Die „Gemein­sa­me Erklä­rung 2018“ ver­sam­mel­te als freie Peti­ti­on mehr als 160.000 Unter­stüt­zer, wäh­rend sie nun, da sie auf den offi­zi­el­len Ser­vern des Bun­des­ta­ges steht, in der ers­ten Woche erst etwas mehr als 30.000 Unter­schrif­ten ver­zeich­nen kann. Eini­ge Ach­se-Autoren haben die Peti­ti­on unter­schrie­ben, ande­re nicht. Roger Letsch hat mit dem ehe­ma­li­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gun­ter Weiß­ger­ber (SPD) über die Peti­ti­on und dar­über gespro­chen, was die Betei­li­gung an der­lei „Gras­root-Bewe­gun­gen“ für die Demo­kra­tie in unse­rem Land bedeu­tet. Weiß­ger­bers The­se: Die Erklä­rung 2018 wir­ke in die glei­che Rich­tung wie die For­de­rung nach einem Bamf Unter­su­chungs­aus­schuss. Das sei zwar nicht geplant gewe­sen, lie­ge jetzt aber auf der Hand. Die BAMF-Vor­gän­ge sei­en daher so etwas wie ein Kata­ly­sa­tor für die Erklä­rung 2018. Und die Erklä­rung sei ein Kata­ly­sa­tor für die Ein­set­zung eines  BAMF-Unter­su­chungs­aus­schus­ses. Nach dem Gespräch hat der bis­he­ri­ge Skep­ti­ker Weiß­ger­ber des­halb auch unterschrieben.

Letsch: Sie haben bis­her nicht unter­schrie­ben, warum?

Weiß­ger­ber: Mir war die For­mu­lie­rung bezüg­lich der Gren­zen nicht kon­kret genug. Soll Deutsch­land geschlos­se­ne Gren­zen erhal­ten oder soll die EU rich­ti­ger­wei­se ihre Außen­gren­zen kon­trol­lie­ren? Für mich ist die­ser Punkt essen­ti­ell. 1989 bin ich für Frei­heit, Demo­kra­tie, Deut­sche Ein­heit und Sicher­heit in NATO/EWG auf die Stra­ße gegan­gen. Eine euro­päi­sche Gemein­schaft demo­kra­ti­scher Staa­ten konn­te und woll­te ich nicht mit Gren­zen inner­halb die­ser Gemein­schaft den­ken. Noch immer bin ich beim kon­troll­lo­sen Fah­ren im Drei­län­der­eck Slowakei/Österreich/Ungarn tief gerührt. Die­se Frei­heit will ich nie­mals mis­sen. In der Erklä­rung wur­de die­ser Punkt für mich stö­rend offen­ge­las­sen. Die jet­zi­gen Peti­ti­ons-For­mu­lie­run­gen las­sen die Inter­pre­ta­ti­on zu, wonach ihr das eben­so sehen könn­tet. Kon­trol­lier­te EU-Bin­nen­gren­zen darf es nur geben, wenn die EU tat­säch­lich weder wil­lens noch in der Lage ist, ihre Außen­gren­zen zu kon­trol­lie­ren. Ich set­ze hier auf die Visegrad­staa­ten, Öster­reich, Däne­mark und eini­ge ande­re rea­lis­ti­sche Mit­glieds­län­der, dass Ver­nunft und damit grö­ße­re Sicher­heit ein­keh­ren. Die Junckers und Assel­borns in ihren wat­te­bausch­ge­schütz­ten Refu­gi­en wer­den das noch ler­nen müs­sen. Selbst der Bre­x­it als wirk­mäch­ti­ge Auf­for­de­rung zum Nach­den­ken war hier zwei­fel­los wich­tig. Die EU wird von Brüs­sel und nicht von den Bevöl­ke­run­gen Euro­pas gefährdet.

