Da hat­te die klei­ne K. viel­leicht mehr als ein­mal (bzw. ein­mal zu viel) zwi­schen dem „ND“-Einband geschmökert…

    Beim Lesen der Rezen­si­on kam mir eine Sze­ne aus dem Film „Kali­for­nia“ in den Sinn: Der Jour­na­list Bri­an Kess­ler (David Duchov­ny) schreit dem gera­de mor­den­den Ear­ly Gray­ce (Prad Pitt) an „Das ist nicht dein Vater!!!“ wor­auf Ear­ly ihm debil gel­allt und halb belei­digt erwi­dert „Ich weiß.“ (o.s.ä.). (Eine der bes­ten Sze­nen von Brad Pitt überhaupt.) 

    Wenn also jemand die klei­ne K. von ihrem unbe­wuss­ten Kom­pen­sa­ti­ons­ver­hal­ten hei­len könn­te, erhiel­te sie die Chan­ce, wie ein lang­wei­lig wer­den­der Rock­star, mit sich zufrie­den und glück­lich zu sein. Viel­leicht wür­de sie ja dann auch gleich „by the way“ „ent­na­zi­fi­ziert“..?

    Wie­viel leich­ter wäre dann die Welt für die klei­ne K. ohne die­se Last – und wie­viel leich­ter wäre es der Welt, ohne die Last der noch belas­te­ten KGE auf ihren Schultern…

    PS: Lie­ber Herr Letsch, nichts gegen ihre Glos­sen, aber soll­ten Sie das Büch­lein nicht dem Kreis­lauf­wirt­schafts­un­ter­neh­mer Ihres Ver­trau­ens über­ge­ben? Das müss­te doch auch im Sin­ne der Autorin als „Grü­ne“ sein.

    PPS: Man kann den (christ­li­chen) Glau­ben ger­ne vor sich her­tra­gen. Der Maß­stab aber für den ech­ten ehr­li­chen Glau­ben ist das Hohe­lied der Lie­be (1 Kor 13,1–13). Kurz gesagt, „Gott liebt jeden“ – egal was er/sie/es tut oder sagt oder denkt. Das trifft Ter­ro­ris­ten, Pädo­phi­le, Die­sel­fah­rer und die Anti­fa genau­so wie Mör­der, Ver­ge­wal­ti­ger, Poli­ti­ker oder Otto Nor­mal­ver­brau­cher. Was Ter­ro­ris­ten angeht, ist z.B. Fr. Käß­mann mit der „Fein­des­lie­be“ ganz auf fes­tem Bibel­bo­den. Wenn sie nun auch noch „Nazis“, ob mit oder ohne Glatze/ Baseballschläger/ AfD-Par­tei­buch genau­so liebt, dann darf sie sich ent­spannt eine auf­rich­ti­ge Chris­tin nen­nen. Vor­be­halt­lich der Mög­lich­keit, dass die Evan­ge­li­en „Nazis“ aus der Pflicht, sei­ne Fein­de zu lie­ben, aus­drück­lich aus­ge­nom­men hät­ten. Oder Die­sel­fah­rer, um den Haken zu KGE zurückzuschlagen.

    (Nun voll­kom­men „off topic“… Selbst­test Fein­des­lie­be: Im Super­markt ein­fach mal den Men­schen, der es viel weni­ger eilig hat, aber sei­ne Gemüt­lich­keit VOR mir aus­lebt, BEDINGUNGSLOS LIEBEN. Das ist die hohe Schu­le. Wer das kann, der wäre nicht nur Christ, son­dern bes­ser als Chris­tus – sh. „Ver­flu­chung des Fei­gen­baums“. Die­se Bibel­stel­len zu ken­nen lohnt sich übri­gens, wenn man mal einem „Was wür­de Jesus tun“-Jünger in die Arme läuft… Aber nicht über­trei­ben. Sonst endet der arme noch wie die Mar­sia­ner in „Mars Attacs“.)

