Quelle: Wikipedia
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Als die Abge­ord­ne­ten des Bun­des­ta­ges am 2.6.2016 ihre so genann­te Arme­ni­en-Reso­lu­ti­on ver­ab­schie­de­ten, hat­ten sie das gute Gefühl, einen his­to­ri­schen Feh­ler des deut­schen Kai­ser­rei­ches wie­der­gut­zu­ma­chen, das dem Mas­sen­mord an den Arme­ni­ern 1915 taten­los zusah. Eine sym­bo­li­sche Ges­te unter Rechts­nach­fol­gern soll­te es wer­den, denn weder der Deut­sche Bun­des­tag noch das tür­ki­sche Par­la­ment haben die­se Mor­de zu ver­ant­wor­ten. Ich will hier auch nicht bewer­ten, wie not­wen­dig die­se Reso­lu­ti­on war, auch ange­sichts der Tat­sa­che, dass Deutsch­land sich vor ähn­li­chen Schrit­ten hütet, wenn sie etwa deut­sche kolo­nia­le Gräu­el­ta­ten in Afri­ka betref­fen. Prin­zi­pi­ell darf sich der Bun­des­tag näm­lich mit allem beschäf­ti­gen, was es auf die Tages­ord­nung schafft und eine Reso­lu­ti­on gegen Völ­ker­mord ist alle­mal fass­ba­rer und sinn­vol­ler als „Beschäf­ti­gungs­si­che­rung durch Wachstumsstärkung“.

Die „Arme­ni­en-Reso­lu­ti­on“ war ein Meis­ter­stück! Hin­ter mar­ki­gen Wor­ten der Betrof­fen­heit ver­bar­gen sich so vie­le vage For­mu­lie­run­gen, dass man je nach Bedarf eine schar­fe Ver­ur­tei­lung oder einen Frei­spruch auf gan­zer Linie aus dem Text lesen konn­te. Lai­en lasen die Ver­ur­tei­lung, Juris­ten den Frei­spruch und die Bun­des­re­gie­rung hoff­te, in der Tür­kei wür­den Juris­ten lesen.

Erdo­gan ist lei­der juris­ti­scher Laie und der schäum­te vor Wut. Weder die Hin­ter­tür­chen im Reso­lu­ti­ons­text noch die demons­tra­ti­ve Abwe­sen­heit der Kanz­le­rin bei der Abstim­mung konn­ten ihn besänf­ti­gen. Nun, nach drei Mona­ten Druck, immer wie­der ein­be­stell­tem deut­schen Bot­schaf­ter, Besuchs­ver­bot deut­scher Abge­ord­ne­ter bei den Bun­des­wehr­sol­da­ten in der Tür­kei und mas­si­ven Dro­hun­gen an die Adres­se tür­kisch-stäm­mi­ger Abge­ord­ne­ter des Bun­des­ta­ges bekommt er end­lich, was er will: Die Bun­des­re­gie­rung wird sich, um einem aus­län­di­schen Des­po­ten zu gefal­len und einen schmut­zi­gen „Deal“ zu ret­ten, vom Reso­lu­ti­ons­text öffent­lich distan­zie­ren. Nur zur Erin­ne­rung: Die Bun­des­re­gie­rung ist dem Bun­des­tag rechen­schafts­pflich­tig, nicht umgekehrt!

Aber wer soll nun vor dem Sul­tan auf die Knie sin­ken, wer soll das machen? Stein­mei­er winkt ab, Mer­kel traut sich auch nicht - und das obwohl bei­de als Wir­bel­lo­se ana­to­misch zu sehr tie­fen Ver­beu­gun­gen in der Lage sind. Bei­de wol­len sich das letz­te biss­chen Selbst­ach­tung erhal­ten, die sie sonst so frei­gie­big ver­kau­fen. Aber für sol­che Fäl­le hat man doch den Sei­bert aus dem Fern­seh­stu­dio geholt! Der soll das machen!

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Als im Jahr 260 der römi­sche Kai­ser Vale­ri­an bei der Schlacht bei Edes­sa (heu­te Tür­kei) in per­si­sche Gefan­gen­schaft geriet, hat­te er noch eini­ge Jah­re als leben­der Sche­mel vor sich, um König Schar­pur auf’s Pferd zu hel­fen. Es wer­den nicht sei­ne schöns­ten Jah­re gewe­sen sein. Rom hielt sich übri­gens nicht lan­ge mit ihrem gefan­ge­nen Kai­ser auf und ernann­te schnell einen Nach­fol­ger. Nach Sei­berts Knie­fall vor dem Sul­tan soll­te sich der Bun­des­tag auch schnell nach einer neu­en Regie­rung umsehen.

Update, 12:19 Uhr

Sei­bert durf­te auf sei­nen Füßen blei­ben und muss­te nicht wie ange­kün­digt auf die Knie gehen. Statt­des­sen erging durch ihn die Emp­feh­lung an Anka­ra, doch bit­te Juris­ten den Reso­lu­ti­ons­text lesen zu las­sen. Ich bezweif­le, das die­ses die letz­te Erklä­rung Sei­berts zum The­ma gewe­sen sein wird, denn es geht nicht dar­um, was Juris­ten aus den Tex­ten lesen, son­dern ob der Sul­tan mit dem Ver­hal­ten sei­ner deut­schen Unter­ta­nen zufrie­den ist - und das ist er sicher noch nicht!

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