Welcher fins­te­ren Art der Humor unserer obers­ten Legis­la­tive ist, kann man sehen, wenn man auf den Peti­ti­ons­ser­ver des Bun­des­ta­ges schaut. Die Peti­tion 85565, welche die Bun­des­re­gie­rung dazu auf­for­dert, den Global Compact for Migra­tion nicht zu unter­zeich­nen, wurde nämlich wochen­lang unter faden­schei­ni­gen Gründen zurück­ge­hal­ten – sie belaste den „inter­kul­tu­rel­len Dialog“, kalt­schnäu­zelte man zur Begrün­dung. Derart über den Mund gefah­ren fragten sich die Peten­ten nur noch resi­gniert, von welchem Dialog denn hier die Rede sei, wenn immer nur einer spreche und der andere die Klappe zu halten habe. Nun, gut Ding will Weile haben, wie das Sprich­wort sagt und nachdem die Peti­tion gut durch­ge­lüf­tet und von allen Seiten betrach­tet – oder besser: igno­riert – wurde, hat man sie heute doch noch ins Rennen gelas­sen und die Demo­kra­tie­be­flis­se­nen kommen ver­spä­tet ihrer gefühl­ten Pflicht zum Enga­ge­ment nach und zeich­nen fleißig. Und ver­spro­chen: auch ich werde dies tun, wenn die über­las­te­ten Server des Bun­des­ta­ges dies irgend­wann mal gestat­ten. Auch wenn es nur für das Pro­to­koll sein wird und nicht nur theo­re­tisch, sondern auch prak­tisch ganz und gar zweck­los ist.

Denn da sich inhalt­lich nichts am Peti­ti­ons­text änderte und die Ansich­ten der ent­schei­den­den Poli­ti­ker sich auch nicht geän­dert haben, was hat sich wohl statt­des­sen getan, dass der „inter­kul­tu­relle Dialog“ nun offen­bar nicht mehr in Gefahr sein soll? Ganz einfach: die Zeit lief der Peti­tion davon!

Die Mit­zeich­nungs­frist der ver­spä­tet los­ge­las­se­nen Peti­tion endet nämlich am 19.12.2018, also ganze acht Tage NACHDEM der Global Compact for Migra­tion am 11.12.2018 in Mar­ra­kesh unter­zeich­net sein wird! Eine Anhö­rung im Peti­ti­ons­aus­schuss könnte eben­falls erst NACH dem 19.12.2018 anbe­raumt werden, selbst wenn vorher ein Quorum zustande käme. Ich sehe schon das süf­fi­sante Lächeln des Sit­zungs­lei­ters vor mir, wie er die Peten­ten fragt, warum sie über­haupt hier säßen, wo der Drops doch längst gelutscht sei.

Wie groß muss die Ver­ach­tung (vieler) unserer Par­la­men­ta­rier für die berech­tig­ten Anlie­gen ihrer Wähler wohl sein, wenn sie diese auf so durch­sich­tige Art und Weise ver­ar­schen? Jeder Unter­zeich­ner bekommt einen Tritt in den Rücken und muss sich dann fragen lassen, warum er so renne.

Der Bürger Peti­tio­nen liebt,
drum man sie ihm zum Spiele gibt.
Er drückt die Knöpfe, unverdrossen,
doch sind sie nir­gends angeschlossen!

20 Kommentare

  1. Diese ganze Ein­rich­tung Peti­tion. Was soll das? Die Dinge auf den Kopf gestellt. Wie konnte es dahin kommen, dass wir unsere Ange­stell­ten demütig anti­ch­am­brie­rend um etwas bitten müssen?
    Wenn Sprache wirk­lich bewusst­seins­bil­dend ist, hätte das Ganze schon anders genannt werden müssten: wenigs­tens Auf­for­de­rung, besser Anwei­sung oder Order, dies oder jenes zu tun oder zu unterlassen.
    Ob sie‘s dann tun oder nicht ist eine andere Frage aber auf jeden Fall wäre es schon auf grund der Benenn­ungl schwe­rer, die Im Artikel beschrie­bene Ver­schlep­pungs­tak­tik anzuwenden.

