Wenn Poli­tik­er Schlüsse aus Wahlergeb­nis­sen ziehen, wird es sel­ten span­nend. Selb­st aus krachen­den Nieder­la­gen lässt sich ja aus dem richti­gen Blick­winkel noch ein Denkzettel, Ans­porn oder ein Koali­tionsver­sprechen ableit­en. Die Erk­lärungsver­suche von Angela Merkel jedoch, ihre Beschwich­ti­gun­gen und Schlussfol­gerun­gen aus den Land­tagswahlen in Sach­sen-Anhalt, Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz ver­set­zen mich wie viele andere ihrer Erk­lärun­gen in eine Stim­mung, die mir vor Jahren noch unbekan­nt war. Es ist eine wilde Mis­chung aus Ärg­er, Wut und Ohn­macht. Es sind nicht die man­gel­nden rhetorischen Möglichkeit­en Merkels, es ist der belehrende, infan­til­isierende Unter­ton, die Her­ablas­sung, die sie nur spär­lich umfloskelt. Es ist die vorsät­zliche Belei­di­gung des Intellek­ts der Zuhör­er und Zuschauer, welche sie fle­hend anse­hen und denken „gib dir bitte Mühe, ich will anständig ver­arscht wer­den“. Frau Merkel ver­steckt die Ostereier jedoch nicht, sie kippt sie gle­ich­sam den Wäh­lern vor die Füße und sagt „nun sucht mal schön“. Es ist wie Kinder­garten­sprech oder Psy­chi­a­trie-Sprache aus den Fün­fzigern, man trifft diese Sprache auch heute manch­mal bei Pflegekräften, wenn sie mit älteren Men­schen sprechen. „Wie geht es uns den heute Herr Hinz? Da haben sie aber fein aufgegessen Frau Kunz!“. Man wird Zeuge solch­er Gespräche und es packt einen die Wut.

Aus Frau Merkel spricht Schwest­er Ratched* und ich möchte wie McMur­phy* schreiend durch die Zim­mer ren­nen, Türen ein­treten, die Bewohn­er an den Schul­tern pack­en und die grin­senden Pfleger an Ratched’s Seite aufmischen.

Aber Schwest­er Ratched hat die Kon­trolle ver­loren. Es wollen ein­fach nicht mehr alle Patien­ten die Medi­zin schluck­en, die sie täglich austeilt. Über­all sprin­gen schein­bar durchgek­nallte McMurphy’s herum und stören den bish­er so friedlichen Sta­tion­sall­t­ag. Dabei war es bish­er so har­monisch hier! Sich­er, die Lethargie griff um sich, die Bewohn­er fan­den sich damit ab, wie Schwest­er Ratched ihren Tag regelte. Es war ja auch bequem so, es gab genug zu essen und abends was Belan­glos­es in der Glotze. Bequem ist es aber nicht mehr, es gibt plöt­zlich viel zu tun auf der Station.

Die aufgewacht­en und verzweifel­ten Insassen wen­den sich an das restliche Per­son­al, aber es spielt offen­sichtlich keine Rolle mehr, welche Far­ben die Kit­tel des Per­son­als haben – alle verteilen die gle­iche Medi­zin, alle reden wie Schwest­er Ratched und attestieren ihr großen Sachver­stand. Man glaubt sich in einem Alb­traum wenn man mit anhören muss, wie Schwest­er Ursu­la von der Leyen bei Anne Will – wohl verse­hentlich – erk­lärte, dass Far­ben wie rot, grün, oder schwarz schon längst keine Rolle mehr spie­len, weil alle Schwest­er Ratched alias Angela Merkel den Treueid geschworen haben und alle gemein­sam nur noch das eine Ziel haben: McMur­phy in den Wahnsinn und die Lobot­o­mie zu treiben.

Dabei ist die Flüchtlingskrise wom­öglich nur ein Symp­tom für das erkennbare Totalver­sagen der Regierung Merkel. Sobald man die Annahme der Medika­mente ver­weigert und aus dem „Deutsch­land ist stark“, „Wir sind auf dem richti­gen Weg“ und „Wir schaf­fen das“-Delirium erwacht, stellt man wom­öglich fest, dass die Krisen der let­zten Jahre, (Stich­worte: Europa, Griechen­land, Staatss­chulden, Energiewende, Ukraine, Nahostkon­flikt, Afghanistan) nicht gelöst, son­dern durch Erhöhung der Medika­menten­do­sis nur wun­der­sam entschwun­den sind. Mot­to: Was wir nicht seh’n wird schon vergeh’n.

Es ist ja nicht so, dass Merkel diese Medi­zin nicht auch an ihr Per­son­al verteilt. Das ist ein­er der Gründe, warum von dort kaum Hil­fe zu erwarten ist. Und so wird sie es wohl auch dies­mal wieder schaf­fen, aus ihren rot/grün/schwarzen Rei­hen aus­re­ichend Per­son­al zusam­men zu bekom­men, um die Sta­tio­nen in Stuttgart, Mainz und Magde­burg zu beset­zten und von dort aus Jagd auf die McMurphy’s zu machen. Alles soll so bleiben wie es ist und alle tre­f­fen sich 18 Uhr an der Medika­mente­naus­gabe. Aber ohne mich!

Erfahrung heißt gar nichts. Man kann eine Sache auch 35 Jahre falsch machen. (Kurt Tucholsky)

 

* Ein­er flog über das Kuck­uck­snest. Jack Nichol­son als Ran­dle McMur­phy und Louise Fletch­er als Schwest­er Mil­dred Ratched. Ein Lehrfilm über Merkels Führungsstil und Antwort auf die Frage, warum man bei Merkels Inter­views ein so selt­sames Gefühl im Magen hat.

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