Ach was muss man oft von bösen Fak­ten­che­ckern hören oder lesen! So zum Bei­spiel auch von die­sen, die bei snopes die Fake­news gie­ßen. Doch genug von Wil­helm Busch, die Sache ist lus­tig genug, wenn man sie in Pro­sa fasst. Die Biden-Regie­rung hat im ver­gan­ge­nen Jahr ein För­der­pro­gramm auf­ge­legt, um das gras­sie­ren­de Dro­gen­pro­blem in den USA bes­ser in den Griff zu bekom­men. Ver­gleich­ba­res ken­nen wir aus Deutsch­land und es ist auch prin­zi­pi­ell rich­tig, wenn die Adres­sa­ten die abhän­gi­gen Kon­su­men­ten sind. Orga­ni­sa­tio­nen, die Mit­tel aus dem För­der­pro­gramm erhal­ten wol­len, hat­ten bis zum 7.2.2022 Zeit, Anträ­ge in Washing­ton zu stel­len. Eines der für för­der­wür­dig gehal­te­nen Pro­gram­me schaff­te es am 9.2. in die ame­ri­ka­ni­schen Schlag­zei­len – und zwar unab­hän­gig von deren poli­ti­scher Fär­bung. Es ging um die Finan­zie­rung eines Pro­gramms, das kos­ten­los Crack-Pfei­fen ver­tei­len woll­te, um „siche­res Rau­chen“ zu ermöglichen.

Die Vor­stel­lung, der Staat wür­de durch die Ver­tei­lung kos­ten­lo­ser Crack­pfei­fen sei­nen Teil zur Ver­brei­tung die­ser desas­trö­sen Dro­ge bei­tra­gen, ließ vie­le Medi­en – dar­un­ter News­week (hier aus dem Web­ar­chiv) – am Ver­stand der US-Regie­rung zwei­feln. Da braucht es natür­lich argu­men­ta­ti­ve Unter­stüt­zung von jeman­dem, der stets genau weiß, was Sie da drau­ßen und da drü­ben in den USA von ehren­wer­ten Regie­rungs­pro­gram­men zu hal­ten haben!

Auftritt der Faktenchecker

Snopes macht in den USA etwas das, was Cor­rec­tiv in Deutsch­land ver­sucht: sich schüt­zend vor die aus­ge­ge­be­nen und hei­li­gen Nar­ra­ti­ve wer­fen. Im Fall der Crack­pfei­fen kam snopes dann auch am 9.2.2022 (Hier das Ori­gi­nal aus dem Web­ar­chiv) pflicht­schul­digst zum Urteil „größ­ten­teils falsch“ über die empör­ten Mel­dun­gen „rechts­ge­rich­te­ter Medi­en“. Die Crack­pfei­fen sei­en näm­lich nur ein klei­ner Teil des Pro­gramms. Es gehe auch um Sprit­zen, Nadeln und aller­lei ande­re tol­le Din­ge. Die Mel­dun­gen waren aber nicht falsch, son­dern höchs­tens unvollständig.

„Es stimmt zwar, dass in der Beschrei­bung der Finanz­hil­fe die Bereit­stel­lung von Rau­cher­kits gefor­dert wur­de – ein bewähr­ter Bestand­teil der Stra­te­gie zur Scha­dens­mi­ni­mie­rung –, aber in Wirk­lich­keit stell­ten die­se Kits nur eine von meh­re­ren Unter­kom­po­nen­ten einer noch län­ge­ren Lis­te von Anfor­de­run­gen an die Emp­fän­ger der Finanz­hil­fe dar.“

Bloß nicht „Crack­pfei­fen“ sagen, denn das wür­de ja ver­stan­den! Der Ver­such, das Pro­gramm in ein posi­ti­ve­res Licht zu rücken, mach­te jedoch am Ende alles nur noch schlimmer.