Das Ver­sa­gen der EU, die „Dub­lin-Regeln“ durch­zu­set­zen und der Tweet aus dem BAMF Ende August 2015, wonach „Dub­lin III“ außer Kraft gesetzt sei, sind die Ursa­chen für den bei­spiel­lo­sen Kon­troll- und den damit ein­her­ge­hen­den Ver­trau­ens­ver­lust nicht nur der Deut­schen in ihre Insti­tu­tio­nen. Die Bun­des­re­gie­rung brach die Dub­lin-Regeln und damit euro­päi­sches Recht. Der Bun­des­tag wehr­te sich eben­so wie die Judi­ka­ti­ve (die drit­te Gewalt) nicht dage­gen und die soge­nann­te Vier­te Gewalt (die Medi­en) wirk­te als eine homo­ge­ne Grup­pe von Jubel­per­sern am Rechts­bruch mit. Was übri­gens die star­ke Gegen­wehr bezüg­lich einer (Enquete-)Kommission zur Auf­ar­bei­tung des Rechts­bruchs 2015 und des­sen Fol­gen erklärt. Hier gilt es nach­zu­set­zen! Die Peti­ti­on ist auf die­sem Weg wich­tig. Der plötz­lich und bei­lei­be nicht uner­war­tet auf die­sen Weg aus dem Ver­sa­ger­him­mel gepur­zel­te Bre­mer BAMF-Skan­dal dürf­te mit sei­nem Auf­klä­rungs­druck für das Anlie­gen eurer Peti­ti­on kata­ly­tisch wirken.

Letsch: Das heißt, sie haben nun doch unterschrieben?

Weiß­ger­ber: Ja. Das heißt, mit Abschluss die­ses Inter­views wer­de ich es tun. Damit wir uns auch fak­tisch und nicht post­fak­tisch unter­hal­ten haben.

Letsch: Kei­ne Kri­tik mehr an der Erklärung?

Weiß­ger­ber: Doch, die habe ich schon. Ins­be­son­de­re ver­mis­se ich die For­de­rung nach einer Unter­su­chungs­kom­mis­si­on, die unbe­dingt eine Enquete-Kom­mis­si­on sein soll­te. Aber inhalt­lich fin­de ich im Erklä­rungs­text kei­ne For­de­rung, die ich nicht eben­so erhe­ben wür­de. Das passt schon.

Letsch: War­um eine Enquete-Kommission?

Weiß­ber­ger: Weil in einer Enquete-Kom­mis­si­on nicht nur Par­la­men­ta­ri­er sit­zen wür­den, son­dern auch ande­re Bür­ger. Gewis­ser­ma­ßen „poli­ti­sche Zivi­lis­ten“. Nor­ma­ler­wei­se ist es ja die Auf­ga­be des Par­la­men­tes, die Arbeit der Regie­rung zu kon­trol­lie­ren, was aber offen­sicht­lich 2015 so gar nicht funk­tio­niert hat. Ein­spruch kam nicht mal von Sei­ten der Oppo­si­ti­on, der der rechts­freie Zustand an den Gren­zen im Gegen­teil gar nicht lan­ge genug dau­ern konn­te. Und in einer gro­ßen Koali­ti­on, die etwa eine 80 Stim­men Mehr­heit hat­te, konn­ten inter­ne Kri­ti­ker locker über­stimmt wer­den. Der Wert des ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten sack­te in der letz­ten über­gro­ßen Koali­ti­on auf eine unbe­kann­te Unter­gren­ze. Selbst wenn 40 oder 50 MdBs aus den Regie­rungs­frak­tio­nen nicht mit­ge­macht hät­ten. Es hät­te nie­mand gemerkt. Ich den­ke, hier resi­gnier­ten sicher auch etli­che Kol­le­gen, die es bes­ser gewusst hat­ten. Wem jedoch der Mut zu abwei­chen­den Mei­nun­gen fehlt, und das sind in unse­rem kon­sens­ori­en­tier­ten Sys­tem lei­der doch man­che Abge­ord­ne­te, dem wach­sen in sol­chen Situa­tio­nen übli­cher­wei­se kei­ne Flügel.

Letsch: Von einer Unter­su­chungs­kom­mis­si­on ist nun in der Erklä­rung aber über­haupt kei­ne Rede…

Weiß­ger­ber: Aber eine Kom­mis­si­on wird kom­men, wenn auch aus einer ganz ande­ren Rich­tung. Die Vor­gän­ge im BAMF wer­den zu einer sol­chen füh­ren, auch wenn bis jetzt flei­ßig abge­wie­gelt wird und die gro­ße Koali­ti­on immer auf die Uhr klopft und sagt, dafür wäre jetzt kei­ne Zeit. Der Innen­aus­schuss wird ja nicht dadurch auf­ge­löst, dass eine Unter­su­chungs­kom­mis­si­on gebil­det wird. Die Vor­gän­ge sind viel zu unge­heu­er­lich, als sie nun See­hofer zur Lösung hin­schie­ben zu kön­nen, das kau­fen die Bür­ger der Poli­tik nicht ab. Und wer sich mit dem BAMF befasst, arbei­tet sich natür­lich direkt Punkt für Punkt an die For­de­run­gen der Erklä­rung 2018 her­an, selbst wenn das so nicht beab­sich­tig ist.

