Sieht man einer plü­schig-fet­ten Rau­pe dabei zu, wie sie sys­te­ma­tisch und im Drei­vier­tel­takt ein Blatt ver­speist, kann man kaum glau­ben, dass sie sich schon in kur­zer Zeit ver­pup­pen und im Schutz ihres selbst­ge­bau­ten Gehäu­ses in einen Schmet­ter­ling ver­wan­deln wird. Bei Poli­ti­kern ist die­se Meta­mor­pho­se eher unwahr­schein­lich. Zwar ist der Wech­sel der Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit gar nicht so sel­ten, aber der poli­ti­sche Meta­bo­lis­mus ändert sich dabei sel­ten so gründ­lich wie bei einem Schmet­ter­ling, der ja kei­ne Blät­ter mehr kaut, son­dern sich vom Nek­tar der Blü­ten ernährt. Im Tier­reich völ­lig unbe­kannt ist hin­ge­gen die Ver­wand­lung von einem Schmet­ter­ling in eine Rau­pe. In der Poli­tik ist Chris­to­pher Lau­er die­sen Weg gegan­gen – anfangs war er Schmet­ter­ling bei den Frei­beu­tern der sie­ben digi­ta­len Mee­re, der Pira­ten­par­tei. Dort saß er im Krä­hen­nest und such­te den Hori­zont nach Frei­heit, Selbst­be­stim­mung und staat­li­chen Scha­lup­pen ab, die geen­tert oder ver­senkt wer­den könn­ten. Der Schutz des Bür­gers vor der Über­grif­fig­keit des Staa­tes gehör­te zum Mar­ken­kern der Pira­ten und auch Herr Lau­er blies noch bis vor kur­zem genau die­se Schal­mei, auch wenn er mitt­ler­wei­le das sin­ken­de Pira­ten­schiff in Rich­tung des alten Damp­fers SPD ver­las­sen hat. Dort ist er letzt­lich aber auch von Bord gegan­gen – man hat­te ihn wohl nicht auf die Brü­cke gelassen.

Mit Facebook vom Schmetterling zur Raupe Nimmersatt

Erin­nern wir uns kurz an die Zie­le der Pira­ten­par­tei, die mit gera­de­zu liber­tä­ren Ideen ver­such­te, den Bür­ger wie­der zum Herrn sei­ner Daten zu machen und ihn ins­be­son­de­re dem Zugriff und der Über­wa­chung des Staa­tes zu ent­zie­hen. Zuge­ge­ben, dass sie auch das Urhe­ber­recht schlei­fen woll­ten, fand ich jetzt nicht ganz so toll, zumal man­che der Pira­ten­ka­pi­tä­ne für die eige­nen Bücher schon noch auf Tan­tie­men und Ver­wer­tungs­rech­te bestanden…aber die Vor­stel­lung einer juris­ti­schen Fire­wall, die den Bür­ger schützt, war kei­ne schlech­te Idee. Eine neue aller­dings auch nicht. Wir erin­nern uns noch an das Ereig­nis, das die Pira­ten nach oben spül­te: Das mas­sen­haf­te Abhö­ren der bra­ven Deut­schen samt deren Poli­ti­ker durch die NSA und die Cau­sa Snow­den. Was hier zum Him­mel stank, waren übri­gens nicht die Aus­wüch­se eines unge­brems­ten Kapi­ta­lis­mus, son­dern staat­lich ange­ord­ne­te Will­kür, die als Für­sor­ge getarnt war und der damit ein­her­ge­hen­de Ver­trau­ens­bruch. Dar­auf kom­me ich gleich zurück.

