U.S. President Barack Obama and Chancellor Angela Merkel attend a private dinner at the famous Adlon hotel in BerlinGui­do Berg­mann für Reu­ters & Bun­des­pres­se­amt, Rea­li­tät auf Tep­pich, Gale­rie SPON

Das Zen­trum des Bil­des bil­det ein Tisch, der den Raum in eine lin­ke und eine rech­te Hälf­te unter­teilt. Dabei hat der Künst­ler der rech­te Bild­hälf­te etwas mehr Platz ein­ge­räumt, um dem dort sit­zen­den Oba­ma die Tür zu wei­sen, durch die er bald ver­schwin­den muss. Sein Ses­sel ist bereits leicht nach hin­ten gescho­ben und Oba­ma im Begriff, sich zu erhe­ben. Sei­ne Zeit ist abge­lau­fen, er weiß es und Bedau­ern zeich­net sein Gesicht. Hin­ter und über ihm rollt bedroh­lich die Qua­dri­ga sei­nes Amts­nach­fol­gers Trump her­an und Oba­ma hofft, die­ser möge wenigs­tens das klei­ne Licht hin­ter ihm anlas­sen, wenn er den Raum ver­las­sen hat.

Schö­be die auf der lin­ken Sei­te sit­zen­de Mer­kel ihren Ses­sel zum Auf­ste­hen zurück, fie­le sie sang und klang­los aus dem Bild, wes­halb sie wie ange­wur­zelt sit­zen bleibt und sich, die Hän­de zur Rau­te erstarrt, gera­de­zu trot­zig am Tisch festhält.

Die Bli­cke bei­der tref­fen sich rat­los über lee­ren Glä­sern. Die leder­nen Menü­kar­ten auf dem Tisch laden zur Wahl ein oder ent­hal­ten bereits die Wahl­er­geb­nis­se und Pro­gno­sen. Man hat kei­nen Hun­ger und Oba­ma auch nur noch wenig Zeit. Der Zier­vo­gel neben Mer­kel weist auf bes­se­re Zei­ten, als sie noch einem Koli­bri gleich in ihrem Land von Par­tei zu Par­tei flog, um dort inhalt­li­chen Nek­tar zu sau­gen. Doch hin­ter ihr erhel­len die Lich­ter der ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft die Nacht und Mer­kel weiß: ab nächs­tem Jahr droht von dort Ungemach.

Ver­steckt unter dem Schutz des Tisch­tu­ches und somit dem Betrach­ter ent­zo­gen lie­gen die Scher­ben der schief­ge­lau­fe­nen Pro­jek­te. Oba­ma und Mer­kel hof­fen, nie­mand wird sich die Mühe machen, den Man­tel der Dun­kel­heit über sol­chen The­men wie Abhör­af­fä­re, Syri­en, Liby­en, Tür­kei, Ukrai­ne, Iran-Atom­deal und Kli­ma­ret­tung zu lüf­ten. Das Tisch­tuch strahlt im Lich­te, dar­un­ter ist viel Platz für Schat­ten. Dabei braucht es nicht viel, um den schwe­ren Damast zur Sei­te zu schie­ben um einen Blick auf die Trüm­mer der Amts­zei­ten bei­der am Tisch sit­zen­den Prot­ago­nis­ten zu werfen.

Die „Ver­tei­di­ger der frei­en Welt“ zei­gen sich hilf­los, erstarrt und in mie­ser Stim­mung und las­sen den Betrach­ter rat­los und unver­tei­digt zurück. Ein Meis­ter­werk des poli­ti­schen Realismus.

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