Letsch: Wer­den wir noch von wei­te­ren skan­da­lö­sen Prak­ti­ken beim BAMF hören?

Weiß­ger­ber: Das „B“ in BAMF steht nicht für „Bre­men“, son­dern für „Bund“. Die Behör­de ist eine Bun­des­be­hör­de, die bun­des­weit arbei­tet. Das sagt eigent­lich alles. Wenn die Abgas­wer­te eines VW-Die­sel­mo­tors in Her­ne nicht stim­men, klopft man ja auch direkt bei der Zen­tra­le in Wolfs­burg an, oder?

Letsch: Eini­ge Kri­ti­ker mei­nen, schon die 160.000 Unter­schrif­ten sei­en im Grun­de eine eher lächer­li­che Zahl gewe­sen und nun hat man, eine Woche nach Start, 30.000 Unter­schrif­ten bei­sam­men. Kann das am Ende denn über­haupt etwas bewirken?

Weiß­ger­ber: Soll man auf eine abso­lu­te Mehr­heit war­ten, also bis man 40.000.001 Unter­schrif­ten bei­sam­men hat? Demo­kra­ti­sche Pro­zes­se immer mit abso­lu­ten Mehr­hei­ten ver­knüp­fen zu wol­len, ist eine demo­sko­pi­sche Unsit­te. Die DDR-Bür­ger, die 1989 in Leip­zig auf die Stra­ßen gin­gen und „Wir sind das Volk“ rie­fen, waren sich auch sehr bewusst dar­über, dass sie in die­sem Augen­blick nicht die Mehr­heit dar­stell­ten, reprä­sen­ta­tiv für die­se Mehr­heit waren sie im Rück­blick aber alle­mal. Die Erklä­rung 2018 for­dert die Ein­hal­tung grund­ge­setz­li­cher Mini­mal­stan­dards, das soll­te folg­lich kon­sens­fä­hig sein, weil das die Basis unse­res Rechts­staa­tes ist. Unse­re Demo­kra­tie sieht den Weg der Peti­ti­on zudem aus­drück­lich vor. Bür­ger for­mu­lie­ren auf fried­li­che, demo­kra­ti­sche Wei­se ihre For­de­run­gen. Schon jetzt steht die Erklä­rung 2018 in den offi­zi­el­len Doku­men­ten, der Peti­ti­ons­aus­schuss muss sich damit befas­sen. Wenn das Quo­rum von 50.000 zusam­men­kommt – wovon ich aus­ge­he – wird der Peti­ti­ons­aus­schuss die­se Peti­ti­on öffent­lich unter Teil­neh­me der Wort­füh­rer der Peti­ti­on bera­ten müs­sen. Die nächs­te kata­ly­ti­sche Stu­fe sozu­sa­gen. Demo­kra­tie funk­tio­niert so, soll­te sie zumin­dest auch in Deutsch­land funk­tio­nie­ren. Teil­ha­be ist natür­lich nicht alles, aber eine sehr wich­ti­ge Grund­la­ge. Das ist nicht nur Simu­la­ti­on von Mit­be­stim­mung oder eine Mahn­wa­che vor dem Kanz­ler­amt, die am nächs­ten Tag schon ver­ges­sen ist. So etwas hin­ter­lässt Spu­ren, gera­de des­halb, weil die Poli­tik zu Ant­wor­ten gezwun­gen wird. Was Vera Lengs­feld da auf die Bei­ne gestellt hat, ver­dient eigent­lich das Bun­des­ver­dienst­kreuz ers­ter Klas­se, weil sie sich für Bür­ger­be­tei­li­gung ein­ge­setzt hat. Mit­be­stim­mung und zivi­les Enga­ge­ment mit abso­lut fried­li­chen Mit­teln. Kein Stein flog, kein Auto brann­te, kei­ner droh­te der Kanz­le­rin mit Dau­men­schrau­ben oder Streck­bank. Vom hin­ter­lis­ti­gen Ver­mum­men hal­ten wir ohne­hin nichts. Das ist geleb­te Demo­kra­tie, so man­che Deut­sche haben das lei­der schein­bar ver­lernt, wie das geht. Des­halb: Bun­des­ver­dienst­kreuz für Vera Lengs­feld! Und wur­de ihr das bereits über­reicht, dann bit­te die nächs­te Stu­fe für ihre Mobi­li­sie­rung der mün­di­gen Bevöl­ke­rung und derer demo­kra­ti­schen Insti­tu­tio­nen. Das soll­ten selbst Lengs­felds Geg­ner so sehen. Ein guter Demo­krat wird immer dafür sor­gen wol­len, sei­nen Kri­ti­kern deren öffent­li­che Stim­me zu schüt­zen. Jeden­falls ver­stan­den vie­le der 89er dar­un­ter Mei­nungs- und Demonstrationsfreiheit.

