Karrikatur aus 'Times of Israel'Nach­dem ins­beson­dere die deutschen Medi­en seit zwei Jahren keine Beschimp­fung Trumps aus­ge­lassen haben und ver­suchen, immer noch einen Gang hochzuschal­ten, um den „Irren im Weißen Haus“ dazu zu brin­gen, aus dem Amt zu schei­den und zu diesem Zweck über den Atlantik hin­weg mit Platz­pa­tro­nen schießen, macht Trump außen­poli­tisch ein sehr spezielles Ver­sprechen wahr. Näm­lich das, unberechen­bar zu sein. Dies allerd­ings macht ihn in ein­er für Poli­tik­er eher ungewöhn­lichen Art und Weise sog­ar sehr berechen­bar. Man muss sich nur seine Ankündi­gun­gen und Ver­sprechen von vor zwei oder drei Jahren nochmal anse­hen, um zu wis­sen, was er beschließen wird. Es ist über­haupt gut, sich gele­gentlich an das Geschwätz von Poli­tik­ern von vor drei oder fünf Jahren zu erin­nern, auch wenn ger­ade der deutsche Michel alle vier Jahre frei­willig eine Art Reset-Knopf im Kopf drückt, um jed­er „neuen“ Regierung eine neue 100-Tage-Chance zu geben – und sei die Regierung im Kern auch noch so alt. Jet­zt hat Trump also den Atom-Ver­trag mit dem Iran außer Kraft geset­zt und die Europäer geben vor, die Welt nicht mehr zu ver­ste­hen.

Als der israelis­che Min­is­ter­präsi­dent in ein­er Art Zauber­show die Erken­nt­nisse des israelis­chen Geheim­di­en­stes präsen­tierte, tat­en alle am Atom-Ver­trag mit dem Iran Beteiligten (außer den Vere­inigten Staat­en) so, als hätte man ihnen drei Tage alten aufgewärmten Kaf­fee als Gruß aus der Küche serviert. ‚Ken­nen wir alles, nichts Neues, nicht wichtig, irrel­e­vant.‘ Nie­mand schien ver­ste­hen zu wollen, was die Enthül­lung schein­bar alter Erken­nt­nisse wirk­lich bedeutete.

Drehen wir die Uhren ein paar Jahre zurück

Der Ver­dacht, der Iran arbeite heim­lich an einem Atom­waf­fen­pro­gramm, bestand seit Jahrzehn­ten. Lange Zeit glaubte man, ein Beitritt zum Atom­waf­fensper­rver­trag könne solche Ambi­tio­nen been­den, lange wurde darüber ver­han­delt. Anlass waren die Ankündi­gun­gen der Iranis­chen Staats­führung, Israel „von der Land­karte“ zu tilgen und der Dro­hung, dass beim Ein­satz der nuk­learen Option der Iran höch­stens einen Schaden davon­tra­gen werde, während Israel voll­ständig zer­stört würde. 2003 unterze­ich­nete der Iran schließlich den Atom­waf­fensper­rver­trag, aber unter Protest. „Wir haben der Unterze­ich­nung des Pro­tokolls zuges­timmt, um zu beweisen, dass unsere Aktiv­itäten friedlich sind“, kom­men­tierte der Leit­er der Iranis­chen Atom­en­ergie-Organ­i­sa­tion, Gho­lam­re­sa Aghasadeh. Außer dem Iran haben bish­er nur Indi­en, Israel, Pak­istan und der Süd­su­dan das Abkom­men nicht unterze­ich­net. Dass der Süd­su­dan derzeit nicht in der Ver­fas­sung ist, Atom­waf­fen zu entwick­eln, sollte klar sein. Auch klar ist, warum sich Indi­en und Pak­istan gegen­seit­ig das Mess­er an die Gurgel pressen, pfle­gen bei­de doch seit Jahrzehn­ten eine „innige Feind­schaft“, die in Kaschmir immer wieder auf­flack­ert. Auch die Frage, warum das von allen Seit­en mit Aus­löschung bedro­hte Israel sich diese ulti­ma­tive Option offen­hält, ist hin­re­ichend erörtert wor­den. Meine Gefüh­le dies­bezüglich sind gemis­cht, weil ich ein­er­seits Dop­pel­stan­dards ablehne, ander­er­seits sehr wohl sehe, dass Israel diese Waffe, wenn es sie denn hat, was nie­mand bezweifelt, als eine Art Grup­pentick­et zur Hölle betra­chtet, dass nur lösen kann, wer ver­sucht, Israel zu ver­nicht­en. Einen offen­siv­en Ein­satz hat Israel jeden­falls nie ange­dro­ht. Ganz anders der Iran.

Falls sie übri­gens Nord­ko­rea auf der Liste ver­mis­sen: die Kims haben ihre Unterze­ich­nung zurück­ge­zo­gen, sobald sie erfol­gre­ich eine Atom­bombe zün­den kon­nten. Man sieht also, dass auch das Papi­er von Verträ­gen der edlen Sorte, für die eine UN-Organ­i­sa­tion wie die IAEO garantiert, im Zweifels­fall ger­ade mal zum ein­wick­eln von But­ter­broten taugt.

Aber der Rei­he nach. 2003 unterze­ich­nete der Iran also den Atom­waf­fensper­rver­trag. Man war zwar belei­digt und Aghasadeh betonte die friedlichen Absicht­en seines Lan­des, aber die Welt­ge­mein­schaft feierte. Man hat­te eine Unter­schrift unter einem Ver­trag, und wann hätte man je davon gehört, dass ein solch­er Ver­trag je gebrochen wor­den sei! Man klopft auf Holz, dreht sich im Kreis und sagt dabei dreimal laut „Neville Cham­ber­lain“ und alles wird gut. Unter­dessen legte der Iran immense Beschaf­fungsak­tiv­itäten an den Tag, um unter Umge­hung beste­hen­der Sank­tio­nen an Zen­trifu­gen zur Uranan­re­icherung zu basteln, wovon der West­en erst dann so richtig Wind bekam, als ein fieser klein­er Com­put­er­virus namens Stuxnet 2010 diese Zen­trifu­gen schneller laufen ließ, wodurch ein großer Teil davon zer­stört wurde.

„Was zur Hölle macht ihr da, ihr Mul­lahs?“ fragte sich die Welt und zeigte auf den schö­nen Ver­trag. Ihr wollt doch wohl nicht doch… „Nein, nein!“, kam die Antwort aus Teheran. Wir wollen die Atom­kraft nur friedlich nutzen! Im Sep­tem­ber 2013 sprach der neue iranis­che Präsi­dent Rohani, der nach dem irren Ahmadined­schad im West­en fast schon als Heils­bringer gefeiert wurde, vor der UN-Vol­lver­samm­lung fol­gende Worte: „Das Ziel eines Atom­pro­gramms eines jeden Lan­des darf nur die friedliche Nutzung sein. Ich erk­läre hier mit aller Deut­lichkeit, dass das der alleinige Zweck des iranis­chen Atom­pro­grammes ist.“ Netanyahus War­nung vor der Rede Roha­nis im Jahr 2013 darf man aus heutiger Sicht als Menetekel beze­ich­nen. „Die Welt darf sich vom Iran nicht zum Nar­ren hal­ten lassen“, sagte er. Doch kein­er wollte das hören.