Wer in Deutsch­land einen Wirk­ver­stär­ker braucht, um an die Fleisch­töp­fe des Staa­tes zu kom­men, der schreibt irgend­was Bedroh­li­ches über den Kli­ma­wan­del oder die AfD in die Antrags­pa­pie­re hin­ein. In den Staa­ten ist die Farb­pa­let­te der Haut­tö­ne das gern ver­wen­de­te Glut­amat, denn wenn es irgend­ei­ne Unge­rech­tig­keit gegen­über „peop­le of color“ oder ande­ren Min­der­hei­ten zu besei­ti­gen gilt, hüpft der Steu­er­dol­lar vor Freu­de. Ent­spre­chend ent­hält der Antrag auf För­de­rung der Pfei­fen­ver­tei­lung natür­lich einen Hin­weis, wem vor allem die hilf­rei­chen kos­ten­lo­sen Din­ge zur Ver­fü­gung gestellt wer­den sol­len. Sie raten rich­tig, lie­be Leser: die „peop­le of color“ pfei­fen ohne Pfei­fen auf dem letz­ten Loch, da muss Abhil­fe her!

Auch hier grätscht snopes in die Argu­men­ta­ti­on hin­ein. Es gin­ge nicht pri­mär dar­um, „racial equi­ty“ vor­an­zu­trei­ben. Der Antrag­stel­ler wol­le ledig­lich bevor­zugt in „his­to­risch unter­ver­sorg­ten Gemein­den“ tätig wer­den und trü­gen damit eher indi­rekt zu die­sem wün­schens­wer­ten Ziel bei. Das hät­ten die­se rech­ten Medi­en ein­fach falsch verstanden!

Irgend­wie kam die Vor­stel­lung, staat­lich finan­zier­te Crack­pfei­fen­dis­tri­bu­to­ren wür­den in „his­to­risch unter­ver­sorg­te Gemein­den“ gehen, um dort Dro­gen­ab­hän­gi­ge mit den drin­gend benö­tig­ten Pfei­fen aus­zu­stat­ten, dann doch nicht so gut an. Schließ­lich sind es die­sel­ben Leu­te, die mit ihren neu­en Pfei­fen an ande­rer Stel­le (Crack-Kon­sum ist soweit ich weiß immer noch ille­gal in allen US-Staa­ten) von der Poli­zei wegen Dro­gen­kon­sum ver­haf­tet wer­den kön­nen. An die Dekri­mi­nia­li­sie­rung des Kon­sums als ers­ten Schritt hat man wohl nicht gedacht! Auch dar­an nicht, wie genau sich die typi­sche Crack-Kli­en­tel zusam­men­setzt und dass es oft gera­de die Milieus von Min­der­hei­ten in eher schlech­ten Wohn­ge­gen­den sind, die Opfer die­ser Teu­fels­dro­ge sind. Denen auch noch Pfei­fen zu brin­gen, ist wohl kei­ne so gute Idee.

Die Biden-Regie­rung war drauf und dran, unter dem Qua­li­täts­sie­gel „racial equi­ty“ eine offen ras­sis­ti­sche Dro­gen­po­li­tik zu unter­stüt­zen. Die Zuspit­zung „Did Biden Admin Fund Crack Pipes“ fass­te das Dilem­ma also recht gut zusam­men. Es muss wohl auch der Biden-Admi­nis­tra­ti­on zu Ohren gekom­men sein, wie sol­che Mel­dun­gen beim Wäh­ler ankom­men, wes­halb sich das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um ent­schloss, die­sen Teil des Pro­gramms schnell zu beer­di­gen. Das war noch am 9.2.2022, der gan­ze Sturm hat­te also nicht mal zwei Tage gedauert.

Zu dumm nur, dass die Fak­ten­che­cker von Snopes schon gesprun­gen waren und nun in der Luft hin­gen mit ihrer selt­sa­men Ver­tei­di­gung. Denn war­um ein Pro­gramm stop­pen, das nach Aus­kunft von snopes so segens­reich sei und dass die „rech­ten Medi­en“ nur nicht rich­tig ver­stan­den hät­ten? Ein Berich­ti­gung des Fak­ten­checks muss­te her.

