Deutschland braucht die SZ nichtEs gibt viele gesendete und geschriebene Zumu­tun­gen im „Coro­n­a­jahr Null“. Da sind die Panikmach­er, welche in Talk­shows und bei der täglich­er Zahle­nakro­batik ver­suchen, den Stresslev­el nach dem Mot­to hochzuhal­ten: bloß keine pos­i­tiv­en Nachricht­en, die Men­schen kön­nten beim Hoff­nung schöpfen zu tief einat­men oder sich in die Arme fall­en. Dann natür­lich die Schar­la­tane auf allen Seit­en, die genau zu wis­sen vorgeben, was wie und wann zu tun sei. Man müsse nur genau das tun, was sie sagen, dann sei die Ret­tung gewiss. Am schlimm­sten sind jedoch all jene, die auf die eine oder andere Art „Coro­na als Chance“ für welche Art von „Great Reset“ auch immer begreifen. In diese Rubrik fällt auch ein selt­samer Artikel der Süd­deutschen Zeitung vom 14.12.2020, der bere­its im Titel mit ein­er schal­len­den Ohrfeige begin­nt: „Die Wirtschaft braucht den Lock­wown“. Dass der Artikel von Marc Beise kommt, seines Zeichens Leit­er der Wirtschaft­sredak­tion bei der SZ, macht fas­sungs­los und stellt die Frage, wozu man bei der Süd­deutschen Zeitung über­haupt eine Wirtschaft­sredak­tion hat. Was der Artikel enthält, hätte genau­so gut im Feuil­leton oder im Horoskop erörtert wer­den kön­nen. Nach­fol­gend einige Zitat aus dem Artikel und meine Gedanken dazu.

Entschiedenheit als Stabilität?

„Deutsch­land braucht ökonomis­che Sta­bil­ität. Dafür ist poli­tis­che Entsch­ieden­heit nötig. Genau das leis­ten die neuen Maß­nah­men zur Eindäm­mung der Pandemie.“

Was für eine abso­lutis­tis­che Feld­her­ren­logik! Für ökonomis­che Sta­bil­ität braucht es vor allem poli­tis­che Berechen­barkeit. Wenn die Poli­tik im let­zten Jahr eines unter Beweis gestellt hat, dann ihre Unberechen­barkeit. Deutsch­land hat sich dem Pri­mat „Gesund­heit für alle um jeden Preis“ unter­wor­fen, wird das Ver­sprechen der Unsterblichkeit aber kaum ein­lösen kön­nen. Die ökonomis­che Sta­bil­ität, die sich ja erst dann wirk­lich ein­stellt, wenn die Ein­griffe durch den Staat klug, langfristig, neu­tral und milde aus­fall­en, hat man diesem Pri­mat geopfert.

Was Beise hier ökonomis­che Sta­bil­ität nen­nt, ist in Wirk­lichkeit etwas ganz anders: Beruhi­gung, Bestechung und das Ver­sprechen auf Schadenser­satz für jene, die gute Drähte zur Poli­tik haben. Dazu der Deutsch­land-ist-reich-Fieber­traum, mit voller Hose gut stinken zu kön­nen. Inwieweit die poli­tis­chen Maß­nah­men aber über­haupt der Eindäm­mung der Pan­demie dienen (kön­nen), ist eine Langzeit­frage, die noch nicht beant­wortet ist. Im Zweifel wird sich sich­er jemand bei der Süd­deutschen Zeitung find­en, der in einem wohlwol­len­den Kom­men­tar fest­stellt, dass die Lage zwar schlimm sei, es ohne den Kan­z­lerin­nen­bonus Deutsch­lands aber sich­er noch viel schlim­mer gekom­men wäre. Unbe­weis­bar! Doch damit schlägt man leicht jede Kri­tik nieder, solange nicht in Par­al­lelu­ni­versen der Gegen­be­weis geführt wer­den kann. So kann Poli­tik nie irren. Absur­der geht es nicht.