  2. Meine Fan­ta­sie: Der schrei­ende Fehler im Peti­ti­ons­text („Sep­tem­ber 2019” statt richtig „Dezem­ber 2019”) wurde gezielt ein­ge­baut, um nach der Unter­zeich­nung des Paktes durch unsere Gott­kai­se­rin die Peten­ten und sämt­li­che Unter­zeich­ner mit Straf­ver­fah­ren wegen „feek njuhs” (hieß in Merkels Hei­mat­land „staats­feind­li­che Hetze”) über­zie­hen zu können. – - – Was für ein ver­rot­te­tes Regime!

  3. Wer nicht wählen geht, darf sich auch nicht beschwe­ren”, „Wir müßen die Men­schen abholen mit unserer Politik”, „Jede Stimme zählt”, „Demo­kra­tie leben”, ” Demo­kra­tie ist die beste Staatsform”
    Den Rest der tau­sen­de­nen platten Flos­keln spare ich mir.
    21 Peti­tio­nen ein­ge­reicht. Eine wird dann not­ge­drun­gen genom­men. Mit einer Ablauf­frist nach der Unter­zeich­nung. Ein Server in Betrieb, der eine Frech­heit dar­stellte. Eine Peti­tion, meine Damen und Herren. Nicht mehr. Um die wird bereits so ein (hoff­nungs­lo­ser) Kampf geführt.
    Wir leben in einer furcht­ba­ren Diktatur.
    Frau Merkel wird sich vor Ihrem Schöp­fer ver­ant­wor­ten müssen.
    Der Leib­haf­tige wird wohl­wol­lend auf ihr Werk blicken.

    • Ich habe neulich erfah­ren, dass in den Hadi­then steht, dass die Mehr­heit in der Hölle keine Kuffar sind, sondern unbot­same Frauen. Man sieht, warum das so ist. Geseg­net sei Allah.

  4. Bitte noch rot an linern Sep­tem­ber 2019 im Text der Peti­tion . Wir werden ganz schön für blöd ver­kauft . Von wem ist diese Petition ?

  5. Ich habe längst abge­schlos­sen mit dieser FDJ Demo­kra­tur. Wer hier noch glaubt irgend etwas demo­kra­ti­sches zu ent­de­cken oder irgend­wie die frühere Demo­kra­tie wieder zum Leben zu erwe­cken muß ja sicher auch über­zeugt gewesen sein, Hon­ecker hätte seine Schuld ein­ge­se­hen und wäre frei­wil­lig zurück getre­ten oder Hitler wurde zur Aufgabe „über­re­det”. Hier wurde und wird sehen­den Auges für jeder­mann (!) der es sehen will eine sozia­lis­ti­sche Merkel Dik­ta­tur instal­liert, die kei­ner­lei Wider­spruch duldet, wie alle vor­he­ri­gen Dik­ta­tu­ren. Die Mittel des Kampfes sind ähnlich, man fragt sich nur wann die AfD ver­bo­ten wird und für AfD Mit­glie­der und Wähler Umer­zie­hungs­la­ger ein­ge­rich­tet werden, da die täg­li­che Staats­pro­pa­ganda ja mehr und mehr igno­riert wird von den immer mehr wer­den­den Rechts­po­pu­lis­ten. Dieser Pakt, voll­kom­men intrans­pa­rent und unde­bat­tiert im Inhalt am Volk, ja an den Völkern vorbei von einer frü­he­ren DDR Elite insze­niert ist im Kern unüber­trof­fen auto­kra­tisch und so waren sie immer, die Aut­kra­tien. Das Volk hat zu wollen, was die Herr­schen­den, auch nach unzäh­li­gen Skan­da­len und ver­ur­sach­ten Schäden einfach nicht den Stuhl räumen wol­len­den Unde­mo­kra­ten beschlie­ßen und alle Anders­den­ken­den sind Pöbel, sind Pack, sind Faschis­ten, sind Sozia­lis­mus­feinde. Gähn…wie ermü­dend für jeden His­to­ri­ker die ewig gleiche Flos­ke­lei und Phrasenfanatsie…
    Lasst es richtig krachen und lasst die Hon­eckers Deutsch­lands ihre selbst­er­mäch­tigte Politik betrei­ben bis wieder alles in Schutt und Asche liegt, aus den Ruinen ent­steht auch immer wieder was Neues, nur eines stimmt nicht, Lernen aus der geschichte ist offen­sicht­lich für Deut­sche gene­tisch nicht möglich! Die anderen Völker machen uns immer wieder vor, was man mit dik­ta­to­ri­schen Des­po­ten macht – wir lernen es einfach nicht.

