Jahr für Jahr find­et im Bun­destag ein gut eingeübtes Rit­u­al statt: die Debat­te um die Ver­längerung der Man­date der diversen Aus­land­sein­sätze der Bun­deswehr. Die Regierung unter­stre­icht bei dieser Gele­gen­heit die bedeu­tende Rolle, welche die deutschen Sol­dat­en in Mali, Afghanistan oder Klein­puse­muck­el bei der Erhal­tung des Friedens, dem Bau von Schulen oder dem bohren von Brun­nen spiel­ten. Die Oppo­si­tion hinge­gen ver­weist auf unsere ach so friedliche Welt, möchte den Vertei­di­gung­shaushalt am lieb­sten auf das Niveau der Vere­in­skasse des Schützen­vere­ins Wol­frat­shausen herun­ter­schmurgeln und aus der Nato aus­treten. Am besten sofort. Übers Jahr verteilt kom­men zahlre­iche Anfra­gen und Presse­berichte zu den ver­schiede­nen ambi­tion­ierten Rüs­tung­spro­jek­ten, bei denen Geld ver­bran­nt wird wie bei einem ganzjähri­gen Oster­feuer, zu dem Schluss: mit dieser Armee, diesem Vertei­di­gungsmin­is­teri­um und dieser plan­losen Poli­tik ist kein Staat zu machen. Das Prob­lem ist, dass unsere Ver­bün­de­ten das genau­so sehen.

Rück­blende, 1992. Ich lernte einen ehe­ma­li­gen Major der NVA ken­nen, der sich nach sein­er Ent­las­sung als Nach­hil­felehrer durchs Leben schlug, nach­dem seine Armee das zeitliche geseg­net hat. Er war im Gen­er­al­stab tätig und sein ganzes Sol­daten­leben damit befasst, den bösen Feind, der gle­ich hin­ter Helm­st­edt auf ihn lauerte, nach allen Regeln der Kriegskun­st zu über­rumpeln und fer­tig zu machen. Und so schmiedete er Pläne, erstellte Tabellen, berech­nete Zeit­punk­te, Wegstreck­en und Bere­itschafts­grade und spielte in tausenden Vari­anten durch, wie dem „Angriff des Impe­ri­al­is­mus“ begeg­net wer­den könne, den man jed­erzeit erwartete – zumin­d­est solange wollte man durch­hal­ten, bis „eine richtige Armee“ ein­träfe. Er meinte die Russen. Dieser Mann, der sein Leben lang damit zuge­bracht hat­te, kleine Plas­tik­panz­er über Gelän­de­mod­elle zu schieben und dabei auf Son­nen­stand und Nord­wind zu acht­en, berichtete mir tief ent­täuscht davon, was er als erstes getan hat­te, als er ent­lassen, die NVA ver­schrot­tet und Deutsch­land wiedervere­inigt war: er fuhr, dies­mal in einem echt­en Auto, zu den Plätzen, Hügeln und Tälern, wo er einst die Heer­scharen des Impe­ri­al­is­mus auf Karten bekämpfte und in der Sim­u­la­tion ver­sucht hat­te, dem „Ansturm der Bun­deswehr“ zu trotzen. Was er dort fand? Nichts! Keine Stel­lun­gen, keine Trup­pen, keine Befes­ti­gun­gen, ein­fach gar nichts. Erst in diesem Moment, so sagte er, habe er begrif­f­en, dass er dreißig Jahre lang eine Phan­tom-Armee bekämpft habe. Wörtlich fügte er hinzu, dass er, nach allem, was er sah, noch nie einen solchen „Sauhaufen“ wie die Bun­deswehr ken­nen­gel­ernt habe. Seine erste Aus­land­sreise führte ihn dann fol­gerichtig in die USA, wo er die Mil­itärakademie von West Point besuchte. Zumin­d­est dort, sagte er fast erle­ichtert, gäbe es noch eine Armee, die diese Beze­ich­nung verdiene.

