vendattaIch wollte eine Auszeit. So ein alter Kutter wäre eine schöne Heimat gewesen in den letzten Tagen. Ein alter Gaf­fel­seg­ler und Herings­fän­ger, der schon bei 4–5 Wind­stär­ken stets ein paar Hände braucht, um sicher zu kreuzen und mit ein paar Knoten durch die Ostsee zu schip­pern. Kein Com­pu­ter an Bord, keine Nach­rich­ten, kein Inter­net – dafür eine über­schau­bare Welt, deren Gefah­ren über den Wet­ter­ka­nal und UKW gemel­det werden oder am Hori­zont sicht­bar und in den Händen spürbar sind. Gewit­ter und Stürme kann man umfah­ren oder in siche­ren Häfen abwet­tern. Leider bin ich nicht an Bord gegan­gen, ich bin auf dem Fest­land geblie­ben.

Gesprächs­fet­zen dringen an mein Ohr, auch wenn ich eigent­lich ein paar Tage mal gar nichts von der Außen­welt hören wollte. Die Nach­rich­ten fressen mich nämlich auf, das ist auf Dauer nicht gut. „Hast Du schon gehört, was der und der gestern gesagt hat?“ Nein, hatte ich eigent­lich nicht. Bis eben gerade jetzt. Und zusam­men­ge­fasst hörte ich etwa fol­gen­des:

Martin Schulz ver­langt nach einer „echten euro­päi­schen Regie­rung“, Herr Stein­meier möchte Geor­gien für seine Reform­be­mü­hun­gen mit Visa­er­leich­te­run­gen beloh­nen, Juncker macht den Schot­ten Hoff­nung, nach dem Brexit in der EU bleiben zu können, die We-still-like-EU-although-we-did‘nt-vote-Briten tanzen Wood­stock auf den Straßen Londons und die EU-Kom­mis­sare spielen Schnick-Schnack-Schnuck, wer den Sitz der Briten als EU-Mit-Kom­mis­sar erben soll – viel­leicht wird am Ende der „EU-Kom­mis­sar für Brief­mar­ken lecken“ die Brief­um­schläge auch schlie­ßen dürfen und der „Kom­mis­sar für Reisen in die Zukunft“ auch für Reisen nach Düs­sel­dorf zustän­dig sein. Ober­pa­läs­ti­nen­ser Mahmut Abbas, dessen Mandat längst so abge­lau­fen ist wie die Schuhe von Charlie Chaplin, hält eine Rede vor dem euro­päi­schen Par­la­ment, in der er Rab­bi­ner in Israel wört­lich der Brun­nen­ver­gif­tung bezich­tigt und erhält ste­hende Ova­tio­nen. Im EU-Land Rumä­nien sterben derweil Pati­en­ten an mit­tel­al­ter­li­chen Infek­tio­nen, weil die kor­rupte Pharma-Mafia im Land Des­in­fek­ti­ons­mit­tel bis ins homöo­pa­thi­sche ver­dünnt hat und jah­re­lang zu gesal­ze­nen Preisen an das staat­li­che Gesund­heits­we­sen ver­kauft hat – und keiner hat’s gewusst, ist ja klar.

Alles EU, alles in diesen Tagen. Genau diese EU ver­steigt sich in die Behaup­tung, die Zukunft ver­än­dern zu können, ist aber bereits mit jeder Gegen­wart – ob inner­halb oder außer­halb ihrer Ver­trags­gren­zen – hoff­nungs­los über­for­dert und ihr Per­so­nal nur mit sich selbst beschäf­tigt.

