Die Spur des Geldes und die hassle barrierSpricht man am Rande der Klima-Demos mit Teil­neh­mern, ist man oft über­rascht von der inhalt­li­chen Ahnungs­lo­sig­keit und Nai­vi­tät. Haltung und Moral sitzen zwar perfekt, sind jedoch bis obenhin gefüllt mit Phrasen, Über­trei­bun­gen oder gar absur­den Ideen von der völ­li­gen Abschaf­fung des CO2. In gewis­ser Weise beneide ich die Teil­neh­mer. Denn während ich den ganzen Tag mit Zwei­feln und Beden­ken kämpfe, ist ihr Tag ange­füllt mit Gewiss­hei­ten. Es geht eben nichts über ein klares Feind­bild. Nichts von all dem, was Vor­red­ner und Ein­peit­scher ihnen vor­ge­ben, stellen sie in Frage. Ande­rer­seits leben sie natür­lich in der unbe­que­men „Gewiss­heit“, dass in elf Jahren die Welt unter­ge­hen wird, woran ich natür­lich auch so meine Zweifel habe. Das macht mir den Blick nach vorn ange­neh­mer, lässt mich aber an der Gegen­wart ver­zwei­feln. Es ist natür­lich sinnlos, sich mit den Demons­tran­ten in ihrem Habitat, an Frei­ta­gen auf der Straße unter Schil­dern mit CO2-Kil­ler­mo­le­kü­len und wei­nen­den Eis­bä­ren inhalt­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen. Die Kinder sind nur das lau­teste Glied in einer ganzen Kette von Akteu­ren und ihre Jugend ist ein per­fek­ter Schutz­schild gegen Kritik. Ein Blick hinter die Kulis­sen, dorthin, wo die Ängste der Kinder gepäp­pelt werden, wo man ihnen den Weg frei macht und für ange­mes­sene mediale Auf­merk­sam­keit sorgt, ist deshalb loh­nen­der. Folgen wir also dem Geld und den Argu­men­ten, mit denen die Skep­ti­ker zum Schwei­gen gebracht werden sollen.

Die Spur der Scheine

Die Anzahl der Player auf den Feldern Ener­gie­wende, Ver­kehrs­wende und Kli­ma­alar­mis­mus ist groß, die Ver­knüp­fun­gen sind zahl­reich und teil­weise unüber­sicht­lich. Die NGOs, Ver­bände, Vereine und Initia­ti­ven sorgen schon durch ihre Anzahl dafür, dass ihnen der größte Teil der Medi­en­auf­merk­sam­keit gewiss ist. Zum Bei­spiel grün­de­ten die European Climate Foun­da­tion (ECF) und die Mer­ca­tor-Stif­tung gemein­sam die „Agora Ener­gie­wende“. Die Mer­ca­tor-Stif­tung ist auch Gründer der European Climate Foun­da­tion selbst, ebenso wie der Rocke­fel­ler Bro­thers Fund. Die „schmut­zi­gen“ Öl-Gelder fließen also nicht wie gern behaup­tet an die „Leugner“, sondern in breiten Strömen in die Ener­gie­wen­de­töpf­chen, aus denen sich dann Dritt- und Viert­mit­tel­ver­wer­ter bedie­nen. Zu nennen sind hier Schwer­ge­wichte wie WWF, NABU, DUH (Deut­sche Umwelt­hilfe), „Green Budget Germany“, die Klima-Allianz und viele mehr. Auch die Web­seite „kli​ma​fak​ten​.de“, von der noch die Rede sein wird, ist ein Kind der ECF. Es ist deshalb auch kaum ver­wun­der­lich, dass die Deut­sche Umwelt­hilfe den von ihr gestif­te­ten „Umwelt­me­di­en­preis 2017“ aus­ge­rech­net an die Web­seite kli​ma​fak​ten​.de vergab. Man kennt sich, man zitiert sich, man steht wech­sel­sei­tig im Impres­sum oder bei den För­de­rern, man finan­ziert sich, man hängt sich gegen­sei­tig Preise um den Hals. So bleibt alles hübsch in der Fami­li­en­bub­ble. Clan­wirt­schaft mal anders.