Die nicht anders können

„Denn wer die Sta­tis­tiken lesen kann, die Dynamik der Aus­bre­itung des Virus ver­ste­ht, die Lage in den Kranken­häusern ken­nt und die Gesellschaft nicht in zwei Grup­pen aufteilen will, in die, die das schon alles über­leben wer­den, und die anderen, die eben auf der Strecke bleiben — wer also all das klug und mit­füh­lend bew­ertet, der dürfte doch gar nicht anders kön­nen, als den teil­weisen Still­stand des Lebens in den kom­menden Wochen richtig zu finden.“

Wer die „Dynamik der Aus­bre­itung des Virus“ wirk­lich ver­ste­ht, möge bitte vortreten. Gäbe es so jeman­den, müssten unsere Poli­tik­er nicht jeden Tag ihre Reden, Ver­sprechen und Beschlüsse von Vorgestern mit Essig und Öl ver­speisen. Wobei das Öl nur in ihren Aus­flücht­en zu find­en ist, der Essig bleibt für alle anderen. Auch bin ich es leid, mir immer wieder vor­w­er­fen zu lassen, jede Kri­tik, jede Unwilligkeit, die herun­terg­ere­icht­en Maß­nah­men freudig und ohne zu mur­ren umzuset­zen, wäre ein Mord­ver­such an der Gen­er­a­tion der Großeltern.

Die Ein­teilung in Über­lebende und auf der Strecke Bleibende trifft auch nicht nur Infizierte, son­dern die ganze Gesellschaft. Die ver­heeren­den Tre­f­fer dort wer­den uns stets als für das höhere Wohl hin­nehm­bar­er Kol­lat­er­alschaden verkauft. Es ist eine Frech­heit zu erwarten, dies richtig find­en zu müssen. Aus den Kranken­häusern erre­ichen uns übri­gens sehr unter­schiedliche Nachricht­en über die Lage dort, was natür­lich nicht heißen soll, dass Ent­war­nung gegeben wer­den kann. Aber es schein ja so zu sein, dass kein Alarm, die Inten­siv­bet­ten wür­den knapp, zu mehr Inten­siv­bet­ten geführt hat. Das sehe zumin­d­est ich, wenn ich Sta­tis­tiken lese.

Wie der Lockdown die Wirtschaft schützt

„In Wirk­lichkeit schützt ger­ade der Lock­down die Wirtschaft. Das ist also ein weit­eres Argu­ment dafür, dass die jet­zt beschlosse­nen Maß­nah­men richtig sind. Nicht trotz ihrer Auswirkun­gen auf die Wirtschaft, son­dern ger­ade wegen dieser Auswirkun­gen. […] Zunächst wird ja in der Indus­trie und vie­len anderen Bere­ichen weit­er gear­beit­et. Und der Still­stand zum Jahre­sende fällt in eine Phase, in der das pro­duzierende Gewerbe, von dessen Gedei­hen der deutsche Wohl­stand maßge­blich abhängt, jahreszeitlich bed­ingt ohne­hin ged­immt ist.“

Die Erk­lärung, wie genau der Lock­down die Wirtschaft schützt, muss wohl dem Lek­torat zum Opfer gefall­en sein. Beise arbeit­et ab hier mit einem Beweis, den er nie geführt hat. Vom Him­mel muss ihm die Erken­nt­nis gefall­en sein. Vielle­icht auf den Flügeln des par­la­men­tarischen Schutzen­gels, der sein­er Branche der hal­tungsko­r­rek­ten Ver­ton­er unbe­que­mer Regierungsnachricht­en die fro­he Botschaft in Form üppiger staatlich­er Ret­tungs­gelder über­bracht hat. Oder gilt hier die alte Apothek­er­weisheit, dass nur bit­tere Medi­zin auch wirke?

