Der StaatsvirusKen­nen Sie das? Sie ver­spüren ein Zwick­en hier oder einen Schmerz da, bemerken eine Rötung dort und fan­gen an, Dr. Google um Rat zu fra­gen. Nach ein­er Stunde in Foren, Selb­sthil­fe­grup­pen und unver­ständlichen Stu­di­en glauben sie, sie sind schon so gut wie tot. Das Bom­barde­ment mit Ver­mu­tun­gen und Fer­n­di­ag­nosen nagt an ihrer Urteil­skraft. Der infor­ma­tionelle Overkill ver­drängt jedes Abwä­gen, der Abgrund, in den Sie star­ren, star­rt irgend­wann zurück.

Und ken­nen Sie auch das? Sie machen mor­gens das Radio an und hören als erstes „…meldet das RKI 12.532 neue Fälle…“. Ihr Kol­lege ruft an und will wis­sen, ob die Regeln für Zusam­menkün­fte von zwei oder drei Leuten sprechen, ihr Fre­und schickt ihnen die Nachricht, dass das Jog­ging heute Abend aus­fall­en muss, weil es in der Klasse der Tochter einen „Fall“ gegeben habe. Der infor­ma­tionelle Overkill, der Abgrund, in den wir täglich alle blick­en, star­rt uns an und irgend­wann kommt man zu dem Schluss: „Wärst du mit deinen Sor­gen doch ein­fach gle­ich zu deinem Arzt gegan­gen, statt darauf zu hof­fen, die Regierung, der RKI, die Coro­na-App, die EU oder der ‚Hin­ter­tupfin­ger Tage­sanzeiger‘ wür­den schon wis­sen, was zu tun ist!“ Ich glaube ja seit län­gerem, wir hät­ten die ganze Pan­demie bess­er den Medi­zin­ern über­lassen sollen, denen die Poli­tik assistierend zur Seite ste­ht – nicht umgekehrt. Doch nun ist mehr als ein Jahr ins Land gegan­gen und für diese Erken­nt­nis ist es fast zu spät. Fast.

Fühlen Sie sich gesund und einiger­maßen wohl, liebe Leser? Haben Sie noch Hoff­nung und Lebens­mut und ihren gesun­den Ver­stand noch nicht abgeschal­tet? Bemerken Sie noch die Wider­sprüche und Brüche in den geän­derten Geset­zen, Verord­nun­gen, und Durch­führungs­bes­tim­mungen? Suchen Sie eine neue, sach­liche Quelle, die ihnen all die Begriffe, die Hin­ter­gründe und Absicht­en des Fram­ings erk­lärt, dem wir seit einem Jahr Tag um Tag aus­ge­set­zt sind? Dann kann ich Ihnen dieses Buch von Dr. Gunter Frank empfehlen, das teils Tage­buch, teils Lexikon, teils Kri­mi und auch flam­mende Anklage ist. Frank ist Arzt mit eigen­er all­ge­mein­medi­zinis­ch­er Prax­is und somit an vorder­ster Front dabei.

Wer­fen Sie einen Blick auf die inter­diszi­plinären Grabenkämpfe in Forschung und Klinik-All­t­ag, ler­nen Sie, Sta­tis­tiken richtig zu lesen, wie der Sem­mel­weis-Reflex funk­tion­iert und die Kon­se­quen­zen der Tat­sache ken­nen, dass das Robert-Koch-Insti­tut bis heute keine die Pan­demie beglei­t­ende repräsen­ta­tive Kohort­en­studie auf die Beine stellen kon­nte und was dies für die Aus­sagekraft der Zahlen bedeutet, die uns tagtäglich um die Ohren fliegen.

Auch wird der inter­es­san­ten Frage nachge­gan­gen, warum die auftre­tenden Hotspots so ortssta­bil waren und die Infek­tio­nen von dort aus nicht auf angren­zende Gegen­den über­griff. In den Medi­en wurde die Frage nicht gestellt, im Buch wird sie beantwortet.