Das ist natür­lich alles nicht illegal und wofür private Stif­tun­gen wie Mer­ca­tor und Rocke­fel­ler-Bro­thers ihr Geld aus­ge­ben, ist deren Sache. Doch an vielen Stellen fließt direkt und indi­rekt auch Steu­er­geld in dieses beein­dru­ckend dichte Netz, so dass der Bürger nicht nur die fort­wäh­rende Pro­pa­ganda ertra­gen muss, sondern auch noch dafür zahlt. Nur ein Bei­spiel: Das Bun­des­um­welt­amt ist einer der För­de­rer des ICCT (inter­na­tio­nal council on clean trans­por­ta­tion), als einzige staat­li­che Orga­ni­sa­tion neben vielen Pri­va­ten.

Ein Blick in die Tiefen dieses Klima-Netz­wer­kes, etwa in die Liste der Klima-Allianz-Mit­glie­der, offen­bart eine wich­tige Stra­te­gie, welche uns noch oft begeg­net. Die schiere Masse an Ver­bän­den, Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen, Insti­tu­ten, Stif­tun­gen, Kirchen, cari­ta­ti­ven Ein­rich­tun­gen, Islam­ver­bän­den, Bewe­gun­gen und Gewerk­schaf­ten soll beein­dru­cken und über­wäl­ti­gen. Man muss für die Recher­che mühsam jeder Spur folgen und die Anknüp­fungs­punkte auf­zei­gen. Gibt es Ver­träge? Bei­tritts­er­klä­run­gen? Mit­glieds­bei­träge? Was ver­bin­det zum Bei­spiel den Islamic Relief Deutsch­land e.V. tat­säch­lich mit dem Netz­werk Berg­bau­ge­schä­dig­ter? Und gibt es in diesem Land noch Jour­na­lis­ten, die sich aus­ge­rech­net mit diesen Netzen kri­tisch aus­ein­an­der­set­zen? In einem The­men­um­feld, das gera­dezu sakro­sankt ist?

Das alles wird man ohne viel Zeit­ein­satz und die Rücken­de­ckung eines sol­ven­ten Ver­la­ges nie her­aus­fin­den und das soll man auch nicht. Denn hier ist eine so genannte „hassle barrier“ auf­ge­türmt, die nur unter großem Aufwand über­wun­den werden kann. Es ist einfach sehr zeit­auf­wän­dig, all den Ver­äs­te­lun­gen und Abhän­gig­kei­ten zu folgen, zumal viele davon im Nichts enden. Die Akteure begra­ben gewis­ser­ma­ßen die wich­ti­gen Fakten unter einem Berg von Belang­lo­sig­kei­ten. Als Kri­ti­ker soll man vor einer Wand stehen, die mög­lichst unüber­wind­lich, all­um­fas­send und mächtig erscheint. Eine äußerst erfolg­rei­che Stra­te­gie.

Nun ist es in diesem Land kein Ver­bre­chen, Geld für poli­ti­sche Zwecke anzu­neh­men, solange es trans­pa­rent zugeht. Dass die Lob­by­ver­bände von Wind und Solar auf allen Ebenen in die Pro­teste invol­viert sind, kann deshalb kaum über­ra­schen. Es ist jedoch merk­wür­dig, dass den Kri­ti­kern der Kli­ma­hys­te­rie oft vor­ge­wor­fen wird, nur bezahlte Pro­vo­ka­teure der Kohle‑, Öl- und Gas­in­dus­trie zu sein, obwohl ganz offen­sicht­lich das Gegen­teil der Fall ist. Wäre es anders, hätten sich die „Leugner“ sicher längst eine ver­gleich­bare Medi­en­prä­senz zusam­men­ge­trom­melt und wären ein ähnlich attrak­ti­ver Magnet für ange­hende oder in den Ver­la­gen ent­las­sene Jour­na­lis­ten, die als Refe­ren­ten, Pres­se­spre­cher und Redak­teure auf der Seite der Kli­ma­pa­nik­ma­cher wieder auf­tau­chen.