Dann würde ich sagen, lasst uns doch ein­fach noch ein paar weit­ere Schmerzen verur­sachen! Wir kön­nten die Energiewirtschaft in den Ruin treiben oder die Autoin­dus­trie mit uner­füll­baren Vor­gaben in der Euro 7 Norm zur Geschäftsaufgabe…ach, ich ver­gaß: das läuft ja schon. Es wird also span­nend bleiben, zu beobacht­en, wie die Wirtschaft sich über die zusät­zliche Coro­na-Ther­a­pie zur Stärkung ihres Immun­sys­tems freuen wird. Beise beschreibt die Indus­trie als eine Art mythis­che, aber anonyme „deutsche Kon­stante“ wie den Wald und ver­gisst dabei, dass die Indus­trie seit Jahren durch aktion­is­tis­che Poli­tik von allen Seit­en gefällt wird, während man ihren gefäll­ten „Bäu­men“ vor­wirft, sich der Axt nicht schnell genug angepasst zu haben. Zu den ohne­hin beste­hen­den und absichtsvoll her­beige­führten Schwächen des “ewigen” deutschen Wirtschafts-“Waldes” kommt nun noch der Borkenkäfer Lock­down hinzu.

Das pro­duzierende Gewerbe, von dem Beise spricht, ist zudem erstens nicht der einzige Wirtschaftssek­tor und zweit­ens find­et ein prinzip­ielles „Herun­ter­dim­men“ gar nicht statt. Für manche Branchen ist der Dezem­ber die Haupt­sai­son, für einige sog­ar die einzige – auch wenn das für einen Autor, der im Home­of­fice arbeit­en kann und seine Einkäufe bei Ama­zon erledigt, kaum vorstell­bar ist.

Vom Wollen und Können

„Es ist fern­er selb­stver­ständlich, dass man denen helfen muss, die jet­zt in Not geraten.“

Aber das ist eben nicht selb­stver­ständlich, weil die Poli­tik schon aus Kapaz­itäts­grün­den all­ge­me­ingültige Regeln auf­stellen muss, an denen viele Einzelfälle zer­brechen. Die berühmten „Novem­ber­hil­fen“ für die Gas­tronomie waren beispiel­sweise an die Vor­jahre­sum­sätze gekop­pelt. Wer im Novem­ber 2019 aber keine hat­te, weil der Laden erst im Jan­u­ar 2020 eröffnet wurde, fällt hier schon mal durch alle Raster. Es gibt tausende solch­er Auss­chlüsse und Absur­ditäten, an die der Geset­zge­ber nicht gedacht hat und an die er im Detail auch nicht denken kon­nte. Ich unter­stelle da keine Absicht. Der Staat muss zwangsläu­fig an der Klein­teiligkeit und Kom­plex­ität der Auf­gabe scheit­ern, wie er das in der Geschichte immer getan hat. Eine extrem vielfältige Mark­twirtschaft mit Not­falldekreten in eine Pan­demieplan­wirtschaft zu über­führen, wird selb­stver­ständlich eine Schneise der Ver­wüs­tung in der Wirtschaft hinterlassen.

Schumpeter als Kai aus der Kiste

„Es soll und muss und wird mit staatlichen Hil­f­s­geldern, die das reiche Deutsch­land sich leis­ten kann, eine Brücke in die Zeit gebaut wer­den, wenn Coro­na zurückge­drängt sein wird. Das vielz­i­tierte Wort des Ökonomen Joseph Alois Schum­peter von der “schöpferischen Kraft der Zer­störung” ist auf den “nor­malen” Struk­tur­wan­del zu beziehen, nicht auf über­fal­lar­tige Katas­tro­phen. Dafür hat die Poli­tik jet­zt erneut eine Rei­he von Maß­nah­men beschlossen, über die man im Einzel­nen disku­tieren kann, die aber im Grund­satz richtig sind.“

Kred­ite sind in der Tat Brück­en in die Zeit. Doch am Ende muss immer jemand für Stahl und Beton bezahlen und ob die Brücke über­haupt trägt, wis­sen wir noch gar nicht: ihre Architek­ten sind Poli­tik­er! Warum Beise hier zudem Schum­peters schöpferische Kraft der Zer­störung anbrin­gen musste, weiß wohl nur er allein. Nie­mand behauptet, dass eine schöpferische Kraft am Werk wäre, wenn man Coro­na „ein­fach so laufen“ ließe! Beise ver­gisst oder ver­drängt, dass die „Lex Schum­peter“ im Nul­lzin­shabi­tat der EZB ohne­hin seit Jahren außer Kraft geset­zt ist. Die Geld-Ven­tile waren ja schon vor Coro­na offen. Es ist sog­ar wahrschein­lich, dass unpro­duk­tive Fir­men, die bei funk­tion­ieren­den Märk­ten schon seit Jahren in der Schum­peter­hölle schmoren müssten, sehr viel leichter an Geld kom­men: Wer täglich Liq­uid­ität braucht, weiß wo die Quellen sind.