Oder vielle­icht wis­sen Sie, liebe Leser, wieviele Covid-Kranke es eigentlich gibt und gab? Kurioser­weise kann das bis heute nie­mand sagen. Dach Buch han­delt auch von unseren Wis­sens­de­fiziten und der Wis­sensan­maßung in der Poli­tik und wie bei­des unser Urteilsver­mö­gen ein­trübt. Dieses „Duo Infer­nale“ war bere­its 2009 am Werk, als im Ver­lauf der Schweine­grippe all die Fehler gemacht wur­den, die wir heute wom­öglich wieder machen – bis hin zur übereil­ten Vorstel­lung eines Impf­stoffes (2009 war es Pan­dem­rix), der am Ende stillschweigend wieder aus dem Verkehr gezo­gen wurde. Die Par­al­le­len wer­den im zweit­en Teil des Buch­es aus­führlich beleuchtet.

Gunter Frank kommt in seinem neuesten Buch “Der Staatsvirus — Ein Arzt erk­lärt, wie die Ver­nun­ft im Lock­down starb” zu dem Schluss, dass uns die Kom­bi­na­tion aus Poli­tikver­sagen, Schlaglichtern auf episodis­chen Ereignis­sen, inter­diszi­plinären Eifer­süchteleien in der Medi­zin und falsch geset­zten finanziellen Anreizen in die Lage gebracht haben, in der wir uns heute befind­en: als wie von der Covid-Schlange gelähmte Kan­inchen, die aus Angst vor dem Tod das Leben eingestellt haben. Dabei weiß auch der All­ge­mein­medi­zin­er von der Gefährlichkeit des neuar­ti­gen aber gar nicht so neuen Virus und beschreibt auch dessen tödlich­es Poten­zial. Aber er behält die Ver­hält­nis­mäßigkeit von Schutz­maß­nah­men und Ther­a­pi­en immer im Blick, was in unser­er „Angst­ge­sellschaft“ (so ist der dritte Teil des Buch­es über­schrieben) oft nicht leicht ist.

So aus­führlich der Autor die medi­zinis­chen Aspek­te von Covid-19 betra­chtet, so kurz ger­at­en lei­der manche der gesellschaftlichen Aspek­te. Er find­et den Anfang viel­er Fäden, wenn er etwa die Aus­bre­itung moral­is­tis­ch­er Inkom­pe­tenz-Net­zw­erke kri­tisiert, welche ein­deutig am Werk sind, wenn man etwa beim Coro­na-Virus eine „Null-Covid-Poli­tik“ haben möchte, was bei ein­er Zoonose völ­lig unmöglich ist. Hier hätte ich mir etwas mehr Aus­führlichkeit gewün­scht. Allerd­ings würde ein wirk­lich allum­fassendes Covid-Buch angesichts der Kurzat­migkeit poli­tis­ch­er Volten wohl nie fer­tig geschrieben und welch­er Ver­lag kön­nte das zwis­chen zwei Buchdeck­eln darstellen.

Mein Faz­it: abso­lut lesenswert und die bish­er beste Zusam­men­fas­sung all dessen, was wir im let­zten Jahr alle erleben mussten, teil­weise schon wieder vergessen oder so nie zusam­mengedacht hat­ten. Hören Sie auf ihren Arzt, liebe Leser. Und hören Sie auf Dr. med. Gunter Frank. Das Buch ist im Achgut-Ver­lag erschienen und kann hier (auch als e‑Book) bestellt werden.

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3 Kommentare

  1. @hubersn. Hat Frank nun “schein­bar” oder “anscheinend” ein “entspan­ntes Ver­hält­nis zu Zahlen Dat­en und Fak­ten und eine eher ein­seit­ige Sicht auf die Dinge”? Wenn es schein­bar ist, dann hat er eben kein “entspan­ntes” Ver­hält­nis” zu Zahlen und wom­öglich keine “ein­seit­ige” Sicht der Dinge”. Wie auch immer; seine War­nung vor Intu­ba­tion zur Unzeit hat sich als richtig erwiesen und wohl einige Men­schen­leben gerettet (na ja, sagen wir mal: verlängert).
    Ihr Artikel hat mich auch nicht ger­ade pos­i­tiv beein­druckt. Franks Artikel schon.