Peinlichkeiten aus der Waffenkammer des Guten

Zurück ins Jahr 2018. Unsere Drohnen fliegen nicht, unsere Hub­schrauber­pi­loten üben beim ADAC, weil sie kein ein­satzfähiges Flug­gerät haben, der „Jäger90“ wurde mit zehn Jahren Ver­spä­tung ein über­frachteter Eurofight­er, unsere U‑Boote sind sämtlich kaputt und von der A400M, dem neuen Trans­port­flugzeug, redet schon gle­ich nie­mand mehr, weil es ein­fach nur noch pein­lich ist. Nun kommt ein weit­eres Fiasko hinzu, über welch­es das „Wall­street Jour­nal“ am 12.1.2018 berichtet: Die neuen Fre­gat­ten vom Typ F‑125, welche unsere Marine bestellt hat, sind Schrott! Abnahme ver­weigert! Die Diag­nose, die man in den USA den deutschen Ver­bün­de­ten stellt, ist nieder­schmetternd. Ich kann zwar nicht behaupten, ein aus­gewiesen­er Experte auf dem Gebi­et mil­itärisch­er Aus­rüs­tung zu sein, aber selb­st einem Laien stellen sich beim Anblick der Fähigkeit­en der neuen Schiffe einige Fragen.

Etwa die, warum es wichtig war, deren max­i­male Ein­satzzeit auf zwei Jahre auszudehnen, obwohl unsere Par­la­mentsarmee sich doch jedes Jahr ein neues Plazet im Bun­destag holen muss, oder ob die Tat­sache, dass die nötige Besatzung nun klein­er ist, keinen Schutz vor U‑Booten und Flugzeu­gen mehr erfordert. Was soll es über­haupt brin­gen, dass der neue Fre­gat­ten­typ im Ver­gle­ich mit dem alten erhe­blich an Fähigkeit­en einge­büßt, dafür an Kosten und Gewicht mächtig zugelegt hat? Woran liegt das?

Das Wall­street Jour­nal spricht von „Schrumpfend­er mil­itärisch­er Exper­tise und wach­sender Ver­wirrung unter den führen­den deutschen Poli­tik­ern, wozu die Stre­itkräfte des Lan­des über­haupt da seien.“ Weit­er heißt es: „Eine ganze Rei­he verp­fuschter Infra­struk­tur­pro­jek­te haben den Ruf von Deutsch­lands Inge­nieurskun­st zer­stört. Für den 6 Mil­liar­den Euro teuren Flughafen in Berlin, der bere­its 10 Jahre hin­ter dem Zeit­plan zurück­liegt, gibt es noch keinen Eröff­nung­ster­min, und die Neugestal­tung des Stuttgarter Bahn­hofs liegt auch erhe­blich hin­ter dem Zeit­plan. Beobachter führen diese „Miss­geschicke“ auf schlecht­es Pla­nungs- und Pro­jek­t­man­age­ment zurück, welch­es auch bei großen mil­itärischen Pro­jek­ten zu Rückschlä­gen führte.“

Technische und organisatorische Peinlichkeiten

Der ganze WSJ-Artikel lässt einem die Schames­röte ins Gesicht steigen, aber Sie soll­ten ihn den­noch unbe­d­ingt lesen. Bevor er hin­ter der Bezahlschranke ver­schwand, lan­dete er zum Glück bei Archiv.is und kann dort einge­se­hen wer­den. Inter­na­tion­al wird näm­lich sehr genau ver­fol­gt, wie ras­ant die Exper­tise Deutsch­lands ger­ade in zahlre­ichen Inge­nieur-Diszi­plinen schrumpft. Bei mil­itärischem Know-How bekä­men wir Panz­er wohl noch ganz gut hin, doch sobald Soft­ware ins Spiel käme, gin­gen in Deutsch­land stets die Lichter aus. Auch die Kom­plex­ität viel­er Pro­jek­te werde in Deutsch­land heute ten­den­ziell unter­schätzt, meint das WSJ. Der Glaube, tech­nis­che oder indi­vidu­elle Fähigkeit­en durch poli­tis­chen Willen erset­zen zu kön­nen, zieht sich heute fol­gerichtig wie ein rot­er Faden durch die Gesellschaft. Im Mil­itär wird dies nur deshalb früher sicht­bar, weil es hier kaum Möglichkeit­en gibt, sich ein­er alles beherrschen­den staatlichem Dok­trin zu entziehen, die sich als „Trick­le Down“ unsin­niger Weisun­gen aus ein­er Min­is­terin ergießt, die Ärztin ist und vorher im min­is­teriellen Umfeld von Fam­i­lie, Senioren, Gesund­heit und Soziales agierte – von ihrer Chefin sprechen wir hier lieber gar nicht erst!