Poli­ti­scher Selbst­mord zwecks Über­le­bens­si­che­rung

Diese Briten, buuuuuh! Erst aus der EU raus wollen und dann einfach so den Schwanz ein­zie­hen – das geht ja gar nicht! Cameron, Johnson, Farage… Feig­linge! Erst winken sie mit der Fahne der Demo­kra­tie und dann kneifen sie, wenn es um die Durch­füh­rung der Ideen geht, für die sie gekämpft haben. Feig­heit vor dem Feind, das kommt gar nicht gut an. Nun hatte in diesem Bei­spiel nicht Göbbels im Sport­pa­last, sondern das bri­ti­sche Volk in einer Wahl gespro­chen, da muss man doch dran bleiben…aber Pus­te­ku­chen! Ver­ges­sen wir für einen Moment, dass rein recht­lich noch gar nichts pas­siert ist. Ver­ges­sen wir kurz, dass Groß­bri­tan­nien immer noch Voll­mit­glied in der EU ist und sollte es nicht recht­zei­tig aus­tre­ten, im Juli 2017 die EU-Rats­prä­si­dent­schaft über­neh­men kann. Das wäre mal ein Spaß!

Man reibt sich ja aber wirk­lich die Augen, wenn man sieht, wie sich neben Cameron auch die Anfüh­rer der „Out“-Kampagne nun schein­bar aus der Ver­ant­wor­tung stehlen. Aber tun sie das wirk­lich? Farage konnte sicher nicht auf einen herz­li­chen Empfang hoffen, als er nach dem Brexit vor das Plenum in Brüssel trat. Was ihm dort aber ent­ge­gen schlug, war blanke Ver­ach­tung. Ver­ach­tung für den Ausgang des Refe­ren­dums, Ver­ach­tung für die Meinung der EU-Kri­ti­ker, der Laden gehöre ordent­lich zusam­men­ge­stutzt, Ver­ach­tung für demo­kra­ti­sche Pro­zesse, die nun mal so oder anders aus­ge­hen können. Mit Demo­kra­tie hat die EU leider nichts am Hut. Das fängt mit der homöo­pa­thi­schen Wahl­be­tei­li­gung der Euro­pa­wah­len an und hört bei den kleinen EU-Kom­mis­sars-Kur­fürs­ten und ihren Hof­staa­ten längst nicht auf.

Wie das poli­ti­sche Per­so­nal in Brüssel in seiner selbst­ge­fäl­li­gen Art gedenkt, in Zukunft mit Groß­bri­tan­nien umzu­ge­hen, wurde schon in den ersten Stunden nach dem Refe­ren­dum nur allzu deut­lich. Der Hand­wer­ker-Spruch „oh, oh – das wird teuer“ war noch das harm­lo­seste, was zu hören war. Die Briten würden es noch bereuen, dum­mer­weise ihr Volk gefragt zu haben. Leiden will man sie sehen, Druck wird man machen und ihnen ansons­ten die kalte Schul­ter zeigen. Groß­bri­tan­nien sank in Sekun­den­schnelle auf den poli­ti­schen Status von Weiß­russ­land, ein Wunder fast, dass man Nigel Farage noch nach Brüssel ein­rei­sen lies, anstatt ihn gleich zu teeren und zu federn.

Was pas­siert, wenn in einem Schei­dungs­drama die eine Seite der Meinung ist, die Schuld läge zu 100% bei der anderen? Richtig, es geht viel zu Bruch und die Anwälte ver­die­nen Geld! Weder Cameron noch Johnson oder Farage würden bei den anste­hen­den Aus­tritts­ver­hand­lun­gen mit der EU auch nur einen Fuß an die Erde bekom­men. Nicht, wenn auf der anderen Seite des Tisches Schulz, Juncker und Tusk sitzen – schon aus Prinzip nicht! Alle drei haben das erkannt. Den Prag­ma­tis­mus auf­zu­brin­gen, die eigene Kar­riere dem Wohl des Landes für einen „better deal“ unter­zu­ord­nen, bringt das EU-Per­so­nal im Gegen­satz zum bri­ti­schen nicht auf. Ver­mut­lich, weil sie keinem Land, sondern nur einer Idee ver­pflich­tet sind. Einer Idee, die man je nach Bedarf mal mehr oder mal weniger abs­trakt auf­fas­sen kann. Momen­tan ist die Idee sehr konkret: Ven­detta, Ven­detta, Ven­detta! Wie sonst ist es zu ver­ste­hen, wenn die EU einer­seits erklärt, Ver­hand­lun­gen über den künf­ti­gen Status Groß­bri­tan­ni­ens erst nach deren Aus­tritts­er­klä­rung auf­neh­men zu können und ande­rer­seits mit Schott­land über dessen Status spricht, bevor es aus Groß­bri­tan­nien aus­ge­tre­ten ist? Wenn du mein schönes Europa putt machst, mache ich dein doofes Bri­tan­nien putt, so! Muss denn heute jeder, der für Stink­bom­ben zu alt und für Klin­gel­strei­che zu blöd ist, in die Euro­pa­po­li­tik gehen?

