Deutschland braucht die SZ nichtEs gibt vie­le gesen­de­te und geschrie­be­ne Zumu­tun­gen im „Coro­na­jahr Null“. Da sind die Panik­ma­cher, wel­che in Talk­shows und bei der täg­li­cher Zah­len­akro­ba­tik ver­su­chen, den Stress­le­vel nach dem Mot­to hoch­zu­hal­ten: bloß kei­ne posi­ti­ven Nach­rich­ten, die Men­schen könn­ten beim Hoff­nung schöp­fen zu tief ein­at­men oder sich in die Arme fal­len. Dann natür­lich die Schar­la­ta­ne auf allen Sei­ten, die genau zu wis­sen vor­ge­ben, was wie und wann zu tun sei. Man müs­se nur genau das tun, was sie sagen, dann sei die Ret­tung gewiss. Am schlimms­ten sind jedoch all jene, die auf die eine oder ande­re Art „Coro­na als Chan­ce“ für wel­che Art von „Gre­at Reset“ auch immer begrei­fen. In die­se Rubrik fällt auch ein selt­sa­mer Arti­kel der Süd­deut­schen Zei­tung vom 14.12.2020, der bereits im Titel mit einer schal­len­den Ohr­fei­ge beginnt: „Die Wirt­schaft braucht den Lock­wown“. Dass der Arti­kel von Marc Bei­se kommt, sei­nes Zei­chens Lei­ter der Wirt­schafts­re­dak­ti­on bei der SZ, macht fas­sungs­los und stellt die Fra­ge, wozu man bei der Süd­deut­schen Zei­tung über­haupt eine Wirt­schafts­re­dak­ti­on hat. Was der Arti­kel ent­hält, hät­te genau­so gut im Feuil­le­ton oder im Horo­skop erör­tert wer­den kön­nen. Nach­fol­gend eini­ge Zitat aus dem Arti­kel und mei­ne Gedan­ken dazu.

Entschiedenheit als Stabilität?

„Deutsch­land braucht öko­no­mi­sche Sta­bi­li­tät. Dafür ist poli­ti­sche Ent­schie­den­heit nötig. Genau das leis­ten die neu­en Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Pandemie.“

Was für eine abso­lu­tis­ti­sche Feld­her­ren­lo­gik! Für öko­no­mi­sche Sta­bi­li­tät braucht es vor allem poli­ti­sche Bere­chen­bar­keit. Wenn die Poli­tik im letz­ten Jahr eines unter Beweis gestellt hat, dann ihre Unbe­re­chen­bar­keit. Deutsch­land hat sich dem Pri­mat „Gesund­heit für alle um jeden Preis“ unter­wor­fen, wird das Ver­spre­chen der Unsterb­lich­keit aber kaum ein­lö­sen kön­nen. Die öko­no­mi­sche Sta­bi­li­tät, die sich ja erst dann wirk­lich ein­stellt, wenn die Ein­grif­fe durch den Staat klug, lang­fris­tig, neu­tral und mil­de aus­fal­len, hat man die­sem Pri­mat geopfert.

Was Bei­se hier öko­no­mi­sche Sta­bi­li­tät nennt, ist in Wirk­lich­keit etwas ganz anders: Beru­hi­gung, Bestechung und das Ver­spre­chen auf Scha­dens­er­satz für jene, die gute Dräh­te zur Poli­tik haben. Dazu der Deutsch­land-ist-reich-Fie­ber­traum, mit vol­ler Hose gut stin­ken zu kön­nen. Inwie­weit die poli­ti­schen Maß­nah­men aber über­haupt der Ein­däm­mung der Pan­de­mie die­nen (kön­nen), ist eine Lang­zeit­fra­ge, die noch nicht beant­wor­tet ist. Im Zwei­fel wird sich sicher jemand bei der Süd­deut­schen Zei­tung fin­den, der in einem wohl­wol­len­den Kom­men­tar fest­stellt, dass die Lage zwar schlimm sei, es ohne den Kanz­le­rin­nen­bo­nus Deutsch­lands aber sicher noch viel schlim­mer gekom­men wäre. Unbe­weis­bar! Doch damit schlägt man leicht jede Kri­tik nie­der, solan­ge nicht in Par­al­lel­uni­ver­sen der Gegen­be­weis geführt wer­den kann. So kann Poli­tik nie irren. Absur­der geht es nicht.