Willkommen in der “Gerd-Bastian-Kaserne”

Das größte aktuelle Prob­lem ist für die Min­is­terin deshalb nicht etwa, dass ihr der ganze Laden schon rein tech­nisch langsam um die Ohren fliegt, nein! Wichtiger ist, dass die Truppe mit ein­er neuen und besseren Tra­di­tion unter­füt­tert wird, aus der Sinn und Ans­porn für kün­ftige Friedens­mis­sio­nen nur so fließen wer­den. Ist erst mal der Flakhelfer Hel­mut Schmidt vom Nagel gehängt, ist es nicht mehr weit bis zur Gerd-Bas­t­ian-Kaserne, in der das Batail­lon „Josch­ka Fis­ch­er“ den Häuserkampf mit dem Wis­chmop Mod­ell „Jut­ta Dith­furt“ übt. Und wenn man denkt, jet­zt kön­nte eigentlich nie­mand noch blöderes ums Eck kom­men, beweist die Linke Poli­tik­erin Evrim Som­mer das Gegen­teil und beklagt, Deutsch­land könne nicht mehr glaub­haft gegen Kinder­sol­dat­en ein­treten, wenn die Bun­deswehr weit­er­hin 17-jährige rekru­tiere. Ja, wer ken­nt sie nicht, die krim­inellen Anwer­ber deutsch­er Heere, die durch deutsche Innen­städte ziehen und wil­len­lose Knaben auf­sam­meln, sie mit Dro­gen gefügig machen, ihnen Waf­fen in die Hand drück­en, damit sie ihre Eltern töten und unver­wund­bar wer­den. Liebe Frau Som­mer, da in unser­er Bun­deswehr die Waf­fen kaum richtig funk­tion­ieren und die Rekruten erst mit 18 an sel­bige herange­lassen wer­den, beste­ht da wohl doch keine Gefahr – noch nicht mal eine moralis­che! Schöne, friedliche Welt des deutschen Militärs!

Das kön­nte uns alles egal sein, weil es wie seit Jahrzehn­ten ja zur Not noch richtige Armeen gibt, etwa in Frankre­ich, Großbri­tan­nien oder den USA, die uns zur Hil­fe eilen wür­den, sollte es mal eng wer­den. Das wür­den sie doch oder? Sig­mar Gabriel hat lei­der bei mehr als ein­er Gele­gen­heit geprahlt, wir kön­nten schon ganz gut allein auf uns auf­passen – daran habe ich angesichts unser­er tat­säch­lichen mil­itärischen Fähigkeit­en doch erhe­bliche Zweifel. Sollte der amerikanis­che Präsi­dent jemals in seinem 1‑seitigen Mor­gen­brief­ing eine Zusam­men­stel­lung der ihn betr­e­f­fend­en Head­lines von SPON, SZ, Taz und Zeit lesen, kön­nte er sich das mit dem „Amer­i­ca first“ nochmal über­legen und auch in Sachen Mil­itär ein „Amer­i­ca only“ daraus machen und zum Beispiel unseren Frieden­strup­pen die Erfolge in Afghanistan gle­ich ganz und voll­ständig über­lassen. Wie wir ja wis­sen, schießen die Tal­iban nie auf Sol­dat­en, die sich kaum angemessen zur Wehr set­zen kön­nen. Was heißt nochmal „Wir kom­men in Frieden“ auf Paschtu?

Die Posse mit den untauglichen neuen Fre­gat­ten führt uns plas­tisch vor Augen, auf welchem Weg sich Deutsch­land längst befind­et. Zu allem entschlossen, aber let­ztlich zu nichts mehr fähig. Der Schrei nach „mehr Europa“, wie er von fast allen Parteien uni sono zu vernehmen ist, wird wohl in Wirk­lichkeit ein Hil­feschrei sein. Die ide­ol­o­gis­che Ver­fet­tung und die Unfähigkeit der deutschen Poli­tik, die eige­nen Möglichkeit­en real­is­tisch einzuschätzen, wer­den uns über kurz oder lang zum Mühlstein am Hals Europas machen. Auch hier lassen sich neben dem Mil­itärischen noch weit­ere Beispiele anführen, deren inhaltlich­er Größen­wahn in kein­er Weise zu den endo­ge­nen Fähigkeit­en passen will: Massen­mi­gra­tion, Kli­mawan­del, Energiewende, NetzDG.

Ander­er­seits stellt sich die glat­te Weigerung viel­er deutsch­er Poli­tik­er, die zugesicherten Mit­tel in die Vertei­di­gungs­fähigkeit­en zu steck­en, wom­öglich doch als prag­ma­tis­che Ein­stel­lung zur Real­ität her­aus. Denn wozu mehr Geld in mil­itärische Pro­jek­te versenken, wenn dabei sowieso nichts als Schrott entste­ht, weil wir auf diesem Gebi­et längst zu nichts mehr in der Lage sind? Dann pumpen wird das Geld doch lieber gle­ich in Migra­tions­forschung, Gen­der­stud­ies, Politkam­pag­nen und Lichter­ket­ten. Zum Schluss möchte ich noch einen der kom­men­tieren­den Leser des WSJ zu Wort kom­men lassen.