Auto­kra­ten unter sich

Wenn aber der Mär­chen­er­zäh­ler aus Ramal­lah kommt um vor dem EU-Par­la­ment von der „Jahr­tau­sende alten paläs­ti­nen­si­schen Kultur“ zu phan­ta­sie­ren, von hass­erfüll­tem Ras­sis­mus schwa­felt und dann auch noch dreist behaup­tet, Israel würde das Wasser der Paläs­ti­nen­ser ver­gif­ten (im Video ab 31:50), sind die Abge­ord­ne­ten ganz aus dem Häus­chen! Als Abbas diese scham­lose Lüge als solche aner­ken­nen musste, war er schon nicht mehr in Europa – die Lüge war in der Welt und das gesamte anwe­sende EU-Par­la­men­a­rier­volk dankte stehend und mit Applaus für die kleine Lehr­stunde in anti­se­mi­ti­scher Hetze.

Abbas bekommt für seine Klep­to­kra­tie in Ramal­lah Jahr für Jahr Hun­derte Mil­lio­nen Euro aus Brüssel über­wie­sen und finan­ziert dort den isla­mis­ti­schen Terror und die isla­mis­ti­sche Apart­heit direkt. Klar, dass sich Abbas da gern mal zu einem kleinen Dan­ke­schön nach Europa auf­macht. Der Dank ist aber mit einer Drohung ver­gif­tet, die dem Applaus nach zu urtei­len nur von den wenigs­ten Abge­ord­ne­ten erkannt wurde. Der Mahnung nämlich, es auch künftig nicht an der nötigen Unter­stüt­zung mangeln zu lassen. Denn merke und bedenke: die Paläs­ti­nen­ser sind ein Volk von Flücht­lin­gen. Falls Merkel die Rede sah, wird sie wohl an der einen oder anderen Stelle schwer geschluckt haben.

Ich will Sie nicht mit Abbas lang­wei­len, denn meiner Meinung nach ver­dient dieser Mann unsere unge­teilte Miss­ach­tung und die genaue Beach­tung durch die Justiz. Man kann von einem ara­bi­schen Anfüh­rer und noto­ri­schem Lügner wie ihm keine Selbst­kri­tik erwar­ten. Er hat in seinem ganzen poli­ti­schen Leben noch keine Gele­gen­heit ver­strei­chen lassen, eine Chance zu ver­pas­sen. Aber womit um alles in der Welt befasst sich gerade das EU-Par­la­ment? War es wirk­lich nötig, einen Tag nach dem Besuch des israe­li­schen Prä­si­den­ten „aus Gründen der Neu­tra­li­tät“ einem Mann ein Forum zu geben, der einen kalt­blü­ti­gen Mörder eines 13jährigen Mäd­chens zum Helden erklärt und bei jeder Gele­gen­heit im ara­bi­schen Fern­se­hen verbal das Messer gegen alle Juden schwingt? Kann man zwi­schen Kan­ni­ba­lis­mus und Vege­ta­ris­mus ernst­haft eine „neu­trale Posi­tion“ ein­neh­men? Das EU-Par­la­ment glaubt dies offen­sicht­lich.

Leinen los!