Mein Ein­druck ist, dass sich in dem Maße, in dem sich die Redak­tio­nen der Zei­tun­gen leeren, die gut bezahl­ten Reihen der Kli­ma­ak­ti­vis­ten-NGOs füllen. Wenn Sie also das nächste Mal einen ARD-Kom­men­tar des Inhalts „Ver­bie­tet uns endlich irgend etwas“ sehen, liebe Leser, ist das viel­leicht nicht nur Aus­druck einer lupen­rei­nen Gesin­nung des Kom­men­ta­tors. Sie könnten auch gerade Zeuge eines Bewer­bungs­ge­sprächs gewor­den sein. So ver­hee­rend ich dies für die Mei­nungs­frei­heit in diesem Land halte, so ver­ständ­lich ist es auf der per­sön­li­chen Ebene. Wer möchte schon gern recht behal­ten, während man ver­hun­gert. Um die Anschluss­be­schäf­ti­gung zahl­rei­cher Ent­las­se­ner in der Auto­mo­bil- und Zulie­fe­rer­in­dus­trie ist es da schon deut­lich schlech­ter bestellt.

Die „hassle barrier” der Argumente

Folgen wir im nächs­ten Schritt einigen Argu­men­ten. Und zwar denen der Skep­ti­ker. Mit deren am häu­figs­ten geäu­ßer­ten befasst sich nämlich die Seite Kli​ma​fak​ten​.de, um diese mög­lichst gründ­lich und nach­hal­tig unter dem Geröll einer „hassle barrier“ zu begra­ben.

Argument: Die Erde wird immer grüner.

Dem stellt Kli​ma​fak​ten​.de fol­gen­des gegen­über:

Fakt ist: Ein Dün­ge­ef­fekt von CO2 aufs Pflan­zen­wachs­tum in der Land­wirt­schaft wird von nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der Erd­er­wär­mung mehr als wett­ge­macht“

Teilen leicht gemacht. Text markieren und ab mit dem "Fakt" zu Twitter und Facebook
Teilen leicht gemacht. Text mar­kie­ren und ab mit dem „Fakt” zu Twitter und Face­book

Viel­leicht ist Ihnen auf­ge­fal­len, dass hier der Begriff „wett­ge­macht“ ver­wen­det wird, ganz so, als sei hier ein Rück­stand auf­zu­ho­len gewesen oder ein Malus aus­ge­gli­chen worden. Das wäre ja auch noch schöner, wenn man einen posi­ti­ven Effekt einer leicht erhöh­ten CO2-Kon­zen­tra­tion einfach so hin­neh­men würde! Vielen Akti­vis­ten wird bereits diese Head­line als Beweis genügen, fangen deren Sätze doch auch gern mit „Fakt ist…“ an. Für ganz bequeme haben die Sei­ten­be­trei­ber gleich noch eine schicke Teilen-Funk­tion ein­ge­baut. Einfach den gewünsch­ten „Fakt“ als Text mar­kie­ren und es ist nur noch ein Klick zu Twitter oder Face­book, um dort einen Kli­ma­l­eug­ner zu erschla­gen. Lasst Fakten spre­chen! Im nächs­ten Satz des Arti­kels dann noch eine „wis­sen­schaft­li­che Begrün­dung“:

Ein höheres CO2-Angebot führt in den meisten Fällen nicht zu mehr Wachs­tum, weil die Pflan­zen wich­tige Nähr­stoffe aus dem Boden bezie­hen (z.B. Phos­phor) – und das Angebot dieser Stoffe nimmt ja nicht par­al­lel zum Koh­len­di­oxid zu (Ells­worth et al. 2017). Auch Was­ser­man­gel und über­höhte Tem­pe­ra­tu­ren können das Wachs­tum begren­zen.“

Der Satz ist ein Meis­ter­werk und lädt zum Ver­wei­len ein. „In den meisten Fällen“ rela­ti­viert, erklärt aber nichts. Höher als was? Höher als Null oder 300 ppm? 800 ppm? Man legt sich aber bei der Quan­ti­tät fest: die meisten Fälle (also Pflan­zen) hätten davon nichts, weil es ihnen an Nähr­stof­fen mangele, die Tem­pe­ra­tu­ren höher werden und auch Was­ser­man­gel herr­sche. Kurz: die meisten Pflan­zen pro­fi­tier­ten nicht, sondern litten unter dem Kli­ma­wan­del.