„Ger­many is not invin­ci­ble. Ger­many and Ger­mans are not super smart, either.“ 

Dem ist nichts hinzuzufü­gen. Lei­der nicht nur im mil­itärischen Bereich.

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17 Kommentare

  1. Nein keine Sorge,
    noch haben wir richtiges Mil­itär in Reserve!…?
    Lei­der sind diese Leute inzwis­chen Zivilis­ten, schon 50–70 Jahre alt und haben seit Struck,s “Hin­dukusch-Dog­ma” keine Lust mehr hier noch irgend­was oder ‑wen zu “vertei­di­gen”
    Und wenn sich unsere rot-grün-gegen­derte Gesellschaft unbe­d­ingt “sich­er fühlen wollen”.…ja dann sollen sie doch ihren Mist ALLEINE verteidigen.…am besten in der Antartkis.

  2. Ich teile Ihre Mei­n­ung in Bezug auf eine “Min­is­terin”, die keine Ahnung von dem hat, was sie tut und auch bewusst gegen die Auf­gabe ver­stößt, die das Grundge­setz und der Sol­dateneid stellen: Sie hat den Rekruten im let­zten Som­mer im Bendlerblock erzählt, sie vertei­digten “das Recht und die Frei­heit”. Dass die deutschen Sol­dat­en aber nur das Recht und die Frei­heit des Deutschen Volkes vertei­di­gen dür­fen, hat sie dabei “überse­hen”.
    Eine ver­fet­tete, feige und nur an der eige­nen Sicher­heit des Dien­st­postens ori­en­tierte und inter­essierte Wehrbürokratie (Aus­nah­men bestäti­gen wie immer die Regel, wer­den aber immer wieder kalt­gestellt) bestätigt wohl jed­er Sol­dat, der sich mit diesen Leuten auseinan­derzuset­zen hat. Jahrzehnte sozialdemokratis­ch­er Vertei­di­gungsmin­is­ter — ja, auch Hel­mut Schmidt, unter dessen Ägide die Grün­dung der Bun­deswehruni­ver­sitäten fällt, in denen der deutsche Offizier­snach­wuchs sys­tem­a­tisch von seinen Tra­di­tio­nen ent­fer­nt und in Rich­tung williger Hand­langer fremder Mächte gedrillt wird und an denen sich mit­tler­weile diesel­ben Sozi­olo­gen und anderen Spin­ner herumtreiben dür­fen wie an den nor­malen Unis — haben zu dem geführt, was wir jet­zt bekla­gen müssen.
    Nichts desto trotz haben wir immer noch her­vor­ra­gende Sol­dat­en in den Spezialkräften, um deren Fähigkeit­en und Fer­tigkeit­en uns alle anderen benei­den. Deren Aus­bil­dung basiert immer noch auf der her­vor­ra­gen­den Grund­lage ver­gan­gener Zeit­en, die nicht umson­st auch in alle anderen führen­den Armeen über­tra­gen wurde, sowohl die amerikanis­chen wie die israelis­chen Stre­itkräfte haben da “geklaut”. Hierzu­lande aber wer­den Offiziere, die diese sol­datis­chen Tra­di­tio­nen hochhal­ten und weit­ergeben wollen, als Nazis dif­famiert und ent­lassen, die erfol­gre­iche Auf­tragstak­tik wird zugun­sten ein­er Befehlstak­tik schle­ichend abgeschafft, die genau dem ide­ol­o­gisierten Han­deln der Poli­tik entspricht — jede Abwe­ichung vom vorgegebe­nen Weg wird hem­mungs­los sank­tion­iert, in der Truppe durch Ver­weigerung sozialer Leis­tun­gen oder Schadenser­satzansprüche gegen die Han­del­nden. Wie soll eine solcher­art drangsalierte Truppe wirk­lich Krieg führen? Aber zum Glück bewachen wir ja nur die “richti­gen” Sol­dat­en im Koso­vo oder in Mali und bezahlen die Inter­essen ander­er Mächte mit Blut und Geld.
    Und warum die besten Uboote der Welt ger­ade alle nicht ein­satzfähig sind, das wäre in der Tat ein­mal zu ergrün­den. Wer­den vielle­icht ger­ade ander­swo Ersatzteile oder gar ganze Boote benötigt? Es gibt ja derzeit genug Orte, an denen Rev­o­lu­tio­nen und Früh­linge insze­niert werden.

