Sehr geehrte Frau Engelmeier,
„Abschied ist ein schar­fes Schw­ert“ trällerte einst Roger Wit­thak­er, der Schlager­barde aus Albion, und ich möchte in Ihrem Fall als zweite Zeile ergänzen „das gnaden­los ins Hirn dir fährt“. Ich kann ja ver­ste­hen, dass Sie trau­rig und ent­täuscht sind, weil sie den Wiedere­inzug in den Bun­destag für die SPD nicht geschafft haben. Sie haben dort in den let­zten vier Jahren als ehe­ma­lige Sport­lerin für ein Anti-Dop­ing-Gesetz gekämpft – ein Ein­satz, der aller Ehren wert ist. Im Namen einiger mir per­sön­lich bekan­nter Dop­ing-Opfer des DDR-Sports sei Ihnen dafür an dieser Stelle Dank und Anerken­nung. Das Dop­ing in der DDR wurde übri­gens von ein­er “etablierten Partei” etabliert und organ­isiert, doch das nur am Rande.

Aber waren sie wirk­lich nötig, diese ver­stören­den und wahrschein­lich let­zten Worte als Abge­ord­nete, die Sie an Ihren regionalen TV-Sender* richteten, und die uns an Ihrem Urteilsver­mö­gen zweifeln lassen? Gut, dass die AfD in den Bun­destag einzieht, dass muss man nicht gut find­en und vielle­icht waren Ihre müh­sam zurück­ge­hal­te­nen Trä­nen ja solche der Erle­ichterung, weil sich endlich Mil­lio­nen poten­zielle Nazis unter den Wäh­lern in Deutsch­land ent­tarnt haben – Leute, von denen einige vor vier Jahren wom­öglich sog­ar Sie gewählt hat­ten. Nicht auszudenken!

Doch dann war da ja noch die von Ihnen erwäh­nte Mel­dung aus Berlin, die Sie erhal­ten hat­ten und die gab Ihnen natür­lich den Rest: Die AfD plane einen Fack­elzug zum Reich­stag, es gäbe schon erste Demon­stra­tio­nen! Einen Fack­elzug zum Reich­stag? Wahrschein­lich sog­ar in schwarz/weiß? Dass es sowas wieder geben kann! In Deutsch­land! Genug der Worte, lasst Trä­nen fließen! Übelkeit, wo ist dein Stachel…

Bei genauer Betra­ch­tung zeigt sich jedoch, dass die Mel­dung, die Sie aus Berlin erhal­ten haben, sich auf dem Weg zu Ihnen etwas ver­formt haben muss. Um nicht zu sagen: sie war ziem­lich heftig gedopt. Und zwar bis unter die Haar­wurzeln! Es gab zwar tat­säch­lich Demon­stra­tio­nen in Berlin und die AfD war mit­ten­drin – die war näm­lich von Gegen­demon­stran­ten aus Antifa, Nicht-Willkom­mens-Kul­tur und hys­ter­ischen Tol­er­anzverdik­tlern am Ver­anstal­tung­sort ihrer Wahlpar­ty umzin­gelt wor­den und nur ein­er umlaufend­en Polizeis­perre war es zu ver­danken, dass die Ankündi­gun­gen der hys­ter­ischen Frei­heit­skämpferIn­nen – in denen auch Fack­eln, Schuss­waf­fen, Stricke, Sprengstoffe, Mon­draketen und andere demokratis­che Erziehungsmit­tel eine Rolle spiel­ten – nicht in die Tat umge­set­zt wer­den konnten.

Ein Fack­elzug zum Reich­stag? Sim­plici­ta sanc­ta! Doch nicht, bevor Gauland die Reich­skan­zlei wieder­aufge­baut hat und dort mit seinem Schäfer­hund “Blö­di” wohnt!

Doch alles halb so schlimm, liebe Frau Engelmeier. Auch ein grober Fehler kann immer noch als gutes Beispiel dien­lich sein, in Ihrem Fall für den klas­sis­chen Weg der Entste­hung von Fake-News. Sie sind näm­lich auf eben jene Pro­pa­gan­da hereinge­fall­en, an der sie und Ihre “Genossen der guten Gesin­nung” seit Jahren eifrig strick­en. Das Wort „Bahn­hof“ assozi­iert der Fahrgast mit „reisen“, der Dieb jedoch mit „kof­fer­k­lauen“. Sie kön­nen eben nicht anders, als bei den Worten „AfD“, „Demo“ und „Berlin“ an die Machter­grei­fung 1933 zu denken – aber muss es denn wirk­lich vor laufend­en Kam­eras sein? Ich wün­sche Ihnen jeden­falls für Ihren weit­eren Lebensweg alles Gute. Und vor allem: gute Besserung.

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7 Kommentare

  1. Es gibt etwas, das bringt mich noch mehr auf die Palme als augen­zwinkernde AfD-Kumpanei, falsches Deutsch (“dass die AfD in den Bun­destag einzieht, dass muss man nicht gut find­en”) oder sin­n­freie Neol­o­gis­men (“Tol­er­anzverdik­tler”), und das ist der unbe­holfene Umgang mit der Sprache Latein. War es denn so schw­er, die nicht allzu klan­des­tine richtige Form (“sanc­ta sim­plic­i­tas”) nachzuschla­gen, musste sich der Ver­fass­er denn mit sein­er Fake­bil­dung “Sim­plici­ta sanc­ta” bis auf die Knochen blamieren?

    • In der Tat, der Latein­er wen­det sich schaud­ernd ab, und dieser in der Eile geschriebene Text hätte tat­säch­lich eines beherzten Lek­tors bedurft. Einen Latein­er eben­so wie einen Ger­man­is­ten, zudem einen, der den über­flüs­si­gen Wortschaum wegschlägt. Es ist nur so ver­dammt schw­er, Volon­täre zu find­en! Aber ob der Schaum sin­n­frei ist…nicht in dem Moment, in dem er entste­ht. Doch zu spät, nun werde ich mit dem knochen­blamieren­den Spott leben müssen, was ich wohl auch noch schaf­fen werde. Indes gelobe ich Besserung. Kommt Zeit, kommt Uhr, kommt Korrektur.
      Aber um Ihre Frage zu beant­worten: er muss nicht, aber er kann.

    • Ist das jet­zt ein Witz, Herr Schweighäuser, den nicht nicht verstehe?
      “Es gibt etwas[…] falsches Deutsch[ …].”

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