Der Rest ist schnell erzählt, man feilschte noch zwei Jahre lang um den Ver­trag, der Iran bestritt vehe­ment, jemals ein Atom­waf­fen­pro­gramm betrieben zu haben und unterze­ichne im Grunde aus rein­er Gutherzigkeit einen Ver­trag, dessen Geist der Atom­waf­fen­frei­heit man doch ohne­hin längst selb­st folge. Oba­ma war glück­lich, Merkel und Hol­lande waren glück­lich, die Iranis­che Bevölkerung war glück­lich, hoffte diese doch, nun endlich so etwas wie Refor­men und Frei­heit zu erleben. Daraus wurde bekan­ntlich nichts. Das Geld aus den beina­he sofort anlaufend­en Investi­tio­nen floss in den Machter­halt der Theokratie oder finanzierte direkt die Stel­lvertreterkriege im Ein­fluss­bere­ich des Iran. In Syrien ist der Iran mit­tler­weile mit eige­nen Trup­pen präsent und die Unter­stützung der Ter­ro­ror­gan­i­sa­tio­nen Hamas und His­bol­lah wird immer umfan­gre­ich­er.

Doch ich schweife ab. Fakt ist, der Iran hat stets bestrit­ten, nach Atom­waf­fen zu streben, doch der West­en verzichtete ja auch auf ein Eingeständ­nis dieser Art, um die Par­ty im Jahr 2015 nicht zu stören. Man wollte die iranis­che Unter­schrift unter dem Ver­trag, koste es, was es wolle. Und die Unter­schrift kostete in der Tat viel. Der Iran schaffte es sog­ar, die Ver­tragspart­ner dazu zu brin­gen, seine Bemühun­gen zur Entwick­lung von Langstreck­en-Träger­raketen unberück­sichtigt zu lassen. Dass der einzige Zweck dieser Träger­sys­teme ist, atom­are Sprengköpfe zu weit ent­fer­n­ten Zie­len zu tra­gen, ignori­erte man. Kein­er wollte mehr genau wis­sen, was der Iran tat­säch­lich vorhat­te, der gehörte jet­zt zu den Guten, mit dem sich pri­ma Geschäfte machen lassen. Dum­mer­weise sind die Lügn­er in Teheran noch diesel­ben und die Israelis immer noch genau­so mis­strauisch gegenüber Regierun­gen, die ihnen mit Ver­nich­tung dro­hen. Daran änderte die Unter­schrift Teherans rein gar nichts.

Was in unseren Medi­en kom­plett unterg­ing, war denn auch die wichtig­ste Nachricht in Netanyahus Präsen­ta­tion. Nicht die fehlende „smok­ing gun“ war näm­lich die Top­mel­dung, son­dern die Tat­sache, dass es über­haupt eine „gun“ gegeben hat. Denn das hat­te der Iran ja stets bestrit­ten. Wie darf man nun die unter­schiedlichen Reak­tio­nen in Paris und Berlin auf der einen Seite und Teheran auf der anderen ver­ste­hen? Nur in Teheran reagierte man logisch, indem man bei der Lüge blieb. Israel habe das alles erfun­den, hieß es. Einen Zack­en düm­mer die Reak­tion aus Europa: das sei alles nicht neu. Für „Part­ner“, die einen gemein­samen Ver­trag unterze­ich­net haben, erscheint das mehr als merk­würdig, wenn der eine etwas schon längst weiß, was der andere vehe­ment abstre­it­et. Was ist ein Ver­trag wert, der auf der­art unter­schiedlichen Wahrnehmungen der Real­ität beruht und die eine Seite jede im Nach­hinein bekan­ntwer­dende Lüge zu ignori­eren bere­it ist? Offen­sichtlich war man sich ja nicht ein­mal darüber einig, aus welchem Grund man über­haupt einen solchen Ver­trag ver­han­deln musste.

Der per­sis­chen Bevölkerung wurde durch den nach­lassenden Druck infolge des Ver­trages jeden­falls ein Bären­di­enst erwiesen. Refor­men blieben aus, die iranis­che Ein­mis­chung in Syrien oder dem Jemen ver­stärk­te sich noch, erste „Kon­tak­te“ des iranis­chen Mil­itärs mit dem israelis­chen an der Nord­gren­ze zu Syrien waren die Folge.

Das große Zittern

So wenig man in deutschen Medi­en über die Gefahren lesen kon­nte, die vom Unter­laufen des Ver­trages aus­ge­hen, wenn die eine Seite nur allzu gern bere­it ist, bei­de Augen fest zu ver­schließen, so heftig wer­den die Fol­gen des Endes dieses Ver­trages an die Wand gemalt. Trumps Entschei­dung gefährde die Sta­bil­ität im Nahen Osten. Was das angesichts der zahlre­ichen offe­nen Kon­flik­te für eine Sta­bil­ität sein soll, erfährt man indes nicht. Es ist let­ztlich nichts anderes als die gekränk­te europäis­che Eit­elkeit, die aus den Reak­tio­nen abzule­sen ist. Mar­tin Schulz, dessen Ego ohne­hin wei­d­wund am Boden liegt, bringt es in einem SPON-Artikel auf den belei­digten Punkt: „der Atom-Deal ist ein­er der größten diplo­ma­tis­chen Erfolge Europas in den let­zten Jahrzehn­ten“. Es war so ein schön­er Ver­trag und Europa wirk­te daran mit. Sowas möchte man sich nicht dadurch kaputt machen lassen, dass die Ver­tragsin­halte kaum binden, der Iran seine Waf­fen­pro­gramme nicht offen­le­gen musste und sich gegen Zusicherung reich­lichen Geldes lediglich dazu her­abließ, kün­ftig mit seinen Ver­nich­tungsam­bi­tio­nen gegenüber Israel langsamer voran zu gehen. Schulz‘ Forderung, die „mod­er­at­en Kräfte“ im Iran zu stärken zeigt die aner­zo­gene Blind­heit gegenüber einem Extrem­is­mus, der bish­er allen Regierun­gen im Mul­lah-Staat gemein­sam war und bei dem sich lediglich die Ver­pack­ung ändert. „Tod Israel, Tod den USA“ schallt es bei jed­er Fre­itagspredigt. Und während der­lei Has­s­parolen in Deutsch­land zurecht ein Fall für den Staat­san­walt wären, lässt man das den Ver­tragspart­nern in Teheran mal eben als „Folk­lore“ durchge­hen.

Dann eben ohne Trump?