  2. Den Pan­dem­rix-Seit­en­hieb ver­ste­he ich nicht. Meines Wis­sens ist die doku­men­tierte Neben­wirkung von Pan­dem­rix die Narkolep­sie. Die ist sehr sel­ten aufge­treten, kaum häu­figer als in der ungeimpften Ver­gle­ich­sko­horte. Pan­dem­rix war nur ein­er der ver­füg­baren Schweine­grippeimpf­stoffe, für die anderen gibt es keine doku­men­tierten Neben­wirkun­gen, man sollte also nicht den Ein­druck erweck­en, es han­dle sich hier um ein all­ge­meines Impf­prob­lem. Und “stillschweigend” ist Pan­dem­rix damals auch nicht zurück­ge­zo­gen wor­den, im Gegen­teil, das Begleit­getöse war erheblich.

    Nach allem, was man bish­er unter­sucht hat, ist die Neben­wirkung von Pan­dem­rix gle­ichzeit­ig eine der häu­fi­gen Symp­tome bei Schweine­grippeerkrank­ten, mit der starken Ver­mu­tung dass der Mech­a­nis­mus und die Anfäl­ligkeit dafür der­selbe ist — die Wahrschein­lichkeit ist also dur­chaus hoch, dass im Falle der Nichtimp­fung eine Infek­tion mit der Schweine­grippe zum sel­ben Ergeb­nis geführt hätte.

    Dass man hin­ter­her kon­sta­tieren muss, dass die Schweine­grippe nicht das befürchtete Aus­maß ein­er großen Pan­demie erre­icht hat, ist klar. Bei SARS-CoV­‑1 war es ja ähn­lich. Bei SARS-CoV­‑2 hinge­gen wäre uns viel Leid erspart geblieben, hätte man den Erreger ab Tag 1 ernst genom­men. Siehe Tai­wan und Süd­ko­rea. Das liegt halt in der Natur der Sache, an unserem Nichtwissen über die ganzen Mech­a­nis­men von Viren und ihrer Para­me­ter der Ver­bre­itung und Mutation.

    Anson­sten haben mich die diversen AchGut-Artikel von Dr. Frank nicht ger­ade pos­i­tiv beein­druckt, ganz im Gegen­teil hat er ein schein­bar eher entspan­ntes Ver­hält­nis zu Zahlen Dat­en und Fak­ten und eine eher ein­seit­ige Sicht auf die Dinge. Das lässt fürs Buch nicht ger­ade viel erwarten. Ich denke ger­ade vor allem an sein mutwilliges Missver­ste­hen der Zahlen von Ioan­ni­dis zum IFR. Auch seine Ein­las­sun­gen zum PCR-Test waren kaum von Sachken­nt­nis getrübt.

    • Meine Inter­pre­ta­tion ist da eine andere, auch was das Buch ange­ht. Aber ich kon­nte es ja auch schon lesen. Ich ken­nen natür­lich ihren medi­zinis­chen Hin­ter­grund nicht und vielle­icht inter­pretieren Sie die Forschun­gen von Ioan­ni­dis anders als Frank, für mich klin­gen die Schlussfol­gerun­gen im Buch allerd­ings sehr logisch, ger­ade was die Schlussfol­gerun­gen für den Umgang der Poli­tik mit COVID ange­ht. Vielle­icht soll­ten Sie meine über­spitzte For­mulierung “stillschweigend” bezüglich Pan­dem­rix nicht allzu wörtlich nehmen. Das Stillschweigen existiert jedoch in Bezug auf die fehlende kri­tis­che Betra­ch­tung der Neben­wirkun­gen von Imp­fun­gen, die man unter großem poli­tis­chen Druck durch­set­zt. Dass Narkolep­sie nach der Imp­fung mit Pan­dem­rix eine anerkan­nte Ursache für Schaden­er­satz­zahlun­gen ist, weist außer­dem darauf hin, dass es sich sehr wohl um eine Neben­wirkung und nicht ein Phänomen der Krankheit selb­st han­delt. Außer­dem ist inter­es­sant, dass sich heute — zumin­d­est in Poli­tik und Presse — kaum noch jemand an die Vorgänge während der Schweine­grippe zu erin­nern scheint.

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