Nun schreibt Lau­er gern Gast­ar­ti­kel im Tages­spie­gel und sein aktu­el­ler befasst sich mit dem Daten­miss­brauch bei Face­book durch „Cam­bridge Ana­ly­ti­ca“. Der Debat­te um 50 Mil­lio­nen gestoh­le­ne und „zweck­ent­frem­det“ ver­wen­de­te Daten­sät­ze kann man sich der­zeit kaum ent­zie­hen und die media­le Welt ist vol­ler spä­ter Hel­den, die mit allem was sie haben auf die Piña­ta namens Zucker­berg ein­prü­geln. Ich fin­de es ja bezeich­nend, dass aus­ge­rech­net ein Elon Musk hier wie­der eine Chan­ce wit­tert, die Her­de der Empör­ten anzu­füh­ren, könn­te sein Unter­neh­men „Tes­la“ doch selbst jeder­zeit das Ziel wüten­der Anle­ger wer­den, die mit Trä­nen in den Augen sei­ne gebro­che­nen Ver­spre­chen anpran­gern. Viel­leicht kam Musk mit der Löschung sei­ner Face­book-Sei­te aber nur dem Insol­venz­ge­richt zuvor, wer kann das wis­sen. Doch zurück zum Lau­er-Arti­kel, wo, nach­dem der kon­kre­te Fall kurz abge­han­delt ist, Grund­sätz­li­ches erör­tert wird: Face­book, das als Popanz des wah­ren Men­schen­fein­des dar­ge­stellt wird – dem Kapitalismus!

Ein Gruß aus der Filterblase

Zunächst ein­mal ist die Vor­stel­lung von Face­book als Fil­ter­bla­se, von der auch Lau­er schwa­felt, längst wider­legt. Es zeig­te sich näm­lich, dass immer wie­der zuver­läs­sig Infor­ma­tio­nen von dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setz­ten Quel­len in der ver­meint­li­chen „Bub­ble“ auf­tau­chen. Allein schon die Tat­sa­che, dass ich aus­ge­rech­net über Face­book vom aktu­el­len Lau­er-Arti­kel erfah­ren habe, ist dafür ein empi­ri­scher Beweis. Ich ent­schei­de, was ich lese, wo ich lese und wem ich Glau­ben schen­ke. Lau­er sieht das anders:

„Face­book ist dafür ver­ant­wort­lich, wie sich für sei­ne Nut­ze­rin­nen und Nut­zer die Rea­li­tät darstellt.“

Das ist natür­lich Blöd­sinn! Unter­stellt man den Nut­zern, im Voll­be­sitz ihrer geis­ti­gen Kräf­te zu sein und geht man fer­ner davon aus, dass die Mehr­heit mün­dig und (meist) voll­jäh­rig ist, liegt die Ver­ant­wor­tung für die Wahr­neh­mung der Rea­li­tät ein­zig und allein bei den Nut­zern selbst! In Lau­ers Dar­stel­lung schwingt der Traum mit, man kön­ne Men­schen per se in einer Wei­se beein­flus­sen, dass sie zu wil­len­lo­sen Kon­su­men­ten oder Wäh­lern mutie­ren. Dass dies nicht durch pri­va­te Fir­men erfol­gen soll und mög­lichst staat­li­cher Kon­trol­le bedarf, ist aller­dings kei­ne Natur­kon­stan­te, son­dern ent­springt den etatistisch/sozialistischen Hir­nen von Leu­ten wie Lau­er. Man möge doch bit­te „Markt“ durch „Staat“ erset­zen, mei­nen die­se, denn der Staat wis­se schließ­lich von allen Betei­lig­ten am bes­ten, wie die Rea­li­tät der Bür­ger aus­zu­se­hen habe. Das hat ja schon oft pri­ma funk­tio­niert, wie die NSA-Affä­re gezeigt hat. Ich sehe das Pro­blem aber gera­de dar­in, dass ich mei­ne „Geschäfts­be­zie­hun­gen“ zum Staat nicht so leicht been­den kann, wie die zu Face­book. Ver­su­chen Sie’s selbst, falls Sie’s nicht glau­ben. Ver­bren­nen Sie öffent­lich Ihren Bescheid zur Steu­er­vor­aus­zah­lung und sehen, ob es den Staat inter­es­siert oder ob er Ver­ständ­nis und Ver­hand­lungs­be­reit­schaft zeigt. Wer wie Lau­er ver­sucht, Ver­ant­wor­tung zu dele­gie­ren, über­nimmt auch kei­ne für mög­li­che Aus­schrei­tun­gen und Über­grif­fe jeder Art, denen der stig­ma­ti­sier­te Feind aus­ge­setzt ist. Sol­che Ver­schie­bun­gen ken­nen wir auch von der Anti­fa, die ihren Opfern die Schuld an der Gewalt zuschie­ben. Die Opfer selbst sei­en es gewe­sen, die die Anti­fa zur Gewalt­aus­übung „zwin­gen“.