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis auch die in den Iran-Ver­trag ver­liebten Europäer ein­se­hen wer­den, dass mit dem Mora­to­ri­um der USA der schicke Deal kom­plett geplatzt ist. In ihrer eilig veröf­fentlicht­en gemein­samen Erk­lärung irrlichtern May, Merkel und Macron trotz der offen­sichtlichen Erken­nt­nisse, die sie selb­st als „nicht neu“ beze­ich­net haben, immer noch wie fol­gt: „Es darf keinen Zweifel geben: das iranis­che Nuk­learpro­gramm muss für immer friedlich und ziv­il sein.“ Dass es dies eben nie war, blendet man ein­fach aus. Auch die Ankündi­gung der 3M’s, für die Zeit nach Aus­laufen „bes­timmter Regeln“ einen „langfristi­gen Rah­men“ mit dem Iran ver­han­deln zu wollen, ist nichts als Augen­wis­cherei. Genau dies hat der Iran immer abgelehnt. Schon bei Unterze­ich­nung des Ver­trages waren sich die Experten darüber einig, dass man in Bezug auf Teherans Atom-Ambi­tio­nen – wenn über­haupt – lediglich einige Jahre Zeit gewon­nen habe.

Ohne die USA ist der Ver­trag in sein­er jet­zi­gen Form erledigt. Wenn die Sank­tio­nen wieder ange­zo­gen wer­den und der Iran erneut vom inter­na­tionalen Zahlungssys­tem SWIFT abgek­lemmt wird, kann man Geschäfte mit Teheran nur noch in Bar abwick­eln, und Palet­ten­weise Bargeld per Flieger zu den Mul­lahs schick­en, wie Oba­ma dies 2016 vorgemacht hat­te. Gle­ichzeit­ig Geschäfte mit dem Iran und den USA zu machen, wird dann auch unmöglich wer­den, was die meis­ten Inve­storen abschreck­en dürfte. Ins­ge­samt also keine angenehme Lage für den Iran und seine europäis­chen Fre­unde. Den Gipfel der Heuchelei erk­lim­men übri­gens diejeni­gen Jour­nal­is­tenkol­le­gen, die den USA ein­er­seits bei jed­er Gele­gen­heit vor­w­er­fen, nur an bil­ligem Öl inter­essiert zu sein und nun ander­er­seits in jam­mer­vollen Artikeln bekla­gen, dass der Ölpreis wegen des geplatzten Abkom­mens wieder zu steigen dro­ht.

Aber hoff­nungs­los ist die Lage gle­ich­wohl nicht. Der Ball liegt aber in der iranis­chen Hälfte. Dort kön­nte man sich „ehrlich machen“ und die Weltöf­fentlichkeit mit der stets geleugneten Wahrheit kon­fron­tieren, dass man sehr wohl nach atom­aren Waf­fen strebte. Wenn diese Pro­gramme wirk­lich der Ver­gan­gen­heit ange­hören, muss man doch vor ein­er „Tiefen­prü­fung“ durch Experten keine Furcht haben. Auch kön­nte man als Zeichen des neuen Geistes der Ver­söh­nung den Ton gegenüber Israel und den USA zivil­isieren, indem man die Ver­wün­schun­gen kün­ftig unter­lässt und seine Trup­pen aus Syrien zurückzieht. Teheran ist beim Lügen erwis­cht wor­den, es ist an der Regierung dort, Ver­trauen wieder­aufzubauen. Indes glaube ich nicht daran, dass dies geschehen wird, solange dort ein theokratis­ches Scharia-Sys­tem an der Macht ist.

In einem Buch Hamed Abdel-Samads las ich fol­gende Anek­dote, die ganz gut erk­lärt, was mich daran zweifeln lässt, dass der Iran jet­zt zur Ehrlichkeit find­en wird: Ein schi­itis­ch­er und ein sun­ni­tis­ch­er Geistlich­er sehen auf der Straße eine schöne Frau und zwinkern ihr zu. Als sie dabei beobachtet wer­den, reibt sich der sun­ni­tis­che Geistliche ver­stohlen über das Auge, als habe er Sand hinein­bekom­men. Der schi­itis­che Geistliche hinge­gen wird das Auge zehn Jahre lang geschlossen hal­ten um zu beweisen, dass das Zwinkern nie stattge­fun­den hat. Beim theokratis­chen Regime Irans auf vor­be­halt­lose Ehrlichkeit zu hof­fen, erscheint mir lei­der eine europäis­che Selb­st­täuschung zu sein.

Das Märchen von der Stabilität

Die im Umgang mit der täglichen Bedro­hung geübten Israelis ver­wen­den eine Smart­phone-App, um die Bevölkerung vor den immer wieder stat­tfind­en­den Rake­te­nan­grif­f­en auf ihren Staat zu war­nen. „Red Alert“ meldete in der Nacht zum 10.5. mehrere Angriffe auf die Golan­höhen, die von der IDF entsprechend beant­wortet wur­den. Der Spiegel stellt den Vor­fall natür­lich wieder ein­mal so dar, als sei der Angriff nicht die Antwort, son­dern die Frage gewe­sen. Wir ken­nen das Muster, immer nur die zweite Kugel zu erwäh­nen. Die IDF griff als Vergel­tung die Stel­lun­gen der iranis­chen Al-Quds-Brigaden im Nach­bar­land Syrien an. Der Aktion­sra­dius und die Fähigkeit­en ger­ade dieser Abteilung der iranis­chen Rev­o­lu­tion­s­garde, einem mil­itärischen Staat im Staate, haben sich in den let­zten Jahren dank des Atom-Abkom­mens mit dem Iran stark aus­geweit­et. Vielle­icht sollte sich ger­ade die deutsche Poli­tik angesichts der heili­gen Fre­und­schaftss­chwüre anlässlich des 70. Jahrestages der Grün­dung Israels fra­gen, ob es eine gute Idee war, einem Regime, dass sich die Ver­nich­tung des jüdis­chen Staates geschworen hat, auch noch die finanziellen Mit­tel dafür an die Hand zu geben. Der Sta­bil­ität im Nahen Osten hat der Ver­trag jeden­falls nicht genützt, son­dern geschadet. Gut, dass Trump den Ver­trag und damit die Illu­sio­nen der Europäer been­det hat. Dem iranis­chen Regime jeden­falls sollte sein dop­pelte Spiel in Zukun­ft zumin­d­est schw­er­er fall­en. Der Rest, liebe Pers­er, die ihr seit langer Zeit die Nase voll habt von eurem abso­lutis­tis­chen „Gottesstaat“ und euch nach Frei­heit sehnt, liegt auss­chließlich in eur­er Hand. Wed­er Israel noch die USA sind euer Feind, die Regierun­gen der europäis­chen Staat­en jedoch nicht unbe­d­ingt euer Fre­und. Denn während sich eure Frauen zum Beispiel von der verord­neten Ver­schleierung und der Bevor­mundung durch die Reli­gion zu befreien suchen, hält man diese ger­ade in deutschen Regierungskreisen für eine spezielle Form der Frei­heit. Eine per­verse Form, wie ich anmerken möchte. Eben­so per­vers wie die Hoff­nung, ein Stück Papi­er mit wäch­ser­nen Siegeln könne die Absicht­en eines gewalt­täti­gen und intol­er­an­ten Regimes been­den.

Darauf ein dreifach­es „Neville Cham­ber­lain“!

