GEGENDARSTELLUNG

Der Beitrag ,Deutsches Meldewesen: Henseln und Spetzln’ vom 20.03.2024 (https://unbesorgt.de/deutsches-rneldewesen-henseln-und-spetzln/) befasst sich mit der Tätigkeit von HateAid. Dort heißt es:

„… es gibt sie ja wirklich, die Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich gegen Hetzkampagne im Netz zur Wehr zu setzen. So zum Beispiel Zana Rarnadani, die sich über den Button ,,Helft mir!” auf deren Website an HateAid wandte, nur um dort telefonisch zu erfahren, dass man sich für ihren Fall nicht wirklich interessiere, weil der Hass gegen sie nicht wie gewünscht von rechts kommt und Zana auch nicht prominent genug sei, um für HateAid mediale Aufmerksamkeit – und dadurch natürlich auch weitere Spenden – zu generieren.“

Hierzu stelle ich fest:

Bei der Entscheidung ging es weder um die Prominenz von Zana Ramadani noch um die den betreffenden Äußerungen zugrunde liegende politische Richtung. Sie wandte sich in einem laufenden Gerichtsverfahren an HateAid, in dem sie selbst auf Unterlassung in Anspruch genommen wurde. Zivilrechtliche Vorgänge, bei denen es um Äußerungen geht, die von dem oder der Betroffenen selbst ausgehen, begleiten wir nicht. Zur direkten rechtlichen Beratung sind wir aus Rechtsgründen nicht befugt.

Berlin, den 10.04.2024
Josephine Ballon, Geschäftsführerin
HateAid gGmbH


Ich weiß ja nicht, wie lange Ihr letztes Klassentreffen her ist, lieber Leser, aber manchmal triggern aktuelle Ereignisse Erinnerungen, die eng mit Personen verknüpft sind. Man fragt sich dann, was wohl aus diesem oder jenen geworden sein mag, ob der Klaus heute seine Tobsuchtsanfälle unter Kontrolle hat oder die Eva noch immer an den Nägeln knabbert. In letzter Zeit hört man ja unglaublich viel über den „Kampf gegen rechts“ und den Versuch, „Hass und Hetze“ zurückzudrängen, selbst dann, wenn es sich weder um das eine noch das andere handelt. Die Polizei rückt zu „Gefährderansprachen“ aus, Meldeportale erfassen „Delikte unter der Strafbarkeitsgrenze“ und die „Grenzen des Sagbaren“ verlaufen durch Sümpfe und Minenfelder, von denen nur die Minenleger und Sumpfbewohner wissen, wo sie liegen.

Klar, dass ich da früher oder später an Gerald denken musste, der gewissermaßen als der heilige Schutzpatron des Zeitalters der Petzen und Denunzianten gelten darf. Wie? Sie kennen Gerald nicht? Es ist doch gerade mal sieben Jahre und einen Keks her, dass er – unausgelastet von seinem Tagesjob bei der Agentur Scholz & Friends – durchs Internet streifte, um werbetreibende Firmen freundlich daran zu erinnern, auf was für anrüchigen Seiten deren Anzeigen zu sehen seien. Bei vielen Medien abseits des Mainstreams brach damals dank Gerald Hensels emsiger Wühltätigkeit das Werbe-Standbein fast komplett weg, und nur unseren Lesern war es zu verdanken, dass wir auf Sendung bleiben konnten.

Mittlerweile gehörten Canceln, Denunzieren und die Angst vor Kontaktschuld zu Deutschland wie Maikrawalle und Kartoffelsalat. Da hofft man natürlich, dass der prominenteste Early-Adopter dieses Trends es bis ganz nach oben geschafft hat, dass er ausgezeichnet wurde und ausgesorgt hat, dass Straßen und Müllverbrennungsanlagen oder wenigstens ein Anbau am Hauptquartier des Verfassungsschutzes nach ihm benannt wurden. Die Wege von Hensel und der Agentur Scholz & Friends trennten sich bekanntlich rasch, aber kusshändchenwerfend. Gerald „Ich habe alles richtig gemacht“ Hensel zog neuen Horizonten entgegen. Irgendwie und irgendwo muss sich die Denunziation doch vergolden lassen!