Letsch: Wie erklä­ren Sie sich, dass nicht schon am ers­ten Tag die erfor­der­li­chen 50.000 Unter­schrif­ten zusam­men­ge­kom­men sind?

Weiß­ger­ber: Die Erin­ne­rung an das Spieß­ru­ten­lau­fen der Erst­un­ter­zeich­ner ist noch frisch. Die media­len Prü­gel kamen in geball­ter Form. Inhalt­lich war zwar nichts als Unter­stel­lun­gen dabei, aber man wech­sel­te sehr schnell auf die pri­va­te Ebe­ne und dort wur­de es häss­lich. Es wur­den Lis­ten erstellt, will­kür­li­che Zuord­nun­gen zu radi­ka­len Ein­stel­lun­gen vor­ge­nom­men und vie­le Medi­en strick­ten den knap­pen Erklä­rungs­text an einem Faden wei­ter, den es defi­ni­tiv gar nicht gab… . Hin­zu kommt, vie­le öffent­lich Ange­stell­te und Beam­te konn­ten es sich exis­ten­ti­ell gar nicht leis­ten, Far­be für die Idee der Erklä­rung zu bekennen.

Letsch:…nach den neu­en Regeln der DSGVO sind der­lei „Lis­ten“ eigent­lich ab sofort undenk­bar, oder?

Weiß­ger­ber: Dif­fa­mie­run­gen und Ein­schüch­te­run­gen waren das, sonst nichts. Das tut man und betont dabei auch noch süf­fi­sant, dass es natür­lich Mei­nungs­frei­heit gebe. Die Mei­nung hat­te aber durch­aus Kon­se­quen­zen. Es gab Boy­kott­dro­hun­gen gegen Unter­zeich­ner und jede Men­ge Druck, sich zu „distan­zie­ren“. Das ist der per­fi­de Weg, Mei­nun­gen zu unter­drü­cken. Man ver­bie­te ja nicht, man zei­ge doch nur den Knüp­pel. Der Delin­quent habe ja „die Wahl“. Es gibt sicher hun­dert­tau­sen­de Bür­ger, die lie­bend gern sofort unter­zeich­nen wür­den. Aber sie haben Angst, weil sie Beam­te sind, in Ver­wal­tun­gen arbei­ten oder aus ande­ren Grün­den ein Pro­blem dar­in sehen, ihren Namen aus­ge­rech­net in einen Ser­ver des Bun­des­ta­ges ein­zu­tip­pen. Das Miss­trau­en der Bür­ger gegen­über dem Par­la­ment, dass sei­ner Aus­ga­be, der Regie­rungs­kon­trol­le, nicht mehr nach­kommt, ist schon in bedenk­li­che Höhen gestie­gen. Und das berei­tet mir die größ­ten Sor­gen. Die reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie ist das bes­te, was Men­schen bis­her auf dem Gebiet Gesell­schaft und Staat prak­ti­ka­bel und aus­glei­chend ein­ge­fal­len ist. Mehr­hei­ten wer­den fried­lich gesucht und die jewei­li­gen Mehr­hei­ten ach­ten die jewei­li­gen Min­der­hei­ten und tra­gen Sor­ge, dass die Min­der­hei­ten­mei­nun­gen Ein­gang in die Aus­ein­an­der­set­zun­gen finden.

Letsch: Ist die Angst berechtigt?