    • Ja.
      Nur eins nicht, um prä­zi­se zu sein: Das Hohe­lied, hebrä­isch Schir HaSchi­rim (שיר השירים), Lied der Lie­der, steht selbst­ver­ständ­lich im Tanach, der jüdi­schen Bibel (für Chris­ten das alte Tes­ta­ment). Es stammt aus der jüdi­schen Antike.
      Und es ist kein „Maß­stab für jeden ehr­li­chen Glau­ben“. Im Schir HaSchi­rim so wie in der gan­zen Toj­re (Torah) geht es nicht um Glau­ben. Es geht im Schir HaSchi­rim um Schön­heit und um Ethik.

      • Ob es an regres­si­ver Bil­dung liegt oder der (inof­fi­zi­el­le) Titel „Hohe­lied der Lie­be“ ein­fach zu gut ist..? Google(-treffer) und die deut­sche Wiki­pe­dia tren­nen es begriff­lich vom „Hohe­lied Salo­mos“ oder nen­nen es „Hohes­lied“ [sic].

        Lei­der habe ich Deu­tungs­ver­su­che in Rich­tung eines anno dazu­mal prak­ti­zier­ten Astar­te-Kul­tes gele­sen, aber im Übri­gen stim­me ich Ihnen voll und ganz zu.

    • @M.K.

      Eine sehr inter­es­san­ter Kom­men­tar. Nur den­ke ich, Sie lie­gen bei der psy­cho­lo­gi­schen Ana­ly­se von Frau Göring-Eck­hardt etwas ver­kehrt. Sie gehen näm­lich im Kern von einer trau­ma­ti­schen Prä­gung, bsw. einer schäd­li­chen Erzie­hung und Sozia­li­sa­ti­on des Kin­des Kat­rin aus. Das aller­dings glau­be ich nicht. War­um? Ich hole mal rhe­to­risch etwas aus: Die größ­te Angst der Kin­der von Seri­en­mör­dern ist, dass ein Teil die­ses bes­tia­li­schen Ver­lan­gens ihres Erzeugers(allermeist sind die Kil­ler ja Män­ner) auch ganz tief in ihnen steckt. Und die größ­te Angst von Söh­nen und Töch­tern ehe­ma­li­ger und ver­kapp­ter Nazis ist, dass sie von ihrem Vater oder ihrer Mut­ter den Hang zum Faschis­mus, also zum abso­lut Bösen geerbt haben. Dage­gen kämpft man anschlie­ßend als belas­te­ter Abkömm­ling lebens­lang an: Dass am Ende das Böse nicht eines Tages in einem hoch­kommt und Besitz von einem ergreift. 

      Ich bin fest davon über­zeugt, dass es nicht so etwas wie ein „Nazi-Gen“ oder ein „Kom­mu­nis­ten-Gen“ gibt. Und auch das Ver­bre­cher­tum ist nicht erb­lich. Das aber Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten durch­aus ver­erbt wer­den kön­nen, sehe ich an mir und mei­nen Eltern. Ich erken­ne mich oft in ihnen und sie oft in mir wie­der. Viel­leicht geht es Ihnen ja manch­mal genau­so. Und das die poten­ti­el­le Nei­gung zur Rigo­ro­si­tät und zum Fana­tis­mus offen­bar von den Eltern zum Kind wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann, beweist Frau Kat­rin Göring-Eck­hardt. Der Vater der Poli­ti­ke­rin war eine Per­sön­lich­keit, der ‑als Nazi- auf radi­ka­le Wei­se star­ke, über­le­ge­ne Men­schen bewun­dert und ver­herr­licht hat­te und sei­ne Toch­ter ist eine Per­sön­lich­keit, die ‑als Chris­tin- auf nicht min­der radi­ka­le Wei­se die schwa­chen und unter­le­ge­nen Men­schen bewun­dert und ver­herr­licht. Die Inhal­te und Objek­te ihrer Anschau­un­gen könn­ten nicht kom­plett gegen­sätz­li­cher sein, die Art und Wei­se aber, wie Vater und Toch­ter sich bezüg­lich gegen­über ihrer eige­nen Welt­an­schau­ung bzw. Ideo­lo­gie ver­hal­ten, die ist abso­lut gleich! Näm­lich rigo­ros, unduld­sam, into­le­rant, fana­tisch, eng­stir­nig, unbe­lehr­bar, rea­li­täts­blind, selbst­be­trü­ge­ri­schr, radi­kal-extre­mis­tisch und zudem im „Feind-Freund“-Denken ver­har­rend!! Zudem ist die grü­ne Dame in der Ange­le­gen­heit auch nicht die ein­zigs­te Per­son in der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Gesell­schaft, bei der eine der­ar­ti­ge Über­ein­stim­mung auf­fällt. Soweit ich weiß, waren die Eltern und Groß­el­tern etli­cher RAF-Ter­ro­ris­ten zwi­schen 1933 und 1945 eben­falls über­zeug­te Nazis gewe­sen. Und da gibt es noch vie­le, vie­le ande­re Beispiele.

