Es scheint, die Zeit der Kinderkreuz­züge in der Epoche der Kli­maret­tung ist vor­bei. Jet­zt haben die Erwach­se­nen über­nom­men. Zumin­d­est hal­ten sich Aktivis­ten wie der Schwede Andreas Malm für sehr erwach­sen, wenn sie Gewalt und Eskala­tion das Wort reden. Schließlich gehe es beim Kli­ma um nichts weniger als alles, was soll schon schief gehen! In einem soge­nan­nten Debat­ten­beitrag im Spiegel beschreibt Malm, wie er und seine Genossen sich die große Umerziehung der Men­schheit vorstellen. Denn unein­sichtig und ver­führt wie sie nun mal ist, hält diese hart­näck­ig an der Emis­sion von CO2 fest, was ihr natür­lich von den „herrschen­den Klassen“ aufok­troyiert ist. Wenn nur diese fos­sile, herrschende Klasse nicht wäre, das Paradies wäre errun­gen. Denn der Men­sch ist gut und emit­tiert nicht – er hat es nur vergessen, weil er vom bösen Fos­silka­p­i­tal­is­mus über­formt wurde. Der Spiegel gibt sich bere­itwillig her als Plat­tform zur Ver­bre­itung eines radikal gewaltaffinen Man­i­fests. Beim Lesen kommt einem angesichts des Klassenkampfge­bim­mels und der anmaßen­den Rhetorik unwillkür­lich der Begriff „grüne RAF“ in den Sinn, nur um schließlich fest­stellen zu müssen, dass Malm diesen Begriff selb­st für so passend hält, dass er ihn zur Beschrei­bung der her­beigewün­scht­en Bewe­gung ver­wen­det. Gewalt sei nötig, weil sich das „fos­sile Kap­i­tal“ der Ein­sicht ver­weigere.

„Sollte die Klimabe­we­gung den Kampf eskalieren? Soll­ten wir mehr tun, als nur friedlich demon­stri­eren, höfliche Peti­tio­nen ver­fassen und zivilen Protest leis­ten? Und stattdessen zu Mit­teln wie Sab­o­tage und Sachbeschädi­gung greifen? In der Debat­te der Klimabe­we­gung über zukün­ftige Strate­gien argu­men­tieren einige von uns für eine solche Eskala­tion. Das beste Argu­ment dafür ist der objek­tive Zus­tand dieses Plan­eten, der sich auch im ver­gan­genen Jahr mit gewohn­ter Zuver­läs­sigkeit ver­schlechtert hat.“

Nein, nein und nochmals nein laut­en die rechtsstaatlichen Antworten auf die drei Fra­gen. Aber wir wis­sen natür­lich, dass die grüne RAF hier mit religiösen Überzeu­gun­gen hantiert und für den Zweck der „Erlö­sung“ zu allen Mit­teln greifen darf. Sab­o­tage und Sachbeschädi­gung? Der „objek­tive“ Zus­tand des Plan­eten erzwingt es! Sou­verän ist, wer über den Aus­nah­mezu­s­tand entschei­det, wusste schon Carl Schmitt. Heute genügt die Def­i­n­i­tion­s­macht über „objek­tive“ Zustände.

„Das fos­sile Kap­i­tal bere­it­et sich auf neue Rein­vesti­tion­srun­den vor: mehr Bohrin­seln, mehr Plat­tfor­men, mehr Ter­mi­nals, mehr Pipelines. Natür­lich tun sie dies, um mehr Kap­i­tal anzuhäufen – wozu sind sie denn Unternehmen?“