Auf dem Weg in die Planwirtschaftshölle

„In den USA ist zu sehen: Strik­te Maß­nah­men behin­dern die Wirtschaft nicht. […] Eine beliebte Forderung von Unternehmern gegenüber der Poli­tik lautet: lieber eine schlechte poli­tis­che Entschei­dung als gar keine. Und das gilt sog­ar für Ver­brauch­er, auch sie sind Teil der Wirtschaft.”

Nochmal das Zitat, weil man es bei ein­ma­ligem Lesen kaum glauben kann. Die Wirtschaft fordert also: bess­er schlechte Entschei­dun­gen als gar keine? Das klingt wie die per­fek­te Pauschal-Entschuldigung für dumme Poli­tik. Kommt also gewis­ser­maßen als Erk­lärung für den Ist-Zus­tand der aktuellen Poli­tik­erkaste gut hin. Doch ich bezwei­fle, dass die Wirtschaft dies tat­säch­lich von der Poli­tik fordert. Oder hat Beise hier einen schö­nen Euphemis­mus für die Regel gefun­den, dass die schlecht­este von zwei poli­tis­chen Alter­na­tiv­en immer die Zahlung von Sub­ven­tio­nen ist, über die sich Unternehmen noch nie beklagt haben, wenn sie nur genug davon erhalten?

“Ein Drit­tel der Befragten [in ein­er Umfrage der Bun­des­bank] schränkt den Kon­sum aus Sorge vor Ansteck­ung ein. Abge­se­hen davon, dass das für einen kräfti­gen Nach­holef­fekt im kom­menden Jahr spricht, zeigt es, wie sehr Coro­na auch das wirtschaftliche Han­deln beeinflusst.”

Zwei Drit­tel der von der Bun­des­bank Befragten tun offen­bar das Gegen­teil und ziehen erhe­blich Kon­sum vor. Dafür sor­gen die tem­porär gesenk­te Mehrw­ert­s­teuer und das Damok­less­chw­ert der CO2-Steuer, die im Jan­u­ar bei­de zuschla­gen wer­den. Woher der „kräftige Nach­holef­fekt“ also kom­men soll, bleibt völ­lig unklar. Viele Kon­sumenten und Unternehmer haben zudem ihre Reser­ven aufge­braucht, um über die Run­den zu kom­men. In meinem Bekan­ntenkreis (Achtung, reine Empirie, keine Evi­denz) sehe ich eher den Trend, das Geld auszugeben, solange es „noch was wert“ ist. Im Zweifels­fall kauft man lieber Aktien oder Immo­bilien, obwohl in allen Ver­mö­genswerten die Infla­tion grassiert. Kaum jemand ste­ht in den Startlöch­ern, um den gewün­scht­en „Nach­holef­fekt“ anrollen zu lassen, wenn die Kan­z­lerin eines schö­nen Tages im März April Mai 2022 vor die Presse tritt und sagt: „Sie dür­fen jet­zt wieder rauskom­men, die Übung ist vorbei“.

Die psy­chol­o­gis­che Schwarz­malerei von Medi­en und Poli­tik lässt die Men­schen in Unsicher­heit ver­har­ren. Nach und nach ver­fliegt jed­er Opti­mis­mus und jede Ini­tia­tive. Lethargie macht sich bre­it und legt sich wie ein dick­er Teig über alles. Jede Ini­tia­tive wartet auf amtlich­es Plazet, denn jede spon­tane Bewe­gung heute kann mor­gen schon als ver­früht, unnütz oder gefährlich klas­si­fiziert wer­den. Kaum jemand traut sich, den Stein vom eige­nen Grab wegzurollen und der ängstliche Staat wagt es auch nicht, „kommt her­aus“ zu rufen. Eine Wieder­aufer­ste­hung kön­nte also lange ausbleiben.