Weiß­ger­ber: Das Miss­trau­en jein (ich habe nicht das Recht, Men­schen ihr Miss­trau­en abzu­spre­chen), die Angst nein. Der Bun­des­tag besteht ja nicht nur aus den Abge­ord­ne­ten. Die Tech­ni­ker, gera­de die in der IT, sind sorg­fäl­ti­ge Leu­te, die wis­sen schon, was sie tun. Man kann nicht davon aus­ge­hen, dass sich die Peten­ten anschlie­ßend auf einer schwar­zen Lis­te wie­der­fin­den, weil sie ihr ver­fas­sungs­mä­ßig garan­tier­tes Recht auf Mit­spra­che wahr­ge­nom­men haben. Man stel­le sich den Skan­dal vor, wenn es dazu käme. Es wäre zwar nicht das Ende des Par­la­men­ta­ris­mus, doch wei­ter gewal­ti­ger Schritt Rich­tung Wert­ver­fall der Insti­tu­tio­nen. Das wird sich der Peti­ti­ons­aus­schuss nicht nach­sa­gen las­sen. Im Übri­gen kann man auch so unter­zeich­nen, dass der Name nicht öffent­lich wird.

Hier der Link zur Peti­ti­on des Bun­des­ta­ges. Dort fin­den Sie auch die Erklä­rung 2018 und Begrün­dung im Wortlaut.

Zuerst erschie­nen auf achgut.com

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5 Kommentare

  1. Das Volk, von Eli­ten genarrt,
    schaut ins TV. Verharrt.
    Schaut Özil zu,
    Lässt Mer­kel in Ruh.

    Wir dür­fen es nicht zu zulas­sen, dass wäh­rend der „WM“ die lau­fen­den Skan­da­len (BAFM!) unter den Tisch fallen!

    • Weil die Mehr­heit (80%) sich einen Scheiss um die Zukunft Deutsch­lands und Euro­pas kümmert.

  2. Die reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie ist viel­leicht bes­ser als gar nichts, aber sie ver­schlei­ert auch den Ein­fluss ande­rer Kräf­te wie z.B. der Atlan­tik­brü­cke, der Bil­der­ber­ger oder von Firmen-Lobbyisten.
    Dazu kommt der Ein­fluss der Medi­en und ins­be­son­de­re der Staats­me­di­en und alles zusam­men wirkt sich so aus, dass die gewähl­ten Abge­ord­ne­ten eben oft­mals nicht das Wohl ihrer Wäh­ler, son­dern ganz ande­rer Mäch­te vertreten.
    Die Peti­ti­on ist daher eine Mög­lich­keit für das Volk, sich Gehör zu verschaffen,
    Ich wür­de es wei­ter­hin sehr begrü­ßen, wenn es bun­des­wei­te Volks­ab­stim­mun­gen gäbe.

    • Die­se Demo­kra­tie-Ideo­lo­gen immer… Mal ne These:

      Wenn ein Sys­tem auf­grund sei­ner Funk­ti­ons­wei­se die Ten­denz zu einer Schief­la­ge hat, wird es in eine Schief­la­ge gera­ten, und die­se wird mit der Zeit nur immer gra­vie­ren­der wer­den. Ein­fach, weil Ten­den­zen die Nei­gung haben, sich mit der Zeit immer wei­ter zu akkumulieren.

      Die Grund­vor­aus­set­zung jeder ent­wick­lungs­fä­hi­gen Gesell­schaft ist die Meri­to­kra­tie, also die Eigen­schaft, beson­ders leis­tungs­fä­hi­ge Indi­vi­du­en in die Posi­ti­on zu brin­gen, ihre vol­le Leis­tungs­fä­hig­keit aus­zu­le­ben, und sie in eine Situa­ti­on zu brin­gen, in der sie ers­tens den Anreiz haben, mit­ein­an­der zu kon­kur­i­re­ren, und zwei­tens, durch die­se Kon­kur­renz die weni­ger leis­tungs­fä­hi­gen Indi­vi­du­en aus­se­lek­tiert wer­den. „Leis­tung“ ist zwar je nach Gesell­schafts­s­form unter­schied­lich defi­niert, aber es ändert am Meri­to­kra­tie­prin­zip nichts, dass die Defi­ni­ti­on von Leis­tung in Ghen­gis Khans gol­de­ner Hor­de eine ande­re war, als in ner kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft oder im Kommunismus.