Die Ideen, die Lau­er ent­wi­ckelt, um Face­book an die Kan­da­re zu neh­men, deu­ten aber auf ein ande­res Pro­blem hin, wel­ches Regie­run­gen über­all auf der Welt mit sozia­len Medi­en haben: Kon­troll­ver­lust! Der Plan der Par­tei­en, unter die der Staat mitt­ler­wei­le als Beu­te gefal­len ist, sich die­ser Medi­en für Pro­pa­gan­da zu bedie­nen, um Wohl­wol­len in der auto­chtho­nen Bevöl­ke­rung aus­zu­lö­sen, ist näm­lich weit­ge­hend geschei­tert. Nur dort, wo sie die anar­chi­sche Struk­tur des Medi­ums akzep­tie­ren oder sogar geschickt nut­zen – zum Bei­spiel, indem gezielt die all­ge­mei­ne Empö­rung bedient und genutzt wird, gibt es Aus­nah­men. Selbst­re­dend sind die­se erst recht von Übel, ste­hen die­se Stö­ren­frie­de doch meist außer­halb der staat­li­chen Akzep­tanz. Die Tat­sa­che, dass ein Donald Trump auf Twit­ter sicht­ba­rer ist als ein Ralph Steg­ner, lässt jedoch nur in einem der bei­den die Idee rei­fen, regu­lie­rend und zen­sie­rend ins Gesche­hen ein­zu­grei­fen – aus nahe­lie­gen­den Gründen.

Facebook verstaatlichen und kontrollieren –  zum Wohl seiner Benutzer?

Der Ver­such, die sozia­len Medi­en zu aso­zia­len Medi­en zu erklä­ren, ist gera­de in Deutsch­land in vol­lem Gan­ge. Das NetzDG mit sei­nen dra­ko­ni­schen Stra­fen, sei­nen Tugend­wäch­tern und Moral­apos­teln, sei­nen Lösch-Kom­man­dos und Gedan­ken­gu­lags ist nur der Anfang. Man ver­sucht – bis­lang ver­geb­lich – die inhalt­li­che Kon­trol­le zurück­zu­er­lan­gen und die Gedan­ken wie­der ein­zu­fan­gen und so ein­zu­he­gen, dass sie sich weit­ge­hend aus der Poli­tik her­aus­hal­ten oder zumin­dest auf gewünsch­te Fel­der kon­zen­trie­ren. Am bes­ten, man macht irgend­was altru­is­ti­sches mit Ehren­amt und stellt staat­li­ches Han­deln prin­zi­pi­ell nicht in Fra­ge, dann bekommt man auch kei­nen Ärger. Lau­er geht in sei­nen Vor­stel­lun­gen sogar noch einen Schritt weiter:

„Man könn­te höhe­re Geld­stra­fen für Ver­stö­ße gegen den Daten­schutz ein­füh­ren, man könn­te mit Sicher­heit vie­les tun. Man könn­te sich aber auch dem Pro­blem nähern und fun­da­men­tal Face­books Exis­tenz­be­rech­ti­gung als pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­tes Unter­neh­men in Fra­ge stel­len. Denn Face­book zu regu­lie­ren ist nur Sym­ptom-Bekämp­fung. Die eigent­li­che, viel inter­es­san­te­re Fra­ge ist, wie ein Gebil­de wie Face­book ver­staat­licht und unter demo­kra­ti­sche Auf­sicht gestellt wer­den kann. Denn erst durch die kapi­ta­lis­ti­sche Ver­wer­tungs­lo­gik ent­steht für Face­book der Zwang, Daten so zu ver­ar­bei­ten wie es getan wird. Erst durch den Zwang, Gewinn erwirt­schaf­ten zu müs­sen, wer­den Daten über­haupt erst zur Ware. Erst durch die­sen Zwang, stellt Face­book die gesam­mel­ten Daten poli­ti­schen Kam­pa­gnen zur Ver­fü­gung, um damit geziel­te Wäh­ler­be­ein­flus­sung betrei­ben zu kön­nen. Es ist bezeich­nend, dass Face­book die Daten sei­ner Kun­din­nen und Kun­den dabei für wert­vol­ler hält, als ein wie auch immer zu ent­rich­ten­der Betrag, den man ja ohne wei­te­res zah­len könn­te, um Face­book im Abon­ne­ment wer­be­frei zu nutzen.“

Da sind wir also schon ange­langt: Die „Exis­tenz­be­rech­ti­gung als pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­tes Unter­neh­men“ steht zur Dis­po­si­ti­on. Man soll ver­staat­li­chen und unter Auf­sicht stel­len. Man stel­le sich aber ers­tens die Fra­ge, war­um der wohl­wol­len­de Staat nicht von sich aus auf die Idee kam, sei­nen Bür­gern eine Ver­net­zung in der Art und Wei­se anzu­bie­ten, wie Face­book oder Twit­ter dies tun und man fra­ge sich, war­um um Marx und Engels wil­len aus­ge­rech­net der Staat dies bes­ser kön­nen soll­te als ein Pri­vat­un­ter­neh­men. Es wird wohl so sein, dass Leu­te wie Lau­er der Mei­nung sind, sie selbst hät­ten das nöti­ge mora­li­sche Rüst­zeug, solch eine wohl­wol­len­de Kon­trol­le frei von Macht­ge­lüs­ten und Will­kür aus­zu­üben. Frü­her mögen die Pira­ten ja noch Anhän­ger der Anar­chie gewe­sen sein, heu­te jeden­falls möch­ten deren ehe­ma­li­ge Leicht­ma­tro­sen ihr gern einen „star­ken Anar­chen“ vor­an­stel­len, am liebs­ten sich selbst.

„Wäre Face­book oder ein Dienst wie Face­book eine staat­li­che Infra­struk­tur, so wie ein Straßen‑, Schie­nen- oder Tele­fon­netz, wür­den all die­se Not­wen­dig­kei­ten weg­fal­len. Denn der Staat stellt die Infra­struk­tur nicht aus Gewinn­stre­ben, son­dern für die Daseins­vor­sor­ge zur Ver­fü­gung. Natür­lich ist der Staat nicht per­fekt, natür­lich will auch ich kei­nen Staat, der Daten unein­ge­schränkt Sicher­heits­be­hör­den zur Ver­fü­gung stellt, aber das Ver­hält­nis einer sol­chen Platt­form zum Staat kann gesetz­lich gere­gelt wer­den. Viel wich­ti­ger: Es gäbe immer eine demo­kra­ti­sche Kon­trol­le durch Poli­tik und Par­la­men­te. Es gäbe eine demo­kra­ti­sche Debat­te dar­über, wel­che Regeln auf einer sol­chen Platt­form gel­ten sol­len. Das ist deut­lich bes­ser, als eine Platt­form, die demo­kra­ti­sche Grund­sät­ze aus­höhlt und sei­ne Nut­ze­rin­nen und Nut­zer meist­bie­tend verkauft.“