Wir ler­nen: Kli­makampf ist Klassenkampf und all die liebge­wonnenen Marx’schen Kose­worte vom Kom­posthaufen der Geschichte feiern bei Malm Wieder­aufer­ste­hung. Die Mas­chine, die über­mächtige, see­len­lose Mas­chine des Unternehmers mit seinem fos­silen Kap­i­tal rafft Reichtümer zusam­men, auf die der Staat fette Mehrfach­s­teuern erhebt, um damit jene poli­tis­chen Kräfte zu füt­tern, die das fos­sile Kap­i­tal geißeln. Wier dumm kann das fos­sile Kap­i­tal eigentlich sein? Und während die Zeitzeu­gen des frühen Man­ches­terkap­i­tal­is­mus zumin­d­est glaubten, auf der „anderen Seite“ eine men­schliche Kom­po­nente zu ent­deck­en, die an den geschaf­fe­nen Reichtümern beteiligt wer­den solle, möchte die grüne RAF die Mas­chine mit all ihren Plat­tfor­men, Ter­mi­nals und Pipelines durch eine andere, ver­meintlich bessere erset­zen. Doch sind es nicht auch Unternehmen, die Rein­vesti­tion­srun­den fordern, Win­dräder, Solarparks und Wasser­stoff­pipelines bauen wollen und zu diesem Zweck Kap­i­tal anhäufen? Investi­tio­nen ohne ange­häuftes Kap­i­tal sind – soweit ich das überblicke – doch unmöglich, wenn man mal von der Anhäu­fung von Schulden absieht. Wer in diesem vorgestell­ten Replace­ment der Maschi­nen also Schöpfer und wer Zer­stör­er ist, liegt ganz im Auge des jew­eili­gen Investors bzw. Sub­ven­tion­sempfängers.

„Die Pole schmelzen mit ein­er von Wis­senschaftlern kaum für möglich gehal­te­nen Geschwindigkeit, aber das fos­sile Kap­i­tal läuft auf Hoch­touren. Die herrschen­den Klassen auf diesem Plan­eten sind entschlossen, das, was von ihm übrig ist, so schnell wie möglich zu ver­bren­nen, und nichts – gar nichts – hat sie bish­er davon abge­hal­ten. Sie sind voll­ständig und auf eine infer­nalis­che und dämonis­che Art und Weise außer Kon­trolle.“

Den Polen geht’s prächtig, von dort dro­ht so schnell keine Gefahr. Und selb­st wenn die Wahrnehmung im Detail abwe­icht, gäbe es bish­er nicht in Betra­cht gezo­gene Mit­tel, sie abzuwen­den. Im Faz­it komme ich darauf zurück. Die aufge­blasene Rhetorik Malms simuliert einen Alarmis­mus, den es nur inner­halb der Kli­maret­terblase gibt. Und was die herrschen­den Klassen ange­ht, hat diese ide­ol­o­gis­che Bub­ble doch längst die voll­ständi­ge Kon­trolle über­nom­men. Das einzige, was ihr noch im Weg ste­ht, ist nicht das fos­sile Kap­i­tal, son­dern die Physik. Denn die Mas­chine „Erneuer­bare“ funk­tion­iert nur im Über­mor­gen­land und braucht in der Prax­is sehr viel fos­sile Hil­fe.

„Eine Form äußerst friedlich­er Sab­o­tage ist das Luftablassen aus den Reifen von SUV. […] Wesentlich mil­i­tan­ter war der Angriff anonymer Aktivis­ten am 17. Feb­ru­ar 2022 auf eine Pipeline-Baustelle in British Colum­bia. Eine Gruppe von rund 20 Per­so­n­en, bewaffnet mit Äxten, Leucht­pis­tolen und Sprüh­farbe stürmte die Baustelle, wo die Coastal-GasLink-Pipeline unter dem Fluss Wedzin Kwa hin­durch ver­legt wer­den sollte. Sie brachen Bull­doz­er und Last­wa­gen auf und zertrüm­merten damit andere Maschi­nen, Gen­er­a­toren, schw­eres Gerät und Anhänger. Die weni­gen ver­schwomme­nen Bilder, die die Wach­leute mit ihren Handys aufgenom­men hat­ten, zeigen mask­ierte Per­so­n­en in weißen Over­alls – dem Marken­ze­ichen radikaler Kli­maak­tivis­ten.“