“Es ist illu­sionär zu glauben, die Wirtschaft kön­nte weit­er boomen, während sich das Virus durchs Land frisst.“

Es geht auch nicht darum, dass die Wirtschaft „weit­er boomen“ soll, während sich „das Virus durchs Land frisst“. Ganz abge­se­hen von der mor­biden und das Leben ankla­gen­den Rhetorik würde es viel mehr darauf ankom­men, die Maß­nah­men selb­st­bes­timmter und eigen­ver­ant­wortlich­er durch­führen zu lassen, damit so wenig Gesellschaft wie möglich rea­n­imiert wer­den muss. Jed­er, der selb­st und ohne staatliche Führung und Sub­ven­tion ans ret­tende Ufer kom­men kann, verklein­ert die Baukosten der „Brücke“, die uns in der Zukun­ft zwangsläu­fig erwarten.

Stattdessen hat man ganze Wirtschaft­szweige pauschal zum Risikopa­tien­ten erk­lärt und aus Angst vor dem Tod zum Selb­st­mord gezwun­gen. Das Feuer­w­erksver­bot an Sil­vester wurde beispiel­sweise damit begrün­det, die Notauf­nah­men der Kliniken ent­las­ten zu wollen. Nun befürchtet man, das Ver­bot könne dazu führen, dass es zu noch mehr und schw­er­eren Feuer­w­erks-Unfällen kom­men kön­nte, weil zur Unver­nun­ft neigende nun mit dem Basteln anfan­gen wür­den. Das Ergeb­nis dieser Einzel­maß­nahme kön­nte also sein, dass mehr Ver­let­zte in Kliniken liegen und alle Feuer­w­erk­sh­er­steller pleite sind. So kann aus ein­er gut gemein­ten und nachvol­lziehbaren Maß­nahme eine Katas­tro­phe wer­den. Das ist nur ein Beispiel, aber es zeigt deut­lich, wie „gut“ solche staatlichen Pauschale­in­griffe der Wirtschaft wirk­lich tun. Oder, um Dante zu bemühen: Der Weg in die Plan­wirtschaft­shölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Die Wissenschaft hat festgestellt…

„Stu­di­en aus den USA, wo die Bun­desstaat­en in der Ära Trump sehr unter­schiedlich auf Coro­na reagiert haben, bele­gen das. In Regio­nen mit strik­ten Maß­nah­men lief die Wirtschaft nicht schlechter als dort, wo der Staat die Dinge laufen ließ.“

„Stu­di­en aus den USA“ ist eine eben­so nebe­lige Schlin­gelfor­mulierung wie „aus gut unter­richteten Kreisen“. Belege liefert die Süd­deutschen Zeitung auch hier keine. Meine Beobach­tun­gen der Sit­u­a­tion in den Staat­en deck­en sich jeden­falls nicht mit der Behaup­tung der SZ. Ger­ade was den pri­vat­en Sek­tor der Wirtschaft und speziell kleine Unternehmen ange­ht. Die Frage „Lock­down“ oder nicht war in den Staat­en vor allem eine Frage der Bevölkerungs­dichte, in zweit­er Lin­ie eine der Parteizuge­hörigkeit der Gou­verneure, woraus sich eine Fun­da­men­talop­po­si­tion gegen den Lock­downgeg­n­er Trump ergab. Fakt ist: die Men­schen flo­hen und fliehen dort aus den Großstädten und ob sich Städte wie New York, Los Ange­les oder San Fran­cis­co schnell von diesem Exo­dus wer­den erholen kön­nen, ist völ­lig offen. Das Dilem­ma lautet zusam­menge­fasst: Je größer die Stadt, umso höher die kom­mu­nalen Steuern, die man für Leben­squal­ität zahlt, denen man sich bei sink­ender Leben­squal­ität aber durch Wegzug entziehen kann.