Wo soll man ange­sichts die­ses Kon­vo­luts der Dumm­heit nur begin­nen mit der Argu­men­ta­ti­on?  Zunächst mit dem Posi­ti­ven: sol­che Äuße­run­gen sind natür­lich von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt. Selbst wenn jemand der Mei­nung wäre, man müs­se den Eltern ihre Kin­der im Alter von sechs Jah­ren weg­neh­men, um sie in Anstal­ten zu per­fek­ten Staats­bür­gern zu erzie­hen, wie Lou­is Antoi­ne de Saint-Just dies wäh­rend der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on vor­hat­te, dürf­te man die­se äußern. Wer jedoch die Daseins­vor­sor­ge im Jahr 2018 immer noch zur staat­li­chen Auf­ga­be erklärt, hat die letz­ten hun­dert Jah­re offen­bar auf dem Baum geschla­fen. Aller­dings trifft Lau­er hier den Kern des Pro­blems, nur eben von der fal­schen Sei­te. Die Krux mit dem Staat und sei­nem Selbst­ver­ständ­nis ist es ja gera­de, sich selbst das poli­ti­sche Pri­mat zuzu­schrei­ben und sich als Len­ker und Voll­stre­cker des Wil­lens sei­ner „Unter­ta­nen“ zu sehen.

Daseins­vor­sor­ge ist eben NICHT die Auf­ga­be des Staa­tes, son­dern die Auf­ga­be jedes Ein­zel­nen. Eine Auf­ga­be, die er im Inter­es­se des Über­le­bens auch frei­wil­lig über­neh­men wird, von weni­gen Aus­nah­men ein­mal abge­se­hen. Der Staat han­delt in Sachen Infra­struk­tur als Mono­po­list, der sich in der Pra­xis nicht mit ande­ren Wett­be­wer­bern mes­sen muss. Denn ob das Stra­ßen­netz die­ses Lan­des wirk­lich in staat­li­cher Hand gut oder schlecht funk­tio­niert, kön­nen wir man­gels Ver­gleich nicht wis­sen. Und weil der Staat gewohnt ist, als Mono­po­list zu han­deln, denkt er selbst bei Pri­va­ti­sie­run­gen wie ein sol­cher. Der Ver­kauf der Strom­net­ze führ­te zu Mono­po­len mit Gebiets­schutz, die Pri­va­ti­sie­rung der Tele­kom führ­te zur Unüber­wind­lich­keit des „Rechts der letz­ten Mei­le“ und einem man­gel­haf­ten Wett­be­werb. Der­sel­be Staat, der die­se feh­ler­haf­ten Bedin­gun­gen schuf, rennt nun mit Fah­nen durch die Stra­ßen, auf denen in gro­ßen Let­tern „Digi­ta­li­sie­rungs­in­itia­ti­ve“ steht. Nur die Bahn ver­fügt über ein sub­ven­tio­nier­tes, staat­lich betrie­be­nes Infra­struk­tur­netz, des­sen „Daseins­vor­sor­ge“ sich in finan­zi­el­len Senk­gru­ben vom Kali­ber „Stutt­gart 21“ äußert. Kein gutes Bei­spiel für die Abwe­sen­heit von Gewinn­stre­ben, weil es mit der Abwe­sen­heit der Kos­ten­ef­fi­zi­enz erkauft ist. Mil­lio­nen Bahn­kun­den freu­en sich Tag für Tag an die­ser Art staat­li­chen Laissez-faires.