    @Aristobulus: was ist das für ein ahis­torisch­er Unsinn? nur als Beispiel: wann je soll den bitte die Chance auf Bünd­nisse mit Briten und Fran­zosen bestanden haben? Die Fran­zosen haben spätestens seit dem 30jährigen Krieg, als das Elsass und Lothrin­gen annek­tiert wur­den, die Mitte Europas als ihre Ein­flusszone betra­chtet und spätestens nach dem angezettel­ten und ver­lore­nen Krieg 1870/71 nur noch auf Rache aus. Die Briten waren jeher außen vor, die Dok­trin sollte bekan­nt sein, mit­tler­weile eben­so die Inhalte der Tage­büch­er Asquith’. Selb­st die (Verzichts-)angebote Hitlers aus ein­er rel­a­tiv­en Posi­tion der Stärke her­aus wur­den nicht angenommen.
    Schauen Sie sich ein­mal die Zahlen der Flot­ten­stärken an, dann ist leicht festzustellen, dass alle anderen rel­e­van­ten Mächte weitaus mehr und größere Schiffs­bestände aufzuweisen hat­ten. Ich fürchte, Sie sind nicht ganz auf dem aktuellen Stand; vielle­icht hil­ft es, nicht nur Keller­hoff oder Knopp zu konsumieren.

    • Gefällt mir aus­nehmend gut, was Sie sagen.
      Kom­pe­tenz find­et man lei­der kaum noch in diesem Land. Damit sind auch vor allem his­torische Zusam­men­hänge gemeint.

    • “…Bun­deswehruni­ver­sitäten … in denen der deutsche Offizier­snach­wuchs sys­tem­a­tisch von seinen Tra­di­tio­nen ent­fer­nt und in Rich­tung williger Hand­langer fremder Mächte gedrillt wird und an denen sich mit­tler­weile diesel­ben Sozi­olo­gen und anderen Spin­ner herumtreiben dür­fen wie an den nor­malen Unis…

      Mit den Sozi­olo­gen und anderen Spin­nern haben Sie natür­lich Recht.
      Mit den bei­den anderen Beobach­tun­gen (Tra­di­tio­nen und Hand­langer fremder Mächte) haben Sie natür­lich Unrecht: Die Tra­di­tio­nen der Bun­deswehr waren Trotz Baud­issins Refor­men über viele Jahrzehnte von der Wehrma­cht bestimmt.
      “Hand­langer fremder Mächte” -? Was soll das bedeuten? Die West­bindung Deutsch­lands ist DIE Garantie für deutsche Bekömm­lichkeit. So bald die Deutschen nicht mehr west­ge­bun­den sind, tun sie plöt­zlich abso­lut Unbekömm­lich­es und Anti­west­lich­es (mit West­bindung meine ich selb­stver­ständlich nicht EU-Hörigkeit oder Masseneinwanderung).

      “… wann je soll den bitte die Chance auf Bünd­nisse mit Briten und Fran­zosen bestanden haben?”
      Lesen Sie meinen Kom­men­tar bitte sorgfältiger. Kaiser Wil­helm hat die Möglichkeit eines Bünd­niss­es mit den Briten so lange sys­tama­tisch unter­miniert, bis alles zu spät war, und er hat die Erbfeind­schaft mit Frankre­ich aufrecht erhal­ten. Resul­tat: Der erste Weltkrieg!, der mit ein­er einiger­maßen vernüfti­gen Bünd­nis­poli­tik wahrschein­lich ein regionaler Balkankrieg geblieben wäre.
      In der Weimar­er Repub­lik haben Rathenau und später Stre­se­mann getan, was sie kon­nten, um West­bünd­nisse zu grün­den. Rathenau wurde dafür ermordet.
      Ins­gle­ichen Ade­nauer hat ab 1948 das deutsch-franzö­sis­che Bünd­nis und die deutsche West­bindung (mit den USA) gegen viele Wider­stände durchge­set­zt. Ach, was hät­ten Sie damals gesagt, Herr Mey­er: Ade­nauer macht Deutsch­land zum Hand­langer fremder Mächte, und er negiert die geheiligten teutschen Militärtraditionen 😀