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31 Kommentare

  1. Warum über­haupt ein Atom­pro­gramm? Das frage ich mich sehr lange schon? Ich meine Deutsch­land steigt aus der Atom Energie Pro­duk­tion aus und es wird all­ge­mein emp­fohlen es uns gle­ich zu tun? Nur beim Iran wird fast man­isch darauf bestanden, ja, sie müssen Atom­en­ergie pro­duzieren. Wenn nicht allein das schon selt­sam ist, warum verkauft ihnen denn niemend gle­ich ein ganzes ver­flucht­es Atom­w­erk das unter inter­na­tionaler Auf­sicht genü­gend Strom liefert, damit sie dann so viel Licht machen kön­nen das in Israel kein­er mehr ein­schlafen kann.

    • “Warum über­haupt ein Atom­pro­gramm?”

      Weil Atom­kraft toll ist

      “Ich meine Deutsch­land steigt aus der Atom Energie Pro­duk­tion aus und es wird all­ge­mein emp­fohlen es uns gle­ich zu tun?”

      Deutsch­lands Vor­re­it­er­rolle beim Austieg aus der Atom­en­ergie ist in etwa so nachah­menswert wie Deutsch­lands Vor­re­it­er­rolle bei der Gren­zöff­nung.

      “warum verkauft ihnen denn niemend gle­ich ein ganzes ver­flucht­es Atom­w­erk das unter inter­na­tionaler Auf­sicht genü­gend Strom liefert”

      Ich glaube, das war mal im Gespräch, aber dadurch würde sich der Iran abhängig von anderen Län­dern, und, was noch schlim­mer ist, von UN-Bürokrat­en machen.

      • So war das. Der Iran betonte stets, dass man unab­hängig sein wollte, deshalb müsse man die Tech­nolo­gie entwick­eln. Ein strun­zdäm­lich­es Argu­ment, weil man für diese Tech­nolo­gie eben doch externes Fach­wis­sen benötigt — siehe Zen­trifu­gen. Das es in ökonomis­ch­er Hin­sicht auch keinen Sinn ergibt, wenn man in ein­er glob­al­isierten Welt, an der man vorge­blich so gern teil­haben möchte, das Rad neu erfind­en will, sollte spätestens klar sein, seit wir Elon Musk scheibchen­weise beim Scheit­ern der Massen­pro­duk­tion eines preiswerten Elek­troau­tos zuschauen dür­fen. Der wollte auch alles alleine machen.
        Es gibt nur noch eine einzige andere Branche, die so ähn­lich tickt: Zauberkün­stler. Aus Grün­den. Denn wenn man ihnen auf die Schliche kommt, ist die schöne Illu­sion futsch. So beim E‑Auto, so beim Atom­ver­trag mit dem Iran.

        • Ich würde den Anspruch des Irans, die eigene Ver­sorgungssicher­heit kon­trol­lieren zu wollen, nicht unbe­d­ingt von der Hand weisen. Es gibt keinen freien Markt, auf dem der Iran sein spalt­bares Mate­r­i­al kaufen kann, son­dern er würde durch Sank­tio­nen und Embar­gos erpress­bar, und wäre auf das Wohlwollen der liefer­n­den Län­der angewiesen, die in der Regel eben­falls erpress­bar oder käu­flich sind. Ich fand das Argu­ment deshalb eigentlich logisch.

          Die Ver­hal­tensweisen und Aus­sagen aus dem islamis­chen Raum ergeben dur­chaus Sinn, wenn man Feind­schaft mit in die Gle­ichung mit ein­bezieht. Als West­ler neigt man dazu zu glauben, dass alle, die sich nicht den sel­ben Author­itäten unterord­nen wollen, wie wir selb­st, entwed­er bal­la bal­la oder böse sind, weil wir das so sehr verin­ner­licht haben, und uns deshalb bes­timmte Denkstruk­turen fehlen. Ich glaube, die Musel sind selb­st ziem­lich ver­wun­dert darüber, und denken, Allah hätte uns mit Wahnsinn geschla­gen. Was gar nicht mal so weit herge­holt ist.

  2. An dieser Stelle möchte ich noch auf den Artikel ein­er mein­er geschätzten Kol­legin­nen hin­weisen. Jen­nifer Nathalie Pyka schlägt mit ihrem Text im Grunde in dieselbe Kerbe wie ich, betra­chtet dabei aber noch etwas aus­führlich­er die Befind­lichkeit­en der Europäer, die aus ihrer antrainierten “Israelkri­tik” und “Amerikaskep­sis” ein­fach nicht her­aus kom­men. Stattdessen spielt man gern Diplo­matie der unverbindlichen Art, aber um des Spiels willen, nicht für das Ergebnis…es sei denn, es ist wirtschaftlich­er Natur. Das Gejam­mer der Deutschen und der Fran­zosen bezieht sich näm­lich sehr vorder­gründig auf die ver­passte Chance, im Iran ordentlich Kasse zu machen. Israels Bedenken wer­den hinge­hen immer nur als “gefühlt” oder “einge­bildet” dargestellt. Wie mir diese Hin­ter­hältigkeit auf die Ner­ven geht, kann ich ohne Flüche kaum beschreiben!
    Hier der ver­sproch­ene Text. Genießt ihn. https://www.salonkolumnisten.com/iran-deal-europa/

    • Mit Ver­laub, das Gejam­mer der Deutschen – jeden­falls der vorherrschen­den Bevölkerung – ist von den real existieren­den Kul­turen dort unten völ­lig unab­hängig. Die armen Negerkinder (so sagte man früher) und die Mus­lime sind nur Spiel­ma­te­r­i­al im Bemühen der Deutschen um ein rand­volles Punk­tekon­to im Jen­seits – was auch immer sich ein Athe­ist darunter vorstellen mag.

      Es geht um die Selb­ster­höhung, es geht um den Beweis das eige­nen Über­men­schen­tums, zumal auch bei den Alten, die noch knock­ing on heaven’s door die Heilige Mut­ter Angela wählen. Hen­ryk Broder sagt zum Glück sehr deut­lich, dass wir unsere Mün­del in unser­er Naiv­ität sog­ar um ihre Zukun­ft betrü­gen.

      Manch­mal würde man sich wün­schen, es gäbe mehr Chicos (Kampfhund in Han­nover), an denen sich unreife Jugendliche und gelang­weilte Senioren mit Peti­tio­nen selb­stver­wirk­lichen kön­nten, ohne großen Schaden anzuricht­en.

      • Je bedrohlich­er, desto bess­er. In Soma­lia wurde eine deutsche Kranken­schwest­er ent­führt und Außen­min­is­ter (schüt­tel) Maas LOBT vor eini­gen Tagen im Nach­bar­land Äthiopi­en das Engage­ment Deutsch­er im Aus­land — anstatt davor zu WARNEN!

        Selb­ster­höhung und Frem­den­liebe, weil man zu einem gerüt­telt Maß an Eigen­liebe zu feige ist. Auch das ist lei­der typ­isch deutsch.

      • Pap­per­la­papp.