Der Hashtag #keinGeldFürRechts der Hensel‘schen Boykott-Kampagne brannte bekanntlich nicht länger als eine Wunderkerze. Außerdem lässt sich über derlei volatile Kanäle, in denen jeder alles verbreiten kann, nur äußerst mühsam Geld verdienen. Seine private Aktivistenplattform davaidavai.com war dafür auch ungeeignet und roch zu allem Übel auch nach stalinistischem Gulag und Nordkorea-Fanpage, als dass sich darüber Spenden einsammeln ließen. Heute ist die Seite stillgelegt und auf eine Restaurant-Seite im Beta-Bastelzustand weitergeleitet. Wer in Erinnerungen schwelgen will, muss also im Archiv suchen.

Einfach nur Stellung bezogen

Es folgte im Mai 2017 die Gründung des Vereins „Fearless Democracy e.V.“, wo Hensel sich in erster Linie beim Verfassen von Artikeln der Sorte „Einerseits, andererseits, was auch immer“ selbst Mut zusprach, und wie schon bei der Hashtag-Kampagne lieferte das Branchenportal W&V die passende Hymne zum Start. Der Meisterstratege Hensel sei zurück und melde sich nun sogar vom internationalen Parkett. Der alte Fachbegriff dafür lautet wohl weniger „Neustart“ als vielmehr „Flucht nach vorn“. Letztlich war der Verein, dessen Website schon nach kurzer Zeit wieder in den Wartungsmodus versetzt wurde, wohl nur das Vehikel zum Start des nächsten großen Projekts mit dem praxisorientiert klingenden Namen HateAid.org.

Die Strategie, als Initiator mit G‘schmäckle möglichst sparsam in Erscheinung zu treten, war klug gewählt, und so taucht Hensel auf der about-Seite außer auf einem Foto der Initiatoren samt dazugehöriger Bildunterschrift nirgends auf. Dort dann allerdings mit passendem Opferstatus, auf dass der Gründungsmythos von HateAid schön glänzen möge: „Unsere Co-Founder von Fearless Democracy e.V. mussten selbst umfassenden Hass erfahren. Einfach nur, weil sie im Netz politisch und gesellschaftlich Stellung bezogen hatten.“

Einfach nur Stellung bezogen hat der Gerald damals, jawohl! Dass diese Stellung eher dem Richtschützen einer Flak-Batterie glich und er versuchte, ihm unliebsame Medien ökonomisch vom Himmel zu pusten, daran muss der Leser ja nicht erinnert werden. Doch scrollen wir die Seite noch etwas weiter runter, fällt uns auf, dass HateAid etwas geschafft hat, was Hensels Vorläuferprojekte nicht vermochten: sich nämlich gleich an zwei ministeriellen Steuerzitzen festzusaugen. Einmal über das illustre Programm „Demokratie leben“ an das grüne Paus-Ministerium für Familie, und dazu noch an das Justizministerium der FDP unter Buschmann. Laut Transparenzbericht 2022 floss mindestens eine halbe Million Ihrer Steuergelder in die Hensel‘sche Hassbekämpfung. Nur vielleicht etwas selektiver, als der Name des Projekts vermuten lässt.