Je weniger Men­schen noch in der Stadt leben, umso höher wer­den die Steuern für die dort gebliebe­nen sein, schließlich ver­lässt die teure Infra­struk­tur die Stadt nicht. Je höher jedoch die Steuern wer­den, umso weniger Anreize gibt es, wieder zurück in die Stadt zu kom­men. Wer jedoch glaubt, in den (urba­nen) Gebi­eten mit strik­ten Lock­down-Maß­nah­men laufe es bess­er als sagen wir in South Dako­ta, hat wohl vor allem zu viele selb­st­be­weihräuch­ernde Gou­verneure wie Gavin New­som aus Kali­fornien oder Andrew Cuo­mo aus New York bei CNN gese­hen. Der Mega­trend für die inter­na­tionale Unternehmen hat sich durch Coro­na und die Regierungs­maß­nah­men auf Ebene der Bun­desstaat­en nur noch ver­stärkt: raus aus den großen Bal­lungszen­tren, raus aus herun­tergewirtschafteten „Blue States“. Boe­ing ver­legt Werke weg von Wash­ing­ton State, Ora­cle und Tes­la ver­lassen Kali­fornien und ich würde mich nicht wun­dern, wenn auch Apples futur­is­tis­ches Head­quar­ter irgend­wann die fliegende Unter­tasse macht.

„Namentlich der wirtschaftliche Erfolg Deutsch­lands ver­dankt sich immer auch sta­bilen Rah­menbe­din­gun­gen, dem Gefühl: Hier klap­pen die Dinge, mehr oder weniger, gut. Das wird begrün­det mit manch­er Investi­tion aus dem Aus­land oder solchen, die im Inland bleiben trotz attrak­tiv­er Ange­bote ander­swo. Ein Land in einem lang anhal­tenden laten­ten Krisen­modus funk­tion­iert aber nicht mehr.“

In diesem Absatz wider­legt Beise das gesamte Elab­o­rat seines Artikels schließlich selb­st. Dass die „Dinge“ in Deutsch­land näm­lich noch mehr oder weniger gut funk­tion­ieren, ver­dankt sich ger­ade nicht poli­tis­chem Han­deln, son­dern eher der Trägheit und Wider­spen­stigkeit von Bürg­ern, Wirtschaft und Ver­wal­tung. Die Dinge funk­tion­ieren „obwohl“ und „trotz­dem“ oder wan­dern mit­tler­weile ins Informelle, in die Selb­stor­gan­i­sa­tion ab. Der näch­ste Schritt auf der schiefen Ebene in Rich­tung Plan­wirtschaft wäre übri­gens, dass die Regierung diesen informellen Sek­tor ins Kalkül zieht. Acht­en Sie also auf erste Anze­ichen, liebe Leser.

Doch ver­mut­lich glaubt Beise, dass auch schlechte oder unpop­uläre Entschei­dun­gen Inve­storen als „sta­bile Rah­menbe­din­gun­gen“ anlock­en. Deutsch­land, ein Land, in dem die Regierung Entschei­dun­gen fällt, die das Volk brav umset­zt, mögen sie auch noch so schlecht sein. Chi­na lässt schön grüßen! Eigentlich ist es schade, dass die SZ schon vor Jahren zum Frontalun­ter­richt zurück­gekehrt ist und unter ihren Artikeln nicht mehr ihre Leser nach deren Mei­n­ung fragt. Ich würde doch zu gern wis­sen, wie viele Leser nach diesem Artikel glauben, die Süd­deutschen Zeitung noch zu brauchen. Brauch­bar war an Beis­es Artikel in meinen Augen nur dieser Satz: Ein Land in einem lang anhal­tenden laten­ten Krisen­modus funk­tion­iert nicht. 

Jeden­falls nicht lang genug, um die Krise zu überwinden.

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17 Kommentare

  1. Der Schum­peter ist der Racheen­gel. Da sind gewisse Kreise noch stock­sauer, dass man ab den 80igern mal klargestellt hat, dass staatliche getra­gene Zom­bi­un­ternehmen bess­er weichen soll­ten, um Platz für den Markt zu machen. Unverzeih­lich. Das war Hochver­rat an Marx, Engels, Mao und an allem, was heilig ist, also am einzig wahren Kom­mu­nis­mus. Diese Kap­i­tal­is­ten wer­den dafür bluten und der Schum­peter muss sich so lange im Grab drehen, bis er dem let­zten Unternehmer mit Gehäs­sigkeit unter die Nase gerieben wurde, wenn ger­ade was kaputt gegan­gen ist. 