      • Ps. Kin­der kön­nen sich nie­mals mit den Ver­bre­chen ihrer Eltern, Groß­el­tern oder Urgroß­el­tern iden­ti­fi­zie­ren, wenn sie nicht Pari­as in der Gesell­schaft und Völ­ker kön­nen sich nie­mals mit den Ver­bre­chen ihrer Alt­vor­de­ren iden­ti­fi­zie­ren, wenn sie nicht Pari­as in der Welt sein wol­len. Des­we­gen wer­den sie immer sagen: „Oh. Seht her! Ich mache das genaue Gegen­teil wie mei­ne Vor­fah­ren, um zu bewei­sen, dass ich ich rei­nen Her­zens bin und mit jenen Schand­ta­ten über­haupt nichts zu tun habe. Sie­he K.G.E.

  4. „… ich will nicht gewußt wer­den“ ver­ste­he ich als pro­phy­lak­ti­sche, sprach­lich als Pseu­do-Tief­sinn getarn­te Abwehr eines jeden Urteils, des­sen sich ein ande­rer über sie erfre­chen zu dür­fen glaubt.
    Denn wie lau­tet ein unaus­ge­spro­che­nes Gebot unse­rer Viel­falts- und Ver­bun­tungs­ge­sell­schaft? „Du sollst nicht urtei­len!“ Du sollst „neu­gie­rig“ sein, „offen für Neu­es“ etc. pp., du kannst auch hin­ter­fra­gen, am bes­ten bis du schwarz wirst oder alt gewor­den bist und in die Gru­be fährst, aber urtei­len, das sollst du nie, nie und nie­mals nicht! Da sei die Empa­thie vor. Da sei der Geist des „Ich bin okay, du bist okay“ vor.

    Wer noch intak­te Tisch­bei­ne hat, wird für so ein Buch keins absä­gen wollen. 😉

  5. „Kir­che muss poli­tisch sein“ – hier reißt KGE ihre schein­hei­li­ge Mas­ke vom Gesicht und ent­larvt sich voll­ends als Feind unse­rer demo­kra­tisch-säku­la­ren Grundordnung!
    KGE oder ihr Gost­wri­ter haben die­ses Gedan­ken­gut von Aya­tol­lah Kho­mei­ni abge­kup­fert oder sie haben die glei­che Den­ke wie er. Kho­mei­ni sag­te sinn­ge­mäß „Jeder Islam der nicht poli­tisch ist, hat kei­nen Wert“ – ich den­ke ich habe das bei Scholl-Latour oder in einer Zita­te-Samm­lung über Kho­mei­ni ganz am Anfang mei­ner Islam-Stu­di­en gelesen.
    Wer auf Goog­le Zita­te von Poli­ti­kern der Grü­nen über Deutsch­land oder die Deut­schen recher­chiert, wird erschre­cken­de Ver­ach­tung fin­den. Daher soll­ten wir „Kir­che muss poli­tisch sein“ durch­aus ernst nehmen!