Die nicht anders können

„Denn wer die Sta­tis­ti­ken lesen kann, die Dyna­mik der Aus­brei­tung des Virus ver­steht, die Lage in den Kran­ken­häu­sern kennt und die Gesell­schaft nicht in zwei Grup­pen auf­tei­len will, in die, die das schon alles über­le­ben wer­den, und die ande­ren, die eben auf der Stre­cke blei­ben — wer also all das klug und mit­füh­lend bewer­tet, der dürf­te doch gar nicht anders kön­nen, als den teil­wei­sen Still­stand des Lebens in den kom­men­den Wochen rich­tig zu finden.“

Wer die „Dyna­mik der Aus­brei­tung des Virus“ wirk­lich ver­steht, möge bit­te vor­tre­ten. Gäbe es so jeman­den, müss­ten unse­re Poli­ti­ker nicht jeden Tag ihre Reden, Ver­spre­chen und Beschlüs­se von Vor­ges­tern mit Essig und Öl ver­spei­sen. Wobei das Öl nur in ihren Aus­flüch­ten zu fin­den ist, der Essig bleibt für alle ande­ren. Auch bin ich es leid, mir immer wie­der vor­wer­fen zu las­sen, jede Kri­tik, jede Unwil­lig­keit, die her­un­ter­ge­reich­ten Maß­nah­men freu­dig und ohne zu mur­ren umzu­set­zen, wäre ein Mord­ver­such an der Genera­ti­on der Großeltern.

Die Ein­tei­lung in Über­le­ben­de und auf der Stre­cke Blei­ben­de trifft auch nicht nur Infi­zier­te, son­dern die gan­ze Gesell­schaft. Die ver­hee­ren­den Tref­fer dort wer­den uns stets als für das höhe­re Wohl hin­nehm­ba­rer Kol­la­te­ral­scha­den ver­kauft. Es ist eine Frech­heit zu erwar­ten, dies rich­tig fin­den zu müs­sen. Aus den Kran­ken­häu­sern errei­chen uns übri­gens sehr unter­schied­li­che Nach­rich­ten über die Lage dort, was natür­lich nicht hei­ßen soll, dass Ent­war­nung gege­ben wer­den kann. Aber es schein ja so zu sein, dass kein Alarm, die Inten­siv­bet­ten wür­den knapp, zu mehr Inten­siv­bet­ten geführt hat. Das sehe zumin­dest ich, wenn ich Sta­tis­ti­ken lese.

Wie der Lockdown die Wirtschaft schützt

„In Wirk­lich­keit schützt gera­de der Lock­down die Wirt­schaft. Das ist also ein wei­te­res Argu­ment dafür, dass die jetzt beschlos­se­nen Maß­nah­men rich­tig sind. Nicht trotz ihrer Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft, son­dern gera­de wegen die­ser Aus­wir­kun­gen. […] Zunächst wird ja in der Indus­trie und vie­len ande­ren Berei­chen wei­ter gear­bei­tet. Und der Still­stand zum Jah­res­en­de fällt in eine Pha­se, in der das pro­du­zie­ren­de Gewer­be, von des­sen Gedei­hen der deut­sche Wohl­stand maß­geb­lich abhängt, jah­res­zeit­lich bedingt ohne­hin gedimmt ist.“

Die Erklä­rung, wie genau der Lock­down die Wirt­schaft schützt, muss wohl dem Lek­to­rat zum Opfer gefal­len sein. Bei­se arbei­tet ab hier mit einem Beweis, den er nie geführt hat. Vom Him­mel muss ihm die Erkennt­nis gefal­len sein. Viel­leicht auf den Flü­geln des par­la­men­ta­ri­schen Schutz­en­gels, der sei­ner Bran­che der hal­tungs­kor­rek­ten Ver­to­ner unbe­que­mer Regie­rungs­nach­rich­ten die fro­he Bot­schaft in Form üppi­ger staat­li­cher Ret­tungs­gel­der über­bracht hat. Oder gilt hier die alte Apo­the­ker­weis­heit, dass nur bit­te­re Medi­zin auch wirke?

Dann wür­de ich sagen, lasst uns doch ein­fach noch ein paar wei­te­re Schmer­zen ver­ur­sa­chen! Wir könn­ten die Ener­gie­wirt­schaft in den Ruin trei­ben oder die Auto­in­dus­trie mit uner­füll­ba­ren Vor­ga­ben in der Euro 7 Norm zur Geschäftsaufgabe…ach, ich ver­gaß: das läuft ja schon. Es wird also span­nend blei­ben, zu beob­ach­ten, wie die Wirt­schaft sich über die zusätz­li­che Coro­na-The­ra­pie zur Stär­kung ihres Immun­sys­tems freu­en wird. Bei­se beschreibt die Indus­trie als eine Art mythi­sche, aber anony­me „deut­sche Kon­stan­te“ wie den Wald und ver­gisst dabei, dass die Indus­trie seit Jah­ren durch aktio­nis­ti­sche Poli­tik von allen Sei­ten gefällt wird, wäh­rend man ihren gefäll­ten „Bäu­men“ vor­wirft, sich der Axt nicht schnell genug ange­passt zu haben. Zu den ohne­hin bestehen­den und absichts­voll her­bei­ge­führ­ten Schwä­chen des „ewi­gen“ deut­schen Wirtschafts-„Waldes“ kommt nun noch der Bor­ken­kä­fer Lock­down hinzu.