Das Märchen vom „nicht perfekten Staat“, der sich selbst kontrolliert

Der „nicht per­fek­te Staat“, von dem Lau­er so wohl­wol­lend spricht, ist rein zufäl­lig auch der Dienst­herr all sei­ner Sicher­heits­or­ga­ne. Deren Über­grif­fig­keit auf die Daten des Bür­gers zu ver­hin­dern, liegt folg­lich über­haupt nicht in sei­nem Inter­es­se. Er hat doch ohne­hin nur gutes dabei im Sinn…meint er. Es grenzt des­halb an Idio­tie zu glau­ben, das Gewinn­stre­ben eines Unter­neh­mens, das in sei­nem Geschäfts­mo­dell ver­an­kert ist, sei gefähr­lich, wäh­rend man schon dar­auf ver­trau­en kön­ne, dass der Staat dafür sor­gen wer­de, dass sei­ne lin­ke Hand und sei­ne rech­te Hand nicht zusam­men­ar­bei­ten. Bei­spiel gefäl­lig? Die GEZ hat Zugriff auf die Mel­de­re­gis­ter der Gemein­den. Das geht des­halb so gut, weil der Staat im Zwei­fels­fall ein­fach ein Gesetz erlas­sen kann, wel­ches Din­ge in sei­nem Sin­ne regelt. Und was nüt­zen gesetz­li­che Regeln zur Abwehr staat­li­cher Kon­trol­le, wenn es der Staat selbst ist, der sich die­se Geset­ze gibt? Man kann eben nicht immer mehr Kon­trol­le an einen Kon­trol­leur abge­ben und dar­auf hof­fen, dass die­ser dann nicht ent­spre­chend handelt.

Auf Face­book bezo­gen bedeu­te­te eine Ver­staat­li­chung, dass die Benut­zung Pflicht wäre, die Gebüh­ren dafür will­kür­lich fest­ge­legt wür­den und die erho­be­nen Daten zu jedem Zweck ein­ge­setzt wer­den könn­ten, den der Staat und sei­ne Orga­ne für sinn­voll hal­ten. Eine wei­te­re Fes­tung des Pri­va­ten und frei­en Lebens wäre geschleift und dem Kol­lek­ti­vis­mus zuge­führt. Ich bin ehr­lich gesagt ent­setzt, dass es in die­sem Land von Jahr zu Jahr mehr Men­schen zu geben scheint, die solch eine Ent­wick­lung hin zur Unmün­dig­keit und Skla­ve­rei für eine gute Idee hal­ten. Nein, Herr Lau­er! Eine GEZ reicht mir! Face­book mag ein Kra­ke sein, aber ich ent­schei­de selbst, durch wel­che sei­ner Tin­ten­wölk­chen ich schwim­me. Der Scha­den, den unse­re Frei­heit neh­men wür­de, wenn der Staat noch mehr Ein­fluss auf die sozia­len Medi­en bekä­me, ist mit 50 Mil­lio­nen gestoh­le­nen Daten­sät­zen nicht zu ver­glei­chen. Es wäre näm­lich die Ent­eig­nung aller Daten zuguns­ten eines all­wis­sen­den, all­mäch­ti­gen orwell­schen Repressionsapparates.

Zum Schluss ein wenig Trost für all jene, die nicht der Mei­nung sind, Face­book müs­se nun zer­schla­gen und ver­staat­licht wer­den. Das wird aller­dings gleich­zei­tig auch eine bit­te­re Pil­le für all jene sein, denen es wie Herrn Lau­er gar nicht genug staat­li­che Kon­trol­le und „Daseins­vor­sor­ge“ geben kann: Der Staat, und zwar jeder halb­wegs demo­kra­tisch ver­fass­te, ist zum Glück völ­lig unfä­hig, ein funk­tio­nie­ren­des sozia­les Netz zu betrei­ben, das die Bür­ger dann auch benut­zen wür­den. Aber er kann ein Unter­neh­men so stark bestechen und erpres­sen, dass es sich sei­nen Anwei­sun­gen fügt. Dies gilt es zu ver­hin­dern, die­se Schlacht ist für die Frei­heit noch nicht verloren.