Ich empfehle allen Besitzern von Fahrzeu­gen, die auch nur ent­fer­nt an einen dieser ver­teufel­ten SUV erin­nern, ihre Reifen nicht mit Luft, son­dern mit CO2 zu füllen und in großen Buch­staben darauf hinzuweisen, damit die „äußerst friedlichen“ Sabo­teure wenig­stens in so etwas wie einen Zielkon­flikt ger­at­en. Doch Spaß bei­seite, die beschriebe­nen Sab­o­tageak­te sind alles andere als lustig. Die Detail­ver­liebtheit, mit der Malm hier krim­inelle Aktio­nen und die Zer­störung nicht nur von Sach­w­erten, son­dern auch von Lebens­grund­la­gen beschreibt, ist obszön. Ich frage mich, woher die mask­ierten Per­so­n­en ihre weißen Over­alls – ihr Marken­ze­ichen – wohl haben und tippe mal auf chi­ne­sis­che Pro­duk­tion. Dort sind diesel­ben Over­alls eben­falls Marken­ze­ichen gewor­den: als Arbeits­bek­lei­dung der Block­warte und Prügelkom­man­dos der kom­mu­nis­tis­chen Zero-Covid-Partei. Der Nach­schub von Empörungsar­tikeln des täglichen Bedarfs würde weltweit zusam­men­brechen, wenn Chi­na keine mit fos­silem Kap­i­tal betriebe­nen Schiffe und Flugzeuge mehr schickt!

„Weil die herrschen­den Klassen sich weigern, sich von fos­silen Energi­eträgern zu ver­ab­schieden, sind diejeni­gen, denen ein lebenswert­er Plan­et am Herzen liegt, gezwun­gen, den Ein­satz zu erhöhen. Wer die Ver­ant­wor­tung dafür hat, sollte klar sein.“

Wer hier die Argu­men­ta­tion autoritär­er Eltern zu erken­nen glaubt, die ihre Kinder mit den Worten „das tut mir jet­zt mehr weh als dir“ auf Hausar­rest und WLAN-Entzug vor­bere­it­en, liegt ver­mut­lich richtig. Nicht der Sabo­teur ein­er Gasleitung trägt laut Malm Ver­ant­wor­tung für den angerichteten Schaden, son­dern der Betreiber. Oder, noch etwas pro­voka­tiv­er: nicht der Verge­waltiger trage die Schuld, son­dern der kurze Rock der Frau. Ob sich die dreiste Täter-Opfer-Umkehr der Dekar­bon­isierungspi­rat­en auch irgend­wann man­gels poli­tis­ch­er Wider­stände bis ins Strafrecht durch­drück­en lässt? Darauf würde ich wet­ten, angesichts des Zus­tandes unseres höch­sten Gerichts, welch­es fak­tisch Men­schen zu Rechtsper­so­n­en mit Ansprüchen gegen Deutsch­land und sein Grundge­setz erk­lärt, die in Indi­en oder Afri­ka leben oder noch nicht ein­mal geboren sind.

„Das soll nicht heißen, dass ich oder andere Eskala­tions­be­für­worter mit Sicher­heit wis­sen, welche Maß­nah­men die beab­sichtigte Wirkung erzie­len: Das kann nur in der Prax­is her­aus­ge­fun­den wer­den. Würde es aber Dutzende solch­er Aktio­nen wie beim Wedzin Kwa geben oder wür­den in europäis­chen Städten Tausenden von SUV die Luft abge­lassen, wäre es denkbar, dass der Aus­bau der Infra­struk­tur für fos­sile Brennstoffe und unvertret­bare Luxu­se­mis­sio­nen wirk­lich gebremst wür­den.“