      • Tut mir leid, es wird nicht besser.
        Baud­issin, der den Deutschen wohl von den Briten drin­gend anemp­fohlen wurde (ein Witz für sich: die zwar aus­geze­ich­neten britis­chen Sol­dat­en, die allerd­ings zu Land immer schlecht geführt wur­den, empfehlen aus­gerech­net der am besten geführten Armee neue Führungskonzepte…) und sein Konzept sind für jede Armee vol­lkom­men untauglich. Mit­tler­weile geste­ht man sich sog­ar bei der Bun­deswehr ein, dass das alles wohl nicht so wirk­lich funktioniert.
        “Die West­bindung Deutsch­lands ist DIE Garantie für deutsche Bekömm­lichkeit. So bald die Deutschen nicht mehr west­ge­bun­den sind, tun sie plöt­zlich abso­lut Unbekömm­lich­es und Anti­west­lich­es” — Merken Sie eigentlich, was Sie da schreiben? Sie kön­nen das doch gar nicht beurteilen, da die West­bindung erst seit 1949ff existiert und nicht been­det ist. Und für alle sicht­bar tun “die Deutschen”, will heißen, das durch atlantis­che Rotlichtbe­strahlung ein­genordete poli­tis­che Kartell im Bun­destag doch sehr wohl anti­west­lich­es — wie seit 2015 unzweifel­haft fest­ste­hen dürfte!? Und plädieren Sie allen Ern­stes dafür, dass die Deutschen ihre Sicher­heit nicht wie alle anderen in die eige­nen Hände nehmen dür­fen? Der Grund dafür würde mich inter­essieren, allerd­ings habe ich schon einen Ver­dacht, wie der ausse­hen wird: Wir haben doch aber… — Nein, haben WIR nicht.
        Ein Bünd­nis mit den Briten war wed­er zum Aus­gang des 19. Jahrhun­derts noch danach möglich. Die Briten haben immer die zweit­stärk­ste Macht auf dem Kon­ti­nent gegen die Stärk­ste unter­stützt; nach­dem Preussen zu stark wurde und Frankre­ich 1870/71 seine Gren­zen (bitte denken Sie dran, Frankre­ich bekam den Krieg, den es selb­st wollte!) aufgezeigt bekam, waren die Fran­zosen der entsprechende Part­ner. Die Zusam­me­nar­beit begann da ja auch schon nach­weis­lich in den 90er Jahren. Dass die Fran­zosen über­haupt keine Anstal­ten zum friedlichen Nebeneinan­der macht­en, sollte wohl All­ge­mein­wis­sen sein (“Nie darüber sprechen, aber nie vergessen.”)
        Rathenau und Stre­se­mann haben wohl ver­sucht, das Ver­sailler Schick­sal erträglich­er zu gestal­ten — den Feind, den du nicht besiegen kannst, musst du umar­men — das ist aber wet von ein­er West­bindung ent­fer­nt, zumal diese ja auch gar nicht gewün­scht war. Die Briten waren ohne­hin etwas Besseres und küm­merten sich um ihr zahlung­sun­fähiges Imperi­um und die Fran­zosen drangsalierten das Reich auf jede erden­kliche Weise, die vielfachen Ein­märsche, zum Beispiel der “Ruhrkampf”, sind doch beredt.
        Ade­nauer als Kro­nzeuge für die Notwendigkeit ein­er West­bindung ist ein zweifel­hafter Leu­mund­szeuge, hat nicht ger­ade der schon den Anschluss (!) eines Rhe­in­staates an Frankre­ich in den Zwanzigern forciert? Und von West­bindung kon­nte doch ab 1945, nach dem bevölkerungsrel­e­van­ten Luft­ter­ror und den eben­so wirk­samen Gefan­genen­be­hand­lun­gen auch der west­lichen “Befreier” keine Rede sein: “Deutsch­land wird nicht zum Zwecke sein­er Befreiung, son­dern als besiegter Feind­staat beset­zt”, schon vergessen? Erst als man gemerkt hat, dass man alleine nicht soviel wird aus­richt­en kön­nen gegen die Panz­er­armeen des Ostens, war deutsches Kanonen­fut­ter wieder willkom­men. Und das ist es noch heute, wie man in Afghanistan und Mali sieht.

  3. Wenn die Bevölkerung nicht die Bedeu­tung der Stre­itkräfte hoch genug ein­schätzt, wun­dert mich Ver­nach­läs­si­gung nicht. Mehr noch: Die behar­rliche Weigerung mehr für die Aus­rüs­tung und Steigerung der Ein­satzfähigkeit auszugeben, trifft ja ger­ade auf pos­i­tive Res­o­nanz. Da wäre ein wenig mehr Hel­mut Schmidt ger­ade richtig für die SPD.