      Was die Meri­to­kra­tie bewirkt, ist, dass es nur eine klei­ne Anzahl an Gewin­nern gibt, die für das Vor­an­kom­men der Gesell­schaft ver­ant­wort­lich sind, wäh­rend es eine viel grö­ße­re Anzahl an Ver­lie­rern gibt, die dies nicht sind. Wenn man sich mal anschaut, wie vie­le per­sön­li­che und gene­ti­sche Eigen­schaf­ten not­wen­dig sind, um in der heu­ti­gen Welt zu einem her­aus­ra­gen­den Sän­ger, Sport­ler, oder Wis­sen­schaft­ler zu wer­den, und man bedenkt, dass die Natur zum gro­ßen Teil nach dem Zufalls­prin­zip arbei­tet, wird klar, wie vie­ler Fehl­ver­su­che es bedarf, um mal jeman­den her­vor­zu­brin­gen, den man als „geglückt“ bezeich­nen kann. Die­se Fehl­ver­su­che wer­den immer die abso­lu­te Mehr­heit der Bevöl­ke­rung stel­len. Das ist ange­wand­te Sta­tis­tik, und es geht gar nicht anders.

      Was Demo­kra­tie nun bewirkt, ist, dass die­se abso­lu­te Mehr­heit ein Stimm­recht bekommt. Zu erwar­ten, dass die Mehr­heit sich kei­ne für Ver­lie­rer beson­ders güns­ti­gen Bedin­gun­gen auf Kos­ten der Geglück­ten wählt, ist illu­so­risch. Es ist ein­fa­cher, mit Hil­fe und Legi­ti­ma­ti­on des Staats jeman­dem in die Tasche zu grei­fen, als etwas selbst zu ver­die­nen. Demo­kra­tie wird immer die­se Ten­denz haben, und Demo­kra­tie wird immer eine immer extre­me­re Schief­la­ge in die­se Rich­tung her­vor­brin­gen. Ich wür­de sogar behaup­ten, dass die Sozi­al­de­mo­kra­ten Recht haben, und Demo­kra­tie auf­grund die­ser Ten­denz auf lan­ge Sicht auch im Kom­mu­nis­mus endet. Was wir jetzt haben hat schon mehr mit Kom­mu­nis­mus als mit irgend­et­was Frei­heit­li­chem zu tun.

      Viel­leicht ist die­ser Kom­mu­nis­mus in sei­ner Aus­prä­gung etwas anders, als in der Soviet­uni­on, weil dort eine gewis­se Leis­tungs­be­reit­schaft vor­aus­ge­setzt wur­de, um vor­an zu kom­men, und man auch mal umge­bracht wur­de, falls man sich als Ver­sa­ger her­aus­stell­te. In der Demo­kra­tie hin­ge­gen genügt es, die aso­zia­len Bedürft­nis­se mög­lichst vie­ler Men­schen zu legi­ti­mi­sie­ren und zu befrie­di­gen, um zu Macht zu kom­men, und es hat kei­ne nega­ti­ven per­sön­li­chen Kon­se­quen­zen hat, soll­te man sich als Ver­sa­ger her­aus­stel­len. „Skin in the Game“ hat das mal ein bekann­ter Bör­sen­händ­ler genannt. 

      Demo­kra­tie ist ein Sys­tem, das Ver­sa­ger begüns­tigt, und kei­ne nega­ti­ven Kon­se­quen­zen für die Ver­ur­sa­cher von Schä­den hat. Die Schief­la­gen ent­wi­ckeln sich in der Demo­kra­tie lang­sa­mer als im Kom­mu­nis­mus, weil sie sich akku­mu­liert wer­den, und nicht mit einem Schlag durch eine Revo­lu­ti­on geschaf­fen wer­den. Dar­um ist Demo­kra­tie fähig, grö­ße­re Schief­la­gen zu erzeu­gen, als Kom­mu­nis­mus. Die­je­ni­gen, die damit leben müs­sen, haben mehr Zeit, um sich dar­auf ein­zu­stel­len. Das ist mit­ler­wei­le so weit fort­ge­schrit­ten, dass es mich wun­dern wür­de, wenn es noch „einen Wes­ten“ gäbe, nach­dem mal etwas unvor­her­ge­se­he­nes geschieht, und die ange­häuf­ten Schief­la­gen ein­stür­zen. Von einer der­ar­ti­gen Fäul­nis waren die Gesell­schaf­ten unter dem Kom­mu­nis­mus nicht befal­len, sonst gäbe es sie jetzt nicht mehr.

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