        Es geht darum, der Welt klarzu­machen, dass es einen deutschen Holo­caust NIEMALS mehr geben kann, weil die deutsche Bevölkerung HEUTE so gut, anteil­nehmend, mit­füh­lend, grosszügig, herzig, und unzweifel­haft klar & deutig auf der Seite des Guten, Wahren, Licht­en, und Schö­nen ste­ht.

        Jeden­falls, solange kein Gegen­wind herrscht.

    • Dieses “Vergnü­gen” teile ich doch gerne.

      Mir wurde heute von einem sehr guten Fre­und (mit dem ich auch gerne alt wer­den möchte — also ist bei gewis­sen The­men fürder­hin “Schnau­ze­hal­ten” ange­sagt) mit­geteilt, dass ich zwar sehr gut sei in Sachen “Big Pic­ture”, aber den­noch sehr zu wün­schen übrig liesse ich Sachen “Empathie” (Flüchtlinge, Ein­wan­der­er, Sub­sidiäre, Schatz­suchende, Schnor­rer, etc).

      Ich antwortete ihm, scham­los ent­waffnend offen, und teilte ihm mit, dass er Recht hat. Die Gefühlswelt der anti-west­lichen Welt inter­essiert mich nicht ein­mal für eine Sekunde (“You no like? You go hang your­self!), und das Gewin­sel der abgelehn­ten Asyl­be­wer­ber ver­stärkt nur meine Ver­ach­tung für diese Schmarotzer.

      Die Israelis wis­sen anscheinend wenig­stens noch, warum es sich lohnt zu kämpfen, und wofür es sich lohnt zu leben.

      Der Rest: Devo­lu­tion?

  3. „weil ich ein­er­seits Dop­pel­stan­dards ablehne“ – Wer Gun­nar Hein­sohn ken­nt, wird um die Dop­pel­stan­dards gar nicht herumkom­men. Der Iran hat viele unge­bildete junge Män­ner, Israel hinge­gen investiert Hun­dert­tausende in die Bil­dung jedes einzel­nen Bürg­ers. Der Iran kön­nte also, ganz abge­se­hen von der schieren Größe, den Ver­lust ein­er Großs­tadt lock­er weg­steck­en, Israel nicht. Wer trägt also das höhere Risiko, falls es doch zu einem nuk­learen Waf­fen­gang käme?

    • Im Iran muss man auf die Frauen set­zen, nicht auf die Män­ner! Das sollte man in ein­er patri­ar­chalen Despotie ohne­hin tun.

      • Die Frauen im Iran sind allerd­ings nicht diejeni­gen, die dem anderen Geschlecht mit dem Led­ergür­tel ein­trichtern, was richtig, und was falsch ist.

      • Ich weiß, Du has­st mich allmäh­lich für die Widerrede, aber… Fällt Dir, außer Ruan­da und den Trüm­mer­frauen, ein Beispiel dafür ein, bei dem das mit den Frauen mal ohne vorherge­hen­dem gewalt­samen Bevölkerungss­chwund geklappt hat? Dieser scheint näm­lich irgend­wie dazu zu gehören, wenn auf die Schnelle ein Sys­tem durch ein Anderes erset­zt wer­den soll.

        • Ich habe nichts gegen Widerre­den. 😉
          Vielle­icht geht es ja mal ganz ohne Gewalt. Oder mit wenig. Ver­glichen mit anderen Län­dern, speziell denen der ara­bis­chen Welt, sind die Frauen im Iran bess­er aus­ge­bildet. Bess­er zumal als die Män­ner. Aber ich gebe zu, dass die Hoff­nung nur eine kleine ist.

  4. Also, ich glaube, dass die Lage um Israel herum so verkackt ist, dass man sich nicht ein­mis­chen sollte. Israel wird von der Bevölkerung sein­er Nach­barn über­wiegend gehas­st, und würde über­haupt nicht mehr existieren, wenn es in der Region demokratisch zug­in­ge. Die Nach­barn nutzen Israel um vom eige­nen Ver­sagen abzu­lenken, und müssten dem, wenn sie es kön­nten, Tat­en fol­gen lassen. Allerd­ings kön­nen sie nicht. Israel hat mod­erne Atom­waf­fen.

    Nun möchte der Iran auch einige schlagkräftige Argu­mente haben, und wer kön­nte es ihm ver­denken. Der Iran ste­ht, zusam­men mit Syrien, offiziell auf der Abschus­sliste des West­ens, und was den West­en von ein­er offen­siv­eren Regime Change Strate­gie abhält, ist mil­itärische Macht. Libyen und den Irak kon­nte man weg­bomben, aber erst nach­dem diese ihre Massen­ver­nich­tungswaf­fen aufgegeben hat­ten. Hät­ten diese Län­der die Möglichkeit gehabt, mal eben einige Quadratk­ilo­me­ter Land zu ster­il­isieren, hätte es keine Regime Change Ver­suche gegeben.

    Es gibt nur zwei Möglichkeit­en, mil­itärisch über­legene Geg­n­er zu besiegen: Massen­ver­nich­tungswaf­fen und Ter­ror­is­mus. Es ist im Inter­esse der bere­its starken Län­der, Andere daran zu hin­dern, von diesen Möglichkeit­en Gebrauch zu machen, und es ist im Inter­esse der schwachen Län­der, ihre Ressourcen vor­rangig in diesen Bere­ichen zu investieren. Israel hat im Augen­blick Massen­ver­nich­tungswaf­fen, und die Anderen wollen diese eben­falls haben, weil sie derzeit im Falle ein­er Eskala­tion­sstrate­gie unter­legen sind.

    Israel möchte natür­lich, dass die Anderen auch weit­er­hin unter­legen sind, weswe­gen Netan­jahu neuerd­ings seine Reden in Englisch und nicht in Ivrit hält, und verdächtig viele Inter­views bei CNN&Co gibt, um den West­en in den Kon­flikt mit hinein zu ziehen. Ich finde, er sollte dabei etwas aufrichtiger wirken. Son­st kann ers, aber in den Inter­views, die ich gese­hen habe, kann man sich nicht des Ein­drucks erwehren, dass er nur die halbe Wahrheit sagt.

    Naja, und der End­ef­fekt ist: Der West­en hat eine der­maßen schlechte Erfol­gsquote mit seinen Regime Change Ver­suchen, dass ich mitler­weile prinzip­iell dage­gen bin. Man hats mit aller Entsch­ieden­heit ver­sucht, es hat nicht geklappt, und jet­zt muss man daraus ler­nen. So weit ich weiß, wur­den die Aya­tol­lahs mehr oder weniger demokratisch gewählt, und nun müssen die Iran­er mit den Kon­se­quen­zen ihrer Wahl leben. Dann wer­den sie halt an Krä­nen aufgeknüpft. Selb­st Schuld. Die Israelis ver­fü­gen über genü­gend Schlagkraft um alle seine Nach­barn in eine Glaswüste zu ver­wan­deln, und ist dadurch sich­er. Der Iran kann im Augen­blick vielle­icht einige Atom­bomben im Kilo­ton­nen-Bere­ich zusam­men­schrauben, aber die haben nicht mehr Sprengkraft als einige kon­ven­tionelle Aerosol­bomben, und kämen nicht durch die israelis­che Luftab­wehr. Um in den Mega­ton­nen­bere­ich zu kom­men, müssten die Iran­er Tests ver­anstal­ten, und am Mor­gen nach dem ersten erfol­gre­ichen Atom­test wäre Teheran ein Krater.