Das pro­du­zie­ren­de Gewer­be, von dem Bei­se spricht, ist zudem ers­tens nicht der ein­zi­ge Wirt­schafts­sek­tor und zwei­tens fin­det ein prin­zi­pi­el­les „Her­un­ter­dim­men“ gar nicht statt. Für man­che Bran­chen ist der Dezem­ber die Haupt­sai­son, für eini­ge sogar die ein­zi­ge – auch wenn das für einen Autor, der im Home­of­fice arbei­ten kann und sei­ne Ein­käu­fe bei Ama­zon erle­digt, kaum vor­stell­bar ist.

Vom Wollen und Können

„Es ist fer­ner selbst­ver­ständ­lich, dass man denen hel­fen muss, die jetzt in Not geraten.“

Aber das ist eben nicht selbst­ver­ständ­lich, weil die Poli­tik schon aus Kapa­zi­täts­grün­den all­ge­mein­gül­ti­ge Regeln auf­stel­len muss, an denen vie­le Ein­zel­fäl­le zer­bre­chen. Die berühm­ten „Novem­ber­hil­fen“ für die Gas­tro­no­mie waren bei­spiels­wei­se an die Vor­jah­res­um­sät­ze gekop­pelt. Wer im Novem­ber 2019 aber kei­ne hat­te, weil der Laden erst im Janu­ar 2020 eröff­net wur­de, fällt hier schon mal durch alle Ras­ter. Es gibt tau­sen­de sol­cher Aus­schlüs­se und Absur­di­tä­ten, an die der Gesetz­ge­ber nicht gedacht hat und an die er im Detail auch nicht den­ken konn­te. Ich unter­stel­le da kei­ne Absicht. Der Staat muss zwangs­läu­fig an der Klein­tei­lig­keit und Kom­ple­xi­tät der Auf­ga­be schei­tern, wie er das in der Geschich­te immer getan hat. Eine extrem viel­fäl­ti­ge Markt­wirt­schaft mit Not­fall­de­kre­ten in eine Pan­de­mie­plan­wirt­schaft zu über­füh­ren, wird selbst­ver­ständ­lich eine Schnei­se der Ver­wüs­tung in der Wirt­schaft hinterlassen.

Schumpeter als Kai aus der Kiste

„Es soll und muss und wird mit staat­li­chen Hilfs­gel­dern, die das rei­che Deutsch­land sich leis­ten kann, eine Brü­cke in die Zeit gebaut wer­den, wenn Coro­na zurück­ge­drängt sein wird. Das viel­zi­tier­te Wort des Öko­no­men Joseph Alo­is Schum­pe­ter von der „schöp­fe­ri­schen Kraft der Zer­stö­rung“ ist auf den „nor­ma­len“ Struk­tur­wan­del zu bezie­hen, nicht auf über­fall­ar­ti­ge Kata­stro­phen. Dafür hat die Poli­tik jetzt erneut eine Rei­he von Maß­nah­men beschlos­sen, über die man im Ein­zel­nen dis­ku­tie­ren kann, die aber im Grund­satz rich­tig sind.“

Kre­di­te sind in der Tat Brü­cken in die Zeit. Doch am Ende muss immer jemand für Stahl und Beton bezah­len und ob die Brü­cke über­haupt trägt, wis­sen wir noch gar nicht: ihre Archi­tek­ten sind Poli­ti­ker! War­um Bei­se hier zudem Schum­pe­ters schöp­fe­ri­sche Kraft der Zer­stö­rung anbrin­gen muss­te, weiß wohl nur er allein. Nie­mand behaup­tet, dass eine schöp­fe­ri­sche Kraft am Werk wäre, wenn man Coro­na „ein­fach so lau­fen“ lie­ße! Bei­se ver­gisst oder ver­drängt, dass die „Lex Schum­pe­ter“ im Null­zins­ha­bi­tat der EZB ohne­hin seit Jah­ren außer Kraft gesetzt ist. Die Geld-Ven­ti­le waren ja schon vor Coro­na offen. Es ist sogar wahr­schein­lich, dass unpro­duk­ti­ve Fir­men, die bei funk­tio­nie­ren­den Märk­ten schon seit Jah­ren in der Schum­pe­terhöl­le schmo­ren müss­ten, sehr viel leich­ter an Geld kom­men: Wer täg­lich Liqui­di­tät braucht, weiß wo die Quel­len sind.

