Das Foto ein­er kurzen Zeitungsmeldung macht ger­ade die Runde, in welch­er Pläne des Wirtschaftsmin­is­teri­ums beschrieben wer­den, bei dro­hen­der Net­züber­las­tung große Ver­brauch­er wie Elek­troau­tos und Wärmepumpen fer­nges­teuert vom Netz zu nehmen. Der aufmerk­same Fußbal­lken­ner – also nicht ich – erken­nt an oben sicht­baren Fußbal­lergeb­nis­sen jedoch schnell, dass die Mel­dung mehr als ein Jahr alt ist. Der aufmerk­same Poli­tik­beobachter – also schon eher ich – mag sich jedoch der vor­eili­gen Ent­war­nung nicht anschließen, solche ollen Kamellen seien doch längst von der Real­ität abgeräumt. Fak­tisch ist das richtig. Der Geset­ze­sen­twurf aus 2021 existiert jedoch und wurde aus­führlich besprochen. Vor einem Jahr kam denn auch nur eine halbe Ent­war­nung aus der betrof­fe­nen Branche: „Regierung ver­schiebt Entschei­dung über Zwang-Lade­pausen [für Elek­troau­tos] durch „Spitzenglät­tung“. Die Beto­nung liegt hier auf ver­schiebt. Vom Tisch ist die Sache näm­lich nicht und ob der Protest der Autoin­dus­trie angesichts der bevorste­hen­den Energie­man­gel­lage ein zweites Mal die Geset­zge­bung ver­hin­dern kön­nte, darf bezweifelt wer­den. Dass die Poli­tik einen weit­eren Anlauf für rig­orosen Maß­nah­men nimmt, wenn ihr die Zeit gün­stiger erscheint, ist natür­lich noch nie vorgekom­men! Oder?

Wir dür­fen davon aus­ge­hen, dass die aktuelle Ver­schär­fung der Lage im Strom­sek­tor den langfristi­gen Zuteilungsplä­nen der Poli­tik im Rah­men des „Great Reset“ eine gewisse Dringlichkeit ver­lei­ht, sich jedoch tech­nisch bis zum Win­ter kaum alle Voraus­set­zun­gen schaf­fen lassen, um in großem Maße „Spitzenglät­tung“ durch Abschal­ten von E‑Autos und Wärmepumpen zu ermöglichen. Öffentliche Ladesäulen abschal­ten, das bekäme man ja noch hin, wie es etwa in Großbri­tan­nien bere­its Prax­is ist, aber was ist mit Privathaushalten?

Um die Hand des Staates auch schnell dor­thin zu führen, geht der Ein­bau intel­li­gen­ter Smart­meter nicht schnell genug voran. Schaut man aber, wer geset­zlich gezwun­gen wird, solche Messsys­teme zu dulden, wird klar, dass es ger­ade jene bet­rifft, die ihr E‑Auto zuhause laden oder Großver­brauch­er wie eine Wärmepumpen­heizung betreiben. Verpflich­t­end ist das Smart­meter näm­lich für Haushalte, die (im Drei­jahresmit­tel) mehr als 6.000 Kilo­wattstun­den ver­brauchen, die mehr als 7 Kilo­watt Pho­to­voltaik auf dem Dach oder Wärmepumpen bzw. Nacht­spe­icher­heizun­gen haben. Wer also dem­nächst von der abgeschal­teten Ladesäule grin­send nach Hause fährt, kön­nte fest­stellen, dass die Hand des Staates schon da ist. Ein Narr wer da glaubt, die ver­füg­baren Dat­en über den aktuellen Stromver­brauch kön­nten (im Not­fall) nicht auch dafür ver­wen­det wer­den, eben jene Ver­brauch­er abzuschal­ten oder ganze Ver­sorgungs­ge­bi­ete als Lastab­wurf zu nutzen, in denen viele Tes­las am Steck­er hän­gen oder Wärmepumpen laufen.