Man merke sich den Ter­mi­nus „Luxu­se­mis­sio­nen“, denn der wird hier auf alles angewen­det. Ob im Feind-SUV ein Notarzt oder ein Aram­co-Man­ag­er sitzt, wird schließlich auch nicht abge­fragt. „Vertret­bar“ ist hier ein eben­so inter­es­san­ter Begriff, denn über die Vertret­barkeit bes­timmt natür­lich der Eskala­tions­be­für­worter. Und zwar eskalierend und im Gle­ich­schritt mit der vorau­seilen­den Leg­isla­tive, die wie in Berlin durch Verkehrsstil­l­le­gung ganz­er Straßen und Park­flächen­ver­drän­gung durch soge­nan­nte „Parklets“ den Jäger Jan-Kli­maret­ter-Malte von sein­er Beute SUV abschnei­det. Han­del und Handw­erk brechen ein? Geschenkt! Es gibt schließlich kein Prob­lem, das man mit Umverteilung und Neu­ver­schul­dung nicht lösen kön­nte! Nach­haltigkeit muss nur neu gedacht wer­den!

„Eine entschei­dende Voraus­set­zung dafür ist, dass die Gren­ze zwis­chen Sachen und Men­schen strikt einge­hal­ten wird“

Jede selb­st­gerechte und selb­stre­f­eren­zielle Ter­ror-Ide­olo­gie hat mal klein ange­fan­gen. Auch jede RAF, die rote wie die grüne. Auch der Kaufhaus­brand in Frank­furt 1968 war ein Anschlag „nur gegen Sachen“, doch irgend­wann reicht das eben nicht mehr. Zwis­chen guter Gewalt und schlechter Gewalt zu unter­schei­den ist ein Feigen­blatt, das schnell ver­welkt.

„Solange die Regierun­gen die Pro­duzen­ten fos­siler Brennstoffe fördern, müssen Men­schen außer­halb der Staat­sap­pa­rate die Dinge selb­st in die Hand nehmen. Die Frage ist nicht, warum jemand so etwas tun sollte. Die Frage ist, warum es nicht mehr Men­schen tun und warum wir so lange gewartet haben.“

Staat­sap­pa­rate? Auch hier denkt Malm in autoritären Kat­e­gorien. Das gewün­schte Ergeb­nis in Form von Wahlen anzus­treben, ver­bi­etet sich natür­lich für eine Ide­olo­gie, die die Bürg­er generell nicht um ein Plazet bit­tet. Stattdessen übern­immt in sein­er Utopie eine „Partei der Kli­maver­ständi­gen“ die Deu­tung des Wil­lens der Massen, genau wie die „Partei der Arbeit­erk­lasse“ im Staatssozial­is­mus Wahrheit und Wille des dum­men Volkes ver­wal­tete. Selb­st der Wun­sch der immer weit­er voran­schre­i­t­en­den Mobil­isierung – ob für oder gegen etwas – wird for­muliert, laut Han­nah Ahrendt ein Wesens­merk­mal aller total­itären Regime. Immer muss man im Total­i­taris­mus dabei sein, mit­machen, Stel­lung beziehen und für oder gegen etwas sein. Indif­ferenz und Ver­weigerung wer­den als Feind­schaft inter­pretiert. Dabei sein statt frei sein.

Fazit

Ver­mut­lich denken einige mein­er Leser, dieser Spiegel-Artikel sei schon fast ein Aufruf zu krim­inellen Hand­lun­gen. Das kann man so sehen. Er ist aber auch der lebendi­ge Beweis dafür, wie weit man in diesem Land heute gehen kann, ohne vom Rechtsstaat des Has­s­es oder des Aufrufs zur Gewalt belangt zu wer­den. Solange das poli­tis­che Nar­ra­tiv stimmt, geht hier so ziem­lich alles ungerügt durch. Dem Rechtsstaat scheint die Kraft abhan­den gekom­men zu sein, sich gegen jene zu behaupten, die ihn abschaf­fen und gegen etwas Kollek­tivis­tis­ches und Gle­ichgeschal­tetes ein­tauschen wollen.

Sind wir müde gewor­den? Oder gle­ichgültig? Wächst in den Men­schen tat­säch­lich der Wille, die Mark­twirtschaft zu beseit­i­gen und durch etwas anderes, vielle­icht ökol­o­gisch-autoritäres zu erset­zen? Selb­st­mord aus Langeweile?