Als „Beweis“ ist ein Paper von Ells­worth ver­linkt, von dem wir leider nur das Abs­tract sehen können. Doch wer sich nicht blenden lässt und die „hassle barrier“ an dieser Stelle über­win­det um die Aussage zu über­prü­fen, liest bei Ells­worth Erstaun­li­ches:

Stei­gen­des atmo­sphä­ri­sches CO2 sti­mu­liert die Pho­to­syn­these und Pro­duk­ti­vi­tät der Wälder und gleicht die CO2-Emis­sio­nen aus. Expe­ri­mente mit erhöh­tem CO2-Ausstoß in gemä­ßig­ten Wäldern ergaben in den ersten Jahren eine Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät um 23%. Ob eine ähn­li­che CO2-Sti­mu­lie­rung in aus­ge­wach­se­nen immer­grü­nen Laub­wäl­dern auf Böden mit nied­ri­gem Phos­ph­or­ge­halt auf­tritt, ist weit­ge­hend unbe­kannt, da keine expe­ri­men­tel­len Beweise vor­lie­gen.“

Ells­worth und Kol­le­gen unter­such­ten in einer großen Studie immer­grüne Euka­lyp­tus­wäl­der, deren Pho­to­syn­these zwar um 19% zunahm, das Baum­wachs­tum aber nicht.

Die Ergeb­nisse legen nahe, dass die Ver­füg­bar­keit von Phos­phor die CO2-gestei­gerte Pro­duk­ti­vi­tät in Wäldern mit P‑Begrenzung mög­li­cher­weise ein­schränkt.“

Wälder mit „P‑Begrenzung“ meint Pflan­zen, die offen­bar mehr Phos­phor als andere, etwa boreale Pflan­zen, brau­chen. Aus dem Test­ob­jekt Euka­lyp­tus jedoch eine „Mehr­heit“ zusam­men­zu­fie­deln, wie bei „kli­ma­fak­ten“ gesche­hen, ist schon ein starkes Stück! Nichts der­glei­chen behaup­tet die Studie. Dort plä­diert man nur dafür, die unter­schied­li­che Phos­phor-Abhän­gig­keit der Pflan­zen bei der Abschät­zung künf­ti­ger Koh­len­stoff­sen­ken (in diesem Fall Wälder) zu berück­sich­ti­gen. Für die Wälder in den gemä­ßig­ten Zonen ist eine Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät bei erhöh­ter CO2-Zufuhr sogar unstrit­tig. Ells­worth bestä­tigt also das, was Kli­ma­fak­ten leugnet.

Das stär­kere Pflan­zen­wachs­tum könnte man sich also durch­aus zunutze machen, aber das zu betonen wäre nicht im Sinne des Kli­ma­zir­kus, für den CO2 der Feind schlecht­hin bleiben muss. Übri­gens: Pho­to­syn­these gibt es in vielen Ver­schie­de­nen Formen. Jede Pflanze arbei­tet ein wenig anders. Bei Nutz­pflan­zen am ver­brei­tets­ten sind die soge­nann­ten C3- (die meisten unserer Getreide, Gräser usw.) und C4-Pflan­zen (Mais, Zucker­rohr, Hirse). Die Bezeich­nun­gen C3 und C4 leiten sich übri­gens aus der Anzahl der Koh­len­stoff-Atome im Molekül des ersten sta­bi­len Zwi­schen­er­geb­nis­ses der Pho­to­syn­these ab. Über C4-Pflan­zen schreibt Wiki­pe­dia diesen viel­sa­gen­den Satz:

Die Evo­lu­tion des C4-Stoff­wech­sels ist eine bio­che­mi­sche Anpas­sung auf die sin­kende CO2-Kon­zen­tra­tion der Atmo­sphäre.“