    Also ist alles im Grü­nen Bere­ich. Massen­ver­nich­tungswaf­fen ret­ten Leben. Kein Grund zur Ein­mis­chung. Ich würde sog­ar so weit gehen, dass ein Gle­ichgewicht des Schreck­ens, bei dem Alle über die Kapaz­ität ver­fü­gen, die Region im Zweifels­fall zu ster­il­isieren, die friedenssich­ernd­ste Option wäre. Im Augen­blick hat man den Kon­flikt, weil Israel zu nett für Krieg ist, und sich in die Rolle desjeni­gen drän­gen lässt, der zu böse für Frieden ist. Israel würde eine Eskala­tion­sstrate­gie gewin­nen, hat jedoch selb­st Hem­mungen, eine gewisse Gren­ze zu über­schre­it­en, weshalb die Kon­flik­t­geg­n­er einen langfristi­gen Kon­flikt auf klein­er Flamme fahren, und eine größere Eskala­tion ver­mei­den. Dadurch kön­nen die Kon­flik­t­geg­n­er ihre Bevölkerung bis zum Äußer­sten radikalisieren, und müssen nicht viel mehr tun, als ab und zu mal einige harm­lose Nadel­stiche in Rich­tung Israels zu piek­sen, um glaub­würdig zu bleiben. Es passiert ja nichts. Und so wird der Nahostkon­flikt zu einem Selb­stläufer, der auch in 100 Jahren aktuell sein wird, wenn sich nichts ändert. Bei dem Radikalisierungs­grad der mul­simis­chen Bevölkerung würde es mich nicht­mal wun­dern, wenn der Kon­flikt erst dann gelöst wer­den wird, sobald die ersten Paar Städte ver­glast wur­den. Dann jedoch sehr schnell. Men­schen denken nach, wenn plöt­zlich etwas Schlimmes passiert. So lange alles geregelt zuge­ht, gewöh­nen sie sich daran, und verbleiben in ihrem Trott. Und im Augen­blick ist dieser Trott der Nahostkon­flikt.

    Übri­gens sind Leute, die Ein­griffe gegenüber dem Iran befür­wor­den, weil sie behaupten, prinzip­iell gegen nuk­leare Aufrüs­tung zu sein, entwed­er dumm oder ver­logen. Sau­di Ara­bi­en ist viel näher daran, eine Atom­macht zu sein, als der Iran. Die Saud­is haben das Atom­pro­gramm der Pak­ista­nis finanziert, und sich die Option gesichert, die daraus ent­stande­nen Waf­fen jed­erzeit kaufen zu kön­nen. Die müssen nichts mehr forschen und entwick­eln, und die Pak­ista­nis haben auch die notwendi­gen Tests gemacht, um in den Mega­ton­nen­bere­ich vorzus­toßen. Die Behaup­tung der Saud­is, Mil­liar­den­be­träge ohne speziellen Grund ins pak­istanis­che Atom­pro­gramm investiert zu haben, ist noch weniger glaub­würdig, als die Behaup­tung des Irans, auss­chließlich Strom erzeu­gen zu wollen.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_program_of_Saudi_Arabia

    • Das ein aktiv­er Regime-Change von außen nicht funk­tion­ieren kann, wenn die Men­schen im betrof­fe­nen Land nicht zumin­d­est eine Idee davon bewahren kon­nten, wie eine halb­wegs funk­tion­ierende Demokratie aussieht, ist ja wohl jedem klar. Na ja…fast jedem. Aber ich habe ger­ade eine Ein­schränkung gemacht, die “Idee” von Demokratie betr­e­f­fend. Wäre dies anders, wür­den Du und ich heute noch unter der schmutzi­gen Flagge des Hak­enkreuzes leben, weil alle Welt meinte, ein Regime-Change gin­ge ohne­hin nicht, da könne man nichts machen. Ich halte die Iran­er aber für intel­li­gent genug, um selb­st über ihr Schick­sal zu bes­tim­men. Es ist eher unwahrschein­lich, dass sie noch ein weit­eres Mal ver­suchen wür­den, sich in die Hände ein­er abso­lutis­tis­chen Ide­olo­gie zu begeben.

      • “Ich halte die Iran­er aber für intel­li­gent genug, um selb­st über ihr Schick­sal zu bes­tim­men. Es ist eher unwahrschein­lich, dass sie noch ein weit­eres Mal ver­suchen wür­den, sich in die Hände ein­er abso­lutis­tis­chen Ide­olo­gie zu begeben.”

        Bezüglich der Intel­li­genz der Iran­er würde ich wider­sprechen. Die liegen, was den Durch­schnitts-IQ ange­ht, unter­halb des Irak. Siehe hier:

        https://www.worlddata.info/iq-by-country.php

        Daher erscheint es mir fraglich, ob die Men­schen dort über­haupt das Poten­zial zu so etwas wie “Demokratie” haben, und Demokratie mehr als eine Wahl zwis­chen Kom­mu­nis­mus und religiösem Fun­da­men­tal­is­mus wäre. Eli­tendik­taturen scheinen in dieser IQ-Spanne bess­er zu funk­tion­ieren, aber Eli­tendik­taturen sind undemokratisch. Ich per­sön­lich wäre für eine kap­i­tal­is­tis­che Eli­tendik­tatur als kle­in­stes Übel. Genau dies wird vom West­en jedoch nicht ver­fol­gt.

        “Wäre dies anders, wür­den Du und ich heute noch unter der schmutzi­gen Flagge des Hak­enkreuzes leben, weil alle Welt meinte, ein Regime-Change gin­ge ohne­hin nicht, da könne man nichts machen.”

        Der zweite Weltkrieg wurde begonnen, als das reichs­deutsche Finanzsys­tem kurz vorm Zusam­men­bruch stand. Die NSDAP war aus wirtschaftlich­er Sicht eine sozial­is­tis­che Partei. Durch den zweit­en Weltkrieg kon­nte die staatliche Mis­s­wirtschaft aufrecht erhal­ten wer­den, weil zum nor­malen Wirtschafts­be­trieb Plün­derungswirtschaft, Sklave­nar­beit, etc. hinzu kam. Wenn man den zweit­en Weltkrieg als Regime-Change-Oper­a­tion ver­ste­ht, kön­nte es also dur­chaus sein, dass diese Oper­a­tion die Exis­tenz des drit­ten Reichs ver­längert hat. Abge­se­hen davon, sollte man nicht vergessen, dass Städte­bom­barde­ments und Massen­verge­wal­ti­gun­gen zu dieser erfol­gre­ichen Regime-Change-Oper­a­tion dazu gehörten, und anschließend rei­hen­weise (teil­weise Unschuldige) Kol­lab­o­ra­teure auf offen­er Straße gelyncht wur­den. Ich würde davon aus­ge­hen, dass diese Dinge für den erfol­gre­ichen Aus­gang der Oper­a­tion rel­e­vant waren. Die Regime-Change-Oper­a­tio­nen, die ver­sucht­en, ohne diese Mit­tel auszukom­men, sind mehrheitlich gescheit­ert.