Promibonus und der Kampf gegen „TERFs“

Auffällig ist nämlich, dass sich HateAid besonders lautstark und öffentlichkeitswirksam vor die von Hass geschundenen Politikerseelchen unserer geschätzten grünen Regierungspartei wirft. Lobend zu Wort kommen etwa Tareq Alaows von Pro Asyl, Renate Künast, Claudia Roth, Volker Beck… alles Grüne. Man fragt sich, ob bestens vernetzte und mit Diäten gepäppelte Politiker einer Regierungspartei wirklich die Hilfe einer NGO brauchen, um zivilrechtlich gegen Leute vorzugehen, die sich – und das sei hier ausdrücklich zugestanden – deutlich in Ausdrucksweise und Ton vergreifen. Für alle strafrechtlich relevanten Fälle ist ohnehin die Staatsanwaltschaft zuständig, die bekanntlich keine Rechtskosten bei ihren selbstgewählten Mandanten eintreibt.

Und man fragt sich, wer hier eigentlich wem hilft: HateAid den Politikern oder die Politiker HateAid. Denn es gibt sie ja wirklich, die Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich gegen Hetzkampagne im Netz zur Wehr zu setzen. So zum Beispiel Zana Ramadani, die sich über den Button „Helft mir!“ auf deren Website an HateAid wandte, nur um dort telefonisch zu erfahren, dass man sich für ihren Fall nicht wirklich interessiere, weil der Hass gegen sie nicht wie gewünscht von rechts kommt und Zana auch nicht prominent genug sei, um für HateAid mediale Aufmerksamkeit – und dadurch natürlich auch weitere Spenden – zu generieren.

Was nicht hinzunehmender Hass ist, entscheidet HateAid mit gewaltiger woker Schlagseite, wie die Propaganda der Alphabet-People zeigt, die auf der Website unter „Queerfeindlichkeit“ rubriziert ist. Inklusive einer abwertenden Definition von Frauen als „Terfs“, wenn sie sich weigern, großartig zu finden, dass Typen in Frauenkleidern in ihren Umkleiden, Duschkabinen oder Sportwettkämpfen auftauchen.

Wer die Zivilgesellschaft unterstützen will…

Gerald Hensel hat nun beschlossen, wieder etwas mehr aus dem Schatten zu treten und schreibt jetzt eine Kolumne für „Absatzwirtschaft“, wo er uns als „seit vielen Jahren aktiv gegen Gewalt und Desinformation im Netz“ vorgestellt wird. Die Artikel sind so substanzlos wie früher bei „Fearless Democracy“ und hangeln sich erwartbar am „current thing“ entlang. Im aktuellen mit dem Titel „Etwas tun“ schnuppert Hensel nun Morgenluft, seinesgleichen sei in der modernen Melderepublik endlich wohlgelitten. „Aktivismus ist wieder in. Die haarsträubenden rechtsextremen Vertreibungspläne der letzten Wochen haben nicht nur Millionen Menschen auf die Straße gebracht. Sie haben auch die Kommunikations-Community repolitisiert. Alle wollen plötzlich „etwas tun“.“

Sie merken, liebe Leser, auch der Gerald taucht seine Feder in das Salböl, das Correctiv in Potsdam aus dem Nichts erschaffen hat. Die Kommunikations-Community weiß, was zu tun ist und wird mit diesem Schlangenöl sicher noch viele Aktivisten zu Helden umlabeln und „enabeln“. Die deutsche Wirtschaft möge den Rechtsruck im Land doch bitte bekämpfen, indem sie denen Geld gebe, die „den Kampf gegen rechts schon lange führen“, meint Hensel. Ein Schelm, der glaubt, damit meine er in erster Linie sich selbst und das geschlossene, inzestuöses Ökosystem des Denunziantentums, wo man im Projektmodus Steuergelder abgreift, wo man nur kann, sich gegenseitig Orden an die Brust heftet und jeder mediale Skandal durch Anschlussverwendungen in der nächsten neuen „zivilgesellschaftlichen“ NGO abgefedert wird. Noch einmal Hensel in seiner Kolumne:

„Wer die Zivilgesellschaft nachhaltig unterstützen will, „enabelt“ sie mit dem, was sie am meisten braucht: Geld, Wissen und Arbeit.“ Die Welt der Geralds von der Meldefront ist klein, aber das war sie eigentlich schon immer. Ein Beispiel? Raten Sie doch mal, liebe Leser, wer im Jahr 2023 neben Hensels „HateAid“ außerdem mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet wurde. Richtig: Correctiv.

