Karrikatur aus 'Times of Israel'Nach­dem ins­be­son­de­re die deut­schen Medi­en seit zwei Jah­ren kei­ne Beschimp­fung Trumps aus­ge­las­sen haben und ver­su­chen, immer noch einen Gang hoch­zu­schal­ten, um den „Irren im Wei­ßen Haus“ dazu zu brin­gen, aus dem Amt zu schei­den und zu die­sem Zweck über den Atlan­tik hin­weg mit Platz­pa­tro­nen schie­ßen, macht Trump außen­po­li­tisch ein sehr spe­zi­el­les Ver­spre­chen wahr. Näm­lich das, unbe­re­chen­bar zu sein. Dies aller­dings macht ihn in einer für Poli­ti­ker eher unge­wöhn­li­chen Art und Wei­se sogar sehr bere­chen­bar. Man muss sich nur sei­ne Ankün­di­gun­gen und Ver­spre­chen von vor zwei oder drei Jah­ren noch­mal anse­hen, um zu wis­sen, was er beschlie­ßen wird. Es ist über­haupt gut, sich gele­gent­lich an das Geschwätz von Poli­ti­kern von vor drei oder fünf Jah­ren zu erin­nern, auch wenn gera­de der deut­sche Michel alle vier Jah­re frei­wil­lig eine Art Reset-Knopf im Kopf drückt, um jeder „neu­en“ Regie­rung eine neue 100-Tage-Chan­ce zu geben – und sei die Regie­rung im Kern auch noch so alt. Jetzt hat Trump also den Atom-Ver­trag mit dem Iran außer Kraft gesetzt und die Euro­pä­er geben vor, die Welt nicht mehr zu verstehen.

Als der israe­li­sche Minis­ter­prä­si­dent in einer Art Zau­ber­show die Erkennt­nis­se des israe­li­schen Geheim­diens­tes prä­sen­tier­te, taten alle am Atom-Ver­trag mit dem Iran Betei­lig­ten (außer den Ver­ei­nig­ten Staa­ten) so, als hät­te man ihnen drei Tage alten auf­ge­wärm­ten Kaf­fee als Gruß aus der Küche ser­viert. ‚Ken­nen wir alles, nichts Neu­es, nicht wich­tig, irrele­vant.‘ Nie­mand schien ver­ste­hen zu wol­len, was die Ent­hül­lung schein­bar alter Erkennt­nis­se wirk­lich bedeutete.

Drehen wir die Uhren ein paar Jahre zurück

Der Ver­dacht, der Iran arbei­te heim­lich an einem Atom­waf­fen­pro­gramm, bestand seit Jahr­zehn­ten. Lan­ge Zeit glaub­te man, ein Bei­tritt zum Atom­waf­fen­sperr­ver­trag kön­ne sol­che Ambi­tio­nen been­den, lan­ge wur­de dar­über ver­han­delt. Anlass waren die Ankün­di­gun­gen der Ira­ni­schen Staats­füh­rung, Isra­el „von der Land­kar­te“ zu til­gen und der Dro­hung, dass beim Ein­satz der nuklea­ren Opti­on der Iran höchs­tens einen Scha­den davon­tra­gen wer­de, wäh­rend Isra­el voll­stän­dig zer­stört wür­de. 2003 unter­zeich­ne­te der Iran schließ­lich den Atom­waf­fen­sperr­ver­trag, aber unter Pro­test. „Wir haben der Unter­zeich­nung des Pro­to­kolls zuge­stimmt, um zu bewei­sen, dass unse­re Akti­vi­tä­ten fried­lich sind“, kom­men­tier­te der Lei­ter der Ira­ni­schen Atom­ener­gie-Orga­ni­sa­ti­on, Ghol­am­re­sa Agha­sa­deh. Außer dem Iran haben bis­her nur Indi­en, Isra­el, Paki­stan und der Süd­su­dan das Abkom­men nicht unter­zeich­net. Dass der Süd­su­dan der­zeit nicht in der Ver­fas­sung ist, Atom­waf­fen zu ent­wi­ckeln, soll­te klar sein. Auch klar ist, war­um sich Indi­en und Paki­stan gegen­sei­tig das Mes­ser an die Gur­gel pres­sen, pfle­gen bei­de doch seit Jahr­zehn­ten eine „inni­ge Feind­schaft“, die in Kasch­mir immer wie­der auf­fla­ckert. Auch die Fra­ge, war­um das von allen Sei­ten mit Aus­lö­schung bedroh­te Isra­el sich die­se ulti­ma­ti­ve Opti­on offen­hält, ist hin­rei­chend erör­tert wor­den. Mei­ne Gefüh­le dies­be­züg­lich sind gemischt, weil ich einer­seits Dop­pel­stan­dards ableh­ne, ande­rer­seits sehr wohl sehe, dass Isra­el die­se Waf­fe, wenn es sie denn hat, was nie­mand bezwei­felt, als eine Art Grup­pen­ti­cket zur Höl­le betrach­tet, dass nur lösen kann, wer ver­sucht, Isra­el zu ver­nich­ten. Einen offen­si­ven Ein­satz hat Isra­el jeden­falls nie ange­droht. Ganz anders der Iran.

Falls sie übri­gens Nord­ko­rea auf der Lis­te ver­mis­sen: die Kims haben ihre Unter­zeich­nung zurück­ge­zo­gen, sobald sie erfolg­reich eine Atom­bom­be zün­den konn­ten. Man sieht also, dass auch das Papier von Ver­trä­gen der edlen Sor­te, für die eine UN-Orga­ni­sa­ti­on wie die IAEO garan­tiert, im Zwei­fels­fall gera­de mal zum ein­wi­ckeln von But­ter­bro­ten taugt.

Aber der Rei­he nach. 2003 unter­zeich­ne­te der Iran also den Atom­waf­fen­sperr­ver­trag. Man war zwar belei­digt und Agha­sa­deh beton­te die fried­li­chen Absich­ten sei­nes Lan­des, aber die Welt­ge­mein­schaft fei­er­te. Man hat­te eine Unter­schrift unter einem Ver­trag, und wann hät­te man je davon gehört, dass ein sol­cher Ver­trag je gebro­chen wor­den sei! Man klopft auf Holz, dreht sich im Kreis und sagt dabei drei­mal laut „Nevil­le Cham­ber­lain“ und alles wird gut. Unter­des­sen leg­te der Iran immense Beschaf­fungs­ak­ti­vi­tä­ten an den Tag, um unter Umge­hung bestehen­der Sank­tio­nen an Zen­tri­fu­gen zur Uran­an­rei­che­rung zu bas­teln, wovon der Wes­ten erst dann so rich­tig Wind bekam, als ein fie­ser klei­ner Com­pu­ter­vi­rus namens Stux­net 2010 die­se Zen­tri­fu­gen schnel­ler lau­fen ließ, wodurch ein gro­ßer Teil davon zer­stört wurde.

„Was zur Höl­le macht ihr da, ihr Mul­lahs?“ frag­te sich die Welt und zeig­te auf den schö­nen Ver­trag. Ihr wollt doch wohl nicht doch… „Nein, nein!“, kam die Ant­wort aus Tehe­ran. Wir wol­len die Atom­kraft nur fried­lich nut­zen! Im Sep­tem­ber 2013 sprach der neue ira­ni­sche Prä­si­dent Roha­ni, der nach dem irren Ahma­di­ned­schad im Wes­ten fast schon als Heils­brin­ger gefei­ert wur­de, vor der UN-Voll­ver­samm­lung fol­gen­de Wor­te: „Das Ziel eines Atom­pro­gramms eines jeden Lan­des darf nur die fried­li­che Nut­zung sein. Ich erklä­re hier mit aller Deut­lich­keit, dass das der allei­ni­ge Zweck des ira­ni­schen Atom­pro­gram­mes ist.“ Net­an­ya­hus War­nung vor der Rede Roha­nis im Jahr 2013 darf man aus heu­ti­ger Sicht als Mene­te­kel bezeich­nen. „Die Welt darf sich vom Iran nicht zum Nar­ren hal­ten las­sen“, sag­te er. Doch kei­ner woll­te das hören.