Dar­auf gebe ich einen Hash­tag aus! #freiheit_gewinnt

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8 Kommentare

  1. dau­ert eh nicht mehr lang.…wie war das noch mit die­sem EU-Tole­ranz­ge­setz? Da sol­len Jugend­li­che, die dage­gen ver­sto­ßen, ja auch ein Reah­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm durchlaufen

  2. ..“ Ich bin ehr­lich gesagt ent­setzt, dass es in die­sem Land von Jahr zu Jahr mehr Men­schen zu geben scheint, die solch eine Ent­wick­lung hin zur Unmün­dig­keit und Skla­ve­rei für eine gute Idee halten.“
    Ich auch! Wir sind auf dem bes­ten Weg zu Elois (die Zeit­ma­schi­ne) zu dege­ne­rie­ren. Des­halb: #freiheit_gewinnt !!

  3. Ich hat­te eigent­lich gedacht der Lau­er hät­te Inter­net ver­stan­den. Eigent­lich! Dass Mer­kel die­ses „Neu­land“ nicht ver­stan­den hat, hat sich ja schon mehr­fach kund­ge­tan. Aber Lau­er! Nun denn, er hat es nicht ver­stan­den und sie zitie­ren ihn ja aus­gie­big in sei­ner Dumm­heit. Ich bin schon etwas län­ger in die­sem „Neu­land“ unter­wegs, gut 20 Jah­re, und kann die­sem Leicht­ma­tro­sen ruhi­gen Gewis­sens sagen, dass, wenn ein Por­tal tot ist oder regu­liert wer­den soll­te, die Her­de sich dann eben zu einem neu­en Por­tal auf­macht. Wenn er sich infor­miert hät­te, dann wüss­te er z. B. dass ein Groß­teil der Jugend schon wei­ter­ge­zo­gen ist, Face­book zur Social Media der älte­ren Herr­schaf­ten wird. Die sind sicher­lich nicht so wech­sel­af­fin wie die Jugend, aber sicher wäre ich mir da auch nicht. Gut, für Kat­zen­bil­der, die neu­es­ten Rezep­te, Urlaub­spics oder ähn­li­cher Unter­hal­tung, kann man Face­book ohne Pro­ble­me nut­zen. Wer aber Mei­nun­gen trans­por­tie­ren möch­te, wer sich poli­tisch äußert, wer abseits des Main­streams Infor­ma­tio­nen haben möch­te, der ist nicht unbe­dingt auf Face­book ange­wie­sen, son­dern kann leicht ande­re Por­ta­le nut­zen. Was möch­ten die ver­un­si­cher­ten Ange­stell­ten des Vol­kes denn tun, wenn sich ihre Kri­ti­ker nur noch auf VK.com, dem rus­si­schen Por­tal tref­fen? Putin mit Krieg dro­hen? VK.com ver­staat­li­chen oder zen­sie­ren? Und falls es gelin­gen soll­te, was wenn dann die gesam­te Gemein­de in Rich­tung QQ.zone nach Chi­na wei­ter­wan­dert? Viel­leicht das Inter­net ver­ste­hen? Viel­leicht ein­fach mal zur Kennt­nis neh­men, dass dies ein in sei­nen Grund­ge­nen ange­leg­tes anar­chi­sches Medi­um ist, wel­ches grund­sätz­lich, wenn man es denn nicht zer­stö­ren möch­te, nicht kon­trol­lier­bar ist? Ich wür­de ja eine kur­ze Beschu­lung anbie­ten und die Herr­schaf­ten mal auf Stand brin­gen. Ich fürch­te nur, das gibt nichts.

  4. Es ist eine Verwechslung!
    Die einen den­ken an den Rechts­staat der mün­di­gen Bür­ger. Die ande­ren an den all­um­fas­sen­den Sozi­al­staat, der sei­nen Bür­gern den gesin­nungs­ge­pam­per­ten Weg weist, der Staat als Eltern der Kleinkinder.

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