Die Ökoter­ror­is­ten adressieren jedoch ein Prob­lem, für das sie die Lösung nicht sehen wollen. Sucht man nach einem bes­tim­menden Merk­mal aller wohlhaben­den Indus­tri­es­taat­en, das sie sich­er von Entwick­lungslän­dern unter­schei­det, find­et man stets eines: den unbeschränk­ten, gesicherten und bil­li­gen Zugang zu Energie. Diesen sicherzustellen ist eine der Haup­tauf­gaben eines funk­tion­ieren­den Staates, alle anderen Auf­gaben bauen darauf auf, auch die karika­tiv­en und inter­na­tion­al­is­tis­chen. Selb­st wenn wir die Ver­mei­dung von CO2-Emis­sio­nen zum über­lebenswichti­gen Staat­sziel erk­lären woll­ten, bräucht­en wir zu dessen Erre­ichung zuver­läs­sige und bil­lige Energie. Stattdessen spie­len wir mit unser­er Energiev­er­sorgung seit mehreren Dekaden „Jen­ga“ und zogen aus­gerech­net die unteren Steine des Turms, die Kernkraft, als erstes raus. Doch selb­st jet­zt, da uns angesichts des rus­sis­chen Kriegs in der Ukraine der ener­getis­che Super­gau dro­ht, kom­men unsere Reak­tio­nen über ein zaghaftes „Hät­ten wir nur nicht…“ hin­aus. Wir sind fest entschlossen, auch noch die let­zten drei zuver­läs­si­gen und CO2-freien Kraftwerke abzuschal­ten und rüt­teln weit­er am Jen­gaturm. Wir ler­nen nicht aus unseren Fehlern, weil wir die Fol­gen der Poli­tik nicht in Betra­cht ziehen. Es genügt uns zu glauben, sie sei die richtige und dieser Glaube ist offen­bar durch nichts zu erschüt­tern.

Ger­ade eben über­schla­gen sich die alarmistis­chen Mel­dun­gen über eine eigentlich gut bekan­nte Viruserkrankung aus West­afri­ka, die Affen­pock­en. Die Struk­turen in Medi­en und Poli­tik sind noch warm und einge­spielt, welche uns zwei Jahre lang mit Coro­na in Angst und Schreck­en ver­set­zt hat­ten. Es wird ihnen wohl nicht gelin­gen, das ver­traute Paniklev­el zu erre­ichen und ich will mich hier auch nicht dieser lächer­lichen Diskus­sion beteili­gen. Mir geht es um den „hätten-wir-nur-nicht“-Effekt. Genau wie in Sachen Energiev­er­sorgung an der Kernkraft haben wir uns auch bei Coro­na mit ide­ol­o­gis­ch­er Wucht an einem Geg­n­er abgekämpft, der in Wirk­lichkeit nicht bedrohlich für uns war. Nun sind unsere Ressourcen erschöpft, Reser­ven aufge­braucht, die Wirtschaft schwächelt und die Ver­sorgungslage neigt sich weltweit in Rich­tung „kri­tisch“. Was, wenn statt der Affen­pock­en ger­ade jet­zt mal eine wirk­lich bedrohliche Pan­demie aus­bräche? Was hät­ten wir dem wohl momen­tan ent­ge­gen­zuset­zen? Nicht mehr viel, fürchte ich. Denn wir haben alle Kraft und Aufmerk­samkeit für das ver­gle­ich­sweise harm­lose Covid ver­schwen­det. Hät­ten wir nur nicht… Und hät­ten wir nur die Kernkraft in Ruhe gelassen, jet­zt, wo uns das Gas knapp wird, mit dem wir den Aus­bau der volatilen Erneuer­baren gecovert haben. War wohl auch keine so gute Idee.

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5 Kommentare

  1. Ich hoffe, die alter­na­tiv­en Medi­en behal­ten ihren Fokus auf das Energieprob­lem, weil hier jedes biss­chen Wis­sen, das durch die Bevölkerung zirkuliert, die größte Ein­sicht in die drin­gend­ste Prob­lem­lage schafft. Ich möchte aber noch etwas zu den Fra­gen am Ende des Textes, zur Massen­mo­bil­isierung und zur Demokratieer­mü­dung schreiben.