Der Rest ist schnell erzählt, man feilsch­te noch zwei Jah­re lang um den Ver­trag, der Iran bestritt vehe­ment, jemals ein Atom­waf­fen­pro­gramm betrie­ben zu haben und unter­zeich­ne im Grun­de aus rei­ner Gut­her­zig­keit einen Ver­trag, des­sen Geist der Atom­waf­fen­frei­heit man doch ohne­hin längst selbst fol­ge. Oba­ma war glück­lich, Mer­kel und Hol­lan­de waren glück­lich, die Ira­ni­sche Bevöl­ke­rung war glück­lich, hoff­te die­se doch, nun end­lich so etwas wie Refor­men und Frei­heit zu erle­ben. Dar­aus wur­de bekannt­lich nichts. Das Geld aus den bei­na­he sofort anlau­fen­den Inves­ti­tio­nen floss in den Macht­er­halt der Theo­kra­tie oder finan­zier­te direkt die Stell­ver­tre­ter­krie­ge im Ein­fluss­be­reich des Iran. In Syri­en ist der Iran mitt­ler­wei­le mit eige­nen Trup­pen prä­sent und die Unter­stüt­zung der Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen Hamas und His­bol­lah wird immer umfangreicher.

Doch ich schwei­fe ab. Fakt ist, der Iran hat stets bestrit­ten, nach Atom­waf­fen zu stre­ben, doch der Wes­ten ver­zich­te­te ja auch auf ein Ein­ge­ständ­nis die­ser Art, um die Par­ty im Jahr 2015 nicht zu stö­ren. Man woll­te die ira­ni­sche Unter­schrift unter dem Ver­trag, kos­te es, was es wol­le. Und die Unter­schrift kos­te­te in der Tat viel. Der Iran schaff­te es sogar, die Ver­trags­part­ner dazu zu brin­gen, sei­ne Bemü­hun­gen zur Ent­wick­lung von Lang­stre­cken-Trä­ger­ra­ke­ten unbe­rück­sich­tigt zu las­sen. Dass der ein­zi­ge Zweck die­ser Trä­ger­sys­te­me ist, ato­ma­re Spreng­köp­fe zu weit ent­fern­ten Zie­len zu tra­gen, igno­rier­te man. Kei­ner woll­te mehr genau wis­sen, was der Iran tat­säch­lich vor­hat­te, der gehör­te jetzt zu den Guten, mit dem sich pri­ma Geschäf­te machen las­sen. Dum­mer­wei­se sind die Lüg­ner in Tehe­ran noch die­sel­ben und die Israe­lis immer noch genau­so miss­trau­isch gegen­über Regie­run­gen, die ihnen mit Ver­nich­tung dro­hen. Dar­an änder­te die Unter­schrift Tehe­rans rein gar nichts.

Was in unse­ren Medi­en kom­plett unter­ging, war denn auch die wich­tigs­te Nach­richt in Net­an­ya­hus Prä­sen­ta­ti­on. Nicht die feh­len­de „smo­king gun“ war näm­lich die Top­mel­dung, son­dern die Tat­sa­che, dass es über­haupt eine „gun“ gege­ben hat. Denn das hat­te der Iran ja stets bestrit­ten. Wie darf man nun die unter­schied­li­chen Reak­tio­nen in Paris und Ber­lin auf der einen Sei­te und Tehe­ran auf der ande­ren ver­ste­hen? Nur in Tehe­ran reagier­te man logisch, indem man bei der Lüge blieb. Isra­el habe das alles erfun­den, hieß es. Einen Zacken düm­mer die Reak­ti­on aus Euro­pa: das sei alles nicht neu. Für „Part­ner“, die einen gemein­sa­men Ver­trag unter­zeich­net haben, erscheint das mehr als merk­wür­dig, wenn der eine etwas schon längst weiß, was der ande­re vehe­ment abstrei­tet. Was ist ein Ver­trag wert, der auf der­art unter­schied­li­chen Wahr­neh­mun­gen der Rea­li­tät beruht und die eine Sei­te jede im Nach­hin­ein bekannt­wer­den­de Lüge zu igno­rie­ren bereit ist? Offen­sicht­lich war man sich ja nicht ein­mal dar­über einig, aus wel­chem Grund man über­haupt einen sol­chen Ver­trag ver­han­deln musste.

Der per­si­schen Bevöl­ke­rung wur­de durch den nach­las­sen­den Druck infol­ge des Ver­tra­ges jeden­falls ein Bären­dienst erwie­sen. Refor­men blie­ben aus, die ira­ni­sche Ein­mi­schung in Syri­en oder dem Jemen ver­stärk­te sich noch, ers­te „Kon­tak­te“ des ira­ni­schen Mili­tärs mit dem israe­li­schen an der Nord­gren­ze zu Syri­en waren die Folge.

Das große Zittern

So wenig man in deut­schen Medi­en über die Gefah­ren lesen konn­te, die vom Unter­lau­fen des Ver­tra­ges aus­ge­hen, wenn die eine Sei­te nur all­zu gern bereit ist, bei­de Augen fest zu ver­schlie­ßen, so hef­tig wer­den die Fol­gen des Endes die­ses Ver­tra­ges an die Wand gemalt. Trumps Ent­schei­dung gefähr­de die Sta­bi­li­tät im Nahen Osten. Was das ange­sichts der zahl­rei­chen offe­nen Kon­flik­te für eine Sta­bi­li­tät sein soll, erfährt man indes nicht. Es ist letzt­lich nichts ande­res als die gekränk­te euro­päi­sche Eitel­keit, die aus den Reak­tio­nen abzu­le­sen ist. Mar­tin Schulz, des­sen Ego ohne­hin weid­wund am Boden liegt, bringt es in einem SPON-Arti­kel auf den belei­dig­ten Punkt: „der Atom-Deal ist einer der größ­ten diplo­ma­ti­schen Erfol­ge Euro­pas in den letz­ten Jahr­zehn­ten“. Es war so ein schö­ner Ver­trag und Euro­pa wirk­te dar­an mit. Sowas möch­te man sich nicht dadurch kaputt machen las­sen, dass die Ver­trags­in­hal­te kaum bin­den, der Iran sei­ne Waf­fen­pro­gram­me nicht offen­le­gen muss­te und sich gegen Zusi­che­rung reich­li­chen Gel­des ledig­lich dazu her­ab­ließ, künf­tig mit sei­nen Ver­nich­tungs­am­bi­tio­nen gegen­über Isra­el lang­sa­mer vor­an zu gehen. Schulz‘ For­de­rung, die „mode­ra­ten Kräf­te“ im Iran zu stär­ken zeigt die aner­zo­ge­ne Blind­heit gegen­über einem Extre­mis­mus, der bis­her allen Regie­run­gen im Mul­lah-Staat gemein­sam war und bei dem sich ledig­lich die Ver­pa­ckung ändert. „Tod Isra­el, Tod den USA“ schallt es bei jeder Frei­tags­pre­digt. Und wäh­rend der­lei Hass­pa­ro­len in Deutsch­land zurecht ein Fall für den Staats­an­walt wären, lässt man das den Ver­trags­part­nern in Tehe­ran mal eben als „Folk­lo­re“ durchgehen.

Dann eben ohne Trump?