Die EU „belohnt“ Wohl­ver­hal­ten und „betraft“ Abweich­ler, ganz nach Sowjet-Art. Und ich Trottel dachte, Gesetze würden sowas regeln können. Tun sie aber nicht, wenn einfach so „Beloh­nun­gen“ ver­teilt werden können und Wirr­köpfe wie Martin Schulz ihre Kom­pe­tenz weit über­schrei­ten, indem sie anderen Ländern Fristen für Briefe setzen, Dik­ta­to­ren eine Bühne geben und sich als größere Popu­lis­ten ent­pup­pen als die Leute, die sie selbst stets als solche bezeich­nen.

Die EU ver­liert mög­li­cher­weise eines ihrer wich­tigs­ten Mit­glie­der und das Klima ist schon vor Beginn der Ver­hand­lun­gen ver­gif­tet. Keine Spur von „be gentle“, das EU-Per­so­nal hat in seiner Bor­niert­heit nicht mal begrif­fen, dass die Rück­tritte der Brexit-Gesich­ter eine Chance für einen Cool-Down dar­stel­len! Am Hori­zont sind aber schon die Ukraine, Geor­gien und die Türkei als Ersatz für Groß­bri­tan­nien zu sehen, schließ­lich will man nicht an Bedeu­tung ver­lie­ren. Derweil lau­schen die Mit­glie­der des Par­la­ments andäch­tig den Lügen eines Isla­mis­ten, die EU finan­ziert ihn groß­zü­gig und in drei Jahren über­nimmt Rumä­nien, das auf Regie­rungs­ebene nach­weis­lich kor­rup­tes­ten Land der EU, tur­nus­mä­ßig die Rats­prä­si­dent­schaft.

Suchen Sie sich einen guten, alten Gaf­fel­scho­ner und legen Sie ab, lieber Leser. Bevor sich das Wetter an Land bessert, wird es wohl erst mal noch sehr viel schlech­ter.

Sound­track zum Text: Hold me, thrill me, kiss me, kill me! (U2)

PS: Herr Abbas, eines noch. Gaza ist nicht mehr von Israel besetzt, sondern von der Hamas – und das schon seit 11 Jahren. Dass die Hamas es noch nicht geschafft hat, in Gaza eine Demo­kra­tie zu erschaf­fen, liegt übri­gens auch nicht an Israel, sondern an der Tat­sa­che, dass man aus der faschis­ti­schen Ideo­lo­gie des Isla­mis­mus keine Demo­kra­tie basteln kann. Egal wie oft Sie und ihre Kampf­ge­nos­sen auf Eng­lisch „Peace“, „Freedom“ und „Pro­spe­rity“ rufen. Ich habe nämlich auch Ihre Rufe auf Ara­bisch gehört. Die sind nämlich auch ins Eng­li­sche über­setzt worden.

2 Kommentare

  1. Aus einer im Grunde sehr guten Idee wurde die EU bei ihrer Rea­li­sie­rung – leider leider -
    zum großen Teile ein Haufen Sch***benhonig. Schade, sehr schade.
    Und eine Schande, daß die deut­sche Bun­des­re­gie­rung Schulz nicht absetzt (oder was poli­tisch
    möglich ist). Für mich bedeu­tet dies, daß die Bun­des­re­gie­rung mit dem Ver­hal­ten Schulz’
    über­ein­stimmt. Pfuj! kann ich nur sagen.
    lg
    caruso

  2. Ich ver­stehe Ihre Frus­tra­tion über­haupt nicht. Ein weiter Schma­rot­zer unter den EU Abge­ord­ne­ten fällt doch gar nicht auf. Be cool, mach mal Yoga wie jüngst im EU par­la­ment, dann finan­ziert sich der künf­tige IS Terror wie von selbst. Wenn dann Pre­si­dent Jelzin, pardon EU Pre­si­dent Junker, von unserem Renomee vor den Außer­ir­di­schen warnt, dann erscheint der Brexit in ganz neuem Licht. Was sollen die von uns denken, wenn die EU aus­franst. Die Mil­lio­nen ent­äusch­ter Briten aus Nord­ko­rea, Vatikan Staat und 4 Chan Hoax haben auch das Recht gehört zu werden.
    Früher ging einem ein Licht auf, geht leider heute nicht mehr durch Energie sparen.

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