Neue Bewertung bei snopes: Veraltet

„Nach einer Wel­le grob irre­füh­ren­der Bericht­erstat­tung im Febru­ar 2022 leg­te das US-Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um fest, dass im Rah­men eines Sub­ven­ti­ons­pro­gramms zur Redu­zie­rung von Schä­den durch Dro­gen­miss­brauch kei­ne Bun­des­mit­tel ver­wen­det wür­den, um Pfei­fen in Kits zum siche­ren Rau­chen auf­zu­neh­men. Die­ses neu fest­ge­leg­te Detail war ursprüng­lich nicht ver­füg­bar, was bedeu­tet, dass die Behaup­tun­gen, die in einer ers­ten Bericht­erstat­tungs­wel­le gemacht wur­den, ver­al­tet waren.“

Schnell noch den Freun­den von Goog­le einen Wink geben und dann zur Tages­ord­nung über­ge­hen. „Größ­ten­teils falsch?“ – war da was? Haben wir das gesagt? Goog­le betä­tigt sich für jeden, der nach den Schlag­zei­len mit den Pfei­fen sucht, als Pfei­fen­rei­ni­ger und schal­tet den Such­ergeb­nis­sen fol­gen­den Dis­c­lai­mer vor: „Anschei­nend ändern sich die Ergeb­nis­se sehr schnell. Wenn es sich um ein neu­es The­ma han­delt, kann es manch­mal eine Wei­le dau­ern, bis Ergeb­nis­se von ver­trau­ens­wür­di­gen Quel­len hin­zu­ge­fügt werden.“

Das soll wohl hei­ßen: „Lie­be Benut­zer, unse­re Nach­rich­ten­ket­te ist lei­der unter­bro­chen, weil unse­re Schön­schrei­ber momen­tan in der argu­men­ta­ti­ven Klem­me ste­cken, seit die Regie­rung, der wir treu erge­ben sind, im Sprung das Pferd gewech­selt hat. Wir arbei­ten mit Hoch­druck dar­an, die­sen Glitch in der Matrix zu repa­rie­ren und wer­den Ihnen bald eine Erklä­rung für den Rich­tungs­wech­sel lie­fern, den ihr Hirn wider­stands­los akzep­tie­ren kann.“ Ich tip­pe ja auf eine rech­te Medi­en­ver­schwö­rung. Irgend­was mit Fox­news, Trump, Q‑anon und kana­di­schen Tru­ckern. Ja, so könn­te es gehen!

Die ange­schlos­se­nen Medi­en fan­gen inzwi­schen an, die „Crack Pipes“ durch „Safe Smo­king Kits“ zu erset­zen. Sieht doch gleich viel bes­ser aus! Bald kann die Matrix rebooten.

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7 Kommentare

  1. Auf jeden Fall bin ich posi­tiv über­rascht, dass das The­ma an die­sen gan­zen Pod­cas­tern vor­bei in die Öffent­lich­keit gebla­sen wur­de. Jetzt wit­zelt jeder ein biss­chen ver­le­gen, aber fast jeder ein­zel­ne von denen hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ins Mikro­fon gebla­sen, dass der Kampf gegen Dro­gen eh geschei­tert sei, dass die meis­ten armen Teu­fel in den Gefäng­nis­sen des Bun­des dort „nur“ wegen Dro­gen-Mafia-Delik­ten hocken, dass man eine Jus­tiz­re­form brau­che, die die­se Insas­sen auf die Stra­ße zurück­bringt, dass Gefäng­nis­se ein mords kapi­ta­lis­ti­sches Geschäft sei­en und nur des­halb die Sucht­kran­ken behel­ligt wür­den und, kurz, dass man alles lega­li­sie­ren müsse.