Es wird wohl noch eine Wei­le dau­ern, bis auch die in den Iran-Ver­trag ver­lieb­ten Euro­pä­er ein­se­hen wer­den, dass mit dem Mora­to­ri­um der USA der schi­cke Deal kom­plett geplatzt ist. In ihrer eilig ver­öf­fent­lich­ten gemein­sa­men Erklä­rung irr­lich­tern May, Mer­kel und Macron trotz der offen­sicht­li­chen Erkennt­nis­se, die sie selbst als „nicht neu“ bezeich­net haben, immer noch wie folgt: „Es darf kei­nen Zwei­fel geben: das ira­ni­sche Nukle­ar­pro­gramm muss für immer fried­lich und zivil sein.“ Dass es dies eben nie war, blen­det man ein­fach aus. Auch die Ankün­di­gung der 3M’s, für die Zeit nach Aus­lau­fen „bestimm­ter Regeln“ einen „lang­fris­ti­gen Rah­men“ mit dem Iran ver­han­deln zu wol­len, ist nichts als Augen­wi­sche­rei. Genau dies hat der Iran immer abge­lehnt. Schon bei Unter­zeich­nung des Ver­tra­ges waren sich die Exper­ten dar­über einig, dass man in Bezug auf Tehe­rans Atom-Ambi­tio­nen – wenn über­haupt – ledig­lich eini­ge Jah­re Zeit gewon­nen habe.

Ohne die USA ist der Ver­trag in sei­ner jet­zi­gen Form erle­digt. Wenn die Sank­tio­nen wie­der ange­zo­gen wer­den und der Iran erneut vom inter­na­tio­na­len Zah­lungs­sys­tem SWIFT abge­klemmt wird, kann man Geschäf­te mit Tehe­ran nur noch in Bar abwi­ckeln, und Palet­ten­wei­se Bar­geld per Flie­ger zu den Mul­lahs schi­cken, wie Oba­ma dies 2016 vor­ge­macht hat­te. Gleich­zei­tig Geschäf­te mit dem Iran und den USA zu machen, wird dann auch unmög­lich wer­den, was die meis­ten Inves­to­ren abschre­cken dürf­te. Ins­ge­samt also kei­ne ange­neh­me Lage für den Iran und sei­ne euro­päi­schen Freun­de. Den Gip­fel der Heu­che­lei erklim­men übri­gens die­je­ni­gen Jour­na­lis­ten­kol­le­gen, die den USA einer­seits bei jeder Gele­gen­heit vor­wer­fen, nur an bil­li­gem Öl inter­es­siert zu sein und nun ande­rer­seits in jam­mer­vol­len Arti­keln bekla­gen, dass der Ölpreis wegen des geplatz­ten Abkom­mens wie­der zu stei­gen droht.

Aber hoff­nungs­los ist die Lage gleich­wohl nicht. Der Ball liegt aber in der ira­ni­schen Hälf­te. Dort könn­te man sich „ehr­lich machen“ und die Welt­öf­fent­lich­keit mit der stets geleug­ne­ten Wahr­heit kon­fron­tie­ren, dass man sehr wohl nach ato­ma­ren Waf­fen streb­te. Wenn die­se Pro­gram­me wirk­lich der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren, muss man doch vor einer „Tie­fen­prü­fung“ durch Exper­ten kei­ne Furcht haben. Auch könn­te man als Zei­chen des neu­en Geis­tes der Ver­söh­nung den Ton gegen­über Isra­el und den USA zivi­li­sie­ren, indem man die Ver­wün­schun­gen künf­tig unter­lässt und sei­ne Trup­pen aus Syri­en zurück­zieht. Tehe­ran ist beim Lügen erwischt wor­den, es ist an der Regie­rung dort, Ver­trau­en wie­der­auf­zu­bau­en. Indes glau­be ich nicht dar­an, dass dies gesche­hen wird, solan­ge dort ein theo­kra­ti­sches Scha­ria-Sys­tem an der Macht ist.

In einem Buch Hamed Abdel-Samads las ich fol­gen­de Anek­do­te, die ganz gut erklärt, was mich dar­an zwei­feln lässt, dass der Iran jetzt zur Ehr­lich­keit fin­den wird: Ein schii­ti­scher und ein sun­ni­ti­scher Geist­li­cher sehen auf der Stra­ße eine schö­ne Frau und zwin­kern ihr zu. Als sie dabei beob­ach­tet wer­den, reibt sich der sun­ni­ti­sche Geist­li­che ver­stoh­len über das Auge, als habe er Sand hin­ein­be­kom­men. Der schii­ti­sche Geist­li­che hin­ge­gen wird das Auge zehn Jah­re lang geschlos­sen hal­ten um zu bewei­sen, dass das Zwin­kern nie statt­ge­fun­den hat. Beim theo­kra­ti­schen Regime Irans auf vor­be­halt­lo­se Ehr­lich­keit zu hof­fen, erscheint mir lei­der eine euro­päi­sche Selbst­täu­schung zu sein.

Das Märchen von der Stabilität

Die im Umgang mit der täg­li­chen Bedro­hung geüb­ten Israe­lis ver­wen­den eine Smart­pho­ne-App, um die Bevöl­ke­rung vor den immer wie­der statt­fin­den­den Rake­ten­an­grif­fen auf ihren Staat zu war­nen. „Red Alert“ mel­de­te in der Nacht zum 10.5. meh­re­re Angrif­fe auf die Golan­hö­hen, die von der IDF ent­spre­chend beant­wor­tet wur­den. Der Spie­gel stellt den Vor­fall natür­lich wie­der ein­mal so dar, als sei der Angriff nicht die Ant­wort, son­dern die Fra­ge gewe­sen. Wir ken­nen das Mus­ter, immer nur die zwei­te Kugel zu erwäh­nen. Die IDF griff als Ver­gel­tung die Stel­lun­gen der ira­ni­schen Al-Quds-Bri­ga­den im Nach­bar­land Syri­en an. Der Akti­ons­ra­di­us und die Fähig­kei­ten gera­de die­ser Abtei­lung der ira­ni­schen Revo­lu­ti­ons­gar­de, einem mili­tä­ri­schen Staat im Staa­te, haben sich in den letz­ten Jah­ren dank des Atom-Abkom­mens mit dem Iran stark aus­ge­wei­tet. Viel­leicht soll­te sich gera­de die deut­sche Poli­tik ange­sichts der hei­li­gen Freund­schafts­schwü­re anläss­lich des 70. Jah­res­ta­ges der Grün­dung Isra­els fra­gen, ob es eine gute Idee war, einem Regime, dass sich die Ver­nich­tung des jüdi­schen Staa­tes geschwo­ren hat, auch noch die finan­zi­el­len Mit­tel dafür an die Hand zu geben. Der Sta­bi­li­tät im Nahen Osten hat der Ver­trag jeden­falls nicht genützt, son­dern gescha­det. Gut, dass Trump den Ver­trag und damit die Illu­sio­nen der Euro­pä­er been­det hat. Dem ira­ni­schen Regime jeden­falls soll­te sein dop­pel­te Spiel in Zukunft zumin­dest schwe­rer fal­len. Der Rest, lie­be Per­ser, die ihr seit lan­ger Zeit die Nase voll habt von eurem abso­lu­tis­ti­schen „Got­tes­staat“ und euch nach Frei­heit sehnt, liegt aus­schließ­lich in eurer Hand. Weder Isra­el noch die USA sind euer Feind, die Regie­run­gen der euro­päi­schen Staa­ten jedoch nicht unbe­dingt euer Freund. Denn wäh­rend sich eure Frau­en zum Bei­spiel von der ver­ord­ne­ten Ver­schleie­rung und der Bevor­mun­dung durch die Reli­gi­on zu befrei­en suchen, hält man die­se gera­de in deut­schen Regie­rungs­krei­sen für eine spe­zi­el­le Form der Frei­heit. Eine per­ver­se Form, wie ich anmer­ken möch­te. Eben­so per­vers wie die Hoff­nung, ein Stück Papier mit wäch­ser­nen Sie­geln kön­ne die Absich­ten eines gewalt­tä­ti­gen und into­le­ran­ten Regimes beenden.

Dar­auf ein drei­fa­ches „Nevil­le Chamberlain“!