    Aber: Der Autor weist darauf hin, kein Experte in mil­itärischen Din­gen zu sein. Den­noch übt er deut­liche Kri­tik an Aus­sagen zum Fre­gat­tenkauf. Natür­lich ist es pein­lich, wenn Schiffe wieder in die Werft zurück­müssen. Aber die Fre­gat­te befand sich doch ger­ade in ein­er aus­führlichen Test- und Abnah­mephase. Wenn das Amt für Wehrtech­nik für Beschaf­fung hier ein­fach durch­winkt, lässt mich das auch nicht ruhiger schlafen. 

    Völ­lig daneben liegt der Autor in Sachen Abgle­ich F122 und F125. Und das so richtig mit Anlauf.
    1. Das Ein­satzspek­trum der F125 ist mit bedacht anders gewählt als es bei F122. F122 war für den Ein­satz in Nord­see und Atlantik im Rah­men der Uboot-Suche und Geleitauf­gaben aus­gelegt. Da ist eine Bewaffnung mit Anti­s­chiffraketen und Tor­pe­dos ver­ständlich. Die Ein­sätze (Pira­teriebekämp­fung etc.) vor denen die Bun­deswehr heute ste­ht sind nun ein­mal andere. Mit waf­fen­star­ren­den Fre­gat­ten, die reich an Flu­gab­wehrraketen und Tor­pe­dos (F124 zum Beispiel) sind, erfüllt man ein­fach die Bedürfnisse der Truppe nicht. Platz für Board­ingteams oder Gefäng­niszelle sind da nicht zu find­en gewesen.
    2. Die Ver­min­derung von Liegezeit­en ist ein großer Vorteil für eine Marine, die nicht in der Ost- und Nord­see zum­schip­pert, son­dern am Horn von Afri­ka oder Mit­telmeer aktiv ist. Ein­mal vor Ort spar­rt man sich lange An- und Rück­reise für Werf­tar­beit­en und fliegt wech­sel­nde Besatzun­gen ein. Da zieht auch das Argu­ment der Man­datierung der Ein­sätze nicht. In Afghanistan wurde auch der Auf­bau von Infra­struk­tur und Herrschaf­fung von Mate­r­i­al über Zeiträume betrieben, in denen man auch ständig mit ein­er jährlichen Ver­längerung aus­ging. Wieso das Argu­ment dort aber nicht für die Schiffe gel­ten soll?
    3. Das Hub­schrauber zur Ubootab­wehr mit­führbar sind und die Möglichkeit­en zur elek­tro­n­is­chen Aufk­lärung in ganz andere Größenord­nung vorhan­den sind, wird lieber nicht erwäh­nt. Wo man sich dort ger­ade so richtig in Rage geschrieben hat 🙂

    Es lohnt auch der Blick auf andere Stre­itkräfte der Welt:
    http://augengeradeaus.net/2017/12/royal-navy-in-not-kein-schiff-wird-kommen/

    https://www.scientificamerican.com/article/what-went-wrong-with-the-f-35-lockheed-martins-joint-strike-fighter/

    http://www.dailymail.co.uk/news/article-4702826/UK-s-new-fighter-jets-hit-issues-send-costs-soaring.html

    http://www.businessinsider.de/hms-queen-elizabeth-is-leaking-but-the-problem-may-be-overstated-2017–12?r=US&IR=T

    • Die Ein­schätzung, das die neue Fre­gat­te ihre Ein­satzziele ver­fehlt, stammt ja nicht von mir. Die im WSJ zitierten Vertei­di­gung­sex­perten sind zudem fast aus­nahm­s­los unsere Land­sleute. Der neue Schiff­styp sollte — ähn­lich übri­gens wie der Eurofight­er — am besten alles kön­nen, was auch immer das genau sein soll. Übri­gens habe ich die Teile des Artikels, die ich in Rage geschrieben habe, wieder gestrichen. Mache ich immer so. 😉

  4. GERMANY
    The decline of a nation.

    Unbeir­rt geht der rot-grüne Merke­lide­olo­gieirrsinn und Wirrsinn in die näch­ste (let­zte?) Runde.

  5. Von den acht (!) U‑Booten der Bun­des­ma­rine soll wegen tech­nis­ch­er Defek­te keines ein­satzbere­it sein. Hub­schrauber kauft man gebraucht und das Mate­r­i­al für den Afghanistanein­satz trans­portieren gechar­terte ANTONOVs vom Erzfeind…

  6. Die Auf­gabe der Bun­deswehr war doch schon immer den Feind solange am Lachen zu hal­ten bis Mil­itär kommt :))

  7. !968/69 gab es schon diesen Kom­men­tar in der Truppe:
    Warum ist das Kennze­ichen der Fahrzeuge Y‑xxx?
    Y ist das Ende von Germany:)