Auf dem Weg in die Planwirtschaftshölle

„In den USA ist zu sehen: Strik­te Maß­nah­men behin­dern die Wirt­schaft nicht. […] Eine belieb­te For­de­rung von Unter­neh­mern gegen­über der Poli­tik lau­tet: lie­ber eine schlech­te poli­ti­sche Ent­schei­dung als gar kei­ne. Und das gilt sogar für Ver­brau­cher, auch sie sind Teil der Wirtschaft.“

Noch­mal das Zitat, weil man es bei ein­ma­li­gem Lesen kaum glau­ben kann. Die Wirt­schaft for­dert also: bes­ser schlech­te Ent­schei­dun­gen als gar kei­ne? Das klingt wie die per­fek­te Pau­schal-Ent­schul­di­gung für dum­me Poli­tik. Kommt also gewis­ser­ma­ßen als Erklä­rung für den Ist-Zustand der aktu­el­len Poli­ti­ker­kas­te gut hin. Doch ich bezweif­le, dass die Wirt­schaft dies tat­säch­lich von der Poli­tik for­dert. Oder hat Bei­se hier einen schö­nen Euphe­mis­mus für die Regel gefun­den, dass die schlech­tes­te von zwei poli­ti­schen Alter­na­ti­ven immer die Zah­lung von Sub­ven­tio­nen ist, über die sich Unter­neh­men noch nie beklagt haben, wenn sie nur genug davon erhalten?

„Ein Drit­tel der Befrag­ten [in einer Umfra­ge der Bun­des­bank] schränkt den Kon­sum aus Sor­ge vor Anste­ckung ein. Abge­se­hen davon, dass das für einen kräf­ti­gen Nach­hol­ef­fekt im kom­men­den Jahr spricht, zeigt es, wie sehr Coro­na auch das wirt­schaft­li­che Han­deln beeinflusst.“

Zwei Drit­tel der von der Bun­des­bank Befrag­ten tun offen­bar das Gegen­teil und zie­hen erheb­lich Kon­sum vor. Dafür sor­gen die tem­po­rär gesenk­te Mehr­wert­steu­er und das Damo­kles­schwert der CO2-Steu­er, die im Janu­ar bei­de zuschla­gen wer­den. Woher der „kräf­ti­ge Nach­hol­ef­fekt“ also kom­men soll, bleibt völ­lig unklar. Vie­le Kon­su­men­ten und Unter­neh­mer haben zudem ihre Reser­ven auf­ge­braucht, um über die Run­den zu kom­men. In mei­nem Bekann­ten­kreis (Ach­tung, rei­ne Empi­rie, kei­ne Evi­denz) sehe ich eher den Trend, das Geld aus­zu­ge­ben, solan­ge es „noch was wert“ ist. Im Zwei­fels­fall kauft man lie­ber Akti­en oder Immo­bi­li­en, obwohl in allen Ver­mö­gens­wer­ten die Infla­ti­on gras­siert. Kaum jemand steht in den Start­lö­chern, um den gewünsch­ten „Nach­hol­ef­fekt“ anrol­len zu las­sen, wenn die Kanz­le­rin eines schö­nen Tages im März April Mai 2022 vor die Pres­se tritt und sagt: „Sie dür­fen jetzt wie­der raus­kom­men, die Übung ist vorbei“.

Die psy­cho­lo­gi­sche Schwarz­ma­le­rei von Medi­en und Poli­tik lässt die Men­schen in Unsi­cher­heit ver­har­ren. Nach und nach ver­fliegt jeder Opti­mis­mus und jede Initia­ti­ve. Lethar­gie macht sich breit und legt sich wie ein dicker Teig über alles. Jede Initia­ti­ve war­tet auf amt­li­ches Pla­zet, denn jede spon­ta­ne Bewe­gung heu­te kann mor­gen schon als ver­früht, unnütz oder gefähr­lich klas­si­fi­ziert wer­den. Kaum jemand traut sich, den Stein vom eige­nen Grab weg­zu­rol­len und der ängst­li­che Staat wagt es auch nicht, „kommt her­aus“ zu rufen. Eine Wie­der­auf­er­ste­hung könn­te also lan­ge ausbleiben.