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31 Kommentare

  1. War­um über­haupt ein Atom­pro­gramm? Das fra­ge ich mich sehr lan­ge schon? Ich mei­ne Deutsch­land steigt aus der Atom Ener­gie Pro­duk­ti­on aus und es wird all­ge­mein emp­foh­len es uns gleich zu tun? Nur beim Iran wird fast manisch dar­auf bestan­den, ja, sie müs­sen Atom­ener­gie pro­du­zie­ren. Wenn nicht allein das schon selt­sam ist, war­um ver­kauft ihnen denn nie­mend gleich ein gan­zes ver­fluch­tes Atom­werk das unter inter­na­tio­na­ler Auf­sicht genü­gend Strom lie­fert, damit sie dann so viel Licht machen kön­nen das in Isra­el kei­ner mehr ein­schla­fen kann.

    • „War­um über­haupt ein Atomprogramm?“

      Weil Atom­kraft toll ist

      „Ich mei­ne Deutsch­land steigt aus der Atom Ener­gie Pro­duk­ti­on aus und es wird all­ge­mein emp­foh­len es uns gleich zu tun?“

      Deutsch­lands Vor­rei­ter­rol­le beim Aus­tieg aus der Atom­ener­gie ist in etwa so nach­ah­mens­wert wie Deutsch­lands Vor­rei­ter­rol­le bei der Grenzöffnung.

      „war­um ver­kauft ihnen denn nie­mend gleich ein gan­zes ver­fluch­tes Atom­werk das unter inter­na­tio­na­ler Auf­sicht genü­gend Strom liefert“

      Ich glau­be, das war mal im Gespräch, aber dadurch wür­de sich der Iran abhän­gig von ande­ren Län­dern, und, was noch schlim­mer ist, von UN-Büro­kra­ten machen.

      • So war das. Der Iran beton­te stets, dass man unab­hän­gig sein woll­te, des­halb müs­se man die Tech­no­lo­gie ent­wi­ckeln. Ein strunz­däm­li­ches Argu­ment, weil man für die­se Tech­no­lo­gie eben doch exter­nes Fach­wis­sen benö­tigt — sie­he Zen­tri­fu­gen. Das es in öko­no­mi­scher Hin­sicht auch kei­nen Sinn ergibt, wenn man in einer glo­ba­li­sier­ten Welt, an der man vor­geb­lich so gern teil­ha­ben möch­te, das Rad neu erfin­den will, soll­te spä­tes­tens klar sein, seit wir Elon Musk scheib­chen­wei­se beim Schei­tern der Mas­sen­pro­duk­ti­on eines preis­wer­ten Elek­tro­au­tos zuschau­en dür­fen. Der woll­te auch alles allei­ne machen.
        Es gibt nur noch eine ein­zi­ge ande­re Bran­che, die so ähn­lich tickt: Zau­ber­künst­ler. Aus Grün­den. Denn wenn man ihnen auf die Schli­che kommt, ist die schö­ne Illu­si­on futsch. So beim E‑Auto, so beim Atom­ver­trag mit dem Iran.

        • Ich wür­de den Anspruch des Irans, die eige­ne Ver­sor­gungs­si­cher­heit kon­trol­lie­ren zu wol­len, nicht unbe­dingt von der Hand wei­sen. Es gibt kei­nen frei­en Markt, auf dem der Iran sein spalt­ba­res Mate­ri­al kau­fen kann, son­dern er wür­de durch Sank­tio­nen und Embar­gos erpress­bar, und wäre auf das Wohl­wol­len der lie­fern­den Län­der ange­wie­sen, die in der Regel eben­falls erpress­bar oder käuf­lich sind. Ich fand das Argu­ment des­halb eigent­lich logisch. 

          Die Ver­hal­tens­wei­sen und Aus­sa­gen aus dem isla­mi­schen Raum erge­ben durch­aus Sinn, wenn man Feind­schaft mit in die Glei­chung mit ein­be­zieht. Als West­ler neigt man dazu zu glau­ben, dass alle, die sich nicht den sel­ben Aut­ho­ri­tä­ten unter­ord­nen wol­len, wie wir selbst, ent­we­der bal­la bal­la oder böse sind, weil wir das so sehr ver­in­ner­licht haben, und uns des­halb bestimm­te Denk­struk­tu­ren feh­len. Ich glau­be, die Musel sind selbst ziem­lich ver­wun­dert dar­über, und den­ken, Allah hät­te uns mit Wahn­sinn geschla­gen. Was gar nicht mal so weit her­ge­holt ist.

  2. An die­ser Stel­le möch­te ich noch auf den Arti­kel einer mei­ner geschätz­ten Kol­le­gin­nen hin­wei­sen. Jen­ni­fer Natha­lie Pyka schlägt mit ihrem Text im Grun­de in die­sel­be Ker­be wie ich, betrach­tet dabei aber noch etwas aus­führ­li­cher die Befind­lich­kei­ten der Euro­pä­er, die aus ihrer antrai­nier­ten „Israel­kri­tik“ und „Ame­ri­ka­skep­sis“ ein­fach nicht her­aus kom­men. Statt­des­sen spielt man gern Diplo­ma­tie der unver­bind­li­chen Art, aber um des Spiels wil­len, nicht für das Ergebnis…es sei denn, es ist wirt­schaft­li­cher Natur. Das Gejam­mer der Deut­schen und der Fran­zo­sen bezieht sich näm­lich sehr vor­der­grün­dig auf die ver­pass­te Chan­ce, im Iran ordent­lich Kas­se zu machen. Isra­els Beden­ken wer­den hin­ge­hen immer nur als „gefühlt“ oder „ein­ge­bil­det“ dar­ge­stellt. Wie mir die­se Hin­ter­häl­tig­keit auf die Ner­ven geht, kann ich ohne Flü­che kaum beschreiben!
    Hier der ver­spro­che­ne Text. Genießt ihn. https://www.salonkolumnisten.com/iran-deal-europa/

    • Mit Ver­laub, das Gejam­mer der Deut­schen – jeden­falls der vor­herr­schen­den Bevöl­ke­rung – ist von den real exis­tie­ren­den Kul­tu­ren dort unten völ­lig unab­hän­gig. Die armen Neger­kin­der (so sag­te man frü­her) und die Mus­li­me sind nur Spiel­ma­te­ri­al im Bemü­hen der Deut­schen um ein rand­vol­les Punk­te­kon­to im Jen­seits – was auch immer sich ein Athe­ist dar­un­ter vor­stel­len mag.

      Es geht um die Selbst­er­hö­hung, es geht um den Beweis das eige­nen Über­men­schen­tums, zumal auch bei den Alten, die noch kno­cking on heaven’s door die Hei­li­ge Mut­ter Ange­la wäh­len. Hen­ryk Bro­der sagt zum Glück sehr deut­lich, dass wir unse­re Mün­del in unse­rer Nai­vi­tät sogar um ihre Zukunft betrügen.

      Manch­mal wür­de man sich wün­schen, es gäbe mehr Chi­cos (Kampf­hund in Han­no­ver), an denen sich unrei­fe Jugend­li­che und gelang­weil­te Senio­ren mit Peti­tio­nen selbst­ver­wirk­li­chen könn­ten, ohne gro­ßen Scha­den anzurichten.

      • Je bedroh­li­cher, des­to bes­ser. In Soma­lia wur­de eine deut­sche Kran­ken­schwes­ter ent­führt und Außen­mi­nis­ter (schüt­tel) Maas LOBT vor eini­gen Tagen im Nach­bar­land Äthio­pi­en das Enga­ge­ment Deut­scher im Aus­land — anstatt davor zu WARNEN!

        Selbst­er­hö­hung und Frem­den­lie­be, weil man zu einem gerüt­telt Maß an Eigen­lie­be zu fei­ge ist. Auch das ist lei­der typisch deutsch.

      • Pap­per­la­papp.