  8. Danke für den Artikel!

    Woran liegt’s? Deutsch­er­seits existiert seit dem 30jährigen Krieg ein tiefer und zum Teil mit Tat­sachen begrün­de­ter Mil­itär­pes­simis­mus, nicht? Weil Kriege den Deutschen seit dem 30jährigen Krieg nichts und wieder nichts genützt haben, indem man jedoch trotz­dem zumin­d­est sich weit­er gegen Inva­soren vertei­di­gen wollte, hat man sich in die supre­ma­tis­tis­che Säbel­ras­se­lei der Zeit vor dem ersten Weltkrieg allzu gern ver­strick­en lassen, und im zweit­en Weltkrieg wollte man alle vorigen mil­itärischen Schwächen wieder hmja aus­bügeln, indem man halb Europa aus­ge­mordet hat — während gle­ichzeit­ig auch Mil­lio­nen Deutsche umkamen.

    Die deutsche ‘Iden­tität’ der Gegen­wart beruht noch auf der Epoche Napoléons, als man a) mil­itärisch von allen Seit­en völ­lig über­rollt wurde, um b) dann die völ­lig falschen Bünd­nisse zu schließen und c) sodann alle napoleonis­chen Errun­gen­schaften (Rechtsstaatlichkeit, Abschaf­fung der Zün­fte, Schaf­fung ein­er all­ge­meinen Staats­bürg­er­schaft unab­hängig von Grup­pen­zuge­hörigkeit mit Aufhe­bung der jüdis­chen Zwangs-Ghet­tos) für Jahrzehnte wieder in den Mülleimer gestopft hat.

    Nur ein Beispiel des ressen­ti­ment­ge­lade­nen Fan­tasiestolzes auf deutsche mil­itärische Über­ma­cht gepaart mit tiefem Pes­simis­mus (der als Über­steigerung ver­drängt wurde) und strate­gis­ch­er Voll­fan­tasterei: Die Aufrüs­tung des Kaiser­re­ichs unter Wil­helm II vor dem ersten Weltkrieg. Eine Fan­tasie von plöt­zlich­er Welt­macht (“Welt­gel­tung”). Sie hat Unsum­men gekostet, Mil­lio­nen Leben ohne­hin, und sie war völ­lig sinn­los, zumal man alle Möglichkeit­en sin­nvoller Bünd­nisse (mit den Briten!, mit den Fran­zosen!) sys­tem­a­tisch ver­passt hat. Das liegt erst drei bis vier Gen­er­a­tio­nen zurück, keine lange Zeit für die deutsche Grup­pen’i­den­tität’, die sich noch aus dieser Zeit speist.
    Mehr noch speist sich diese ‘Iden­tität’ aus den Kon­se­quen­zen des nazis­tis­chen Raubkriegs… und seit­dem gilt, dass Krieg böse sei.

    Leute, die das über viele Gen­er­a­tio­nen aingeat­met haben, bauen dann merk­würdi­ge Fre­gat­ten, die nicht funk­tion­ieren, und sie lassen Hub­schrauber­pi­loten aut­o­fahren, während sie im Fernse­hen auf die USA und auf Israel ein­schla­gen. Klar!, die USA und Israel kön­nen, wollen und müssen sich sehr erfol­gre­ich gegen Feinde wehren. Laut dem überkom­plizierten deutschen Pes­simis­mus-Welt-Demuts-Gut­seinge­habe KANN der­lei jedoch nur böse sein 😀

    • … und nur ein Beispiel für einen Krieg­sein­satz der Bun­des­ma­rine, ja?, der als Ein­satz sehr sin­nvoll war, der jedoch in völ­lige Sin­nosigkeit geschip­pert wurde: 2006 nach dem zweit­en Libanonkrieg bekam die Bun­des­ma­rine den Auf­trag, den Nach­schub der His­bol­lah zur See abzuschnei­den. Die Leute haben immer­hin Schiffe mit Kanonen?, aber Pustekuchen, die Bun­des­ma­rine fuhr a bis­se­le auf dem Mit­telmeer herum, weit von allen Küsten ent­fer­nt, während der Iran die His­bol­lah auf dem Landweg schön und schnell wieder aufgerüstet hat. Während Außen­min­is­ter­darsteller West­er­welle sich in Israel hin­stellte und über “Apartheid!” und “Sied­lun­gen!” schwätzte.

      Kür­zlich sagte Außen­min­is­ter­darsteller Gabriel wörtlich, dass “der Atom­ver­trag mit dem Iram im Inter­esse der ganzen Welt­ge­mein­schaft” liege. Destruk­tiv­er Irrsinn…

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