„Es ist illu­sio­när zu glau­ben, die Wirt­schaft könn­te wei­ter boo­men, wäh­rend sich das Virus durchs Land frisst.“

Es geht auch nicht dar­um, dass die Wirt­schaft „wei­ter boo­men“ soll, wäh­rend sich „das Virus durchs Land frisst“. Ganz abge­se­hen von der mor­bi­den und das Leben ankla­gen­den Rhe­to­rik wür­de es viel mehr dar­auf ankom­men, die Maß­nah­men selbst­be­stimm­ter und eigen­ver­ant­wort­li­cher durch­füh­ren zu las­sen, damit so wenig Gesell­schaft wie mög­lich reani­miert wer­den muss. Jeder, der selbst und ohne staat­li­che Füh­rung und Sub­ven­ti­on ans ret­ten­de Ufer kom­men kann, ver­klei­nert die Bau­kos­ten der „Brü­cke“, die uns in der Zukunft zwangs­läu­fig erwarten.

Statt­des­sen hat man gan­ze Wirt­schafts­zwei­ge pau­schal zum Risi­ko­pa­ti­en­ten erklärt und aus Angst vor dem Tod zum Selbst­mord gezwun­gen. Das Feu­er­werks­ver­bot an Sil­ves­ter wur­de bei­spiels­wei­se damit begrün­det, die Not­auf­nah­men der Kli­ni­ken ent­las­ten zu wol­len. Nun befürch­tet man, das Ver­bot kön­ne dazu füh­ren, dass es zu noch mehr und schwe­re­ren Feu­er­werks-Unfäl­len kom­men könn­te, weil zur Unver­nunft nei­gen­de nun mit dem Bas­teln anfan­gen wür­den. Das Ergeb­nis die­ser Ein­zel­maß­nah­me könn­te also sein, dass mehr Ver­letz­te in Kli­ni­ken lie­gen und alle Feu­er­werks­her­stel­ler plei­te sind. So kann aus einer gut gemein­ten und nach­voll­zieh­ba­ren Maß­nah­me eine Kata­stro­phe wer­den. Das ist nur ein Bei­spiel, aber es zeigt deut­lich, wie „gut“ sol­che staat­li­chen Pau­schal­ein­grif­fe der Wirt­schaft wirk­lich tun. Oder, um Dan­te zu bemü­hen: Der Weg in die Plan­wirt­schafts­höl­le ist mit guten Vor­sät­zen gepflastert.

Die Wissenschaft hat festgestellt…

„Stu­di­en aus den USA, wo die Bun­des­staa­ten in der Ära Trump sehr unter­schied­lich auf Coro­na reagiert haben, bele­gen das. In Regio­nen mit strik­ten Maß­nah­men lief die Wirt­schaft nicht schlech­ter als dort, wo der Staat die Din­ge lau­fen ließ.“

„Stu­di­en aus den USA“ ist eine eben­so nebe­li­ge Schlin­gel­for­mu­lie­rung wie „aus gut unter­rich­te­ten Krei­sen“. Bele­ge lie­fert die Süd­deut­schen Zei­tung auch hier kei­ne. Mei­ne Beob­ach­tun­gen der Situa­ti­on in den Staa­ten decken sich jeden­falls nicht mit der Behaup­tung der SZ. Gera­de was den pri­va­ten Sek­tor der Wirt­schaft und spe­zi­ell klei­ne Unter­neh­men angeht. Die Fra­ge „Lock­down“ oder nicht war in den Staa­ten vor allem eine Fra­ge der Bevöl­ke­rungs­dich­te, in zwei­ter Linie eine der Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit der Gou­ver­neu­re, wor­aus sich eine Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on gegen den Lock­down­geg­ner Trump ergab. Fakt ist: die Men­schen flo­hen und flie­hen dort aus den Groß­städ­ten und ob sich Städ­te wie New York, Los Ange­les oder San Fran­cis­co schnell von die­sem Exo­dus wer­den erho­len kön­nen, ist völ­lig offen. Das Dilem­ma lau­tet zusam­men­ge­fasst: Je grö­ßer die Stadt, umso höher die kom­mu­na­len Steu­ern, die man für Lebens­qua­li­tät zahlt, denen man sich bei sin­ken­der Lebens­qua­li­tät aber durch Weg­zug ent­zie­hen kann.