        Es geht dar­um, der Welt klar­zu­ma­chen, dass es einen deut­schen Holo­caust NIEMALS mehr geben kann, weil die deut­sche Bevöl­ke­rung HEUTE so gut, anteil­neh­mend, mit­füh­lend, gross­zü­gig, her­zig, und unzwei­fel­haft klar & deu­tig auf der Sei­te des Guten, Wah­ren, Lich­ten, und Schö­nen steht.

        Jeden­falls, solan­ge kein Gegen­wind herrscht.

    • Die­ses „Ver­gnü­gen“ tei­le ich doch gerne.

      Mir wur­de heu­te von einem sehr guten Freund (mit dem ich auch ger­ne alt wer­den möch­te — also ist bei gewis­sen The­men für­der­hin „Schnau­zehal­ten“ ange­sagt) mit­ge­teilt, dass ich zwar sehr gut sei in Sachen „Big Pic­tu­re“, aber den­noch sehr zu wün­schen übrig lies­se ich Sachen „Empa­thie“ (Flücht­lin­ge, Ein­wan­de­rer, Sub­si­diä­re, Schatz­su­chen­de, Schnor­rer, etc).

      Ich ant­wor­te­te ihm, scham­los ent­waff­nend offen, und teil­te ihm mit, dass er Recht hat. Die Gefühls­welt der anti-west­li­chen Welt inter­es­siert mich nicht ein­mal für eine Sekun­de („You no like? You go hang yourself!), und das Gewin­sel der abge­lehn­ten Asyl­be­wer­ber ver­stärkt nur mei­ne Ver­ach­tung für die­se Schmarotzer.

      Die Israe­lis wis­sen anschei­nend wenigs­tens noch, war­um es sich lohnt zu kämp­fen, und wofür es sich lohnt zu leben.

      Der Rest: Devolution?

  3. „weil ich einer­seits Dop­pel­stan­dards ableh­ne“ – Wer Gun­nar Hein­sohn kennt, wird um die Dop­pel­stan­dards gar nicht her­um­kom­men. Der Iran hat vie­le unge­bil­de­te jun­ge Män­ner, Isra­el hin­ge­gen inves­tiert Hun­dert­tau­sen­de in die Bil­dung jedes ein­zel­nen Bür­gers. Der Iran könn­te also, ganz abge­se­hen von der schie­ren Grö­ße, den Ver­lust einer Groß­stadt locker weg­ste­cken, Isra­el nicht. Wer trägt also das höhe­re Risi­ko, falls es doch zu einem nuklea­ren Waf­fen­gang käme?

    • Im Iran muss man auf die Frau­en set­zen, nicht auf die Män­ner! Das soll­te man in einer patri­ar­cha­len Des­po­tie ohne­hin tun.

      • Die Frau­en im Iran sind aller­dings nicht die­je­ni­gen, die dem ande­ren Geschlecht mit dem Leder­gür­tel ein­trich­tern, was rich­tig, und was falsch ist.

      • Ich weiß, Du hasst mich all­mäh­lich für die Wider­re­de, aber… Fällt Dir, außer Ruan­da und den Trüm­mer­frau­en, ein Bei­spiel dafür ein, bei dem das mit den Frau­en mal ohne vor­her­ge­hen­dem gewalt­sa­men Bevöl­ke­rungs­schwund geklappt hat? Die­ser scheint näm­lich irgend­wie dazu zu gehö­ren, wenn auf die Schnel­le ein Sys­tem durch ein Ande­res ersetzt wer­den soll.

        • Ich habe nichts gegen Widerreden. 😉
          Viel­leicht geht es ja mal ganz ohne Gewalt. Oder mit wenig. Ver­gli­chen mit ande­ren Län­dern, spe­zi­ell denen der ara­bi­schen Welt, sind die Frau­en im Iran bes­ser aus­ge­bil­det. Bes­ser zumal als die Män­ner. Aber ich gebe zu, dass die Hoff­nung nur eine klei­ne ist.

  4. Also, ich glau­be, dass die Lage um Isra­el her­um so ver­kackt ist, dass man sich nicht ein­mi­schen soll­te. Isra­el wird von der Bevöl­ke­rung sei­ner Nach­barn über­wie­gend gehasst, und wür­de über­haupt nicht mehr exis­tie­ren, wenn es in der Regi­on demo­kra­tisch zugin­ge. Die Nach­barn nut­zen Isra­el um vom eige­nen Ver­sa­gen abzu­len­ken, und müss­ten dem, wenn sie es könn­ten, Taten fol­gen las­sen. Aller­dings kön­nen sie nicht. Isra­el hat moder­ne Atomwaffen. 

    Nun möch­te der Iran auch eini­ge schlag­kräf­ti­ge Argu­men­te haben, und wer könn­te es ihm ver­den­ken. Der Iran steht, zusam­men mit Syri­en, offi­zi­ell auf der Abschuss­lis­te des Wes­tens, und was den Wes­ten von einer offen­si­ve­ren Regime Chan­ge Stra­te­gie abhält, ist mili­tä­ri­sche Macht. Liby­en und den Irak konn­te man weg­bom­ben, aber erst nach­dem die­se ihre Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen auf­ge­ge­ben hat­ten. Hät­ten die­se Län­der die Mög­lich­keit gehabt, mal eben eini­ge Qua­drat­ki­lo­me­ter Land zu ste­ri­li­sie­ren, hät­te es kei­ne Regime Chan­ge Ver­su­che gegeben. 

    Es gibt nur zwei Mög­lich­kei­ten, mili­tä­risch über­le­ge­ne Geg­ner zu besie­gen: Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen und Ter­ro­ris­mus. Es ist im Inter­es­se der bereits star­ken Län­der, Ande­re dar­an zu hin­dern, von die­sen Mög­lich­kei­ten Gebrauch zu machen, und es ist im Inter­es­se der schwa­chen Län­der, ihre Res­sour­cen vor­ran­gig in die­sen Berei­chen zu inves­tie­ren. Isra­el hat im Augen­blick Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen, und die Ande­ren wol­len die­se eben­falls haben, weil sie der­zeit im Fal­le einer Eska­la­ti­ons­stra­te­gie unter­le­gen sind.

    Isra­el möch­te natür­lich, dass die Ande­ren auch wei­ter­hin unter­le­gen sind, wes­we­gen Netan­ja­hu neu­er­dings sei­ne Reden in Eng­lisch und nicht in Ivrit hält, und ver­däch­tig vie­le Inter­views bei CNN&Co gibt, um den Wes­ten in den Kon­flikt mit hin­ein zu zie­hen. Ich fin­de, er soll­te dabei etwas auf­rich­ti­ger wir­ken. Sonst kann ers, aber in den Inter­views, die ich gese­hen habe, kann man sich nicht des Ein­drucks erweh­ren, dass er nur die hal­be Wahr­heit sagt. 

    Naja, und der End­ef­fekt ist: Der Wes­ten hat eine der­ma­ßen schlech­te Erfolgs­quo­te mit sei­nen Regime Chan­ge Ver­su­chen, dass ich mit­ler­wei­le prin­zi­pi­ell dage­gen bin. Man hats mit aller Ent­schie­den­heit ver­sucht, es hat nicht geklappt, und jetzt muss man dar­aus ler­nen. So weit ich weiß, wur­den die Aya­tol­lahs mehr oder weni­ger demo­kra­tisch gewählt, und nun müs­sen die Ira­ner mit den Kon­se­quen­zen ihrer Wahl leben. Dann wer­den sie halt an Krä­nen auf­ge­knüpft. Selbst Schuld. Die Israe­lis ver­fü­gen über genü­gend Schlag­kraft um alle sei­ne Nach­barn in eine Glas­wüs­te zu ver­wan­deln, und ist dadurch sicher. Der Iran kann im Augen­blick viel­leicht eini­ge Atom­bom­ben im Kilo­ton­nen-Bereich zusam­men­schrau­ben, aber die haben nicht mehr Spreng­kraft als eini­ge kon­ven­tio­nel­le Aero­sol­bom­ben, und kämen nicht durch die israe­li­sche Luft­ab­wehr. Um in den Mega­ton­nen­be­reich zu kom­men, müss­ten die Ira­ner Tests ver­an­stal­ten, und am Mor­gen nach dem ers­ten erfolg­rei­chen Atom­test wäre Tehe­ran ein Krater.