    Die Süd­deutsche ken­nt gar keinen Hass. Die Jour­nal­is­ten dort atmen Liebe.

  2. Wozu gibt es noch die Süd­deutsche? Wer braucht sie noch? Ich war
    jahre­lang eine treue Leserin, denn es war eine gute Zeitung. Vor etlichen(?) Jahren, als ihr Niveau zu sinken begann, hörte ich langsam mit der Lek­türe auf und seit Jahren lese ich sie nicht mehr. Manch­mal, im Kaf­fee­haus, gucke ich hinein und stelle jedes­mal fest, wie schlimm der Niveau­ver­lust ist. Schade, sehr schade.
    lg
    caruso

  3. „Stu­di­en aus den USA“ …„aus gut unter­richteten Kreisen“
    und grad neulich gefunden:
    “Medi­en­berichte stützen das”
    Dann ist ja alles klar.
    Da hat wohl ein­er zu tief in die Glaskugel, resp. ins Glas geschaut und macht einen auf Relotius. So ein Dumm­schwätzer, riecht verdächtig nach ein­er Auftragsarbeit…

  4. Recht­san­walt Dr. Fuellmich mah­nt Prof. Drosten ab:

    „Unsere Man­dan­tin erlitt und erlei­det durch die grob unver­hält­nis­mäßi­gen und ohne evi­denzbasiertes Fun­da­ment ver­hängten Maß­nah­men zur Eindäm­mung der COVID-19-Pan­demie erhe­blichen Schaden. Für diesen Schaden sind Sie per­sön­lich ver­ant­wortlich, weil Sie als eine der Per­so­n­en, die sich in erhe­blich­er und entschei­den­der Weise in die Beratung der Poli­tik eingeschal­tet haben, vorsät­zlich falsche Tat­sachen behauptet haben und immer noch behaupten sowie – eben­falls vorsät­zlich – wesentliche Tat­sachen ver­schwiegen haben und immer noch ver­schweigen. Namens und im Auf­trag unser­er Man­dan­tin nehmen wir Sie darauf in Anspruch, Ihren fehler­haften Beitrag zur Poli­tik­ber­atung im Zusam­men­hang mit der COVID-19-Krise richtigzustellen sowie unser­er Man­dan­tin den bere­its ent­stande­nen Schaden zu ersetzen.
    (…)
    Wir machen hier­mit namens und im Auf­trag unser­er Man­dan­tin einen Teil­be­trag von € 50.000 gel­tend. Wir fordern Sie namens und im Auf­trag unser­er Man­dan­tin auf, diesen Betrag zu unseren Hän­den auf das im Briefkopf angegebene Bankkon­to an unsere Man­dan­tin zu zahlen, Emp­fangsvoll­macht wird anwaltlich ver­sichert. Ihrer Zahlung sehen wir ent­ge­gen bis zum 22.12.2020.

    Außer­dem fordern wir Sie auf, die fol­gen­den Äußerun­gen gegenüber den poli­tisch Ver­ant­wortlichen und gegenüber der Öffentlichkeit zu berichtigen:
    • Stellen Sie klar, dass es keinen Grund für die Annahme gibt, SARS CoV‑2 könne eine unkon­trol­lier­bare Anzahl von Toten und Inten­siv­pa­tien­ten verursachen!
    • Stellen Sie klar, dass die Fall­studie im New Eng­land Jour­nal of Med­i­cine vom 5. März 2020, an der Sie beteiligt waren und die ange­blich eine asymp­to­ma­tis­che Ansteck­ungs­ge­fahr bele­gen soll, auf ein­er falschen Daten­grund­lage beruht und daher längst hätte zurück­ge­zo­gen wer­den müssen!
    • Stellen Sie klar, dass ein pos­i­tiv­er PCR-Test keine aktive Infek­tion nach­weisen kann und daher nicht geeignet ist, für sich allein eine COVID-19-Diag­nose zu begründen!
    • Stellen Sie klar, dass kollek­tive Frei­heits­beschränkun­gen keine Gewähr bieten, irgend etwas zur Eindäm­mung des Aus­bre­itungs­geschehens beizu­tra­gen, wohl aber nach­weis­bar mas­sive Kol­lat­er­alschä­den verursachen!