  6. Als Ant­wort auf einen Kom­men­tar die­ses Arti­kels auf achgut.com möch­te ich antworten:
    Ja, der Ver­lag ver­sen­det Bücher zu Rezen­si­ons­zwe­cken kos­ten­los. Alle Ver­la­ge machen das. Manch­mal. Die­ses Buch kos­tet fast 17 Euro! Das in Donuts, Brief­mar­ken oder Park­stun­den umge­rech­net, hät­te eine unüber­wind­li­che mora­li­sche Hür­de für mich dar­ge­stellt, zumal ich kei­nen inhalt­li­chen Gegen­wert erwar­ten konnte.

    • Hmm, also ent­we­der sagen­haf­te 17 Euro fuer die­ses Buch – das wohl nicht ein­mal im Bereich der Koer­per­hy­gie­ne ver­wen­det wer­den koenn­te – aus­ge­ben, ODER statt des­sen unter Auf­wen­dung des­sel­ben Kapi­tal­ein­sat­zes eine gute Fla­sche Rot­wein kaufen?

      Ver­dammt! Immer die­se schwie­ri­gen Entscheidungen…

  7. Lie­ber Herr Letsch, dass Sie sich das ange­tan haben! Das Buch zu lesen, wäre wohl zu ver­bu­chen unter Ver­schwen­dung von Lebens­zeit, wenn nicht so ein amü­san­ter Arti­kel dabei her­aus­ge­kom­men wäre. Wel­chen Satz zer­le­ge ich nun? Die Aus­wahl fällt schwer. Mei­ne ers­te Aus­wahl „ich will gern vie­les wis­sen kön­nen…“ lege ich wie­der bei­sei­te, weil ich genau die­sen Satz im Buch „Tech­no­lo­gi­scher Tota­li­ta­ris­mus“ von Frank Schirr­ma­cher gefun­den habe und es sich wohl um ein Zitat han­delt. Dann also „Die Mit­tel der Kon­trol­le und Über­wa­chung sind zugleich Mit­tel der Frei­heit.“ Die­ser Satz passt zu Göring-Eck­hard wie auch zu den meis­ten Grü­nen wie die Faust aufs Auge. Ange­fan­gen vom auto­frei­en Tag, bis hin zum Veg­gie-Day, eine nicht prak­ti­ka­ble Ener­gie­wen­de und dem Ver­bot von Ver­bren­nungs­mo­to­ren gibt es nichts, was die­se Par­tei gern regle­men­tie­ren, vor­schrei­ben und über­wa­chen möch­te. Auch unse­rer Spra­che ver­su­chen sie mit grau­sa­men Gen­der­r­neu­sprech den Gar­aus zu machen. Sie ach­ten auch streng auf Poli­ti­cal Cor­rect­ness, wenn es ande­re betrifft. Ja, die Grü­nen hät­ten gern ein Wahr­heits­mi­nis­te­ri­um á la Geor­ge Orwell und ver­su­chen, es in Deutsch­land zu imple­men­tie­ren. Frei nach 1984 ist nun also aus GE´s Sicht Kon­trol­le und Über­wa­chung Frei­heit. Wenn jetzt Unwis­sen­heit Stär­ke ist, stellt sich die Fra­ge, war­um die Grü­nen aktu­ell in den Umfra­gen vor sich hin düm­peln, denn Unwis­sen gibt es in die­ser Par­tei reichlich.

  8. Beim Gedan­ken an Frau KGE fiel mir son­der­ba­rer­wei­se eine Geschich­te von Gus­tav Mey­rink, „Das Wachs­fi­gu­ren­ka­bi­nett“, ein. Hier ein Aus­zug, der mir aus den uner­kla­er­ba­ren Tie­fen des Gedaecht­nis­ses gera­de ins Bewusst­sein gestie­gen ist:

    „Ich habe eine gan­ze Schnur von Pas­to­ren­weib­sen belauscht, wie sie rast­los sich „nütz­lich machen“, Ver­samm­lun­gen abhal­ten „zur Auf­klä­rung von Dienst­bo­ten“, für die armen Neger­kin­der, die sich der gött­li­chen Nackt­heit freu­en, war­me scheuß­li­che Strümp­fe stri­cken, Sitt­lich­keit ver­tei­len und pro­tes­tan­tisch­baum­wol­le­ne Hand­schu­he; — und wie sie uns arme, geplag­te Mensch­heit beläs­ti­gen: man sol­le doch Stan­ni­ol sam­meln, alte Kor­ke, Papier­schnit­zel, krum­me Nägel und ande­ren Dreck, damit — „nichts verkomme“! — 

    Und gar als ich sah, daß sie sich anschick­ten, neue Mis­si­ons­ge­sell­schaf­ten aus­zu­he­cken und mit den Abwäs­sern „mora­li­schen“ Auf­klä­richts die Mys­te­ri­en der hei­li­gen Bücher zu ver­dün­nen, da war die Schale
    mei­nes Grim­mes voll.“

    Ja, mei­ne auch! 🙂

  9. Gera­de eben habe ich mit den Rezen­si­ons­stand des Buches auf Ama­zon ange­se­hen. Es sind eini­ge hin­zu gekom­men, alle mit heu­ti­gem Datum, die mir sämt­lich in gewis­ser Wei­se von mei­ner Rezen­si­on inspi­riert erschei­nen. Natür­lich muss ich pflicht­schul­digst auf das hef­tigs­te pro­tes­tie­ren, dass bei Ama­zon die Wän­de vom Hören­sa­gen voll­ge­schmiert wer­den – jedoch kann ich dort gleich­zei­tig inhalt­lich kei­ne Feh­ler in der Inter­pre­ta­ti­on mei­ner Aus­sa­gen fin­den. Des­halb zie­he ich mei­nen Pro­test umge­hend zurück und beob­ach­te augen­zwin­kernd, wie lan­ge die bis­si­gen Lone­Star-Bewer­tun­gen dort wohl noch ste­hen werden. 😉

  10. Dan­ke, dass Sie es auf sich genom­men haben. Wer die­ser „Got­hai­schen Sim­pli­zis­si­ma“ auch nur für Minu­ten zuge­se­hen oder ‑gehört hat, muss Wet­ten ver­lie­ren oder maso­chis­ti­schen Regun­gen fol­gen, um sich ihrem kennt­nis­frei­en, mora­lin­sauren Gesül­ze aus­zu­set­zen. Sie schreibt sich damit zwei­fel­los in die Geschich­te deut­schen Poli­tik­ver­sa­gens ein.

    • Au ja, die Unfrei­heit! Das wur­de ihr bewusst, als sie im Früh­jahr ’89 mal in den Wes­ten fah­ren durf­te. (Kas­sel war so häss­lich…) Wie das vor Novem­ber ’89 für jeman­den ging, der gera­de mal 20 war und nicht Kata­ri­na Witt hieß? Ich habe nicht die lei­ses­te Ahnung!

  11. „Ich will gern vie­les wis­sen kön­nen, aber ich will nicht gewusst werden.“
    Das ist ein Druck­feh­ler, rich­tig soll­te es hei­ßen: „BEwusst“. „Ich will gern vie­les wis­sen kön­nen, aber ich will [mir] nicht [b]ewusst wer­den“ was ich eigent­lich sage, oder sagen will.

    Ob ich das Buch mit dem schön saug­fä­hi­gen Papier will? Wenn der Dro­ge­rie­markt mei­nes Ver­trau­ens von der Anti­fa wahl­wei­se geplün­dert oder ange­zün­det wur­de – oder aus Angst davor tage­lang geschlos­sen hat – sage ich nicht nein. Ger­ne auch ohne Buchdeckel. 

    Da der G20-Gip­fel vor­bei ist, kommt die­ser Wett­be­werb also etwas spät – wenn Leu­te wie Kat­rin Göring-Eckardt das Sagen haben, kom­men sol­che Gele­gen­hei­ten aber viel­leicht öfter. Auf die Art von wei­ser Vorraus­sicht beim schrei­ben des Buchs kann ich gern ver­zich­ten, und auf Frau Göring-Eckardt im Bun­des­tag auch.