Je weni­ger Men­schen noch in der Stadt leben, umso höher wer­den die Steu­ern für die dort geblie­be­nen sein, schließ­lich ver­lässt die teu­re Infra­struk­tur die Stadt nicht. Je höher jedoch die Steu­ern wer­den, umso weni­ger Anrei­ze gibt es, wie­der zurück in die Stadt zu kom­men. Wer jedoch glaubt, in den (urba­nen) Gebie­ten mit strik­ten Lock­down-Maß­nah­men lau­fe es bes­ser als sagen wir in South Dako­ta, hat wohl vor allem zu vie­le selbst­be­weih­räu­chern­de Gou­ver­neu­re wie Gavin New­som aus Kali­for­ni­en oder Andrew Cuo­mo aus New York bei CNN gese­hen. Der Mega­trend für die inter­na­tio­na­le Unter­neh­men hat sich durch Coro­na und die Regie­rungs­maß­nah­men auf Ebe­ne der Bun­des­staa­ten nur noch ver­stärkt: raus aus den gro­ßen Bal­lungs­zen­tren, raus aus her­un­ter­ge­wirt­schaf­te­ten „Blue Sta­tes“. Boe­ing ver­legt Wer­ke weg von Washing­ton Sta­te, Ora­cle und Tes­la ver­las­sen Kali­for­ni­en und ich wür­de mich nicht wun­dern, wenn auch App­les futu­ris­ti­sches Head­quar­ter irgend­wann die flie­gen­de Unter­tas­se macht.

„Nament­lich der wirt­schaft­li­che Erfolg Deutsch­lands ver­dankt sich immer auch sta­bi­len Rah­men­be­din­gun­gen, dem Gefühl: Hier klap­pen die Din­ge, mehr oder weni­ger, gut. Das wird begrün­det mit man­cher Inves­ti­ti­on aus dem Aus­land oder sol­chen, die im Inland blei­ben trotz attrak­ti­ver Ange­bo­te anders­wo. Ein Land in einem lang anhal­ten­den laten­ten Kri­sen­mo­dus funk­tio­niert aber nicht mehr.“

In die­sem Absatz wider­legt Bei­se das gesam­te Ela­bo­rat sei­nes Arti­kels schließ­lich selbst. Dass die „Din­ge“ in Deutsch­land näm­lich noch mehr oder weni­ger gut funk­tio­nie­ren, ver­dankt sich gera­de nicht poli­ti­schem Han­deln, son­dern eher der Träg­heit und Wider­spens­tig­keit von Bür­gern, Wirt­schaft und Ver­wal­tung. Die Din­ge funk­tio­nie­ren „obwohl“ und „trotz­dem“ oder wan­dern mitt­ler­wei­le ins Infor­mel­le, in die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on ab. Der nächs­te Schritt auf der schie­fen Ebe­ne in Rich­tung Plan­wirt­schaft wäre übri­gens, dass die Regie­rung die­sen infor­mel­len Sek­tor ins Kal­kül zieht. Ach­ten Sie also auf ers­te Anzei­chen, lie­be Leser.

Doch ver­mut­lich glaubt Bei­se, dass auch schlech­te oder unpo­pu­lä­re Ent­schei­dun­gen Inves­to­ren als „sta­bi­le Rah­men­be­din­gun­gen“ anlo­cken. Deutsch­land, ein Land, in dem die Regie­rung Ent­schei­dun­gen fällt, die das Volk brav umsetzt, mögen sie auch noch so schlecht sein. Chi­na lässt schön grü­ßen! Eigent­lich ist es scha­de, dass die SZ schon vor Jah­ren zum Fron­tal­un­ter­richt zurück­ge­kehrt ist und unter ihren Arti­keln nicht mehr ihre Leser nach deren Mei­nung fragt. Ich wür­de doch zu gern wis­sen, wie vie­le Leser nach die­sem Arti­kel glau­ben, die Süd­deut­schen Zei­tung noch zu brau­chen. Brauch­bar war an Bei­ses Arti­kel in mei­nen Augen nur die­ser Satz: Ein Land in einem lang anhal­ten­den laten­ten Kri­sen­mo­dus funk­tio­niert nicht. 

Jeden­falls nicht lang genug, um die Kri­se zu überwinden.

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17 Kommentare

  1. Der Schum­pe­ter ist der Rache­en­gel. Da sind gewis­se Krei­se noch stock­sauer, dass man ab den 80igern mal klar­ge­stellt hat, dass staat­li­che getra­ge­ne Zom­bi­un­ter­neh­men bes­ser wei­chen soll­ten, um Platz für den Markt zu machen. Unver­zeih­lich. Das war Hoch­ver­rat an Marx, Engels, Mao und an allem, was hei­lig ist, also am ein­zig wah­ren Kom­mu­nis­mus. Die­se Kapi­ta­lis­ten wer­den dafür blu­ten und der Schum­pe­ter muss sich so lan­ge im Grab dre­hen, bis er dem letz­ten Unter­neh­mer mit Gehäs­sig­keit unter die Nase gerie­ben wur­de, wenn gera­de was kaputt gegan­gen ist. 