    Also ist alles im Grü­nen Bereich. Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen ret­ten Leben. Kein Grund zur Ein­mi­schung. Ich wür­de sogar so weit gehen, dass ein Gleich­ge­wicht des Schre­ckens, bei dem Alle über die Kapa­zi­tät ver­fü­gen, die Regi­on im Zwei­fels­fall zu ste­ri­li­sie­ren, die frie­dens­si­chernds­te Opti­on wäre. Im Augen­blick hat man den Kon­flikt, weil Isra­el zu nett für Krieg ist, und sich in die Rol­le des­je­ni­gen drän­gen lässt, der zu böse für Frie­den ist. Isra­el wür­de eine Eska­la­ti­ons­stra­te­gie gewin­nen, hat jedoch selbst Hem­mun­gen, eine gewis­se Gren­ze zu über­schrei­ten, wes­halb die Kon­flikt­geg­ner einen lang­fris­ti­gen Kon­flikt auf klei­ner Flam­me fah­ren, und eine grö­ße­re Eska­la­ti­on ver­mei­den. Dadurch kön­nen die Kon­flikt­geg­ner ihre Bevöl­ke­rung bis zum Äußers­ten radi­ka­li­sie­ren, und müs­sen nicht viel mehr tun, als ab und zu mal eini­ge harm­lo­se Nadel­sti­che in Rich­tung Isra­els zu piek­sen, um glaub­wür­dig zu blei­ben. Es pas­siert ja nichts. Und so wird der Nah­ost­kon­flikt zu einem Selbst­läu­fer, der auch in 100 Jah­ren aktu­ell sein wird, wenn sich nichts ändert. Bei dem Radi­ka­li­sie­rungs­grad der mul­si­mi­schen Bevöl­ke­rung wür­de es mich nicht­mal wun­dern, wenn der Kon­flikt erst dann gelöst wer­den wird, sobald die ers­ten Paar Städ­te ver­glast wur­den. Dann jedoch sehr schnell. Men­schen den­ken nach, wenn plötz­lich etwas Schlim­mes pas­siert. So lan­ge alles gere­gelt zugeht, gewöh­nen sie sich dar­an, und ver­blei­ben in ihrem Trott. Und im Augen­blick ist die­ser Trott der Nahostkonflikt.

    Übri­gens sind Leu­te, die Ein­grif­fe gegen­über dem Iran befür­wor­den, weil sie behaup­ten, prin­zi­pi­ell gegen nuklea­re Auf­rüs­tung zu sein, ent­we­der dumm oder ver­lo­gen. Sau­di Ara­bi­en ist viel näher dar­an, eine Atom­macht zu sein, als der Iran. Die Sau­dis haben das Atom­pro­gramm der Paki­sta­nis finan­ziert, und sich die Opti­on gesi­chert, die dar­aus ent­stan­de­nen Waf­fen jeder­zeit kau­fen zu kön­nen. Die müs­sen nichts mehr for­schen und ent­wi­ckeln, und die Paki­sta­nis haben auch die not­wen­di­gen Tests gemacht, um in den Mega­ton­nen­be­reich vor­zu­sto­ßen. Die Behaup­tung der Sau­dis, Mil­li­ar­den­be­trä­ge ohne spe­zi­el­len Grund ins paki­sta­ni­sche Atom­pro­gramm inves­tiert zu haben, ist noch weni­ger glaub­wür­dig, als die Behaup­tung des Irans, aus­schließ­lich Strom erzeu­gen zu wollen. 

    https://en.wikipedia.org/wiki/Nuclear_program_of_Saudi_Arabia

    • Das ein akti­ver Regime-Chan­ge von außen nicht funk­tio­nie­ren kann, wenn die Men­schen im betrof­fe­nen Land nicht zumin­dest eine Idee davon bewah­ren konn­ten, wie eine halb­wegs funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie aus­sieht, ist ja wohl jedem klar. Na ja…fast jedem. Aber ich habe gera­de eine Ein­schrän­kung gemacht, die „Idee“ von Demo­kra­tie betref­fend. Wäre dies anders, wür­den Du und ich heu­te noch unter der schmut­zi­gen Flag­ge des Haken­kreu­zes leben, weil alle Welt mein­te, ein Regime-Chan­ge gin­ge ohne­hin nicht, da kön­ne man nichts machen. Ich hal­te die Ira­ner aber für intel­li­gent genug, um selbst über ihr Schick­sal zu bestim­men. Es ist eher unwahr­schein­lich, dass sie noch ein wei­te­res Mal ver­su­chen wür­den, sich in die Hän­de einer abso­lu­tis­ti­schen Ideo­lo­gie zu begeben.

      • „Ich hal­te die Ira­ner aber für intel­li­gent genug, um selbst über ihr Schick­sal zu bestim­men. Es ist eher unwahr­schein­lich, dass sie noch ein wei­te­res Mal ver­su­chen wür­den, sich in die Hän­de einer abso­lu­tis­ti­schen Ideo­lo­gie zu begeben.“

        Bezüg­lich der Intel­li­genz der Ira­ner wür­de ich wider­spre­chen. Die lie­gen, was den Durch­schnitts-IQ angeht, unter­halb des Irak. Sie­he hier:

        https://www.worlddata.info/iq-by-country.php

        Daher erscheint es mir frag­lich, ob die Men­schen dort über­haupt das Poten­zi­al zu so etwas wie „Demo­kra­tie“ haben, und Demo­kra­tie mehr als eine Wahl zwi­schen Kom­mu­nis­mus und reli­giö­sem Fun­da­men­ta­lis­mus wäre. Eli­ten­dik­ta­tu­ren schei­nen in die­ser IQ-Span­ne bes­ser zu funk­tio­nie­ren, aber Eli­ten­dik­ta­tu­ren sind unde­mo­kra­tisch. Ich per­sön­lich wäre für eine kapi­ta­lis­ti­sche Eli­ten­dik­ta­tur als kleins­tes Übel. Genau dies wird vom Wes­ten jedoch nicht verfolgt.

        „Wäre dies anders, wür­den Du und ich heu­te noch unter der schmut­zi­gen Flag­ge des Haken­kreu­zes leben, weil alle Welt mein­te, ein Regime-Chan­ge gin­ge ohne­hin nicht, da kön­ne man nichts machen.“

        Der zwei­te Welt­krieg wur­de begon­nen, als das reichs­deut­sche Finanz­sys­tem kurz vorm Zusam­men­bruch stand. Die NSDAP war aus wirt­schaft­li­cher Sicht eine sozia­lis­ti­sche Par­tei. Durch den zwei­ten Welt­krieg konn­te die staat­li­che Miss­wirt­schaft auf­recht erhal­ten wer­den, weil zum nor­ma­len Wirt­schafts­be­trieb Plün­de­rungs­wirt­schaft, Skla­ven­ar­beit, etc. hin­zu kam. Wenn man den zwei­ten Welt­krieg als Regime-Chan­ge-Ope­ra­ti­on ver­steht, könn­te es also durch­aus sein, dass die­se Ope­ra­ti­on die Exis­tenz des drit­ten Reichs ver­län­gert hat. Abge­se­hen davon, soll­te man nicht ver­ges­sen, dass Städ­te­bom­bar­de­ments und Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen zu die­ser erfolg­rei­chen Regime-Chan­ge-Ope­ra­ti­on dazu gehör­ten, und anschlie­ßend rei­hen­wei­se (teil­wei­se Unschul­di­ge) Kol­la­bo­ra­teu­re auf offe­ner Stra­ße gelyncht wur­den. Ich wür­de davon aus­ge­hen, dass die­se Din­ge für den erfolg­rei­chen Aus­gang der Ope­ra­ti­on rele­vant waren. Die Regime-Chan­ge-Ope­ra­tio­nen, die ver­such­ten, ohne die­se Mit­tel aus­zu­kom­men, sind mehr­heit­lich gescheitert.