    Wir fordern Sie fern­er auf, Ihre bish­eri­gen gegen­teili­gen Äußerun­gen in Zukun­ft zu unter­lassen. Die Poli­tik darf nicht länger mit wis­senschaftlich man­gel­haften Infor­ma­tio­nen berat­en wer­den. Und die Öffentlichkeit darf nicht länger mit solchen Infor­ma­tio­nen verun­sichert werden.Wir fordern Sie daher auf, eben­falls bis zum 22.12.2020 die diesem Schreiben beige­fügte straf­be­wehrte Unter­las­sungs-und Verpflich­tungserk­lärung abzugeben.

    Soll­ten Sie unser­er oben aus­ge­sproch­enen Auf­forderung nicht nachkom­men, wird eine gerichtliche Auseinan­der­set­zung unver­mei­dlich wer­den. Im Rah­men dieser Auseinan­der­set­zung wird die ganze Wahrheit über den Lock­down zum Gegen­stand ein­er gerichtlichen Beweisauf­nahme werden.“

    Das gesamte Abmah­nungss­chreiben mit aus­führlich­er Begrün­dung siehe:
    https://www.docdroid.net/SQjYcOf/abmahnschr-v-151220-pdf

  5. Herr Letsch
    Es ist so schön ihnen nicht zus­tim­men zu dür­fen ohne gle­ich ver­haftete und an die Wand gestellt zu werden.
    Das ist näm­lich der übernäch­ste Schritt,den Sie gehen werden.Ihre Welt wird wird immer klein­er und unsy­patis­ch­er Dummheit hat immer Recht. Aber auch ihrer Mei­n­ung darf noch gehört werden

  6. Bin in Regens­burg in einem Straßen­café aufge­s­tanden um zu gehen und sah beim manövri­eren durch die Tis­che der anderen Gäste einen gut situ­ierten Her­ren die Süd­deutsche in Papier­form lesen. Da sagt ich laut zu mein­er Frau: „oje, schau, da liest noch ein­er die Süd­deutsche! Das es sowas noch gibt.“
    Den rat­losen Blick des Her­rn war köstlich!

  7. Ein Leit­er der Wirtschaft­sredak­tion ein­er grösseren Tageszeitung veröf­fentlicht dies? Mir wir bang und bänger.…

    • Muss es nicht. Das hat mit Jour­nal­is­mus schon lange nichts mehr zu tun, die Damen und Her­ren fungieren seit ger­aumer Zeit nur noch als Igno­ranz-zu-Arro­ganz Wan­dler und/oder als Gesin­nungspumpen. Mehr ist da nicht. Unsere jour­nal­is­tis­chen “Eliten” (von ein paar Aus­nah­men und Lokalblät­tern abge­se­hen) sind nur noch insofern “Elite”, als sie die wirk­lichkeits­fern­ste und dadurch real dümm­ste Bevölkerungss­chicht darstellen.

  8. Mein Gott, Herr Letsch: Was erwarten Sie von einem kom­mu­nis­tis­chen Kampf­blatt? Exper­tise im Bere­ich Wirtschaft? Die ist selb­st der einst bürg­er­lichen FAZ abhan­den gekom­men. Ich habe die SZ früher mitun­der im Flugzeug gele­sen (lag da rum). Danach hat­te ich jedes Mal das Gefühl, ich hätte das „Neue Deutsch­land“ in der Hand gehabt.

  9. Nie­mand braucht die “Sued­deutsche Zeitung”. Auss­er ihren Beschäftigten, bzw. eh durch “Recherche­ver­bünde” eh schon sub­ven­tion­ierten Kost­gängern. Jour­nal­is­mus ist das alles nicht mehr.
    Btw.… das Gegen­stück zum medi­al so beliebten “Covid­iot” oder “Coro­naleugn­er” ist der den total­itären Durch­griff des Staats, den total­en Lock­down ver­her­rlichende “Coro­n­azi”.

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