Beson­ders C3-Pflan­zen pro­fi­tie­ren demnach sehr von einer leicht erhöh­ten CO2-Kon­zen­tra­tion. Schaut man sich die Karte mit den Vege­ta­ti­ons­zu­wäch­sen an, fällt neben Indien und China – wo jeweils große Wie­der­auf­fors­tun­gen im Gange sind – beson­ders die Rand­lage der Wüsten durch Zuge­winne auf. Die an Tro­cken­heit ange­pass­ten Pflan­zen dort pro­fi­tie­ren auf andere Weise vom CO2-Über­schuss, indem sie die Blatt­spal­ten für den Gas­aus­tausch nämlich nicht so oft öffnen müssen, um CO2 herein und O2 hinaus zu lassen. Dadurch ver­rin­gert sich auch der Was­ser­ver­lust, was in heißen, tro­cke­nen Umge­bun­gen ent­schei­dend sein kann.

Unter dem Strich gibt es also sehr wohl einen posi­ti­ven Effekt höherer CO2-Kon­zen­tra­tio­nen auf Pflan­zen, ganz gleich wie sehr man sich auch bemüht, ihn für irrele­vant zu erklä­ren. Der Effekt mag durch einen Mangel an Wasser und Phos­phor begrenzt sein, er ist aber immer vor­han­den. Und Phos­phor und Wasser, liebe Kli­ma­fak­tis, kann man sogar noch dazu­ge­ben, damit so richtig die Post abgeht.

Argument: Die Zahl der Eisbären nimmt trotz Klimawandel zu.

Dem stellt Kli​ma​fak​ten​.de fol­gen­des gegen­über: Fakt ist: Der Kli­ma­wan­del bedroht die Lebens­grund­la­gen von Eis­bä­ren – wie auch etliche andere Tier­ar­ten können sie sich nicht einfach auf ein ver­än­der­tes Klima ein­stel­len“

Tagesspiegel, Spiegel, Süddeutsche, DLF, Guardian. Klimafakten.de muss für Surftipps die eigene Informationsbubble nicht verlassen. Empfohlen werden nur Artikel, die perfekt in die hassle barrier passen. Die Bemerkungen auf der rechten Seite sind natürlich von mir.
Tages­spie­gel, Spiegel, Süd­deut­sche, DLF, Guar­dian. Kli​ma​fak​ten​.de muss für Surf­tipps die eigene Infor­ma­ti­ons­bub­ble nicht ver­las­sen. Emp­foh­len werden Artikel, die perfekt in die hassle barrier passen. Die Bemer­kun­gen auf der rechten Seite sind natür­lich von mir.

Eine Nicht-Antwort, denn über die tat­säch­li­che Anzahl der Eis­bä­ren wird nichts mit­ge­teilt. Im wei­te­ren Verlauf des Arti­kels hat man einige Mühe, die Beant­wor­tung der Ein­gangs­frage zu umschif­fen. Der Clou ist die Aussage, bei den meisten Teil­po­pu­la­tio­nen wisse man schlicht nicht genug über die Bestände, weil man früher nur unzu­rei­chend gezählt habe. Doch wie will man wissen, dass die Zahl der Eis­bä­ren abnimmt, wenn man angeb­lich keine aus­rei­chen­den Daten über sie hat?

Die exakte Zahl der Eis­bä­ren, die in der ark­ti­schen Wildnis leben, ist nicht bekannt. Aber es gibt klare Belege dafür, dass schon heute der Kli­ma­wan­del die Gesund­heit der Bestände beein­träch­tigt.“

Gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gung statt Eis­bä­renster­ben, das soll es also sein? Lächer­lich! Die Bestände erholen sich vor allem, weil sie nicht mehr bejagt werden und weil auch die Bestände ihrer Haupt­nah­rungs­quelle, der Robben, sich durch Schutz­maß­nah­men erholt haben. Die Bären folgen den Robben, nicht dem Eis. Auch in diesem Kli­ma­fak­ten-Artikel wurden, um eine klare Antwort zu ver­mei­den, Studien, Fach­be­griffe und Links zu einer „hassle barrier“ aus Packeis auf­ge­türmt, nur um einen Fakt nicht bestä­ti­gen zu müssen: Dem Eis­bä­ren geht es im Großen und Ganzen gut. Das ist eigent­lich eine gute Nach­richt, die man jedoch so nicht gelten lassen will, weil sie den „Leug­nern“ in die Karten spielen könnte. Um die Panik auf­recht und die Kassen der Regie­run­gen offen zu halten, darf es einfach keine posi­tive Mel­dun­gen aus der Natur geben.

Es ist oft nicht einfach, auf Kli​ma​fak​ten​.de unter Bergen von respek­ta­blen aber zweck­ent­frem­de­ten und falsch inter­pre­tier­ten wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten und zwei­fel­los rich­ti­gen Aus­sa­gen die absichts­volle Ver­dre­hung zu ent­de­cken. Plumpe Lügen ver­mei­det man, von Pro­pa­ganda im Dienst in der ver­meint­lich guten Sache jedoch kann man die Finger nicht lassen. Die errich­tete „hassle barrier“ soll dem Leser sagen, dass seine Suche nach Ant­wor­ten bei Kli​ma​fak​ten​.de enden soll. Grabe nicht weiter, Netzwan­de­rer, denn hier findest du alles, was du je gesucht hast. Dass es sich jedoch nicht um eine unab­hän­gige wis­sen­schaft­li­che Platt­form, sondern um ein poli­ti­sches Projekt mit Agenda handelt, sollte man beim Lesen nie ver­ges­sen. Wo Kli­ma­fak­ten drauf steht, sind Kli­ma­be­haup­tun­gen drin.

Schlussbemerkung

Im ersten Teil dieses Arti­kels ging es um die Frage, warum man das „Problem“ CO2 nicht direkt angeht. Dazu bräuchte man die tech­no­lo­gi­sche Kraft der Indus­trie­staa­ten und könnte darauf ver­zich­ten, die dritte Welt an der eigenen Ent­wick­lung zu hindern. Doch das geschieht nicht. Statt­des­sen zer­schla­gen wir die Fähig­kei­ten der Indus­trie­staa­ten und nehmen die Mög­lich­keit, uns durch Anpas­sung an ver­än­derte kli­ma­ti­sche Bedin­gun­gen zu helfen, völlig aus dem Blick. Kein Plan „B“. Zu den global ablau­fen­den Pro­zes­sen, von denen wir die meisten bisher nur unzu­rei­chend ver­ste­hen, gehören auch die seit der letzten Eiszeit stei­gen­den Pegel (im Mil­li­me­ter pro Jahr Bereich) und Phasen der glo­ba­len Erwär­mung und Abküh­lung. Nicht nur ich halte das für natür­li­che Pro­zesse, auf die der Mensch nur sehr wenig Ein­fluss hat. Es war schon deut­lich wärmer und auch deut­lich kälter in der Ver­gan­gen­heit. So etwas wie ein Optimum für die Globale Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur gibt es nicht. Es zeugt von Grö­ßen­wahn zu glauben, das Klima habe gefäl­ligst an einem sta­bi­len Ide­al­zu­stand, den eine Hand­voll Men­schen defi­niert, Halt zu machen.

Der Schrift­stel­ler Fried­rich Sieburg sagte (bezogen auf die Fran­zö­si­sche Revo­lu­tion, passt aber auch hier), der Mensch kann im beschei­dens­ten Zustand, aber nicht in der hoch­tra­bends­ten Bewe­gung leben und glück­lich sein. Die im Zeit­maß­stab relativ neue Erkennt­nis, dass es neben Wetter auch so etwas wie Klima gibt und dass sich auch dieses ändern kann, findet die Mensch­heit offen­bar uner­träg­lich. Schmel­zende Glet­scher, laue Winter, heiße Sommer…unwillkürlich pro­ji­ziert der Ver­stand solche Ereig­nisse in die Zukunft, wo sie schein­bar immer schlim­mer und schlim­mer werden.