    Im Total­i­taris­mus muss man immer dabei sein, sich zu allem beken­nen und “Sag mir wo du stehst!” sin­gen. Als Reak­tion auf das Abdriften des West­ens in den Autori­taris­mus, hat sich als eine visz­erale Reak­tion die Abnei­gung gegen die Öffentlichkeit, gegen die Massen, her­aus­ge­bildet. Im Kleinen sieht man es an den Schuldzuschrei­bun­gen an Twit­ter. Es gibt nicht wenige, die von all den his­torischen Phasen des Massen­wahns kaum gehört haben und jet­zt in der erle­ichterten Kom­mu­nika­tion die Ursache für ein weit ver­bre­it­etes, typ­is­ches Phänomen sehen. Das mys­tis­che Reit­ti­er Buraq hat den islamis­chen Propheten Mohammed auch ohne Twit­ter in den Him­mel geflo­gen. Anti-Kernkraft-Hys­terie, Woke, Islamis­mus und so weit­er sind keine Graswurzel­be­we­gun­gen. Aber sie sehen für viele so aus (Astro­turf­ing).

    Im Großen wird die visz­erale, die Massen fürch­t­ende Reak­tion auf das Astro­turf­ing am besten wohl durch Cur­tis Yarvin repräsen­tiert, der das ganze weit­er durch­dacht hat als die meis­ten Men­schen, die in eine ähn­liche Rich­tung getrieben wur­den. Die Idee ist im Grunde, dass Wahlkämpfe und der Wet­tbe­werb zwis­chen den Parteien eine ständi­ge Mobil­isierung erfordern. Leute wer­den unen­twegt aufge­fordert, Stel­lung zu Sachver­hal­ten zu beziehen, von denen sie keine Ahnung haben. Über­all wachse das Chaos, weil eine Autorität mit einem IQ über 100 fehle, die Ord­nung schafft und aggres­sive Dumme auf ihren Platz ver­weist.

    Das ist eine offen­sichtlich autoritäre Idee und Cur­tis Yarvin spricht das auch unverblümt so aus. Er plädiert für eine Monar­chie. Die Hoff­nung, die er ver­tritt, ist, dass ein König, der sich nicht dauernd über­all ein­mis­cht und nicht ständig Leute danach fragt, für ihn etwas zu tun oder für ihn im öffentlichen Raum Stel­lung zu beziehen, den ein­fachen Men­schen erlauben würde, sich um ihren Kram selb­st zu küm­mern.

    Das Prob­lem mit der Idee ist das gle­iche wie schon bei der Twit­ter-Schuldzuweisung. Typ­is­cher­weise mobil­isieren Könige (oder wie man autoritäre Führungsper­so­n­en auch nen­nen will) ihre Bevölkerung noch mehr als Demokra­tien. Das über­raschende an Cur­tis Yarvin ist, dass er ein außergewöhn­lich gutes Geschichtswis­sen hat. Es ist nicht klar, ob er tat­säch­lich nicht auf die vie­len his­torischen Beispiele der abso­lut kor­rumpieren­den absoluten Macht gestoßen ist oder ob es manch­mal einen zweit­en Men­schen braucht, der in der Infor­ma­tions­flut auf einen Zusam­men­hang hin­weisen muss und dieser zweite Men­sch im Raum mit einem Cur­tis Yarvin fast immer von sein­er enor­men Bil­dung eingeschüchtert ist und gegebe­nen­falls deshalb nichts sagt.

    His­torisch waren Könige per­ma­nent damit beschäftigt, Krieger und Finanzier­er zu find­en. His­torisch bedeutete eine Fehlge­burt der Köni­gin, eine ver­lorene Schlacht oder anderes Ungemach, dass die Ide­olo­gie des Tages härter durchge­drückt wurde, dass das Volk also mehr Rit­uale, mehr Gebete und andere — im Grunde — Loy­al­itäts­bekun­dun­gen zeigen musste.