        Was sich für mich dar­aus ergibt, ist, dass ich nicht Teil der Bevöl­ke­rung sein möch­te, die durch eine Regime Chan­ge Ope­ra­ti­on befreit wird. Manch­mal ist das Kind halt in den Brun­nen gefal­len, und es ist das klei­ne­re Übel, es nicht zu ret­ten. Die Bevöl­ke­rung ist dafür ver­ant­wort­lich, wer sie regiert. Ich wür­de mich, als Bevöl­ke­rung, daher pri­mär dar­auf kon­zen­trie­ren, dass mein eige­ner Staat nicht tota­li­tär wird, bevor ich mich in ande­ren Regio­nen ein­mi­sche. Ich habe nicht den Ein­druck, dass dies im Wes­ten geschieht. Im Gegenteil. 

        Abge­se­hen davon, glau­be ich, dass die­je­ni­gen, die ver­su­chen den Wes­ten zu isla­mi­sie­ren, durch­aus eine Poli­tik ver­fol­gen, die man mit Regime Chan­ge ver­glei­chen kann.

        • Da spre­chen Sie aber auch ein Taboo an. Süd­ko­rea, Japan, Deutsch­land hat­ten alle zu einem gewis­sen Maße erfolg­reich die Wer­te der Sie­ger über­nom­men (oder hat­ten jeden­falls den Drang es zu tun). Mit gro­ßer Bru­ta­li­tät lässt sich der Wil­le der Mas­sen bre­chen. Das läuft auf unter­be­wuss­ter Ebe­ne ab und lässt sich auch für Reli­gi­ons­wech­sel in Anti­ke und Mit­tel­al­ter dokumentieren.

          Ich glau­be mit „nie wie­der“ meint man v.a. „nie wie­der Dres­den“ und das ist auch okay. Und ich ver­ste­he es. An die­ser Stel­le getrau ich mich kaum zu fra­gen, „Und? War es das nicht wert?“

          • „Da spre­chen Sie aber auch ein Taboo an.“

            Das ist eins mei­ner liebs­ten Hobbies. 

            „Ich glau­be mit “nie wie­der” meint man v.a. “nie wie­der Dres­den” und das ist auch okay.“

            Ich glau­be, mit dem „Nie wie­der“ mei­nen unter­schied­li­che Men­schen unter­schied­li­che Din­ge. Ich per­sön­lich den­ke, dass man aus der Geschich­te die Leh­re zie­hen soll­te, dass es ziem­lich schlecht lau­fen kann, wenn man einen Staat hat, der zu groß ist, um von der Bevöl­ke­rung tot­ge­schla­gen zu wer­den, falls er sei­ne Kom­pe­ten­zen über­schrei­tet, und die Bevöl­ke­rung nicht zögern soll­te, dies gege­be­nen­falls auch zu tun. Das ist mei­ner Mei­nung nach die ein­zi­ge tie­fe­re Leh­re, die man aus jün­ge­ren deut­schen Geschich­te zie­hen kann. Die sons­ti­gen Leh­ren haben mehr mit Psy­cho­dra­ma und Kathar­sis zu tun, als mit Rationalität. 

            „An die­ser Stel­le getrau ich mich kaum zu fra­gen, “Und? War es das nicht wert?”“

            Inter­es­san­te Fra­ge. Falls man den zwei­ten Welt­krieg als Akt der Not­wehr begreift, was ich behaup­ten wür­de: Doch, das war es wert. Not­wehr recht­fer­tigt sol­che Mit­tel, und irgend­et­was muss­te man mit der neu­en Situa­ti­on auch anfan­gen, nach­dem man gewon­nen hat­te. Da gabs nicht vie­le Möglichkeiten.

            Da es aktu­ell jedoch um Regime-Chan­ge-Ope­ra­tio­nen geht, wirds kom­pli­zier­ter. Um den zwei­ten Welt­krieg als Regime-Chan­ge-Poli­tik zu betrach­ten, müss­te man anneh­men, dass die Nazis nie­man­den ange­grif­fen haben, son­dern selbst ange­grif­fen wor­den sind, oder man sie gegen ihren Wil­len in einen Krieg ver­wi­ckelt hat. Durch die­sen Krieg sind die rich­tig fie­sen Din­ge — zum Bei­spiel das Holo­caust — über­haupt erst mög­lich gewor­den. Die indus­tri­el­le Ver­nich­tung von Men­schen war eines der Pro­jek­te des tota­len Kriegs, das zu Frie­dens­zei­ten nicht in die­sem Umfang hät­te exis­tie­ren kön­nen, und das ohne den Regime Chan­ge Ver­such nicht statt­ge­fun­den hät­te. Sowas in Kauf zu neh­men, um ein unlieb­sa­mes Regime abzu­sä­gen, wäre nichts, das ich gut­hei­ßen wür­de. Das sel­be gilt für die anschlie­ßen­den Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen, und der­glei­chen. Wer sowas ohne kon­kre­te Not­wehr­la­ge in Kauf nimmt, ist selbst ein Regime, das eine der­ar­ti­ge Behand­lung ver­dient hat. 

            Sofern man annimmt, dass die Bru­ta­li­tät des zwei­ten Welt­kriegs eine Vor­aus­set­zung für das Gelin­gen des Regime Chan­ges war, wür­de ich zudem infra­ge stel­len, ob der Wes­ten die­se Bru­ta­li­tät heu­te repro­du­zie­ren kann, um die gewünsch­te Wir­kung zu erzie­len. Falls nicht, wäre der Ver­such näm­lich zum Schei­tern ver­ur­teilt. Bei Bedarf könn­te ich übri­gens kon­kre­te Zah­len dazu lie­fern, was in etwa not­wen­dig ist, um eine Popu­la­ti­on durch Trau­ma zur Auf­ga­be zu bewe­gen. Dazu gibts For­schun­gen. Ich lass es vor­erst aber, weil das zu den Infor­ma­tio­nen gehört, die man in der Regel nicht wis­sen will. Nur soviel: Die NATO-Staa­ten und Isra­el kom­men der­zeit nicht mal in die Nähe des­sen, was not­wen­dig wäre.

            „Ist Ihnen schon ein­mal der Gedan­ke gekom­men, dass die israe­li­schen Atom­waf­fen ein Bluff sein könnten?“

            Falls dies der Fall ist, soll­ten man dar­an schnell etwas ändern. Bluffs wer­den frü­her oder spä­ter gecal­led. Im Augen­blick hat Isra­el Nach­barn, deren Arbeit eine Bevöl­ke­rungs­re­duk­ti­on erleich­tern wür­de, und die nur des­halb sta­bil sind, weil sie Isra­el als Buh-Mann und äuße­ren Feind haben. Um die­se Sta­bi­li­tät zu erhal­ten, wird der Bevöl­ke­rung dort von klein auf ein­ge­trich­tert, dass sie von Isra­el unter­drückt wer­den, und Juden die Über­schur­ken sind. Frü­her oder spä­ter gibt das nen Call, beson­ders, wenn es demo­kra­ti­scher wird. Dik­ta­to­ren traue ich da noch mehr Ver­stand zu, als gewähl­ten Volksvertretern.

            • Das sagt sich leicht. Das Land ist doch recht klein und wur­de immer wie­der von Mili­zen, Ter­ro­ris­ten und benach­bar­ten Arme­en heim­ge­sucht. Wür­den da nicht Atom­waf­fen eine gro­ße Gefahr dar­stel­len? Ich mei­ne, dass selbst eine Sta­tio­nie­rung von US-Bom­ben zu hei­kel wäre. Unter den Geg­nern befin­den sich wohl­ge­merkt poten­ti­el­le Selbstmordattentäter.