        Was sich für mich daraus ergibt, ist, dass ich nicht Teil der Bevölkerung sein möchte, die durch eine Regime Change Oper­a­tion befre­it wird. Manch­mal ist das Kind halt in den Brun­nen gefall­en, und es ist das kleinere Übel, es nicht zu ret­ten. Die Bevölkerung ist dafür ver­ant­wortlich, wer sie regiert. Ich würde mich, als Bevölkerung, daher primär darauf konzen­tri­eren, dass mein eigen­er Staat nicht total­itär wird, bevor ich mich in anderen Regio­nen ein­mis­che. Ich habe nicht den Ein­druck, dass dies im West­en geschieht. Im Gegen­teil.

        Abge­se­hen davon, glaube ich, dass diejeni­gen, die ver­suchen den West­en zu islamisieren, dur­chaus eine Poli­tik ver­fol­gen, die man mit Regime Change ver­gle­ichen kann.

        • Da sprechen Sie aber auch ein Taboo an. Süd­ko­rea, Japan, Deutsch­land hat­ten alle zu einem gewis­sen Maße erfol­gre­ich die Werte der Sieger über­nom­men (oder hat­ten jeden­falls den Drang es zu tun). Mit großer Bru­tal­ität lässt sich der Wille der Massen brechen. Das läuft auf unter­be­wusster Ebene ab und lässt sich auch für Reli­gion­swech­sel in Antike und Mit­te­lal­ter doku­men­tieren.

          Ich glaube mit “nie wieder” meint man v.a. “nie wieder Dres­den” und das ist auch okay. Und ich ver­ste­he es. An dieser Stelle getrau ich mich kaum zu fra­gen, “Und? War es das nicht wert?”

        • “Da sprechen Sie aber auch ein Taboo an.”

          Das ist eins mein­er lieb­sten Hob­bies.

          “Ich glaube mit “nie wieder” meint man v.a. “nie wieder Dres­den” und das ist auch okay.”

          Ich glaube, mit dem “Nie wieder” meinen unter­schiedliche Men­schen unter­schiedliche Dinge. Ich per­sön­lich denke, dass man aus der Geschichte die Lehre ziehen sollte, dass es ziem­lich schlecht laufen kann, wenn man einen Staat hat, der zu groß ist, um von der Bevölkerung tot­geschla­gen zu wer­den, falls er seine Kom­pe­ten­zen über­schre­it­et, und die Bevölkerung nicht zögern sollte, dies gegebe­nen­falls auch zu tun. Das ist mein­er Mei­n­ung nach die einzige tief­ere Lehre, die man aus jün­geren deutschen Geschichte ziehen kann. Die son­sti­gen Lehren haben mehr mit Psy­chodra­ma und Kathar­sis zu tun, als mit Ratio­nal­ität.

          “An dieser Stelle getrau ich mich kaum zu fra­gen, “Und? War es das nicht wert?””

          Inter­es­sante Frage. Falls man den zweit­en Weltkrieg als Akt der Notwehr begreift, was ich behaupten würde: Doch, das war es wert. Notwehr recht­fer­tigt solche Mit­tel, und irgen­det­was musste man mit der neuen Sit­u­a­tion auch anfan­gen, nach­dem man gewon­nen hat­te. Da gabs nicht viele Möglichkeit­en.

          Da es aktuell jedoch um Regime-Change-Oper­a­tio­nen geht, wirds kom­pliziert­er. Um den zweit­en Weltkrieg als Regime-Change-Poli­tik zu betra­cht­en, müsste man annehmen, dass die Nazis nie­man­den ange­grif­f­en haben, son­dern selb­st ange­grif­f­en wor­den sind, oder man sie gegen ihren Willen in einen Krieg ver­wick­elt hat. Durch diesen Krieg sind die richtig fiesen Dinge — zum Beispiel das Holo­caust — über­haupt erst möglich gewor­den. Die indus­trielle Ver­nich­tung von Men­schen war eines der Pro­jek­te des total­en Kriegs, das zu Frieden­szeit­en nicht in diesem Umfang hätte existieren kön­nen, und das ohne den Regime Change Ver­such nicht stattge­fun­den hätte. Sowas in Kauf zu nehmen, um ein unlieb­sames Regime abzusä­gen, wäre nichts, das ich gutheißen würde. Das selbe gilt für die anschließen­den Massen­verge­wal­ti­gun­gen, und der­gle­ichen. Wer sowas ohne konkrete Notwehrlage in Kauf nimmt, ist selb­st ein Regime, das eine der­ar­tige Behand­lung ver­di­ent hat.

          Sofern man annimmt, dass die Bru­tal­ität des zweit­en Weltkriegs eine Voraus­set­zung für das Gelin­gen des Regime Changes war, würde ich zudem infrage stellen, ob der West­en diese Bru­tal­ität heute repro­duzieren kann, um die gewün­schte Wirkung zu erzie­len. Falls nicht, wäre der Ver­such näm­lich zum Scheit­ern verurteilt. Bei Bedarf kön­nte ich übri­gens konkrete Zahlen dazu liefern, was in etwa notwendig ist, um eine Pop­u­la­tion durch Trau­ma zur Auf­gabe zu bewe­gen. Dazu gibts Forschun­gen. Ich lass es vor­erst aber, weil das zu den Infor­ma­tio­nen gehört, die man in der Regel nicht wis­sen will. Nur soviel: Die NATO-Staat­en und Israel kom­men derzeit nicht mal in die Nähe dessen, was notwendig wäre.

          “Ist Ihnen schon ein­mal der Gedanke gekom­men, dass die israelis­chen Atom­waf­fen ein Bluff sein kön­nten?”

          Falls dies der Fall ist, soll­ten man daran schnell etwas ändern. Bluffs wer­den früher oder später gecalled. Im Augen­blick hat Israel Nach­barn, deren Arbeit eine Bevölkerungsre­duk­tion erle­ichtern würde, und die nur deshalb sta­bil sind, weil sie Israel als Buh-Mann und äußeren Feind haben. Um diese Sta­bil­ität zu erhal­ten, wird der Bevölkerung dort von klein auf einget­richtert, dass sie von Israel unter­drückt wer­den, und Juden die Über­schurken sind. Früher oder später gibt das nen Call, beson­ders, wenn es demokratis­ch­er wird. Dik­ta­toren traue ich da noch mehr Ver­stand zu, als gewählten Volksvertretern.

        • Das sagt sich leicht. Das Land ist doch recht klein und wurde immer wieder von Milizen, Ter­ror­is­ten und benach­barten Armeen heimge­sucht. Wür­den da nicht Atom­waf­fen eine große Gefahr darstellen? Ich meine, dass selb­st eine Sta­tion­ierung von US-Bomben zu heikel wäre. Unter den Geg­n­ern befind­en sich wohlge­merkt poten­tielle Selb­st­mor­dat­ten­täter.