    Ein Missver­ständ­nis, was sich auch aktuell in der Rus­s­land­naiv­ität nieder­schlägt, ergibt sich in der Ide­olo­giefix­ierung der Men­schen. Man hört z.B., dass man in Rus­s­land wenig­stens nicht zu bescheuert ist, Männlein und Weiblein auseinan­der zu hal­ten. Das stimmt. Aber dafür müssen die Russen so tun, als wür­den sie aller­hand anderen Schwachsinn glauben und das Leben in Rus­s­land ist mit­nicht­en bess­er, nur weil halt die Regen­bo­gen­flaggen fehlen. Der “ratio­nale”, “wis­senschaftliche” Sozial­is­mus in Nord­ko­rea ist auch ein schönes Beispiel dafür, welche Behaup­tun­gen abseits der hiesi­gen Ide­olo­gie noch so aus dem Hut pop­pen kön­nen. Nord­ko­re­an­er sind eine eigene Rasse und das Woh­lerge­hen des Kos­mos, nicht nur des Lan­des, son­dern der Welt, hängt vom Woh­lerge­hen von Kim Jong Un ab. Ron Hub­bards Sci­en­tol­ogy hat auch aller­hand neck­ische Ideen. Die Dau­men­regel ist: Je mehr Macht inner­halb ein­er Gruppe oder eines Lan­des konzen­tri­ert wird, desto mehr Schwachsinn und desto mehr Mobil­isierung der Massen wer­den fol­gen. Diese Dau­men­regel erken­nt nicht, wer statt auf Regelmäßigkeit­en zu acht­en, sich an ein­er einzi­gen Ide­olo­gie abar­beit­et. Ein Motiv für den Woke-Unsinn heute ist ja, dass man alle Dummheit­en der Geschichte für Vari­a­tio­nen des Nation­al­sozial­is­mus hält. Alle anderen Gefahren, Ide­olo­gien und Massen­be­we­gun­gen wer­den obses­siv nach gefühlter Nähe zum Nation­al­sozial­is­mus pri­or­isiert. Nur eine kleine Min­der­heit kann sich von der Ide­olo­giefix­ierung auf ein einziges Gedanken­mod­ell lösen, um Muster in der Geschichte detail­liert­er ins Auge zu fassen.

    Stephan Weil hat­te gegenüber der WELT behauptet, dass das Gasprob­lem vom Strompro­b­lem getren­nt sei. Seine Begrün­dung dafür, weit­er dem Frack­ing und den AKWs im Weg zu ste­hen, war die Mei­n­ung der Massen.
    https://www.tichyseinblick.de/meinungen/realpolitik-nein-fatalpolitik/

    Also zum Einen ist Weil selb­st nicht schlau, weil er von den Gaskraftwerke, die zur Erset­zung des AKWs gebaut wer­den, offen­bar auch mit­ten in der Krise noch nichts gehört hat. Er lässt sich von der Masse leit­en, die auch dumm ist. Damit ist für ihn das “Repräsen­tieren” erledigt.

    Zum anderen spricht aus seinen Worte ver­mut­lich die Frus­tra­tion mit den Massen, der er sich ein­fach ergibt. Vielle­icht ist er auch dumm genug, dass er nicht ein­mal ein Ärg­er­nis darin sieht, Men­schen nicht von irgend­was überzeu­gen zu kön­nen. Irgend­je­mand anderes wird schon die Fol­gen auf­fan­gen. Wer hier liest, erken­nt die Frus­tra­tion aber als Frus­tra­tion.

    In Deutsch­land redet man nicht, man brüllt. Zuhören gilt grund­sät­zlich als Akt der Kapit­u­la­tion. Die Idee, dass man sach­lich wider­sprechen kann, ist nicht weit ver­bre­it­et. Auf jeman­den zu hören, bedeutet Befehle auszuführen. Und in dieser Schlamm­schlacht­ge­sellschaft, soll man jet­zt anfan­gen sach­lich zu reden, nur weil Putin jeden Moment das Gas abdrehen kön­nte? Nicht mit Stephan Weil!