              Mir drängt sich der Ver­dacht auch auf, weil Isra­el so ner­vös reagiert. Eine Macht­de­mons­tra­ti­on, ein Waf­fen­test auf irgend­ei­nem gemie­te­ten Insel­chen oder eine Mili­tär­pa­ra­de zum Vor­zei­gen der Bom­ben, wür­de ja schon die Ira­ner beein­dru­cken. Man hat aber wohl nix. 

              Einen Regime-Chan­ge lehn ich auch ab. Aus dem von Ihnen genann­ten Grund. Wir kön­nen kein Blut sehen. Man hat sich beim Irak schon ver­kal­ku­liert, die Bevöl­ke­rung für rei­fer gehal­ten als sie war, weni­ger Gewalt ein­kal­ku­liert als nötig gewe­sen wäre. Der ein­zi­ge Ort, wo ich einen mili­tä­ri­schen Dik­ta­to­ren­sturz begrü­ßen wür­de, ist Nord­ko­rea, aber da ste­hen die Rus­sen und die Chi­ne­sen (noch) quer. 

              Sie irren sich lei­der, dass sich so etwas wie der Holo­caust in Frie­dens­zei­ten nicht hät­te rea­li­sie­ren kön­nen. Es wäre schwie­ri­ger, aber ande­re Sozia­lis­ten in UDSSR und Chi­na konn­ten es ja auch.

  5. Solan­ge es Taqi­y­ya im Koran gibt, solan­ge glau­be ich gläu­bi­gen Mus­li­men kein ein­zi­ges Wort.

  6. Der Iran ist also der Böse, Isra­el und die USA sind also die Guten?
    Für mich ist das nicht so ein­deu­tig. Ich traue auch Isra­el und den USA alles zu. 

    Steht nicht der Iran schon seit vie­len, vie­len Jah­ren auf der Abschuss­lis­te der USA so wie der Irak, Liby­en, Syri­en? Ein Regime-Chan­ge wird seit lan­gem angestrebt!
    Und sind nicht die USA sehr dicke mit den Sau­dis, den Tod­fein­den des Irans? Es wer­den sogar die Ver­bre­chen der Sau­dis im Jemen igno­riert für die­se „Freund­schaft“.

    Ich glau­be, dass hier ver­sucht wer­den soll, einen Kon­flikt zu pro­vo­zie­ren. Der Iran ist mög­li­cher­wei­se so dumm. „mit­zu­spie­len“. Und selbst wenn nicht: Im Fall des Irak durf­ten wir ja erfah­ren, dass bei Nicht­mit­spie­lern eben etwas kon­stru­iert wird: Das ers­te Mal die Brut­kas­ten­lü­ge und das zwei­te Mal die Massenvernichtungswaffen.

    Das alles heißt kei­nes­wegs, dass ich den Islam für eine fried­li­che Reli­gi­on hal­te. Ganz im Gegenteil.
    Aber der Wes­ten ist nicht weni­ger aggres­siv, wenn es um die Durch­set­zung sei­ner Inter­es­sen geht. 

    Schö­nen rest­li­chen Vater­tag noch. 🙂

    • Abschuss­lis­te fin­de ich etwas über­trie­ben, außer­dem gibt es in der Ein­schät­zung immer Frei­heits­gra­de. Noch unter G.W.Bush war Nord­ko­rea Teil der „Ach­se des Bösen“, heu­te tref­fen Trump und Kim sich in Sin­ga­pur. Im Übri­gen den­ke ich, ein Regime­wech­sel in Iran — wenn er nicht von außen mili­tä­risch erzwun­gen wird — wäre das bes­te, was dem Iran, der Regi­on und der Welt pas­sie­ren könn­te! Ich wür­de sogar soweit gehen zu behaup­ten, dass WENN dies in irgend einem isla­mi­schen Land ÜBERHAUPT mög­lich sein kann, ohne dass danach etwas ent­steht, was schlim­mer ist als das Regime zuvor, dann im Iran! Ich glau­be, wenn das Königs­haus in Sau­di-Ara­bi­en plötz­lich ver­schwän­de, gin­ge eine Stun­de spä­ter das Licht aus und Bür­ger­krieg herrsch­te — wäh­rend die Ira­ner in der­sel­ben Situa­ti­on erst einen Frei­tag spä­ter mer­ken wür­den, dass irgend etwas am Frei­tags­ge­bet anders ist.

  7. Alles dif­fe­ren­zier­te, was man zu dem Iran-Isra­el-Kon­flikt sagen kann, ver­geht einem, wenn man die typisch deut­schen Kom­men­ta­re ange­hört hat. Alles irgend­wie so:

    Mos­lems immer unter­drückt und lieb
    Isra­el immer Aggressor
    Inter­na­tio­na­les Recht kommt von Gott und unter­stützt eige­ne Meinung
    Amis wol­len nur Öl
    Amis akzep­tie­ren schlech­te­ren Zugang zum Öl, weil kriegsgeil.
    Net­an­ya­hu .… argh.… Netanyahu
    Euro­pa und Russ­land haben das mit dem Frie­den ja schon fast geklärt.
    Lecker gemein­sam Essen unse­rer Poli­ti­ker garan­tiert Frien­den, weil Diplomatie.
    Juden sind lieb, außer sie mani­fes­tie­ren sich als atmen­de Wesen.
    Man würd doch noch sagen dür­fen, außer die Kon­ser­va­ti­ven, die nicht.
    Wir müs­sen ENDLICH unse­re Beiß­hem­mung ablegen.
    Nie wie­der Holo­caust an den Mus­li­men?!? (über­haupt ein Treppenwitz)
    Gera­de wir als Deut­sche müs­sen denen mal so rich­tig sagen…
    Wir als Deut­sche haben ja aus der Geschich­te gelernt, den Juden hat sie eh gefallen.

    • Nicht zu ver­ges­sen: „Chrrrr, de Jodn!“

      Aber so sind Men­schen nun­mal. Nicht sehr hel­le, aber nie­mals ohne Mei­nung, und nie­mals ohne Mitbestimmungsrecht.

    • Um es auf die Spit­ze zu trei­ben: „Wir Deut­schen haben aus dem Holo­caust gelernt, im Gegen­satz zu den Juden.“

      Das sagt zwar kei­ner, aber der Main­stream ver­hält sich genau so. Kory­phä­en wie Aug­stein-Wal­ser sei dank.

  8. Lie­ber Herr Letsch, wie immer mein Kom­pli­ment für Ihren kla­ren und völ­lig rea­lis­ti­schen Beitrag.
    Die­se Klar­heit und der Rea­lis­mus gehen lei­der sowohl “ Euro­pa“ als auch Deutsch­land , jeden­falls der hier herr­schen­den „Poli­ti­kern“ völ­lig ab. Sowohl in der Innen‑,als auch in der Außen­po­li­tik bekom­men die sich in Sachen Islam-Appeasement
    kaum ein. Man kann sich nicht tief genug ver­beu­gen, nie­mals genug Ver­ständ­nis zei­gen und nicht laut genug die„Friedfertigkeit“ des Islam beto­nen und alle Zweif­ler als „Pho­bis­ten“ verleumden.
    Wenn der Rest der “ west­li­chen Welt“ nicht beginnt, defi­ni­tiv rote Lini­en zu zie­hen ( wie D. Trump) und eine Über­schrei­tung sofort auch ggf. mit Gewalt zu sank­tio­nie­ren, wird der Rest kei­ner mehr blei­ben und unse­re alte Welt im isla­mi­schen Cha­os unter­ge­hen. Es hat schon begonnen.….

    Für Sie einen schö­nen Vater­tag, geden­ken wir heu­te alle Got­tes Sohn.

    Ihr Andre­as Stüve

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