    Vor ein paar Mona­ten hab ich mal einen Bekann­ten gefragt, ob es im deut­schen Reichs­hauptslum auch schon die­se Obdach­lo­sen-Zelt­mei­len gibt. Trotz aller Fehl­leis­tun­gen, trotz der impor­tier­ten ara­bi­schen Mafia-Clans und trotz der Umwid­mung der Poli­zei zu Online-Denk­ver­bots­jä­gern sieht es in Ber­lin noch nicht so aus wie in Seat­tle, in L.A. oder in San Fran­cis­co. Aber die Ampel weiß ja Rat und wird auch hier bald die Dro­gen­schleu­sen öff­nen und das Pro­blem immer weni­ger ansprech­bar machen. Immer mehr Abhän­gi­ge bedeu­ten immer mehr Gewalt und Ver­bre­chen, bis die Gefäng­nis­se und deren Kos­ten selbst zum Gesprächs­fak­tor wer­den. In der Fol­ge wer­den immer mehr Ent­kri­mi­na­li­sie­run­gen gefor­dert. „Kann Laden­dieb­stahl wirk­lich ein Ver­bre­chen sein? Jeder redet nur davon, dass Klau­en angeb­lich ein Delikt sein soll, aber nie­mand redet vom Ver­bre­chen des Kapi­ta­lis­mus, das über­haupt die eigent­li­che Ursa­che dafür ist.“ 

    Das bie­tet dann eine Gele­gen­heit für die­se gan­zen nutz­lo­se Polit- und Medi­en­f­rau­chen allen Geschlechts irgend­ein Psy­cho-Bla­bla als Dia­gno­se feil zu bie­ten. Und natür­lich zir­ku­lie­ren die Dro­gen v.a. in Min­der­hei­ten­mi­lieus, womit der Rechts­ex­tre­mis­mus der Poli­zei täg­lich aufs Neue bewie­sen wer­den wird. Unser Geor­ge Floyd heißt dann halt Ali, Moham­med oder, nein, halt, nur Ali oder Mohammed. 

    Jeden­falls kann man da nichts machen wegen — flüs­ternd — der deut­schen Geschich­te. Sie wis­sen schon. Ich wer­de das jetzt nicht klar hin­schrei­ben, weil sonst offen­sicht­lich wird, dass es Unsinn ist. Nach all dem, was damals pas­siert ist, haben wir eine Ver­pflich­tung, Jun­kies aus allen Her­ren Län­dern an den Super­markt­ein­gän­gen und den Schul­we­gen unse­rer Kin­der zu plat­zie­ren. Gut, dass ich das nicht ehr­lich und gera­de for­mu­lie­re. Ich ver­ste­he es näm­lich nicht. Ich ver­ste­he die typi­sche Logik unse­res öffent­li­chen Gesprächs in Deutsch­land nicht die Boh­ne und ich emp­fin­de sie auch als nie­der­träch­ti­ge Instrumentalisierung.

    • Nicht wun­dern, wer­te Odet­te, ich habe die lan­ge Varia­ble hin­ter der URL gelöscht, weil die das Lay­out des Blogs auf­ge­spießt hat. Der Link funk­tio­niert aber wie er soll und wir kön­nen Bari Weiss Arti­kel auf Sub­stack lesen.

  2. Das siche­re Crack­rau­chen. Also die wol­len, dass unter­ver­sorg­te Gemein­den mit siche­ren Crack­pfei­fen aus­ge­stat­tet wer­den, damit die das Crack sicher rau­chen kön­nen, ja weil die mit siche­ren Crack­pfei­fen so sehr unter­ver­sorgt sind — und da soll­nse wel­che krie­gen um die sicher zu rau­chen mit jetzt ganz siche­rem Crack. Ja-?, ja doch.
    ‚Schul­li­gung für mei­ne Sprach­lo­sig­keit, also-… also… fällt einem da noch was ein-?, nein davon kann kei­ne Rede sein!, da kann einem gar nichts mehr ein­fal­len. Bloß dass Boe Jiden jetzt das Crack-Rau­chen siche­rer machen will, weil das sicher sein kann und wei die unter­ver­sorgt sind, und desw­gen weill ers sicher machen, und da will er was für die Neger tun. Weil die Neger mehr Crack rau­chen sol­len, und zwar sicher.
    „Sicher­lich“ hät­te Franz Becken­bau­er gesagt. Wobei der jetzt auch wie­der mit kei­nem Crack­rau­chen oder gar mit siche­rem gar nischt zu tun hat. Nischt hat hier mit was zu tun.
    Ach!

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