    Die Süd­deut­sche kennt gar kei­nen Hass. Die Jour­na­lis­ten dort atmen Liebe.

  2. Wozu gibt es noch die Süd­deut­sche? Wer braucht sie noch? Ich war
    jah­re­lang eine treue Lese­rin, denn es war eine gute Zei­tung. Vor etli­chen(?) Jah­ren, als ihr Niveau zu sin­ken begann, hör­te ich lang­sam mit der Lek­tü­re auf und seit Jah­ren lese ich sie nicht mehr. Manch­mal, im Kaf­fee­haus, gucke ich hin­ein und stel­le jedes­mal fest, wie schlimm der Niveau­ver­lust ist. Scha­de, sehr schade.
    lg
    caruso

  3. „Stu­di­en aus den USA“ …„aus gut unter­rich­te­ten Kreisen“
    und grad neu­lich gefunden:
    „Medi­en­be­rich­te stüt­zen das“
    Dann ist ja alles klar.
    Da hat wohl einer zu tief in die Glas­ku­gel, resp. ins Glas geschaut und macht einen auf Relo­ti­us. So ein Dumm­schwät­zer, riecht ver­däch­tig nach einer Auftragsarbeit…

  4. Rechts­an­walt Dr. Fuell­mich mahnt Prof. Dros­ten ab:

    „Unse­re Man­dan­tin erlitt und erlei­det durch die grob unver­hält­nis­mä­ßi­gen und ohne evi­denz­ba­sier­tes Fun­da­ment ver­häng­ten Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der COVID-19-Pan­de­mie erheb­li­chen Scha­den. Für die­sen Scha­den sind Sie per­sön­lich ver­ant­wort­lich, weil Sie als eine der Per­so­nen, die sich in erheb­li­cher und ent­schei­den­der Wei­se in die Bera­tung der Poli­tik ein­ge­schal­tet haben, vor­sätz­lich fal­sche Tat­sa­chen behaup­tet haben und immer noch behaup­ten sowie – eben­falls vor­sätz­lich – wesent­li­che Tat­sa­chen ver­schwie­gen haben und immer noch ver­schwei­gen. Namens und im Auf­trag unse­rer Man­dan­tin neh­men wir Sie dar­auf in Anspruch, Ihren feh­ler­haf­ten Bei­trag zur Poli­tik­be­ra­tung im Zusam­men­hang mit der COVID-19-Kri­se rich­tig­zu­stel­len sowie unse­rer Man­dan­tin den bereits ent­stan­de­nen Scha­den zu ersetzen.
    (…)
    Wir machen hier­mit namens und im Auf­trag unse­rer Man­dan­tin einen Teil­be­trag von € 50.000 gel­tend. Wir for­dern Sie namens und im Auf­trag unse­rer Man­dan­tin auf, die­sen Betrag zu unse­ren Hän­den auf das im Brief­kopf ange­ge­be­ne Bank­kon­to an unse­re Man­dan­tin zu zah­len, Emp­fangs­voll­macht wird anwalt­lich ver­si­chert. Ihrer Zah­lung sehen wir ent­ge­gen bis zum 22.12.2020.

    Außer­dem for­dern wir Sie auf, die fol­gen­den Äuße­run­gen gegen­über den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen und gegen­über der Öffent­lich­keit zu berichtigen:
    • Stel­len Sie klar, dass es kei­nen Grund für die Annah­me gibt, SARS CoV‑2 kön­ne eine unkon­trol­lier­ba­re Anzahl von Toten und Inten­siv­pa­ti­en­ten verursachen!
    • Stel­len Sie klar, dass die Fall­stu­die im New Eng­land Jour­nal of Medi­ci­ne vom 5. März 2020, an der Sie betei­ligt waren und die angeb­lich eine asym­pto­ma­ti­sche Anste­ckungs­ge­fahr bele­gen soll, auf einer fal­schen Daten­grund­la­ge beruht und daher längst hät­te zurück­ge­zo­gen wer­den müssen!
    • Stel­len Sie klar, dass ein posi­ti­ver PCR-Test kei­ne akti­ve Infek­ti­on nach­wei­sen kann und daher nicht geeig­net ist, für sich allein eine COVID-19-Dia­gno­se zu begründen!
    • Stel­len Sie klar, dass kol­lek­ti­ve Frei­heits­be­schrän­kun­gen kei­ne Gewähr bie­ten, irgend etwas zur Ein­däm­mung des Aus­brei­tungs­ge­sche­hens bei­zu­tra­gen, wohl aber nach­weis­bar mas­si­ve Kol­la­te­ral­schä­den verursachen!