  6. Schönes Gedicht. Wusste gar nicht, dass in Ihnen so ein her­aus­ra­gen­der Lyriker steckt;-)

  7. Was mich gerade inter­es­siert: Wie viel Geld hat die öffent­lich erreich­bare IT-Infra­struk­tur des Bun­des­tags gekos­tet, und wer hat sie eingerichtet?

    Ich frage aus dem Grund, weil es durch­aus Mög­lich­kei­ten gibt, so eine Inter­net­seite auch für eine große Zahl von Benut­zern gleich­zei­tig nutzbar zu machen. Wenn die Band­breite der Fla­schen­hals ist, ver­teilt man die Anfra­gen mittels Round Robin DNS einfach auf mehrere Server. Wenn die Rechen­leis­tung zur Gene­rie­rung der HTML-Seiten der Fla­schen­hals ist, ver­teilt man diese mittels Load Balan­cers auf mehrere Maschi­nen. Und wenn die Daten­bank­zu­griffe der Fla­schen­hals sind, ver­teilt man diese auf mehrere Daten­bank-Spiegel, sofern es nicht aus­reicht, die Daten­bank einfach auf meh­re­ren Fest­plat­ten zu spie­geln, die abwech­selnd beschrie­ben werden, um die IO-Zugriffe der ein­zel­nen Platten zu redu­zie­ren. Das gehört doch alles zum Stan­dard-Reper­toire eines Admins. 

    Wiki­pe­dia ist auch von stän­di­gen DDOS Angrif­fen betrof­fen, und ist dennoch durch­gän­gig erreich­bar. Wenn ein Open Source Projekt das kann, warum dann nicht auch unser toller Staat, der sich sonst ja auch gott­glei­che Pri­vi­le­gien anmaßt, und der zudem noch viel mehr Kohle zur Ver­fü­gung hat?

    • In der Bun­des­tags­ver­wal­tung fragt man sich wohl eher, warum man bloß wegen dieser läs­ti­gen Peti­tio­nen den Papier­korb über­haupt erst ans Netz ange­schlos­sen hat.

      • Also, einen Akten­shred­der mit Edel­stahl­me­cha­nik würde ich MINDESTENS erwar­ten. Ob die mir Geld dafür zahlen würden, wenn ich die Daten­bank­zu­griffe beschleu­nige, indem ich sie nach /dev/null umleite? Gewis­ser­ma­ßen als digi­ta­li­sier­ter Akten­shred­der, der sämt­li­che Daten­schutz-Richt­li­nien erfüllt?

        Das wäre doch eigent­lich ein pas­sa­bler Inhalt für eine weitere Petition.

  8. Und immer noch wird von „nicht bindend” geredet, dabei steht 45mal die For­mu­lie­rung „wir ver­pflich­ten uns” im Migra­ti­ons­pakt! Habe soeben auch unter­zeich­net (22.11. 6.15Uhr)

  9. Die Sach­lage ist doch völlig klar. Der Migra­ti­ons­pakt bedarf zwei­fel­los einer Debatte und einer Abstim­mung im Bun­des­tag, da er all­ge­meine Inter­es­sen berührt. Genau das will die gegen­wär­tige Bun­des­re­gie­rung und Merkel als Strip­pen­zie­he­rin unter­bin­den. Der deut­sche Dumm­bür­ger, der das alles gut heißt und grün wählt, stimmt ihr auch noch bei.
    „Denk ich an Deutsch­land in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht” (Hein­rich Heine)

    • Leider ist der Spruch Heines nicht auf Deutsch­land (!!) oder deut­sche Zustände bezogen, sondern auf seine Mutter:
      Nachtgedanken
      Denk’ ich an Deutsch­land in der Nacht,
      Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
      Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
      Und meine heißen Tränen fließen.
      Die Jahre kommen und vergehn!
      Seit ich die Mutter nicht gesehn,
      Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
      Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
      usw.

  10. Genau: Man fühlt sich – ent­schul­di­gen Sie diesen Aus­druck – total verarscht.
    Ein Lehrstück.
    Server immer noch überlastet.

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