Drei Tage im Juli über 30°C und der ver­un­si­cherte Deut­sche glaubt, er werde nie wieder weiße Weih­nach­ten erleben. Doch wenn die zurück­wei­chen­den Glet­scher in den Alpen Baum­stümpfe frei­ge­ben, die, noch in der Erde ste­ckend, zu einst hun­dert­jäh­ri­gen Bäumen gehör­ten, kann das Abschmel­zen der Glet­scher dann zwin­gend mensch­li­che Ursa­chen haben? Doch statt mit Ver­än­de­run­gen zu leben, träumen wir von einer Art all­mäch­ti­gen Geo-Engi­nee­ring, um das Klima auf einen für uns geneh­men kon­stan­ten Wert ein­zu­stel­len. Dass wir dies zukünf­tig wohl nur mittels Holz­löf­fel und Wün­schel­rute tun können, weil wir gleich­zei­tig unsere indus­tri­el­len Fähig­kei­ten ver­teu­feln und ver­nich­ten, blenden wir aus.

Und die Eis­bä­ren? Die hatten Glück, dass der Mensch auf­grund seiner tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung seit einigen Jahr­zehn­ten in der Lage ist, sich mit den Folgen des beden­ken­lo­sen Raub­baus an der Natur aus­ein­an­der­zu­set­zen und diese zu ver­mei­den. Der Eisbär ist kein Nah­rungs­kon­kur­rent und kein gefähr­li­cher Nachbar mehr, er genießt den Schutz des Men­schen. Das hat seinen Bestän­den offen­bar gut getan. Tech­no­lo­gie ist nicht der Feind der Natur, sondern deren Retter – sofern die Tech­no­lo­gie wirk­lich exis­tiert und nicht durch poli­ti­sche Beschlüsse her­bei­ge­re­det wird. Dass es heute z. B. noch Wale gibt, ver­dankt sich der Ent­de­ckung der Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten und der indus­tri­el­len För­de­rung von Erdöl. Ande­ren­falls wären sie schon vor der Grün­dung von Green­peace zur Gewin­nung von Lam­penöl, Schmier­stof­fen und „Fisch­bein” aus­ge­rot­tet worden.

Und weil heute Freitag ist und vie­ler­orts wieder Kinder unter­wegs sind, um die Eis­bä­ren zu retten, zum Abschluss ein wenig Lyrik. Ich hoffe, Eugen Gom­rin­ger wird mir ver­zei­hen.

Kinder
Kinder und Eis­bä­ren

Eis­bä­ren
Eis­bä­ren auf Schil­dern
Kinder mit Eis­bä­ren auf Schil­dern

Schil­der
Schil­der mit Eis­bä­ren mit Tränen
Kinder mit Schil­dern mit Eis­bä­ren mit Tränen

und keine Zweifel.

15 Kommentare

  1. Die Spin-Dok­to­ren denken sich die Storys aus, die Spruch­kör­per setzen sie in die Rea­li­tät um und die Poli­ti­ker sind die Ham­pel­män­ner, die die Storys für ihre Zwecke nutzen. Die Wahr­heit findet man, wenn man der Spur des Geldes folgt. Auch hier funk­tio­niert der Kapi­ta­lis­mus ganz gut, der eigent­lich der erklärte Feind der Kli­ma­ret­ter ist. Auto­fah­rer werden durch absurde Grenz­werte ent­eig­net und weil es so langsam einigen dämmert, dass die Ener­gie­wende uns ins Abseits führt, werden wir auf Trapp gehal­ten mit einer Ver­kehrs­wende in Form eines „großen Sprungs nach vorn“. Wenn das nicht klappt (wie sei­ner­zeit in China) gehen wir halt wieder auf die Felder und leben öko­lo­gisch (wie sei­ner­zeit in China).
    Die Umwelt­ver­bände und NGOs sind ja auch ein prak­ti­sches Tool sich Märkte und Ein­fluss zu sichern. Zuge­ge­ben, Toyota hat die Unter­stüt­zung der DUH beendet. Sie ver­kau­fen auch keine Diesel in Deutsch­land, während man die schi­cken Toyota Diesel SUVs überall in Indien rum­fah­ren sieht. Unsere Auto­mo­bil­in­dus­trie geht so langsam in die Knie aber wenigs­tens ist ein chi­ne­si­scher Küchen­ge­rä­te­her­stel­ler bei Daimler ein­ge­stie­gen.
    An alle, die sich nicht so einfach über den Tisch ziehen lassen wollen: Auto­korso und Demo gegen Fahr­ver­bote in Stutt­gart. Am Samstag 19.10 ab fünf vor zwölf ab Park­platz Weis­sen­hof.
    Die​sel​demo​.de