    Wir for­dern Sie fer­ner auf, Ihre bis­he­ri­gen gegen­tei­li­gen Äuße­run­gen in Zukunft zu unter­las­sen. Die Poli­tik darf nicht län­ger mit wis­sen­schaft­lich man­gel­haf­ten Infor­ma­tio­nen bera­ten wer­den. Und die Öffent­lich­keit darf nicht län­ger mit sol­chen Infor­ma­tio­nen ver­un­si­chert werden.Wir for­dern Sie daher auf, eben­falls bis zum 22.12.2020 die die­sem Schrei­ben bei­gefüg­te straf­be­wehr­te Unter­las­sungs-und Ver­pflich­tungs­er­klä­rung abzugeben.

    Soll­ten Sie unse­rer oben aus­ge­spro­che­nen Auf­for­de­rung nicht nach­kom­men, wird eine gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung unver­meid­lich wer­den. Im Rah­men die­ser Aus­ein­an­der­set­zung wird die gan­ze Wahr­heit über den Lock­down zum Gegen­stand einer gericht­li­chen Beweis­auf­nah­me werden.“

    Das gesam­te Abmah­nungs­schrei­ben mit aus­führ­li­cher Begrün­dung siehe:
    https://www.docdroid.net/SQjYcOf/abmahnschr-v-151220-pdf

  5. Herr Letsch
    Es ist so schön ihnen nicht zustim­men zu dür­fen ohne gleich ver­haf­te­te und an die Wand gestellt zu werden.
    Das ist näm­lich der über­nächs­te Schritt,den Sie gehen werden.Ihre Welt wird wird immer klei­ner und unsy­pa­ti­scher Dumm­heit hat immer Recht. Aber auch ihrer Mei­nung darf noch gehört werden

  6. Bin in Regens­burg in einem Stra­ßen­ca­fé auf­ge­stan­den um zu gehen und sah beim manö­vrie­ren durch die Tische der ande­ren Gäs­te einen gut situ­ier­ten Her­ren die Süd­deut­sche in Papier­form lesen. Da sagt ich laut zu mei­ner Frau: „oje, schau, da liest noch einer die Süd­deut­sche! Das es sowas noch gibt.“
    Den rat­lo­sen Blick des Herrn war köstlich!

  7. Ein Lei­ter der Wirt­schafts­re­dak­ti­on einer grös­se­ren Tages­zei­tung ver­öf­fent­licht dies? Mir wir bang und bänger.…

    • Muss es nicht. Das hat mit Jour­na­lis­mus schon lan­ge nichts mehr zu tun, die Damen und Her­ren fun­gie­ren seit gerau­mer Zeit nur noch als Igno­ranz-zu-Arro­ganz Wand­ler und/​oder als Gesin­nungs­pum­pen. Mehr ist da nicht. Unse­re jour­na­lis­ti­schen „Eli­ten“ (von ein paar Aus­nah­men und Lokal­blät­tern abge­se­hen) sind nur noch inso­fern „Eli­te“, als sie die wirk­lich­keits­ferns­te und dadurch real dümms­te Bevöl­ke­rungs­schicht darstellen.

  8. Mein Gott, Herr Letsch: Was erwar­ten Sie von einem kom­mu­nis­ti­schen Kampf­blatt? Exper­ti­se im Bereich Wirt­schaft? Die ist selbst der einst bür­ger­li­chen FAZ abhan­den gekom­men. Ich habe die SZ frü­her mitun­der im Flug­zeug gele­sen (lag da rum). Danach hat­te ich jedes Mal das Gefühl, ich hät­te das „Neue Deutsch­land“ in der Hand gehabt.

  9. Nie­mand braucht die „Sued­deut­sche Zei­tung“. Aus­ser ihren Beschäf­tig­ten, bzw. eh durch „Recher­che­ver­bün­de“ eh schon sub­ven­tio­nier­ten Kost­gän­gern. Jour­na­lis­mus ist das alles nicht mehr.
    Btw.… das Gegen­stück zum medi­al so belieb­ten „Cov­idi­ot“ oder „Coro­nal­eug­ner“ ist der den tota­li­tä­ren Durch­griff des Staats, den tota­len Lock­down ver­herr­li­chen­de „Coro­na­zi“.

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