    Und weil wir nicht sat­is­fak­tions­fähig sind, lassen sich auch die notwendi­gen Änderung schw­er durch­set­zen, zu der z.B. auf lange Sicht eine deut­lich natur­wis­senschaftlich-tech­nisch aus­gerichtete Bil­dung gehören würde. Ich hat­te ein­mal einem Ökonomiepro­fes­sor ver­sucht zu erk­lären, dass wir mehr öffentliche Posi­tio­nen direkt und parteiun­ab­hängig wählen müssen und wir einen Hal­tungswech­sel dahinge­hend brauchen, dass nicht jed­er bei jed­er Wahl meint, mit­machen zu müssen. Es wäre bess­er, nur die Inter­essierten zu mobil­isieren. Darauf erwiderte er natür­lich mit der altherge­bracht­en Schublade, dass dann irgend­wie die CDU-Zen­trale alle Wahlkreise im Griff habe. Wie sich Parteiab­hängigkeit und zur Wahl ste­hende Poli­tikvorschläge ändern wür­den, kon­nte er also nicht erfassen. Und ich gehe davon aus, dass ein Pro­fes­sor einen hohen IQ hat. Also sind Änderun­gen, für die man die Masse braucht, echt schwierig.

    Friedrich Schiller sagte, gegen die Dummheit kämpfen selb­st Göt­ter vergebens. Aber die Alter­na­tive ist Unter­w­er­fung. Es ist nicht so lange her, als sich noch Friedrich Hayek, Mil­ton Fried­man und Mar­garet Thatch­er die Klinke in die Hand drück­ten. Eine auf Argu­mente hörende Öffentlichkeit ist möglich. PR-Leute und Medi­en­häuser haben diese zere­brale Öffentlichkeit zer­stört. Es gibt keine Alter­na­tive als sie gegen alle Wider­stände wieder­herzustellen und wenn wir dafür alle Göt­ter mobil­isieren und in den Kampf schick­en müssen.

  2. Herr Letsch,

    lei­der vergebene Liebesmüh, da Malm et al bere­its ver­nich­t­end gewon­nen haben. Die Grün-Roten Khmer sind am Drück­er und ziehen diese an Irra­tional­ität nicht zu über­bi­etende Agen­da durch. Die let­zten fos­silen Zuck­un­gen erleben wir ger­ade, danach kommt das Chaos in Deutsch­land. Die jahrzehn­te­lange Geld­druck­erei und die bürokratisch-reg­u­la­torischen Mon­ster­hand­i­caps für alles was nicht Solarpan­el, Win­drad oder E‑Auto heisst, haben ein Wohl­standssur­ro­gat entste­hen lassen, dessen Kol­laps nun durch Putin ein­geleit­et wurde.

  3. Wer bish­er glaubte, irgend­wann müssen die Men­schen in diesem Land doch aufwachen, sieht sich durch die let­zten bei­den Land­tagswahlen wieder ein­mal getäuscht. Wieder trifft der alte Spruch von den dümm­sten Käl­bern zu. Die Grü­nen sind doch so nett, küm­mern sich um Blüm­chen, Vögelchen und Käferchen. Dass sie die treibende Kraft hin­ter der Dein­dus­trieal­isierung dieses Lan­des sind, fällt viel zu weni­gen auf.
    Vielle­icht braucht es tat­säch­lich erst einen Black­out, damit mehr Men­schen munter wer­den.
    Für die Grü­nen und ihre Vor­fel­dor­gan­i­sa­tio­nen ist der Plan­et erst dann gerettet, wenn keine Men­schen mehr drauf wohnen. Oder zumin­d­est keine alten weißen Men­schen mehr.

  4. Dieser Appell an die Ver­nun­ft zer­schellt an der poli­tis­chen Dummheit der Mehrheit und der Pro­pa­gan­damacht der Medi­en; lei­der.

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