  2. Habe bei TE einen Artikel über den Umwelt­mi­nis­ter von BW Unter­stel­ler (Grüne) gefun­den. Herr Unter­stel­ler möchte in BW 20.000 (in Worten zwan­zig­tau­send) neue Wind­rä­der auf­stel­len lassen. Dafür muss der Umwelt­schutz und Vogel­schutz zurück­ste­hen.
    Das heißt, wir retten die Welt solange bis die Tem­pe­ra­tur stimmt, aber die Erde kein lebens­wer­ter Ort mehr ist. Pflan­zen und Tiere haben keinen Lebens­raum mehr, weil überall WKA und PVA rum­ste­hen. Dann hat sich auch das Thema: Pflan­zen brau­chen CO2 zum Leben, endlich erle­digt. Denn ohne Pflan­zen braucht es auch kein CO2.
    Schöne neue Welt. Wer stoppt diese Idioten?

  3. Nichts von all dem, was Vor­red­ner und Ein­peit­scher ihnen vor­ge­ben, stellen sie in Frage. Ande­rer­seits leben sie natür­lich in der unbe­que­men „Gewiss­heit“, dass in elf Jahren die Welt unter­ge­hen wird […]”.
    Das ist genau wie bei einer reli­giö­sen Sekte. Dis­kus­sio­nen unmög­lich.

    Haben Ells­worth und Kol­le­gen pro­tes­tiert, dass sie von kli​ma​fak​ten​.de falsch zitiert wurden und auf Rich­tig­stel­lung bestan­den?

  4. Klasse Artikel. Das oben ver­linkte Video „von der völ­li­gen Abschaf­fung des CO2” wirkt wie der extrem pein­li­che Versuch, an den Erfolg der Gospel-Singer anzu­knüp­fen. Richtig mit­rei­ßend, ich hätte beinahe ange­fan­gen, im Rythmus zu klat­schen, die Fremd­scham war dann aber doch stärker. Es wird immer unan­ge­neh­mer, zu so einem Volk zu gehören. 🙁

    • Um Ambrose Bierce zu bemühen, man könnte auch sagen „Alle sind irre, doch wer seinen Wahn­sinn zu begrün­den ver­steht, wird Kli­ma­schüt­zer genannt“.

  5. Eis­bä­ren jagen über­wie­gend an Land und nicht im Meer. CO2 ist ein für Planzen lebens­not­wen­di­ges Gas, Sie nehmen es auf und schei­den Sauer­stoff aus. Des­we­gen sind viele Wis­sen­schaft­ler der Meinung, es sei zumin­dest zu über­den­ken, ob es sinn­voll ist, den CO2 Ausstoß gegen Null zu senken. Was den Kli­ma­wan­del und die „Treib­haus­gase” angeht, hat Prof. Klaus Thüne, einst „Wet­ter­frosch” im ZDF bereits 1992 in seinem Buch „Der Treib­haus­schwin­del” dar­ge­legt, dass die Erde kein „Treib­haus” ist. Ein Treib­haus ist nach oben geschlos­sen, die CO2-Decke hin­ge­gen ist durch­läs­sig. Da nach den Geset­zen der Physik Warm immer nach Kalt fließt, ist eine dau­er­hafte Erwär­mung der Erde ergo unmög­lich. Aber was nutzen diese Fakten gegen Igno­ranz, Dumm­heit und Unwis­sen­heit?

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