Zuerst erschienen auf Achgut.com

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4 Kommentare

  1. Zitat Otto Waalkes (leicht verfremdet): „Henselnen und Gretelnen verliefen sich im Wald. Es war so dunkel und auch so bitterkalt“.

  2. Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der Nochpartei scheint das Anzeigen von Beleidigungen zu einer Nebentätigkeit erhoben zu haben. Das könnte man natürlich prinzipienfest kritisieren, um sich als Anti-Schneeflöckchenpartei zu geben. Aber die AfD wäre natürlich nicht die AfD, wenn sie nicht jede einzelne gute Vorlage akrobatisch in ein Eigentor verwandeln würde. Mammi, Mammi, die hat Scheißhaufen gesagt!

    Jetzt spielen wir dieses lustige Spiel, bei dem gleich beim Anpfiff die erste Muschi auf den Boden plumpst und rumheult. Erst regen sich alle auf. Aber schon lange vor der neunzigsten Spielminute wälzen sich nicht weniger als zweiundzwanzig Spieler über den Rasen und überbieten sich mit Gejammer.

    Ich persönlich finde weder Trump noch Pirincci sonderlich schroff. Letzterer hat einen vulgären Stil. Der ist aber so offensichtlich humorig und augenzwinkernd, dass seine Äußerungen nicht geeignet sind und auch nicht die Absicht haben, das Ansehen der Adressaten in deren Umfeld zu gefährden. Dem stehen Leute gegenüber, die sehr inflationär mit Nazi- und Holocaustvergleichen um sich werfen. Bei Böhmermann, Extra-3, quer und so weiter ist die Absicht, jemanden sozial und beruflich zu isolieren, kaum zu übersehen. Gerade ein Herr Böhmermann scheint ja auch hinter der Kulisse aktivistisch zu sein. Die treten nicht, obwohl jemand am Boden liegt, sondern weil. Die Strack-Zimmermann hört bestimmt auch Sachen, die herabwürdigend gemeint sind.

    Ich glaub, alle müssen in ihren jeweiligen Kreisen darum bitten,(1) freundlicher zu sein und (2) die Weicheierei abzustellen. Die Petzen, Dingsbums-Beauftragten, Pseudowissenschaftler und so weiter müssen wieder beruflich integriert werden. Die wehren sich mit Zähnen und Klauen, solange sie nur von Geldkürzungen und Stellenstreichungen hören.

    In den USA gibt es den Educational Testing Service ETS, eine private Firma, die ein de facto Abitur anbietet, den SAT. Deutsche kennen oft ein anderes ETS-Produkt, den Englischtest TOEFL. Diese Tests sind teuer, aber unsere Bundesländer könnten im Prinzip selbst granularere Kompetenztests für allerlei berufliche Felder anbieten, um den Leuten einen hürdeärmeren Übergang von Putzkraft zu Berufsabschluss zu ermöglichen. Das wäre so ähnlich wie die Staatsexamen, nur nicht lizenzierend, bloß signalisierend, nämlich als werbende Beilagen in den Bewerbungsmappen. Ich prognostiziere eine schmerzhafte Umbruchphase. Wir müssen den Arbeitsmarkt also sowieso flexibilisieren, damit sich die Leute leichter zur Zusammenarbeit finden und sich auch wieder angstfreier trennen können.

    Ich will, dass der Beleidigungsparagraph verschwindet! Komplett! Deutsche, reißt euch zusammen!

    • Tja; gute Rätselfrage, ob Deutsche fähig sind, sich zusammenzureißen. Streckenweise wohl, nämlich so bald die selbst fabrizierte Not allzu groß geworden ist. Vor diesem Kipp-Punkt ziehen die Deutschen es leider vor, einander zu zerreißen. Bis dann gar nichts mehr geht.

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