Apro­pos Tes­la und Abschal­ten. Der E‑Au­to-Pio­nier und Branchen­primus bedi­ent sich ein­er Meth­ode, die vor mehr als 40 Jahren bere­its von IBM ver­wen­det und vielle­icht sog­ar erfun­den wurde. Man spart sich eine Menge Logis­tik und beschle­u­nigt die Pro­duk­tion, wenn man nur ein Mod­ell her­stellt und bes­timmte teure Fea­tures ein­fach sper­rt. Erst auf Wun­sch und gegen Bezahlung wer­den sie freigeschal­tet. Im Zeital­ter der hal­len­fül­len­den Großrech­n­er schick­te IBM dann einen Tech­niker, der unter Auss­chluss der Öffentlichkeit und mit dem „gold­e­nen Schrauben­schlüs­sel“ ein paar kleine Änderun­gen an der Ver­drah­tung vor­nahm und so zum Beispiel den Haupt­spe­ich­er erweit­erte. Heute geht sowas natür­lich per Soft­ware. Die Tes­las S‑60 (60 Kilo­wattstun­den) und S‑90 (90 Kilo­wattstun­den) sind Hard­ware­seit­ig völ­lig iden­tisch und ein Dritte-Hand-Tes­lafahrer in den USA staunte nicht schlecht, als die Werk­statt ihm mit­teilte, man habe einen „Fehler in sein­er Fahrzeugkon­fig­u­ra­tion“ behoben. Der erste Besitzer des S60 hat­te einen neuen Akku erhal­ten, man­gels gedrossel­tem jedoch einen mit freigeschal­teten 90 KWh. Zwei Käufer später – bei­de glaubten, durch Kulanz einen S‑90 zu fahren – machte Tes­las Soft­ware der besseren Reich­weite ein Ende. Man würde aber – gegen Zahlung von 4.500 Dol­lar – die zusät­zlichen 30 KWh gern freis­chal­ten, bot Tes­la an. Was man als Posse oder Zeichen von arro­gan­tem Ver­hal­ten gegenüber Kun­den abtun kön­nte, zeigt aber ein tiefes liegen­des Problem.

Mag ja sein, dass Tes­la oder auch andere Her­steller die Macht des per­ma­nen­ten Zugriffs auf die Funk­tio­nen eines Autos nicht miss­brauchen. Noch nicht. Zudem schließt man mit einem Auto­her­steller einen zivil­rechtlich binden­den Ver­trag. Doch wie weit wür­den Sie etwa dem Staat ver­trauen, wenn der in ähn­lich­er Weise aktiv würde? Wobei: stre­ichen Sie den Kon­junk­tiv, der Weg ist ja längst beschrit­ten. Seit 6. Juli in jedem EU-Neuwa­gen. Lei­der kom­men auch die Aus­baustufen der EU zur per­ma­nen­ten Geschwindigkeit­ser­fas­sung von Neu­fahrzeu­gen zu spät, um Robert Habecks kalten Duschbe­fehl im Win­ter 2022 noch zu unter­stützen. Doch bei der bloßen Erfas­sung von Dat­en mit dem ISA-Sys­tem bleibt es ja nicht. Der Tem­pobe­gren­z­er kann die Leis­tung des Motors drosseln oder ihn ganz abschal­ten. Und diese Art von Stil­l­le­gung beträfe dann nicht nur E‑Autos.

Sie sehen, liebe Leser, es gibt mehr als eine Möglichkeit für ein­fall­sre­iche staatliche Gou­ver­nan­ten, die Fol­gen der über Dekaden verp­fuschter Energiepoli­tik auf die Bevölkerung abzuwälzen. Bei Appellen kalt zu duschen wird man es nicht belassen, wenn es tat­säch­lich zum Schwur kommt. Die Pläne sind da, man muss sie nur aus Schubladen holen. Die Fußbal­lergeb­nisse vom let­zten Jahr mögen heute irrel­e­vant sein, die uner­füll­ten Träume der Poli­tik reifen, wenn sie lange in Schubladen liegen und vom Wäh­ler vergessen werden.

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1 Kommentar

  1. .. nicht nur Tes­la son­dern auch Daim­ler wird diesen Wg gehen. Konkrete Pla­nun­gen laufen bereits..

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