          Mir drängt sich der Ver­dacht auch auf, weil Israel so nervös reagiert. Eine Macht­demon­stra­tion, ein Waf­fen­test auf irgen­deinem gemieteten Inselchen oder eine Mil­itär­pa­rade zum Vorzeigen der Bomben, würde ja schon die Iran­er beein­druck­en. Man hat aber wohl nix.

          Einen Regime-Change lehn ich auch ab. Aus dem von Ihnen genan­nten Grund. Wir kön­nen kein Blut sehen. Man hat sich beim Irak schon verkalkuliert, die Bevölkerung für reifer gehal­ten als sie war, weniger Gewalt einkalkuliert als nötig gewe­sen wäre. Der einzige Ort, wo ich einen mil­itärischen Dik­ta­toren­sturz begrüßen würde, ist Nord­ko­rea, aber da ste­hen die Russen und die Chi­ne­sen (noch) quer.

          Sie irren sich lei­der, dass sich so etwas wie der Holo­caust in Frieden­szeit­en nicht hätte real­isieren kön­nen. Es wäre schwieriger, aber andere Sozial­is­ten in UDSSR und Chi­na kon­nten es ja auch.

  5. Solange es Taqiyya im Koran gibt, solange glaube ich gläu­bi­gen Mus­li­men kein einziges Wort.

  6. Der Iran ist also der Böse, Israel und die USA sind also die Guten?
    Für mich ist das nicht so ein­deutig. Ich traue auch Israel und den USA alles zu.

    Ste­ht nicht der Iran schon seit vie­len, vie­len Jahren auf der Abschus­sliste der USA so wie der Irak, Libyen, Syrien? Ein Regime-Change wird seit langem angestrebt!
    Und sind nicht die USA sehr dicke mit den Saud­is, den Tod­fein­den des Irans? Es wer­den sog­ar die Ver­brechen der Saud­is im Jemen ignori­ert für diese “Fre­und­schaft”.

    Ich glaube, dass hier ver­sucht wer­den soll, einen Kon­flikt zu provozieren. Der Iran ist möglicher­weise so dumm. “mitzus­pie­len”. Und selb­st wenn nicht: Im Fall des Irak durften wir ja erfahren, dass bei Nicht­mit­spiel­ern eben etwas kon­stru­iert wird: Das erste Mal die Brutkas­ten­lüge und das zweite Mal die Massen­ver­nich­tungswaf­fen.

    Das alles heißt keineswegs, dass ich den Islam für eine friedliche Reli­gion halte. Ganz im Gegen­teil.
    Aber der West­en ist nicht weniger aggres­siv, wenn es um die Durch­set­zung sein­er Inter­essen geht.

    Schö­nen restlichen Vatertag noch. 🙂

    • Abschus­sliste finde ich etwas über­trieben, außer­dem gibt es in der Ein­schätzung immer Frei­heits­grade. Noch unter G.W.Bush war Nord­ko­rea Teil der “Achse des Bösen”, heute tre­f­fen Trump und Kim sich in Sin­ga­pur. Im Übri­gen denke ich, ein Regimewech­sel in Iran — wenn er nicht von außen mil­itärisch erzwun­gen wird — wäre das beste, was dem Iran, der Region und der Welt passieren kön­nte! Ich würde sog­ar soweit gehen zu behaupten, dass WENN dies in irgend einem islamis­chen Land ÜBERHAUPT möglich sein kann, ohne dass danach etwas entste­ht, was schlim­mer ist als das Regime zuvor, dann im Iran! Ich glaube, wenn das Königshaus in Sau­di-Ara­bi­en plöt­zlich ver­schwände, gin­ge eine Stunde später das Licht aus und Bürg­erkrieg herrschte — während die Iran­er in der­sel­ben Sit­u­a­tion erst einen Fre­itag später merken wür­den, dass irgend etwas am Fre­itags­ge­bet anders ist.

  7. Alles dif­feren­zierte, was man zu dem Iran-Israel-Kon­flikt sagen kann, verge­ht einem, wenn man die typ­isch deutschen Kom­mentare ange­hört hat. Alles irgend­wie so:

    Moslems immer unter­drückt und lieb
    Israel immer Aggres­sor
    Inter­na­tionales Recht kommt von Gott und unter­stützt eigene Mei­n­ung
    Amis wollen nur Öl
    Amis akzep­tieren schlechteren Zugang zum Öl, weil kriegs­geil.
    Netanyahu .… argh.… Netanyahu
    Europa und Rus­s­land haben das mit dem Frieden ja schon fast gek­lärt.
    Leck­er gemein­sam Essen unser­er Poli­tik­er garantiert Frien­den, weil Diplo­matie.
    Juden sind lieb, außer sie man­i­festieren sich als atmende Wesen.
    Man würd doch noch sagen dür­fen, außer die Kon­ser­v­a­tiv­en, die nicht.
    Wir müssen ENDLICH unsere Beißhem­mung able­gen.
    Nie wieder Holo­caust an den Mus­li­men?!? (über­haupt ein Trep­pen­witz)
    Ger­ade wir als Deutsche müssen denen mal so richtig sagen…
    Wir als Deutsche haben ja aus der Geschichte gel­ernt, den Juden hat sie eh gefall­en.

    • Nicht zu vergessen: “Chrrrr, de Jodn!”

      Aber so sind Men­schen nun­mal. Nicht sehr helle, aber niemals ohne Mei­n­ung, und niemals ohne Mitbes­tim­mungsrecht.

    • Um es auf die Spitze zu treiben: „Wir Deutschen haben aus dem Holo­caust gel­ernt, im Gegen­satz zu den Juden.“

      Das sagt zwar kein­er, aber der Main­stream ver­hält sich genau so. Koryphäen wie Aug­stein-Walser sei dank.

  8. Lieber Herr Letsch, wie immer mein Kom­pli­ment für Ihren klaren und völ­lig real­is­tis­chen Beitrag.
    Diese Klarheit und der Real­is­mus gehen lei­der sowohl ” Europa” als auch Deutsch­land , jeden­falls der hier herrschen­den “Poli­tik­ern” völ­lig ab. Sowohl in der Innen‑,als auch in der Außen­poli­tik bekom­men die sich in Sachen Islam-Appease­ment
    kaum ein. Man kann sich nicht tief genug ver­beu­gen, niemals genug Ver­ständ­nis zeigen und nicht laut genug die“Friedfertigkeit” des Islam beto­nen und alle Zwei­fler als “Pho­bis­ten” ver­leum­den.
    Wenn der Rest der ” west­lichen Welt” nicht begin­nt, defin­i­tiv rote Lin­ien zu ziehen ( wie D. Trump) und eine Über­schre­itung sofort auch ggf. mit Gewalt zu sank­tion­ieren, wird der Rest kein­er mehr bleiben und unsere alte Welt im islamis­chen Chaos unterge­hen. Es hat schon begonnen.….

    Für Sie einen schö­nen Vatertag, gedenken wir heute alle Gottes Sohn.

    Ihr Andreas Stüve

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