  12. Herr­lich das fei­ne Flo­rett. Die KGE drischt Stroh, des­halb feh­len die Kör­ner. Da die Dame ihr Stu­di­um abge­bro­chen hat, muss sie statt von der Kan­zel, mit dem Red­ner­pult des Bun­des­ta­ges vor­lieb neh­men. So kom­men auch die Agnos­ti­ker in den Genuss ihrer Plattitüden.
    Mich erin­nert das an den – mitt­ler­wei­le als sehr wah­ren Spruch – der Frie­dens­be­we­gung von einst: Frie­den schaf­fen mit immer weni­ger Pfaf­fen, oder wie es jetzt heißt Pfaff*Innen.
    Dan­ke Roger für das Durchhalten.

  13. Da ich die­sen Wett­be­werb auf Grund mei­ner über­ra­gen­den Sprach­ge­walt, erfüllt von Klar­heit im Den­ken, schöp­fe­ri­scher Phan­ta­sie und bestechen­der Schön­heit, mit Sicher­heit gewin­nen wür­de, ver­zich­te ich auf eine Teil­nah­me. Bit­te infor­mie­ren Sie mich, sobald es einen Scho­ko­rie­gel zu gewin­nen gibt.

    Anmer­ken möch­te ich nur, daß es mich über­aus freut, weil Sie die Wet­te ver­lo­ren haben. So wur­de uns näm­lich eine groß­ar­ti­ge Rezen­si­on „geschenkt“, die so wun­der­bar den fata­len Zeit­geist beschreibt, wel­cher unser Land, unse­re Gesell­schaft, ja unse­re gesam­te west­li­che Zivi­li­sa­ti­on zu ver­nich­ten droht.
    Es ist ja nicht so, dass irgend­ei­ner die­ser lächer­li­chen Phra­sen­dre­scher auch nur eine Sil­be wert wäre. Sie alle wer­den ver­dien­ter­ma­ßen im Nichts ver­schwin­den, soll­te es ihnen nicht vor­her gelin­gen, doch noch eine mas­sen­mör­de­ri­sche Apo­ka­lyp­se à la Hit­ler, Sta­lin, Mao, Idi Amin … just name them… auszulösen.

    Nur sind es eben die Men­schen die­ser Gesell­schaft sel­ber, die sich aus der Rea­li­tät ver­ab­schie­det haben und den süßen Flö­ten­tö­nen die­ser Poli­ti­cal-Cor­rect­ness-Rat­ten­fän­ger hin­ter­her rennen. 

    Wie pri­mi­tiv die gan­ze Wort­dre­sche­rei abläuft, haben Sie hier ein­drucks­voll beschrie­ben, Dan­ke­schön auch für die vie­len ein­ge­streu­ten humor­vol­len Bemerkungen.
    Erschre­ckend ist, dass eine der­ma­ßen leicht durch­schau­ba­re Mani­pu­la­ti­on so erfolg­reich ver­läuft, aber kein Ende des Wahns abzu­se­hen ist.

  14. „Kir­che muss poli­tisch sein.“

    „Je mehr der Mensch an Reli­gi­on hängt, des­to mehr glaubt er. Je mehr er glaubt, des­to weni­ger weiß er. Je weni­ger er weiß, des­to düm­mer ist er. Je düm­mer er ist, des­to leich­ter kann er regiert wer­den! — Die­ser Gedan­ken­gang war den Tyran­nen aller Län­der und Zei­ten geläu­fig, daher stan­den sie auch stets mit den Pfaf­fen im Bunde.“ 

    Den Preis bit­te an Herrn Johan­nes Most, z. Zt. Cincinnati

    • Hm. Der Ein­wand gilt aber nur für Reli­gi­ons-Ver­sio­nen, die sich Argu­men­ten und über­haupt der Wis­sen­schaft­lich­keit ver­wei­gern, nicht?

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